Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Sowas wie Berge

„Wandern…!“, stöhnte der kleine Herr Maus gestern am Frühstückstisch. „Skifahren macht Spass! Aber Wandern…! Ausser in den Bergen. Auf hohe Berge wandern! Und über Felsen klettern! An Seilen und mit Leitern! Das ist toll!“

Tjanun. As close as  it gets.

(Der Wanderweg hatte zudem eine unseren Wünschen für den sonnigen Sonntag angemessene Länge. Lang genug, um Sonne, Waldluft und Vogelgezwitscher zu tanken. Kurz genug, um nachmittags noch im Garten werkeln (wir Eltern) und sich mit den Nachbarskindern austoben (die Kinder) zu können. Alle glücklich abends.)


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Russisches Roulette

Dass die britische Virusmutante sich nördlich vom Weltuntergang genauso schnell ausbreiten würde wie anderswo auch, damit konnte ja wirklich keiner rechnen. Und wenn man dann merkt, oh, Mist, wir haben da ja jetzt ganz unerwartet doch ein sehr grosses Problem, dann ist es natürlich ungemein hilfreich, erstmal wochenlang zu beraten, ob man Bars und Restaurants ganz zumachen oder doch lieber erstmal nur Tanzen und Singen Karaoke verbieten sollte, ob man Fitnessstudios ganz schliessen oder doch lieber erstmal nur auf zehn Kunden gleichzeitig beschränken sollte.

Während Schulen ganz normal auf sind und unter Zwölfjährige auch ganz normal ihren Hobbys nachgehen können, wohlgemerkt.

Wenn ich anfange, darüber nachzudenken, wieviele ungewollte Sozialkontakte unsere Familie hat und was für ein Rattenschwanz weiterer Sozialkontakte da dran hängt, wird mir ganz schlecht: ich treffe täglich mehr als 30 nicht masketragende Hortkinder, die beste Chefin und den Zivi. Die Hortkinder haben Eltern, Geschwister, eine Lehrerin, gehen zum Schwimmtraining, zum Kunstkurs, werden von den Grosseltern abgeholt. Die beste Chefin hat zwei Kinder, die in den Kindergarten gehen, wo sie wiederum auf Kinder mit Eltern und Geschwistern in Kindergarten oder Schule treffen. (Der Zivi lebt allein und verlässt aus Angst vor Ansteckung das Haus nur zum Einkaufen und Arbeiten.) Jedes unserer drei Kinder trifft täglich 18 bis 25 Klassenkameraden, die wiederum Eltern, Geschwister und Hobbys haben. Zwei unserer Kinder treffen wöchentlich ihre insgesamt drei Instrumentenlehrer*innen, die ihrerseits jeweils zig Schüler*innen haben, eins spielt einmal in der Woche im immerhin halbierten Blas(!)orchester. Eins trifft wöchentlich seine zwölf Pfadfinderkollegen (immerhin seit Schuljahresanfang konsequent draussen) und dürfte theoretisch zum Judo(!)training gehen, weil es noch nicht 13 ist, wo es dann jeweils wieder auf Kinder mit noch anderen Hobbys sowie Eltern, Geschwistern und Klassenkameraden, die wiederum Eltern, Geschwister und Hobbys haben, trifft.

Das ist keine Ansteckungsvermeidung. Das ist russisches Roulette.

Ich übertreibe?

Der grosse Herr Maus ist mit seiner Klasse seit gestern in Quarantäne. Weil seine Banknachbarin am Donnerstag positiv auf Covid-19 getestet wurde. (Und das ist nun schon der zweite derartige Fall in unserer Familie innerhalb von drei Monaten.)

Bleibt nur noch zu hoffen, dass es auch diesmal nur eine Platzpatrone war.


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Was vom Winter übrig blieb

Wir haben den Winter genutzt, jede Minute.

Wir haben jede Menge Eislichter gebaut. Wir waren skifahren, auf nahezu allen Loipen in und um Turku, bei Tages- und bei Laternenlicht, im Lieblingsskigebiet, im Moor. Wir waren Tretschlitten fahren auf dem Tretschlittensee. Wir sind gerodelt. Wir waren auf unserem Stadtteilsportplatz eislaufen und auf dem zugefrorenen See.

Nur nach Naantali auf das zugefrorene Meer haben wir es nicht mehr geschafft.

Unsere Skiferien verbringen wir statt mit Skifahren oder anderen Winteraktivitäten mit Kochen (die Kinder), Backen (die Kinder), Brettspielen (wir alle), Hausarbeit (wir Eltern), Filme gucken (die Kinder), Fotobuchgestalten für eine bald Fünfzehnjährige (ich) und Arbeit (der Ähämann).

Gestern bin ich mit dem Ähämann, dem nach fast einem Jahr Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, wenn er nicht täglich einmal rauskommt, durch das triefende Citymoor gestapft. Heute beschlossen wir spontan, einen Spaziergang durch Naantalis Altstadt zu machen, weil das vielleicht wenigstens ohne Gummistiefel mit Spikes dran zu machen wäre.

Aber dann sahen wir das Meer: auf dem Eis stand zehn Zentimeter hoch das Wasser wie ein auf dem Meer ausgelegter Spiegel, zwischen den Inseln hingen Nebelfetzen, und es waren noch jede Menge Eisangler unterwegs. (Jedes Jahr wird gewarnt, sie sollen wenigstens Schwimmwesten anziehen. Aber was lässt sich so ein Eisangler schon sagen.) Das war so faszinierend, dass wir unsere Schritte nicht nach links Richtung Altstadt, sondern nach rechts auf die Mumininsel lenkten.


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Bis zur allerletzten Minute

Sechs Wochen lang hatten wir wunderbarsten Winter.
Diese Woche haben wir „Ski“ferien.

Gestern gleich nach dem Aufstehen fragten die Kinder vorsichtig: „Ob das Eis auf dem Sportplatz noch okay ist?“ „Geht gucken!“, sagte ich, und sie zogen mit Schlittschuhen, Helmen und Eishockeyschlägern los und kamen erst zwei Stunden später wieder heim. Der Regen vom Sonntag war einfach wieder gefroren.

Heute früh um zehn kroch der kleine Herr Maus zu mir ins Bett und fragte: „Ob wir heute auch nochmal schlittschuhfahren gehen können?“ „Heute ist es zu warm“, sagte ich, „jetzt geht es wirklich nicht mehr.“ „Aber es sind drei Grad minus!“, insistierte der kleine Herr Maus.

Also gingen wir. Bis der Südwind das Eis weich pustete.

Bis zur allerletzten Minute.


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Skitour im Moor

Wir sind hier ja furchtbar verwöhnt: allüberall gibt es Skiloipen, die dauernd neu gespurt werden und bis abends um zehn beleuchtet sind. Allein die Stadt Turku unterhält 20 verschiedene Ringloipen in Wäldern und Wäldchen im Stadtgebiet; die nächstgelegene ist 500 m von unserer Haustür entfernt, und wenn sich der Winterdienst mit Streuen zurückgehalten hat, können wir direkt von der Haustür aus losfahren.

Wir lassen mittlerweile die Skier einfach auf dem Auto und die Skistöcke im Kofferraum, und wenn uns nach Schule und Arbeit noch nach einer kleinen Abendrunde auf Skiern ist – und das war es diese Woche fast jeden Abend, denn man weiss ja nie, wie lange der Winter hier in der Gegend anhält – dann suchen wir uns auf der Loipenkarte eine Loipe aus und fahren hin.

Das ist ganz wunderbar – führt aber dazu, dass wir am Wochenende dann doch eher woandershin wollen. Und grössere Runden fahren, denn was früher auf so einer Stadtloipe eine ganze samstägliche Skitour war, ist mittlerweile ja wirklich nur noch ein halbstündiger Abendspaziergang.

Und so halte ich immer die Augen und Ohren offen nach schönen Ausflugsloipen, gern ohne das dauernde Auf und Ab der Fitnessloipen, gern in schönen Landschaften. Es gibt da in guten Wintern zum Beispiel eine im nahegelegenen Nationalpark; von der hörte ich aber selbst erst vor zwei Jahren, und da nahm ja der bis dahin recht schöne Winter ein recht jähes Ende, und vom letzten sogenannten Winter reden wir mal lieber gar nicht erst.

Und so fuhren wir gestern 8 km auf gespurter Loipe durchs Moor. Bei Sonne und blauem Himmel. Und das Beste daran war, dass die Loipe einen völlig anderen Weg nimmt, als der Rundwanderweg, den wir sonst dort üblicherweise laufen.

Und wenn die Kinder nicht von Anfang bis Ende gezickt und gezetert hätten, dann wäre es gar nicht zum Aushalten schön gewesen.


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Quarantänefreuden

Vorgestern haben drei von fünf Familienmitgliedern mal wieder einen Ausflug ins Parkhaus und anschliessende Quarantäne gewonnen. Es ging uns eigentlich allen gut, aber bisschen Husten, bisschen Halsweh und bei den beiden beiden Kindern auch bisschen Bauchweh sind eben derzeit nichts, womit man einfach weiter auf Arbeit und in die Schule gehen würde.

Wir haben unsere Quarantäne in vollen Zügen genossen.

Am Mittwoch war der Winter zurückgekommen, und der kleine Herr Maus und ich machten noch vor seiner Skype-Klavierstunde eine kleine Skitour gleich von der Haustür aus in den wieder weissen Wald. Bei Tageslicht!

Und gestern gingen das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich gleich vormittags – das haben wir zum letzten Mal 2009 gemacht! – auf den zu dieser Tageszeit völlig leeren Schlittenberg. Später kamen noch – nicht gleichzeitig; wir waren wie immer die, die am längsten blieben – drei andere Kinder mit jeweils einem Elternteil auf den Schlittenberg, und alle hörten wir ein bisschen husten. Wir mussten sehr lachen über unsere Quarantänewinterveranstaltung.

24 Stunden nach Testnahme trafen hintereinander drei SMSe auf meinem Telefon ein: drei negative Testergebnisse.


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Schnee! Schnee! Ganz viel Schnee!

In Turku hat es letzte Nacht 20 cm geschneit.

Das Fräulein Maus, das früh als Erste das Haus verlassen musste, musste von der Haustür an durch unberührten Tiefschnee stapfen. Dann schob ich schnell vor der Haustür einen Durchgang frei und holte zwei Paar Skier aus dem Schuppen. Als wir gestern Abend darüber gesprochen hatten, dass heute wegen vermutlich nicht geräumter Radwege keiner von uns mit dem Fahrrad auf Arbeit und in die Schule fahren können wird, hatten die Herren Maus sofort vorfreudig gefragt: „Können wir dann mit Skiern in die Schule fahren?!“ Normalerweise geht das in Turku ja nicht, weil da jedes bisschen Schnee unter Tonnen von Streusplitt begraben oder – im Stadtzentrum – in Hektolitern von Salzlauge ertränkt wird.

Freudig zogen sie von dannen. Erst der eine, eine Stunde später in der Spur des kleinen Bruders der andere. Ich nahm eine weitere Stunde später den Bus. (Wegen der Salzsuppe im Stadtzentrum.)

Es schneite den ganzen Tag weiter.

Auf der Strasse vorm Hort blieben mindestens fünf Busse am Berg hängen. Die Hausmeister der umliegenden Häuser, zufällige Passanten und Besucher der benachbarten Bar halfen rührend – trugen schaufelweise Streusplitt quer über die Strasse unter die Busräder, schippten Schneehaufen zur Seite, regelten den übrigen Verkehr. Es hätte freilich einfach mal ein Schneepflug kommen können, aber Turku hat ja kürzlich (Klimawandel! Gibt doch keine Winter mehr!) seine gelben Geräte drastisch reduziert – was eine eine ähnlich kluge Entscheidung war wie die, im Jahr 2020 noch eine neue Tiefgarage im Stadtzentrum zu eröffnen.

Nach der Arbeit sammelte mich der Ähämann, der den kleinen Herrn Maus ins Konservatorium zum Theorieunterricht gefahren hatte, am Strassenrand ein. (Das Fräulein Maus hätte auch dabeisein sollen, aber ihre Harfenlehrerin war mit dem Auto gar nicht erst von zu Hause weggekommen und hatte kurzfristig eine Harfenstunde per Skype angesetzt.) Als wir heimkamen, waren gerade zwei Schneepflüge auf den Fusswegen zwischen unseren Häusern und auf dem Parkplatz zugange. Der Fahrer des einen sprang zuletzt aus seiner Kabine, warf einen kurzen prüfenden Blick in die Runde und kündigte an, heute nacht nach drei, wenn es sich langsam ausgeschneit haben würde, wiederzukommen und weiterzumachen.

Die Nachbarskinderschar fing augenblicklich an, die grossen Schneehaufen für ihre Zwecke umzugestalten.


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kolmesataakahdeksankymmentäkaksi

Am Freitag sah ich beim Hortkinder-aus-der-Schule-Abholen eine 382. (Ja, genau.)

Abends, als ich nach Feierabend mein Fahrrad losschloss, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich nicht eigentlich doch erst auf der Suche nach der 381 war, aber genau in diesem Moment bog eine 381 in den Hof ein. Ein Kennzeichen weiter wäre ich also so oder so.

Zu Hause stellte sich dann raus – zum Glück protokolliere ich das hier immer – dass ich jetzt doch schon nach der 383 Ausschau halten kann.

***

Als ich gestern nach Feierabend mein Fahrrad losschloss, war es nicht nur sowieso viel heller als letzte Woche, weil jetzt endlich Schnee liegt, sondern sogar der Himmel war noch dunkelblau.

Fünf Minuten, nachdem ich zu Hause angekommen war, stand der kleine Herr Maus, der den ganzen Nachmittag mit einem Schulfreund rodeln gewesen war, vor der Tür und rief: „Mama! Skifahren!

Was tut man nicht alles für seine Kinder…! ;-)

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