Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Im Mittelalter

Als man 1995 eine ehemalige Fabrikantenvilla in Turku zu einem Museum für moderne Kunst umbauen wollte, stiess man bei den Bauaurbeiten auf guterhaltene Mauerreste aus dem Mittelalter.

Deswegen ist das Museum heute ein doppeltes: im ersten Stock eins für wechselnde Kunstausstellungen, und im Keller eins für Archäologie.

Bei unserem Stadtspaziergang letzte Woche kam beim kleinen Herrn Maus der ganz dringende Wunsch nach einem Besuch im „Steinmuseum“ auf. Und so ging ich gestern mit den Herren Maus – während das Fräulein Maus und der Ähämann auf Wettkampfreise in Tampere waren – da hin.

Wir stiefelten durch altes Gemäuer, probierten mittelalterliches Spielzeug aus und hörten uns aus Knochen geschnitzte Flöten an. Seit neuestem gibt es da eine Sonderausstellung mit Tierknochen und -skeletten, die man bei den Ausgrabungsarbeiten gefunden hat, das freute den grossen Herrn Maus ganz besonders, der mir am Morgen erst wieder erklärt hatte, dass er Tiermuseen viel interessanter fände als Kunstmuseen. Am spannendsten aber fanden die Herren Maus – wie seit Jahren! – die Puppenhäuser, in denen man das mittelalterliche Leben nachspielen kann.

Die Dusche ist nicht aus dem Mittelalter. ;-)
(Sie gehört zu einer Badeanstalt, die sich Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls an dieser Stelle befand.)


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Rekord

Der gestrige Sonntag endete übrigens mit einem Besuch in der Notaufnahme.
(Waren wir ja auch schon lange nicht mehr…)

Der kleine Herr Maus nämlich, der schon den ganzen Tag ein bisschen angeschlagen war, fing abends plötzlich an „Mein Ohr! Mein Ohr tut so weh!“ zu jammern. Und erfahrungsgemäss begibt man sich dann besser sofort mit ihm zum Arzt.

Der Ähämann fuhr also den kleinen Herrn Maus und mich in die Notaufnahme, bevor er das Fräulein Maus vom sonntagabendlichen Training holte; abholen würde er uns dann irgendwann später, sobald wir eben fertig seien, das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus könnten ja schon mal schlafen gehen.

19:38 Uhr. Wir betreten den Wartebereich der Notaufnahme und haben noch nicht mal einen Blick auf unsere soeben gezogene Nummer – „Kinder unter 18“ – werfen können, da werden wir schon von einem Krankenpfleger in eins der Vorzimmer, wo grob eingeschätzt wird, welche Art Behandlung gebraucht wird und wie dringend die ist, gerufen. „Habt ihr angerufen?“, fragt er. „Äh… hätten wir das gesollt?“, frage ich zurück. „Ach naja, nee, ist nicht so wichtig. Also die Leute sollen ja eigentlich nur hierherkommen, wenn es wirklich dringlich ist, und deswegen beraten wir die Leute gern vorher am Telefon, aber man kann natürlich auch einfach vorbeikommen. Aber ich gebe euch mal die Telefonnummer mit… Worum geht’s denn?“ Ich berichte. „Alles klar. Henkilötunnus?“ Ich komme wie immer nur bis zum Geburtstag – die letzten vier Stellen weiss ich immer nur jeweils von dem Kind, mit dem ich zuletzt beim Arzt war – und fange an, die Kela-Karte rauszukramen, aber der Pfleger winkt ab: „Geburtsdatum und Name reicht auch!“ Und richtig hat er ihn auch gleich gefunden. „Du gehst ja schon in die Schule!“, sagt er zum kleinen Herrn Maus. „Gefällt’s dir in der Schule?“ Der kleine Herr Maus sieht elend aus, vergräbt sein Gesicht in Riesig, seinem Elefanten, den ihm der grosse Herr Maus noch fürsorglich vor der Abfahrt gereicht hat, und schüttelt den Kopf. Der Krankenpfleger öffnet uns die andere Tür, die, die in die Tiefen der riesigen und verschlungenen Notaufnahme führt, und zeigt uns: „Da ganz am Ende von diesem Gang ist das Kinderwartezimmer, da…“ „Ja,“ sag‘ ich, „danke, kennen wir. Wir sind öfter hier.“

Der kleine Herr Maus tappelt tapfer neben mir her. Im Kinderwartezimmer ist ausser uns niemand, nur ein kleines Mädchen, das aber offensichtlich schon irgendwie in Behandlung ist. Das heisst aber nichts – man kann da manchmal trotzdem noch zwei Stunden sitzen. Im Fernsehen läuft Eishockey, ein Buch haben wir auch dabei, aber der kleine Herr Maus vergräbt nur abwechselnd sein Ohr in meinem Schoss oder läuft wimmernd im Kreis. Und wir haben noch keine fünf Minuten gewartet, da wird er schon aufgerufen. „Hallo, komm rein, setz dich, ich bin Teemu, was hast du denn?“, fragt er den kleinen Herrn Maus. Ich berichte. Der Arzt guckt in die Ohren, in den Hals und hört den kleinen Herrn Maus ab. „Willst du auch mal hören?“, fragt er den kleinen Herrn Maus. Der nickt schüchtern und bekommt das Stethoskop umgehängt. „Hörst du? Das Bummbumm-bummbumm? Das ist dein Herzschlag.“ Der kleine Herr Maus lächelt. Der Arzt stellt ihm ein e-Rezept aus. Er klickt erstmal sehr viel mit der Maus rum und sagt entschuldigend zu uns: „Ich hab‘ hier alle Patienten stehen, ich muss das erstmal ändern… Ich bin eigentlich Anästhesist, aber wenn ich nicht gebraucht werde, dann arbeite ich einfach die Warteschlange mit ab.“ Er sagt übrigens nicht „Anästhesist“, sondern, damit der kleine Herr Maus ihn auch versteht, „Einschläferarzt“. (Und ja, so sagt man das auf Finnisch.) „Ach so,“ sagt er dann noch zu mir, „die werden da in der Apotheke mit dir diskutieren wollen, weil dieses Antibiotikum bisher eine Woche lang genommen werden musste. Aber wenn die Symptome wegsind, dann reichen fünf Tage. Lass dir die zweite Flasche nicht aufschwatzen!“ Und: „Tschüss!“, winkt er dem kleinen Herrn Maus und mir. 19:56 Uhr.

Unter zwanzig Minuten!
Das war sozusagen der Rekord an Schnelligkeit. Und Kinderfreundlichkeit!

Der kleine Herr Maus und ich mussten dann sogar noch zehn Minuten warten, bis der Ähämann mit dem Fräulein Maus von der Turnhalle gefahren kam und uns wieder einsammelte. Dann mussten wir noch in die einzige bis 23 Uhr geöffnete Apotheke im Stadtzentrum fahren; die erste Portion Antibiotikum flösste ich dem kleinen Herrn Maus noch dort ein. Zu Hause fiel er gleich ins Bett, schlief die ganze Nacht durch und wachte früh schmerzfrei auf.

(Hab‘ ich eigentlich schon mal gesagt, dass das finnische Gesundheitssystem gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf?!)


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Allerheiligen 2017

Die Kinder liefen den ganzen Tag verkleidet – ein Vampir, eine Fledermaus, eine Spinne – durch die Wohnung und erdachten sich immer weitere Einzelheiten – blinkende Lämpchen, schaurige Masken, plötzlich von der Decke baumelnde Schlangen, unsichtbar durchs Zimmer gespannte Schnüre – für ihre verdunkelten KinderzimmmerGruselkabinette, in die sie uns immer wieder zum Gucken einluden. Der Ähämann und ich gruselten uns sehr und riefen abwechselnd „Iiiih!“ und „Huch!“ und „Hilfe!“.

Nach Sonnenuntergang wuschen sie sich die Schminke ab und zogen sich warme Sachen an und wir fuhren auf den Friedhof.

Ich finde das so schön, dieses Lichtermeer zu Allerheiligen und am Heiligabend!

Auf jedem Friedhof gibt es ausserdem eine Stelle, an der man seine Kerzen für Menschen, die anderswo begraben sind, abstellen kann. Dort stehen dann immer hunderte Kerzen dicht an dicht. (Und eine Kerze für Blechi.)


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Sieben!

Wir stellten den Wecker auf kurz nach sechs, damit der arme Erstklässler, der als einziges Kind der Familie an vier von fünf Tagen schon früh um acht in der Schule sein muss, noch seine Geschenke auspacken kann.

Wäre gar nicht nötig gewesen. Er hibbelte schon seit kurz vor sechs im Bett rum.

Als die Geburtstagskerzen angezündet waren und er endlich aufstehen durfte, machte er mehrere sehr hohe Luftsprünge, als er den seit langem gewünschten Elefanten, dem er schon genauso lange den Namen „Riesen-Riesig“ zugedacht hatte – er hat nämlich auch einen „Riesig“ und einen „Winzig“ – erblickte.

Nach der ersten Schulstunde holte ich ihn wieder ab und fuhr mit ihm – wir sind ja da sowieso quasi zu Hause – in die Lieblingszahnklinik. Mit Überweisung von der Schulschwester. Am Tag vorher hatte er sich nämlich beim Sportunterricht die Vorderzähne eingeschlagen. Kandi 205 und Ausbilderin gaben beide Entwarnung – es waren zum Glück noch Milchzähne und die Verletzung auch nicht sehr tief. Dann liefen wir gemeinsam zurück zur Bushaltestelle, und dann stieg ein sehr erwachsener Siebenjähriger ganz allein in den Bus, winkte mir lachend noch einmal zu und fuhr zurück zur Schule.

Das dritte Kind wird irgendwie dreimal so schnell gross…
(Schon immer.)


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Zwei Tage Winter

Für Donnerstag war Schneeregen vorhergesagt. Er kam schon Mittwochabend, und als wir Donnerstagfrüh aufstanden, war alles weiss. Mindestens zehn Zentimeter Neuschnee!

(Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, wie schnell das hier geht!)

Das Fräulein Maus durfte die ersten Tapsen in die unberührte Schneedecke machen. Der kleine Herr Maus hüpfte vor Freude, weil er seinen Schneeanzug anziehen durfte.
Zwei Abende lang habe ich die Kinder nur zwischen Schneehaufen gesehen und mit den Nachbarskindern um die Wette juchzen gehört. (Ab und zu kam einer heim und tauschte ein Paar nasse Handschuhe um. Oder bat um noch einen Poporutscher.) Sogar der Akseli hatte ein Einsehen und liess den Kindern mit den Worten: „Den Schnee könnt ihr ja dann später selbst wegmachen!“ ihre Rodelbahn, die über den Fussweg führte.
Als ich gestern nach Hause kam, begrüsste mich schon von weitem ein riesiger, freundlicher Schneemann , den die Nachbarskinderschar* gemeinsam an für alle gut sichtbarer Stelle – „Und nachts wird er sogar beleuchtet! Wir haben ihn nämlich unter die Laterne gebaut!“ – errichtet hatte. Er trug den Schal, den ich dereinst für den Damals-noch-nicht-Ähämann gestrickt hatte, um den Hals und ein Sandeimerchen des jüngsten Nachbarskindes auf dem Kopf. Vor allem war er riesig – grösser jedenfalls als das grösste Nachbarskind, und stolz berichteten sie mir, wie sie es dennoch gemeinsam und ohne Hilfe von Erwachsenen geschafft hatten, die gewaltigen Kugeln so weit hoch zu hieven.
Ich himmelte zwei Tage lang den Schnee an roten Vogelbeeren und gelben Birkenblättern an. (Das gibt es nämlich nicht so oft.)

Jetzt regnet es übrigens. In Strömen.


*Als wir hierherzogen, gab es ausser unseren Kindern nur zwei Vorschulmädchen, die sich zu gross dafür waren, mit dem zwei Jahre jüngeren Fräulein Maus zu spielen. Jetzt haben wir hier auf dem Hof eine ganze Horde von Kindern zwischen 3 und 12, die jede freie Minute zusammen draussen verbringt. Wie so Bullerbü, hier bei uns.


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*kleb* *kleb* *kleb*

Manchmal bin ich sehr, sehr froh, dass das Fräulein Maus so klein und zierlich ist.

(Eigentlich wollte ich noch ein paar Urlaubsbilder zeigen und über die 284 und 285 schreiben, aber das geht erst, wenn ich dieses Ding fertig habe – übermorgen früh wird es gebraucht! – und mit dem grossen Herrn Maus fürs Pfadfinderlager gepackt, mit dem kleinen Herrn Maus Geburtstagseinladungen geschrieben und die nächste Ladung Adventskalender zur Post getragen habe.)


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Herbstferien!

Wir werden das Beste aus zwei Tagen Herbstferien machen. Also für uns diesmal drei, sonst kommen wir heute nicht mehr an. Sowas geht ja hier zum Glück ohne Androhung von Geldbussen oder Gefängnisstrafen. Und vielleicht kriegen wir Turkuer eines Tages auch noch eine ganze Woche Herbstferien wie alle anderen in Finnland…

(Kalenderbestellpost werde ich auch erst am Montag wieder beantworten.)


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Es gibt Adventskalender! [Nichtkommerzielle Werbung]

Nachdem mich schon im August (!) die ersten Anfragen erreichten, ob ich denn auch in diesem Jahr wieder finnische Adventskalender verkaufen werde, jetzt die offizielle Ankündigung:

Ab sofort kann der Adventskalender 2017 der finnischen Pfadfinder bei mir bestellt werden!

Der Kalender hat eine neue Zeichnerin, und auf der Uniform sind ein paar Abzeichen dazugekommen. ;-)

Der Kalender wird dieses Jahr leider keine Bonustürchen haben – das Besondere am Adventskalender der finnischen Pfadfinder ist ja, dass er immer am 1. Dezember oder am 1. Advent anfängt, je nachdem, was eher ist – aber er wird natürlich auch dieses Jahr wieder – und das vermisse ich bei vielen anderen Adventskalendern – genau zum Gesamtbild passende Bildchen hinter den Türen haben, ein bis vier Kerzen an den jeweiligen Adventssonntagen und eine Lucia am 13. Dezember. Besonders gespannt bin ich dieses Jahr, was sich hinter Türchen Nummer 6 verbirgt. Vermutlich nicht nur ein kleines finnisches Fähnchen, zum 100. Geburtstag.

Der Kalender ist 31 x 22 cm gross und kostet – inklusive sechs passenden Geschenkanhängerkärtchen – 7 €, die ohne Abzug den Pfadfindern zugute kommen. (2,90 € davon gehen direkt an den eigenen Pfadfinderstamm, der Rest an den jeweiligen Regionalverband.) Die finnische Post hat leider seit letztem Jahr schon wieder zweimal (!) das Porto erhöht, so dass dieses Jahr die Porto- und Verpackungskosten nach Europa für einen Kalender 3,20 €, für zwei bis vier Kalender 5,00 € betragen. (Versandkosten nach ausserhalb Europas oder für mehr als vier Kalender teile ich gern auf Anfrage mit.) Die spinnt, die finnische Post – aber hat immer noch sehr schöne Briefmarken im Angebot, immerhin. (Leider stempelt sie die neuerdings fast nie mehr ab – die Philatelisten, denen ein Stempel wichtig ist, müssten mir das bitte mitteilen, dann würde ich auf der Post um Abstemplung bitten.)

Bestellungen bitte ab sofort per Mail an myyratohtori(klammeraffe)suomi24.fi. (Oder an die vom letzten Jahr bekannte Emailadresse, die weiterhin gültig ist, die ich aber nicht öffentlich hier hinschreiben werde.) Versand ab nächster Woche. Letzte Bestellmöglichkeit am 20. November, damit der Kalender auch wirklich pünktlich zum 1. Dezember ankommt.

Der grosse Herr Maus und sein Pfadfinderstamm danken schon mal im Voraus!