Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kolmesataakolmetoista

Mittwochmorgen sass ich von halb bis dreiviertel sieben mit dem Ähämann vorm Bahnhof im Auto, betrachtete mit Herzchenauggen eine in der Morgensonne leuchtende SR1 sowie eine Reihe russischer Kesselwagen voller Propan und Butan, und dachte, dass unser Start in den Alltag bisher eigentlich ziemlich schön vonstatten gegangen ist.

Dann schob sich der Helsinki-Pendler-Pendolino mit seinen Schwänen und Bären – die finnische Bahn hat die am schönsten lackierten Waggons der Welt: Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland! – vor die SR1, der Ähämann stieg aus und begab sich zu seinem Zug nach Tampere, ich fuhr wieder heim, wobei ich einer 313 begegnete, frühstückte, liess den noch schlafenden Herren Maus ihr Frühstück auf dem Tisch stehen und radelte zur Arbeit.

Ich hatte am Montag mit der Arbeit angefangen, die bisher aber hauptsächlich aus Möbelrücken, Ein-olles-Klassenzimmer-Schönmachen und sonstigen Vorbereitungen bestanden und nie länger als drei Stunden gedauert hat.

Der Ähämann hatte am Dienstag mit seiner Arbeit angefangen und es bis auf das sehr zeitige Aufstehen auch schön gehabt.

Die Herren Maus schliefen jeden Morgen noch, wenn ich das Haus verliess – da wir derzeit noch keine fremden Kinder zu betreuen haben, treffen wir uns lieber so zeitig wie möglich auf Arbeit, um die letzten Feriennachmittage mit unseren eigenen Kindern verbringen zu können (so läuft das hier!) – und beschäftigten sich ein paar Stunden allein oder spielten mit den Nachbarskindern oder fuhren in die Bibliothek oder kamen mir mittags mit dem Bus in die Stadt entgegen, damit wir gemeinsam mittagessen gehen konnten.

Das Fräulein Maus aber hatte es am besten getroffen: sie war am Samstag für fünf Tage zu ihrer Herzensfreundin – Alleine! Mit dem Zug! Mit Umsteigen! – nach Mittelfinnland gereist.

Mittwochabend trafen der Ähämann und das Fräulein Maus sich in Tampere auf dem Bahnhof und legten den letzten Teil der Zugfahrt gemeinsam zurück, und deshalb fuhr ich mittwochabend schon wieder mit dem Auto zum Bahnhof, nämlich um beide wieder in die Arme zu schliessen und mit Sack und Pack und vor allem des Ähämanns Fahrradhelm, den er am Vortag in Tampere im Büro liegenlassen hatte, heimzufahren.

Richtig Alltag gibt’s bei uns erst ab nächstem Mittwoch.

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Reiserückblick (8): Das Lieblingsgebirge

Mit zwei – wir machten damals sehr kurze Wanderungen und sehr viele Waffelrasten – war ich das erste Mal da.

Aus Strandurlaub machte sich in meiner Familie niemand was, und so fuhren wir in meiner Kindheit jeden Sommer drei Wochen in die Malá Fatra zum Wandern. Als ich den Damals-noch-nicht-Ähämann kennenlernte, fuhren wir beide von da an gemeinsam da hin. Sogar aus Finnland waren wir noch zweimal dort, das letzte Mal vor elf Jahren, da schleppte der Ähämann das Fräulein Maus in der Kiepe über die Berge und erzählte ihr mittags zum Einschlafen was über die Entstehung von Faltengebirgen.

Und das ist dann auch der Grund, warum wir so lange nicht da waren. Es gibt in der Malá Fatra eine einzige Seilbahn, den Rest muss man sich aus eigener Kraft erlaufen – und während mein Vater mich als Einzelkind noch lange bei plötzlichen Schwächeanfällen auf den Schultern schleppte, ist das mit drei kleinen Kindern ja dann doch eher schwierig zu bewerkstelligen. Deswegen fuhren wir, wenn uns in den letzten Jahren die Bergsehnsucht packte, lieber in die Schweiz, weil man da wunderbar mit irgendeiner Bahn hochfahren, ein Stück laufen und mit einer anderen Bahn wieder runterfahren kann.

Aber die Sehnsucht blieb. Und dieses Jahr beschlossen wir, dass die Kinder jetzt alt genug wären für einen Bergurlaub, bei dem sie selbst die Berge besteigen müssten. Auch diesmal überraschten sie uns, wie schon in der Schweiz, damit, wie lange und weit sie tatsächlich wandern können, wenn sie nur wollen. Das heisst, dem kleinen Herrn Maus kann es sowieso nicht hoch und weit genug gehen, der grosse Herr Maus läuft einfach stoisch vor sich hin, und beim Fräulein Maus machte sich diesmal ganz überraschend das verstärkte generelle Fitnesstraining in der neuen Mannschaft bemerkbar. Ausserdem fanden sie es sehr motivierend, dass uns ständig erwachsene Turnschuhtouristen entgegenkamen, die wieder umkehrten, weil es ihnen zu anstrengend oder zu gefährlich war.

Nämlich. Es ist da nicht wirklich gefährlich, wenn man sich an ein paar gewisse Grundregeln hält und zumindest vernünftiges Schuhwerk trägt, es gibt Leitern und Steighilfen und Ketten, aber: es ist da schon alles durchaus sehr viel weniger gesichert und es wird sehr viel weniger (sprich: gar nicht) vor schwierigen Auf- oder Abstiegen gewarnt als in westeuropäischen Gebirgen. Viele Wege, die in der Malá Fatra normale Wanderwege sind, wären in den Alpen schon als Klettersteige ausgewiesen. Ich war übrigens sehr froh drum, dass wir unseren Kindern von klein auf – auch wenn wir nicht allzuoft Gelegenheit dazu haben – das Bergwandern beigebracht haben, denn jetzt sind sie inzwischen in einem Alter, in dem sie erstens leichtens ihren Eltern davonlaufen und zweitens an einer gewissen Selbstüberschätzung leiden; da ist der Zug dann abgefahren und wir hätten uns wahrscheinlich tatsächlich viele Wege mit ihnen nicht zu gehen getraut.

Juni war übrigens tatsächlich die perfekte Reisezeit. Wir hatten schönstes Sommerwetter, auf den Bergen blühte es wie in einem Ziergarten, und es waren noch nicht so viele Touristen da. Leider gab es fast jeden Nachmittag einen mehr oder weniger heftigen Regenschauer mit oder ohne Gewitter, so dass wir immer ein bisschen gehetzt waren, denn vor allem Gewitter ist ja nicht ohne im Gebirge. Die Kinder werden sich jedenfalls noch sehr lange an die gigantischen Blitze zwei Höhenzüge weiter erinnern, die uns allen grossen Respekt einflössten. (Und uns dann sehr schnell den Abstieg in Angriff nehmen liessen.)

Wir trafen meine Eltern, die auch immer noch Jahr für Jahr in die Malá Fatra fahren, wir lebten vom Frühstück bis zum Abendbrot quasi im Schlaraffenland, und vielleicht – wenn nur die weite Anreise nicht wäre! – machen wir das einfach nächstes Jahr wieder!


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Reiserückblick (6): Die Leuchtenburg

Als der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich noch in Jena wohnten, konnten wir die Leuchtenburg von unserem Wohnzimmerfenster aus sehen.

Wir waren auch ein paarmal da, mit dem Fahrrad, und einmal feierten wir in der damals auf der Burg befindlichen Jugendherberge mit Kommilitonen eine Weihnachtsfeier mit Übernachtung, aber auf der Burg gab’s eigentlich nichts weiter zu sehen und man konnte auch nicht rein.

Seit ein paar Jahren gibt’s nun aber auf der Leuchtenburg – denn sie liegt direkt über der Porzellanstadt Kahla – ein Porzellanmuseum, von dem uns bisher alle Leute nur vorgeschwärmt hatten.

Wie das übrigens so ist mit Kindern – kaum ist alles einfacher, weil keiner mehr gewindelt oder gefüttert und ständig im Auge behalten werden muss und das Trotzalter endlich bei allen überwunden ist, findet das grösste Kind plötzlich alles doof, was die Eltern vorschlagen, und das mittlerste tutet aus Solidarität prompt ins gleiche Horn, und nur das kleinste legt noch kindliche Neugierde und Begeisterung an den Tag. Zwei wollten jedenfalls unter gar keinen Umständen in so ein „doofes Museum“ und viel lieber den ganzen Tag im Freibad verbringen.

Seltsamerweise waren dann aber drei Kinder überaus begeistert. Zwei Erwachsene auch. Das Museum ist nämlich ganz, ganz wunderbar. Man darf Sachen anfassen und ausprobieren, es werden Geschichten erzählt, es gibt die grösste Vase und die kleinste Teekanne der Welt dort zu sehen… und vor allem ist das Museum nicht bierernst.

Am Ende kann man sich einen Porzellanteller nehmen, mit nur im Schwarzlicht sichtbarem Stift seinen grössten Wunsch draufschreiben und ihn von einem hohen Steg den Burgberg hinunterwerfen.


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Die schönste Ferienwoche des Jahres

Mal davon abgesehen, dass ich damals, als ich anfing, ein Instrument zu lernen, noch nicht mal frei wählen durfte, welches Instrument ich gern spielen würde – denn auch die Musik unterlag in der DDR der Planwirtschaft, und ich durfte damals wählen zwischen Klavier und Geige, wobei Klavier aus Platzgründen von vornherein ausfiel – musste man auch jahrelang für sich allein im stillen Kämmerlein Etüden üben, bevor man mal etwas durfte, was wirklich Spass gemacht und motiviert hätte: gemeinsam musizieren nämlich. Erst ab der fünften Klasse hätte man ins Orchester gedurft, allerdings auch nur unter der Bedingung, dass man wirklich schon herausragend gut spielen kann. (Ja, ich hab‘ nach drei Jahren die Geige an den Nagel gehängt.)

Deswegen bin ich so froh, dass z.B. das Fräulein Maus von Anfang an mit anderen gemeinsam musizieren durfte. Deswegen – und auch weil sie letztes Jahr so grosse Freude daran hatte, im Musiklager im Orchester mitzuspielen, hat sie dieses Frühjahr auch in einem Orchester des Konservatoriums mitgespielt. Wir hätten es uns eigentlich gleich denken können: das war leider eine wenig motivierende Erfahrung und das Konzert eine einzige Werbeveranstaltung für das Konservatorium, bei der nicht die Musiker, sondern die ach-so-tolle Institution im Mittelpunkt standen. Wir alle trösteten uns damit, dass das Fräulein Maus auch diesen Sommer wieder zum Musiklager in den Nachbarort gehen würde.

Dort vollbringen sie wahre Wunder – am Montag kommen die Kinder da hin, haben noch keine Note für ihren Orchesterpart gesehen, manche haben vielleicht noch nie in ihrem Leben in einem Orchester gespielt, und ab Donnerstag schon spielen sie für sie völlig neue Stücke als Solisten oder mit wenigen anderen auf verschiedenen Konzerten – das Fräulein Maus trat z.B. gemeinsam mit allen anderen sieben Harfen, aber auch allein mit einem kleinen Hornbläser auf – und am Sonntag spielen sie im Orchester wie die Profis. (Und dann klatscht der Dirigent des Blasorchesters der Kleineren nach dem Auftritt beim Rausgehen alle einzeln ab, und mir wird ganz warm ums Herz.)

„Das mit dem Orchester im Konservatorium schenken wir uns nächstes Jahr“, sage ich zum Fräulein Maus, „aber hierher kannst du meinetwegen die nächsten zehn Jahre gehen!“ (Und ich sage das auch aus purem Eigennutz, weil ich die Konzerte dort alle so wunderschön finde.) „Und danach auch noch!“, antwortet sie, und dann geht sie ihre Harfenlehrerin und ihre neuen Freundinnen zum Abschied umarmen. Und: „Ich fänd’s schön, wenn das Musiklager vier Wochen dauern würde statt nur eine!“ seufzt sie.


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Ein perfekter Ferientag

Das Fräulein Maus zum Musiklager fahren, mit dem Rest der Familie weiterfahren auf die übernächste Insel, Baden am Lieblingsstrand, danach schnell die T-Shirts gegen Hemden und das Sommerkleid gegen ein feineres Kleid tauschen und zum Abendkonzert der Musiklagerteilnehmer – nacheinander eins in der Kirche, in der wir letztes Jahr Weihnachtslieder sangen, eins in einem alten Gutshaus und eins in den Ruinen einer alten Burg – auf der nächsten Insel eilen.

Ein Holztransport!

Halb zehn, als wir heimfuhren, schien die Sonne immer noch.
Auch halb elf noch, als die Kinder endlich in ihre Betten sanken.


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kolmesataaneljä

Die 304 stand in Stockholm am Hafen vor uns. Nützte mir leider nichts, denn es war ein schwedisches Kennzeichen.

Als ich aber heute Vormittag des Fräulein Maus‘ Harfe ins Musiklager im Nachbarort fuhr – sie selbst war in aller Frühe erst noch zum Training geeilt und fing die Musiklagerwoche erst nachmittags an, das vielbeschäftigte Kind – begegnete mir gleich hinter der Autobahnabfahrt eine 304.

Zu irgendwas muss dieses tägliche Hin-und-Her-Gefahre während der Musiklagerwoche ja gut sein…!

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Immer muss ich alles sollen

Im Morgengrauen rufen die verstopfte Nase und der Kratzehals um die Wette: „Mach uns ein Dampfbad, wenn du noch ein Stündchen schlafen willst!“ und setzen höhnisch hinzu: „Du warst ja den ganzen Winter nicht krank!“

Dann ruft – und er versteckt es hinterhältig unter einem lieblichen Hornkonzert – der Wecker: „Mach mich schnell aus, bevor das Kind, das eine Stunde später Schule hat, aufwacht!“

Der Toaster und die Mikrowelle rufen: „Bing! Brötchen und Honigmilch auf den Tisch stellen, aber flott!“ (Die Kaffeemaschine ruft netterweise nicht, sondern überreicht mir meinen Kaffee mit einem „Bitteschön!“ in rotleuchtenden Buchstaben. Mehr höfliche Haushaltsgeräte, bitte!)

Drei Kinder rufen um die Wette: „Ich brauche / muss / will…! Der kleine Herr Maus ärgert mich! Ihr seid alle doof!“

Das Telefon ruft: „Drei neue Wilma-Nachrichten aus der Schule! Hol den Kalender, hopphopp!“

Hannelore ruft im Dreiklang: „Ich-bin-fer-tig! Ich-bin-fer-tig! Ich-bin-fer-tig! Ich-bin-fer-tig!“

Zahnbürste und Sonnencremetube rufen: „Karies! Hautkrebs!“

Dann ruft die Arbeit. (Sie ruft zu langen Nachmittagen im Park, und diesem Ruf folge ich ausnehmend gerne.)

Der grosse Herr Maus ruft: „Wann kommst du denn endlich nach Hause?!“

Die Radieschen, die Tomaten, die Blumen und das neugesäte Gras rufen: „Was bildest du dir eigentlich ein, uns bei 30 Grad den ganzen Tag dursten zu lassen?! Wasser her, aber schnell!“

Das Fräulein Maus ruft: „Wir müssen los! Kommst du endlich?!“

Der Herr Picasso ruft aus vollem Hals: „MACH DIE TÜR ZU!“ (Dabei sind alle Türen schon längst zu und der Herr Picasso hat nur ein ausgeprägtes Gespür für gutes Timing für spinnende Sensoren – nämlich immer genau dann, wenn der Ähämann auf Dienstreise ist und wir anderen alle krank sind und uns der Mai mit seinen zweihundert Feierlichkeiten sowieso keine Zeit für Werkstattbesuche lässt; andererseits aber auch zwei Wochen bevor wir den Fehler komfortabel in der 1600 km entfernten Werkstatt unseres Vertrauens beheben lassen können.)

Der Ähämann ruft: „Ich hab‘ Sehnsucht nach euch! Lass uns telefonieren!“

Der kleine Herr Maus ruft: „Die Zahnpasta ist alle!“

Das Fräulein Maus ruft: „Dürfen wir noch Logo angucken?!“ (Da ist es schon halb zehn.)

Der grosse Herr Maus ruft: „Aber leg‘ dich wenigstens noch kurz zu uns ins Bett!“

Dann rufen unausgepackte Einkaufsbeutel, unbeantwortete Mails, ungelegte Wäsche und ein unausgeräumter Geschirrspüler: „Du kannst uns nicht einfach so ignorieren! Tu was!“

Und dann… dann ruft ganz laut mein Bett.

***

(Noch drei Tage bis Ähämann-Rückkehr. Noch drei Wochen bis Sommerferien zwei Wochen bis Urlaubsbeginn.)


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Maigeburtstag, wie er sein soll

Anders als letztes Jahr bekam der grosse Herrn Maus dieses Jahr wieder Buschwindröschen zum Geburtstag. Und wir alle – bis auf das Geburtstagskind selbst, das nämlich acht Stunden lang versunken an seinem Geburtstagsgeschenk baute – verbrachten den ganzen Tag im Garten.

Was für ein Glück, an einem sommerlichen Maisamstag zehn zu werden!

Gute Nacht! <3


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Vappu 2018

Am Montag – nein, kein Brückentag hier – gingen die Schulkinder nur zum Feiern in die Schule. Irgendwie fiel dieses Jahr niemandem so recht ein Kostüm ein. In der grossen Schule allerdings wurde nur klassenstufenweise ein Farbcode angeordnet, also gingen der grosse Herr Maus in Schwarz (Wer bitte kommt denn auf die Idee?!) und das Fräulein Maus in Blau. Ein Vappuhütchen brauchte sie auch nicht, denn schliesslich kann Mama ja jetzt Wettkampffrisuren, die lassen sich prima abwandeln.

Der kleine Herr Maus hatte im Hort ein Hütchen gebastelt, und es wurde ein Preis für den buntesten Anzug ausgelobt. Na das kriegten wir ohne Probleme hin!

Montagabend sassen der Ähämann und ich noch lange im Sonnenschein im Garten, während die Kinder mit der Nachbarskinderschar Trampolin sprangen, und als der Ähämann und ich halb zwölf ins Bett gingen, war der Himmel im Nordwesten noch ganz hellblau!

Aber die Wettervorhersage für den 1. Mai war dieses Jahr kein alljährlicher Zweckpessimismus, sondern leider wahr.

Es regnete von früh bis abends.

Kein Picknick. Keine Frühlingswanderung. Kein Leberblümchenzählen.

Stattdessen: dringend benötigten Schlaf nachholen. Bisschen basteln. Nichtstun. Endlich den dritten Teil von „Onneli und Anneli“ angucken. Und die „Maus“ vom Sonntag gleich noch hinterher. Und vorm Schlafengehen gaaaanz lange vorlesen.

War gar nicht so schlecht.