Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Es gibt wieder Adventskalender! [Nichtkommerzielle Werbung]

Nachdem auch in diesem Jahr die erste Bestellung schon im August (!) bei mir einging und sich in der letzten Woche die Anfragen häuften, ab wann man denn bei mir wieder finnische Adventskalender bestellen könne: ab heute!

Ich habe ja diesmal fast ein bisschen vor Freude gequietscht, als ich den Entwurf für den Kalender zum ersten Mal gesehen habe: darauf ist nämlich dieses Jahr nicht nur irgendeine Schneelandschaft, sondern das zugefrorene Meer. Bei uns um die Ecke, sozusagen!

Der Kalender wird leider auch in diesem Jahr wieder keine Bonustürchen haben – das Besondere am Adventskalender der finnischen Pfadfinder ist ja, dass er immer am 1. Dezember oder am 1. Advent anfängt, je nachdem, was eher ist – aber er wird natürlich auch dieses Jahr wieder – und das vermisse ich bei vielen anderen Adventskalendern – genau zum Gesamtbild passende Bildchen hinter den Türen haben, ein bis vier Kerzen an den jeweiligen Adventssonntagen, eine finnische Fahne am 6. Dezember und eine Lucia am 13. Dezember.

Der Kalender ist 31 x 22 cm gross und kostet – inklusive sechs passenden Geschenkanhängerkärtchen – 7 €, die ohne Abzug den Pfadfindern zugute kommen. (2,90 € davon gehen direkt an den eigenen Pfadfinderstamm, der Rest an den jeweiligen Regionalverband.)

Dieses Jahr werden die Porto- und Verpackungskosten nach Europa für einen Kalender 3,50 €, für zwei bis vier Kalender 5,50 € betragen. (Versandkosten nach ausserhalb Europas oder für mehr als vier Kalender teile ich gern auf Anfrage mit.) Immerhin hat die Finnische Post im letzten Jahr nur einmal das Porto erhöht, und auch das nur geringfügig, juhuuu! Wie immer werde ich natürlich schöne Briefmarken draufkleben und die auch abstempeln lassen.

Bestellungen ab heute bis 20. November bitte per Mail an myyratohtori(klammeraffe)suomi24.fi. (Oder an die vom letzten Jahr bekannte Emailadresse, die weiterhin gültig ist.) Wie gewohnt schicke ich dann eine Antwort mit den Kontodaten und dem Gesamtpreis. (Manche deutsche Banken verlangen eine extra Freischaltungen für Überweisungen ins Ausland; ansonsten geht das aber problemlos und schnell.) Nach Geldeingang verschicke ich die Kalender möglichst schnell – aber Nachschub gibt’s immer nur montags, es kann also auch mal ein paar Tage dauern.

Der grosse Herr Maus – der sich sehr über ein neues goldenes Wichtelabzeichen freuen würde – und sein Pfadfinderstamm danken schon mal im Voraus!


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Farben tanken

Der Samstag begann damit, dass ich gegen acht, kurz vor Sonnenaufgang, aufs Klo wankte und es vor dem Fenster so aussah:

Statt direkt wieder ins Bett zu kriechen, holte ich erstmal die Kamera. Dann schlich ich mich zurück ins Bett und freute mich nicht nur, dass ich mindestens noch eine Stunde schlafen könnte, sondern auch, dass wir ausnahmsweise einen komplett freien Tag vor uns hatten. Mit besten Wetteraussichten noch dazu.

An so einem Tag, an denen schon vor Sonnenaufgang die Bäume wie von innen heraus leuchten, kann man aber nicht in den Wald und auch nicht ins Moor. Da muss man irgendwohin, wo es viele Laubbäume gibt! Und waren wir nicht schon ewig nicht mehr in Rauma?! Wir würden alles stehen und liegen lassen und gleich nach dem Frühstück losfahren. („Gleich nach dem Frühstück“ entpuppte sich dann als um zwölf, weil alle das Ausschlafen bitter nötig hatten, aber die Sonne steht ja – Sommerzeit sei Dank! – immer noch erst um eins am höchsten, und abends ist es noch leidlich lange hell.)

Wir konnten uns schon auf der Hinfahrt nicht sattsehen an den gelb und orange leuchtenden Bäumen am Strassenrand. Und in Rauma fanden wir sogar überraschend eine Gelegenheit zum Laubflössen. Nachdem die Herren Maus den Stock, der sich quer im Bach verfangen hatte, entdeckt und herausgezogen hatten, setzte sich ein Riesenplacken angestauter Herbstblätter in Bewegung und wollte in der Strömung gehalten werden. Drei Kinder besorgten sich in Windeseile lange Stöcke und rannten am Ufer auf und ab und stocherten mit Hingabe im Bach herum.
So lange jedenfalls, bis der kleine Herr Maus mit einem gewaltigen PLATSCH rücklings in den Bach flog und mit bis über die Hüfte triefnassen Klamotten – die einzigen beiden Kleidungsstücke, die noch trocken waren, waren Mütze und Halstuch – wieder herausstieg. Zum Glück fahren wir immer noch wie in Kleinkinderzeiten einen Beutel mit drei vollständigen Sätzen Kinderersatzklamotten im Auto spazieren, war das Auto nicht allzuweit weg und war es nicht sehr kalt.

Und so liefen wir, nachdem der kleine Herr Maus sich umgezogen hatte und wir die nassen Klamotten im Auto ausgebreitet hatten, weiter durch Gässchen voller Holzhäuser, gingen sehr lecker und gemütlich italienisch essen, statteten dem Lieblingsspielplatz einen Besuch ab und liessen die Kinder – da die drei Kinderfahrräder inzwischen wirklich nicht mehr ins Auto passen – noch mehrere Runden rullern.

Es war alles ganz wunderbar.

Auch wenn das wohl eher nicht so unser Glückstag war, gestern. Denn auf der Hinfahrt hatte uns ein entgegenkommender LKW einen Stein an die Frontscheibe geschleudert, und die ist jetzt leider hin.

Wir fuhren dann auf der Heimfahrt auch sehr, sehr vorsichtig, denn nach Glasbruch und unfreiwilligem Bad im Bach hätte es mich nicht gewundert, wenn wir in der Dämmerung auch noch einem Elch begegnet wären.


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Wochenende

Je voller unser Terminkalender ist, desto dringender haben wir das Bedürfnis nach frischer Luft, Licht und Wald.

Zum Glück ist es noch leidlich lange hell abends, so dass man auch halb drei nach des Fräulein Maus‘ Training noch losfahren kann. Ich hatte neulich gelesen, dass es jetzt die erste strombetriebene Seilfähre in Finnland gibt, und weil die ganz in unserer Nähe fährt, war das Ausflugsziel natürlich klar.

Anders als die „Elektra“ fährt die Seilfähre – die übrigens nicht am Seil gezogen wird, sondern mit Diesel-bzw. Elektromotor fährt; das Seil erleichtert nur die Navigation, weswegen ein Seilfährenfahrer keine Kapitänsausbildung braucht – nicht mit Strom aus dem Akku, sondern mit Strom direkt aus dem Stromnetz und wickelt ihr eigenes Stromkabel während der Fahrt je nach Fahrtrichtung auf oder ab.

Also theoretisch. Wir fuhren nämlich los, und es tat sich nichts, und der Motor hörte sich sehr nach Dieselmotor an. Der Fährfahrer kam aber, als er uns da so stehen und gestikulieren sah, sofort aus seinem kleinen Steuerkabuff gesprungen und rief uns zu: „Das Kabel ist nicht in Betrieb. Die Fähre kriegt nächste Woche erst noch einen grösseren Elektromotor.“ Kein Problem. Wir kommen gern nochmal.

Auf der kleinen Insel, zu der die Seilfähre fährt, gibt es übrigens einen ganz wunderbaren Aussichtspunkt, von dem aus man nur Wald, Wasser und Insel an Insel sehen und sehr weit nach Süden gucken kann.

Leider stürmte es wie blöd, und die Sonne war inzwischen auch verschwunden. Aber egal, Hauptsache draussen!

Der Sonntag begann – das hatten wir ja schon mehrere Monate nicht mehr! – in aller Herrgottsfrühe in der Turnhalle. Das Fräulein Maus hatte einen Wettkampfauftritt.

Aus pädagogischen Gründen tritt der Flohzirkus ein, zwei Mal im Jahr nicht als Mannschaft, sondern einzeln mit einer Kür in rhythmischer Sportgymnastik auf. Obwohl ich das – als Zuschauer – ein bisschen langweilig finde, war ich diesmal doch sehr froh, dass das Fräulein Maus so nochmal ihren Wettkampfanzug vom letzten Jahr ausführen konnte. Den habe ich nämlich mit Zornestränen in den Augen beklebt, weil er erst zwei Tage vorm ersten Wettkampf der Saison von der Schneiderin gekommen war und wir Eltern dann in diesen zwei Tagen alle 800 Strasssteine aufzukleben hatten. (Seit das Fräulein Maus die Mannschaft gewechselt hat, klebe ich ja nicht mehr. Wir bezahlen dafür die Trainerinnen oder die grossen Mädels, die sich damit ein bisschen Geld zusätzlich verdienen. Win-win.) Ich wollte deshalb den Anzug auch nicht an das Mädchen, das für das Fräulein Maus in ihre alte Mannschaft nachgerückt ist, verkaufen – der ist unbezahlbar, echt! – sondern wir haben ihn ihr nur ausgeliehen, und jetzt hatte er nochmal einen Auftritt. Ich bin dann jetzt ein bisschen ausgesöhnt mit den zwei Tagen und Nächten Kleberei vor einem Jahr.

Dann hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining. Währenddessen machte das Fräulein mit mir Schwedischhausaufgaben. Weil nämlich vor vielen Jahren mein Versuch, Schwedisch zu lernen, aus bürokratischen Gründen gründlich in die Hose gegangen ist, werde ich – wir haben uns beide schon lange auf ihre 6. Klasse gefreut – jetzt einfach mit ihr mitlernen. Mal sehen, wie weit ich damit komme. Mein Vorhaben ist bis jetzt übrigens bei sämtlichen Finnen, denen ich davon erzählt habe, auf stummes Unverständnis gestossen. Hihi.

Als der kleine Herr Maus vom Schwimmtraining zurückkam, verschwanden die Herren Maus gemeinsam im Wald, um ihr Projekt, an dem sie schon seit Freitagnachmittag in jeder freien Minute gewerkelt hatten, fertigzustellen. Netterweise luden sie mich zur Einweihung ein, so dass ich auch am Sonntag wenigstens für ein knappes Stündchen in den Wald kam. (Gestern hat der kleine Herr Maus noch eine selbstgebaute Klingel angebracht. Und jetzt planen sie noch Tisch und Stühle.)

Das Wochenende endete mit Maus mit Büffchen, wobei wir Eltern uns diesmal um die Büffchen gar nicht kümmern mussten, weil die Herren Maus die – während ich zum Beispiel mit einer ausserplanmässigen Waschmaschinenladung beschäftigt war – selbst zubereiteten, inklusive Möhrenernte im Garten.

Manchmal hätte ich schon ganz gern ganz und gar freie Wochenenden wie so normale Leute. Aber so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte, als ich erfuhr, dass jetzt ein Kind samstags und ein Kind sonntags Training hat, und zwar mitten am Tag, ist es eigentlich gar nicht. Alles eine Frage der Einstellung.


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Flieg, Korbinchen, flieg!

Drachensteigen ist ja nicht unbedingt ein Kinderspiel.

Suchbild. ;-)
(So eine 100-m-Drachenschnur ist ganz schön… lang.)

Die meisten Drachen nämlich sind leider völlig ungeeignet: drehen unkontrollierte Loopings in der Luft und stürzen gleich wieder ab. Ich habe in meinem ganzen Leben eigentlich nur zwei Drachen an der Leine gehabt, mit denen ich wirklich Spass hatte: den riesigen Lenkdrachen, den der ehemalige Mäusefängerfreund und Bürokollege, als wir gemeinsam auf Tagung nach Holland fuhren, dorthin mitgenommen hatte – und Korbinchen.

Korbinchen hat mein Vater aus einem Bastelbogen aus einer FRÖSI von 1968 (!) für mich gebaut, als ich ein Jahr alt war. Korbinchen bekam ein paar Jahre später einen noch längeren Schwanz verpasst sowie eine 100-m-Leine, die das einzig Brauchbare an einem gekauften Drachen, den ich mal geschenkt bekommen hatte, gewesen war, und stieg Herbst für Herbst wie ein Greifvogel in die Luft. Das letzte Mal war ich mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann das Korbinchen auf den Hochebenen über Jena ausführen, da waren wir beide dem Drachenalter längst entwachsen, aber na und?! Vor ein paar Jahren brachten meine Eltern Korbinchen mit nach Turku, und ich hätte gern sofort ausprobiert, ob es immer noch so prima fliegt.

Aber. Drachensteigen ist hier auch deswegen schwierig, weil es keine geeigneten Plätze dafür gibt. Es gibt keine Stoppelfelder, weil die so spät erst abgeerntet und dann immer gleich umgepflügt werden. Und selbst wenn, befinden sich Felder und Wiesen immer irgendwo unten, im Windschatten von Wäldern, sind eher klein und zumeist von Stromleitungen überzogen.

Sonntagabend, als wir sowieso alle – bis auf den grossen Herrn Maus natürlich – ganz dringend nochmal frische Luft schnappen und Sonne tanken mussten, haben wir dann jetzt einfach mal beschlossen, dass die Kinder jetzt alt genug sind und schon oft genug da waren, um das Korbinchen vom einzigen geeigneten Platz weit und breit aus steigen zu lassen: einem ziemlich steilen Berg – naja, „Berg“; eher ein überdimensionierter Felsen – nämlich. Was auch deswegen kein Problem darstellte, weil das Korbinchen wirklich mit der ersten Windböe in die Luft steigt und dann da steht wie eine Eins, so dass man mit ihm auch nicht rennen muss, um es in die Luft zu bringen oder in der Luft zu halten. (Die Kinder rannten nur juchzend durch die Gegend, um geeignete trockene Grashalme zu sammeln, um dem Korbinchen Post nach oben zu schicken.)

Kinder glücklich.
Eltern glücklich.
Das Korbinchen nickte uns von weit oben auch irgendwie glücklich lächelnd zu. Mit Kranichen ist es noch nie geflogen!


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Finnsierung XLV

Es ist dann jetzt soweit: auch Mitglieder unserer Familie gehen in Gummistiefeln wandern…!

Der grosse Herr Maus hatte schon seit drei Jahren auf dieses Wochenende hingehibbelt: wenn die Pfadfinder in die nächste Altersstufe aufrücken, dann begehen sie das in seinem Stamm mit einer zweitägigen Wanderung. Die ganze Woche habe ich für ihn gebangt, weil ich mir von Arbeit eine echt fiese Erkältung mitgebracht hatte, die mich für zwei Tage völlig lahmgelegt hat und immer noch nicht ganz ausgestanden ist und die ich auch an den Ähämann und das Fräulein Maus weitergegeben habe, aber der grosse Herr Maus blieb zum Glück gesund, und so lieferten wir Freitagabend einen aufgeregten Wölfling am Busbahnhof ab und bekamen heute einen glücklichen Abenteurer zurück nach Hause geliefert, der begeistert von seinen Erlebnissen* berichtete.

Wie sie Freitagabend losgewandert seien, sich dann an einer Feuerstelle Würstchen zum Abendbrot gegrillt hätten und dann mit Stirnlampen noch zwei Stunden weitergewandert wären durch die zunehmende Dämmerung bis zu dem Platz, an dem sie ihre Unterstände für die Nacht aufgebaut hätten. Und dass das mit dem Sturm – es gab eine Sturmwarnung für die Nacht! – gar nicht schlimm gewesen sei. Und wie sie dann am nächsten Tag abseits jeglicher Wanderwege weitere acht Kilometer quer durchs Moor gewandert seien und dass er jetzt weiss, wo man gefahrlos hintreten kann und wo man versinkt. Und wie sie dann, an der Hütte ihres Pfadfinderstamms angekommen, wieder ihre Unterstände aufgebaut hätten und dann Holz in die Sauna getragen hätten. Wie sie sich ihre neuen orangen Halstuchknoten geflochten hätten. Und wie sie dann alle noch auf eine kleine Nachtwanderung mit Stirnlampen und Reflexband an Bäumen geschickt worden seien, an deren Ende eine Kiste mit verschiedenen Getränken gestanden hätte, von denen sie sich eins für die Sauna nehmen durften und dann direkt in die warme Sauna gegangen seien. Und wie sie Eierkuchen überm Lagerfeuer gebacken hätten. Und wie toll es gewesen sei. Und der seit Tagen wackelnde Milchzahn ist jetzt auch raus. Wie es sich für einen grossen Pfadfinder gehört.


* Wir Eltern durften netterweise von Ferne ein bisschen teilhaben.

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle, XLIII], XLIV]


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kolmesataakuusitoista

Ich hinke hinterher mit der Kennzeichenprotokollierung.

Dabei hat das Schuljahr zwar nicht mit weniger Verpflichtungen als das letzte, aber insgesamt doch deutlich ruhiger angefangen: das Fräulein Maus fährt nachmittags allein zum Training und zur Harfenstunde, die Herren Maus fahren allein zum Deutschunterricht, und der Ähämann ist dank Pendelei mit dem Zug immer verlässlich zur gleichen Zeit zu Hause. Nur mein Arbeitsweg ist dank Schul- und Hortumzug ans entgegengesetzte Ende der Stadt jetzt knapp acht Kilomter lang und dauert doch deutliche zehn Minuten länger als sonst. (Dafür sind die letzten drei Kilometer, immer am Fluss entlang und an der Föri vorbei sehr, sehr schön. Und sie werden bestimmt noch schöner, wenn es kälter wird und ich nicht mehr um eiernde Spaziergänger und parkplatzsuchende Autos herumradeln muss.)

Gleich der erste Montag im neuen Schuljahr allerdings brach mit voller Wucht über uns herein: als ich heimkam, stand der grosse Herr Maus schon füssescharrend an der Haustür, er müsse doch zu den Pfadfindern (was ich völlig vergessen hatte), und der Ähämann, der fünf Minuten später heimkam, musste ganz dringend noch am selben Abend, weil er am nächsten Tag auf seiner neuen Arbeit einen Fototermin hatte, Bisnesmieskleidung besorgen, und das Fräulein Maus war beim Training und den kleinen Herrn Maus mussten wir mitnehmen ins Einkaufszentrum und während der Ähämann anprobierte, holte ich erst den grossen Herrn Maus wieder von den Pfadfindern ab und fuhr dann mit ihm zurück ins Einkaufszentrum und als der Ähämann endlich seinen Einkauf in Sack und Tüten hatte, hatte das Fräulein Maus schon längst Trainingsschluss, aber eine Turnkollegin leistete ihr netterweise auf dem Schulspielplatz beim Warten Gesellschaft, und dann war es schon halb neun, aber wir konnten immer noch nicht heimfahren, weil die Harfenstunde des Fräulein Maus am nächsten Tag kurzfristig an einen anderen Ort verlegt worden war und wir wenigstens mit ihr vorbeifahren mussten, um ihr zu zeigen, wo sie am nächsten Tag hinmusste und wo sie aus dem Bus aus- und später wieder einsteigen musste, und zu Hause gab es ein schnelles Abendbrot und dann fiel ich direkt mit den Kindern ins Bett und hoffte, dass es einen solchen Abend nicht so schnell wieder geben würde.

Ist bis jetzt auch noch nicht wieder vorgekommen. Und immerhin habe ich irgendwo bei der ganzen Hin-und-Her-Fahrerei die 316 gesehen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315]


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Projekt Liniennetzplan, Alltagsversion

Ausgerechnet an einem Samstag, an dem in der Innenstadt ein Marathon, eine (kleine) Demonstration von Neonazis und eine (grosse) Demonstration gegen Nazis sowie ein mehrstündiger Busfahrerstreik auf manchen Linien stattfinden, mit den Kindern ihre in diesem Schuljahr neuen Busstrecken zum Deutschunterricht und zu des Fräulein Maus‘ vielfältigen Trainingsorten ausprobieren zu wollen, war nicht so clever. (Man sollte doch öfter einen Blick in die Lokalpresse werfen.)

Sie wissen jetzt aber trotzdem, wo sie ein-, um- und aussteigen müssen. (Und wir müssen nur noch spätabends abholen manchmal. Unsere Autofahrerei hat sich schlagartig halbiert, jeee!!!)

Und weil wir wegen Marathon und Demos weit vorm Markt aus dem ersten Bus geworfen wurden und ein Stück laufen mussten, gingen wir zum ersten Mal in fünfzehn Jahren durch die orange Gasse, die sich fast immer hinter verschlossenen Toren befindet.

Wenn sich das mal nicht doch gelohnt hat!


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kolmesataakolmetoista

Mittwochmorgen sass ich von halb bis dreiviertel sieben mit dem Ähämann vorm Bahnhof im Auto, betrachtete mit Herzchenauggen eine in der Morgensonne leuchtende SR1 sowie eine Reihe russischer Kesselwagen voller Propan und Butan, und dachte, dass unser Start in den Alltag bisher eigentlich ziemlich schön vonstatten gegangen ist.

Dann schob sich der Helsinki-Pendler-Pendolino mit seinen Schwänen und Bären – die finnische Bahn hat die am schönsten lackierten Waggons der Welt: Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland! – vor die SR1, der Ähämann stieg aus und begab sich zu seinem Zug nach Tampere, ich fuhr wieder heim, wobei ich einer 313 begegnete, frühstückte, liess den noch schlafenden Herren Maus ihr Frühstück auf dem Tisch stehen und radelte zur Arbeit.

Ich hatte am Montag mit der Arbeit angefangen, die bisher aber hauptsächlich aus Möbelrücken, Ein-olles-Klassenzimmer-Schönmachen und sonstigen Vorbereitungen bestanden und nie länger als drei Stunden gedauert hat.

Der Ähämann hatte am Dienstag mit seiner Arbeit angefangen und es bis auf das sehr zeitige Aufstehen auch schön gehabt.

Die Herren Maus schliefen jeden Morgen noch, wenn ich das Haus verliess – da wir derzeit noch keine fremden Kinder zu betreuen haben, treffen wir uns lieber so zeitig wie möglich auf Arbeit, um die letzten Feriennachmittage mit unseren eigenen Kindern verbringen zu können (so läuft das hier!) – und beschäftigten sich ein paar Stunden allein oder spielten mit den Nachbarskindern oder fuhren in die Bibliothek oder kamen mir mittags mit dem Bus in die Stadt entgegen, damit wir gemeinsam mittagessen gehen konnten.

Das Fräulein Maus aber hatte es am besten getroffen: sie war am Samstag für fünf Tage zu ihrer Herzensfreundin – Alleine! Mit dem Zug! Mit Umsteigen! – nach Mittelfinnland gereist.

Mittwochabend trafen der Ähämann und das Fräulein Maus sich in Tampere auf dem Bahnhof und legten den letzten Teil der Zugfahrt gemeinsam zurück, und deshalb fuhr ich mittwochabend schon wieder mit dem Auto zum Bahnhof, nämlich um beide wieder in die Arme zu schliessen und mit Sack und Pack und vor allem des Ähämanns Fahrradhelm, den er am Vortag in Tampere im Büro liegenlassen hatte, heimzufahren.

Richtig Alltag gibt’s bei uns erst ab nächstem Mittwoch.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312]