Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Palmsonntag 2019

Die Hexen flogen tief. Und am hellerlichten Tag.

Während die Hexe mit dem einen schwarzen Kater um die Häuser zog und geschmückte Weidenzweige verteilte und einen ganzen Korb voll Süssigkeiten einheimste, blieb der andere – kranke – schwarze Kater zu Hause und nahm seinerseits geschmückte Weidenzweige entgegen und reichte Süssigkeiten.

Der Ähämann und ich machten derweil eine Radtour ins Wahllokal, wo übrigens der Andrang so gross war, dass man anstehen musste.

Dann traf sich die Hexe mit einer Freundin zum Ostereierbemalen, der gesunde schwarze Kater ging zum Schwimmtraining, wir werkelten ein bisschen in Haus und Garten und liessen uns die Sonne auf die Nasen scheinen.

Ganz unnötig spannend wurde der Tag erst abends, nach Schliessung der Wahllokale um 20 Uhr.

Wir sind vor Jahren ja mal mit dem Zug von Turku nach Bonn und zurück gefahren. Auf der Rückfahrt hatten wir es ein bisschen knapp mit dem Anschluss in Hamburg. Es sah aber bis Bremen recht gut aus. Dann gab es einen Zwischenfall in Wagen 10 in dessen Folge eine Scheibe kaputtgegangen war und der Zug daraufhin mit maximal 50 km/h weiter nach Hamburg zuckeln konnte. Anschluss weg. In der langen Schlange an der Auskunft war erst das Schlimmste, was wir uns vorstellen konnten, dass im darauffolgenden Zug unsere Sitzplatzreservierung hinfällig sei und wir mit den drei noch recht kleinen Kindern bis Kopenhagen stehen müssten. Je weiter wir in der Schlange vorrückten und je mehr Leute mit dem gleichen Reiseziel einfach abgewiesen wurden, umso egaler wurden uns unsere Sitzplätze: wenn wir nur überhaupt irgendwie mit dem nächsten Zug mitkommen würden!

So ähnlich fühlte ich mich gestern Abend.

Nach den vier Jahren mit der letzten unsäglich kompetenten Regierung, der ersten Regierung unter Beteiligung der rechtspopulistischen Wahren Finnen, der Regierung, die nach zwei Jahren fast auseinandergebrochen wäre, weil die Wahren Finnen einen Rechtsextremen zum Parteivorsitzenden gewählt hatten, worauf sich der moderate Teil der Partei abspaltete um in der Regierung bleiben zu können und Ministerpräsident Sipilä, der sich mal eben selbst ans Steuer eines kleinen Flugzeuges gesetzt hatte, um dem im Sommer von Naantali aus seinen Staatsgeschäften nachgehenden Präsidenten das Rücktrittsgesuch der Regierung zu überbringen, kurz in Turku landete, eine Pressekonferenz gab, dass mit dem moderaten Teil der Wahren Finnen die Regierung einfach weitermachen könne und zurück nach Helsinki flog… äh… kann noch jemand folgen? Nach all diesem Hickhack jedenfalls sahen die Prognosen für die Wahren Finnen für die nächste Wahl eher düster aus.

Und wie hoffnungsvoll wir alle am Palmsonntag 2017 waren!

Dann gab es im Dezember einen Vorfall, an dem Flüchtlinge beteiligt waren, dann schrieben sich plötzlich alle Parteien Klimaschutz auf die politischen Fahnen, und schwupps, hatten Ausländerhasser, EU-Kritiker, Klimawandelleugner und Leute mit Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung ihre Protestpartei gefunden. Letzte Woche lagen die Wahren Finnen plötzlich laut Umfragen auf Platz zwei. Als ich das erste Mal die Wahlergebnisse anguckte, kurz vor halb neun, sah es dennoch gar nicht so schlecht aus: die Sozialdemokraten klar vorn, die Wahren Finnen deutlich auf Platz drei. Aber offensichtlich ticken Leute, die vorwählen gehen, eben doch anders. Der Abstand wurde mit jedem weiteren ausgezählten Wahlkreis kleiner, irgendwann waren die Wahren Finnen auf Platz zwei, irgendwann nur noch einen knappen Prozentpunkt hinter den Sozialdemokraten, und als ich halb zwölf schliesslich ins Bett ging, anderthalb Stunden später als ich eigentlich wollte, war ich fast darauf gefasst, am nächsten Tag aufzuwachen und mich von einem finnischen Trump regiert zu sehen.

Am Ende haben die Sozialdemokraten mit einem hauchdünnen Stimmvorsprung von 0,2 (in Worten: nullkommazwei!) Prozentpunkten, entsprechend genau einem Sitz im Parlament, gewonnen. Mit nur 17,5% aller Stimmen.

Es werden lustige Zeiten auf uns zukommen. Nicht.


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kolmesataakolmekymmentäyksi, kolmesataakolmekymmentäkaksi

Heute war der Tag der 331.

Der griesgrämige alte Mann in dem fast genauso alten Mercedes hätte offensichtlich lieber nicht am Fussgängerüberweg für mich angehalten. (Zu seiner Ehrenrettung muss man aber sagen, dass er es immerhin getan hat.)

Danach musste ich meinen Arbeitsweg auf der linken statt auf der rechten Flussseite fortsetzen, denn auf der rechten findet gerade mal wieder einer dieser unsäglichen Grossmärkte statt. Auf der linken Flussseite aber reiht sich Baustelle an Baustelle, und die Föri liess auch aussergewöhnlich lange auf sich warten, während mir der Magen schon in den Kniekehlen hing und ich nur noch so schnell wie möglich auf Arbeit ankommen und endlich meinen Mittagessen-Thermosbehälter auspacken wollte. Dafür kam mir dann auf den letzten 200 m vorm Ziel gleich noch eine 331 entgegen.

Und auf dem Heimweg überholte mich die dritte 331 des Tages.

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In einem Monat ist Sommer!

Heute früh habe ich nämlich die erste Lerche gehört. Es waren -5°C, und die grosse Wiese, über der sie tirilierte, glitzerte in der Morgensonne. Aber hey, ein Monat nur noch!

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Der grosse Herr Maus ging heute nicht in die Schule, sondern fuhr mit seiner Deutschlehrerin nach Helsinki zum Finale eines vom Goethe-Institut organisierten Vorlesewettbewerbs für zweisprachige Kinder. Obwohl er Halsschmerzen hatte und sich auch sonst nicht so gut fühlte, las er sich auf den ersten Platz.

(Habe ich schon erwähnt, mit wie ungläubiger Bewunderung ich das mit ansehe, wie er sich vor Publikum hinstellt und Sachen vorträgt? Und was für eine wunderbare, engagierte Deutschlehrerin unsere Kinder haben?)

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Als ich heute Abend erst den kleinen Herrn Maus zum Training fuhr, dann das Fräulein Maus vom Training abholte, dann mit dem Fräulein Maus den kleinen Herrn Maus wieder vom Training abholte und zuletzt noch mit dem Fräulein Maus und dem kleinen Herrn Maus den grossen Herrn Maus vom Bahnhof abholte und zwischendrin kurz in den Lidl sprang, um Milch zu kaufen – wobei im Regal mit der Milch von glücklichen Kühen leider gähnende Leere herrschte – stand dort auf dem Parkplatz auch gleich noch eine 332.

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Und jetzt: Wochenende!!!

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330]


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Zwei Wochen

Die letzte Märzwoche war hell. So hell! Abends bis um acht, früh lange schon vorm Aufstehen, und das zeitige Aufstehen und die abendliche Taxifahrerei fühlten sich auf einmal wieder ganz leicht an.

In der letzten Märzwoche wurde der grosse Herr Maus ins Stadt-Schülerparlament gewählt. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich unsere drei Kinder sind: der grosse Herr Maus zum Beispiel erstellt mal eben eine Präsentation über sich, schüttelt ein Wahlprogramm aus dem Ärmel und stellt sich dann ohne Hemmungen vor ein grosses Publikum und trägt es vor.
(Sein politisches Engagement kam auch gut an, hat man ihm gesagt.)

Die letzte Märzwoche war auf Arbeit ziemlich anstrengend. Unsere Hortkinder hatten Projektwoche in der Schule und standen jeden Tag alle 35 gleichzeitig auf der Matte vor der Tür. Zum Glück fing in der letzten Märzwoche schon ein wenig der Frühling an, noch mit kaltem Wind, aber mit viel Sonne, und wir haben sehr viel Zeit im Freien verbracht.
(Und mit vielen Diskussionen, ob man Jacken, Mützen, gar Schuhe (!) ausziehen darf.)

In der letzten Märzwoche kam der Winter zurück. Während der kleine Herr Maus sonntagfrüh in der Schwimmhalle zum Schwimmtraining war, segelten draussen wattebauschgrosse Schneeflocken vom Himmel, eine Stunde später war alles weiss.
(So ist das hier.)

In der letzten Märzwoche hat das Fräulein Maus, wie auch die drei Wochen zuvor schon, vor sich hingekränkelt.

In der letzten Märzwoche hatte das Fräulein Maus gleich zwei Wettkämpfe. Am Sonnabend kutschierte der Ähämann sie und vier weitere Turnmädchen nach Helsinki zu einem Wettkampf in rhythmischer Sportgymnastik – was die Mädchen eher aus pädagogischen Gründen machen müssen als aus echtem Ehrgeiz. Das Fräulein Maus wurde 3. von 217! Am Sonntag hatte der Flohzirkus seinen nächsten Wettkampf und belegte einen zweiten Platz. Alle völlig fertig nach dem Wochenende, aber glücklich. Danach allerdings mussten wir feststellen, dass sich Wimpernleim – damit hatten sie Strasssteine auf die Frisur geklebt – aus Haaren auch in der extra angeheizten Sauna nicht entfernen lässt. Eine kurze, panische Recherche ergab, dass wohl Entferner für wasserfestes Make-up hilft. Der März endete damit, dass der kleine Herr Maus und ich nach der Sauna nicht die Schlafanzüge, sondern Fahrradklamotten anzogen, und im Abendsonnenschein und auf mittlerweile wieder komplett freigetauten Wegen in den mittelweit entfernten Supermarkt radelten.

Uff, dachte ich.
(Da wusste ich ja noch nicht, wie der April werden würde.)

Die erste Aprilwoche begann zusätzlich zum Uhrumstellungsjetlag auch noch damit, dass ich jeden Morgen um acht in der Schule sein muss, um meinen letzten Praktikumsteil – und gleich nach Ostern meine letzte Lehrprobe – zu absolvieren. Apropos Lehrprobe: in der ersten Aprilwoche habe ich mal wieder in jeder freien Minute an einem HENSU getippt, denn der muss drei Wochen vorher im Wilma stehen. (Ja, ich hab‘ in meiner Berufsschule auch ein Wilma.)

In der ersten Aprilwoche kränkelten das Fräulein Maus, der grosse Herr Maus und der Ähämann. Am Ende der ersten Aprilwoche stellte sich heraus, dass das Fräulein Maus Angina hat. Das Penicillin hilft leider nicht so, wie wir es uns erhofft hatten, und eine Virusinfektion obendrein hat sie nun auch noch. Deshalb konnte sie zum ersten Mal seit langer Zeit nicht an einem Wettkampf teilnehmen.
(War doof für alle, denn es gibt vermutlich keine Sportart, in der der Einzelne weniger ersetzbar ist als in der des Fräulein Maus.)

Dafür sassen wir in der ersten Aprilwoche ganz unerwartet den ganzen Sonnabend im Garten, liessen uns die Sonne auf die Nase scheinen, assen zum ersten Mal draussen und sahen besoffenen Hummeln beim Nektarsammeln und den ersten Blättchen an der Stachelbeere beim Entfalten zu.

In der ersten Aprilwoche ging der kleine Herr Maus übers Wochenende auf Wettkampfreise nach Åland. Mit Übernachtung und Anreise mit dem Schiff! „Und dann war dort auch alles auf Schwedisch, oder?“ „Ja, aber das war überhaupt kein Problem. Die haben statt Paikoillanne! [=Auf die Plätze…] eben På era platser! gesagt.“
(Zehn Zentimeter gewachsen und mit einer Bronzemedaille kam er heim.)

Die erste Aprilwoche endete damit, dass der Winter nochmal zurückkam. Als ich den kleinen Herrn Maus Sonntagabend vom Hafen abholte, fiel nasses, weisses Gelumpe vom Himmel. Eine Stunde später war alles weiss.

Ich hätte jetzt bittegerne sofort Sommer.
Aus allen erdenklichen Gründen.


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Abschminktipp

Direkt von der Wettkampfhalle aus in die Eisbadesauna fahren.

Dann lösen sich nämlich das Makeup und der Leim, mit denen die künstlichen Wimpern und die Strasssteine auf die Haut geklebt sind, ganz von allein. Das halbe Kilo Haarklemmen – und das weiss ich sogar aus eigener Erfahrung, denn ich ging nach unserer standesamtlichen Trauung und dem Nachmittag, den wir mit unseren Freunden auf dem Sonnendeck eines Restaurantschiffes abgehangen hatten, wie jeden Freitagabend in die Mädchensauna im Studentendorf, wo wir damals wohnten – entfernt sich auch viel angenehmer, wenn man dabei wohlig in heissem Dampf sitzen kann.

Ausserdem hilft Sauna gegen Muskelkater, und frische Luft und Sonne tun nach so einem Tag in der Turnhalle auch gut.

***

Diese Wettkampfschminkerei sehe ich übrigens nach anfänglichem Augenrollen sehr positiv, vor allem im Vergleich mit manchen Mädchen aus des Fräulein Maus‘ Klasse, die schon seit zwei Jahren jeden Tag geschminkt stümperhaft angemalt zur Schule kommen. Auf die Idee kämen die Turnmädchen nie, die haben ihre Blingblingmomente auch so. Und keiner hat wahrscheinlich das Schminken kunstvoller von der Pike auf gelernt als sie.

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Das Stirnband habe ich dem Fräulein Maus übrigens letztes Jahr ganz freiwillig mit den aus den letzten Jahren übriggebliebenen Strasssteinen verziert. Seit wir die Anzüge, nachdem ich jahrelang geklebt und geklebt und geklebt (180 Pailletten?! Ich muss gerade sehr lachen.) habe, nicht mehr selbst bekleben müssen, sondern bekleben lassen, war das sozusagen die Kür nach der Pflicht. (Okay, ich müsste mal ein bisschen nachbessern.)


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Debüt

Am Sonntag also der erste Wettkampf in einer neuen Alterklasse und in einer neuen, und zwar der obersten, Liga (oder wie auch immer man das nun beim Turnen nennt). Puh!

Die Turnmädchen nahmen es gelassen.
Und machten ihre Sache gut. Sehr gut.

Im Hintergrund die Herren Maus nach erfolgreicher Strasssteineaufsammlung.

So gut, dass sie mit Bronzemedaillen heimgingen.
(Immerhin zahlt sich dieses völlig verrückte Trainingspensum aus.)


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Flohzirkusgeburtstag

„Ich möchte dieses Jahr wieder eine richtige Geburtstagsfeier haben!“, hatte sich das Fräulein Maus gewünscht. „Geht das, dass ich meine ganze Mannschaft einlade?“

Warum nicht. Von denen würde ich auch zwanzig in unsere nicht gerade riesige Wohnung einladen. Die Turnmädchen sind ihre wichtigsten Freundinnen. Mit ihnen verbringt sie fast mehr Zeit als mit ihren Klassenkameraden in der Schule.

Auch der Sonnabend fing mit drei Stunden Training an. Das letzte Training vorm ersten Wettkampf der Saison; die letzten 20 Minuten durften wir Eltern gucken kommen.

Dann fuhren das Fräulein Maus und ich schnell nach Hause, um noch letzte Vorbereitungen zu treffen.

„Können wir auch wieder Luftballons in den Baum vorm Haus hängen? Und hast du eine Flasche fürs Flaschendrehen zum Geschenkeauspacken? Und warte, ich räume schnell noch ein paar Jacken aus dem Windfang in den Schrank…!“ Teenager sind toll!

Aus dem Flohzirkus sind elf junge Damen geworden. Liebenswerte, höfliche, selbständige junge Damen. Ungewohnt ist es, wenn sie nicht alle die gleichen schwarzen Trainigsklamotten oder die gleichen glitzernden Wettkampfanzüge anhaben und ihre Haare nicht alle zu straffen Dutts zusammengebunden sind. Aber wenn man genau hinschaut, dann ahnt man den Flohzirkus, denn eine steht immer gerade auf Zehenspitzen, zwei haben schon ihre Wettkampffrisuren für morgen auf dem Kopf, eine streckt mal eben das Bein Richtung Decke und sagt dann lachend: „Wir haben zu Hause eine Regel, dass ich in der Küche nicht turnen darf. Aber ich mach’s trotzdem immer.“

Ich hatte ein Quiz mit dreizehn Fragen über das Fräulein Maus und vielen Fotos aus den letzten dreizehn Jahren vorbereitet und zwei, drei Spielideen im Hinterkopf. Mehr nicht. Das Quiz fanden alle toll. Aber nach dem Kaffeetrinken sprangen sie auf und fragten, ob sie jetzt Verstecken spielen dürften (und ob es einen Raum gibt, in den sie nicht dürfen). Und Luftballontanz und Schokoladenwettessen fanden sie auch ganz toll.

Erst am Vormittag hatten wir live dabeisein dürfen, als sie sich am Ende des Trainings zum Lockern und Dehnen einstimmig „Leijonaa mä metsästän“ gewünscht hatten und dann lauthals singend und dabei springend, sich auf den Boden werfend, trampelnd und was sonst noch dieses Lied, das normalerweise im Kindergarten gesungen und gespielt wird, so an Bewegung fordert ausführend im Kreis rannten. Diese Dreizehnjährigen sind so grossartig!

Später sassen wir, das Fräulein Maus und zwei ihrer Turnfreundinnen, die erst ein bisschen später abgeholt werden konnten, noch gemeinsam vor dem Fernseher und guckten die Fotos an, die der Ähämann früh von ihnen gemacht hatte. „Oh mein Gott, mein Fuss ist ja ganz schief!“, „Mein Knie…!“, „Guck mal deinen Gesichtsausdruck!“, „Du hast deine Hände voll perfekt!“ fachsimpelten sie vor sich hin.

Dann umarmten sie sich alle reihum, dankten für Feier und Geschenke und verabschiedeten sich bis zum nächsten Morgen. Es muss so toll sein, solche Freundinnen zu haben! <3


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kolmesataakaksikymmentäyhdeksän

Nachdem ich heute die zweite 329 gesehen habe, muss ich das dann jetzt wohl doch endlich mal protokollieren: die erste sah ich vorletzten Montag auf dem Weg zur Arbeit, die zweite stand heute früh vor der Schwimmhalle, als ich den kleinen Herrn Maus zum Training brachte.

Apropos kleiner Herr Maus und Schwimmtraining. Vor ein paar Wochen kam eine Mail von seiner Trainerin mit Vorabinfos zu einem Wettkampf in Mariehamn. „Aber warum denn jetzt schon?“, fragte der kleine Herr Maus nach. „Der ist doch erst im April?!“ „Ja, aber die müssen ja die Schiffstickets kaufen und eine Unterkunft buchen, das muss man ja rechtzeitig machen. Also wenn du auf diesen Wettkampf mitfahren wollen würdest, dann müsste ich dich da jetzt schon mal anmelden.“ „Mama!“ empörte sich der kleine Herr Maus. „Was ist denn das für eine Frage?!“

Ganz schön grosse Flügel wachsen dem grade, dem kleinen Herrn Maus.

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Klimastreik in Turku

Am Donnerstag, als die Lehrer unserer Kinder die Sache längst für sich entschieden hatten, hatte sich die Stadt Turku noch zu einer offiziellen Stellungnahme durchgerungen. Der Rektor liess es uns über Wilma wissen:

Umwelt, Klimaschutz und Mitbestimmung sind wichtige Bestandteile des Lehrplans und unterstützenswerte Werte. Der Klimastreik ist keine schulische Aktivität, eine begründete Befreiung vom Unterricht ist aber generell möglich. […]

„Ja“, brauste der kleine Herr Maus auf, „der könnte ja auch mal was tun, der Rektor! Der kommt ja auch jeden Tag mit dem Auto!“

Womit diese ganze Klimastreiksache sehr schön zusammengefasst wäre.


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Vorbereitungen

Übermorgen ist globaler Klimastreik, und hurra, endlich ist auch – zumindest diesen Freitag – Turku dabei!

Für unsere Kinder, die nicht nur regelmässige logo!-Gucker sind, sondern auch von klein auf bei der einen oder anderen Demo dabei waren, war die Sache natürlich sofort klar.

Sie fingen auch gleich an, ein Transparent zu entwerfen. Ich stellte ein altes Tischtuch und einen alten Besenstiel zur Verfügung, das Fräulein Maus schnitt und säumte, der grosse Herr Maus wird den Besenstiel noch in passende Teile sägen, und alle drei malten in überraschend friedlicher Eintracht.

Den Schulbesuch zu verweigern – zumal mit ausdrücklichem Einverständis der Eltern – hat hierzulande allerdings eher wenig von Anarchie: es gibt ja sowieso keine Schulpflicht.

Ich schrieb heute drei Wilma-Nachrichten, und die Antworten waren so milde wie dem Charakter der jeweiligen Lehrkraft entsprechend:

Lehrerin des kleinen Herrn Maus: „Danke für die Info.“
Lehrerin des grossen Herrn Maus: „Danke für die Info. Ich gebe dem grossen Herrn Maus dann am Donnerstag Aufgaben für Freitag.“
Lehrer des Fräulein Maus: „Danke für die Info. Für eine gute Sache lohnt es sich zu streiken!“