Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Entschleunigung

Oft beginnen hier die Weihnachtsferien ja erst am Tag vor Heiligabend.

Ich finde das sehr anstrengend. Die Kinder sind vor Weihnachten immer so aufgeregt, dass dieses Wir-müssen-uns-zu-Beginn-der-Ferien-erst-wieder-dran-gewöhnen-von-früh-bis-abends-zusammenzusein mit besonders viel Gezänk und Gezeter verbunden ist und erst am zweiten Weihnachtsfeiertag allmählich abklingt. (Soviel zum Thema Weihnachtsfrieden…) Ausserdem ist überhaupt keine Zeit, sich noch ein bisschen in Ruhe auf Weihnachten vorzufreuen.

Dieses Jahr ist es besser. Die Ferien fingen schon fünf Tage vor Heiligabend an! Rekord!

Heute riss uns halb zehn das Klingeln des Paketboten aus dem Ferienschlaf. Nach dem Frühstück spielten wir verkehrte Welt packte der Ähämann seinen Arbeitslaptop und eine Portion eingefrorenes Mittagessen ein und radelte zu meinem Arbeitsplatz, um seit langer Zeit mal wieder in Ruhe arbeiten zu können. Die Kinder und ich widmeten uns den Rest des Tages zeitaufwändigen Weihnachtsvorbereitungen.

Gegen Abend gingen uns der Zuckerkleber und die gelbe und rote Lebensmittelfarbe aus. Der grosse Herr Maus sprang beflissen auf sein Fahrrad und radelte zum nächstgelegenen Supermarkt, wo leider alle dieses Dinge ausverkauft waren. Aber was soll’s. Morgen ist auch noch ein Ferientag. Welch ein Glück!


Hinterlasse einen Kommentar

4. Advent

Heute hat Varsinais-Suomi mit der Zahl der Coronaneuinfektionen endgültig Uusimaa überholt: 14-Tage-Inzidenz 176 vs. 169; finnlandweiter Durchschnitt ist übrigens 96 – etwas, was wohl bis vor zwei Wochen noch niemand für möglich gehalten hätte, da Uusimaa seit März unangefochtener trauriger Spitzenreiter war.

Unsere Pläne für heute waren zum Glück pandemiekonform: Weihnachtsvorbereitungen und Mittagessen im Wald.

(Schnee statt Nieselregen wäre schön…)


Ein Kommentar

Jeden Tag ein Fensterchen (4)

Wir hatten uns zu früh gefreut: natürlich fällt der letzte Schultag nicht einfach aus, nur weil die Kinder Fernunterricht haben.

Die Herren Maus hatten ihre Zeugnisausgabe letzte Schulstunde heute um neun, das Fräulein Maus halb zehn. Der Wecker klingelte trotzdem erst halb neun, denn der Schulweg war denkbar kurz. Die Achtklässlerin huschte im Schlafanzug vor ihren Schullaptop, um der Weihnachtsansprache ihres Rektors zu lauschen. Der kleine Herr Maus kam zehn nach neun schon wieder aus seinem Zimmer und verkündete: „So. Fertig. Ferien.“ Dann überlegte er kurz und verschwand nochmal zurück in den Videochat, weil ihm der Abschied von seiner Lehrerin – die die Klasse nach den Skiferien kurzfristig als Vertretung übernommen und noch nicht richtig kennengelernt hatte, als drei Wochen später die Schulen wegen Corona geschlossen wurden, aber den engagiertesten und tollsten Fernunterricht, den sich die Klasse nur hätte wünschen können, gemacht hat – so schwer fiel und er noch ein bisschen mit ihr reden wollte. „Wir haben Nelli gefragt, was sie jetzt macht, ob sie eine andere Klasse übernimmt, und sie hat gesagt, sie möchte gerne weiterhin Vertretungen machen, aber lieber nur tageweise, dann hat sie Zeit, einen Hühnerstall zu bauen. Sie will sich nämlich Hühner anschaffen.“ Hach.

Dann waren offiziell Ferien.

Eigentlich wollten wir heute unseren Weihnachtsbaum aus dem Wald holen. Aber es nieselte nicht nur wie vorhergesagt, sondern regnete in Strömen, und so verschoben wir das Vorhaben auf morgen.

So, wie wir auch unseren eigentlich für gestern geplanten Abendspaziergang zu den nächsten erleuchteten Fenstern im Museumsdorf auf heute Abend – da hatte es dann endlich aufgehört zu regnen; nur der Weg durch den Wald war eine einzige Rutscherei auf Matsch und nassem Gras – verschoben haben.

Wohin wir dieses Jahr an Heiligabend statt zur Weihnachtsfriedensverkündung und zum Kindergottesdienst gehen werden, wissen wir auch schon.


Ein Kommentar

Finnisierung XLVI

Ich weiss auch nicht, wie es passieren konnte.

Jahrelang fand ich die Vorstellung, sich zu Weihnachten Hyazinthen in die Wohnung zu stellen, völlig absurd.

Dann hat mir vermutlich mal eins der Hortkinder vor Weihnachten eine geschenkt. Und was soll ich sagen… eigentlich passen Hyazinthen doch sehr gut zu Engel und Bergmann.

Ursprünglich waren es übrigens keine Hyazinthen, sondern Maiglöckchen, die sich die Finnen zu Weihnachten in die Wohnungen holten.


[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle, XLIII, XLIV, XLV]


Ein Kommentar

Jeden Tag ein Fensterchen (3)

Wir läuteten das Wochenende mit Sauna ein. Hinterher sassen wir dampfend auf der Gartenbank unterm Weihnachtsbaum und freuten uns, dass der Garten weiss bepudert war. Samstagfrüh regnete es in Strömen. Wir schrieben und malten den ganzen Tag Weihnachtspost.

Am Sonntag warteten wir nur darauf, dass es endlich dunkel wurde – mal davon abgesehn, dass es sowieso den ganzen Tag nicht richtig hell geworden war – um zum Museumsdorf zu stapfen und die nächsten drei beleuchteten Fenster zu suchen.


5 Kommentare

Jeden Tag ein Fensterchen (2)

An manchen Abenden ist ein Spaziergang dringender als an anderen.

(Zum Beispiel, weil der Ähämann schon seit März zu Hause arbeitet und zur Zeit sogar das Kinder-zu-ihren-Hobbys-Fahren ausfällt. Oder weil dem Quarantänekind die Decke auf den Kopf fällt. Oder beides.)

Zum Glück haben wir jetzt, wenn es sein muss, jeden Abend ein Ziel.

Es ist kein Ersatz fürs Erzgebirge. Aber es ist um Welten besser, als durch die wie eine Erdölraffinerie beleuchtete Nachbarschaft zu spazieren.


Ein Kommentar

Jeden Tag ein Fensterchen

In Turku gibt es seit Donnerstag – denn die 14-Tage-Inzidenzrate marschiert hier in der Region gerade stracks auf die 100 zu – neue Coronaregeln: Museen, Theater und Schwimmhallen bleiben geschlossen, Bibliotheken darf man nur noch zur Rückgabe von Büchern oder zum Abholen vorbestellter Bücher betreten, Veranstaltungen dürfen nur noch mit maximal 10 Personen in Innenräumen bzw. 20 Personen im Freien stattfinden – womit sich die einzige Adventsveranstaltung, zu der wir dieses Jahr gehen wollten, auch erledigt haben dürfte – es gibt jetzt auch eine Maskenempfehlung für Schüler*innen ab der 7. Klasse aufwärts, und der Hobbykalender der Kinder hat sich ganz überraschend schon zwei Wochen vor Weihnachten fast komplett geleert.

Im Museumsdorf nebenan, das sonst in der Adventszeit immer ein paar Tage geöffnet hat, fällt der Advent auch dieses Jahr nicht ganz aus.

Jeden Abend wird dort ein Fenster mehr erleuchtet.

Manchmal hängt nur ein Adventsstern im Fenster – gestern natürlich eine Lichterkette mit finnischen Fähnchen! – aber manchmal kann man durch das Fenster in den ganzen Raum gucken: da hat der Stallwichtel einen kleinen Weihnachtsbaum aufgestellt oder in der Sauna ist schon der Ofen angeheizt.

Kann man auch gut mit dem Quarantänekind hingehen. War ausser uns keine Menschenseele da.

Das machen wir in den nächsten zweieinhalb Wochen sicher noch öfter.


13 Kommentare

Advent im Erzgebirge: Lauter klaane Lichter

„Etwa sechs von zehn Bundesbürgern sind einer Umfrage zufolge bereit, für den Klimaschutz weniger oder gar keine Weihnachtsbeleuchtung zu benutzen“, hörten wir im Radio auf der Autobahn.

Mal davon abgesehen, dass es wesentlich sinnvoller wäre, wenn sechs von zehn Bürgern bereit wären, ihr Auto mal stehen zu lassen, hat man bei dieser Umfrage ganz sicher niemanden aus dem Erzgebirge befragt.

Nirgends gibt es in der Adventszeit so viele Lichter in den Fenstern wie im Erzgebirge. Es gingen auch schon Mitteilungen durch die Presse, wonach manche Erzgebirgsgemeinde sich kaum die Stromrechnung für den Weihnachtsbaum, die Pyramide und die Beleuchtung auf dem Marktplatz leisten kann. Aber darauf verzichten? Niemals.

Und wahrscheinlich brauchen die Schwibbögen und Adventssterne in jedem Fenster noch nicht mal halb so viel Strom wie die blinkenden Lichterketten und ausufernden amerikanischen Weihnachtsbeleuchtungen anderswo. Nirgends ist Weihnachten so unkitschig wie im Erzgebirge.

Auch Weihnachtsmarkt ist Weihnachtsmarkt und kein Rummel. Fahrgeschäfte gibt es nur für Kinder. Der kleine Herr Maus und das Fräulein Maus fuhren begeistert, aber schon mit ein bisschen ironischer Distanz Kinderkarussell. (Der grosse Herr Maus wollte sein Weihnachtsmarktgeld lieber sparen. Und vielleicht ist er einfach in einem Alter, in dem man sich nicht mehr und noch nicht wieder auf ein Kinderkarussell setzt.) Der kleine Herr Maus fuhr in meiner Geburtsstadt mit dem Karussell, auf dem ich schon – am liebsten im Hubschrauber – in seinem Alter meine Runden zog. Auf dem Flugzeug steht jetzt „Lufthansa“ statt „Interflug“ und auf den Motorrädern „BMW“ statt „MZ“, aber sonst ist es noch genauso toll wie früher. Ins Mondfahrzeug passte der kleine Herr Maus allerdings nicht mehr rein – eine Erfahrung, die bei unserem vorletzten Besuch schon das Fräulein Maus machen musste.

Natürlich gibt es allüberall Glühwein. Aber es fehlen die besoffenen Horden, die über die Weihnachtsmärkte ziehen, die ich schon in so vielen deutschen Grossstädten erlebt habe.

(Apropos Glühwein. Eines Abends standen wir im Supermarkt an der Kasse, vor uns eine Familie mit Kind, wir mit unseren Kindern dahinter. Wir hatten zwischen Joghurt, Milch und Hallorenkugeln eine Flasche regionalen Johannisbeerlikör auf dem Band liegen. Der Familienvater vor uns sah sie, sprach uns an, in welchem Regal der denn stünde und rannte los, um auch noch schnell eine zu holen. Eine in Deutschland völlig normale und in Finnland völlig undenkbare Szene: nicht nur, weil es Alkohol sowieso nicht im Supermarkt, sondern nur in speziellen Geschäften gibt, sondern weil niemand Alkohol kaufen – und auch nicht trinken – würde, wenn Kinder dabei sind. Und dann wundern sie sich über ihr abnormales Trinkverhalten und warum keiner gelernt hat, massvoll mit Alkohol umzugehen!)

Unser Mittagessen bestand an etlichen Tagen aus Bratwurst und Waffeln mit Schlagcreme. Und dann noch eine Tüte Krapfen dazu und für die Vitamine ein glasierter Apfel. Weihnachtsmarkt ist so toll!

Ein bisschen meine Adventsfreude getrübt hat der Umstand, dass es selbst auf den kleinen Weihnachtsmärkten sehr, sehr voll war – viel voller als bei unseren Besuchen in den Jahren zuvor. Und obwohl ich sonst immer das Gefühl hatte, dass die Leute im Gebirg‘ doch irgendwie nicht ganz so gehetzt und deutlich freundlicher sind als anderswo, sahen wir uns diesmal unerwartet oft Leuten gegenüber, die eine unglaubliche Ellenbogigkeit – allen voran die Autofahrer – und öffentlich zur Schau getragene Unzufriedenheit an den Tag legten. Ich habe manches Mal gedacht, dass es kein Wunder ist, dass die Parolen der AfD hier auf fruchtbaren Boden fallen. Oder dass vielleicht umgekehrt die AfD einfach unglaublich gute verheerende Arbeit geleistet hat in den letzten zwei, drei Jahren.

Ebenfalls sehr befremdlich fand ich, dass man allüberall für einen Toilettengang bezahlen muss, und dass es zum Händewaschen fast überall nur kaltes Wasser gibt. Ich bin wirklich zu lange weg, um dafür noch irgendwie Verständnis zu haben, geschweige denn, es normal zu finden.

Alles in allem aber war es schön, da zu sein, wo meine Weihnachtstraditionen herkommen. Mit meinen Eltern Ausflüge zu machen. Bekannte zu treffen. In Schwarzenberg auf dem Weihnachtsmarkt von einer Adventskalenderbestellerin angesprochen zu werden.

Und bevor keiner mehr Weihnachtsfotos sehen will, hier noch ein letzter Schwung Stimmungsfotos von da, wo die Adventszeit am schönsten ist. ♥


3 Kommentare

Im Weihnachtsbaumwald

Seit heute morgen 10 Uhr – wegen Zeugnisausgabe grundsätzlich samstags mit Eltern – haben wir Ferien. Ich habe meine Flunssa vom 1. Advent über den ganzen Erzgebirgsurlaub verschleppt, es nieselt und wird den ganzen Tag nicht richtig hell, und ich fühle mich gerade so, als ob ich bis zum 7. Januar einfach durchschlafen möchte.

(Der kleine Herr Maus baute sich auch direkt nach der Zeugnisausgabe ein Deckenlager im Wohnzimmer, nahm seinen Riesenriesig in den Arm und schloss die Augen. Leider kam dann das Fräulein Maus von ihrer Zeugnisausgabe heim, woraufhin der kleine Herr Maus wieder hochschnipste und ein paar Stunden später von uns zu einem Mittagsschlaf gezwungen werden musste.)

Während alle Welt in die Einkaufszentren strömte, fuhren wir in den Wald. Wir sind spät dran dieses Jahr mit einem Weihnachtsbaum, aber im Weihnachtsbaumwald muss man sich nicht mit einem übriggebliebenen, schon seit Wochen ohne Wasser herumstehenden Kümmerling begnügen. Wir fanden eine ganz perfekte mittelgrosse Fichte, die wir morgen schmücken werden, und die ganz sicher auch in diesem Jahr wieder bis zum 13. Januar bei uns bleiben darf.

Im Wald war’s schön. Trotz Nieselregen und Finsternis war ich dort für eine Stunde kein bisschen müde.