Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Gut geplant

Taufe am Namenstag.

Am Morgen wehte vorm Haus überraschend die Fahne vor tiefblauem Himmel und über letzten Schneeresten. Ein Blick in den Kalender bestätigte, dass der Tag ein offizieller Flaggentag ist. Gut, denke ich, dann ist es ja gar nicht so schlimm, dass das dritte Kind nun als einziges zu seinem Geburtstag keine Fahne gehisst bekommt. Stattdessen dann eben zum Namenstag. Und seinen Tauftag werden wir auch nicht vergessen.

Die Taufpfarrerin war kurzfristig wegen Krankheit verhindert. Der gemeinsame Freund, gerade rechtzeitig ordiniert, sprang innerhalb von ein paar Stunden für sie ein. Erwähnte ich schon, wie wunderbar diese Gemeinde ist?!

Und dann brach heute hier auch noch der Frühling aus. Mit Sonne und Möwengeschrei und Krokussen.


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Familienfeiern

Wenn man zu einer kleinen Gemeinde gehört, die sich wie eine Familie anfühlt, dann feiert man nicht nur gemeinsam Gottesdienst, sondern geht auch gemeinsam wandern, verbringt Wochenenden zusammen, ist gleichzeitig schwanger ;-) und feiert zusammen Geburtstage, Babyshower, Taufjahrestage und Halloween.
Man geht zu Taufen, Hochzeiten und, ja, auch schon mal zu einer Priesterweihe:

(Im Lieblingsdom.)


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Taufe, Krankenbesuch und: kolmekymmentäkuusi!

Mäusebabys Taufe war sehr, sehr schön.

Haben wir das Mäusekleinkind damals noch in einem normalen Gottesdienst taufen lassen, weil die Taufe eben nicht dazu da ist, dem Kind einen Namen zu geben, sondern um es in die Gemeinde aufzunehmen, war es uns diesmal zu stressig, ein vielleicht die ganze Zeit vor Müdigkeit schreiendes Mäusebaby während eines ganzen Gottesdienstes ruhighalten zu müssen. Also haben wir die Taufe auf Samstag vorverlegt, und fast die ganze Gemeinde war trotzdem da. :-)

Danke, Outi, für die schönen Worte, für die finnischen Teile der Taufe, dafür, dass das Mäusekleinkind eine der Hauptpersonen war. Danke Meg und Ines, dafür, dass ihr Mäusebabys Paten geworden seid, und dafür, dass ihr das Mäusebaby auch im rutschigen Taufkleidchen sicher gehalten habt. ;-) Danke Ruth und Keith für das spontane Aussuchen eines wunderschönen Liedes. Danke Ruth, Keith, Timo und Leigh Ann für das Ständchen. Danke an alle, dass ihr da wart, danke für eure Geschenke, guten Wünsche und Fürbitten. Danke! Wir sind froh, zu so einer wunderbaren Gemeinde zu gehören!

Es wäre perfekt gewesen, wenn nicht einer von Mäusebabys Taufpaten mit Bronchitis und Fieber hätte zu Hause bleiben müssen. :-(

Deshalb sind der Ähämann, das Mäusekleinkind, das Mäusebaby und ich am Sonntag zu einem langen Spaziergang durch Turku aufgebrochen, an dessen Ende ein Krankenbesuch mit Taufkuchen und einer CD mit Fotos von der Taufe stand. Und dort stand auch die 36. Ein roter Alfa Romeo.

(Ein Alfa Romeo war mein allererstes eigenes Auto. Aus orangem Plastik.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35]


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Überraschung

Vor zwei Jahren, als ich das Mäusekleinkind als erstes Baby unserer Gemeinde erwartete, hat Leigh Ann ja für mich den ersten Babyshower organisiert. Sie selbst hat dann ein halbes Jahr später auch einen bekommen. Nun sind wir Frauen aus der Gemeinde ja bekanntermassen gerade zu viert schwanger. Die erste von uns erwartet ihr Baby in drei Wochen. Also war klar, dass sie auch einen Babyshower bekommt. Als Überraschung.

Was wir anderen drei Schwangeren aber nicht wussten und erst an Ort und Stelle erfuhren, war, dass es auch ein Babyshower für uns war! Für uns alle vier!

Diesmal gab es übrigens keine Spiele, sondern wir haben gemeinsam gebastelt – jede von uns vieren hat ein Buch mit guten Wünschen bekommen. Und am Ende gab es noch für jede von uns vieren vier Geschenke.

Mensch, danke, das war sooo schön!

(Hier gibt es den Bericht der Gastgeberin und weitere Fotos.)


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Babyboom

Dass man in Finnland ständig und überall schwangere Frauen sieht, ist ja nichts Ungewöhnliches. Dass mir das im Moment besonders auffällt, auch nicht.

Aber dass in unserer wirklich kleinen Gemeinde, in der es bis zu des Mäusekleinkinds Geburt überhaupt keine Kinder gab, jetzt gerade vier Frauen auf einmal schwanger sind und ihre Babys innerhalb nur weniger Monate bekommen werden, das finde ich dann doch schon eher ungewöhnlich. Und so toll! :-)


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Der Frühling steht in den Startlöchern. Die Birkenblätter sind draussen, die müssen sich nur noch auffalten. Die Fliederbüsche haben riesige Knospen. An warmen Hauswänden blüht sogar schon der Löwenzahn. Noch ein warmer Tag, und alles ist grün.

Heute früh allerdings fühlte ich mich eher wie in Jena. Kalter, grauer Nebel. Und am Sonnabend hat uns tatsächlich auch hier ”im Süden” der Winter nochmal eingeholt, und es hat den ganzen Tag geschneit. Allerdings ist nichts liegengeblieben. Und uns war es egal. Wir waren zu Meg und Geoffrey eingeladen, des Ähämanns ersten Tauftag zu feiern. Leigh Ann hat alles für einen typischen amerikanischen Brunch vorbereitet und mitgebracht. Er hat grossartige Paten! *lächel* Wir hatten’s also warm und trocken und gemütlich, und das Mäusemädchen fand den vielen Platz bei Meg und Geoffrey ganz toll und ist die ganze Zeit auf Entdeckungsreise gewesen. Leider ist sie auch zweimal ganz dolle ausgerutscht auf den glatten Holzfussböden und auf den Kopf geplumpst. *aua*

Nun hoffen wir, dass der Frühling am Wochenende richtig Einzug hält. Dann fahren wir nämlich vier Tage nach Helsinki. :-)


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”Godfamily”

Hä? Ganz einfach: man nehme vier befreundete Ehepaare, von denen eines die godparents des Sohnes eines zweiten Ehepaares sind, dessen Mutter die godmother und der Mann des dritten Ehepaares der godfather des Mannes des vierten Ehepaares (welcher mein Ähämann ist) sind. Und schon sind wir alle verwandt. ;-)

Ich, die ich nie eine grosse Familie mit Geschwistern, Grosseltern, Onkeln, Tanten, Cousins erlebt habe, bin so dankbar, dass ich auf einmal – in der Fremde, weit weg von meiner eigentlichen Familie – eine grosse, fröhliche, warmherzige ”Familie” bekommen habe. Diese ”Familie” ist für den Ähämann, das Mäusebabymädchen und mich mehr als eine Gruppe anderer Menschen in der Fremde, mehr als ein grosser, gemeinsamer Freundeskreis, etwas anderes als das abgedroschene ”Brüder und Schwestern in Christus” – wenngleich von jedem etwas:

Eine ”Familie”, die sich umeinander sorgt. Eine ”Familie”, die man um Rat fragen kann. Eine ”Familie”, die gemeinsam feiert. Eine ”Familie”, die geschlossen am zweiten Tag nach des Mäusebabymädchens Geburt im Krankenhaus anrückte, um das neue ”Familienmitglied” zu begrüssen. Eine ”Familie”, in der jeder einzelne so viel zu erzählen hat, dass ich stundenlang immer nur zuhören könnte (Wer hat schon einen britischen ”Schwiegervater”, der in Afrika geboren und aufgewachsen ist und seit 30 Jahren in Finnland wohnt? Eine amerikanische ”Tante”, die in Island gearbeitet hat? Eine ”Schwester” aus South Carolina und einen ”Schwager” aus Südfinnland, die eine rührende lovestory erlebt haben?)

Gestern haben wir gemeinsam bei Ville und Leigh Ann Thanksgiving (nach)gefeiert. Hmmmh, und es gab soooo leckeres und sooooo unfinnisches (und für mich überhaupt so, ja, fremdes) Essen: Truthahn, Süsskartoffleln, Brokkoliauflauf, Maisbrot, Geleesalat, Kürbiskuchen.

Und das Mäusebabymädchen hat den ganzen Abend friedlich in ihrem Reisebettchen im Zimmer nebenan geschlafen. :-)


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”Lasset die Kinder zu mir kommen”

(… aber nur, wenn sie die Erwachsenen nicht stören!)

Um nochmal auf die Diskussion um die Deutsche Gemeinde zurückzukommen: in unserer internationalen Gemeinde gibt es nur zwei Kinder – das Mäusebabymädchen, und Baby Lindholm, der noch viel kleiner ist. Natürlich war uns klar, dass wir mit dem Mäusebabymädchen nicht mehr jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen würden. Aber ganz darauf verzichten wollten wir auch nicht. Wir haben erstmal mit dem halbstündigen evensong donnerstags getestet, ob es überhaupt geht – und durchwegs positive Reaktionen erfahren. ”Das ist so schön, dass ihr sie mitbringt!” ”Ach, das macht doch nichts, wenn sie mal ein bisschen schreit.” ”Wollt ihr wirklich nicht am Sonntag kommen? Wenn es ihr doch zu lang wird, könnt ihr ja immer noch zur Not wieder rausgehen.” ”Oder kommt doch wenigstens zum Kaffee vorbei!”

In der Deutschen Gemeinde gibt es mehr Kinder. Dort gibt es auch eine Kleinkinderbetreuung und einen Kindergottesdienst während des Gottesdienstes für die Erwachsenen.

Falls es in unserer Gemeinde mal mehr Kinder geben sollte, werden wir das auch so machen. Aber im Moment wären die beiden Babys sowieso noch zu klein dafür. Also bringen wir sie einfach ab und zu sonntags mit in den Gottesdienst. Da sich das Mäusebabymädchen mittlerweile fast stundenlang selbst beschäftigen kann, wenn sie nur auf dem Boden liegen darf und etwas Neues untersuchen kann, hat sie den grössten Teil des Gottesdienst statt bei uns auf dem Schoss auf ihrer Decke liegend, meine Tasche untersuchend, verbracht. Sie war so darin vertieft, dass sie in lautes Protestgeheul ausgebrochen ist, als ich sie zum peace exchange hochnehmen wollte. Deshalb haben wir sie während des Abendmahls auch gleich liegenlassen statt sie mit zum Altar zu nehmen.

Am Montag bekam der Ähämann eine mail von einem sehr lieben (kinderlosen) Gemeindemitglied – er hätte das mal in einer Kirche erlebt, dass für die Kleinkinder eine grosse Decke vor dem Altar lag und die dann die ganze Zeit während des Gottesdienstes darauf gespielt hätten. Und ob wir das nicht auch einführen wollten.

Am Mittwoch hörte ich, in der Deutschen Gemeinde hätte es heftige Auseinandersetzungen über den Weihnachtsgottesdienst gegeben. Die Mütter wollen gern, dass die Kinder zu Weihnachten mal nicht rausgeschickt werden, und setzen sich für einen Familiengottesdienst ein. Die kinderlosen Erwachsenen allerdings wollen doch bitte zu Weihnachten einen recht ”feierlichen” Gottesdienst. Bitte ohne Kinder.

Und sowas nennt sich Christen! Ich hab’s ja schon immer gewusst, dass die Deutsche Gemeinde nichts für uns wäre…