Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Finnisierung XLII

Oder: Die beste Art, einen finnischen Sommertag zu verbringen.

Das waren zwei sehr schöne Nachmittage mit der deutschen Freundin, die damals als Austauschstudentin in meinem allerersten Finnischkurs an der Uni neben mir sass, und die gerade zwei Inseln weiter Urlaub macht und uns netterweise in die Sauna ihres Urlaubsmökkis eingeladen hat.

Und das Allerbeste: die insgesamt sechs Kinder verstehen sich immer noch blendend.

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Finnisierung XLI

Oder: Der Tag, an dem unsere Kinder Eishockeyfans wurden.

Einmal endete der Palmsonntagsbesuch bei den Paten des kleinen Herrn Maus vor dem Fernseher. Es lief Skispringen. (Weltcup. Wichtig.) Der zweijährige kleine Herr Maus bekam einen kleinen Hocker hingestellt, und dann sass er da so in seinem Katerkostüm, guckte gebannt, streckte den Zeigefinger aus und fachsimpelte mit dem Patenonkel übers Skispringen. Auf Finnisch! (Vorher wusste ich nur, dass er im Kindergarten irgendwie zurechtkommt. Aber ich hatte noch kein einziges Wort, geschweige denn ganze Sätze auf Finnisch von ihm gehört.) Das war unglaublich süss.

Gestern, als wir die halbe Stunde Klavierunterricht des grossen Herrn Maus bei den Paten des kleinen Herrn Maus verbrachten, lief Eishockey. (WM-Viertelfinale. Wichtig.) Das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus hatten sich mit dem Patenonkel gemeinsam auf einen Sessel gequetscht, guckten gebannt, fachsimpelten und murrten ein bisschen, als wir gehen mussten. (Aber es warteten ja zwei Frühlingsfeste.)

Das in der Schule war übrigens so, dass gar nicht genug Platz für Eltern und Schüler war. Es hiess also vorher, die Schüler seien nur zu ihrem jeweiligen Auftritt im Saal, ansonsten im Klassenzimmer, wo man vielleicht einen Film angucken würde. „Was habt ihr denn gemacht?“, fragte ich das Fräulein Maus und den grossen Herrn Maus hinterher. „Wir haben ein bisschen gemalt. Und uns über alles Mögliche unterhalten. Und nebenher haben wir Eishockey geguckt!“, berichtete das Fräulein Maus begeistert. „Und ihr?“, fragte ich den grossen Herrn Maus. „Wir haben auch Eishockey geguckt. Das war spannend!“ „Das gleiche Spiel, Mama, das wir bei Esa gesehen haben“, erklärte das Fräulein Maus weiter. „Die Jungs haben die ganze Zeit geschrien. Und Finnland hat 5:1 gewonnen! Jussu hat gesagt, weil Finnland so einen guten Torwart hat…“

Und dann fachsimpelten sie auf der Rückbank weiter, unsere finnisierten Kinder, und jetzt bin ich wenigstens so im Groben auf dem Laufenden, was die Eishockey-WM betrifft, von der ich bis gestern noch gar nichts wusste.

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Finnisierung XL

Als der Kalevalaisten Naisten Liitto – eine Organisation, die sich für die Erhaltung, Förderung und Weitergabe finnischen Brauchtums und finnischer Kultur engagiert – über die ehemalige Nachbarin anfragte, ob ich nicht dieses Jahr als Kolumnistin für ihre Zeitschrift schreiben wolle, denn das Hauptthema dieses Jahres sei unter Anderem Multikulturalität, da habe ich mich natürlich sehr gefreut, aber war mir gleichzeitig nicht so sicher, ob ich der Aufgabe auch gewachsen wäre. Also Schreiben an sich – kein Problem. Aber auf Finnisch?!

Es ging erstaunlich gut. Und erstaunlich fehlerfrei, denn viel musste ich nicht ändern nach dem Korrekturlesen.

Finnisch Schreiben geht dann jetzt also auch.

(Wer des Finnischen mächtig ist – Seite 11. Und langjährige Blogleser haben das sowieso alles schon mal gelesen.)

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Finnisierung XXXIX

Diese Woche habe ich mir einen 16 Jahre alten Wunsch erfüllt.

Eines der Dinge, die mich damals in den sieben Wintermonaten im mittelfinnischen Nirgendwo am meisten beeindruckt haben, waren die alten Leutchen, die mit ihren Tretschlitten gutgelaunt und in einem Affenzahn die Dorfstrassen entlangschlitterten. Ging es ein bisschen bergab, dann stellten sie sich einfach mit beiden Beinen auf die Kufen und glitten leicht dahin. Dann bogen sie mit elegantem Schwung auf den Supermarktparkplatz ein, brachten ihre Schlitten neben mindestens vier anderen vor dem Schaufenster zum Stehen, nahmen ihre Einkaufstasche vom Sitz und verschwanden im Laden.

Rollatoren gab es damals noch nicht so viele und noch nicht so ausgereifte. Das mit dem Tretschlitten schien mir perfekt, gerade bei glatten Strassen, für alte Leute. Und ausserdem sah es auch nach viel Spass aus. Sehr viel Spass.

Und deswegen schleiche ich seit Jahren um die Tretschlitten im Supermarkt. Aber ach… was soll man mit einem Tretschlitten in Turku, wo jeder Zentimeter Schnee sofort unter einer Tonne Streusand begraben wird?! Wo es sowieso kaum mal Schnee gibt?!

Man kann vielleicht nicht die Fusswege entlangsausen… aber man kann – darauf musste mich erst jemand mit der Nase stupsen – auf dem zugefrorenen See fahren! Und nach Lappland kann man ihn auch mitnehmen!

Heute Probefahrt. Mal eben auf die andere Seite des Sees.
Hach, war das toll!

Die Uhr geht falsch. Es war fünf Stunden früher.

Manche Wünsche erfüllen sich erst sehr spät. Aber immerhin habe ich nicht bis zum Rentenalter gewartet.

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Finnisierung XXXVIII

Ich spreche schon seit Jahren – ausser auf Arbeit – mit keinem Finnen mehr Englisch.

Aber heute ist es mir zum ersten Mal passiert, dass ich jemanden, der aus Höflichkeit immer Englisch mit mir spricht, darum bitten musste, zu Finnisch zu wechseln. Daraufhin wurde aus dem Gestotter wieder eine ordentliche Unterhaltung.

(Was jetzt ja irgendwie eher peinlich ist und vor allem heisst, dass ich mich wieder mehr um mein Englisch kümmern muss.)

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Finnisierung VIIIa

Während ich den Herrn Picasso quer durch die Stadt zur Musikschule lenke, nimmt die Zweitklässlerin auf der Rückbank wichtige Anrufe ihrer Schulfreundinnen entgegen.

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Finnisierung XXXVI

In den Ferien unbedingt 24 Stunden auf einer Schwedenfähre abhängen eine „Kreuzfahrt“ machen.

(Eine richtige Herbstferienreise war dieses Jahr wegen Urlaubstagemangels nicht drin. Und das neue Viking-Schiff ist wirklich schön. Und wenn man Kinder hat, die gern auch mal ein bisschen in der Landschaft rumgucken, dann muss man auch nicht den ganzen Tag im Spielzimmer verbringen. Und wenn man den Kindern dann sogar noch Schneeanzüge aufgezwungen hat, dann kann man sogar ganz allein an Deck sein, statt sich mit 2800 anderen Leuten im Tax Free Shop oder in der Karaokebar zu drängeln. Okay, Antti Tuisku haben wir dabei verpasst. Aber das können wir gerade so verschmerzen.)

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Finnisierung XXXV

Es vollkommen normal finden, im September einen Anorak anzuziehen.

(Die Kinder tapsten heute früh alle drei als erstes auf die Terrasse und pieksten fröhlich auf den Gartentisch.)

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Finnisierung XXXIV

Ein -i am Wortende ist ja auf Finnisch keineswegs eine Verniedlichung, sondern gängiger Wortabschluss.

Auch bei Namen. Die werden ihrerseits üblicherweise mit einem -u am Ende verniedlicht: aus Marianna wird Maiju, aus Valtteri Valtsu, aus Emilia Emppu. (Was man dann wiederum noch weiter auf die Spitze treiben kann, indem man das entsprechende Kind letztendlich “Emppuliini!” ruft.)

Ganz logisch also, dass der kleine Herr Maus uns neuerdings, wenn er sich einkratzen will, zärtlich “Mamu!” und “Papu!” ruft.

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