Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Allerheiligen 2017

Die Kinder liefen den ganzen Tag verkleidet – ein Vampir, eine Fledermaus, eine Spinne – durch die Wohnung und erdachten sich immer weitere Einzelheiten – blinkende Lämpchen, schaurige Masken, plötzlich von der Decke baumelnde Schlangen, unsichtbar durchs Zimmer gespannte Schnüre – für ihre verdunkelten KinderzimmmerGruselkabinette, in die sie uns immer wieder zum Gucken einluden. Der Ähämann und ich gruselten uns sehr und riefen abwechselnd „Iiiih!“ und „Huch!“ und „Hilfe!“.

Nach Sonnenuntergang wuschen sie sich die Schminke ab und zogen sich warme Sachen an und wir fuhren auf den Friedhof.

Ich finde das so schön, dieses Lichtermeer zu Allerheiligen und am Heiligabend!

Auf jedem Friedhof gibt es ausserdem eine Stelle, an der man seine Kerzen für Menschen, die anderswo begraben sind, abstellen kann. Dort stehen dann immer hunderte Kerzen dicht an dicht. (Und eine Kerze für Blechi.)


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Traditionen weitergeben

Als ich klein war, gehörten in unserer Familie zwei Dinge unbedingt zum Herbst: Drachensteigen und Laubflössen.

Drachensteigen ist hier leider schwierig. Es gibt einfach zu viel Wald. Und zu viele Stromleitungen.

Laubflössen ist leider auch eher schwierig. Im Idealfall hat man dafür nämlich einen schmalen Flossgraben mit passabler Strömung und mitteleuropäischen Laubbäumen am Ufer – wir gingen immer an den Grünen Graben – und kann dann alle am Ufer, an Steinen und an in den Graben gefallenen Ästen festhängenden Laubbatzen – je grösser die Laubansammlungen, desto mehr Spass! – losstochern und in die Strömung befördern, mit der sie lustig davonschaukeln.

Wir haben dann heute endlich mal den stadtteileigenen Bach auf seine Eignung zum Laubflössen getestet.

Strömung und Blattmaterial waren ein bisschen dürftig.
Aber es war besser als nichts.


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Anders

Eines der wenigen Dinge, von denen ich mich in Finnland sofort und endgültig verabschieden musste, ist meine Vorstellung von Ostern.

Ostern ist für mich erstes grünes Gras und Sumpfdotterblumen, bunte Eier an blühenden Forsythiensträuchern, Glockengeläut, Puppenwagenspaziergänge durch blühende Parks, ausgedehnte Radtouren, Ostereier zwischen Krokussen, Picknicks mit Hummelgebrumm.

Nicht, dass es in Deutschland zu Ostern immer warm und sonnig gewesen wäre. Nicht, dass hier in den letzten zwölf Jahren nicht auch schon einmal die Krokusse geblüht hätten und wir einmal in T-Shirts radfahren gewesen wären. Und es ist jetzt auch nicht so, dass wir jedes Jahr Ostereier im Schnee suchen würden. Meist ist es einfach nur eklig und kalt. Grau und windig.

Der Finne fährt über Ostern übrigens gern nach Lappland, zum Skifahren. Die Schneebedingungen sind dann ganz prima, und die Sonne wärmt und strahlt bis spätabends. Eigentlich genau meins. Aber nicht zu Ostern. Ostern ist Frühling. Punkt.

Überhaupt wird Ostern hier keine grössere Bedeutung beigemessen. Osterferien? Gibt es nicht. Ostereier färben? Macht keiner. Osterhase? Unbekannt. Immerhin säen die Kinder im Kindergarten Ostergras aus und basteln Küken und Hasen. Aber dass der Glaube unserer Kinder an den Osterhasen sehr viel geringer ist als der an den Weihnachtsmann, ist dann doch nicht weiter verwunderlich.

Mir fehlt das Glockenläuten am Karfreitagnachmittag und am Ostersonntagmorgen. Einmal, als wir noch keine Kinder hatten, waren wir zu einem Osternachtgottesdienst. Der war sehr schön. Aber. Vielleicht in ein paar Jahren wieder.

Manchmal bietet irgendein Museum eine Osterausstellung oder einen Ostereiweitrollwettbewerb für Kinder an. Falls Ostern spät liegt und mit gutem Wetter zu rechnen ist. Wenn Ostern schon im März ist, dann haben die Museen einfach das ganze Osterwochenende zu.

Es ist jetzt auch nicht so, dass wir vier Tage komplett frei und viel Zeit für Ausflüge hätten. Seit das Fräulein Maus unter die Leistungssportler gegangen ist, liegt Ostern immer mitten in der Wettkampfsaison. Da wird wie immer freitags, sonntags und montags trainiert. Auch wenn zufällig Karfreitag, Ostersonntag oder Ostermontag sein sollte. Und der kleine Herr Maus hat am Samstag ein dreistündiges Fussballturnier.

Die Meteorologen versprechen auch dieses Jahr wieder graue Wolken und Regen, abwechselnd mit Sonne und eisigem Wind.

Machen wir eben keinen Osterspaziergang. Bauen wir eben über Ostern die Modellbahnanlage um.

Festtagsbräuche sind schliesslich auch nicht in Stein gemeisselt.

Frohe Ostern!


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Statt Hubsteiger

… kann man auch sein – vor Stolz fast platzendes – Kind klettern lassen.

Es wachsen ja nicht nur die Bäume, sondern auch die Kinder.

(Und dankenswerterweise pausierten Sturm und Starkregen gestern für ein paar Stunden. Gerade so lange, bis der Ähämann und der grosse Herr Maus ihr Werk vollendet hatten.)

Der Weihnachtsbaum wird von Jahr zu Jahr schöner.


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Ab heute

Was ein ordentlicher Adventskalender ist, der fängt selbstverständlich am 1. Advent an…!

(Die anderen beiden müssen natürlich auch am 1. Advent anfangen. Denn der Glaube daran, dass die Wichtel die Adventskalender bringen, ist noch ziemlich gross.)

((Letztes Jahr hatten wir deshalb zum ersten Mal Adventskalender mit gefüllten Taschen. Langweilig, fanden alle drei Kinder. Und warum sie denn keine Kalender mit Fenstern bekommen hätten, so wie immer.))


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Schulanfang auf Deutsch

Der Samstag begann damit, dass der Schulanfänger und seine grosse Schwester, nachdem sie ihre Festkleidung angezogen hatten, nach einem Strauss-Walzer verlangten und durchs Wohnzimmer tanzten, und er endete damit, dass wir mit den Kindern und den Grosseltern halb elf noch vorm Fernseher sassen und die schönsten Fotos vom grossen Herrn Maus aus den letzten siebeneinviertel Jahren anguckten.

Dazwischen hatten wir viele, viele Gäste, die dem grossen Herrn Maus wichtig sind, packten viele, viele liebevoll für ihn ausgesuchte Geschenke aus, assen zwei riesige Töpfe Soljanka, ernteten Zuckertütchen vom Apfelbaum, assen Rhabarberkuchen und Kalten Hund, sprangen Trampolin, tranken literweise Limo, schwitzten, holten uns fast einen Sonnenbrand, und abends durfte der grosse Herr Maus mit der Lupe aus seiner Zuckertüte den Grill anzünden.

„Ich hatte aber eine schöne Schulanfangsfeier!“ sagte er glücklich, als er endlich ins Bett sank. „Und jetzt nur noch dreimal schlafen!“

So soll es sein.