Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Anfang November

Eine Woche lang haben die Vorräte an Licht und Wärme, die wir in den Herbstferien getankt haben, gereicht. Dann kamen Zeitumstellung und Novemberwetter, es wurde noch finsterer und wir schlagartig müde.

Zum Glück gibt es Anfang November gleich zwei Gelegenheiten, viele Kerzen anzuzünden.

Geburtstag.

Und Allerheiligen.

Wir nehmen, was wir kriegen können.

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Kurze Erinnerung: Heute letzte Gelegenheit, finnische Pfadfinderadventskalender zu bestellen!


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Neues Schuljahr

In der Ukraine hat diese Woche, am 1. September wie in allen ehemaligen Ostblockstaaten, die Schule wieder angefangen. Wenn, so las ich neulich, die Schule einen Luftschutzraum hat und ein Konzept, wie, in welcher Reihenfolge und mit wem im Falle des Falles die Kinder dahin gelangen.

Kann man sich nicht ausdenken.

Wenn die Schule keinen Luftschutzraum hat, wird es weiterhin Fernunterricht geben. Wenn der Schutzraum nicht für alle Schüler*innen reicht, muss entweder in Schichten unterrichtet oder priorisiert werden: dann dürfen nur die Kleinsten in die Schule kommen und die Grösseren machen Fernunterricht. Und dann gibt es natürlich noch die Eltern, die ihre Kinder unter diesen Umständen sowieso lieber nicht in die Schule schicken möchten.

(Kommt einem ja alles irgendwie bekannt vor.)

Auch für die ins Ausland geflüchteten Schüler*innen gibt es weiterhin Fernunterricht, als Ersatz oder zusätzlich zur dortigen Schule, und ich finde es wirklich bemerkenswert, dass in einem Land, das wir Deutschen bis vor Kurzem eher von oben herab betrachtet haben, in einem Land, in dem Krieg herrscht, der Fernunterricht scheinbar besser organisiert ist und besser funktioniert als es in vielen Schulen Deutschlands während Corona der Fall war.

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Wir sind schon dreieinhalb Wochen drin im neuen Schuljahr.

Am Freitag kam das Fräulein Maus mit lauter bunten Aufklebern im Gesicht aus der Schule. Die Abiturient*innen hatten den Tag, von dem an sie nur noch 100 Tage Schule haben, mit der ganzen Schule gefeiert. Die Zahl der wunderlichen finnischen Traditionen ist schier unendlich.


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Fröhliche Fuhren

Heute war ein schöner Tag.

Heute hatten die LKWs im Stadtzentrum keinen Sand geladen, keine chinesischen Pflastersteine, keinen Beton und auch keinen alten Schnee, sondern fröhliche Abiturient*innen.

Nach zwei Jahren waren endlich wieder Penkkarit.

(Stell dir vor, du bist Abiturient*in in Finnland, und es gibt keine Vanhojentanssit, keine Penkkarit und noch nicht mal eine ordentliche Zeugnisausgabe mit gemeinsamem Weisse-Mütze-Aufsetzen. Nein, stell es dir nicht vor. Es ist unvorstellbar.)

Im Februar durften die Penkkarit wegen der Coronabeschränkungen immer noch nicht stattfinden, aber immerhin fielen sie in diesem Jahr nicht aus, sondern wurden nur verschoben. Und vielleicht hat man ja auch nochmal doppelt so viel Spass dran, wenn sie nicht am letzten Schultag, vor den Abiprüfungen, stattfinden, sondern wenn man die Prüfungen schon hinter sich gebracht hat.


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So still und friedlich…

Seit vier Jahren – seit wir im Jahr zuvor im Gartenmarkt einen Weihnachtsbaum erwischt hatten, der, als wir am 4. Januar von einer Silvesterkurzreise zurückkamen, komplett grau und kahl war – haben wir einen festen Programmpunkt am Wochenende vor Weihnachten: im Weihnachtsbaumwald unseren Weihnachtsbaum aussuchen und absägen.

„Ihr findet wohl keinen Baum?!“, fragte uns ein Paar mit einem bärenähnlichen Hund, das ebenfalls mit Säge in der Hand durch den Wald streifte. „Finden würden wir schon einen, aber mit fünf Personen ist es ein bisschen schwierig, sich auf einen zu einigen…“, antwortete ich.

Am Ende rollte von den Kindern eins heftigst mit den Augen, eins rumpelstilzte und eins weigerte sich, die Säge rauszurücken, mit der ein Baum abgesägt werden sollte, der ihm nicht genehm war.

Weihnachtsvorbereitungen mit Kindern, so idyllisch…!

Unser Weihnachtsbaum in 15 Jahren?

(Schön war’s trotzdem.)


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neljäsataayksi

Traditionen pflegen.

Mindestens einmal in den Sommerferien müssen der Verkehrspark mit dem kostenlosen Tretautoverleih und der tolle Spielplatz im Nachbarort aufgesucht werden. Immer noch. Das einzige, was sich nach zehn Jahren geändert hat, ist, dass die 10 km lange Anreise nicht mehr mit dem Auto oder dem Bus, sondern mit dem Fahrrad absolviert wurde.

In einer halben Stunde waren wir da, und vielleicht muss ich in diesem Jahr in der Musiklagerwoche nicht ganz so viel mit dem Auto hin und her fahren.

Für den Rückweg suchten wir uns eine andere Strecke, denn es musste noch ein Paket aus dem Automaten im grossen Supermarkt geholt werden sowie im Baumarkt eine Rolle Bindfaden in der richtigen Dicke und Zusammensetzung zum Befestigen der Tomatenstützen erworben werden. (Den passenden Faden gab es nur auf einer 500-Meter-Rolle. Wir werden nie wieder Bindfaden kaufen müssen.)

Nachdem ich in den letzten zwei Wochen alle glatten Hunderter, die es auf finnischen Kennzeichen geben kann, sowie lückenlos alle Ziffern von 402 bis 410 gesehen hatte und mich schon anfing zu fragen, ob es die 401 vielleicht einfach nicht gibt, kam sie uns dann doch noch an der Ampel gleich hinterm Baumarkt entgegengefahren.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399, 400]


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Heiligabend 2020

Die Weihnachtsfriedensverkündung fand dieses Jahr ohne Publikum und deshalb auch für uns im Fernsehen statt. Es war erst das dritte Mal, seit wir in Turku wohnen, dass wir nicht live dabeiwaren: einmal waren wir alle krank, und als der kleine Herr Maus erst sieben Wochen alt war, war es viel zu kalt, um mit ihm hinzugehen.

Auch der Weihnachts-Kindergottesdienst, zu dem unsere Kinder immer noch Jahr für Jahr gehen wollen, fand in diesem Jahr online statt: mit lauter kleinen Engeln, die sich sehr menschenkinderhaft benahmen, und mit einem echten Baby auf Marias Arm! ♥

Zum, ich glaube, ersten Mal in diesem Monat schien die Sonne. Obwohl sie schon kurz nach drei unterging, war es gegen vier immer noch ziemlich hell; das war fast anderthalb Stunden länger als am Tag zuvor. (So ist das hier nämlich.) Dabei hatten es die Kinder eilig, endlich die letzten der 24 erleuchteten Fenster im Museumsdorf angucken zu gehen, weil hinterher Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen würden.

Der Rest war wie immer: Milchreis essen, Geschenke bejubeln, Weihnachtssauna, Märchenfilm gucken, und alle gingen erst gegen Mitternacht ins Bett.


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4. Advent

Heute hat Varsinais-Suomi mit der Zahl der Coronaneuinfektionen endgültig Uusimaa überholt: 14-Tage-Inzidenz 176 vs. 169; finnlandweiter Durchschnitt ist übrigens 96 – etwas, was wohl bis vor zwei Wochen noch niemand für möglich gehalten hätte, da Uusimaa seit März unangefochtener trauriger Spitzenreiter war.

Unsere Pläne für heute waren zum Glück pandemiekonform: Weihnachtsvorbereitungen und Mittagessen im Wald.

(Schnee statt Nieselregen wäre schön…)


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Finnisierung XLVI

Ich weiss auch nicht, wie es passieren konnte.

Jahrelang fand ich die Vorstellung, sich zu Weihnachten Hyazinthen in die Wohnung zu stellen, völlig absurd.

Dann hat mir vermutlich mal eins der Hortkinder vor Weihnachten eine geschenkt. Und was soll ich sagen… eigentlich passen Hyazinthen doch sehr gut zu Engel und Bergmann.

Ursprünglich waren es übrigens keine Hyazinthen, sondern Maiglöckchen, die sich die Finnen zu Weihnachten in die Wohnungen holten.


[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle, XLIII, XLIV, XLV]


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Willkommen, 2020!

Wir haben reingefeiert, mit Luftschlangen und Wunderkerzen und einem Fahrradausflug in den Nachbarstadtteil zum vielleicht schönsten Feuerwerk Turkus und mit Bowle und Sauna und den „Zwölf Monaten“.

Das neue Jahr begann vor der Haustür, wo sich immer ganz viele Nachbarn versammeln, jeder sein Feuerwerk mitbringt und die Kinder reihum anzünden dürfen, und leider auch mit einer Trauerbotschaft: der Nachbarshund, mit dem das Fräulein Maus so gern spazierenging, der immer danebensass, wenn die Nachbarskinderschar gemeinsam Trampolin sprang, der das Bullerbü hier immer komplettiert hat, der grosse Hund, der nie auch nur einer Fliege etwas zuleide tun konnte und manchmal sogar vor einem Schmetterling Angst hatte, hat den Silvesterabend nicht überlebt. Er war schon alt, aber trotzdem: diese blöde Böllerei!

Erst als das neue Jahr auch fast schon in Deutschland angekommen war, gingen wir wieder rein. Und schliefen dann sehr lange und guckten Neujahrskonzert im Schlafanzug.