Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Am kürzesten Tag

Dieses Jahr stimmt gar nichts.

Es ist kurz vor zehn, und die aufgehende Sonne taucht die obersten Wipfel der Kiefern draussen in ein rotes Licht. Im Garten sind die Schneereste, die von vorgestern übriggeblieben sind, steinhart gefroren. Das Reisig an sämtlichen Adventssträussen treibt Maigrün aus. (Nein, das ist mir vorher noch nie passiert. Aber dieses Jahr gibt es ja auch schon Weidenkätzchen. Und der Flieder hat Knospen wie kurz vor dem Aufspringen.) Am Futterhaus herrscht vormittäglicher Hochbetrieb. Blau- und Kohlmeisen. Aber da, auf dem Zaun, ist das nicht…? Nee…! Doch, tatsächlich! Da steht ein zartes Rotkehlchen auf dünnen, hohen Beinen und traut sich nicht ans Futterhaus!

Wenigstens hat es nun überhaupt mal geschneit. Einen Tag lang war finnischer Winter, wie er sein soll: dick beschneite Bäume wie im Märchenwald. Babyfarbener Himmel. Sonne, die mittags gerade so am Horizont langkriecht. Wirbelnde Schneewolken auf den Strassen.
Dann wurde es wieder warm. Wir hörten es nachts schon, wie es vor dem geöffneten Fenster vom Dach tropfte. Dann wurde es, wenigstens nachts, wieder kalt. Nicht wirklich kalt, gerade so viel, dass die Schneereste wieder gefroren. A…glatt ist das draussen. Der Spaziergang in den S-Market gestern mit Kinderwagen war eher eine Stunde Fitnesstraining. Warum gibt es keine Spikereifen für Kinderwagen? (Hört ihr mich, Emmaljunga?! Ich mein’ das ernst!!!) Aber wenigstens ist es dank der weissen Flecken nicht mehr so entsetzlich dunkel. Und gestern und heute scheint sogar ab und zu die Sonne.

Aber letzte Woche noch, als es regnete, regnete, regnete… da war die Dunkelheit so dicht, als ob sie eine Substanz wäre, die jegliches Licht verschluckt. Man konnte mit dem Auto durch die Stadt fahren – Scheinwerfer an, Strassenbeleuchtung an – und hatte doch das Gefühl, es wäre einfach nur schwarz um einen. Scheinwerfer und Strassenlaternen hatten keine Leuchtkraft für zwei Meter…

Am längsten Tag 2004
Am kürzesten Tag 2004
Am längsten Tag 2005
Am kürzesten Tag 2005
Am längsten Tag 2006


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Schon ein Dreivierteljahr!

Das Mäusebabymädchen ist 9 Monate alt!

Unser Mäusemächen ist so gross geworden!

Seit drei Wochen ist nichts mehr vor ihr sicher. Nein, krabbeln kann sie noch nicht, aber sie zieht sich mit Hilfe ihrer Unterarme wie ein kleines flinkes Würmchen durch die Gegend. Anfangs nur ein paar Zentimeter, um ein Spielzeug zu erreichen. Wenn es zu weit weg lag, hat sie protestiert und lautstark eingefordert, dass es ihr jemand reichen möge. Aber eines Tages hatte Mama nur kurz den Rücken gekehrt, und als sie wieder kam, war das Kind verschwunden.

So geht das nun jeden Tag. Was das Kind interessant findet – das Lampenkabel, den Zeitungsständer, das Telefonbuch, den Wäscheständer – wird zielstrebig angerobbt und inspiziert. Spielzeug? Ist für Babys! Einzig und allein die Hohlwürfel sind immer wieder und für lange Zeit interessant. Mittlerweile hat sie das Hohlwürfel-Ausräumen perfektioniert, reicht mir auf Aufforderung manchmal sogar ein Würfelchen zu, und sogar ein falschrum feststeckendes Würfelchen bekommt sie mit ihren kleinen Fingerchen rausgepopelt.

Sie weint nur noch selten. Seit wir einen ganz regelmässigen Wach-Schlaf-Rhythmus eingeführt haben, klappt es auch mit dem Schlafen tagsüber von Tag zu Tag besser. Ich bin so stolz auf die! :-)

Und sie nimmt so viel Anteil an ihrer Umwelt, und es kommt so viel von ihr zurück! Sie plappert den ganzen Tag vor sich hin. Wenn sie mir etwas zeigen will, streckt sie den Arm aus und sagt mit Nachdruck ”Taata!”. Wenn ich ihr etwas zeige, dreht sie den Kopf dahin und sucht. Wenn sie es entdeckt hat und genaus toll findet wie ich, lacht sie mich an.

Sie bekommt einen Lachanfall nach dem anderen. Wenn Mama sich die Nase putzt. Wenn Mama ihr die Windel abnimmt. Wenn Mama ihre Grimassen nachmacht. Wenn Mama die gefrorenen Autoscheiben abkratzt. Wenn sich Mama versteckt. Wenn sie beim Baden so viel strampelt, dass die Sauna und Papa ganz und gar nass sind.

Manche Sachen machen ihr auf einmal Angst. Die grossen Busräder. Der Tunnel auf der Skiloipe, durch den wir oft laufen. Die Nachbarin, die wir lange nicht gesehen haben. Es ist bestimmt schwer, so klein zu sein, und die Welt noch so gar nicht zu verstehen… :-(

Trotzdem hält sie nichts davon ab, mit jedem zu flirten, der sie anlächelt oder sie nur aufmerksam ansieht. Wenn wir Bus fahren, bin ich eigentlich ganz und gar abgemeldet. (Oh, und ich bin so froh darüber, wie hier mit Kindern umgegangen wird. So respektvoll, schon den kleinsten Babys gegenüber. Noch nie, nie, nie hat irgendjemand das Mäusebabymädchen einfach angefasst. Aber ganz oft reden wildfremde Leute ganz ernsthaft mit ihr. Und sie hört ganz ernsthaft zu. Schon immer.)

Sie ist immer noch eine zahnlose Emma. Was sie nicht davon abhält, auch Brei zu verweigern und auf ”ordentlicher” Nahrung zu bestehen. Ihren puuro isst sie brav, auch den Nachmittags-Früchtebrei, aber mittags… Zwischendurch hatten wir den Eindruck, sie mag keinen Brei, in dem Fleisch enthalten ist. Manchmal nimmt sie aber auch den bisher so geliebten Möhren-Mais-Kartoffel-Brei nicht mehr. Und am Fleisch kann es auch nicht liegen: letztens waren wir gemeinsam beim Ähämann in der Kantine essen, es gab Broiler, und ich dachte, ich kann ihr ja mal spasseshalber ein kleines Stückchen davon anbieten. Und wer konnte nicht genug davon bekommen? Unser Mäusemädchen mit dem Mäusemagen! Seitdem essen Mutter und Tochter öfter mal das gleiche zum Mittag – diese Minimakkaroni oder Mischgemüse zum Beispiel. Was tut man nicht alles…
Das Mäusebabymädchen wird auch noch gestillt. Früh, nachdem sie das erste Mal aufgewacht ist und mit in Mamas Bett kommen darf, und tagsüber dann immer vorm Schlafengehen, weil sie sich so schön entspannt dabei und ihr das Einschlafen leichter fällt. Allerdings ist ihr Interesse daran nicht mehr sehr gross. Nach einigen Schlucken geht sie lieber dazu über, mit dem Finger zu untersuchen, wo die Milch eigentlich herkommt. Mama und Papa sind sowieso das Allerinteressanteste was es gibt. Auf Papas Nase, Augen, Mund stürzt sie sich mit regelrechten Kampfrufen. Mama hat ihr das bei sich untersagt. (Mit mässigem Erfolg, aber immerhin.) Zum Glück zwickt sie nicht mehr immer nur, wenn sie irgendwas anfassen will, sondern zeigt bevorzugt mit dem Zeigefinger drauf. ”Taata!” ”Ja, Mama hat da einen Leberfleck.” ”Taata!” ”Ja, noch ein Leberfleck.” … Neulich, als ich neben ihr auf dem Fussboden lag, hat sie meinen Bauchnabel entdeckt und eingehend untersucht. Neuerdings robbt sie, wenn ich da liege, zielstrebig auf mich zu, hebt den Pullover hoch und guckt nach, ob er auch noch da ist.

Ich bin so froh, dass sie doch noch nicht gleich nach Weihnachten in den Kindergarten gehen wird. Wo wir jeden Tag so viel Spass miteinander haben!


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Endlich!

Der Ähämann hat gestern mitten in der Nacht noch eine Menge Fotos gemacht. (Weiss ja keiner, wie lange es noch so aussehen wird. *seufz*).

Das Mäusemädchen und ich waren heute früh schon das Auto an die Steckdose hängen (wir haben -8 Grad!) und abkratzen (das Mäusebabymädchen hat sich scheckig gelacht) und Schnee schippen vor dem Haus. Sogar das mach’ ich gerne. Haaach, Schnee…!!! :-)


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Gestern haben wir es endlich – am letzten Tag, denn er ist nur am Wochenende geöffnet – noch auf den Turkuer Weihnachtsmarkt geschafft.

Ich finde den jedes Jahr wieder so schön mit seinen kleinen, kerzenbeleuchteten Ständen, an denen nur selbstgemachte Dinge verkauft werden! Zwei tonttus haben wir auch getroffen, und es gab eine seinen ”Lebende Krippe” zu sehen, dargestellt von Kindern und Tieren, unter anderem auch Katzen, Hunden, Hasen und einem Huhn. Sehr süss! :-)


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Faule Tage

Vier Tage war meine beste Freundin Pinni zu Besuch. Ich habe sie vom Zug abgeholt und grosse Sehnsucht bekommen, endlich auch mal wieder mit dem Zug zu fahren… Wir waren im Dom und haben mit ein paar hundert anderen Leuten finnische Weihnachtslieder gesungen. Wir waren in der ”Börs” auf zwei alkoholfreie Cocktails. (Die sind da richtig gut, und preiswert! Dass wir dann aber hinterher auch noch den glögi ohne Alkohol wollten, hat die Bardame dann doch sehr gewundert.) Wir haben eine gemeinsame Freundin und ihre drei tollen Katzen besucht. Wir sind mit dem Mäusemädchen spazieren gegangen und haben gemeinsam mit ihm gespielt. Wir haben Weihnachts-Schaufenster angeguckt. Wir haben Weihnachtslieder angehört und uns vom Ähämann jeden Abend aus ”Petterson und Findus” vorlesen lassen. Wir haben Urlaubsfotos angeguckt. Vor allem haben wir unser Defizit an Kommunikationseinheiten ausgeglichen. (Wer braucht schon Schlaf?!) Gestern habe ich sie wieder zum Zug gebracht, und Sehnsucht bekommen, auch mal wieder mit dem Zug zu fahren…

…und mich gefragt, warum wir nicht einfach noch zwei Wochen so weitermachen konnten. Hach, schön war’s…! Danke, Pinni! :-)


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yksi… kaksi… kolme

Finnische Autokennzeichen bestehen immer aus drei Buchstaben und einer Zahl aus ein bis drei Ziffern. (Man kann aus finnischen Kennzeichen allerdings nicht den Ort ablesen, an dem das Auto zugelassen ist. Denn finnische Autos bekommen ihr Kennzeichen für ihr ganzes Autoleben – so wie finnische Menschen ihre Sozialnummer – und das Kennzeichen bleibt somit auch erhalten, wenn der Besitzer des Autos umzieht oder das Auto den Besitzer wechselt. Einzig und allein åländische Autos erkennt man am Å am Anfang.)

Ja, und? Nichts und. Nur, dass es ein paar verrückte Leute gibt, die finden, hey, da könnte man ja ein tolles Spiel draus machen! Gegen langweilige Autofahrten und so. Um mit der besten Freundin zu wetteifern. Oder nur so, aus Spass.

Und das geht so: man hält zunächst Ausschau nach einem Auto mit einer 1. Und dann nach einer 2. Und danach nach einer 3. Undsoweiter.

”Cool! Das mach ich auch!”, dachte ich mir, als mir Pinni im August davon erzählte. Ich wollte allerdings nicht so recht glauben, dass das funktionieren könnte, aber Pinni war schon bei der 14. Na dann… Und vielleicht kann ich sie ja einholen! ;-)

Die 1 war kein Problem. Wohnt doch LYN 1 gleich im Nachbarhaus, und weiss ich doch auch, wo das Auto des Rektors der Turkuer Uni üblicherweise zu sehen ist, das natürlich TY 1 heisst. (Ach ja, mit Wunschkennzeichen ist es in Finnland nicht so einfach. Es ist nämlich nicht so, dass man auf der Zulassungsstelle erst ein freies Kennzeichen zugewiesen bekommt und dann damit selber zum Schilderpräger geht, sondern die Frau auf der Zulassungsstelle greift mal eben in ihren Karton mit den nächsten 20 fertig geprägten Kennzeichen. Die kosten dann samt Zulassung 12 €. Aber Wunschkennzeichen sind so richtig, richtig teuer. Die Gerüchte, wie teuer, reichen von 120 bis 500 €.)

Aber bei der 2 hätte ich’s schon fast wieder aufgegeben. Immer hab’ ich nur dreistellige Ziffern gesehen. ”Nee, das wird nichts”, dachte ich eines Abends im September, als wir nach dem evensong an der Haltestelle standen und auf unseren Bus nach Hause warteten. Und was kam da auf einmal vorbeigefahren? Ein Taxi mit TT 2!!!

Aber die 3…! Ich habe die dritte 1 gesehen. Ich habe die ”römische 3” gesehen. Ich habe die 333 gesehen. Aber keine ”richtige” 3. Zweimal schon die 4, aber die zählt nicht, bevor ich nicht die 3 habe. Aber gestern, endlich – wir kamen gerade vom Weihnachtsbaumkauf aus dem Bauhaus, ich warf mal wieder nebenher Blicke auf die ganzen dreistelligen Zahlen auf den Kennzeichen auf dem Parkplatz und dachte gerade, dass ich Pinni, wenn sie morgen kommt, sagen muss, dass ich seit ihrem letzten Besuch gerade mal eine Zahl weitergekommen bin – da kam auf einmal so ein laaaaaanger, aaaaaaalter Chevrolet gefahren, und der hiess JJU 3. Juhuu! :-)

Nun wird mir wieder monatelang keine 4 über den Weg laufen fahren. Aber irgendwann kriege ich sie schon. Und vielleicht bin ich ja bei der 897 solange wir den J-FI noch haben. ;-)

Jaja, die spinnen, die Finnen. Ich weiss. Na und?! :-)


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Der Nikolaus war da!

Dem Mäusemädchen hat er ein Auto gebracht (das es aber vorerst lieber benagt als herumschiebt), dem Ähämann ein Schokoladenrentier und einen neuen Reflektor zum An-die-Jacke-machen (im Winter ohne Reflektoren an der Jacke, am Rucksack, neuerdings auch am Kinderwagen, unterwegs zu sein kommt mir nach drei Jahren in Finnland vor wie Autofahren ohne Gurt, oder Radfahren ohne Helm), und mir die neue Winter-Muumintasse.

Und weil ja am Nikolaustag auch Unabhängigkeitstag ist und der Ähämann frei hatte, sind wir noch einmal in diesem Jahr nach Mathildedal gefahren. Des Ähämanns Arbeitskollegin hat dort ein letztes Mal dieses Jahr ihr Café geöffnet, es gab Kaffee, glögi und Weihnachtskuchen, und ein kleiner Weihnachtsverkauf (selbstgestrickte Socken und sowas) fand auch statt.

Drinnen war’s fein, draussen ungemütlich kalt und stürmisch und irgendwie trostlos, verglichen mit den sonnigen Nachmittagen, die wir, auf die glitzernde Meeresbucht schauend, diesen Sommer dort verbracht haben. Gestern war alles grau: der Wald, das Meer, das bis zum nächsten Sommer verlassene Restaurantboot, die ehemaligen Speicher am Hafen. Hätte Schnee gelegen, wär’s schön gewesen – die Welt unter einer Watteschicht, das Meer schwarz, Kerzenschein aus den Fenstern der Speichergebäude – hat aber nicht. In Salo wurden gestern rekordhafte 10,8 Grad gemessen.

Früher, wenn das Wetter an den Adventswochenenden meiner Kindheit so gar nicht adventlich war, habe ich nach den Ausflügen in den eher frühlingshaften Wald sehnsüchtig die Dunkelheit erwartet. Dann hat man nicht mehr so sehr gesehen, dass kein Schnee liegt. Dann konnte man auf der Heimfahrt durch die Erzgebirgsdörfer Schwibbögen zählen in den Fenstern, sich über beleuchtete Bäumchen in den Gärten freuen, an den grossen Pyramiden mit ihren elektrischen Kerzen, so gross wie ich damals, in deren Schein leise brummend die geschnitzten oder gedrechselten Figuren ihre Kreise zogen, anhalten, und manchmal war es dann ganz egal, dass gar kein Schnee lag. Advent war doch, ganz deutlich.

Hier hab’ ich lieber – wie das Mäusemädchen – die Augen bis nach Hause zugemacht.