Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mein Wort zum Freitag

Der Ähämann erfuhr es zuerst aus der New York Times (!!!) und rief mich ganz besorgt an.
(Ich war tatsächlich kurz vorher noch ganz in der Nähe gewesen. Wir waren aber alle schon wohlbehalten zu Hause.)

Aus der New York Times…! Die Süddeutsche und die Tagesschau hatten auch schon berichtet. Ehrlich mal – muss das sein?

Dass auf der ganzen Welt umgehend panisch berichtet wird? Und zwar so, dass alle Welt sofort denkt, es handelt sich um einen Terroranschlag?!

Gerade Messerattacken sind für mich – aber mich fragt ja keiner – ein sehr typisch finnisches Verbrechen. Nur erfuhr davon früher nicht sofort die ganze Welt.

Egal, aus welcher Quelle ihr davon erfahren habt:

– Es war sehr, sehr wahrscheinlich KEIN TERRORANSCHLAG!
– Es war ein einzelner Täter. Die Leute, die man teilweise mit Hockeyschlägern hat herumrennen sehen, wollten den Täter aufhalten.
– Der Täter hat nicht auf Arabisch herumgebrüllt und auch nicht „Allah!“ gerufen. (Was man auf den Videos von Überwachungskameras hören kann, sind undeutliche Warnrufe. Auf Finnisch!)
– Der Täter wurde nicht erschossen. Die Polizei hat ihm ins Bein geschossen, um ihn aufzuhalten, und er befindet sich derzeit im Krankenhaus.
– Turku – man stelle sich vor – hat einen eigenen Flughafen!
– Und: ihr kennt jetzt vermutlich alle den hässlichsten Marktplatz der Welt.

Und vielleicht üben wir uns ab sofort mal alle in ein bisschen weniger Panikmache.


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Schon wieder PISA…

Die ”Zeit” hat den ungefähr 183. Artikel zur PISA-Studie veröffentlicht. *stöhn* Wieder sucht jemand nach Gründen, warum Finnland so gut abgeschnitten hat und Deutschland so schlecht. Wieder sucht jemand das Patentrezept, nach dem man ab sofort deutsche Schüler unterrichtet, und schwupps, den nächsten PISA-Test gewinnt Deutschland.

So geht das nicht, Leute! Wenn ihr mich fragt – nur fragt mich ja keiner, weswegen ich hier meinen Senf dazugeben muss – liegen die Unterschiede viel tiefer, fängt das mit dem Lernen schon viel eher an als in der Schule. Dass Eltern schon ihre kleinsten Kinder ernst nehmen, mit ihnen reden, ihre Fragen beantworten, das natürliche Interesse der Kinder fördern statt genervt zu schweigen. Viel mag einfach an der finnischen Mentalität liegen. Am Umfeld. An der Einstellung zu Kindern. Was weiss ich.

Der Artikel ist mir ausserdem zu pathetisch – nicht, weil es so schwierig ist, eine Schule in Finnland zu bauen, sind die Schulen so gut. Man muss schliesslich auch ”Schnee und Eis besiegen”, wenn man eine Strasse bauen will, ein Krankenhaus, einen Pub, eine Mc-Donalds-Filiale. Und es wird ständig irgendwas gebaut in Finnland. Allerdings im Sommer.
Und er ist mir zu sehr aus (west)deutscher Sicht geschrieben – nur weil beide Eltern arbeiten, sind die armen Kinder vernachlässigt und die gesamte Erziehung wird auf die Schule abgewälzt?

Aber dass die ”Zeit” öfter mal schlechte und schlecht recherchierte Artikel, zumindest wenn es um Finnland geht, veröffentlicht, haben ja auch schon Andere festgestellt.