Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Kurz vor Weihnachtsferien

Die Klasse des kleinen Herrn Maus hat ihre Quarantäne hinter sich gebracht. Heute durfte sie zum ersten Mal wieder in die Schule gehen. Und zum letzten Mal in diesem Jahr.

Ab morgen haben alle Turkuer 4. bis 9. Klassen – die Abiturstufe macht schon seit Wochen Onlineunterricht – für den Rest der Woche, also bis Weihnachtsferienbeginn bzw. Halbjahresende, Fernunterricht.

Das heisst auch, dass wir heute zum letzten Mal in diesem Jahr um 6:10 Uhr aufstehen mussten. Und dass wir um die Zeugnisausgabe am Samstagmorgen drumrumkommen werden. (Es wird dieses Jahr einfach gar keine gedruckten Halbjahreszeugnisse geben. Stattdessen werden die Halbjahresnoten ab Samstag um neun im Wilma stehen.) Wir werden unsere Weihnachtsferien so ausgeschlafen wie noch nie beginnen!

Beste Nachricht des Tages übrigens (gänzlich coronafrei): Finnland hat die Bildungspflicht bis 18 beschlossen. Das heisst, dass niemand mehr als Hilfsarbeiter von der Schule abgehen darf, sondern nach der 9. Klasse entweder einen Berufsabschluss oder das Abitur machen muss. Und das heisst auch, dass man als Familie und bei den hiesigen Buchpreisen nicht mehr verarmt, wenn vielleicht drei Kinder Abitur machen wollen und man für die letzten drei Schuljahre – anders als in den neun Schuljahren zuvor, in denen das Schulkind sämtliche Bücher, Hefte, Stifte, Malsachen, Bastelutensilien und ein digitales Endgerät kostenlos zur Verfügung gestellt sowie jeden Tag ein kostenloses Mittagessen vorgesetzt bekommen hat – alle Schulmaterialien selbst bezahlen muss. Denn: Bildungspflicht gleich Lernmittelfreiheit.

(Grösser könnte übrigens der Unterschied zwischen unserer vorherigen und unserer jetzigen Regierung kaum sein. Falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte…)


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Typisch 2020

Auch abseits von Corona gehen hier derzeit sehr ausführlich sehr gruselige Dinge durch die Presse.

Zum Beispiel ist in den letzten Monaten wieder viel von der „Estonia“ zu lesen gewesen, um die es eigentlich nach dem zehnten Jahrestag ihres Untergangs auch hier recht ruhig geworden war.
Klar, man kann bis heute nicht nach Utö fahren, ohne von irgendjemandem darauf angesprochen zu werden. Und die Kinder erinnern sich immer mal daran, dass der weltbeste BootchauffeurFeldassistent, mit dem ich 2004 bis in den September hinein da draussen arbeitete, mir damals erzählt hat, dass er 1994 in dieser stürmischen Herbstnacht auf einer Vogelbeobachtungsstation auf einer Insel ganz in der Nähe war und die ganze Nacht die Hubschrauber gehört, aber erst am nächsten Morgen von dem Unglück erfahren hat „… und Mama, war das nicht so, dass er Angst hatte, er könnte zufällig einen angespülten Toten finden, und er hat dann aber nur eine Schwimmweste gefunden?“ (Kategorie: Oma erzählt vom Krieg Mama erzählt von ihrer Doktorarbeit.)
Jetzt aber gibt es auf einmal nicht nur neue Vermutungen und Verschwörungstheorien zur Unglücksursache der „Estonia“, sondern es wird jetzt auch nach 33 Jahren ein sehr gruseliger Mordfall auf der Viking „Sally“, die damals als Fährschiff zwischen Stockholm und Turku unterwegs war, neu aufgerollt. Das unheimlichste Detail an dieser Mordgeschichte ist für mich jedoch, dass auf dem selben Schiff sieben Jahre später unvorstellbar viel mehr Menschen umkamen: die „Sally“ war nämlich die spätere „Estonia“.

Diesen Donnerstag gab es dann einen Störfall im nahegelegenen Kernkraftwerk. Der Reaktor wurde sofort heruntergefahren, es ist keine Strahlung ausgetreten und niemand zu Schaden gekommen; in der Presse geht es jetzt hoch her, ob man den 12 Jahre nach geplanter Inbetriebnahme immer noch im Bau befindlichen dritten Reaktor überhaupt noch fertigstellen sollte ob zu spät und zu wenig informiert wurde und wer die in der ersten Stunde danach um das 25fache gestiegenen Strompreise zu zahlen hat.

(Danke, 2020, lass gut sein, reicht jetzt!)


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Gefährliches Fahrwasser (2)

„Und gestern Abend haben wir sie noch fahren sehen…!“, sagte der kleine Herr Maus, als ich ihm die Nachricht vorlas.

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Viking-Line hat wohl gerade eine Pechsträhne.

Im Grunde genommen ist natürlich der Klimawandel schuld. Diese blöden Stürme…!

(Wir haben uns den ganzen Tag gemütlich zu Hause eingeigelt, während der Sturm ums Haus heulte und dicke Regentropfen ans Fenster schmiss.)


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Masken und Coronahunde

Jeden Abend, wenn ich unser Maskensüppchen gekocht habe, wünsche ich mir so eine kleine isländische Badeanzugschleuder.

Überhaupt sehne ich mich sehr nach unserem fast coronafreien Sommer zurück.

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Presseschau.

Halleluja! Finnland hat sich zu einer Maskenempfehlung durchgerungen.

Kein unangenehmes Gefriemel in der Nase und kein tagelanges Warten auf Laborergebnisse mehr: Auf dem Helsinkier Flughafen übernehmen Kössi, Valo, Miina und ET den Coronatest. (War auch der New York Times einen ausführlichen Bericht wert.)


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Gefährliches Fahrwasser

Am Sonntag ist mein Lieblingsschiff in den Schären vor Åland auf Grund gelaufen.

Die „Amorella“, mit der der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor 17 Jahren in Finnland ankamen, und die uns bis heute aus jedem Urlaub nach Hause bringt.

Wer einmal mit so einem Riesenpott durch die Inseln und Inselchen zwischen Stockholm und Turku gefahren ist, der wundert sich, dass sowas nicht öfter passiert. Und es passiert ja auch immer wieder. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Mäusefangsommer, als der beste Bootfahrer und ich schon von weitem den grossen Frachter sahen, zweihundert Meter von der markierten Schifffahrtsroute entfernt und seltsam schief im Wasser hängend, der kurz vorher auf Grund gelaufen war und dessen Kapitän ihn kurzerhand auf die nächste flache Insel gesteuert hatte, um das Schiff vorm Untergehen zu bewahren und Mannschaft und Fracht zu retten. So hat es der Kapitän der „Amorella“ jetzt auch gemacht. Und vor sieben Jahren ist sie fast an der gleichen Stelle schon mal auf Grund gelaufen. Und wer weiss, was in der Zwischenzeit noch alles passiert ist, von dem ich nichts weiss, weil ich das örtliche Wurstblatt die Regionalzeitung nur selten lese.

Man weiss noch nicht, was zu dem Unglück geführt hat. Immerhin waren wegen Corona und den Reisebeschränkungen nur ein Zehntel der normalen Passagiermenge an Bord. Es ist kein Treibstoff ausgelaufen. Amorellas Schwester Gabriella ist noch Sonntagnacht aus Helsinki nach Turku geeilt und übernimmt die Fahrten nach Stockholm. Der Plan ist, heute die Fracht so umzulagern, dass die „Amorella“ wieder von der Insel heruntergezogen und auf die Werft nach Naantali geschleppt werden kann.

Ich habe ja ein bisschen Aila im Verdacht. Aila, die letzten Donnerstag durchs Land gefegt ist, drei Stunden lang in Turku an den Bäumen gerüttelt und etliche davon zu Fall gebracht hat, und die natürlich auch mit dem Meer ihren Spass hatte. Vielleicht hat sie so einen riesigen, aber beweglichen unterseeischen Felsbrocken – die haben sogar ihr eigenes Zeichen in den Seekarten! – Richtung Fahrrinne gewälzt. Es gibt nichts, was es hier in den Schären nicht gibt.

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Schule im Herbst 2020

Nach drei Wochen Schule sind heute zum ersten Mal alle drei Kinder mit Schnupfen und Halsweh zu Hause geblieben. Vielleicht hilft es doch ein bisschen, dass diesen Herbst jeder mit auch nur den kleinsten Erkältungssymptomen zu Hause bleiben soll. Denn normalerweise dauert es nach Schulbeginn nur zwei Wochen, bis es soweit ist.

Der kleine Herr Maus hatte deswegen auch gestern seine Klavierstunde per Skype. Er hätte mit seinen Erkältungssymptomen nicht hingehen dürfen, fühlte sich aber sonst mehr oder weniger gesund. Schön, dass das nach diesem Frühjahr jetzt unkompliziert und ohne längere Voranmeldung möglich ist.

Ansonsten frage ich mich, warum man im Mai so vehement darauf bestanden hat, dass alle Kinder für die letzten zweieinhalb Wochen vor den Sommerferien nochmal in die Schulen zurückkehren, weil man angeblich unter Anderem Routinen für den Herbst finden und testen wollte. Während im Mai tatsächlich wenigstens ein bisschen auf Abstand und sehr strikt auf räumliche Trennung der Klassen geachtet wurde, könnte man derzeit, wenn man sich so in den Schulen und auf den Schulhöfen umguckt, denken, Corona sei vorbei.

In unsere Familie eingeschleppt hat die Flunssa das Fräulein Maus, die als einziges unserer Kinder in der Schule bisher keine Maske getragen hat. Wir haben hierzulande ja keine Maskenpflicht – noch nicht mal eine Maskenempfehlung für andere Situationen als den öffentlichen Nahverkehr, und die zwei oder drei Masken, die man derzeit pro Bus sieht, werden es wohl auch nicht rausreissen. Erst vorgestern hat wieder ein finnischer Arzt in einem Interview gesagt, wie wichtig er es fände, eine Maskenpflicht für Innenräume einzuführen, dass man durch strikten Maskengebrauch auch die Ausbreitung der gerade grassierenden Herbstflunssa und später der Grippe stark einschränken könnte und dass die Tatsache, dass es keine Maskenempfehlung für unter 15jährige gibt, nicht heisst, dass unter 15jährige keine Maske tragen dürfen. Gehör finden solche Aussagen weder bei den Behörden noch bei der Bevölkerung. Wir waschen ja alle brav die Hände!

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Presseschau.

Bildungsministerin Li Andersson ist schwanger. „Ich bin sehr froh und glücklich über dieses Geschenk und möchte ein Beispiel dafür sein, dass Frauen sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen.“ Ganz eventuell habe ich schon mal erwähnt, wie froh ich bin, unser Land derzeit von all diesen jungen Frauen regiert zu sehen?!


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Finnische Coronanews

„Zwei Klassen einer Porvooer Schule in Quarantäne.“

„Sieben Coronafälle in einem Altersheim in Helsinki.“

„200 Leute in Rovaniemi in Quarantäne wegen eines Coronafalls in einem Indoorspielplatz.“

„Zwei Wochen Fernunterricht an einem Turkuer Gymnasium wegen eines Coronafalls in der zehnten Klasse.“

„39 Kinder und 10 Betreuungspersonen eines Jyväskyläer Kindergartens in Quarantäne.“

„Ein heute postitiv Getesteter war vor drei Tagen im Vergnügungspark Powerpark.“

„Coronafall in einem Kindergarten in Joensuu.“

„80 Schüler einer Tuusulaer Schule in Quarantäne wegen eines infizierten Lehrers.“

„Ein Infizierter im IC 185 von Helsinki nach Tampere.“

„26 Passagiere des Wizzair-Flugs Skopje-Turku positiv gestetet.“

„Eine Klasse und mehrere Lehrer einer Schule in Kemi in Quarantäne.“

„Acht Infizierte in einem Pub in Vaasa.“

„Ein Kindergartenkind in einem Turkuer Kindergarten an Covid-19 erkrankt.“

„…“

Seit die Infektionszahlen in Finnland wieder steigen, vergeht kein Tag ohne zwei, drei, vier solcher Meldungen.

Andererseits finde ich die Tatsache, dass es immer noch jeder einzelne Covid-19-Fall in einer Schule, einem Kindergarten, einem Altersheim oder einem Restaurant in die landesweiten Nachrichten schafft, durchaus beruhigend.


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Sommerferien minus 6

Finnland hat 6579 bestätigte Coronafälle.

Wir sind jetzt wieder bei den „Egal wie das Wetter ist, abends kommt noch für ein paar Stunden die Sonne raus“-Sommerabenden angekommen.

Weil es den ganzen Tag geregnet hatte, beschlossen wir, abends die Sauna anzumachen, und dann war das so ein Abend, an dem die Kinder in Badehose von der Sauna in die Hängematte und auf die Schaukeln auf dem Spielplatz rennen und an dem es auf der Gartenbank so warm ist, dass man erst nach einer halben Stunde wieder in die Sauna reingeht.

Wir haben wieder Saunabier.
(Die 10% sind nicht der Alkoholgehalt!)

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Presseschau.

Die erste Strassenbahn wurde gestern vom Werk in Kajaani knapp 600 km über Landstrassen nach Tampere gefahren.