Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


2 Kommentare

Winterwochenende

Dieser Winter ist so wunderbar, dass man sogar vorsichtige Pläne machen kann; nicht nur für den nächsten oder übernächsten Tag, sondern so bis zum nächsten Wochenende ungefähr.

Wir hatten zwei für das letzte Wochenende, das eisig und sonnig werden sollte. In Klein-Lappland skifahren, weil es dort nicht nur die schneesichersten, sondern auch die schönsten Loipen gibt und wir alle schönen Loipen in der näheren Umgebung nun doch schon mindestens einmal abgefahren haben. Und endlich mal auf den See mit den Tretschlitten.

Beides als Tagesausflug machbar, aber irgendwie auch ganz schön blöd, an zwei Tagen hintereinander 75 oder 90 km in die gleiche Richtung zu fahren. Vielleicht könnten wir ja irgendwo preiswert eine Nacht übernachten.

Tjanun. Preiswert war es nicht. Und es wurden zwei Nächte; wir fuhren gleich am Freitagabend los. Dafür hatten wir einen wunderbaren Kurzurlaub im Mökki. Vorgezogene Skiferien sozusagen.

***

Samstag.

Aus Gründen fuhren wir dann doch nicht nach Klein-Lappland. Das machte aber gar nichts, denn das Beste am Mökkiurlaub ist, dass die schönste Unternehmung eigentlich ist, einfach im Mökki zu bleiben.

Die Herren Maus begannen den Tag damit, den Weiher vor dem Mökki vom Schnee zu befreien und sich eine Eisbahn anzulegen, während ich mit Freuden den Abwasch von fünf Personen per Hand erledigte, denn obwohl das Mökki eine ehemalige Bauernkate – die früher an einem anderen Ort gestanden, dann aber auf einen Schlitten geladen und mit einem Traktor an ihren jetzigen Platz gezogen wurde – war und wir uns ein bisschen wie in einem Museum fühlten, weil auch die Einrichtung grösstenteils mehr als 50 Jahre alt war, gab es einen Abtropfschrank, denn der wurde in Finnland schon 1944 erfunden. Wir bereiteten das Mittagessen am Lagerfeuer zu, wir fuhren ein bisschen schlittschuh und ein bisschen ski. Die Kinder übten, wie sie im Fall des Falles mit Hilfe der Eisahlen wieder aus dem Eis herauskämen. Wir liessen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Wir trugen Holz aus der Sauna ins Mökki und Wasser aus dem Mökki in die Sauna. Der grosse Herr Maus kümmerte sich ganz allein um das Anheizen der Sauna. Die Kinder spielten Verstecken in Schränken und Truhen, und ich konnte in aller Ruhe mehrere Kapitel lesen, tagsüber! Zwei Abende lang sassen wir lange in der Sauna und gingen dann zeitig schlafen.

Nichts ist erholsamer als Mökkiurlaub.

***
Sonntag.

Vor drei Jahren – aber erst, als das Meer und die Seen schon wieder anfingen zu tauen; und vor zwei Jahren fror hier wegen zu viel Schnee kein natürliches Gewässer überhaupt zu, und über den letzten sogenannten Winter möchte ich immer noch lieber nicht reden – hatte ich zum ersten Mal davon gehört: auf dem Köyliönjärvi, dem kleinen Bruder des riesigen Pyhäjärvi, von Turku aus nur noch 20 km weiter als Klein-Lappland, gibt es nicht nur eine 10 km lange Eisbahn, sondern auch 100 Tretschlitten zur freien Verfügung, um diese Eisbahn zu befahren, falls man nicht schlittschuhlaufen kann, möchte oder das Eis zum schlittschuhlaufen zu schlecht ist.

Wir hatten unseren eigenen Tretschlitten dabei, und Schlittschuhe auch, für alle Fälle, denn es hätte ja sein können, dass an einem sonnigen Februarsonntag alle 100 Leihtretschlitten auf dem See unterwegs wären. Waren sie auch, aber wir mussten keine zwei Minuten warten, bis uns Leute, die ihre Runde beendet hatten, drei Tretschlitten in die Hand gedrückt hatten. (Die Tretschlitten sind alle von örtlichen Firmen und Vereinen gesponsert, und ich war sehr froh, dass ich den mit der Werbung für die Ortsgruppe Köyliö der Wahren Finnen eher durch Zufall – weil ich nämlich lieber den blauen statt des holzfarbenen wollte – noch vor der Abfahrt wieder losgeworden war.) Vier Tretschlitten zu haben, war super, weil dann immer mal ein Kind geschoben werden konnte, aber keiner den jeweiligen Tretschlittenfahrern hinterherrennen musste, und auch, weil wir Eltern endlich mal Tretschlitten in der richtigen Grösse hatten. Ruckzuck waren wir knapp acht Kilometer über den See geglitten.

Den Köyliönjärvi kennt übrigens mindestens dem Namen nach jeder in Finnland, weil auf ihm seinerzeit der Bauer Lalli Bischof Henrik ermordet hat. Der grosse Herr Maus erzählte uns die Geschichte davon, die ich bisher auch nicht so richtig gekannt hatte, anderthalb Kilometer lang in aller Ausführlichkeit.

Zum Schlittschuhlaufen war tatsächlich das Eis zu schlecht. Dafür gab es an der einen der beiden Tretschlittenleihstationen ein Schlittenkarussell, das, anders als die Holzkiste in Naantali richtig schnell wurde.

Das war vielleicht der schönste Wintertag des Jahres.


5 Kommentare

Wie ich Golfplätze lieben lernte

Golf ist – man mag es kaum glauben – ein Ding in Finnland.

Jeder Ort, der der was auf sich hält, hat einen Gopflatz. Im dünn besiedelten Finnland gibt es ganze 150 Golfplätze, der nördlichste befindet sich im lappländischen Kittilä. Rund um Turku gibt es auf jeder grösseren Insel in jede Himmelsrichtung einen Golfplatz.

Ich kann mit Golf ja nichts anfangen. Und die fein getrimmten Rasenplätze inmitten wilder Nadelwälder finde ich ziemlich lächerlich.

Aber dass Golf in Finnland allemal halb so versnobt ist wie anderswo, merkt man unter Anderem daran, dass jetzt, wo ausreichend Schnee liegt, die Golfplätze für die Skifahrer geöffnet werden. Einmal mit der Loipenraupe in Schlingen und Schlaufen um den Golfplatz herum, und schon gibt es eine neue 4 oder 5 oder 7 Kilometer lange Rundloipe.

Das ist nicht so schön, wie über Felder oder durchs Moor zu fahren, denn die Künstlichkeit der Golfplatzlandschaft spürt man sogar unter einem halben Meter Schnee; aber doch sehr grossartig.

Golfplätze sind gar nicht so schlecht.
Im Winter jedenfalls.


4 Kommentare

Sonn(en)tag

Es war vielleicht nicht die beste Idee, an einem Sonntag, an dem nicht nur die Schneebedingungen perfekt und die Loipen frisch gespurt sind, sondern auch seit langer Zeit mal wieder die Sonne scheint und zusätzlich das Loipencafé geöffnet hat, ausgerechnet diese Skitour zu machen. Denn ungefähr 2000 andere Leute hatten die gleiche Idee.

(Leider waren darunter auch ein paar dieser selbsternannten Profisportler, die es nicht ertragen können, wenn jemand in der Loipe langsamer ist, und tatsächlich sogar Kinder anblaffen. Es kommt selten genug vor; aber offensichtlich doch oft genug, dass es dafür im Finnischen sogar einen eigenen Begriff – Laturaivo = Loipenzorn – gibt. Man fragt sich, wie die sonst so sanftmütigen Finnen mit zwei Brettern an den Füssen zu solchen Wutnickeln mutieren können.)

Aber es ist nun mal eine der schönsten Loipen direkt am Stadtrand, quer durchs Citymoor, durch Wald, über sonnige Felder und eine schneeglitzernde Hochebene, und als Highlight zwischen der Landebefeuerung des Flughafens hindurch. Und obwohl ja gerade #aufgrundderaktuellensituation nichts fliegt von unserem Provinzflughafen ausser einem Frachtflugzeug abends halb elf, kamen wir gerade rechtzeitig, um das Grenzschutzflugzeug über unsere Köpfe hinweg landen zu sehen.

Bleib so, Winter! ♥


Hinterlasse einen Kommentar

Es ist gespurt!

So schlecht, wie der Winterdienst in Turku neuerdings funktioniert, so gut funktioniert neuerdings der Loipendienst.

Am Mittwoch schneite es den ganzen Tag – am Donnerstagvormittag fingen sie an, das ganze Turkuer Loipennetz mit der Pistenraupe abzufahren – als wir vom Schlittenberg kamen, wurde sie gerade auf dem Parkplatz an unserer Stadtteilloipe auf den Tieflader geladen, um zur nächsten Loipe gebracht zu werden – damit die Turkuer zum Wochenende fertige Loipen haben.

Danke! Das ist grossartig!

Müssen wir nämlich nicht erst nach Klein-Lappland oder an ähnlich weit entfernte Orte fahren dieses Wochenende.


8 Kommentare

Quarantänefreuden

Vorgestern haben drei von fünf Familienmitgliedern mal wieder einen Ausflug ins Parkhaus und anschliessende Quarantäne gewonnen. Es ging uns eigentlich allen gut, aber bisschen Husten, bisschen Halsweh und bei den beiden beiden Kindern auch bisschen Bauchweh sind eben derzeit nichts, womit man einfach weiter auf Arbeit und in die Schule gehen würde.

Wir haben unsere Quarantäne in vollen Zügen genossen.

Am Mittwoch war der Winter zurückgekommen, und der kleine Herr Maus und ich machten noch vor seiner Skype-Klavierstunde eine kleine Skitour gleich von der Haustür aus in den wieder weissen Wald. Bei Tageslicht!

Und gestern gingen das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich gleich vormittags – das haben wir zum letzten Mal 2009 gemacht! – auf den zu dieser Tageszeit völlig leeren Schlittenberg. Später kamen noch – nicht gleichzeitig; wir waren wie immer die, die am längsten blieben – drei andere Kinder mit jeweils einem Elternteil auf den Schlittenberg, und alle hörten wir ein bisschen husten. Wir mussten sehr lachen über unsere Quarantänewinterveranstaltung.

24 Stunden nach Testnahme trafen hintereinander drei SMSe auf meinem Telefon ein: drei negative Testergebnisse.


6 Kommentare

Lappland vor der Haustür

Egal, von wo wir seit einer Woche nach Hause kommen – in unserem Stadtteil ist es noch weisser und sind die Bäume doppelt so dick beschneit wie anderswo. Wenn wir aus dem Fenster gucken, fühlen wir uns, als wären wir im Blauen Mökki. (Nur die Rentiere fehlen.)

Kein Wunder, dass von allen Turkuer Loipen ausgerechnet unsere Stadtteilloipe fünf Tage lang keine Beleuchtung hatte, weil etliche Bäume unter der Schneelast – die ersten 20 cm waren ja sehr nass heruntergekommen und anschliessend an den Bäumen festgefroren – zusammengebrochen und auf die Stromleitung gefallen waren.

Dafür war sie gestern Abend – montags hat der kleine Herr Maus Zeit, mit mir vor dem Abendbrot noch eine Runde auf Skiern zu drehen – ganz frisch gespurt. Wir fuhren zwei Runden. Weil es sich so leicht dahinglitt. Und weil es so wunderwunderschön war.

(Und weil es vielleicht Ende der Woche zwei Tage regnen soll, bevor der grosse Frost zurückkommt. Hm.)


8 Kommentare

kolmesataakahdeksankymmentäkolme

Heute fuhren wir nicht weit, dafür mit 2000 anderen Leuten – zwei Autos vor uns war die 383 – auf die Insel gleich vor der Stadt.

Dort gibt es die schönste Loipe Turkus, die nicht für die Fitnessjünger immer bergauf und bergab geht, sondern gemächlich über sonnige Felder. Also falls die Sonne scheint. Und falls genug Schnee liegt, dass sie überhaupt gespurt werden kann. Heute gab es beides.

Die Sonne wärmte schon ein kleines bisschen, in den Bäumen hingen Diamanten, und wenn die Sonne nicht nur gerade so über die Baumwipfel kriechen würde am frühen Nachmittag, dann hätte man denken können, es sei schon März.

Das Allerschönste aber war der RegenSchneebogen, der sich sich stundenlang über uns spannte.

Als wir heimkamen und ein sehr spätes Mittagessen zu uns genommen hatten, zogen das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus nochmal für zwei Stunden mit den Nachbarskindern los, auf den beleuchteten Rodelberg in unserem Stadtteil.

Man muss jede Minute von diesem wunderbaren Winterwetter nutzen. Denn in Turku weiss man ja leider nie.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382]


4 Kommentare

Schnee und Januarsonne

In ganz Südfinnland gibt es gerade so viel Schnee, dass wir zum Skifahren nicht erst ins höhergelegene Lieblingsskigebiet fahren müssen, sondern direkt von der Haustür losfahren können.

Da wir aber gern neue Wege ausprobieren, fuhren wir gestern erstmal 50 km wunderbar winterliche – „Achtung, stellenweise glatt!“ – Lieblingsautobahn Richtung Osten.

Neben der nächsten Kleinstadt gibt es nämlich – das hatte ich beim letzten Blick auf die finnische Loipenzustandskarte zufällig entdeckt – mehrere Ringloipen unterschiedlicher Länge, die man einzeln oder kombiniert fahren kann. Es war nicht so voll wie rund um Turku; das war schön, auch wenn wir (mal wieder) die Einzigen waren, die nur zum Vergnügen statt zum Trainieren auf der Loipe waren. Wir hatten schwere Rucksäcke mit unserem Mittagessen – vom Ähämann gekochte heisse Suppe in Thermosbehältern – und heissen Saft und Schokolade dabei. Wir erhaschten sogar ein bisschen tiefstehende Mittagssonne, die zwischen den Baumstämmen hervorblitzte, und freuten uns über unsere bereiften Haare und Mützen und Augenbrauen. Es waren -15 Grad!

Mittagssonne.

Auswärts essen, Pandemieversion.

Früher turnte sie mit ihren Skiern. Jetzt macht sie Ballett auf Skiern.

Das gesamte 9 km lange Loipennetz ist beleuchtet, weswegen wir uns kein bisschen gehetzt fühlten, obwohl erst Januar ist. Aber abends ist es ja schon wieder eine Stunde länger hell als gerade eben noch! Wer braucht da Lampen?! Wir konnten sogar noch im Hellen in diesem wunderbaren Abendlicht wieder heimfahren.

Glück und Herzhüpfen von morgens bis abends!


6 Kommentare

Stadt in Weiss

Gestern auf dem Weg zur Arbeit erklärte mir der Busfahrer, wie doof er den Schnee findet. Und den Winter überhaupt.

(An seiner Arbeit liegt’s nicht. Die können das.)

Die vier Monate November letzten Winter fand ich auch furchtbar. Aber das hier, wie kann man denn das doof finden?!

Schulweg auf Skiern, schon den dritten Tag. (Zum Glück ist immer noch nicht gestreut.)

Lappland vor der Haustür.

Sogar im Stadtzentrum sind die Strassen weiss. (Irgendein Verantwortlicher hat mittlerweile begriffen, dass Salz gegen diese Schneemassen nicht hilft. Und sogar den Strassenhobel geschickt.)

Im Park hat jemand ein Schneelicht um den Bodenscheinwerfer gebaut. ♥


6 Kommentare

Schnee! Schnee! Ganz viel Schnee!

In Turku hat es letzte Nacht 20 cm geschneit.

Das Fräulein Maus, das früh als Erste das Haus verlassen musste, musste von der Haustür an durch unberührten Tiefschnee stapfen. Dann schob ich schnell vor der Haustür einen Durchgang frei und holte zwei Paar Skier aus dem Schuppen. Als wir gestern Abend darüber gesprochen hatten, dass heute wegen vermutlich nicht geräumter Radwege keiner von uns mit dem Fahrrad auf Arbeit und in die Schule fahren können wird, hatten die Herren Maus sofort vorfreudig gefragt: „Können wir dann mit Skiern in die Schule fahren?!“ Normalerweise geht das in Turku ja nicht, weil da jedes bisschen Schnee unter Tonnen von Streusplitt begraben oder – im Stadtzentrum – in Hektolitern von Salzlauge ertränkt wird.

Freudig zogen sie von dannen. Erst der eine, eine Stunde später in der Spur des kleinen Bruders der andere. Ich nahm eine weitere Stunde später den Bus. (Wegen der Salzsuppe im Stadtzentrum.)

Es schneite den ganzen Tag weiter.

Auf der Strasse vorm Hort blieben mindestens fünf Busse am Berg hängen. Die Hausmeister der umliegenden Häuser, zufällige Passanten und Besucher der benachbarten Bar halfen rührend – trugen schaufelweise Streusplitt quer über die Strasse unter die Busräder, schippten Schneehaufen zur Seite, regelten den übrigen Verkehr. Es hätte freilich einfach mal ein Schneepflug kommen können, aber Turku hat ja kürzlich (Klimawandel! Gibt doch keine Winter mehr!) seine gelben Geräte drastisch reduziert – was eine eine ähnlich kluge Entscheidung war wie die, im Jahr 2020 noch eine neue Tiefgarage im Stadtzentrum zu eröffnen.

Nach der Arbeit sammelte mich der Ähämann, der den kleinen Herrn Maus ins Konservatorium zum Theorieunterricht gefahren hatte, am Strassenrand ein. (Das Fräulein Maus hätte auch dabeisein sollen, aber ihre Harfenlehrerin war mit dem Auto gar nicht erst von zu Hause weggekommen und hatte kurzfristig eine Harfenstunde per Skype angesetzt.) Als wir heimkamen, waren gerade zwei Schneepflüge auf den Fusswegen zwischen unseren Häusern und auf dem Parkplatz zugange. Der Fahrer des einen sprang zuletzt aus seiner Kabine, warf einen kurzen prüfenden Blick in die Runde und kündigte an, heute nacht nach drei, wenn es sich langsam ausgeschneit haben würde, wiederzukommen und weiterzumachen.

Die Nachbarskinderschar fing augenblicklich an, die grossen Schneehaufen für ihre Zwecke umzugestalten.