Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Finnisierung XLIII

Jahrelang habe ich verständnislos den Kopf geschüttelt: „Nach Lappland fahren zu Ostern…! Zum Skifahren…! Die spinnen ja, die Finnen!“

Aber nun ja. Von der Vorstellung, dass Ostern hierzulande irgendwas mit Frühling zu tun haben könnte, habe ich mich dann trotzdem recht schnell verabschiedet. Und was soll ich sagen? Dieses Jahr konnte ich mir einen Osterspaziergang auf Skiern plötzlich bestens vorstellen.

Es ist natürlich ein Unterschied, ob zu Ostern matschiger Neuschnee mal wieder die Hoffnung auf Frühling zunichte macht, oder ob man seit mittlerweile sechs (!) Wochen (!) in Schnee, blauem Himmel und Sonne schwelgt. Sonne, die jeden Tag zehn Minuten länger scheint, jeden Tag mehr wärmt und den Schnee jeden Tag ein bisschen mehr verschwinden lässt, ohne dass er überhaupt erst matschig wird.

Und so cremten wir uns gestern die Gesichter mit Sonnencreme ein, zogen die Sonnenbrillen auf und fuhren bei 4 Grad plus und blendender Sonne nochmal eine Runde im Lieblingsskigebiet, das nicht von ungefähr Klein-Lappland genannt wird.

Wasserski :D

Schöner hätte der Skisaisonabschluss – und vermutlich war es wirklich die allerletzte Gelegenheit, denn unten im Tal, als wir wieder am Parkplatz ankamen, kann es nur noch eine Sache von Stunden gewesen sein, bis die schon ganz feucht getaute Schneedecke in der Nachmittagssonne an irgendeiner Stelle das erste Loch bekommen hätte, und wenn erstmal die dunkle Erde durch den weissen Schnee guckt, dann hat er das Spiel gegen die Frühlingssonne endgültig verloren – nicht sein können!

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle]


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Wie im Bilderbuch

Als ich letzten Dienstag mit den Kindern wieder 150 km nach Norden fuhr, um den zweiten Teil unserer Skiferien anzutreten, kamen wir kurz vorm Ziel an einer einzeln stehenden, im Abendlicht leuchtenden, kleinen Kirche vorbei. „Guckt mal“, rief ich den Kindern zu, „die sieht ja aus wie die Koiramäki-Kirche!“

Koiramäki („Hundehügel“) ist ein historisches, von Hunden bewohntes Dorf aus den Bilderbüchern von Mauri Kunnas – der auch unser liebstes Weihnachtsmannbuch gemalt und geschrieben hat – die den Kindern auf kurzweilige Art das Leben auf dem Lande vor 200 Jahren nahebringen sollen. Vor Weihnachten erst hat der kleine Herr Maus das Buch über den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche von Koiramäki gelesen!

Am nächsten Tag sassen wir mit unserer Gastgeberin in der Sauna und kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen und erfuhren eher zufällig, dass die Kirche, die wir gesehen hatten, nicht nur aussieht wie die Koiramäki-Kirche, sondern tatsächlich das Vorbild für die Koiramäki-Kirche ist! 1997 brannte die 500 Jahre alte Kirche, die in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen werden sollte, vollständig ab, als ein Einbrecher seine Spuren verwischen wollte. Mauri Kunnas zeichnete daraufhin das Weihnachtskirchenbuch und spendete den gesamten Verkaufserlös für den Wiederaufbau, eine grosse finnische Papierfirma spendete das für den Druck des Buches benötigte Papier. Über 1000 Leute halfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau.

Nun steht sie wieder. Und es war klar, dass wir auf dem Rückweg da unbedingt nochmal anhalten müssten.

„Mama! Mama! Das ist ja wirklich die Kirche aus dem Buch!“, juchzten drei Kinder von der Rückbank, als ich auf die kleine Zufahrtsstrasse einbog. „Das ist so toll!“

Der kleine Herr Maus wollte sich gern auch noch die Kirche von innen angucken: „Da sind doch die schönen Bilder an der Emporen. Da, wo auf einer Seite nur die Männer sitzen durften und auf der anderen die Frauen!“ Aber dafür müssen wir, wie das in Finnland so üblich ist, im Sommer nochmal wiederkommen.


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Krönender Ferienabschluss

Ich musste mich in diesen Skiferien immerzu kneifen.

Weil sie – und damit hat ja in Zeiten des Klimawandels schon gar niemand mehr wirklich gerechnet! – vom ersten bis zum letzten Tag so unglaublich schön waren. Skiferien, die ihren Namen wirklich verdient haben. Mit dem schönsten Winterwetter, das es gibt: eiskalte Nächte, Schnee, Eis und Sonne, die jeden Tag zehn Minuten länger scheint und mittags schon richtig wärmt.

Sogar auf dem Meer schlittschuhlaufen kann man seit dieser Woche! Und zwar nicht nur so ein bisschen hin und her, sondern auf einem kilometerlangen Netz von Schlittschuhbahnen, die auf dem Meer vor Naantali angelegt wurden. Gestern und heute glitten wir insgesamt 16 km übers Meer und rund um Inseln! (Und zwar verschiedene Strecken!)

Bei Sauli vorm Sommerhaus. ;-)

Und das Allerbeste ist, dass immer noch kein Tauwetter in Sicht ist!


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Skiferien, perfekte

„Kommt doch zu uns ins Mökki, da liegt immer Schnee!“, sagte die deutsche Bekannte, als wir vor ein paar Wochen über unsere Skiferienpläne sprachen, und vier Kinder machten jubelnd Luftsprünge und besiegelten die Sache.

Es gab nicht nur Schnee. Es gab einen Hund und eine wunderbare uralte Sauna. Zur Freude der Stadtkinder Wasser aus dem Brunnen und Sauna, Kamin und Küchenherd, die mit Holz geheizt werden mussten. Selbstangelegte Loipen durch dick verschneiten Märchenwald und über glitzernde Felder. Bitterkalte Nächte, strahlendblauen Himmel und Sonnenschein von früh bis abends. Das Fräulein Maus kam nach drei Tagen mit Sommersprossen zurück nach Turku.


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Winterwunderwochenende

Als der Ähämann die Einladung nach Mittelfinnland zu einer Verteidigung und Doktorfeier erhielt, beschlossen wir sofort und einstimmig, dass wir die Skiferien einen Tag vorfristig anfangen und alle gemeinsam hinfahren würden.

So eine Chance auf drei Tage richtigen Winter soll man sich schliesslich nicht entgehen lassen! (Und auch keine einzige Chance, seine Freunde zu treffen! So oft wie in diesem Jahr habe ich die liebste Freundin das letzte Mal vermutlich gesehen, als wir noch zusammen studierten!)

Es war ganz wunderbar: Aussichtsturmbesteigung und Museumsbesuch. Schlittschuhlaufen auf dem See – als ich das letzte Mal auf diesem See schlittschuhlaufen war, schob ich übrigens das Fräulein Maus im Kinderwagen vor mir her – Rodeln in der Mittagssonne, Skitour durch Märchenwald. Danach Aufwärmen von innen im Pfannkuchenrestaurant. Das Fräulein Maus war drei Tage bei ihrer besten Freundin einquartiert, und die Herren Maus waren ganz fasziniert davon, einmal mitten im Stadtzentrum zu wohnen.

Drei Tage lang Schnee, beissende Kälte und Sonne. Fast schon März!

Heute und morgen kurzes Zwischenspiel in Turku, weil das Fräulein Maus Trainingslager hat. Ab morgen Nachmittag Fortsetzung der Skiferien.


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Abendspaziergang, Freitag

Heute Abend hätte ich fast ein bisschen geschwächelt. Ich hatte den ganzen Tag schon gefroren, weil es so komisch feuchtkalt gewesen war, und Freitagabend bin ich sowieso immer furchtbar müde, und so konnte ich mich heute gar nicht recht durchringen, im Finstern nochmal rauszugehen. Der Ähämann, der noch einen Reisekostenantrag zu schreiben hatte, auch nicht.

Vorsichtshalber aber fragte ich den kleinen Herrn Maus, ob er denn skifahren wolle, und der juchzte mir ein freudiges „Ja!“ entgegen – während seine Geschwister lieber gemeinsam mit den Nachbarskindern das Projekt Schneeburg weiter voranbringen wollten – und so fuhren wir heute zum Skifahren über die Stadtgrenze, auf die andere Seite des Sees.

Der Schnee auf den Bäumen sah heute besonders schön aus, weil die Nachbargemeinde – das haben wir schon vor Jahren am Strand festgestellt – mehr Geld hat als Turku und die ganze Loipe mit LED-Laternen beleuchtet ist, die so schönes Licht machen.

Der kleine Herr Maus hat nach verbissenem Üben in den letzten Tagen das mit dem Skaten jetzt endlich raus, und der Ähämann und ich waren auch sehr froh, unseren inneren Schweinehund überwunden zu haben. Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal so viel skifahren war…! (Wahrscheinlich überhaupt noch nie.)

Aber morgen, da fahren wir endlich mal wieder bei Tageslicht Ski!


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Abendspaziergang, Donnerstag

Gestern Abend brachten wir erst das Fräulein Maus ans andere Ende der Stadt zum Training, und dann fuhren wir zu einem nahegelegenen Wäldchen, das zwischen Hochhäusern, Eigenheimsiedlung und Ausfallstrasse gerade gross genug ist für eine sehr verschlungen angelegte, anderthalb Kilometer lange Loipe.

Es ist hier nämlich so, dass Wohngebiete um den Wald herumgebaut werden, und nicht umgekehrt, denn schliesslich hat hierzulande nicht nur jeder das Recht auf kostenlosen Zugang zu Büchern und Internet, sondern auch zum Wald. Und zwar in Laufentfernung.

Der Wald dort ist übrigens besonders schön und typisch finnisch: zottelige Fichten, ganz viele Felsen, und sogar einen zugefrorenen Weiher, auf dessen Schneedecke die Bäume im Laternenlicht lange, gerade Schatten warfen, entdeckten wir.

Und weil es so schön war und anderthalb Kilometer ja nun wirklich ein Klacks, fuhren wir die Runde einfach zweimal. Es brauchte auch nur fünf Minuten und ein bisschen Gebrüll und Gewüte, bis ausgekaspert war, dass bei der zweiten Runde dann statt des grossen der kleine Herr Maus vorneweg fahren darf.


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Abendspaziergang, Dienstag

Als ich gestern von Arbeit kam, hatte der Ähämann einen grossen Berg Waffeln gebacken. Den verspeisten wir statt eines finnischen Abendbrots, und dann guckten wir uns an: „Machen wir einen Abendspaziergang?!“ „Klar machen wir einen Abendspaziergang!“

Das Fräulein Maus ist krank und der grosse Herr Maus wollte lieber mit seinen Freunden auf dem Hof eine Schneeburg bauen, also brachen nur der kleine Herr Maus, der Ähämann und ich zur übernächsten Loipe auf.

(So wie wir einst anfingen, Strände zu testen, probieren wir diese Woche mal alle beleuchteten Loipen Turkus aus, haben wir beschlossen.)

Das war sehr schön, so im glitzernden Schneegestöber. Der jüngste Skifahrer, den wir trafen, war ungefähr zwei – was zu einem akuten Anfall von Sentimentalitis führte – und der älteste ungefähr 80. (Ersterer war übrigens der einzige, den wir überholten und nicht umgekehrt.) Anders als auf der Kunstschneeloipe, auf der sich die Fitnessjünger gegenseitig fast über den Haufen fahren, waren aber nur ein paar vereinzelte Skifahrer unterwegs. Aber natürlich darf auf finnischen Loipen trotzdem nicht jeder tun und lassen und in jede Richtung fahren, die er will. ;-)