Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Sonn(en)tag

Das neue Jahr hat uns bisher nicht gerade mit Sonne verwöhnt. Aber jeder Sonntag hat bisher seinem Namen alle Ehre gemacht!

Leider sieht bei uns der Winter zwar gerade ganz zauberhaft aus, aber das Eis ist zu dünn und die Schneedecke zu zart, um woanders als auf Kunsteis oder-schnee schlittschuh- oder skilaufen zu gehen. Und dann haben sonntags ja zwei Kinder Training, und eigentlich mussten wir auch zu Ikea…

Aber bei dem Wetter nicht rausgehen?! Zum Glück gibt es für solche Gelegenheiten das Citymoor!

„Ach, ist das toll hier!“, schwärmten der Ähämann und ich. „So nahe an der Stadt, und trotzdem völlige Wildnis, als wäre man…“, sagte ich gerade, da rümpften wir beide gleichzeitig die Nase und fingen an zu lachen. Denn mitten durch das ach so wilde Moor waberte eine dicke Kerosinwolke, die der vor zwei Minuten gestartete Airbus hinterlassen hatte.

So ist das eben, in unserem Citymoor.


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Es muss nicht immer Lappland sein

Eigentlich wollten wir in den Weihnachtsferien einfach nur zu Hause bleiben und faulenzen. Aber als wir hörten, dass in Mittelfinnland richtig viel Schnee liegt, während bei uns der Regen ans Fenster prasselte, da fassten wir einen schnellen Entschluss.

Am Freitag buchten wir ein Mökki, am Sonnabend packten wir Koffer und Kisten, am Sonntag beluden wir das Auto mit Skiern, Schlitten und unserem blauen Tretschlitten und fuhren nach Mittelfinnland. Silvester feierten wir, wie ich es zuletzt vor 18 Jahren getan habe, an einem tief verschneiten mittelfinnischen See.

Die Kinder schaufelten als erstes Pfade rund ums Haus. Unsere Silvesterbowle tranken wir vorm Kamin. Dampfend stellten wir uns nach der Sauna in die mondlichtbeschienene Stille, fröstelnd huschten wir zurück an den zischenden Saunaofen, und die Zeit verging so schnell wie sonst nie am Silvesterabend. Der grosse Herr Maus legte unermüdlich Feuerholz im Kamin und im Saunaofen nach, das Fräulein Maus schnitt Gemüse klein und bereitete Dippi nach einem Rezept aus ihrem ehemaligen Wahlfach zu, nur der kleine Herr Maus verschwand halb elf mit den Worten „Ich leg‘ mich nur mal kurz hin und ruh‘ mich ein bisschen aus“ ins Schlafzimmer, aus dem fünf Minuten später gleichmässiges Schnarchen zu hören war. Unter Mühen, aber seiner Dankbarkeit sicher, weckten wir ihn rechtzeitig wieder auf, um im Schnee auf das neue Jahr anzustossen und unser ganz eigenes, kleines Feuerwerk über dem dunklen See zu bewundern.

Drei Tage lang gingen wir skifahren, schlittenfahren und jeden Abend in die Sauna. Abendbrot bereiteten wir am liebsten draussen an der verschneiten Feuerstelle zu. Wir besuchten die finnischen Paten des Fräulein Maus, wir trafen meine liebste Freundin und das Fräulein Maus schlief eine Nacht bei ihrer liebsten Freundin, und sie zeigten uns ihre liebste Skiloipe und den besten Rodelhang.

Über Silvester nach Mittelfinnland zu fahren war die beste letzte Entscheidung des Jahres 2017.


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Zwei Tage Winter

Für Donnerstag war Schneeregen vorhergesagt. Er kam schon Mittwochabend, und als wir Donnerstagfrüh aufstanden, war alles weiss. Mindestens zehn Zentimeter Neuschnee!

(Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, wie schnell das hier geht!)

Das Fräulein Maus durfte die ersten Tapsen in die unberührte Schneedecke machen. Der kleine Herr Maus hüpfte vor Freude, weil er seinen Schneeanzug anziehen durfte.
Zwei Abende lang habe ich die Kinder nur zwischen Schneehaufen gesehen und mit den Nachbarskindern um die Wette juchzen gehört. (Ab und zu kam einer heim und tauschte ein Paar nasse Handschuhe um. Oder bat um noch einen Poporutscher.) Sogar der Akseli hatte ein Einsehen und liess den Kindern mit den Worten: „Den Schnee könnt ihr ja dann später selbst wegmachen!“ ihre Rodelbahn, die über den Fussweg führte.
Als ich gestern nach Hause kam, begrüsste mich schon von weitem ein riesiger, freundlicher Schneemann , den die Nachbarskinderschar* gemeinsam an für alle gut sichtbarer Stelle – „Und nachts wird er sogar beleuchtet! Wir haben ihn nämlich unter die Laterne gebaut!“ – errichtet hatte. Er trug den Schal, den ich dereinst für den Damals-noch-nicht-Ähämann gestrickt hatte, um den Hals und ein Sandeimerchen des jüngsten Nachbarskindes auf dem Kopf. Vor allem war er riesig – grösser jedenfalls als das grösste Nachbarskind, und stolz berichteten sie mir, wie sie es dennoch gemeinsam und ohne Hilfe von Erwachsenen geschafft hatten, die gewaltigen Kugeln so weit hoch zu hieven.
Ich himmelte zwei Tage lang den Schnee an roten Vogelbeeren und gelben Birkenblättern an. (Das gibt es nämlich nicht so oft.)

Jetzt regnet es übrigens. In Strömen.


*Als wir hierherzogen, gab es ausser unseren Kindern nur zwei Vorschulmädchen, die sich zu gross dafür waren, mit dem zwei Jahre jüngeren Fräulein Maus zu spielen. Jetzt haben wir hier auf dem Hof eine ganze Horde von Kindern zwischen 3 und 12, die jede freie Minute zusammen draussen verbringt. Wie so Bullerbü, hier bei uns.


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Ostermontag

Ich hatte ja die leise Hoffnung, dass, wenn Ostern so spät ist, es dann vielleicht doch ausnahmsweise mal ein bisschen warm ist.

Tja nun. Dass es an jedem der vier Feiertage schneit, hatten wir auch noch nicht.

Schneeschauer sind ja aber gar nicht so schlecht. Immerhin muss man vor denen nicht davonrennen – man wird ja nicht nass. Und es sah schon jedes Mal recht schön aus, wenn der nächste Schneeschauer so herangeweht kam und Millionen Schneeflöckchen vom Himmel tanzten. Und dann der leuchtendblaue Himmel dazu, wenn die Sonne wieder rauskam!

Heute am Meer ganz besonders.

(Nur den Anorak, den würde ich dann jetzt schon ganz gerne endlich mal einmotten.)


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kaksisataakuusikymmentä

An einem sonnigen Märztag vor 17 Jahren nahm mich meine finnische Gastmutter zum ersten Mal mit in ihr Sommerhaus. Wir hielten uns nicht lange da auf, sondern gingen an der Sauna vorbei direkt auf den See. Auf dem See hockten Eisangler, zogen Skifahrer ihre Spuren, Kinder wurden im Schlitten gezogen, ab und zu knatterte ein Schneemobil vorbei. Wir liefen und liefen, und immer neue Ausblicke auf sich bis zum Horizont aus der weissen Schneefläche erhebende Inseln und Inselchen taten sich auf. Die Sonne knallte von einem tiefblauen Himmel auf den weissen See, und es war einer dieser Tage, an dem ich begriff, warum die finnische Fahne blau-weiss ist.

Es war eines der schönsten Dinge, die ich je erlebt habe.

Wie gut, dass die liebste Freundin neuerdings fast genauso nahe am gleichen See wohnt!

(Und als wir über den See bis zu besagtem Sommerhaus gelaufen waren, kletterten wir wieder an Land, und da stand ein Pakettiauto mit der 260 im Kennzeichen.)

Finnischer März, hach!
(Und Mittelfinnland, hach! Hach!)

Glück und Herzhüpfen.
Ganz, ganz viel Glück und Herzhüpfen!

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Doof

Am vermutlich schönsten Wintertag des Jahres im Bett bleiben – weil einer der diversen Krankheitserreger, die seit Wochen in unserer Familie lustiges Ringelpiez spielen, sich jetzt bei mir niedergelassen hat – und den Ähämann mit den Kindern allein nach Klein-Lappland fahren lassen zu müssen, war echt doof.

Immerhin schickte mir der Ähämann in regelmässigen Abständen Fotos. Und die Kinder liebreizende SMSe: „Wir sind den schteilen Berg ser chnell runter gevaren!“

(Heute geht’s mir schon wieder besser. Und morgen regnet’s dann…)