Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

sataneljäkymmentäkaksi

5 Kommentare

Neuerdings hat es sich bei uns eingebürgert, dass ich freitagsabends gemeinsam mit den Kindern backe Kinderschürzen zubinde, Backzutaten anreiche, überwache, dass jeder genau gleich oft Zutaten in die Rührschüssel schütten, jeder auf die Sekunde genau gleich lang den Mixer bedienen sowie jeder aufs Gramm genau die gleiche Menge Teig aus der Schüssel kratzen darf, und hinterher die Sauerei beseitige.

Vorletzten Freitag standen wir dann da mit einem backfertigen Blech Apfelkuchen, wollten den Herd einschalten, und… zischblitzblonk, Herd kaputt. Netterweise durften wir bei den Nachbarn fremdbacken.

Nun ist es ja so, dass in Finnland die ganze Küche samt Herd und Kühlschrank zur Wohnung gehört. Ich musste dann auch nur am Montag anrufen und bekam sofort zugesichert: „Wir bestellen euch sofort einen neuen.“ Luxus? Nun ja.

In der vorigen Wohnung bekamen wir ja einen derart verkeimten Herd angeboten („Der ist vollkommen in Ordnung!“), dass wir gar nicht erst versuchten, Zeit und Energie in seine Reinigung zu stecken, sondern sofort auf eigene Kosten einen vernünftigen Herd erstanden. Gern wären wir mit dem auch umgezogen – das olle Originalding liessen wir beim Auszug wieder anschliessen – leider ist er 10 cm zu breit für unsere neue Küche und fristet seither ein armseliges Dasein in unserem Abstellkäfig. Immer mal wieder zogen wir einen Küchenumbau in Erwägung, für den wir allerdings vermutlich nur schwerlichst eine Genehmigung bekommen würden, und dann war ja auch alles gar nicht sooo schlimm: immerhin befand sich in der neuen Wohnung ein halbwegs moderner Herd mit Ceranfeld. Klar, dachten wir, hier ist ja auch alles ein bisschen teurer, da gibt es auch neuere Geräte. Nicht lange dachten wir das. Nur so lange, bis wir sahen, dass sämtliche Nachbarn so ein altes Ding mit Kochplatten in ihrer Küche stehen hatten. Und bis ich am Montag anrief und einen neuen Herd zugesichert bekam. „Ceranfeld? Nee, das geht nicht. Das ist zu teuer. In die Wohnung gehört ein Standardmodell, das ist mir egal, was der Vormieter da zurückgelassen hat. Alle anderen haben ja auch einen Herd mit Platten. Selber kaufen und nur die Preisdifferenz bezahlen? Ja, nee, das dürfen wir nicht machen. Wie lange das dauert? Zwei Tage. Ja, diese Woche noch.“ Spitzenmässig. Begeben wir uns zurück ins letzte Jahrtausend.

Und aus „diese Woche“ wurde auch nichts. Samstagabend band ich dann Kinderschürzen, reichte Backzutaten an, überwachte, dass jeder genau gleich oft Zutaten in die Rührschüssel schütten, jeder auf die Sekunde genau gleich lang den Mixer bedienen sowie jeder aufs Gramm genau die gleiche Menge Teig aus der Schüssel kratzen durfte, und beseitigte hinterher die Sauerei. Dann fuhr ich mit zwei Gugelhupfformen auf Arbeit, um im Backofen im dortigen Kaffeeraum einen Kuchen für die Geburtstagsgäste und einen für den Kindergarten zu backen.

Die 142 hab‘ ich bei dem Ausflug übrigens nicht gesehen. Die stand schon am Freitag vor der Uni. Aber dazu gab’s keine Geschichte zu erzählen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141]

5 Kommentare zu “sataneljäkymmentäkaksi

  1. Das geht in Schottland nocht weiter – ALLES ist bereits in der Wohnung bis zur Schere in der Küchenschublade.
    Als der Herd nicht wollte war die netter Vermieterin gleich da (Wir stellten fest, daß sich jemand an die Knöpfe des automatischen Timers gelehnt haben musste – so war das Problem schnell gelöst). Dann brauchten wir male eine neue Bratpfanne – sogar die wurde gleich angeschafft…
    Andererseits muss man aber mit dem leben was da ist, mit den schief eingehängten Türen im Schlafzimmerschrank, der Kommode, die zwar hübsch antik ist, einem aber entgegenfällt wenn man die vollen Schubladen auszieht, und eine neue Matraze habe ich gekauft – das ging für mich nicht. Die Bilder an der Wand kann man abhängen, aber Nägel für einschlagen für Eigendeko geht nicht.

  2. Oh ja, Gerechtigkeit beim Backen! Kann mir genau vorstellen, was passiert – und wie laut es wird – wenn eins nicht genausoviel machen darf wie die anderen. Bei uns wird es dann jedenfalls immer sehr laut…

  3. Wann immer ich auf fremden Herden koche, wächst meine Liebe zu unserem Induktionsherd zu Hause. Da wieder von ab und dauerhaft mit Elektroplatten leben zu müssen? Oh, das würde mir schwer fallen! Mein vollstes Beileid!

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