Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Verkaufsgespräche auf Finnisch, Folge 324 (oder so)

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: für fünf Personen reicht ein normaler Kühlschrank nicht mehr. (Für die Kuhsammlung reicht er ja schon lange nicht mehr.)

Zum Glück ist dieser Fall in finnischen Wohnungen, zu denen grundsätzlich die Küche samt Herd und Kühlschrank dazugehört, eingeplant. Neben dem Kühlschrankschrank befindet sich immer noch ein Schrank, den man bei Bedarf ausbauen und zu einem zweiten Kühlschrankschrank umfunktionieren kann.

Der Ähämann und die Ähäfrau begaben sich also am Wochenende, alle drei Kinder im Schlepptau, zu einer ersten Sondierung der Lage auf dem finnischen Kühlschrankmarkt.

Während wir vor dem teuren Siemens-Modell stehen, kommt ein Verkäufer betont lässig dahergeschlendert. Ob wir Fragen hätten, spricht er den Ähämann an. „Nein“, sage ich, „wir gucken nur. Obwohl“, setze ich hinzu, „ich wüsste gern mal, warum manche Gefrierschränke solche, ähm…“ Mir fehlt das finnische Wort für Kühlstäbe, also gehe ich drei Gefrierschränke weiter zu einem, der Kühlstäbe zwischen den Schubladen hat, nicht nur von der Rückwand aus gekühlt wird, und zeige darauf. „Also, warum manche sowas haben und manche nicht, wüsste ich gern.“ „Also der hier ist besser!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen aus dem Verkäufer, während er auf das Siemens-Modell zeigt. „Das ist mir auch klar“, sage ich leicht genervt, „das sieht man ja schon am Preis. Aber rein technisch, was ist denn der Grund? Kühlen die besser, oder was?“ „Nein, die kühlen alle gleich gut.“ sagt der Verkäufer zum Ähämann. Jetzt hat er’s jedenfalls schon vergeigt, der Verkäufer. Vielleicht merkt er das, jedenfalls sagt er: „Wenn ihr beide kauft, den Kühlschrank und den Gefrierschrank, dann ist die Lieferung kostenlos.“ „Ah ja“, sage ich, gar nicht sooo begeistert. „Und der alte Kühlschrank?“, frage ich. „Der alte Kühlschrank? Ja den, den müsst ihr selbst entsorgen lassen!“ Danke fürs Gespräch, denke ich. Wir wenden uns zum Gehen. „Naja, und dann bekommt ihr ja auch Punkte, wenn ihr bei uns kauft“, spielt der Verkäufer seinen letzten vermeintlichen Trumpf aus. „Kennt ihr unser Punktesystem?“ „Nee“, sage ich. Der grosse Herr Maus will endlich weiter, ich auch. Der Verkäufer drückt uns eine Broschüre in die Hand: „Hier ist unser Punktesystem erklärt. Also, wenn ihr die beiden Kühlschränke kauft, dann…“, er blättert ein bisschen, „bekämt ihr einen Gutschein für unseren Laden über… Moment… 30 Euro.“

Wir sind dann gegangen und haben lange und laut gelacht.


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Apfelzeit

Auf dem Markt sind die Erdbeerstände nach den Johannisbeer- und Pfifferlingständen den Apfelständen gewichen. Der Ähämann schleppt abends beutelweise Äpfel an, die er von seinen Kollegen geschenkt bekommen hat. Beim Mittagsitaliener steht eine grosse Schale Äpfel zur Selbstbedienung auf dem Tresen. Spaziergänge machen wir jetzt lieber durch alte Siedlungen als durch den Wald – denn vor jedem Vorgarten liegen Eimer, Schüsseln, Stiegen, Kartons oder einfach nur gestapelte Häufchen mit Äpfeln zum Mitnehmen: einen hier mitnehmen, beim Laufen essen, und wenn der alle ist, dort den nächsten probieren.

Der kleine Herr Maus übrigens, der verschlingt Apfelschnitze mit Haut und Haar mitsamt Schale.


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”Unser Bus kommt!” Mama, Fräulein Maus und grosser Herr Maus winken. Ein Kind rechts, eins links am Mäusevolvo steigen wir ein. Das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus ergattern einen Sitzplatz in der ersten Reihe über dem Kinderwagenplatz, während ich den kleinen Herrn Maus neben einem kleinen Inder einparke. „Nein, heute will ich mal am Fenster sitzen!“, höre ich das Fräulein Maus schimpfen. „Mama, der grosse Herr Maus sitzt sonst immer am Fenster!“ „Ja, das stimmt, grosser Herr Maus! Heute darf das Fräulein Maus mal am Fenster sitzen, ja?“ „Nein“, wütet der grosse Herr Maus, „ich!“ „Nein, heute darf das Fräulein Maus auch mal!“ bestimme ich. „Immer abwechselnd!“, erinnert der grosse Herr Maus. „Heute ich, morgen kann das Fräulein Maus am Fenster sitzen!“ Clever. Nur, dass er schon die letzten zwei Wochen immer am Fenster gesessen hat. Ich erinnere ihn daran. „Guck mal, da war ein komisches Auto!“, ruft das Fräulein Maus. „Ich kann nichts sehen! Weil ich nicht am Fenster sitze!“, heult der grosse Herr Maus los. „Ich will auch ein komisches Auto sehen!“ „Du kannst am Fräulein Maus vorbeigucken, wenn die sich ein bisschen zurücklehnt!“, sage ich und ermahne zu weniger Geschrei im Bus. Der kleine Herr Maus flirtet mit der Mama des kleinen Inders. Das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus werden handgreiflich. Ich lasse den kleinen Herrn Maus, der sicher im Mäusevolvo angeschnallt ist, allein und trenne die beiden Streithähne. „Nee, Mama, nee!“, windet sich der grosse Herr Maus. „Lass mich in Ruhe!“ „Grosser Herr Maus, du kannst ans Fenster. Meinetwegen!“, sagt das Fräulein Maus genervt. „Aber vorher hörst du auf zu schreien!“, setzt sie in Mamamanier hinzu. Die beiden tauschen Plätze. Ich begebe mich wieder zum kleinen Herrn Maus. „Nee, Mama!“, ruft der grosse Herr Maus hinter mir her. „Komm her! Ich will mit dir kuscheln!“ „Hör zu, kleiner Herr Maus“, sage ich, „ich setze mich mal kurz mit da hoch, ja?“ Der grosse Herr Maus kriecht auf meinen Schoss. Der kleine Herr Maus lacht von unten zu uns hoch.

Ruhe und Frieden.

„Mama! Mama! Da ist wieder ein komisches Auto!“, ruft das Fräulein Maus. „Wo?“, frage ich zurück. „Na da! Da! Mama!”, entrüstet sich das Fräulein Maus. „Siehst du’s etwa nicht?!”

Nein. Aber das Chevrolet-Pakettiauto mit der 89 auf der Gegenfahrbahn, das sehe ich wohl.

Danke, Kinder! Was würde mir ohne euch nicht alles entgehen!

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kahdeksankymmentäkahdeksan

”Papa, Papa, du bist falsch gefahren!”, schallt es vom Rücksitz. „Hier geht’s doch zu unserer alten Wohnung!“

(Aber wenn dort doch ein Nachbar ein Motorrad mit der 88 vor der Haustür stehen hat…)

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Reinlich

„Ich halte meine Stadt sauber!“, las ich einst belustigt von der Hundemarke des grossartigsten Hundes, den ich je kennengelernt habe, vor. „Aber sicher“, erwiderte sein Herrchen, „vor allem von Essensresten!“

Daran muss ich jetzt immerzu denken, wenn ich den Frühstückstisch abräume und der kleine Herr Maus derweil unter selbigem sitzt und die Brotstückchen, die er vorher verschmäht und auf den Boden gepfeffert hat, eins nach dem anderen sorgfältig aufsammelt und vertilgt.

Und hinterher hilft er mir natürlich beim Staubsaugen.


Ein Kommentar

Zehn (und eine Woche)

Was für ein aufregender Monat!

Gleich, nachdem er richtig robben konnte, hat der kleine Herr Maus angefangen, sich hinzustellen. Und gleich danach, sich selbst hinzusetzen. Und gleich danach, zu krabbeln. Und gleich danach, sich auf alle viere zu stellen. (Oder sich im Stehen nur noch mit einer Hand festzuhalten. Aber ein bisschen wird er sich schon noch gedulden müssen, bis er frei stehen kann!)

Er hat eine weite, weite Reise gemacht und sich sehr geduldig stundenlang im Auto fahren lassen. Von Papa hat er sich in der Kiepe durch die Berge schleppen lassen und dabei fröhlich von oben auf die Welt geguckt. Manchmal ist er auch dabei eingeschlafen. (Aber selten.) Papas neuer Höhenrekord ist auch seiner. Vielleicht besteigt er ja später mal den Mount Everest. ;-)

Er hält von früh bis abends grosse Reden – „Daadaadaa! Mamam! Rrrrrrreeeeeh! Daadaadaadaa!”- und ich wüsste zu gern, was dabei in seinem kleinen Kopf vor sich geht.
Ausserdem hat er sich ein ohrenbetäubendes Quietschen angewöhnt, wenn wir ihm nicht sofort und in gewünschter Weise zu Willen sind. (Wir haben dann also ab sofort ZWEI Trotzkinder…)

Gross wird er, so schnell gross, der kleine Herr Maus!