Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Novembergeburtstag, coronakonform

Wie er denn seinen Geburtstag feiern wolle, fragte ich vor etlichen Wochen den kleinen Herrn Maus.

Nur mit seinem besten ehemaligen Schulfreund, und ob wir vielleicht mal wieder im Dunklen in den Wald gehen könnten.

Und so fuhren wir heute Abend mit Würstchen und Grillkäse und Mäusespeck und Geburtstagstorte zu Turkus schönster Feuerstelle. Sogar ein bisschen geschneit hatte es zur Feier des Tages!

Novembergeburtstage sind toll!

Am allerallerschönsten aber war, dass wir hinterher noch genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Aussichtsturm geklettert waren, um das Rotorsegel der „Grace“ über die Baumwipfel der nächsten Insel hinwegziehen zu sehen.


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Feierwoche

Nicht nur, dass morgen Juhannus ist, diese Woche fanden auch zwei Nachbarskindergeburtstagsfeiern auf dem Hof statt.

Aber was schenkt man einem Kind, das schon alles hat?

Zum Glück erinnerte ich mich an etwas, das ich schon mehrmals gesehen hatte: selbstgemachte, umweltfreundliche Wasserbomben!

Die passten auch sehr gut zum Wetter.


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Coronaklausur, Tag 56

Finnland hat 6003 bestätigte Coronafälle.

Obwohl der grosse Herr Maus dasjenige unserer Kinder ist, das unbedingt wieder in die Schule will, hat er sich doch gefreut, als die erstmal für vier Wochen gedachten Schulschliessungen schon recht bald bis zum 13. Mai verlängert wurden. „Dann muss ich an meinem Geburtstag noch nicht in die Schule!“, jubelte er.

Schon der zweite Geburtstag, an dem wir alle gemeinsam aufstehen, dem Geburtstagskind ein Lied singen, beim Geschenkeauspacken zugucken und gemeinsam frühstücken konnten, ohne dass einer schon mal los musste in die Schule. Sehr schön.

Der grosse Herr Maus jubelte über alle seine Geschenke – die kleinen, die grossen, die, die gar nichts gekostet hatten, und die teureren – gleichermassen. Das Fräulein Maus hatte ihm ein Rätselbuch gebastelt und der kleine Herr Maus ganz allein einen Dinosaurier aus Holz ausgesägt und bemalt. Die Patentante schickte ein Geschenk, das nicht besser sowohl zu ihr als auch zum Beschenkten passen könnte. ♥

(Ich selbst musste auch gleich noch vorm Frühstück ein paar Seiten darin lesen.)

Fast ein Geburtstagsgeschenk war auch die Wilma-Nachricht seiner Klassenlehrerin an den grossen Herrn Maus und uns Eltern, in der sie ihn jetzt am Ende der acht Wochen Fernunterricht ausführlich dafür gelobt hat, dass er sich immer aktiv an den Unterrichtsstunden per Videochat beteiligt hat, dass er keine Stunde verpasst hat, dass er immer pünktlich seine Aufgaben eingereicht hat, wie selbstständig er in der Zeit geworden ist. „Du, ich und wir alle haben viel gelernt in dieser Zeit – falls wir nochmal so eine Situation haben werden, dann sind wir gut darauf vorbereitet. Danke für deine Flexibiliät und deinen Fleiss, ich bin stolz auf dich!“ Jedem einzelnen ihrer 18 Schüler*innen hat sie so eine ganz persönliche Nachricht geschickt! Ich war sehr gerührt, und der grosse Herr Maus leuchtete von innen.

Dann auf Arbeit geradelt – dank Pankratius mit Sonnenbrille, Sonnencreme, Mütze, Handschuhen und Anorak – und gemeinsam mit der besten Chefin weitere Feinplanungen vorgenommen. Viele Emails von Eltern beantwortet und mich gefreut über ein Lob für unser „professionelles Engagement“. Da wir alle ja nichts weiter an die Hand bekommen haben als diese grandiosen offiziellen Hygieneregeln, ist in den letzten beiden Wochen recht deutlich geworden, dass es Rektoren, Lehrer, Kindergarten- und Hortbetreuer*innen gibt, die sehr durchdachte und detaillierte Pläne haben, und andere, die… eher keine Pläne haben. Es wird… spannend ab Donnerstag.

Hinterher fuhr ich auf dem Markt vorbei, um ein Bund dringend benötigte Zwiebeln zu besorgen, ohne dafür in den Supermarkt zu müssen – leider vergebens, und das liegt eher nicht an Corona. Grmpf.

Als ich heimkam, waren die Herren Maus mit einem der Geburtstagsgeschenke des grossen Herrn Maus draussen unterwegs. Das Fräulein Maus hatte sich mit ihrer besten Freundin zum gemeinsamen Joggen verabredet. Sie rannte durch unseren Wald, die beste Freundin an einem mittelfinnischen See entlang.

Abends letzte Klavier- und Klarinettenstunde für den kleinen Herrn Maus. Das Schuljahr ist wirklich fast um.


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Coronaklausur, Tag 2

Geburtstag.

Wann sie denn eigentlich ihre Geschenke auspacken solle, hatte das Fräulein Maus schon seit Wochen überlegt. Denn, das ist mal klar, dabei muss die ganze Familie dabeisein. Und vorher singen. Nun würde ihr Tag aber kurz nach sechs anfangen, wenn die Brüder noch tief und fest schlafen, und statt zu erwarten, dass sie an ihrem Geburtstag mit ihr aufstehen, erwog sie sogar, bis zum Abend mit ihren Geschenken zu warten. (Schliesslich ist sie sowieso erst abends geboren!) Aber wenn sie dann nach dem Harfenkonzert im Nachbarort frühestens um acht abends heimkäme, das wäre schon sehr spät… Es beschäftigte sie sehr.

Tja, hatte sich alles erledigt. Wir schliefen alle bis um acht, zündeten vierzehn Kerzen an und gingen dann singend in ihr Zimmer, um sie aufzuwecken, wo sie allerdings schon lange vor Aufregung aufgewacht war, und dann konnte sie in aller Ruhe vor einem halbwegs selbstgewählten Schulbeginn ihre Geschenke auspacken und mit uns allen Geburtstagstorte essen.

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Schule.

Obwohl die Schulen gerade mal den zweiten Tag geschlossen sind und wir gerade mal den vierten Tag ernsthaft Schule zu Hause machen, kommt es mir vor, als wären die Kinder vor einer Ewigkeit das letzte Mal zur Schule gegangen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass das richtig gut läuft mit dem Fernunterricht; dass der sehr nahe an den echten Unterricht herankommt und sehr weit entfernt ist von blossem Aufgabenabarbeiten.

Der Stundenplan gilt weiterhin. Das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus haben regelmässig richtigen Unterricht per Videoschaltung. Ausserdem bekommen sie Aufgaben, die sie während der entsprechenden Unterrichtsstunde bearbeiten und zurückschicken müssen. Wenn ihnen etwas unklar ist, können sie mit ihren Klassenkameraden chatten oder der Lehrerin eine Nachricht schicken. Der kleine Herr Maus rief heute früh kurzerhand bei seiner Lehrerin an, weil er ein Problem hatte, und bekam freundlich Hilfe.

Jedes Mal denke ich wieder, wie einfach das hier ist, wo es Wilma gibt und digitale Lernmittel schon längst gang und gäbe sind. Der Übergang hätte für Schüler und Lehrer gleichermassen nicht komplikationsloser sein können, weil alle die benötigten Techniken schon beherrschten. Die Grossen haben natürlich einen Extravorteile durch ihre eigenen Schultablets und -laptops, auf denen alle benötigten Programme auch schon längst installiert sind, aber die Lehrer finden auch kreative Lösungen: der kleine Herr Maus, der seit der ersten Klasse entweder mit einem der klasseneigenen iPads oder seinem eigenen Telefon SeeSaw benutzt, um zum Beispiel seine Werkarbeiten oder zum Schulstoff erstellte Videoclips mit uns zu teilen, lädt jetzt dort seine abfotografierten fertiggestellten Aufgaben hoch und bekommt sie mit direkt ins Foto gemalten Korrekturen dorthin zurückgeschickt.

Nur mir wird langsam schwindlig von den vormittags im Fünf-Minuten- und nachmittags mindestens im Stundentakt eintrudelnden Benachrichtigungen über neue Mitteilungen, neue geteilte Elemente und neue Wilma-Einträge: es gibt sogar weiterhin stundenbezogene Einträge wie „aktive Mitarbeit“ oder „Hausaufgaben vergessen“!

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Arbeit.

Mittags radelte ich auf Arbeit. Die beste Chefin und ich hatten gestern noch gemeinsam beschlossen, auch die Nachmittagsbetreuung als Fernhort weiterzuführen. Wir stellen jetzt jeden Tag irgendeine kleine Beschäftigung – Bastelanleitungen, Sportübungen, Wissenschaftsdienstagsexperimente, Linktipps – auf unsere Webseite. Gestern fingen wir mit einer kindgerechten Linksammlung zu Beiträgen von „Maus“ und „logo!“ zum Thema Coronavirus an. Ausserdem haben wir beschlossen, auch unser Vorleseprojekt – wir lesen jeden Tag vor dem Vesper ein bisschen vor, das gleiche Buch immer abschnittsweise abwechselnd erst auf Deutsch und dann auf Finnisch – weiter für die Kinder anzubieten. Also nahmen wir heute zweieinhalb Stunden lang kapitelweise das Buch, das wir gerade angefangen hatten zu lesen, nochmal von vorn und dann bis zum Ende auf. Uff. Ich wollte dann den Rest des Tages nicht mehr reden.

Wie es ansonsten weitergeht mit dem Hort, wissen wir gerade auch kein bisschen. Vielleicht bleiben die Schulen gleich bis zum Sommerferienbeginn zu, vielleicht wird im Mai wieder in den Schulen unterrichtet, dafür der Ferienbeginn auf bis nach Juhannus verschoben… Wenn das tatsächlich alles so lange dauert – was ich aus Biologensicht nur befürworten kann! – kann es leider gut sein, dass wir demnächst beurlaubt werden. Wir werden sehen.

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Auslüften.

Als ich wieder zu Hause ankam, war es höchste Zeit, die zu Hause arbeitende und lernende Familie zu lüften. Wir packten Kaffee und Kuchen ein und radelten zum nahegelegenen See.

Der Parkplatz dort war so voll wie sonst nur an Wochenenden während der Schlittschuhsaison. Überhaupt sieht man den ganzen Tag über auffallend viele Leute draussen spazierengehen oder fahrradfahren: Mütter oder Väter mit Kindern, junge Paare, alte Leute. Sonst sieht man ja nur Jogger oder Leute mit Hunden. Wir trafen auch zufällig einen Bekannten, der mit voller Vogelguckerausrüstung am See unterwegs war, und unterhielten uns über mindestens vier Meter Sicherheitsabstand über Vorlesungen per Videokonferenz, Hybridgänse und Möglichkeiten für gemeinsame Pfadfinderunternehmungen ohne physisches Zusammensein. Das finde ich gerade wirklich sehr schön.


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Flohzirkusgeburtstag

„Ich möchte dieses Jahr wieder eine richtige Geburtstagsfeier haben!“, hatte sich das Fräulein Maus gewünscht. „Geht das, dass ich meine ganze Mannschaft einlade?“

Warum nicht. Von denen würde ich auch zwanzig in unsere nicht gerade riesige Wohnung einladen. Die Turnmädchen sind ihre wichtigsten Freundinnen. Mit ihnen verbringt sie fast mehr Zeit als mit ihren Klassenkameraden in der Schule.

Auch der Sonnabend fing mit drei Stunden Training an. Das letzte Training vorm ersten Wettkampf der Saison; die letzten 20 Minuten durften wir Eltern gucken kommen.

Dann fuhren das Fräulein Maus und ich schnell nach Hause, um noch letzte Vorbereitungen zu treffen.

„Können wir auch wieder Luftballons in den Baum vorm Haus hängen? Und hast du eine Flasche fürs Flaschendrehen zum Geschenkeauspacken? Und warte, ich räume schnell noch ein paar Jacken aus dem Windfang in den Schrank…!“ Teenager sind toll!

Aus dem Flohzirkus sind elf junge Damen geworden. Liebenswerte, höfliche, selbständige junge Damen. Ungewohnt ist es, wenn sie nicht alle die gleichen schwarzen Trainigsklamotten oder die gleichen glitzernden Wettkampfanzüge anhaben und ihre Haare nicht alle zu straffen Dutts zusammengebunden sind. Aber wenn man genau hinschaut, dann ahnt man den Flohzirkus, denn eine steht immer gerade auf Zehenspitzen, zwei haben schon ihre Wettkampffrisuren für morgen auf dem Kopf, eine streckt mal eben das Bein Richtung Decke und sagt dann lachend: „Wir haben zu Hause eine Regel, dass ich in der Küche nicht turnen darf. Aber ich mach’s trotzdem immer.“

Ich hatte ein Quiz mit dreizehn Fragen über das Fräulein Maus und vielen Fotos aus den letzten dreizehn Jahren vorbereitet und zwei, drei Spielideen im Hinterkopf. Mehr nicht. Das Quiz fanden alle toll. Aber nach dem Kaffeetrinken sprangen sie auf und fragten, ob sie jetzt Verstecken spielen dürften (und ob es einen Raum gibt, in den sie nicht dürfen). Und Luftballontanz und Schokoladenwettessen fanden sie auch ganz toll.

Erst am Vormittag hatten wir live dabeisein dürfen, als sie sich am Ende des Trainings zum Lockern und Dehnen einstimmig „Leijonaa mä metsästän“ gewünscht hatten und dann lauthals singend und dabei springend, sich auf den Boden werfend, trampelnd und was sonst noch dieses Lied, das normalerweise im Kindergarten gesungen und gespielt wird, so an Bewegung fordert ausführend im Kreis rannten. Diese Dreizehnjährigen sind so grossartig!

Später sassen wir, das Fräulein Maus und zwei ihrer Turnfreundinnen, die erst ein bisschen später abgeholt werden konnten, noch gemeinsam vor dem Fernseher und guckten die Fotos an, die der Ähämann früh von ihnen gemacht hatte. „Oh mein Gott, mein Fuss ist ja ganz schief!“, „Mein Knie…!“, „Guck mal deinen Gesichtsausdruck!“, „Du hast deine Hände voll perfekt!“ fachsimpelten sie vor sich hin.

Dann umarmten sie sich alle reihum, dankten für Feier und Geschenke und verabschiedeten sich bis zum nächsten Morgen. Es muss so toll sein, solche Freundinnen zu haben! <3


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Acht

Bevor der gerade noch Siebenjährige gestern Abend ins Bett ging, liess er sich nochmal erzählen, wie das war vor acht Jahren, als er den ganzen Tag wie wild in meinem Bauch gestrampelt hatte, und wie wir ihn dann am nächsten Tag in die Arme schliessen konnten.

Sein einziger Geburtswunsch war übrigens eine Uhr, die er beim Schwimmen dranlassen kann.

(Letzten Sonntag sprang er vom Zehn-Meter-Brett! Das wird noch interessant werden mit diesem Kind…)