Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Es gibt wieder Adventskalender! [Nichtkommerzielle Werbung]

Nachdem auch in diesem Jahr die erste Bestellung schon im August (!) bei mir einging und sich in der letzten Woche die Anfragen häuften, ab wann man denn bei mir wieder finnische Adventskalender bestellen könne: ab heute!

Ich habe ja diesmal fast ein bisschen vor Freude gequietscht, als ich den Entwurf für den Kalender zum ersten Mal gesehen habe: darauf ist nämlich dieses Jahr nicht nur irgendeine Schneelandschaft, sondern das zugefrorene Meer. Bei uns um die Ecke, sozusagen!

Der Kalender wird leider auch in diesem Jahr wieder keine Bonustürchen haben – das Besondere am Adventskalender der finnischen Pfadfinder ist ja, dass er immer am 1. Dezember oder am 1. Advent anfängt, je nachdem, was eher ist – aber er wird natürlich auch dieses Jahr wieder – und das vermisse ich bei vielen anderen Adventskalendern – genau zum Gesamtbild passende Bildchen hinter den Türen haben, ein bis vier Kerzen an den jeweiligen Adventssonntagen, eine finnische Fahne am 6. Dezember und eine Lucia am 13. Dezember.

Der Kalender ist 31 x 22 cm gross und kostet – inklusive sechs passenden Geschenkanhängerkärtchen – 7 €, die ohne Abzug den Pfadfindern zugute kommen. (2,90 € davon gehen direkt an den eigenen Pfadfinderstamm, der Rest an den jeweiligen Regionalverband.)

Dieses Jahr werden die Porto- und Verpackungskosten nach Europa für einen Kalender 3,50 €, für zwei bis vier Kalender 5,50 € betragen. (Versandkosten nach ausserhalb Europas oder für mehr als vier Kalender teile ich gern auf Anfrage mit.) Immerhin hat die Finnische Post im letzten Jahr nur einmal das Porto erhöht, und auch das nur geringfügig, juhuuu! Wie immer werde ich natürlich schöne Briefmarken draufkleben und die auch abstempeln lassen.

Bestellungen ab heute bis 20. November bitte per Mail an myyratohtori(klammeraffe)suomi24.fi. (Oder an die vom letzten Jahr bekannte Emailadresse, die weiterhin gültig ist.) Wie gewohnt schicke ich dann eine Antwort mit den Kontodaten und dem Gesamtpreis. (Manche deutsche Banken verlangen eine extra Freischaltungen für Überweisungen ins Ausland; ansonsten geht das aber problemlos und schnell.) Nach Geldeingang verschicke ich die Kalender möglichst schnell – aber Nachschub gibt’s immer nur montags, es kann also auch mal ein paar Tage dauern.

Der grosse Herr Maus – der sich sehr über ein neues goldenes Wichtelabzeichen freuen würde – und sein Pfadfinderstamm danken schon mal im Voraus!


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Farben tanken

Der Samstag begann damit, dass ich gegen acht, kurz vor Sonnenaufgang, aufs Klo wankte und es vor dem Fenster so aussah:

Statt direkt wieder ins Bett zu kriechen, holte ich erstmal die Kamera. Dann schlich ich mich zurück ins Bett und freute mich nicht nur, dass ich mindestens noch eine Stunde schlafen könnte, sondern auch, dass wir ausnahmsweise einen komplett freien Tag vor uns hatten. Mit besten Wetteraussichten noch dazu.

An so einem Tag, an denen schon vor Sonnenaufgang die Bäume wie von innen heraus leuchten, kann man aber nicht in den Wald und auch nicht ins Moor. Da muss man irgendwohin, wo es viele Laubbäume gibt! Und waren wir nicht schon ewig nicht mehr in Rauma?! Wir würden alles stehen und liegen lassen und gleich nach dem Frühstück losfahren. („Gleich nach dem Frühstück“ entpuppte sich dann als um zwölf, weil alle das Ausschlafen bitter nötig hatten, aber die Sonne steht ja – Sommerzeit sei Dank! – immer noch erst um eins am höchsten, und abends ist es noch leidlich lange hell.)

Wir konnten uns schon auf der Hinfahrt nicht sattsehen an den gelb und orange leuchtenden Bäumen am Strassenrand. Und in Rauma fanden wir sogar überraschend eine Gelegenheit zum Laubflössen. Nachdem die Herren Maus den Stock, der sich quer im Bach verfangen hatte, entdeckt und herausgezogen hatten, setzte sich ein Riesenplacken angestauter Herbstblätter in Bewegung und wollte in der Strömung gehalten werden. Drei Kinder besorgten sich in Windeseile lange Stöcke und rannten am Ufer auf und ab und stocherten mit Hingabe im Bach herum.
So lange jedenfalls, bis der kleine Herr Maus mit einem gewaltigen PLATSCH rücklings in den Bach flog und mit bis über die Hüfte triefnassen Klamotten – die einzigen beiden Kleidungsstücke, die noch trocken waren, waren Mütze und Halstuch – wieder herausstieg. Zum Glück fahren wir immer noch wie in Kleinkinderzeiten einen Beutel mit drei vollständigen Sätzen Kinderersatzklamotten im Auto spazieren, war das Auto nicht allzuweit weg und war es nicht sehr kalt.

Und so liefen wir, nachdem der kleine Herr Maus sich umgezogen hatte und wir die nassen Klamotten im Auto ausgebreitet hatten, weiter durch Gässchen voller Holzhäuser, gingen sehr lecker und gemütlich italienisch essen, statteten dem Lieblingsspielplatz einen Besuch ab und liessen die Kinder – da die drei Kinderfahrräder inzwischen wirklich nicht mehr ins Auto passen – noch mehrere Runden rullern.

Es war alles ganz wunderbar.

Auch wenn das wohl eher nicht so unser Glückstag war, gestern. Denn auf der Hinfahrt hatte uns ein entgegenkommender LKW einen Stein an die Frontscheibe geschleudert, und die ist jetzt leider hin.

Wir fuhren dann auf der Heimfahrt auch sehr, sehr vorsichtig, denn nach Glasbruch und unfreiwilligem Bad im Bach hätte es mich nicht gewundert, wenn wir in der Dämmerung auch noch einem Elch begegnet wären.


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Blau-goldener Oktober

Jetzt ist er also da, der goldene Oktober. Und wie jedes Jahr leuchten die Bäume hier besonders schön.

Wenn die wirklich freie Wochenendzeit allerdings sowieso schon knapp bemessen ist, dann ist es wenig hilfreich, wenn ein Familienmitglied auch noch an einem Samstag in die Schule muss und der Unterricht in einem fensterlosen Kellerraum stattfindet.

Aber. Das waren die schönsten sechs Unterrichtsstunden, die ich bisher hatte. In 15 Stunden – die anderen werden aber wie üblich mittwochs stattfinden – werden wir die Grundlagen der Gebärdensprache lernen, weil wir in unserer Arbeit mit Kindern mit diversen Sprachschwierigkeiten zu tun haben können, für die unterstützende Gebärden zusätzlich zur gesprochenen Sprache echt hilfreich sein können. Ich finde ja, dass Sprachenlernen sowieso immer Spass macht, aber so viel Spass gemacht hat es noch in keiner Sprache, und so schnell ging es auch noch nie. Das hätte ich auch noch ein paar Stunden länger machen können!

Hinterher holten mich der Ähämann und die Mäusekinder von der Schule ab und wir fuhren direkt weiter zur Sauna auf der nächsten Insel zum Anbaden. Es fühlte sich ja schon ein bisschen seltsam an, nur vier Wochen nach dem letzten Strandbesuch schon „Eis“baden zu gehen, aber juhuu, endlich wieder!

Den Sonntag verbrachte ich grösstenteils mit Hausaufgaben – leider nicht Gebärdensprache lernen, sondern nervige Planungsformulare für meine erste Lehrprobenwoche ausfüllen – aber als der Ähämann und die Herren Maus vom Schwimmen zurückkamen, mussten wir doch nochmal ins Auto springen und auf die Hausinsel fahren, weil man nie weiss, wann der nächste Sturm kommt und dem goldenen Oktober ein jähes Ende bereitet.

Ausser in der Eisbadesauna waren wir in den letzten Jahren nicht mehr viel auf Ruissalo. Vielleicht, weil wir, als die Kinder klein waren, andauernd da waren und wir dann, seit wir keinen Kinderwagen mehr brauchten und es auch endlich mehr Rundwanderwege aller Längen in der näheren Umgebung (naja…) gibt, erstmal eine Weile nicht mehr da hin wollten.

Aber Himmel, ist es schön da! Vor allem jetzt, wo die ganze Insel blau-golden leuchtet!


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Leben auf der Baustelle

Nicht nur, dass wir seit drei Jahren um die Grossbaustelle fürs neue Krankenhaus herumkurven.

(Die, nebenbei bemerkt, ein echtes Schilda ist:
Nach einem Jahr stellte man fest – als einem Passanten (!) die grossen Poren auffielen – dass das Fundament aus minderwertigem Beton gegossen worden war. Woraufhin alles wieder abgerissen werden musste und sich die Bauarbeiten um mindestens ein Jahr verzögerten.
Der brandneue Hubschrauberlandeplatz auf einem schon vor einigen Jahren fertiggestellten neuen Gebäude des Krankenhauses war ein Jahr lang nicht in Betrieb, weil man plötzlich feststellte, dass er dafür, dass direkt daneben ein wirklich hohes neues Krankenhausgebäude entstehen sollte, zu niedrig lag, um die Hubschrauber sicher starten und landen zu lassen, und erstmal nachträglich drei Stockwerke höher gebaut werden musste.
Dass seit drei Jahren die Ampeln an einer Kreuzung, die wegen der Baustelle überhaupt nicht mehr befahrbar ist, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag grün leuchten und Strom fressen, ist da ja schon fast eine Lappalie.)

Nun haben wir eine zweite Grossbaustelle für die nächsten mindestens drei Jahre in der Stadt. Mitten in der Stadt. Auf dem Markt nämlich.

Nicht nur, dass die Marktstände jetzt alle irgendwo auf dem ehemaligen Taxistand zusammengedrängt sind und man wegen der ganzen Bauzäune und -absperrungen da kaum noch hinkommt. Viel schlimmer ist, dass die Busse, die bisher alle am Markt hielten – der auch ausschliesslich Bussen und Taxis vorbehalten war – jetzt durch irgendwelche Nebenstrassen fahren müssen und der zentrale Umsteigeplatz sich auf eine enge, vielbefahrene Parallelstrasse verlagert hat, wo es gerade mal Haltestellenschilder gibt, aber keine Wartehäuschen, keine Bänke, nichts. Unser Schuljahresanfangsprojekt war völlig für die Katz. Zum Glück waren wir schon so oft zu Fuss im Stadtzentrum unterwegs, dass wir den Kindern genaue Erklärungen geben konnten, wo sie ihre neuen Bushaltestellen finden würden. Und noch besser: während wir ihnen erklärten, mit dem Busroutenplaner auf der Hand, wo die Busse jetzt entlangfahren und halten würden, stellten wir fest, dass sie alle drei problemlos Karten lesen und interpretieren können, und so machten sie sich die erste Woche mit ausgedruckten Karten auf den Weg ins Konservatorium und zum Deutschunterricht. Uff.

Und warum das Ganze? Weil die unsägliche Tiefgarage unterm Markt, die keiner will und keiner braucht – und wenn ich sage „keiner“, ist das nicht nur meine persönliche Einstellung dazu, sondern tatsächlich ist die Mehrheit der Turkuer dagegen – nun doch gebaut wird.

Tampere baut eine Strassenbahn.
Helsinki will bis 2025 autofrei sein.
Turku baut eine Tiefgarage mitten ins Stadtzentrum.

Man kann gar nicht so viel mit den Augen rollen, wie man eigentlich möchte.


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Wochenende

Je voller unser Terminkalender ist, desto dringender haben wir das Bedürfnis nach frischer Luft, Licht und Wald.

Zum Glück ist es noch leidlich lange hell abends, so dass man auch halb drei nach des Fräulein Maus‘ Training noch losfahren kann. Ich hatte neulich gelesen, dass es jetzt die erste strombetriebene Seilfähre in Finnland gibt, und weil die ganz in unserer Nähe fährt, war das Ausflugsziel natürlich klar.

Anders als die „Elektra“ fährt die Seilfähre – die übrigens nicht am Seil gezogen wird, sondern mit Diesel-bzw. Elektromotor fährt; das Seil erleichtert nur die Navigation, weswegen ein Seilfährenfahrer keine Kapitänsausbildung braucht – nicht mit Strom aus dem Akku, sondern mit Strom direkt aus dem Stromnetz und wickelt ihr eigenes Stromkabel während der Fahrt je nach Fahrtrichtung auf oder ab.

Also theoretisch. Wir fuhren nämlich los, und es tat sich nichts, und der Motor hörte sich sehr nach Dieselmotor an. Der Fährfahrer kam aber, als er uns da so stehen und gestikulieren sah, sofort aus seinem kleinen Steuerkabuff gesprungen und rief uns zu: „Das Kabel ist nicht in Betrieb. Die Fähre kriegt nächste Woche erst noch einen grösseren Elektromotor.“ Kein Problem. Wir kommen gern nochmal.

Auf der kleinen Insel, zu der die Seilfähre fährt, gibt es übrigens einen ganz wunderbaren Aussichtspunkt, von dem aus man nur Wald, Wasser und Insel an Insel sehen und sehr weit nach Süden gucken kann.

Leider stürmte es wie blöd, und die Sonne war inzwischen auch verschwunden. Aber egal, Hauptsache draussen!

Der Sonntag begann – das hatten wir ja schon mehrere Monate nicht mehr! – in aller Herrgottsfrühe in der Turnhalle. Das Fräulein Maus hatte einen Wettkampfauftritt.

Aus pädagogischen Gründen tritt der Flohzirkus ein, zwei Mal im Jahr nicht als Mannschaft, sondern einzeln mit einer Kür in rhythmischer Sportgymnastik auf. Obwohl ich das – als Zuschauer – ein bisschen langweilig finde, war ich diesmal doch sehr froh, dass das Fräulein Maus so nochmal ihren Wettkampfanzug vom letzten Jahr ausführen konnte. Den habe ich nämlich mit Zornestränen in den Augen beklebt, weil er erst zwei Tage vorm ersten Wettkampf der Saison von der Schneiderin gekommen war und wir Eltern dann in diesen zwei Tagen alle 800 Strasssteine aufzukleben hatten. (Seit das Fräulein Maus die Mannschaft gewechselt hat, klebe ich ja nicht mehr. Wir bezahlen dafür die Trainerinnen oder die grossen Mädels, die sich damit ein bisschen Geld zusätzlich verdienen. Win-win.) Ich wollte deshalb den Anzug auch nicht an das Mädchen, das für das Fräulein Maus in ihre alte Mannschaft nachgerückt ist, verkaufen – der ist unbezahlbar, echt! – sondern wir haben ihn ihr nur ausgeliehen, und jetzt hatte er nochmal einen Auftritt. Ich bin dann jetzt ein bisschen ausgesöhnt mit den zwei Tagen und Nächten Kleberei vor einem Jahr.

Dann hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining. Währenddessen machte das Fräulein mit mir Schwedischhausaufgaben. Weil nämlich vor vielen Jahren mein Versuch, Schwedisch zu lernen, aus bürokratischen Gründen gründlich in die Hose gegangen ist, werde ich – wir haben uns beide schon lange auf ihre 6. Klasse gefreut – jetzt einfach mit ihr mitlernen. Mal sehen, wie weit ich damit komme. Mein Vorhaben ist bis jetzt übrigens bei sämtlichen Finnen, denen ich davon erzählt habe, auf stummes Unverständnis gestossen. Hihi.

Als der kleine Herr Maus vom Schwimmtraining zurückkam, verschwanden die Herren Maus gemeinsam im Wald, um ihr Projekt, an dem sie schon seit Freitagnachmittag in jeder freien Minute gewerkelt hatten, fertigzustellen. Netterweise luden sie mich zur Einweihung ein, so dass ich auch am Sonntag wenigstens für ein knappes Stündchen in den Wald kam. (Gestern hat der kleine Herr Maus noch eine selbstgebaute Klingel angebracht. Und jetzt planen sie noch Tisch und Stühle.)

Das Wochenende endete mit Maus mit Büffchen, wobei wir Eltern uns diesmal um die Büffchen gar nicht kümmern mussten, weil die Herren Maus die – während ich zum Beispiel mit einer ausserplanmässigen Waschmaschinenladung beschäftigt war – selbst zubereiteten, inklusive Möhrenernte im Garten.

Manchmal hätte ich schon ganz gern ganz und gar freie Wochenenden wie so normale Leute. Aber so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte, als ich erfuhr, dass jetzt ein Kind samstags und ein Kind sonntags Training hat, und zwar mitten am Tag, ist es eigentlich gar nicht. Alles eine Frage der Einstellung.