Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Letzte Gelegenheit

Als wir am Sonnabend zum Eisbaden fuhren, zogen da ein paar Unerschrockene immer noch mit Skiern über die Felder. Na, dachte ich, das ist jetzt aber die letzte Gelegenheit, denn die Sonne knallte wirklich sehr auf die zusammengeschrumpfte Loipe, und die Luft war ganze sechs Grad warm.

Als wir am Sonntag ins Citymoor gingen, war der Parkplatz voller Autos, in die gerade Skier eingeladen oder aus denen gerade Skier ausgeladen wurden. Na, dachte ich, das ist jetzt aber wirklich die allerletzte Gelegenheit, denn an manchen Stellen guckte schon der Waldboden wieder raus, und Rinnsale blinkten neben dem Weg.

Aber die Loipe sah gar nicht so schlecht aus. Und so ergriffen gestern der kleine Herr Maus und ich, nachdem wir erst das Fräulein Maus zum Training gefahren und dann in der brechend vollen Schwimmhalle seine am Sonntag beim Training liegengelassene Badekappe abgeholt hatten, die wirklich allerallerletzte Gelegenheit beim Schopfe und gingen auch nochmal skifahren.

Vom Citymoor zur Skihütte auf der anderen Seite des Flughafens und wieder zurück. Es waren recht anstrengende 14 km, denn der Schnee war auf der Hinfahrt noch sehr vereist und auf der Rückfahrt sehr matschig. Aber egal. In der Skihütte konnten wir am Feuer unser mitgebrachtes Mittagessen essen, ich konnte mein durchgeschwitztes Wollunterhemd wechseln, zum Nachtisch gab’s Munkki und heissen Kaffee, und dann ging’s auch mit dem Rückweg.

Und die Loipe ist ja mal echt cool: der kleine Herr Maus erzählte noch den ganzen Abend davon, wie wir durch die Landebahnbeleuchtung des Flughafens durchgefahren sind und wie toll der startende Airbus so ganz aus der Nähe ausgesehen hatte.

Wenn es wirklich die allerallerletzte Gelegenheit zum Skifahren gewesen sein sollte, dann haben wir sie wenigstens gut genutzt.

(Heute Muskelkater. Und strömender Regen.)


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Mittagessen im Moor

Wir haben ja jetzt Skiferien.

Der Wortbestandteil „Ski“ ist allerdings angesichts der derzeitigen Temperaturen… ach, reden wir nicht drüber. Der grosse Herr Maus ist in einer schneesicheren Gegend im Pfadfinderlager, das Fräulein Maus hat vier Tage lang Intensivtraining, und bei des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmtraining weiss man auch nichts von Ferien. Ausserdem gäbe es dreitausend Dinge im Haushalt zu erledigen, ich müsste noch mehrere kleinen Hausarbeiten schreiben sowie ein Fotobuch für eine bald Dreizehnjährige gestalten. Aber kann man drinnen bleiben, wenn draussen die Sonne lacht? Eben.

Zum Glück haben wir das Citymoor als Rettung in der Not, wenn wir eigentlich gar keine Zeit für Ausflüge haben. Und wenn man noch weniger Zeit hat als sonst, kann man da sogar mittagessen. Und Sonne und Frischluft tanken.


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Dieser Tag im Februar

Jedes Jahr wieder kommt er völlig überraschend: der Tag, an dem plötzlich Frühling wird.

Der Tag hat nichts mit den ersten Krokussen zu tun. Es ist auch völlig egal, ob an dem Tag – und das alles ist durchaus möglich – ein halber Meter Schnee liegt oder gar keiner, ob minus 25 Grad sind oder plus fünf.

Ab Weihnachten wissen wir, dass die Tage wieder länger werden. Aber erst tut sich gar nichts. Dann ist irgendwann der Himmel um fünf noch ein bisschen blau im Westen. Irgendwann ist es nach Feierabend nicht mehr stockdunkel. Fortschritte, kleine.

Aber dann kommt irgendwann Mitte Februar der Tag, an dem nach eher trüben Wochen plötzlich die Sonne rauskommt und den ganzen Tag scheint. Der Himmel ist knallblau, die Sonne sticht in die Augen und wärmt auf einmal wieder. Und abends scheint sie plötzlich – und gewiss ging sie am Tag vorher zwei Stunden eher unter! – immer noch, als ich die Horttür hinter hier mir zuziehe, und als ich im Stadtzentrum umsteige, strahlen die Häuser alle im orangen Abendlicht und die Fussgänger, die gestern noch als schwarze Schemen umeinander herumwuselten auf der grossen Kreuzung, haben auf einmal wieder Gesichter und lächeln, und als ich zu Hause ankomme, ist es immer noch so blau wie sommers um Mitternacht und der Schnee riecht nach Frühling und ich höre die erste Amsel singen und ich möchte vor Glück ein bisschen rennen und hüpfen.

Nicht, weil jetzt der Frühling im mitteleuropäischen Sinn käme. Im Gegenteil, ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als noch bis Ende März skifahren oder auf dem Meer schlittschuhlaufen zu können. Frühling im mitteleuropäischen Sinn wird hier sowieso erst im Mai. Aber dieser erste Frühlingswintertag, der für uns auch nach 15 Jahren noch jedes Jahr völlig überraschend kommt, dieser erste Sonnentag, an dem der Winter plötzlich unwiderruflich auf den Frühling zurennt und an dem auf einmal alles völlig anders ist als noch am Tag vorher, der ist unbezahlbar.

Dieses Jahr war es Dienstag, der 12. Februar.


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Weichen, gestellte

Manchmal muss man aus einem sowieso schon sehr späten Alltagsabendbrot eine kleine Feier machen.

Weil der Brief aus der Wunschschule da ist.
(Morgen hätte es auch im Wilma gestanden.)

Nun ist das hier mit der Schule ja so, dass sowieso alle bis zur 9. Klasse gemeinsam in die Schule gehen. Grundschule geht offiziell bis zum Ende der 6. Klasse, und weil die meisten Stadtteilschulen eher klein sind, ist der Wechsel in die Oberstufe meist auch mit einem Schulwechsel verbunden. Man kann dann einfach wieder in die nächstgelegene Schule mit Oberstufe gehen – oder sich für eine Spezialklasse mit Schwerpunkt auf Sprachen, Sport, Naturwissenschaften, Kunst, Musik oder was eben in der jeweiligen Stadt angeboten wird bewerben.

Seltsamerweise haben wir die Möglichkeit, dass das Fräulein Maus ab der 7. Klasse in eine Musikklasse gehen könnte, fast bis zuletzt nicht in Betracht gezogen. In ihrer Mannschaft hätte man es gern gesehen, wenn sich die Mädchen alle für die Sportschule beworben hätten, aber mal ehrlich: Sportschule?!

Jedenfalls schlug ich ihr irgendwann – auch aus der Überlegung heraus, dass die Musik wegen ihres Trainingspensums sowieso oft ein bisschen auf der Strecke bleibt – vor, dass es ja auch noch die Musikklasse gäbe, und sie war sofort Feuer und Flamme. Mitte Dezember gingen wir zur Infoveranstaltung und waren sehr begeistert von allem. Vor zwei Wochen hatte sie ihre Aufnahmeprüfung, die schon irgendwie recht schwer war und bei uns beiden ein recht unsicheres Gefühl hinterliess: hätte sie das alles wirklich auf Anhieb können müssen, oder hat man dabei auf ganz andere Dinge geguckt?

Ich freue mich jedenfalls so für sie!
Ich weiss nämlich, wie schön es ist, in eine Schule zu gehen, in der die Lehrer engagiert sind und die Mitschüler alle ähnlich ticken.

***
(Ich muss jetzt hoffentlich nicht für die finnischen Leser dazuschreiben, dass unsere Kinder selbstverständlich keinen Alkohol zu trinken bekommen?!)


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Erst die Hälfte

Jeden Morgen geht ein beflissener, kleiner Wetterbeobachter in unseren Garten und misst die Schneehöhe.

Fünfzig Zentimeter!

Neulich las ich, dass, nach einer Bauernregel, am Paavonpäivä, der am 25. Januar ist, die Hälfte des Schnees gefallen ist. Soll mir recht sein!

(Blöd nur, dass zumindest diese Woche ein Teil davon – es gibt nichts dooferes als Südwestwind! – als Schneeregen runterkommen wird.)


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Spass mit Pappschnee

Gestern war, dank Südwind und Nieselregen, bestes Schneemannbauwetter.
(Haben wir ja auch nicht so oft.)

Leider auch eben derartiges Schmuddelwetter, dass als einzige vernünftige Winteraktivät Eisbaden übrigblieb.

Zwischen zwei Saunagängen aber, da konnte man sich prima eine Schneeballschlacht liefern, oder eine Schneekugel wälzen, die mit jedem Saunagang grösser wurde.

(Der Plan war, sie am Ende mit vereinten Kräften ins Meer zu wälzen. Aber der Schnee war stärker als wir.)


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Schnee, fast zu viel

Ich glaube, dieses Jahr hatten es alle ein bisschen zu eilig.

Auf sämtlichen Seen der Umgebung – ein Stückchen weiter nördlich sogar auf einem Fluss – wurden Schlittschuhbahnen freigeräumt, als ich noch nicht mal auf die Idee gekommen war, dass irgendwelches Wasser schon gefroren sein könnte. (Geschweige denn so dick, um einen kleinen Schneepflug zu tragen!)

Auch auf der überübernächsten Insel gibt es einen See in der Mitte, fast so lang wie die Insel selbst – oder vielleicht sollte man besser sagen, die Insel ist ein schmaler Streifen Land rund um diesen See.

Jedenfalls fuhren wir heute direkt nach des Fräulein Maus‘ Training da hin, mit Schlittschuhen – und Helmen und Eisahlen und Wurfseil und Wechselsachen und was man eben so mitnimmt, wenn man aufs Eis geht – und Mittagessen im Gepäck. Die Eisbahn allerdings, die war schätzungsweise vor zwei Wochen das letzte Mal geräumt worden. Sie war nicht mal mehr zu erahnen unter der makellosen, fast einen halben Meter dicken Schneedecke.

Hmpf.

Eine schnelle Recherche ergab, dass auch kein anderer See in der Umgebung als Ausweichmöglichkeit in Frage käme. Überall haben sie Probleme mit von unten hochschwappendem Wasser – wahrscheinlich wegen des wirklich vielen Schnees, der auf dem Eis liegt – und halten die Eisbahnen gerade gar nicht frei, oder warnen, dass die Eisbahnen wegen des Wassers in wirklich schlechtem Zustand sind.

Keine Schlittschuhtour also.
Aber immerhin Mittagessen im Freien!

(Wir erwarten mit Schrecken den für morgen für ein paar Stunden vorhergesagten Regen.)


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Meer, gefrorenes

Was mich ja am meisten erstaunt hat, war, dass das Meer schon richtig gefroren ist.

Es ist ja noch gar nicht so lange Winter! Und so richtig extrem kalt ist es ja auch noch nicht gewesen!

Dennoch schnurpste sich die Suomenlinna-Fähre gleich am Freitagabend durch ziemlich dicke Eisschollen, die erst blitzschnell von schwarzen Rissen durchzogen wurden und sich dann polternd rechts und links der Fahrrinne aufeinanderschoben.

Reingehen kann man da natürlich auch.

(Aber dann gingen wir schnell zurück in die Sauna.)