Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Unser Zeitplan während der letzten vier Urlaubstage war ein bisschen eng.

Nicht nur, dass wir ja zum Tall Ships Race zurücksein wollten, auch der Waschmaschinenmann hatte sich eine Woche vorher telefonisch angekündigt. Wir hätten das natürlich verschieben können, aber im Juli in Finnland nimmt man lieber, was man kriegen kann; weitere zwei Wochen auf die Repararatur der Waschmaschine zu warten war echt nicht drin.

Vor allem aber stellte sich ein gewisser Motivationsschwund bei uns allen ein. Hatten wir am Anfang des Urlaubs noch gedacht, gemütlich durch Finnland zu fahren wäre auch mal wieder ganz nett, fehlte uns nach zweieinhalb Wochen Pass- und Küstenstrassen mit Ausblick auf Fjorde und schneebedeckte Berge völlig der Antrieb, noch lange über Finnlands Landstrassen zu gurken.

Tschüss, Berge!
(Letzter sehnsüchtiger Blick zurück.)

Und so fuhren wir in drei Tagen vom Nordkap nach Hause.

(Wir hätten gern kurzentschlossen den Zug genommen. Leider ist der Herr Picasso mit Dachbox – nicht nur ausgemessen, sondern in Rovaniemi sogar mit echt beladenem Auto am echten Autowaggon unter Aufsicht von drei Autozugbelademitarbeitern getestet – drei Zentimeter zu hoch für die neuen Autowaggons. Knapp daneben ist leider auch vorbei.)

Wir nahmen noch ein Eisbad im Inarisee, zelteten einmal auf einer Wollgraswiese und einmal unter den Brücken der Stadt mit dem lustigen Namen , begegneten ungerührten Rentieren auf der Strasse, äsenden Elchen neben der Strasse und mindestens vier engegenkommenden 274en.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273]


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Einschub: Zu Hause ist es auch schön

Vor allem, wenn dann doch noch so etwas wie der Sommer ausgebrochen ist.

Am Mittwoch fuhren wir auf dringenden Wunsch der Kinder in den Vergnügungspark.

(Und wer 5500 km geduldig im Auto gesessen hat, der hat sogar einen sehr grossen Wunsch frei! Und sitzt die zweimal 140 km natürlich auf der linken Pobacke ab.)

Das Foto ist dabei übrigens eher symbolisch zu sehen – denn die beiden Herren Maus, die ja inzwischen beide die 120-cm-Marke geknackt haben, das Fräulein Maus, das mit Augen- und Hühneraugenzudrücken den „Darf 140-cm-Geräte fahren“ – Stempel bekam, sowie natürlich der Ähämann fuhren hauptsächlich ganz andere Foltergeräte.

Ansonsten verbrachten wir viel Zeit an Stränden.

Unsere Strandbesuche werden übrigens auch immer finnischer: nicht nur, dass wir in diesem eher kühlen Sommer hauptsächlich Strände mit geöffneter Sauna aufsuchen, gestern, als wir mit den beiden Leihkindern unterwegs waren, bereiteten wir uns auch gleich das Mittagessen am Strand zu.

(Noch zwei Wochen Sommerferien. Ein Glück!)


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Tall Ships Race 2017

Wir hatten diesmal für den Urlaub überhaupt keinen festgelegten Zeitplan – der Ähämann hat wie ein richtiger Finne einfach den ganzen Juli frei – ausser dem vagen Plan, vielleicht ganz gern zum Tall Ships Race zurücksein zu wollen. Das findet nämlich nur alle vier Jahre hier statt, und das letzte haben wir schon wegen Urlaub verpasst, und beim vorletzten – da trug ich den grossen Herrn Maus noch auf dem Rücken von Schiff zu Schiff! – war es wirklich schön.

Auch heute gab es jede Menge Segelschiffe zu gucken, und auf viele konnte man auch drauf. Am schönsten das Schiff mit der weitesten Reise hinter sich – zweieinhalb Monate hat es vom Oman nach Finnland gebraucht! – mit all seinen wunderbaren Verzierungen und der Besatzung, die kaum Englisch spicht, aber radebrechend und lachend begeistert Auskunft gab.

Leider waren diesmal ungefähr eine Million Leute entlang des Aurajokis unterwegs – an der Föri stand eine Schlange, deren Ende sich bestimmt erst nach zwei Stunden der ersehnten Überfahrt genähert hätte; am Hafen hatten sie deshalb gleich eine ganze Autofähre als Fussgängerfähre eingesetzt – und das ist nicht unbedingt das, was man nach zweieinhalb Wochen Zelturlaub in Norwegen (Urlaubsrückblick kommt noch, versprochen!) am besten vertragen kann.

Aber schön war’s trotzdem.


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Gelber Sonntag

Als wir losfuhren, war schon voll der Juhannus-Rückreiseverkehr. Sehr praktisch, die Autofähren fuhren nämlich zu mehreren non-stop, aber voll wurden sie nur in die Gegenrichtung.

Und zum ersten Mal mit Strom übers Meer gefahren sind wir auch. (Sie klingt wie eine Strassenbahn!)

(Ich hab‘ schon mal erwähnt, dass ich sehr glücklich bin, da zu wohnen, wo wir wohnen, ja?!)


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Glück ist…

… finnische Sommerabende.

Abendlicht, das von Minute zu Minute weicher und schöner wird. Stille bis auf das Tuckern eines Motorbootes irgendwo weit weg und das Kreischen der Möwen, die über unsere Köpfe hinwegsegeln. Eine Sauna, die zweimal die Woche von 17 bis 21 Uhr angeheizt ist und einfach so von jedermann benutzt werden darf. Grünes Wasser voller Diamanten, das noch so kalt ist, das es einem kurz den Atem nimmt, wenn man losschwimmt.


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Pfadfinder müsste man sein…!

Ich fahre ja gern an Sommerabenden über kleine Strassen.

Deshalb habe ich auch gleich „Hier!“ gerufen, als nach Eltern gesucht wurde, die bereit waren, ihren eigenen und ein paar andere kleine Pfadfinder zum – so ist das hier – 70 km entfernten Ausgangspunkt ihrer Radtour zu kutschieren.

(Ursprünglich sollte ja ein Bus gemietet werden. Als sich dann aber von knapp 60 Wölflingen, die hätten mitfahren können, gerade mal 12 anmeldeten, wurde auf die Variante Elterntaxi plus Pakettiauto für die Fahrräder umgeschwenkt. Und ich versteh’s echt nicht. Also das geringe Interesse. So eine tolle Tour von Insel zu Insel! Mit Burgruinenbesichtigung und Badestrandbesuch und Seefahrtsmuseumangucken! Mit Gepäcktransport und allem Drum und Dran! Das lässt man sich als echter Pfadfinder doch nicht entgehen?!)

Als ich Freitagabend am nordwestlichsten Zipfel, den man über Brücken und eine gelbe* Autofähre erreichen kann, dem grossen Herrn Maus und den anderen Pfadfindern hinterherwinkte, als ihre Fähre im Abendsonnenschein über das türkisgrüne Meer davonschaukelte, da wäre ich schon lieber mitgefahren als mit dem Auto zurück nach Turku. Und habe mich so für den grossen Herrn Maus gefreut!

Gestern Abend – drei Tage, vier Fährüberfahrten und 70 Fahrradkilometer später – kam dann auch ein sehr fröhliches und braungebranntes Grüppchen am Turkuer Hafen aus dem Bauch der grossen Schwedenfähre geradelt.

Pfadfinder müsste man sein! Echt jetzt!


* Gelb sind die Autofähren, die ein Stück Strasse ersetzen und deshalb kostenlos sind.


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#projektliniennetzplan

Neue Sommerferien, neues Glück.

Wir haben dann heute gleich mal mit der Linie 180 weitergemacht.
(Obwohl die Linie 12 drangewesen wäre.)

Das Besuchskind war dieses Jahr auch sehr glücklich über die Wahl des Ausflugsziels. Jede Menge Steine! Jede Menge Wasser!

Linie 180 ist super. Die bewegt sich nämlich nur auf dem Wasser fort. Von der letzten Brücke über den Aurajoki am Hafen vorbei auf die Hausinsel. Und zurück.


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Elektra

Am Sonnabend hatten wir sie schon an ihrem zukünftigen Einsatzort bewundert. „Falco“ und „Sterna“, beide für über 60 Autos ausgelegt, kurvten vorsichtig um sie herum und sahen echt winzig aus.

Gestern stand die funkelnagelneue Hybridfähre – die hauptsächlich mit Elektromotor fahren wird; die beiden Dieselmotoren sind nur für den Notfall – für vier Stunden zur Besichtigung am Aurajoki, und da mussten – während das Fräulein Maus Deutschunterricht hatte – die Herren Maus und ich natürlich hin!

Neun Minuten Überfahrt, fünf Minuten Laden am Anleger. Durchschnittlich 72 Mal am Tag. So der Plan.

Fünf knapp 100 m lange Autospuren = 90 PKWs.
(Nie mehr Stau!)

Jede Menge Solarzellen für Heizung und Beleuchtung und wofür man sonst kleinere Mengen Strom braucht.

Ganz schön hoch.

Unsere brennendste Frage: Dürfen wir dann während der Überfahrt wieder die Aussicht geniessen? „Nein, man wird da nicht hochdürfen. Ja, leider. Ich weiss, echt schade. So eine tolle Landschaft! Natürlich wollen die Leute gucken…! Aber die Sicherheitsvorschriften, du weisst ja…“
(Beidseitiges Seufzen.)
((Es waren übrigens mehr Aufpasser – sowie eine ganze Gruppe Sanitäter, denn man weiss ja nie… – als Leute von der Besatzung, die man was hätte fragen können, an Bord.))

„Zum Maschinenraum“.
Die Männer da unten waren mit Abstand die auskunftsfreudigsten und begeistertsten. Klar.

Näher konnte man dem Elektromotor nicht kommen. Er befindet sich in einem etwas niedrigeren Teil des Maschinenraums. Das Publikum könnte sich die Köpfe stossen. (…)

Jede Menge Akkus.

Der Dieselmotor für den Notfall. (Dickes Eis im Winter zum Beispiel.)

Taufe war heute auch. Aber nur für ausgewählte Gäste. (Weniger aufmüpfige als wir, garantiert.)

„Kinder, guckt euch in aller Ruhe um! Den Maschinenraum sehen wir vielleicht nie wieder!“ Wir gingen dann direkt noch eine zweite Runde.