Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Spass mit Pappschnee

Gestern war, dank Südwind und Nieselregen, bestes Schneemannbauwetter.
(Haben wir ja auch nicht so oft.)

Leider auch eben derartiges Schmuddelwetter, dass als einzige vernünftige Winteraktivät Eisbaden übrigblieb.

Zwischen zwei Saunagängen aber, da konnte man sich prima eine Schneeballschlacht liefern, oder eine Schneekugel wälzen, die mit jedem Saunagang grösser wurde.

(Der Plan war, sie am Ende mit vereinten Kräften ins Meer zu wälzen. Aber der Schnee war stärker als wir.)


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Schnee, fast zu viel

Ich glaube, dieses Jahr hatten es alle ein bisschen zu eilig.

Auf sämtlichen Seen der Umgebung – ein Stückchen weiter nördlich sogar auf einem Fluss – wurden Schlittschuhbahnen freigeräumt, als ich noch nicht mal auf die Idee gekommen war, dass irgendwelches Wasser schon gefroren sein könnte. (Geschweige denn so dick, um einen kleinen Schneepflug zu tragen!)

Auch auf der überübernächsten Insel gibt es einen See in der Mitte, fast so lang wie die Insel selbst – oder vielleicht sollte man besser sagen, die Insel ist ein schmaler Streifen Land rund um diesen See.

Jedenfalls fuhren wir heute direkt nach des Fräulein Maus‘ Training da hin, mit Schlittschuhen – und Helmen und Eisahlen und Wurfseil und Wechselsachen und was man eben so mitnimmt, wenn man aufs Eis geht – und Mittagessen im Gepäck. Die Eisbahn allerdings, die war schätzungsweise vor zwei Wochen das letzte Mal geräumt worden. Sie war nicht mal mehr zu erahnen unter der makellosen, fast einen halben Meter dicken Schneedecke.

Hmpf.

Eine schnelle Recherche ergab, dass auch kein anderer See in der Umgebung als Ausweichmöglichkeit in Frage käme. Überall haben sie Probleme mit von unten hochschwappendem Wasser – wahrscheinlich wegen des wirklich vielen Schnees, der auf dem Eis liegt – und halten die Eisbahnen gerade gar nicht frei, oder warnen, dass die Eisbahnen wegen des Wassers in wirklich schlechtem Zustand sind.

Keine Schlittschuhtour also.
Aber immerhin Mittagessen im Freien!

(Wir erwarten mit Schrecken den für morgen für ein paar Stunden vorhergesagten Regen.)


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Meer, gefrorenes

Was mich ja am meisten erstaunt hat, war, dass das Meer schon richtig gefroren ist.

Es ist ja noch gar nicht so lange Winter! Und so richtig extrem kalt ist es ja auch noch nicht gewesen!

Dennoch schnurpste sich die Suomenlinna-Fähre gleich am Freitagabend durch ziemlich dicke Eisschollen, die erst blitzschnell von schwarzen Rissen durchzogen wurden und sich dann polternd rechts und links der Fahrrinne aufeinanderschoben.

Reingehen kann man da natürlich auch.

(Aber dann gingen wir schnell zurück in die Sauna.)


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Oodi

Oder: eine Ode an die finnischen Bibliotheken.

Die Bibliotheken sind vielleicht das Beste, was Finnland mit seinen Steuergeldern finanziert.

Bibliotheken sind hier vor allem nicht nur zum Bücherausleihen da. Man kann in Bibliotheken auch Tageszeitungen lesen, in Ruhe arbeiten oder lernen, Spiele spielen, was essen, Freunde treffen, seine Kleinkinder spielen lassen, Computer benutzen. „Volkes Wohnzimmer“, heisst es manchmal.

Falls das Fräulein Maus ab nächstem Schuljahr auf ihre Wunschoberschule gehen kann, wird unsere wunderbare Stadtbibliothek wohl auch für sie sowas wie ein zweites Zuhause werden, in dem sie an den Tagen, an denen es sich nicht lohnen wird, zwischen Schule und Training oder Schule und Harfenstunde nochmal nach Hause zu fahren, ihre Hausaufgaben erledigen, Vesper essen, Zeit rumbringen wird. Wie gut, dass es so einen Platz gibt!

Helsinki hat seit Dezember auch so eine ganz besonders tolle Zentralbibliothek. Und weil am Sonnabend das Wetter nicht so unglaublich toll war wie am Sonntag, sondern ein recht kalter Wind ging und uns den Schnee in Augen, Nase, Mund und Nacken wirbelte, war das perfekt, um sie uns ausgiebig anzugucken.

Riesig ist sie. Und sehr, sehr beeindruckend.

Auf der Wendeltreppe, die hinaufführt ins zweite und dritte Stockwerk, steht eine sehr berührende Widmung, für wen diese Bibliothek gedacht ist: hunderte Worte – für Männer, für Flüchtlinge, für Verwirrte, für Träumer, für Populisten, für Obdachlose, für Bauern, für Naturfreunde, für Hippis… – die eigentlich nur eins sagen: für alle.

Überall sassen Leute – allein, zu mehreren, auf Schaukelstühlen oder Sesseln oder Sofas oder überbreiten Stufen und lasen, starrten in ihre Telefone oder hatten ihre Laptops auf dem Schoss. Ein Vater spielte mit seiner Tochter ein Brettspiel. Einer, der so aussah, als ob es sonst keinen Platz für ihn gäbe, hielt in eine Sofaecke gedrückt ein Nickerchen. Abiturienten arbeiteten zu zweit in kleinen, ruhigen Kabüffchen ihren Lernstoff durch. Manche sassen konzentriert mit ihren Laptops mit anderen an langen Tischen, andere an den Computern der Bibliothek.

Alles mögliche kann man tun und machen in der Bibliothek: Es gibt einen Drucker, mit dem man bis zu A0-Postergrösse auf die verschiedensten Materialien drucken kann, und eine Batterie 3D-Drucker samt benötigtem Rohaterial. Es gibt einen riesigen Handarbeits- und Basteltisch mit Nähmaschinen, Laminiergerät, Ansteckerstanzmaschine und eigentlich überhaupt allem, was des Bastlers Herz begehrt, und ganz sicher haben wir auch gar nicht alles gesehen.

Ganz oben, unter der schwebenden Decke, die jetzt sehr an eine gemütliche Schneehöhle erinnerte, im Sommer aber sicher eher an eine Schönwetterwattewolke, haben die Bücher ihr Zuhause, 100 000 Stück in langen, weissen Regalen – die allerdings ziemlich gerupft aussahen, weil gerade so viele Leute die neue Bibliothek angucken kommen, Bücher ausleihen und dann in den Stadtteilbibliotheken zurückgeben.

Was übrigens fehlt in finnischen Bibliotheken: Schliessfächer für Jacken und Taschen. Die darf man einfach mit reinnehmen. Und essen darf man auch in finnischen Bibliotheken: in unserer z.B. an speziell dafür ausgewiesenen Tischen, und in Helsinki gibt es jetzt sogar ein Café mitten zwischen den Bücherregalen. Und dass die neue Bibliothek den tollsten Sanitärbereich hat, den ich jemals irgendwo gesehen habe, wundert dann jetzt wohl auch niemanden mehr.

Wenn ein Land als Vorzeigeobjekt eine Bibliothek baut, dann ist das schon ziemlich… hach.


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Kurzurlaub, blauweiss

Es gibt der letztjährigen Zusammenfassung des Kurzurlaubs mit der liebsten Freundin nichts hinzuzufügen. Ausser, dass das Wetter noch besser war diesmal.

Schnee, Sonne, -16 Grad.
Mein Lieblingswetter.

Das ist der Öltanker, der die Tallinn-Fähren im Südhafen betankt und neben ihnen total winzig aussieht. Ich möchte wirklich gern mal dort sein, wenn so eine vier- oder fünfmal so grosse Fähre dort durchfährt!

Zum Glück war’s nicht so dringend.

Gilt nicht für Hasen.

Nur als das Licht kurz vor zwei doch schon wieder deutlich abendlich wurde, war klar, dass noch eine ganze Weile lang nicht März sein wird.


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Zug mit Botschaft

Für Freitagabend hatten der Ähämann und ich fliegende Autoübergabe am Bahnhof geplant. Zum Glück hatten wir kurz vorher doch noch alles so geregelt, dass wir beide sowohl zum als auch vom Bahnhof Bus fahren konnten, denn des Ähämanns Zug hatte zum ersten Mal, seitdem er seit August nahezu täglich nach Tampere pendelt, mehr als fünf Minuten Verspätung.

So begab ich mich also schon mal zu meinem Bahnsteig, auf dem der Zug nach Helsinki schon bereitstand, und kriegte erstmal Herzchenaugen: der letzte Waggon war der mit der Speziallackierung!

Nun sind finnische Züge ja sowieso ausnehmend hübsch lackiert: da sind Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland. Und überhaupt kann man allerlei nette Sachen auf seine Waggons malen, wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt:

Speisewagen.

Und das alles in Grün, weil Zugfahren, so der Slogan der Finnischen Bahn, „die grünste Wahl“ ist.

Nun aber stand da der weisse Waggon mit den Bilderrahmen um die Fenster, von dem ich bisher nur Fotos gesehen hatte. Aus Anlass des 100. Geburtstags von Finnland hatte die Finnische Bahn einen Wettbewerb für Jugendliche ausgeschrieben unter dem Motto „Im selben Boot Zug“, den eine Sechzehnjährige aus Vaasa gewann. (Hier gibt’s ein nettes Video dazu.) Es gibt diesen Waggon nur einmal, und er wird mal hier und mal da an einen Intercity gehängt und fährt kreuz und quer durch Finnland. Und Freitagabend stand er vor mir, und ich konnte sogar mitfahren!

Unser Zug wartete dann doch noch fünf Minuten auf den aus Tampere, wegen der Umsteiger. Und damit ich den Ähämann nochmal küssen konnte.


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Sonntagsskitour

Glück ist… an einem sonst völlig vollgepackten Sonntag noch Zeit für eine Skitour im Sonnenuntergang zu haben.

Ich hatte mich – angesichts der Tatsache, dass wir vor um drei nicht loskommen würden – schon darauf eingestellt, auf irgendeine beleuchtete Loipe zu gehen. Aber dann hatten wir am Tag vorher gesehen, dass die Loipe auf der Hausinsel schon gespurt ist, und die ist erstens unser aller Lieblingsloipe, und zweitens kann man über Felder auch in der Dämmerung noch fahren. Wir liessen also zu Hause nach dem Essen alles stehen und liegen und fuhren los.

Wir erwischten sogar noch die letzten Sonnenstrahlen. Dann färbte sich der Himmel langsam von orange zu babyfarben. Dann ging der Vollmond auf, und über den weiten Schneeflächen bildeten sich Nebelschlieren. Dann begannen erst mein aus der Mütze heraushängender Zopf und dann des Ähämanns Objektiv zu bereifen. Als wir wieder am Auto waren, zeigte das Thermometer -9°C.


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Samstagsskitour

Nach dem Frühstück ging der kleine Herr Maus erstmal die aktuelle Schneehöhe messen. Die ist für unsere südwestfinnische Ecke und für den noch jungen Winter durchaus beachtlich.

Deswegen mussten wir diesmal auch nicht erst eine Stunde irgendwohin fahren, wo bessere Schneebedingungen herrschen, sondern versuchten es einfach nochmal unter besseren Bedingungen im Nachbarort.

Dort sind mehrere der kurzen „Fitness“loipen, auf denen im Sommer die Jogger und im Winter die Skifahrer Runde um Runde drehen, miteinander sowie mit einer Querfeldeinloipe verbunden, so dass man da tatsächlich eine richtige Skitour machen kann.

Über weite Felder und durch dick beschneiten Märchenwald, und nur, wenn sich am Waldrand plötzlich wieder die Kräne der Werft ins Blickfeld schieben oder man die Gleise überqueren muss, auf denen schon lange kein Personenzug mehr fährt, aber über die immer noch die Autofabrik in Uusikaupunki beliefert wird, wird man daran erinnert, dass man sich nicht in den weiten finnischen Wäldern, sondern mitten in der Zivilisation befindet.

Am Scheitelpunkt der Rundtour gibt es eine kleine Skihütte, die allerdings nur von 10-14 Uhr geöffnet hat. Als wir ankamen, räumte der Betreiber gerade das Werbeschild rein, schnallte seine Skier an und wollte davonfahren. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass am Wochenende eine Öffnungszeit von 12-16 Uhr vielleicht sinnvoller wäre, woraufhin er etwas von „Heute morgen standen um 10 die ersten Skifahrer vor der Tür“ und von bis mittags schlafenden Teenagern murmelte, und ich sag‘ mal so: dorthin werden wir auch weiterhin unseren eigenen Proviant mitbringen. Zumal es auch dort – wie an so vielen Stellen in Finnland – eine Feuerstelle samt Holzvorrat gibt.

Bitte bleib so, Winter!


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„Bahne frei! Kartoffelbrei!“

Wir hatten am Wochenende sowohl volles Programm als auch bestes Rodelwetter. Ein Glück – denn so ein Abstecher zum Schlittenberg passt immer noch irgendwo dazwischen. Auch gleich zweimal.

Wir hatten natürlich die gesamte Ausrüstung mit: den blauen Plasteschlitten, die grüne Schüssel, für jedes Kind einen Poporutscher. Aber das Beste ist doch mein alter Hörnerschlitten!

„So ein toller alter Schlitten…!“ hören wir bei jedem Rodelbergbesuch mindestens dreimal. Und das ist ja auch wahr! <3


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Es ist gespurt!

Letzte Woche kursierte hier eine Karikatur, auf der zu sehen war, wie nach dem Schneesturm grummelnd die Autobesitzer ihre Autos ausgraben, die Hausbesitzer bergeweise Schnee wegschippen, die Hundebesitzer durch hüfttiefen Schnee waten und die Waldbesitzer die Schäden betrachten – während die Skifahrer vorfreudig hibbelnd nur eine Frage beschäftigt: Gibt’s schon Loipen?!

In Klein-Lappland gibt’s schon welche. (Und heisse Suppe und Tee und Kuchen auch, und dem Fräulein Maus wurde gleich zur Begrüssung ein Teebeutel ihrer bevorzugten Sorte Roibuschtee gereicht. Wir waren wohl doch recht oft da im letzten Winter…)

Zum Glück ist mindestens die Hälfte der Loipen beleuchtet, denn halb vier war es schon wieder finster. Nicht, dass es überhaupt irgendwie richtig hell geworden wäre… aber mittags konnte man wenigstens sehen, wo man hinfuhr.

Wie anders als im März…!
(Oder April…!!!)