Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Ausflug auf Schienen

Vorletztes Wochenende war ein bisschen verrückt.

Der grosse Herr Maus war von Freitag bis Sonntag auf einem Pfadfinderlager.

Das Fräulein Maus kam Samstagfrüh aus Lappland zurück. Der Ähämann holte sie vom Nachtzug ab und fuhr mit ihr und ihrer Harfe direkt weiter nach Helsinki, wo sie am Samstag eine Generalprobe vor kleinem Publikum und am Sonntag ein Konzert vor grossem Publikum hatte. Die beiden blieben über Nacht in Helsinki, um das Hin-und-Hergefahre zu sparen (und damit das Fräulein Maus nach über einer Woche mal wieder ausreichend lange schlafen konnte).

Der kleine Herr Maus und ich verbrachten einen gemütlichen Samstag zusammen und freuten uns auf unseren Sonntagsausflug vor. Weil zusätzlich zur Harfe nur drei Leute ins Auto passen, hatten wir schon vor Wochen entschieden, dass der kleine Herr Maus und ich mit dem Zug nach Helsinki fahren würden. Ausserdem böte sich vier Jahre nach Fertigstellung endlich die Gelegenheit, die neue Metrostrecke nach Espoo auszuprobieren.

Am Sonntag fuhren der kleine Herr Maus und ich in aller Herrgottsfrühe mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Frühstück gab es wie immer bei derlei Gelegenheiten erst im Zug.

(Fürs Protokoll: der halbe Waggon hustete. Die einzigen beiden Masken trugen der kleine Herr Maus und ich. Und ich hatte gedacht gehofft, dass wir wenigstens das in der Coronazeit gelernt hätten: dass man eine Maske aufsetzt, wenn man krank unter Leute geht.)

Die Zugtoiletten haben jetzt übrigens eine neue Inneneinrichtung mit Herzchenaugeneffekt:

Die Steinmänner vom Helsinkier Hauptbahnhof hatten sich dem Anlass entsprechend gekleidet:

Ausserdem gibt es in Helsinki Dinge, die in Turku völlig undenkbar wären. Auf dem Hauptbahnhof weht eine ukrainische Fahne:

Das Zweitbeste nach Zugfahren ist Metrofahren.

(Der kleine Herr Maus zog sich auf der Rolltreppe kurz die Maske von der Nase mit den Worten: „Ich muss doch den guten Metrogeruch riechen!“)

Der Helsinkier Liniennetzplan ist ja recht… äh… überschaubar, aber immerhin gibt es neuerdings acht weitere Stationen Richtung Westen.

Ich habe mich ja erstmal über die lustig illustrierten Verhaltensregeln in den Waggons gefreut:

Vor allem über die drei mittleren, die sind so schön finnisch:

Die neuen Stationen sind schlicht und ein bisschen langweilig, weil sie alle in rot-weiss gehalten sind – Begeisterungsrufe wie in Prag: „Oh, eine ganz grüne Station!“ und „Oh, guck mal, die ist ganz gelb!“ fallen daher leider aus; und wie gern wäre ich mal in Moskau Metro gefahren – aber doch ganz schön und immerhin tief genug unter der Erde – und das ist tatsächlich bemerkenswert, da die Helsinkier Metro nach Osten weitestgehend oberirdisch fährt – dass sogar der kleine Herr Maus mit der Länge der Rolltreppen zufrieden war.

Nach dem Konzert fuhren der kleine Herr Maus und ich noch die restlichen zwei Stationen Richtung Westen und dann von da zurück ins Stadtzentrum; wir stiegen aber nicht am Bahnhof aus, sondern fuhren bis zum Dom, und sieh mal an – das Helsinkier Höhlensystem schliesst auch Metrostationen ein! Hier der Eingang zur Metrostation „Universität“:

Naja, und kurz auf die Domstufen klettern mussten wir natürlich auch noch, bevor uns der Zug zurück nach Turku schaukelte.

Abends freudiges Wiederzusammentreffen aller fünf Familienmitglieder.


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neljäsataaviisikymmentäneljä

Seit der 450 ist der Wurm drin. Seitdem sehe ich nämlich grundsätzlich immer erst – oft auch mehrmals – die jeweils nächste Zahl, bis mir endlich die, die ich eigentlich suche, über den Weg fährt.

Mit der 454 und der 455 wäre das ein bisschen anders, hatte ich gedacht. Denn die 455 wohnt gleich bei uns um die Ecke, und sobald ich die 454 gesehen hätte, käme ich ja dann auch gleich noch an der 455 vorbei. Hatte ich tatsächlich gedacht.

Am Donnerstag zum Beispiel hielt ich intensiv nach einer 454 Ausschau, denn wir fuhren, recht spontan und gesponsert vom Škoda-Autohaus, reichlich 100 km durch die Gegend.

Es ist nämlich so, dass es jetzt, drei Jahre zu spät, endlich ein Elektroauto gäbe, das unseren (Platz)anforderungen genügen (und keine 120 000 € kosten) würde. „Holt es Mittwochabend ab, testet am Feiertag in Ruhe, ob die Harfe in den Kofferraum passt und ob die Kinder auf einer längeren Strecke bequem sitzen, und bringt es Freitagfrüh zurück“, hatte der Autohändler angeboten, und so taten wir, was wir am liebsten tun: wir fuhren auf die überübernächste Insel.

Denn was liegt schliesslich näher, als mit einem Elektroauto Elektrofähre zu fahren?!

Mein Traum wäre ja, überhaupt kein eigenes Auto mehr zu brauchen. Fast alles mit Fahrrad, Bus und Bahn erledigen zu können, und wenn man doch mal ein Auto braucht, dann unkompliziert und preiswert genau so eins leihen zu können, wie man es gerade braucht: wenn das Fräulein Maus anderswo ein Konzert hat, ein Auto, das gross genug ist, dass wir alle fünf und die Harfe reinpassen; wenn nur ein Teil der Familie mitfährt, dann nur ein ganz kleines Auto; wenn wir in den Urlaub fahren, dann ein Auto mit grossem Kofferraum. Kein Kompromissauto, das dafür, dass es doch immer entweder zu gross oder zu klein ist und die meiste Zeit nur rumsteht, eigentlich viel zu teuer ist. Das fände ich wirklich schön.

Aber solange das nicht geht, dann lieber eins, das mit Wind-, Sonnen- oder Atomkraft betrieben wird statt mit zu verbrennendem Erdöl.

Eine 454 sah ich übrigens auf dem ganzen Ausflug nicht.

Aber als ich gestern von Arbeit kam, stand eine auf einem Parkplatz ganz in der Nähe, keine 50 Meter von der 455 entfernt. Ich drehte extra – denn man will ja nicht schummeln – nochmal um, um einen offiziellen Blick auf die 455, die immer (!) da steht, wenn ich von Arbeit komme, zu werfen, und wer war nicht da?! Die 455.

Wahrscheinlich ist sie jetzt so lange weg, bis ich eine 456 gesehen habe.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399, 400, 401, 402-403, 404, 405, 406-408, 409, 410-411, 412, 413, 414, 415, 416, 417, 418, 419, 420, 421, 422, 423-424, 425, 426, 427, 428, 429, 430, 431, 432-434, 435-436, 437-440, 441, 442-443, 444, 445, 446-447, 448, 449, 450-451, 452, 453]


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Eismeer statt Mittelmeer

Das Fräulein Maus ist diese Woche auf Klassenfahrt in Lappland.

Auch wenn die Kinder hier vergleichsweise leicht durch die letzten zwei Jahre gekommen sind, haben sie doch alle auf etliches verzichten müssen. Der grosse Herr Maus auf eine feierliche Verabschiedung aus der Grundschule. Der kleine Herr Maus auf eine Reise nach München zu „1, 2 oder 3“. Am schlimmsten hat es vielleicht das Fräulein Maus getroffen, die ja auf eine Musikklasse in einer wirklich engagierten Schule geht: Der Ausflug in die Oper nach Helsinki im letzten Jahr – wegen Corona gestrichen. Der Schüleraustausch in der 8. Klasse mit der Partnerschule in Celle – wegen Corona gestrichen. Die Chorreise nach Italien in der 9. Klasse – wegen Corona gestrichen.

Damit die Chorreise nicht ganz ausfallen musste, fuhr man statt nach Süden nach Norden. So weit weg, wie man von Turku im Inland nur fahren kann, und das sind immerhin über 1000 km. Luftlinie.

Italien wäre sicher ein tolleres Reiseziel gewesen. Und für Lappland hätte es sicher bessere Zeitpunkte gegeben: während es in Turku diese Woche endlich warm ein bisschen wärmer und grün geworden ist, sind in Lappland 3°C und die Seen noch zugefroren, im Wald liegen letzte Schneereste, die Tunturis haben noch weisse Decken umgehängt und auf dem Teno treiben gewaltige Eisschollen. Aber Abenteuer ist Abenteuer.

Sie fuhren mit dem Nachtzug. Sie schliefen bei Gastfamilien in Oulu und in dem Hotel in Inari. Sie sangen auf einem grossen Konzert in Oulu, in Schulen in Ivalo und Inari, und vielleicht am allerschönsten nur für sich neben einer gewaltigen, rauschenden Stromschnelle. (Die Chorleiterin schickt regelmässig Videos.) Gestern sangen sie live bei Yle Sámi (ab ca. 1:38:05), dem samischsprachigen öffentlich-rechtlichen Radio Finnlands, das sein Studio in Inari hat.

Und für ein paar Stunden kamen sie doch noch ins Ausland: sie fuhren nach Norwegen und gingen am Eismeer Muscheln sammeln.


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neljäsataaviisikymmentäkaksi

Am Sonntag, so hatte es auf der Webseite gestanden, würde die Sauna am See aufmachen. Darauf hatten wir uns schon zwei Wochen vorgefreut, denn die Eisbadesaison endet offiziell Ende April, und die Sommersaunas machen üblicherweise erst mit Beginn der Sommerferien auf.

Als wir Sonntagnachmittag da ankamen, standen wir allerdings vor verschlossenen Türen. Ein Anruf beim Verantwortlichen – sowas geht in Finnland, auch sonntags – ergab, dass die Sauna erst im Juni aufmacht und das Datum auf der Webseite offensichtlich falsch sei. Das war extrem ärgerlich, zumal die Sauna zum Beispiel auch im letzten Jahr schon Mitte Mai aufgemacht hätte, hätten es nicht die Coronamassnahmen verhindert. Und sowieso und überhaupt könnte sie einfach das ganze Jahr geöffnet sein, da sich ja jeder, der sie benutzen möchte, einfach selbst Holz aus dem Schuppen holt und sie anfeuert.

Ohne Sauna in den See zu springen war trotz strahlendem Sonnenschein keine Option bei dem eisigen Wind, der durch den immer noch ziemlich kahlen und grauen Wald rauschte.

Fuhren wir also zurück und in die Sauna mit den Verbotsschildern. Das hätten wir allerdings einfacher und umweltfreundlicher haben können. Grmpf.

Immerhin überholten wir auf dem Weg dahin eine 452, nach der ich schon vergleichsweise lange gesucht hatte.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399, 400, 401, 402-403, 404, 405, 406-408, 409, 410-411, 412, 413, 414, 415, 416, 417, 418, 419, 420, 421, 422, 423-424, 425, 426, 427, 428, 429, 430, 431, 432-434, 435-436, 437-440, 441, 442-443, 444, 445, 446-447, 448, 449, 450-451]


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Schulfreie Woche

Es widerspricht natürlich völlig dem Streikgedanken – aber unsere Familie geniesst den einwöchigen Lehrer*innenstreik gerade in vollen Zügen.

Man kann zum Beispiel mitten in der Woche Übernachtungsbesuch bekommen. Oder tagelang mit seinen fünf besten Schulfreund*innen mit dem Fahrrad durch die Gegend ziehen. (Wenn man Hunger hat, kann man auch, weil in der eigenen Familie das Mittagessen wegen des langen Ausschlafens erst später stattfindet, mit seinen Freund*innen zur Schule fahren und dort das kostenlose Schulessen, das auch in der Streikwoche angeboten wird, in Anspruch nehmen. Und dann trotzdem hungrig heimkommen, weil das Schulessen eben ist, wie es ist.)

Und man kann auch mitten in der Woche mitten am Schultag wandern gehen.

(Leider ist der schönste Wanderweg in der Nähe neuerdings ebenfalls durch einen Kahlschlag mehr oder weniger komplett zerstört. Seufz.)

Es werden noch immer überdimensionierte Fundstücke aus dem Wald nach Hause getragen.

Alles sehr schön.
Zumal in vier Wochen sowieso schon Sommerferien (Zwickt mich mal!) sind.


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Sommerwärts!

Unser Vappupicknick fand diesmal am Lieblingsstrand statt. (Auf Luftballons können wir dabei schon seit ein paar Jahren verzichten.)

Die Männer der Familie rannten nach dem Essen in die Ostsee, während wir beiden Frauen uns fester in unsere Pullover und winddichten Jacken wickelten. Es war nahezu Beschisswetter: gerade mal zehn Grad und starker Wind.

Trotzdem war es auf dem Rückweg Zeit für ein erstes Sommereis aus dem Supermarkt.

Die Bäume mögen zwar noch kahl sein und die Luft kalt, aber schliesslich ist jetzt Sommer.


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Drei Jahreszeiten auf dem Radweg

Am Freitag fuhr ich mit Umweg über den Nachbarort von Arbeit  nach Hause.

Das war ausnahmsweise nicht dem Prinzip „Kein Auto wann immer es geht“ geschuldet, sondern der Tatsache, dass neben einer Harfe, einer Harfenspielerin, einem Klarinettenspieler und dem Fahrer kein Platz mehr für mich im Auto war.

Ich habe die 16 km Umweg sehr genossen, denn mein üblicher Arbeitsweg, den ich seit knapp zehn Jahren, zwar mit wechselnden Endpunkten, aber ansonsten auf immer gleicher Strecke fahre, hängt mir doch allmählich zum Hals heraus.

Besonders genossen habe ich die Radtour auf den Radwegabschnitten, auf denen der Schnee schon lange verschwunden und sogar schon die Kehrmaschine dagewesen ist; dort fühlte es sich fast schon sommerlich an. Zwischendurch allerdings gab es auch lange Abschnitte, auf denen es sich recht anstrengend fuhr, weil der Asphalt noch von einer dicken Schicht Splitt bedeckt ist. Und bloss gut, dass ich wegen der am Morgen gefrorenen Strassen immer noch das Winterfahrrad in Benutzung habe, denn auch das eine oder andere Schneefeld an schattiger Stelle galt es zu überwinden.

Das Konzert war ganz wunderbar, und als ich hinterher heimradelte, schien die Sonner zwar nicht warm – es waren zwei Grad minus – aber immer noch ganz hell. Der Frühling kommt mit grossen Schritten.


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Suomenlinna-, Sauna- und Sonnenwochenende

Seit vielen Jahren – ausser im letzten, aus bekannten Gründen – fahren die liebste Freundin und ich einmal im Jahr für ein gemeinsames Wochenende nach Helsinki.

Wir machen nichts weiter, als zweieinhalb Tage lang ziellos über Suomenlinna und durch die Stadt zu spazieren, leckere Sachen zu essen, stundenlang in einer Sauna herumzusitzen und bei all dem ununterbrochen – im doppelten Wortsinn – zu reden.

Da die „Gabriella“ neulich in den Seapool gefahren ist und ihn schlimmer beschädigt hat, als man vermutet hätte, mussten wir uns diesmal eine andere Sauna suchen.

Statt einer ganz neuen diesmal also eine ganz alte. Genaugenommen die älteste noch erhaltene öffentliche Sauna Helsinkis. Sie befindet sich in einem mehrstöckigen Haus; im Erdgeschoss saunieren die Männer, im ersten Stock die Frauen. Allein die Umkleideräume sind – vor allem im Vergleich zu den engen Umkleideräumen mit den winzigen Spinden im Seapool – ein Traum. Die riesigen Saunaöfen werden immer noch mit Holz beheizt: es dauert drei bis fünf Stunden, bis die Sauna warm genug ist, dafür speichern die anderthalb Tonnen Steine und die Tonne Eisen im Saunaofen so viel Wärme, dass das dann für den Rest des Tages reicht. Zum Aufgussmachen muss man mit einer Kelle mit einem sehr langen Stiel sehr gut zielen; man wirft das Wasser nämlich von der höchsten Saunabank aus durch eine Art Ofenklappe auf ungefähr Kopfhöhe auf die Saunasteine. Zwischen den Saunagängen sitzt man vor der Tür auf dem Bürgersteig, Hunde werden an einem vorbeigeführt, Strassenbahnen fahren vorbei, und übers Dach fliegen startende Flugzeuge. Wer braucht da schon Eisschollen?

Das ist vielleicht unsere neue Lieblingssauna.

Das war wie immer sehr schön und erholsam.

(Und das Allerbeste war vielleicht, das ganze Wochenende keine Nachrichten zu lesen.)


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Eben noch im Suezkanal…

… jetzt im vereisten finnischen Schärenmeer.

Als wir am Donnerstagabend vom Skifahren zurückkamen, fuhren wir gleich noch am Hafen vorbei, um ein Fährticket umzubuchen.

(Das ist bei Viking-Line denkbar einfach: man behält das Geld einfach auf seinem Kundenkonto und kann es ohne Verlust für die nächste Reise einsetzen.)

Wir wunderten uns ein bisschen, dass wir noch 58 € draufzahlen mussten, obwohl es bis zur Reise noch acht Monate hin sind und Balthasar, anders als bei der ursprünglich gebuchten Überfahrt, nicht mitkommen wird. Aber klar, die Reisedaten, und dann das neue Schiff. Apropos. „Weiss man schon, wann es ankommt?“ „Am Sonntag.“ Oh!

(Nachdem es gefühlt ewig durchs Mittelmeer gebraucht hatte und drei Tage lang vor Gibraltar im Kreis gefahren war, bevor es kurz zum Tanken im Hafen anlegen durfte, ging der letzte Teil der Reise – durch den Ärmelkanal, um die Nordspitze Dänemarks herum, durch die Öresundbrücke und schliesslich an Gotland vorbei Richtung Finnland – überraschend schnell.)

Wir hatten also einen Plan für Sonntag.

Es sollte eine Zeremonie am Hafen geben und fürs Publikum eine Übertragung per Grossbildschirm am Strand neben der Fahrrinne. Aber wir ahnten vorher schon, dass diese Zeremonie eher albern sein wird, und ausserdem kennen wir den allerbesten Platz zum Schiffegucken, den, wo die Schiffe so nahe vorbeiziehen, dass man sie fast anfassen kann. Und wenn wir rechtzeitig da wären, könnten wir sogar auf die britische Art gucken.

(Als der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich, als wir uns gerade mal ein halbes Jahr kannten, spontan ans Meer fahren wollten, uns Nord- oder Ostsee aber zu langweilig erschienen waren und wir kurzentschlossen das Zelt ins Auto geschmissen und eine FährLuftkissenbootüberfahrt gebucht hatten, sahen wir zuerst auf den Klippen von Dover und in den nächsten zehn Tagen an jedem hübschen Aussichtspunkt amüsiert dabei zu, wie die Briten mit dem Auto zu Aussichtspunkten gefahren kamen, ihr Auto so einparkten, dass sie beste Aussicht hatten, eine Thermosflasche mit Tee auspackten und die Aussicht, ohne ein einziges Mal auszusteigen, genossen.)

Wir stellten uns einen Wecker – nicht vor dem Aufstehen, aber doch zwei Stunden eher, als wir sonst oft erst aufstehen am Wochenende – fuhren direkt nach dem Frühstück los und erwischten den vorletzten Parkplatz mit Aussicht. Es schneeregnete heftig, und es war gut, dass wir die Stunde, bis sich das Schiff endlich die letzte Stunde durchs Schärenmeer geschoben hatte, warm und trocken im Auto absitzen konnten.

Was man so macht an einem Sonntagmorgen…

Bekanntermassen hatte ich lange Zeit wenig freundliche Gefühle für das Schiff aus China. Aber nachdem wir sie fünf Wochen lang virtuell auf ihrer Reise begleitet hatten, fand ich es wirklich bewegend, als sie am Sonntag ganz in echt hinter der letzten Inselspitze vor Turku auftauchte. Sie wird nun mal auch das Schiff werden, das uns fortan nach jeder Reise nach Hause bringen wird…

Sie tutete so tief und laut, dass es von allen Inseln widerhallte. Die ganze kleine Crew – also alle, die konnten – stand an Deck und winkte und hatte sicher gerade den Trip ihres Lebens erlebt.

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Tervetuloa kotiin, Glory!

(Wir fuhren danach direkt weiter in die Eisbadesauna.)


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11 km Glück und Herzhüpfen

Eigentlich hatten wir die Skifahrpläne für dieses Wochenende schon fast aufgegeben: das Fräulein Maus bekam Besuch von einer Freundin, der grosse Herr Maus hatte Samstagsschultag (um den Freitag nach Himmelfahrt vorzuarbeiten), und der kleine Herr Maus hatte am Sonntag einen Orchesterauftritt.

Ganz zu schweigen davon, dass es in Turku die ganze Nacht von Freitag auf Samstag geschneeregnet hatte.

Es stellte sich dann aber beim Frühstück gegen Samstagmittag heraus, dass eigentlich sowieso nur der kleine Herr Maus skifahren wollte, und so liessen wir alles stehen und liegen und fuhren zu dritt nach Klein-Lappland.

War eine gute Entscheidung. In Turku war Schneematsch. In Klein-Lappland war Winterwunterland.