Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Im Novemberwald

Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

„Ich brauche frische Luft“, verkündete das Fräulein Maus am Freitagabend. „Können wir irgendwohin wandern gehen am Wochenende?“

Es nieselte, die Wege waren entweder völlig vermatscht oder zu kleinen Bachbetten geworden, und ich hatte mehrmals das Bedürfnis, mir die Sonnenbrille von den Augen zu nehmen, bis mir wieder einfiel, dass es tatsächlich so duster ist, mittags um eins.

(Ursprünglich wollten wir nach des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmtraining losgehen. Bis uns einfiel, dass wir, wenn wir erst kurz nach zwei von der Schwimmhalle loskämen, wohl kaum noch im Hellen aus dem Wald wieder herauskämen. Also gingen wir lieber während des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmtraining.)

Aber schön ist er, der Novemberwald! Man muss nur genauer hingucken.

Schon mal Ausschau halten, wo dann hoffentlich bald die Skiloipe langgeht…


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Industrietourismus

Grosse Schiffe gucken war irgendwie das Thema der Woche.

Das Wochenende war regnerisch und finster. Aber irgendwann muss man ja auch mal rausgehen – erst recht, wenn man Besuch hat – und so führten wir bei einbrechender Dämmerung und Nieselregen Oma und Opa auf den kleinen Rundweg mit den spektakulären Ausblicken zur Werft.

In einem Jahr passiert dort erstaunlich viel: es gibt jetzt schon das nächste so gut wie fertige und halbfertige Kreuzfahrtschiff zu bestaunen.

Ich könnte mir keinen unattraktiveren Urlaub vorstellen, als mit sechseinhalbtausend anderen Leuten übers Mittelmeer zu schippern. (Überhaupt mag ich Schifffahren nur als Mittel zum Zweck.)

Aber beeindruckend sind diese Riesenschiffe schon.

Am anderen Ende des Rundweges kann man übrigens Finnlands älteste Erdölraffinerie bestaunen.


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Und am Sonntag…

… gingen wir endlich anbaden.

„Ihr seid aber gewachsen…!“, wurden die Kinder begrüsst, und das ist nicht nur so eine Floskel, denn sie wachsen tatsächlich hauptsächlich im Sommer.

Und mir wurde so richtig bewusst, wie lange wir schon mit ihnen da hingehen, als ich den Neunjährigen da so sitzen sah auf der obersten Saunabank zwischen Ritva und Silja, die 70 Jahre älter sind als er und immer ein freundliches Wort für die Kinder haben und schon dabeiwaren, als er als Zweijähriger nach der Sauna zum ersten Mal seine Zehenspitzen ins gefrorene Meer tunkte.


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kolmesataaviisikymmentäkolme, kolmesataaviisikymmentäneljä, kolmesataaviisikymmentäviisi

Ich hinke hinterher mit der Kennzeichen-Protokollierung.

Jedenfalls. Als ich vorletzte Woche fünf nach fünf die Horttür hinter mir zuzog und zu meinem Fahrrad ging, traf ich vor der Schule eine Mit-Turnmutter aus des Fräulein Maus‘ ehemaliger Mannschaft, und wir verquatschten uns so lange, dass die Kinder, während ich noch nach Hause strampelte, mir schon hinterhertelefonierten und -threematen, wo ich denn bliebe. Aber wenn ich gleich losgefahren wäre, hätte ich auch die 353 verpasst.

Letzten Samstag hatte der grosse Herr Maus einen Pfadfinderwettbewerb auf der übernächsten Insel, ganz in der Nähe vom Lieblingsstrand, und nicht nur, weil wir mit unserem BusAuto die halbe Gruppe transportieren können, rufe ich immer laut „Hier!“, wenn die Pfadfinder irgendwohin gefahren werden müssen. So auch diesmal. Die gelben Bäume leuchteten mit dem blauen Himmel um die Wette, das Meer war spiegelblank, und neben der Strasse frassen sich Rehe, Hirsche und Elche in aller Gemütsruhe durch noch nicht abgeeerntete Felder. Dann musste ich allerdings schnell wieder zurück nach Turku, weil der kleine Herr Maus am gleichen Tag einen Schwimmwettkampf hatte, und als wir nach dem wieder nach Hause fuhren, als der grosse Herr Maus gerade angerufen hatte, wir bräuchten ihn nicht wieder abzuholen, sie hätten alle eine Mitfahrgelegenheit gefunden, kam uns da eine 354 entgegen.

Am Montag dann stand fast an der gleichen Stelle, an der mir in der Woche zuvor die 353 entgegengekommen war, die 355 vor ihrer Garage.

Ich fahre dann jetzt übrigens auch an den Tagen, an denen ich für den Hort einkaufen muss, üblicherweise mit dem Fahrrad. Ein Paket Einmalhandschuhe und eine Flasche Handdesinfektionsmittel für die Vesperzubereitung oder vier Päckchen Kartoffelstärke für das dienstägliche Experiment oder fünf Bögen schwarzen Karton zum Fledermäusebasteln kann ich auch auf dem Fahrrad transportieren. Ich muss zwar zwei Kilometer Umweg fahren, aber dafür ist dann auch auf dem Weg vom Supermarkt zu meiner Arbeit für Radfahrer der rote Teppich ausgerollt.

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Gelb

Diesen Herbst ist es nicht so extrem bunt wie nach dem heissen Sommer im letzten Jahr: viele Bäume sind noch grün – oder schon ganz kahl, weil es schon mehrere Frostnächte gab.

Trotzdem leuchtet der finnische Herbst auch dieses Jahr wieder in allen Gelbtönen. Damit wir nochmal Farben tanken können vor dem Winter.

Und in Rauma leuchtet er bekanntlich besonders schön.

(Pro-Tipp: nicht an einem Sonntag nach Rauma fahren. Da haben ausserhalb der Saison 99% der in der kleinen Stadt ansonsten wirklich reichlich vorhandenen Restaurants und Cafés geschlossen. Die Kinder waren erst wieder so friedlich, wie es auf den Fotos aussieht, nachdem sie nach mehreren Runden durch die Altstadt endlich was zu essen bekamen.)


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Ruissalo-Erlebnisausflug

Oder: ein herbstlicher Rundwanderweg, ein abenteuerlicher Vogelturm, ein entzückendes Café und ein Hochhaus, das durch den Wald fährt

Sonntags hat der kleine Herr Maus über Mittag Schwimmtraining und das Fräulein Maus abends Gymnastiktraining. Man kann dazwischen noch einen kleinen Ausflug quetschen, wenn man sich beeilt und sich ein Ausflugsziel in der Nähe sucht.

Ruissalo – die Insel mit diesen Eichen gleich vor den Toren der Stadt – die bietet sich dafür an. Allerdings sind wir ein bisschen demotiviert, seit das schönste Café der Insel, in dem wir früher nach der Eisbadesauna immer Erbsensuppe und Kuchen essen gingen, den Besitzer gewechselt hat und wir das jetzt leider boykottieren müssen, und wir ausserdem seit Jahren das Gefühl haben, schon jeden Flecken der Insel zu kennen.

Stimmt aber gar nicht. Als wir gestern schnell recherchierten, ob es nicht doch noch irgendwo auf Ruissalo ein Café gäbe, das auch Ende September noch aufhat, und zwar länger als bis 16 Uhr, da fanden wir eins, das auf der Halbinsel liegt, über die ich zwar schon mal mit dem Bus gefahren bin, weil im Sommer jeder vierte Ruissalo-Bus den Schlenker über die Halbinsel fährt, aber auf der ich sonst noch nie war.

Dabei gibt es da einen wunderbaren Rundwanderweg, dessen Länge vermutlich erklärt, warum wir den nie gegangen sind, als die Kinder noch kleiner waren. Er führt erst am Golfplatz vorbei, dann aber durch zotteligen Urwald, zu einem abenteuerlichen Vogelturm, durch Schafweiden und zu eben jenem Café, das sich in einer der Holzvillen, für die Ruissalo berühmt ist, befindet und in dessen Veranda mit den bunten Fenstern und dem Meerblick ich mich ein bisschen verliebt habe.

Das Fräulein Maus kam dann übrigens doch nicht mit uns mit, sondern blieb noch eine Stunde allein zu Hause und fuhr mit dem Bus zum Training, weil wir sonst nur mit Hin-und-her-fahren beschäftigt gewesen wären. Deshalb beschlossen wir, so viel Zeit auf Ruissalo rumzubringen, dass wir sie auf dem Heimweg gleich wieder einsammeln könnten.

Und so fuhren wir zum Schluss noch zum Badehäuschen, wo wir ewig schon nicht mehr zum Schwedenfährengucken gewesen waren, warteten ein bisschen und sahen dann die hochhaushohe „Grace“ zum Greifen nah an uns vorbeiziehen.

Das ist tatsächlich eine ganz wunderbare Insel, die wir da gleich vor der Haustür haben! ♥


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Montagabendspaziergang

Wie gut, dass der kleine Herr Maus mich immer noch und zu jeder Jahreszeit dazu zwingt, mit ihm in den Wald zu gehen!

Montagabend – das hatten wir schon lange ausgemacht – wollte er mir einen Weg zeigen, den er neulich mit einem Schulfreund auf der Suche nach Pokemons entdeckt hatte und der vielleicht eine Alternative wäre, wenn wir zum Silvesterfeuerwerk im Nachbarstadtteil nicht mit den Fahrrädern fahren können.

Der grosse Herr Maus war bei den Pfadfindern, das Fräulein Maus machte Hausaufgaben, aber der Ähämann, der kleine Herr Maus und ich zogen uns warm an, stopften ein Picknick die Teilchen, die der Ähämann extra aus Tampere herangefahren hatte, in einen Rucksack und verschwanden nach 300 Metern im Wald zwischen unserem und dem Nachbarstadtteil.

Tatsächlich war mir der Weg völlig unbekannt, obwohl wir ganz sicher nicht zum ersten Mal dort waren. Wir fanden sogar ein Stückchen Weg, das aussah wie ein Wanderweg im Erzgebirge, und eins, das aussah wie einer in der Sächsischen Schweiz. Und immer noch bin ich jedes Mal völlig hin und weg, wie schnell man sich hier wie im tiefsten Wald fühlt, selbst wenn nach einem Kilometer die nächsten Häuser auftauchen.


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Lüften und Sonnen

Am späten Sonntagnachmittag, nach Besuch-zum-Bahnhof-bringen, Schwimmtraining des kleinen Herrn Maus und Anorak-und-Schneehose-kaufen für das Fräulein Maus – denn das tut man hierzulande tunlichst rechtzeitig! – lachte die Sonne so hübsch vom blassblauen Herbsthimmel, dass leider der Geschirrspüler uneingeräumt und die gewaschene Wäsche ungefaltet bleiben mussten.

Vitamin-D-Tanken kann man nicht ernst genug nehmen in dieser Zeit des Jahres.


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„Warum London…

… wir haben ja Föli!“

Das traf sich gut.

Das Thüringer Besuchskind, das dank neuem Feiertag ein langes Wochenende bei uns verbrachte, wäre ja lieber wieder Linie 180 mit uns gefahren. Die hat aber leider schon Winterpause.

Stattdessen fährt zur Zeit auf den zwei längsten Linien der Stadt zu Testzwecken ein Doppelstockbus. Anders als damals, als in meiner Geburtsstadt die erste Variobahn und das erste Megashuttle fuhren und man eben Glück hatte oder nicht, finden sich auf der Website des Turkuer Nahverkehrsunternehmens netterweise die genauen Abfahrtszeiten dieses einzigen Doppelstockbusses.

Und so machten wir am Sonnabend einen Ausflug nach Naantali, wohin man ja sowieso tunlichst ausserhalb der Saison fährt.

Wir statteten dem Spielplatz, auf dem wir früher viele, viele Wochenendstunden verbracht haben, mal wieder einen Besuch ab, weil gerade ein Segelwettbewerb stattfand, hatte sogar noch ein Restaurant geöffnet, und ein paar schon halbreife Kastanien fanden wir auch im Park.

Auf der Rückfahrt klappte es sogar mit Sitzen in der ersten Reihe.

Und weil, wie das so ist in Finnland, abends dann auch endlich die Sonne rauskam, stiegen wir nicht erst noch in unsere Buslinie um, sondern nahmen den den allerschönsten Weg nach Hause.

Kinder sind so leicht glücklich zu machen.
(Manche Erwachsene auch.)