Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Urlaub!

Mit einer Woche Verspätung habe ich jetzt auch Sommerferien.

Die vergangene Arbeitswoche war allerdings sehr befriedigend: wir haben tonnenweise Bücher ausgemistet, Bürosedimente von Jahrzehnten geordnet und alte, abgeschrabbelte Kindergartengarderoben in hübsche, weisse Garderobenfächer für die neuen Hortkinder verwandelt.

Am Ende der Ferien müssen wir nur noch unsere Schränke wieder einräumen und darauf warten, dass die Hortkinder die Räume mit neuem Leben erfüllen. Ich freu‘ mich jetzt schon auf Mitte August. (Aber erstmal sehr viel mehr auf die nächsten acht Wochen, die ich gemeinsam mit den Kindern komplett freihabe.)

Diese Sommerabende mit dem wunderbaren Licht, wegen denen ich immer ein bisschen wehmütig bin, wenn wir im Sommer „nach Europa“ fahren – weil man eigentlich keinen einzigen davon verpassen möchte – versöhnen mich übrigens gerade sehr damit, dass wir dieses Jahr hierbleiben werden.


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Sommerferien minus 1

Finnland hat 6776 bestätigte Coronafälle.

Er kam dann doch sehr plötzlich, der letzte Schultag.

Nicht, dass wir vorher nichts gemacht hätten, aber irgendwie ist es schon sehr komisch, nach nur zweieinhalb Wochen Schulen die Sommerferien zu beginnen.

Immerhin das Wetter stimmte.

Die beste Chefin und ich waren ein bisschen wehmütig. Weil wir keines der Hortkinder umarmen konnten. Und weil wir uns vom Grossteil der Zweitklässler, die ja nach den Sommerferien grosse Drittklässler, die keine Nachmittagsbetreuung mehr brauchen, sein werden, nicht einmal verabschieden konnten. Zwei Jahre sind eine lange Zeit, und diese kleinen Schulanfänger wachsen einem ans Herz, während sie zu grossen, selbstständigen Fast-Drittklässlern werden.

Im Laufe des Nachmittags trafen rührselige Wilma-Nachrichten von den Klassenlehrerinnen der Mäusekinder ein, mit Rückblicken auf dieses seltsame Schuljahr.

Um vier war das letzte Kind abgeholt, wir packten die letzten Spielzeugkisten und die Taschen mit Bällen und Springseilen in unsere Autos und fuhren sie nach zwei Jahren zurück in unsere alten Horträume. Uff.


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Sommerferien minus 5

Finnland hat 6599 bestätigte Coronafälle.

Als ich heute auf Arbeit ankam, gab es öffentliche Sauna: die dicken Regentropfen aus der lila Gewitterwolke klatschten auf den sonnenwarmen Asphalt, und fast hat es ein bisschen gezischt.

Weniger erfreulich war, dass es sich dann genau über unserer Schule – ringsrum war recht viel blauer Himmel zu sehen – für die nächsten vier Stunden mehr oder weniger einregnete.

Natürlich hatte die Hälfte der Kinder keine Regenhosen dabei und schon nach zehn Minuten klitschnasse Schuhe, und so mussten wir den Plan eines komplett draussen stattfindenden Horts für den Tag aufgeben. Da wir ja zur Zeit gar keinen Hortraum haben, zogen wir also mit den Erstklässlern auf den Gang vor ihrem Klassenzimmer im ersten Stock, und mit den Zweitklässlern auf den Treppenabsatz ein Stockwerk höher. Das wäre okay gewesen, wären nicht alle zehn Minuten Elternpaare zu Elterngesprächen durchs Treppenhaus gestapft. Eigentlich ist ja die Regel für Schulen und Kindergärten, dass kein Erwachsener, der nicht dort arbeitet, ins Gebäude darf, aber mittlerweile scheint allen alles egal zu sein. Hauptsache, wir waschen uns alle fein die Hände. Aerosole? Was für Aerosole?!

Auf dem Rückweg von Arbeit holte ich noch ein schon im Januar bestelltes Chor-T-Shirt für das Fräulein Maus in ihrer Schule ab. Wir hatten das alle schon komplett vergessen. Immerhin hat sie es nicht so schwer getroffen wie die Acht- und Neuntklässler, deren Chorreisen ins Ausland alle ausgefallen sind.


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Sommerferien minus 6

Finnland hat 6579 bestätigte Coronafälle.

Wir sind jetzt wieder bei den „Egal wie das Wetter ist, abends kommt noch für ein paar Stunden die Sonne raus“-Sommerabenden angekommen.

Weil es den ganzen Tag geregnet hatte, beschlossen wir, abends die Sauna anzumachen, und dann war das so ein Abend, an dem die Kinder in Badehose von der Sauna in die Hängematte und auf die Schaukeln auf dem Spielplatz rennen und an dem es auf der Gartenbank so warm ist, dass man erst nach einer halben Stunde wieder in die Sauna reingeht.

Wir haben wieder Saunabier.
(Die 10% sind nicht der Alkoholgehalt!)

***

Presseschau.

Die erste Strassenbahn wurde gestern vom Werk in Kajaani knapp 600 km über Landstrassen nach Tampere gefahren.


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Sommerferien minus 9

Finnland hat 6493 bestätigte Coronafälle.

Heute war der erste Tag in dieser Woche, an dem ich nicht gefroren habe.

Das lag aber auch nur daran, dass ich nicht den halben Tag auf zugigen Schulhöfen und Sportplätzen herumstehen musste, sondern den ganzen Tag auf unserer windgeschützten Gartenbank sitzen und den Hummeln beim Nektarsammeln, den Blaumeisen beim Jungefüttern, dem Rhabarber beim Wachsen und den Gänseblümchen, den Tulpen, den wilden Veilchen und dem Löwenzahn beim Blühen zusehen konnte.

Die Herren Maus sind in ein italienisches Fertighaus umgezogen. Besuch und Post kamen auch schon.


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Sommerferien minus 14

Finnland hat 6286 bestätigte Coronafälle.

Fünf Grad und Regen. (Vor einem Jahr hatten wir knapp 30 Grad.)

Das Fräulein Maus übernahm – Hauswirtschaftsaufgabe für diese Woche – die Zubereitung des Mittagessens (inklusive Brötchenbacken).

Währenddessen fügten die Herren Maus nach neun Wochen das letzte Teilchen ins Coronapuzzle.


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Sommerferien minus 15

Finnland hat 6228 bestätigte Coronafälle.

Die Eisheiligen haben uns fest im Griff. Als ich früh das Rollo hochzog, fielen dicke, weisse Flocken vom Himmel. Der Garten war schon mit einer dünnen weissen Decke überzogen. Später kam die Sonne raus, aber wesentlich wärmer wurde es nicht.

Mein Arbeitsoutfit besteht derzeit also wieder aus Winterschuhen, Thermoleggins, Wollkniestrümpfen, Anorak, Mütze und Handschuhen. Und Handdesinfektionsflasche natürlich.

Mit nur zehn Kindern im Hort ging das alles prima. Und die Zeit vergeht irgendwie viel schneller, seit wir nur draussen sind und uns der Rhythmus von reinkommen und rausgehen fehlt. Ausserdem fehlte das Freitagsgefühl. Ich habe acht von zehn Kindern mit „Bis morgen!“ statt „Schönes Wochenende!“ verabschiedet, als ich ihnen die letzte Portion Käsidesi des Tages auf die Handflächen pumpte.

Das Fräulein Maus hatte vormittags den letzten Mathetest des Schuljahres. Er fand für alle elektronisch statt; für die, die in der Schule waren, genauso wie für die, die bis zu den Sommerferien nicht mehr in die Schule zurückkehren werden.

Am Ende des Tages gab es übrigens die aktuellen Zahlen, wieviele Kinder tatsächlich nicht zum Präsenzunterricht erschienen sind: je nach Stadt und Region zwischen 5 und 25%. Das ist, vor allem angesichts des Drucks, der vorher gemacht wurde, doch recht viel. (In die Turkuer Kindergärten zum Beispiel kehrten sogar nur 55% der Kindergartenkinder zurück, obwohl es auch da seit Donnerstag keine Empfehlung mehr gibt, sein Kind zu Hause zu lassen.)

Ich bin immer noch der Meinung, man hätte das alles gestaffelter ablaufen lassen können, statt alle Kinder von 0 bis 16 auf einmal zurück in Kindergarten und Schule zu schicken. Aber gerechter und für alle sinnvoller als das deutsche „dritte Klassen montags und mittwochs 8 bis 10, sechste Klassen dienstags 12 bis 15 und achte Klassen jede zweite Woche von 10 bis 14“ finde ich es mittlerweile schon. Allerdings hätte man hier auch einfach bei Fernunterricht bleiben können, so prima wie der lief. (Was inzwischen auch durch Umfrageergebnisse unter Viert- bis Zwölftklässlern untermauert und nicht mehr nur meine subjektive Wahrnehmung ist.) Egal. Wir sind die nächsten drei Monate raus.

Abends hatte der kleine Herr Maus zum ersten Mal seit neun Wochen wieder sowas wie normales Training. Nur einfaches Fitnesstraining im Freien, aber immerhin gemeinsam: in Kleingruppen von neun Kindern und einer Trainerin. Die städtischen Schwimmhallen sind noch mindestens bis Juni geschlossen, aber des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmverein hat jetzt Zeiten in Turkus kleinster Schwimmhalle reserviert, da wird er jetzt einmal in der Woche für eine Stunde mit seiner Kleingruppe endlich wieder schwimmen können.

Der abendliche Blick in die Nachrichten ist erfreulich: Finnland scheint erneut seine Coronastrategie geändert zu haben; selbst die Gesundheitsbehörde, die vor zwei Wochen noch der Meinung war, der Epidemieverlauf in Finnland sei bisher zu langsam gewesen, hält es jetzt doch für machbar, die Infektionszahlen auf nahezu Null zu drücken. Mal sehen, wie es zu Sommerferienbeginn nach zwei Wochen Schule aussieht.


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Coronaklausur, Tag 56

Finnland hat 6003 bestätigte Coronafälle.

Obwohl der grosse Herr Maus dasjenige unserer Kinder ist, das unbedingt wieder in die Schule will, hat er sich doch gefreut, als die erstmal für vier Wochen gedachten Schulschliessungen schon recht bald bis zum 13. Mai verlängert wurden. „Dann muss ich an meinem Geburtstag noch nicht in die Schule!“, jubelte er.

Schon der zweite Geburtstag, an dem wir alle gemeinsam aufstehen, dem Geburtstagskind ein Lied singen, beim Geschenkeauspacken zugucken und gemeinsam frühstücken konnten, ohne dass einer schon mal los musste in die Schule. Sehr schön.

Der grosse Herr Maus jubelte über alle seine Geschenke – die kleinen, die grossen, die, die gar nichts gekostet hatten, und die teureren – gleichermassen. Das Fräulein Maus hatte ihm ein Rätselbuch gebastelt und der kleine Herr Maus ganz allein einen Dinosaurier aus Holz ausgesägt und bemalt. Die Patentante schickte ein Geschenk, das nicht besser sowohl zu ihr als auch zum Beschenkten passen könnte. ♥

(Ich selbst musste auch gleich noch vorm Frühstück ein paar Seiten darin lesen.)

Fast ein Geburtstagsgeschenk war auch die Wilma-Nachricht seiner Klassenlehrerin an den grossen Herrn Maus und uns Eltern, in der sie ihn jetzt am Ende der acht Wochen Fernunterricht ausführlich dafür gelobt hat, dass er sich immer aktiv an den Unterrichtsstunden per Videochat beteiligt hat, dass er keine Stunde verpasst hat, dass er immer pünktlich seine Aufgaben eingereicht hat, wie selbstständig er in der Zeit geworden ist. „Du, ich und wir alle haben viel gelernt in dieser Zeit – falls wir nochmal so eine Situation haben werden, dann sind wir gut darauf vorbereitet. Danke für deine Flexibiliät und deinen Fleiss, ich bin stolz auf dich!“ Jedem einzelnen ihrer 18 Schüler*innen hat sie so eine ganz persönliche Nachricht geschickt! Ich war sehr gerührt, und der grosse Herr Maus leuchtete von innen.

Dann auf Arbeit geradelt – dank Pankratius mit Sonnenbrille, Sonnencreme, Mütze, Handschuhen und Anorak – und gemeinsam mit der besten Chefin weitere Feinplanungen vorgenommen. Viele Emails von Eltern beantwortet und mich gefreut über ein Lob für unser „professionelles Engagement“. Da wir alle ja nichts weiter an die Hand bekommen haben als diese grandiosen offiziellen Hygieneregeln, ist in den letzten beiden Wochen recht deutlich geworden, dass es Rektoren, Lehrer, Kindergarten- und Hortbetreuer*innen gibt, die sehr durchdachte und detaillierte Pläne haben, und andere, die… eher keine Pläne haben. Es wird… spannend ab Donnerstag.

Hinterher fuhr ich auf dem Markt vorbei, um ein Bund dringend benötigte Zwiebeln zu besorgen, ohne dafür in den Supermarkt zu müssen – leider vergebens, und das liegt eher nicht an Corona. Grmpf.

Als ich heimkam, waren die Herren Maus mit einem der Geburtstagsgeschenke des grossen Herrn Maus draussen unterwegs. Das Fräulein Maus hatte sich mit ihrer besten Freundin zum gemeinsamen Joggen verabredet. Sie rannte durch unseren Wald, die beste Freundin an einem mittelfinnischen See entlang.

Abends letzte Klavier- und Klarinettenstunde für den kleinen Herrn Maus. Das Schuljahr ist wirklich fast um.


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Coronaklausur, Tag 54

Finnland hat 5913 bestätigte Coronafälle.

Die Kinder waren schon seit Tagen sehr aufgeregt. Muttertag ist ein grosses Ding in Finnland und fällt nicht aus, nur weil in der Schule keine Geschenke und Karten gebastelt werden konnten. Das können sie schliesslich auch allein!

Als wir gegen zwölf fertig gefrühstückt hatten, hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining im Kinderzimmer. (Der grosse Herr Maus machte auch mit.) Danach hätten wir gerne Kaffee und Kuchen eingepackt und an einem hübschen Platz mit Aussicht wieder ausgepackt, aber leider stürmte es wie Sau, was unsere Motivation, einen Schritt vor die Haustür zu setzen, gegen Null sinken liess. Da ich ja sowieso immer am Muttertag in der Erde wühle, nahm ich mir diesmal die Reihe Zimmerpflanzen vor, die dringend umgetopft werden musste. Das Fräulein Maus machte derweil – am Ende tatkräftig unterstützt vom kleinen Herrn Maus – Grossputz in der Sauna. (Da bei uns in der Sauna auch Wäsche- und Klammernkörbe herumstehen sowie alle unsere Strandspielsachen in wasserdichten Kisten unter der Saunabank gelagert werden, ist das keine Kleinigkeit und deshalb das, was bei der täglichen Sisyphosarbeit Putzerei und Aufräumerei am ehesten immer wieder aufgeschoben wird.) Und nachdem wir endlich die letzte Folge des schon vor Ostern aufgenommenen „Russland von oben“ angeguckt hatten – Ich möchte jetzt sofort in den Zug steigen und bis nach Wladiwostok fahren! – saunierten wir noch bis zur „Maus“ kurz vorm Schlafengehen in einer blitzblanken Sauna.