Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Spass mit Eisschollen

Und in Turku so?

In Turku ist der typischste Turkuer Winter seit ichweissnichtwann: es schneit, es taut, es regnet, es gibt Frost, so dass der ganze Kladderadatsch gefriert, es schneit auf die dezimeterdicke Eisschicht, es taut, es regnet… und wieder von vorn.

Ich beschwere mich nicht. Immerhin liegt in regelmässigen Abständen Schnee, und das ist mehr, als man in diesen Zeiten in unserem südwestfinnischen Zipfel erwarten kann. (Ich bin immer noch traumatisiert von dem komplett schneefreien Winter vor zwei Jahren.)

Die letzten beiden Regentage, die Stadt und Feld und Wald in eine graubraune Rutschbahn verwandelten, fielen ausgerechnet auf das letzte Wochenende. Am Samstag setzten wir keinen Fuss vor die Tür; ausser um die Kisten mit den weggepackten Weihnachtssachen in die Kammer zu tragen. Am Sonntag aber waren wir froh, dass die Eisbadesauna nach zwei Wochen coronabedingter Schliessung wieder aufhatte: die einzige Winteraktivität, die immer geht, egal, wie das Wetter ist.

Der Südwindsturm hatte die Eisschollen in die Badebucht getrieben, in kleine Teile zerbrochen und schaukelte sie dort auf und ab. Vom Steg aus konnte man deshalb keinen einzigen Zug schwimmen, sich dafür aber inmitten von Eisschollen abkühlen. Am Strand herrschte Sommerstimmung: in Zweier- oder Dreiergrüppchen liefen die Saunagänger*innen über den Sand ins Wasser. Die Herren Maus schoben die an den Strand angespülten Eisschollen wie Luftmatratzen vor sich her ins Tiefere, kletterten drauf, schaukelten ein bisschen auf den Wellen und sprangen dann zurück ins Wasser.

Das war sehr toll. Trotz Regen.


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Bei der Schneekönigin

Als wir in Lappland ankamen, schien die Sonne kroch die Sonne genau zwei Stunden am Tag am Horizont entlang: von 11:15 Uhr bis 13:15 Uhr.

Wir wussten, worauf wir uns eingelassen hatten. Im Januar 2000 waren der Ähämann und ich extra nach Inari gefahren, um zu erleben, wie das ist, wenn die Sonne den ganzen Tag nicht aufgeht. Ich weiss gar nicht mehr so recht, was wir erwartet hatten. Stockdunkle Nacht, vermutlich. Stattdessen erlebten wir, dass es unerwartet hell wird, wenn die Sonne zwar nicht aufgeht, aber knapp unterm Horizont entlangkriecht. Dass es unerwartet lange vor Sonnenauf- und lange nach Sonnenuntergang noch hell ist. Keine graue Dämmerung, sondern leuchtendes Zwielicht, das die weisse Schneelandschaft in ein rosa Zuckerwatteland unter einem babyblauen Himmel verwandelt.

Ich hatte schon ganz vergessen, wie schön dieses blaurosa Licht ist…!

Zum ersten Mal, nach all den Jahren, in denen wir mit Babys und Kleinkindern im blauen roten Mökki Winterurlaub gemacht hatten, konnten wir diesmal das wunderbare Loipennetz in der Umgebung wirklich nutzen, weil die Kinder endlich mehr als drei Kilometer schaffen. Wir glitten bei -15°C acht oder vierzehn oder achtzehn Kilometer auf perfekt gespurten Loipen durch dieses Zuckerwatteland, fernab der motorschlittenfahrenden oder schneeschuhschlurfenden Touristenhorden. (Ja, die gibt es leider auch schon wieder.) Ich konnte mich nicht entscheiden, ob das Licht zur Mittagszeit oder kurz nach Sonnenuntergang am schönsten war, und selbst die Loipenbeleuchtung, für die wir am Ende der Skitouren immer recht dankbar waren, hatte ihren ganz eigenen Zauber.

Neben den Loipen standen die Fichten in ihren Eispanzern – an einer Fichte können bis zu drei Tonnen Schnee kleben, las ich gerade – wie Stalagmiten. Oder wie verwunschene Fabelwesen: schlanke Prinzessinnen, Königinnen mit Krone auf dem Kopf, Zauberer im langen Umhang. Zu ihren Füssen spielten grossköpfige Fabeltierchen im Schnee, stand ein Weiblein mit verschränkten Armen und Hut auf dem Kopf, schlief ein Kind auf weichen Kissen.

Schon als wir vor ein paar Jahren die „Schneekönigin“ vom ZDF sahen, die ja zum Teil im finnischen Lappland gedreht ist, habe ich mich gefragt, warum in aller Welt sie das im März machen mussten, im gleissenden Sonnenlicht. Klar, vermutlich will niemand bei -20°C einen Film drehen, aber nichts hätte besser das Reich der Schneekönigin darstellen können als dieser Märchenwald in diesem blaurosa Zwielicht im Januar.

11:58 Uhr. Mittagssonne.

Nach drei Tagen wusste ich, dass ich diesen Märchenwald und dieses Licht den Rest des Winters schmerzlich vermissen würde. Den Rest diesen Winters und alle kommenden. Und so kam es, dass wir noch im blauen roten Mökki unseren nächsten Urlaub im blauen roten Mökki buchten.


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neljäsataakaksikymmentäviisi

Als wir überlegten, wohin wir heute unsere Skier lenken könnten, sah ich zufällig, dass auf dem See schon Skiloipe und Schlittschuhbahn gespurt sind.

Das stellte uns kurzzeitig vor ein Entscheidungsproblem: sollten wir die Skier nehmen? Oder doch lieber die Schlittschuhe? Wir entschieden uns angesichts des über Nacht gefallenen Neuschnees für die Skier: auf der Eisbahn würde vielleicht zuviel Schnee liegen, aber die Loipe würde in jedem Fall befahrbar sein.

Es war genau umgekehrt: die Eisbahn war schon wieder gefegt worden; die Loipe war zum grossen Unmut des kleinen Herrn Maus, der nicht so gern einfach nur einen Fuss vor den anderen schiebt, sondern lieber skatet, ziemlich verweht.

Schön war’s trotzdem. Und auf der anderen Seite des Sees gab’s sogar ein Schlittenkarusell.

Wir hatten kurz überlegt, der Bequemlichkeit wegen mit dem Auto zum See zu fahren. Aber als wir vor die Tür traten und sahen, dass noch nirgends geräumt oder gar gestreut worden war, beschlossen wir spontan, dass wir die Skier eigentlich direkt anschnallen und auf Skiern zum See und zurück fahren könnten. Das war schön. Und als wir fast wieder zu Hause waren, überholte uns noch eine 425.

Letzter Quarantänetag übrigens. Und alle gesund!
Lasst euch impfen, Leute! Ich bin mir sicher, dass wir ohne Impfung nicht so glimpflich davongekommen wären.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399, 400, 401, 402-403, 404, 405, 406-408, 409, 410-411, 412, 413, 414, 415, 416, 417, 418, 419, 420, 421, 422, 423-424]


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Weihnachtsritual, pandemiekonform

Wir haben wohl ein neues Heiligabendritual: vor der Bescherung ins Museumsdorf nebenan spazieren und die letzten Adventsfenster angucken.

Dieses Jahr war es noch schöner als letztes, weil Schnee und Raureif alles in ein Märchenland verwandelt hatten. An den Fenstern waren Eisblumen gewachsen, auf den Fensterbrettern lag Schnee, und manche Fenster mussten wir uns erstmal freitauen, um hineinschauen zu können.

(Und kein Mensch da ausser uns.)

Was für ein Glück, diese Idylle in Laufentfernung zu haben!


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Wie Glas

Der Ähämann betreibt gerade eine Eislicht-Grossproduktion.

Und manchmal, so wie vorletzte Nacht, entsteht etwas ganz besonders Hübsches dabei.

Von Iittala gibt es übrigens tatsächlich eine von Eis inspirierte Glasserie: Ultima Thule, ein echter Klassiker finnischen Designs. Die ist allerdings schmelzendem Eis nachempfunden. Das wird uns leider nächste Woche auch drohen.


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Licht ins Dunkel

Es war nicht wirklich weihnachtlich. Es hätte sicher besser in den Beginn der dunklen Jahreszeit, in den Oktober oder November, gepasst. Und Mehlbeerbäume mit um die Äste geschlungenen Lichterketten sind meiner Meinung nach keine Kunst, sondern eine Zumutung.

Aber ein Teil der Lichtkunstwerke, die dieses lange Wochenende im Turkuer Stadtzentrum zu sehen waren, waren ausnehmend schön. Und es hat ja auch seine Vorteile, für den Feiertag einen Ausflug geplant zu haben, für den man in dieser Jahreszeit nicht gleich nach dem Frühstück alles stehen und liegen lassen muss, um ihn bei Tageslicht absolvieren zu können, sondern für den es ausdrücklich dunkel sein muss.

Leider war ganz Turku mit dem Auto da, was unsäglich genervt hat, weil überall Stau, grelles Scheinwerferlicht und Abgasgestank waren. Wir fuhren mit dem Bus, was nicht nur den Vorteil hatte, dass wir nicht zum Ausganspunkt zurückmussten, sondern wir stiegen ausserdem drei Haltestellen eher aus und nahmen den schönsten Heimweg durchs Museumsdorf und den Wald. Aber das ist eine andere Geschichte.


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-15°C

Wir haben den Zeitpunkt, an dem das Eis noch so klar ist, dass man die Fische darunter schwimmen sehen kann, wieder um einen Tag verpasst.

Dass man, weil noch kein Schnee liegt, kreuz und quer über den ganzen See fahren, im Schilf Fanger spielen kann und nur um das von einer Pumpe offengehaltene Eisloch der dortigen Sauna einen grossen Bogen machen und auf die zahlreichen aufgebohrten und wieder zugefrorenen Angellöcher aufpassen muss, kommt auch nicht so oft vor.

(Und dass das schon im Dezember möglich ist, erst recht nicht.)

Wie wunderbar, diesen flachen See fast vor der Haustür zu haben!


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Déjà-vu

Juli 2020, Grönlandsee

Als ich gestern mit dem Fräulein Maus und Silja, die am selben Tag geboren ist wie Königin Silvia, auf der Frauenseite der Eisbadesauna sass und sehr erleichtert war, Silja nach fast zwei Jahren pandemiebedingter Saunapause wieder zu sehen, weil man ja in diesem Alter nie weiss, und wir uns über ihre Hunde unterhielten und von drüben aus der Männersauna das Gebrüll die lauten Stimmen durch die Wand bis zu uns drangen, tauchte plötzlich der kleine Herr Maus vor dem grossen Saunafenster auf, guckte ein bisschen suchend, lief tänzelnd auf den Strand statt auf den Steg zu und fing dann plötzlich an zu rennen: er hatte die Wellen, die der gerade eben vorbeigefahrene Tanker verursacht hatte, abgewartet, um sich juchzend in sie hineinzuwerfen. So wie vor anderthalb Jahren in die Wellen der Grönlandsee. Mit der gleichen Badehose, mit den gleichen wehenden Haaren und ebenso hochgereckten Armen. Die Wassertemperatur war sicher auch ähnlich.