Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Spätsommerradtour

Neulich haben wir unser Erdbeerbeet erneuert, und was dann jetzt noch fehlte, waren nur ein paar Pferdeäpfel. Die sollten nicht schwer zu besorgen sein, dachten wir – gibt es doch hier ganz in der Nähe eine Pferderennbahn, umgeben von jeder Menge Gestüte – und planten für dieses Wochenende eine Radtour.

Keine Radtour natürlich in die Nähe des Flughafens, ohne zum Flughafen hinzufahren und nach Flugzeugen Ausschau zu halten. Danach kamen wir an einem Feuerwehrgrosseinsatz – in der Nacht hatte ein riesiger Holzlagerplatz in haushohen Flammen gestanden, zu deren Bekämpfung bis zu 40 Feuerwehren und bis zu 100 Feuerwehrleute gleichzeitig im Einsatz gewesen waren, las ich später – vorbei. Und an Finnlands modernstem Gefängnis – was bei den Kindern die Frage nach der Ausstattung des Gefängnisses auslöste, die ich ihnen dann jetzt auch beantworten kann.

Nun sage noch einer, so eine Radtour durch die allernächste Umgebung sei langweilig…!

Es ist dann jetzt übrigens schon sehr deutlich Spätsommer. Das Getreide steht dunkelgelb – nur ein bisschen spärlicher und kürzer, aber ansonsten tapfer der diesjährigen Trockenheit trotzdend – auf den Feldern, und der erste Mähdrescher zog seine Runden. Es zog ein kalter Sturm übers Land, und ich musste am Flughafen, wo der Wind immer besonders scharf die Schaulustigen und Abholenden und Hinterherwinkenden anweht, tatsächlich was Langärmeliges überziehen: 23 Grad können sich sehr kalt und herbstlich anfühlen! Brrr!


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kolmesataakolmetoista

Mittwochmorgen sass ich von halb bis dreiviertel sieben mit dem Ähämann vorm Bahnhof im Auto, betrachtete mit Herzchenauggen eine in der Morgensonne leuchtende SR1 sowie eine Reihe russischer Kesselwagen voller Propan und Butan, und dachte, dass unser Start in den Alltag bisher eigentlich ziemlich schön vonstatten gegangen ist.

Dann schob sich der Helsinki-Pendler-Pendolino mit seinen Schwänen und Bären – die finnische Bahn hat die am schönsten lackierten Waggons der Welt: Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland! – vor die SR1, der Ähämann stieg aus und begab sich zu seinem Zug nach Tampere, ich fuhr wieder heim, wobei ich einer 313 begegnete, frühstückte, liess den noch schlafenden Herren Maus ihr Frühstück auf dem Tisch stehen und radelte zur Arbeit.

Ich hatte am Montag mit der Arbeit angefangen, die bisher aber hauptsächlich aus Möbelrücken, Ein-olles-Klassenzimmer-Schönmachen und sonstigen Vorbereitungen bestanden und nie länger als drei Stunden gedauert hat.

Der Ähämann hatte am Dienstag mit seiner Arbeit angefangen und es bis auf das sehr zeitige Aufstehen auch schön gehabt.

Die Herren Maus schliefen jeden Morgen noch, wenn ich das Haus verliess – da wir derzeit noch keine fremden Kinder zu betreuen haben, treffen wir uns lieber so zeitig wie möglich auf Arbeit, um die letzten Feriennachmittage mit unseren eigenen Kindern verbringen zu können (so läuft das hier!) – und beschäftigten sich ein paar Stunden allein oder spielten mit den Nachbarskindern oder fuhren in die Bibliothek oder kamen mir mittags mit dem Bus in die Stadt entgegen, damit wir gemeinsam mittagessen gehen konnten.

Das Fräulein Maus aber hatte es am besten getroffen: sie war am Samstag für fünf Tage zu ihrer Herzensfreundin – Alleine! Mit dem Zug! Mit Umsteigen! – nach Mittelfinnland gereist.

Mittwochabend trafen der Ähämann und das Fräulein Maus sich in Tampere auf dem Bahnhof und legten den letzten Teil der Zugfahrt gemeinsam zurück, und deshalb fuhr ich mittwochabend schon wieder mit dem Auto zum Bahnhof, nämlich um beide wieder in die Arme zu schliessen und mit Sack und Pack und vor allem des Ähämanns Fahrradhelm, den er am Vortag in Tampere im Büro liegenlassen hatte, heimzufahren.

Richtig Alltag gibt’s bei uns erst ab nächstem Mittwoch.

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Mit dem Stadtbus ins Moor

Vor etlichen Wochen, als es noch nicht zu heiss zum Wandern war, fuhren wir auf der Landstrasse nach Norden. Die Landstrasse, die auch zum Nationalpark führt, aber da wollten wir nicht hin, sondern noch ein Stück weiter. Jedenfalls bog ein paar Kilomter vorm Nationalparkparkplatz, da, wo eigentlich eine Endhaltestelle ist, ein gelber Stadtbus vor uns auf die Strasse und fuhr – sehr zu unserer Verwunderung – ebenfalls nach Norden! (Obwohl er ja eigentlich nach Süden und zurück in die Stadt hätte fahren müssen.)

Nun ist es so, dass die Gemeinde Turku eine sehr eigenartige Grenze hat: in der Mitte ist die eigentliche Stadt, im Süden gehören noch ein paar Inseln dazu, und im Norden ragt eine 20 km lange Spitze Turku ins Land. So kommt es, dass eine Stadtbuslinie schon immer sehr, sehr weit, bis fast ans Ende dieser Spitze – die Spitze selbst endet an einem Felsen im Moor – hineinfährt, aber eben leider sechs Kilometer vor dem dem Nationalpark endet.

Der gelbe Stadtbus jedenfalls fuhr sechs Kilometer lang vor uns her und bog dann auf den völlig umgestalteten Wanderparkplatz ein, und siehe da, es gab da eine Haltestelle und einen Fahrplan, der uns darüber informierte, dass man in diesem Sommer die ganzen Ferien über mit dem Bus zum Wandern fahren kann.

Es war dann ja erstmal ein paar Wochen lang viel zu heiss zum Wandern, aber als es am Wochenende zum ersten Mal ein bisschen abkühlte – aber nicht zu viel: ein Bad im umrundeten See war mehr als willkommen! – ergriffen wir die fast schon letzte Gelegenheit beim Schopf.

Voll toll, umweltfreundlich und zum Stadtbustarif ins 30 km entfernte Moor fahren zu können! Das könnten sie ruhig während des gesamten Sommerfahrplans jedes Wochenende anbieten!


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kolmesataakaksitoista

Wir haben kein Glück mit Autowerkstätten.

Vor zwei Jahren, kurz bevor wir nach Jena fuhren, zickte der Herr Picasso rum. Wir brachten ihn in die Werkstatt, die guckten ihn sich eine Stunde lang an, knöpften uns 60 € dafür ab, hatten aber keinen Fehler gefunden und demzufolge auch nichts repariert. Wir machten einen Termin in der Werkstatt in Jena, der Herr Picasso schleppte sich die 1200 km hin, in der Werkstatt hatten sie von Anfang eine Vermutung, was kaputt sein könnte, ersetzten einen Sensor durch einen neuen, und wir beschlossen, uns in Turku endlich eine neue Werkstatt zu suchen.

Neulich, kurz bevor wir nach Jena fuhren, zickte der Herr Picasso rum. Wir erwogen gar nicht erst, ihn hier in die Werkstatt zu bringen, sondern machten einen Termin in der Werkstatt in Jena, der Herr Picasso fuhr die 1200 km hin und brüllte uns nach jeder Pause an, wir hätten seine linke Vordertür nicht richtig zugemacht. In der Werkstatt guckten sie ihn sich kurz an, fanden aber keinen Fehler und reparierten demzufolge auch nichts. (Aber knöpften uns wenigstens kein Geld dafür ab.) Der Herr Picasso brüllte uns in Prag an und in der Slowakei und auf der Rückfahrt und bei jeder Fahrt zum Strand, und als er sich nicht mal mehr von aussen verriegeln liess, brachten wir ihn in die andere die Werkstatt in Turku, zu der wir inzwischen gewechselt hatten. Die stellten fest, dass da nur ein Kabel locker sei, machten das Kabel wieder fest, alles gut.

Also fast. Leider ist nämlich, wenn in dieser Werkstatt etwas repariert wurde, hinterher etwas anderes kaputt. Vor ein paar Monaten eine Zündspule. Diesmal die Klimaanlage.

(Erst klapperte und rödelte zwei Tage lang die Lüftung, so dass sie sich bisweilen anhörte wie ein Motorrad oder ein startendes Flugzeug, und als wir vorgestern vom Strand zurückkamen, machte es plötzlich „Piiiiip!“ und wurde daraufhin sehr heiss und feucht im Auto. Und wir rissen die Fenster auf und rollten gemächlich nach Hause und standen an einer Ampel neben einer 312.)

Tolles Timing…! Wir fahren dann jetzt bis Montag bei 34 Grad mit offenen Fenstern rum und halten die Wege zu den Stränden möglichst kurz.

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Ohne uns

Finnland ist heute kollektiv zurück an die Arbeit gegangen.

Wie toll dieses „Endlich wieder Alltag!“ sein soll und dass ich das unbedingt mit neuer Kleidung, neuen Rezepten, vielleicht sogar einem neuen Auto feiern soll, versucht mir die Werbung schon seit zwei, drei Wochen weiszumachen.

Ich sag mal so: der Ähämann freut sich auf seine neue Arbeit. Ich freue mich auf meine nicht mehr ganz so neue Arbeit. Ein Kind kann die Schule kaum noch erwarten, zwei Kinder werden zumindest nicht widerwillig wieder hingehen in zwei Wochen.

Aber den vielgepriesenen Alltag, der nun endlich wieder einzieht, den hat heute keiner von uns auch nur das kleinste bisschen vermisst.


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Halber Ring

30 Autos hatte der Ähämann gezählt. Wohnmobile doppelt, selbstverständlich. Könnte klappen, aber könnte knapp werden. Ganz schön klein nämlich, die „Antonia“, nur drei Autospuren, und nicht sehr lang. Bisher waren wir nie in der Hochsaison mit ihr gefahren, aber jetzt war die Warteschlange schon lange vor der ersten Abfahrt des Tages ziemlich lang. Abwarten.

12:15 Uhr sollte Abfahrt sein. 12:10 Uhr hatte sich die Warteschlange langsam in Bewegung gesetzt. 12:25 Uhr wurde das kürzeste Auto, das sich noch in der Warteschlange befand, vorgewinkt. 12:26 Uhr wurde, zwei Autos vor uns, der Schlagbaum heruntergelassen. Mist. Passen also 27 Autos auf die „Antonia“, keine 30. Nächste Abfahrt in drei Stunden. Hätten wir mal gleich nach dem Aufstehen den Herrn Picasso in die Warteschlange gestellt und das Zelt dann hinterhergetragen!

Eine Dreiviertelstunde später war die „Antonia“ immer noch nicht abgefahren. 13:05 Uhr wurden die ersten Autos rückwärts wieder runterrangiert. Motorschaden. Heute keine Abfahrten mehr. Morgen vielleicht. Nein, keine Ersatzfähre – ist die „Antonia“ ja sowieso die Fähre, die nur für die Touristen fährt und in den zwei Sommermonaten die Lücke in der Schärenringstrasse schliesst. Alle Ortschaften kann man auch ohne sie – jeweils von Norden oder Süden – erreichen.

Keine Rundfahrt diesmal also. Schade.

Sowieso hatten wir uns erst Samstagmittag entschieden, mal wieder die gesamte Schärenringstrasse mit allen acht Autofähren abzufahren. Innerhalb von anderthalb Stunden hatten wir Zelt und Klamotten ins Auto gepackt und waren losgefahren. Waren zwei Minuten lang Autofähre gefahren oder eine halbe Stunde, hatten unterwegs gebadet und gegessen und uns einen Sturm, so warm wie direkt aus der Wüste, um die Köpfe wehen lassen und uns über die von ihm aufgetürmten Wellen gefreut, und als wir am sechsten Fährhafen ankamen, schlief die „Antonia“ schon, und wir bauten auch unser Zelt auf und die Kinder bandelten mit anderen Kindern an und der Ähämann und ich tranken ein Bier und hörten der Kapelle zu, die für ein paar Tangotänzer aufspielte und erst als es ziemlich finster und wir ziemlich von Mücken zerstochen waren, krochen wir ins Zelt, und morgen würden wir die Reise fortsetzen und die nördliche Hälfte der Schärenringstrasse fahren.

Oder eben nicht. Uns traf es nicht so hart wie andere Leute – immerhin hatten wir keine Unterkunft auf der anderen Seite gebucht, und wir waren die gesamte Ringstrasse ja auch schon das eine oder andere Mal komplett gefahren. Sowieso finde ich den südlichen Teil der Ringstrasse schöner, und ausserdem fanden wir auf der Rückfahrt noch eine Badestelle mit für diesen Sommer unvorstellbar kaltem und klarem Wassesr – kein Wunder, sie liegt nämlich direkt unterhalb des Zentimeter-hoch-Bergs, und unterm Wasser geht der Berghang genauso steil weiter – für deren Entdeckung allein schon sich die ganze Fahrt gelohnt hat.

Die „Antonia“ fährt übrigens bis heute noch nicht wieder.


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kolmesataakymmenen, kolmesataayksitoista

Am Freitag fuhren wir – dafür, dass Ferien sind und wir Urlaub haben – aussergewöhnlich viel durch die Gegend.

Erst waren wir in Naantali am Strand, dann fuhren wir das Fräulein Maus zum Training ins Stadion, dann fuhren wir die Herren Maus nach Hause, dann assen wir schnell ein Eis, dann fuhren der kleine Herr Maus, der Ähämann und ich kurz ins Einkaufszentrum – wo die 310 im Parkhaus vor uns stand – dann fuhren wir das Fräulein Maus vom Stadion abholen, wobei der kleine Herr Maus bei knapp 30 Grad erst noch mehrere Runden ums Stadion raste und wir Eltern beiden Kindern beim Sportmachen zusahen und nebenher der Musik zuhörten, die von der nahegelegenen Bühne des Rockfestivals herüberschallte, dann fuhren wir heim – wobei wir an einer geparkten 311 vorbeikamen – dann packten wir schnell eine Picknicktasche mit unserem Abendbrot und fuhren zum nahegelegenen Berg, den wir immer bei derlei Gelegenheiten aufsuchen, um auf die Mondfinsternis zu warten.

Seit Wochen war der Himmel komplett wolkenlos gewesen, aber Freitagabend hatten sich natürlich im Süden zwei grosse Gewitterwolken aufgetürmt, so dass wir zwar gegen halb elf einen wunderbaren Sonnenuntergang beobachten konnten, aber keinen Mondaufgang. Und statt sich aufzulösen, breiteteten sich die Wolken immer weiter aus. Halb zwölf hatten bis auf zwanzig alle zweitausend Leute, die die gleiche Idee wie wir gehabt hatten, den Berg verlassen. Dreiviertel zwölf lugte der blassrosa Mond – ich hatte ja befürchtet, dass man bei der Helligkeit, die hier auch nach Sonnenuntergang herrscht, nicht nur keinen Blutmond, sondern überhaupt, solange er im Schatten liegt, keinen Mond sieht – für drei Minuten durch die Wolken!

Kurz nach Mitternacht fuhren wir nach Hause, halb eins erhaschten wir noch einen Blick auf einen halb beschatteten, leuchtenden Mond von der Terrasse aus. Der kleine Herr Maus schlief am nächsten Tag bis um zwölf.

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Strandtest

(22) Naantali, Kesäranta

Es gibt tatsächlich immer noch Strände – und gar nicht mal weit weg! – die wir noch nicht kennen!

Der hier ist ähnlich luxuriös wie Turkus bekanntester Badestrand: flacher Sandstrand, Liegewiese, Klettergerüste und Schaukeln, Dixiklos (was ich ja sehr viel unangenehmer finde als so ein Waldklo, wie man es an den meisten Stränden findet), Umkleidekabinen (zwei sind ein bisschen wenig), Grillplatz (selbstverständlich mit Holz), Kaffeekiosk und offensichtlich auch Sauna (die entdeckten wir erst auf dem Rückweg zum Auto). Ganz toll sind aber die beiden Stege zu beiden Seiten des Strands, von denen man springen und zwischen denen man, wenn man will, auch hin und her schwimmen kann.

Ein bisschen surreal fühlte sich das Schwimmen dort gestern allerdings an: die Ostsee, die sonst immer kalt und kälter ist, hatte Spassbadwassertemperatur, und um den Kopf wehte eine heisse Brise wie direkt aus dem Backofen.

Da der Strand direkt hinterm Golfresort liegt, hat man auf der einen Seite leider einen wenig schönen Ausblick auf die Yachten und Häuser der Reichen und Schönen; auf der anderen Seite aber schönste Landschaft, wie sie hier eben so ist.

Ich wünschte, ich hätte von diesem Strand schon gewusst, als die Mäusekinder noch müde gesonnt und gebadet werden mussten klein waren…!

[Strandtest (1), (2), (3), (4), (5), (6), (7), (8), (9), (10), (11), (12), (13), (14), (15), (16), (17), (18), (19), (20), (21)]