Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Zahnfest

Am Montag hatte der grosse Herr Maus seine Abschlussuntersuchung in der Kieferorthopädie der Lieblingszahnklinik.

In den letzten acht Jahren hat er alle Arten fester und loser Zahnspangen im Mund gehabt, die man sich nur denken kann. Zuletzt musste noch ein bleibender Backenzahn um 90 Grad gedreht werden. Zwei der ihn behandelnden Studentinnen haben in der Zeit ihre Ausbildung als Kieferorthopädin abgeschlossen. Die Zahnarzthelferin kann jetzt viel besser Finnisch als vor acht Jahren (sagt der grosse Herr Maus).

Gekostet hat uns der ganze Spass keinen Cent. Nicht, weil die Behandlung als Versuchskaninchen in der Ausbildungszahnklinik erfolgte, sondern weil Kinder hierzulande generell nichts für Arztbesuche zahlen müssen. Stattdessen gibt es recht strenge Kriterien, wann Patient*innen überhaupt zum Kieferorthopäden, zur Augenärztin oder zur Physiotherapie geschickt werden. Das ist prima, weil es so bei echtem Bedarf keine monatelangen Wartezeiten gibt, bis man einen Termin bei einem Spezialisten bekommt, und ich andererseits als Patientin oder Patientenmutter garantiert nicht darüber nachdenken muss, ob die vorgeschlagene Behandlung wirklich nötig oder nur für die involvierten Ärzte recht lukrativ ist.

Jedenfalls. Als wir am Montag ins Behandlungszimmer kamen, hatte man uns dort schon eine Tüte mit allen seinen Zahnabdrücken der letzten acht Jahre zurechtgelegt. (Erwähnte ich schon, dass ich diese Zahnklinik sehr liebe?!)

Und als der grosse Herr Maus am Abend von den Pfadfindern heimkam, gab es ein kleines Zahnfest.

Wir haben nie ein grosses Ding aus ausgefallenen Milchzähnen gemacht. (Jedes Kind hatte eine Zahndose, in der die ausgefallenen Zähne gesammelt wurden, und war jeweils sehr stolz, dass es nun schon so gross ist. Manchmal muss auch so ein Gefühl reichen.) Aber das jetzt, das war wirklich ein Grund zum Feiern.


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Gelber Sonntag, elektrisch

Es war mal wieder Zeit für einen gelben Sonntag.

Und nicht nur, dass die Elektra im Herbst eine Schwester bekommen hat – auch am Fährhafen zur überübernächsten Insel stand ganz unerwartet eine funkelnagelneue Elektrofähre; noch ohne Name und erst vor drei Tagen aus der polnischen Werft angekommen.

Und alle so schön gelb! 💛

Für insgesamt 500 Meter Autospur lohnt sich schon ein fähreneigenes Schneeräumfahrzeug. (Ausser im Januar 2023 in Südwestfinnland.)


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Lieblingskinderbuch 2022

Der kleine Herr Maus liest gern – nicht so manisch alles was ihm unter die Finger kommt wie der grosse Herr Maus, aber gern abends im Bett vorm Einschlafen; was vielleicht daher rührt, dass er und ich früher so oft Leseclub im Elternbett gemacht haben – und beauftragt mich gern mit der Beschaffung neuen Lesestoffs.

Nun ist das in unserer wunderbaren Bibliothek überhaupt kein Problem. (Wir werden es nie und nimmer schaffen, uns durch das deutschsprachige Angebot unserer Bibliothek durchzulesen; auch weil ständig neue Bücher angeschafft werden.) Aber in gleichem Masse, wie mich der hohe Anteil an Krimis in der Erwachsenenabteilung nervt, nerven mich die ganzen Harry-Potter-Abklatsche in der Kinderabteilung.

Und so habe ich mich neulich sehr gefreut, als mir eine der Neuanschaffungen ins Auge stach.

Das Buch beginnt damit, dass der Vater der drei Kinder der Familie Wolf – die elfjährige Liesl, der siebenjährige Otto und die anderthalbjährige Mia – im Oktober 1944 doch noch einberufen wird, obwohl er ein kaputtes Bein hat, seit er als kleines Kind unter ein Pferd geraten ist; und auch Herr Wagner, dem an einer Hand drei Finger fehlen, Herr Schmidt mit dem Glasauge und der erst sechzehnjährige Jakob müssen aus dem ostpreussischen Dorf an die Front. Zwei Monate später werden alle vier als vermisst gemeldet, einen weiteren Monat später marschiert die Rote Armee in Ostpreussen ein und die Familie Wolf – Grosseltern, Mutter, Kinder – versucht, über das Stille Haff nach Westen zu fliehen. Nach einem Bombenangriff auf den Flüchtlingstreck finden sich die drei Geschwister allein im Schneesturm wieder und müssen sich ab da allein durchschlagen.

Fast ein Jahr lang sind die Geschwister auf sich gestellt: sie leben in einem verlassenen Bauernhof (wo sie sich um die verlassenen Kühe kümmern und vier Kälbchengeburten miterleben), später bei russischen Soldaten (bis ihr Kommandant die kleine Mia seiner Frau nach Russland mitbringen will), den Sommer über in einer Holzhütte im Wald (zusammen mit anderen Kindern, die ohne ihre Eltern in Ostpreussen zurückgeblieben sind), und als der Herbst mit den ersten Frostnächten anbricht, versuchen sie, sich nach Litauen durchzuschlagen, weil sie gehört haben, dass es dort mehr zu essen gibt. Am Ende stehen sie vor der schweren Entscheidung, für ein Zuhause ihre Namen und ihre Sprache und damit die Hoffnung, dass ihre Mutter sie je wiederfinden könnte, aufzugeben, weil dem litauischen Ehepaar, das ihnen Ersatzeltern sein möchte, im besten Fall die Deportation nach Sibirien droht, wenn herauskommt, dass es deutsche Kinder sind, die bei ihnen untergekommen sind.

Das ist harter Stoff für ein Kinderbuch. Aber dass die Geschichte aus Liesls Sicht erzählt wird, macht sie für Kinder gut aushaltbar: Liesl beobachtet ziemlich unvoreingenommen, was um sie herum vorgeht. Nichts ist schwarz-weiss. Immer ist Hoffnung. Und oft erzählt sie so, dass der Geschichte trotz ihrer Tragik die Schwere genommen wird:

„Wir sind schon an mehreren Häusern vorbeigekommen, aber überall gab es knurrende Hunde und misstrauisch dreinblickende Bauern und handgemalte Schilder an den Toren, auf denen vielleicht „Betteln verboten“ steht oder „Wir hassen dreckige Deutsche“. Andererseits kann es auch sein, dass etwas anderes darauf steht: „Brot zu verkaufen“ oder „Hier Gratis-Schokolade“. Wir wissen es nicht, weil wir Litauisch nicht lesen können.“

Und weil es ein Kinderbuch ist, gibt es ein Happy End; aber kein kitschiges, bei dem alles gut wird, sondern eins, bei dem alles bestmöglich gut wird, das aber gleichzeitig auch ein bisschen traurig ist.

Es ist ein Buch, das man seinen Kindern ruhig zutrauen kann.

Der kleine Herr Maus und ich haben noch Wochen, nachdem wir es beide gelesen hatten, viel über das Buch geredet. Und als neulich der grosse Herr Maus mäkelte, sagte der kleine Herr Maus zu ihm: „Damals, nach dem Krieg, weisst du, da haben die Kinder rohe Schnecken gegessen, weil sie nichts anderes hatten!“ So soll ein Buch sein.

Katrina Nannestad (Text), Martina Heiduczek „(Illustration) „Wir sind Wölfe“. cbj, 2022. Gebundene Ausgabe, 352 Seiten.


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Unbekanntes Konzept

Gestern, als ich im Hort das Vesper austeilte, sagte ich: „Das ist heute hier wie im Schlaraffenland!“

Dann passierte mir, was neuerdings nur noch selten vorkommt: ich konnte das nicht übersetzen.

Ich fragte daraufhin drei verschiedene zweisprachige Hortkinder, wie denn das Schlaraffenland auf Finnisch hiesse. Sie zuckten mit den Schultern. Die beste Chefin gar hatte noch nie vom Schlaraffenland gehört.

„Wie?! Ihr kennt das Märchen vom Schlaraffenland nicht?!“

Tja nun. Eigentlich hätte ich es mir auch gleich denken können, dass das in Finnland nicht erzählt wird.


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Paar mehr Tasten

Neulich, ich glaube, nach dem Weihnachtsgottesdienst, fragte der kleine Herr Maus: „Kann ich eigentlich auch mal Orgel spielen?“

Vor zehn Jahren waren wir mal zu einer Orgelvorführung in Turkus zweitgrösster Kirche, bei der man nach einem kurzen Konzert nicht nur erklärt bekam, wie eine Orgel funktioniert, sondern die Orgel auch von innen angucken und sie sogar ausprobieren durfte.

„Da könnten wir mal wieder hingehen“, antwortete ich dem kleinen Herrn Maus.

Und als ich letztes Wochenende am Samstag in den Veranstaltungskalender der Stadt Turku guckte, um den letzten Ferientag eventuell mit etwas anderem als „Wir gucken uns das Mistwetter von drinnen aus an“ zu füllen, fand passenderweise gleich am Sonntag so eine Orgelvorführung statt.

Ich weiss auch nicht, warum wir so lange nicht mehr da waren, denn allein für das kleine Konzert am Anfang lohnt es sich.

Der Kantor sucht dafür immer drei, vier eher moderne, eher wohlklingende kurze Stücke aus, die die vielfältigen Möglichkeiten, die so eine grosse Orgel bietet, tatsächlich auch hören lassen. (Hier kann man einen Eindruck davon bekommen, was er so spielt. Und ja, da sind Eisenbahnvideos zwischendrin, denn, wir wussten das schon, er ist Finnlands einziger Kantor, der sowohl Orgel spielen als auch Dampflok fahren kann.) Diesmal hat mir eine moderne Version von Freude schöner Götterfunken am besten gefallen.

Und wann hat man schon mal die Gelegenheit, in eine Orgel reinzugehen und sich auch die allerkleinsten Pfeifen – die kleinste gerade mal einen Zentimeter lang – und die allergrössten – nicht etwa die, die vorne zu sehen sind, sondern die, die hinter der Orgel an der Wand befestigt sind wie zu einer Tuba gewickelte Regenrohre – anzugucken?

Ausserdem gefällt mir die Mikaelinkirkko von Mal zu Mal – seit das Fräulein Maus auf die Musikklasse geht, finden dort zum Beispiel auch die Weihnachtskonzerte ihrer Schule statt – besser: Diese gemalten, geschnitzten und in Stein gehauenen Ornamente überall! Diese aussergewöhnlichen Lampen! Und natürlich, ein Votivschiff hängt da auch!

Als dann am Ende der Orgelvorführung die Hälfte der Besucher*innen mal zum Probieren ein paar Tasten gedrückt hatte, sah der kleine Herr Maus seine Gelegenheit gekommen.

(Dass der Kantor kurz vorher auf die Frage eines Besuchers, ob man denn auch dies oder jenes auf der Orgel spielen könne, geantwortet hatte: „Das hängt einzig und allein vom Können des Organisten ab. Man kann sogar Rockmusik auf der Orgel spielen“, hat sicher nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass der kleine Herr Maus, der sich nicht sicher war, ob er sich wirklich trauen würde und was er eigentlich spielen solle, sich dazu ermutigt fühlte.)

Er lehnte sich über die Orgelbank und begann sein derzeitiges Lieblingsstück zu spielen, der Kantor zog ihm ein paar passende Register, dann noch ein paar andere, und als der kleine Herr Maus das Stück zu Ende gespielt hatte, zog er seine dicken Winterstiefel aus, kletterte auf die Orgelbank und spielte beim nächsten Stück die linke Hand – wenn schon Orgel spielen, dann richtig! – mit den Füssen. („Das ist doch nicht schwierig, Mama! Das ist doch eine ganz normale Klaviertastatur!“)

Das war dann wohl sein schönstes Ferienerlebnis.
(Meins vielleicht auch.)


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Zwischen den Jahren (2)

Plan B.

Eigentlich wollten wir ja dieses Jahr über Silvester wieder ins blaue rote Mökki fahren, weil es letztes Jahr um die Zeit in Lappland so traumhaft schön war. Leider ist das blaue rote Mökki vermutlich schon wieder abgebrannt, und als man uns im Februar mitteilte, dass wir nicht ins blaue rote Mökki fahren könnten, war für Silvester schon nichts anderes mehr zu einem halbwegs akzeptablen Preis buchbar.

Und naja. Fuhren wir eben statt nach Lappland nach Tallinn. Da ist auch das Essen besser.

Weil wir, als wir Plan B fassten, noch damit rechneten, dass Václav nicht vor nächstem Sommer bei uns eintreffen würde, beschlossen wir ausserdem, die Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten. (Die Ticketpreise der finnischen Bahn und die Benzinpreise hierzulande sind im Moment so, dass es tatsächlich sogar für fünf Personen billiger ist, mit dem Zug statt dem eigenen Auto zu fahren. Das kann bittedanke so bleiben.) Ohne Auto kann man zwar keine Grosseinkäufe machen, aber mit dem Zug zu reisen ist auf jeden Fall angenehmer. Gerade die Autobahn nach Helsinki hängt mir echt zum Hals raus.

Und das neue Fährterminal im Helsinkier Westhafen ist auch viel angenehmer zum Warten als das eigene Auto.

Im Tallinner Hafen liegt die „Isabella“, die Zwillingsschwester der „Amorella“, die lange Zeit zwischen Turku und Stockholm fuhr und jetzt schon seit einem Dreivierteljahr bis zu 1800 ukrainische Geflüchtete beherbergt.

Neulich las ich, dass das kleine Estland sehr schnell sehr viele Möglichkeiten geschaffen hat, um aus der Ukraine Geflüchtete aufzunehmen, aber wenig Möglichkeiten hat, sie dauerhaft aufzunehmen und zu integrieren, weswegen jetzt Finnland Hilfe angeboten hat, aber noch unklar ist, wieviele der Geflüchteten willens sind, nochmal in ein anderes Land umzuziehen (zumal eins, das kulturell nochmal zwei Welten von ihrem eigenen entfernt ist). Man kann es sich nicht ausdenken.

Ukraine.

Generell scheint die Solidarität mit der Ukraine umso stärker zu sein, je mehr sich ein Land historisch mit der Situation dort identifizieren kann.

Sehr schön ist das zum Beispiel an der Menge an Protestplakaten und Ähnlichem vor russischen Botschaften zu sehen: allein vorm russischen Generalkonsulat in Turku gibt es mehr davon als vor der russischen Botschaft in Berlin, und in Tallinn war die ganze Strasse vor der russischen Botschaft voller Plakate, Kerzen, Stofftiere, Flaggen und Blumen.

Sogar das estnische Regierungsgebäude (!) war blaugelb angestrahlt.

Hansehäuser und Pflastersteine.

Im Osten ist mehr Glitter.

Museumsliebe.

Passenderweise kam auch in Tallinn am Tag vor Silvester die Warmfront mit Sturm, Regen und Tauwetter, und wir verbrachten Stunden in Museen.

Zuerst im Strommuseum, wohin die Kinder seit Jahren gewollt hatten. Es befindet sich in einem ehemaligen Elektrizitätswerk, und man kann da sehr viele alte Generatoren angucken und alles mögliche (auch Dinge, die nichts unbedingt mit Elektrizität zu tun haben) ausprobieren. Sehr nett, aber ich hätte mir, wie das sonst eigentlich in estnischen Museen üblich ist, bessere Erklärungen zu den einzelnen Exponaten und Versuchen gewünscht.

Silvester begannen wir im Seefahrtsmuseum. Allein schon die Ausstellungshalle – der Hangar eines ehemaligen Wasserflugzeughafens – ist super beeindruckend.

Neben Bojen und anderen Seezeichen, historischen Booten, einer kleinen Sonderausstellung über die Herstellung von Schiffsmodellen und einer über die Tragödie von Juminda – seit wir das Baltikum bereisen, habe ich das Gefühl, Geschichte noch einmal völlig neu lernen zu müssen – sowie vielen Stationen, an denen man selbst etwas ausprobieren kann, ist dort auch ein echtes U-Boot ausgestellt.

Nun ist ein U-Boot so ziemlich das Gruseligste, das ich mir vorstellen kann, und es hat mich wirklich Überwindung gekostet, durch die enge Torpedoluke in die „Lembit“ hineinzuklettern, aber es war auch wirklich beeindruckend.

Leider war das der Tag, an dem ich befürchtete, mal wieder mit E111 ein estnisches Krankenhaus aufsuchen zu müssen.  Ich war nicht nur immer noch fürchterlich kaputt, sondern mir tat von den Zähnen über die Wangenknochen bis zur Stirn alles verdächtig weh – die Silvestersauna mit viel Dampf hat’s dann aber offensichtlich gerichtet – so dass ich es zum Schluss gerade noch geschafft habe, mich einmal durch alle Räume des historischen Eisbrechers, der draussen vor dem Museum im Hafen liegt, zu schleppen, bevor ich wirklich nicht mehr konnte.

(Man hätte sicher noch ein, zwei Stunden mehr dort zubringen können.)

Ferienwohnung mit Aussicht.

Ferienwohnung mit Aussicht (2).

Neujahrsspaziergang.

Unser Neujahrsspaziergang führte uns von der Linnahall, einem dieser grössenwahnsinnigen sozialistischen Prestigeobjekte, die jetzt vor sich hinrotten, durch den Hafen und über die in den letzten Jahren sehr hübsch gestaltete Strandpromenade, die wir bisher immer nur vom Auto aus bewundert haben, bis zum Strand auf der anderen Seite der Hafenbucht.

Perfektes Timing.

Während wir wegwaren, waren hier 6 Grad (plus!) und Regen. Als wir am Abend des 2. Januar wieder in Turku eintrafen – und Gott sei Dank noch fast eine Woche Ferien vor uns hatten! – schaukelten riesige Schneeflocken vom Himmel.


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Zwischen den Jahren

Der Weihnachtswunder-Schnee sah zwar sehr idyllisch aus, war aber nicht der geeignetste zum Skifahren: insgesamt zu wenig und auch ein bisschen zu harschig, nachdem es an Heiligabend kalt geworden und der ganze recht nass heruntergekommene Schnee gefroren war.

Und so konnten wir wieder keine Skitour neben der nächsten Kleinstadt, durchs Moor oder rund um den Flughafen machen.

Aber Klein-Lappland ist ja immer eine sichere Wahl. Vor allem dann, wenn schon wieder die nächste Warmfront über die Ostsee herangezogen kommt.

Und auch, wenn es halb vier schon wieder stockdunkel ist.

Das war ein sehr schöner zweiter Weihnachtsfeiertag.
(Mal abgesehen von der Tatsache, dass sich zwei Familienmitglieder während der Skitour erneut die Seele aus dem Leib husteten…)


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2022

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Abgesehen von der Weltpolitik: acht.

2. Zugenommen oder abgenommen?
In den letzten vier Wochen wegen aller möglichen Seuchen, wegen denen ich keinerlei Appetit hatte, definitiv abgenommen. Ansonsten kann ich mich nicht erinnern, wann ich zuletzt auf einer Waage gestanden hätte; aber solange mir die Klamotten, die ich seit Jahren trage, gut passen, muss ich mir wohl keine Gedanken machen.

3. Haare länger oder kürzer?
Gleich lang, aber grauer.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Vermutlich wieder bisschen weitsichtiger, aber nicht so schlimm, dass ich schon wieder eine neue Brille bräuchte.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Die gross angekündigte Gehaltserhöhung im August waren immerhin 30 Euro netto. Aber von „mehr“ kann man angesichts der derzeitigen Inflation wirklich nicht sprechen.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Den selben. Aber eigentlich besser, weil die Hortgruppe dieses Jahr ausgesprochen nett ist und die Stundenpläne ziemlich entspannt sind.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr für Reisen. Weniger für Essen und Essengehen. Und naja, wir haben ein Elektroauto gekauft.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Theoretisch eine Freifahrt nach Hamburg für die nächsten Ferien oder so. (Praktisch sehe ich noch nicht, dass sich da in absehbarer Zeit irgendwas tun wird.)

9. Mehr bewegt oder weniger?
Vermutlich bisschen mehr, da ich an drei von fünf Arbeitstagen zweimal und an einem sogar dreimal hintereinander Hortkinder abholen gehe. Und im Sommerurlaub endlich wieder in den Bergen gewesen.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Die übliche Kurz-vor-Sommerferien-Flunssa Ende Mai. Anfang Oktober Corona. Und von Ende Oktober bis Weihnachten nahezu durchgängig irgendwelchen Mist, den jeweils eins der Kinder angeschleppt und den Rest der Familie damit angesteckt hat.

11. Davon war für dich die Schlimmste?
Corona war es jedenfalls dank Impfung nicht. Viel schlimmer war die Spirale aus halbauskurierten Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen, in die wir Ende Oktober geraten sind und in der zumindest ich mich derzeit, obwohl ich grosse Hoffnungen in die arbeits- und schulfreien Weihnachtsferien gesetzt hatte, immer noch befinde. Am schlimmsten, weil langwierigsten, war aber mein ausgeleierter rechter Fuss, der ab März monatelang geschmerzt hat. Dass ich innerhalb einer halben Woche, nachdem ich endlich zum Arzt gehumpelt bin (und vom privaten Arbeitsarzt erstmal komplett falsch diagnostiziert und behandelt worden bin) Einlagen bekommen habe, hat mir zwar den Sommerurlaub gerettet, aber dass es noch Monate dauern würde, bis die Schmerzen wieder komplett weg wären, hätte mir ruhig mal jemand sagen können.

12. Der hirnrissigste Plan?
Hirnrissig nicht, aber zu spät: mit dem Zug nach Kiew und nach St. Petersburg zu fahren.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Unsere in Finnland aufgewachsenen Kinder behaupten: den Ostrý Roháč zu besteigen.

14. Die teuerste Anschaffung?
Der rote Václav.

15. Das leckerste Essen?
Wir waren zehn Tage im Schlaraffenland in der Slowakei. Und der Pfannkuchen mit Heringssalatfüllung letzte Woche in Tallinn war auch ausgesprochen lecker.

16. Das beeindruckendste Buch?
„Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam“.
Und „Wir sind Wölfe“ haben der kleine Herr Maus und ich beide sehr gern gelesen. (Dazu schreib‘ ich vielleicht demnächst noch was.)

17. Der ergreifendste Film?
Obwohl ich nicht so auf Trickfilme stehe: „Fritzi war dabei“, weil er die Stimmung damals ganz wunderbar eingefangen hat. Und „Master Cheng in Pohjanjoki“ war auch sehr schön.

18. Die beste CD?
Die Weihnachtsschallplatte mit den Hochsommererinnerungen macht mir immer noch Gänsehaut beim Anhören.

19. Das schönste Konzert?
Das Frühlings- und das Weihnachtskonzert der Schule des Fräulein Maus, sehr professionell und im grössten und modernsten Veranstaltungssaal der Stadt. Und das Harfenmärchen. Und dann war natürlich auch Musiklager. Und das Konzert des Orchesters aus 40 Gitarren, zu dem der gitarrespielende ehemals beste Schulfreund des kleinen Herrn Maus eingeladen hatte, war das Beste, was wir jemals am Konservatorium gehört haben. (Ja, das war jetzt ein bisschen schwer, sich für eins zu entscheiden.)

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Kindern.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ähämann und den Mäusekindern auf Reisen.

22. Zum ersten Mal getan?
Ein Schiff begrüsst.
In Tartu gewesen.
Einmal zwei Tage und einmal eine ganze Woche wegen Lehrer*innenstreik frei gehabt.
Endlich die Rendsburger Hochbrücke samt Eisenbahnschleife und Schwebefähre besucht.
Auf Hiumaa mit seinen tollen Leuchttürmen gewesen.
Corona gehabt.
Eine sehr tolle Reise mit dem Zug durch halb Europa gemacht.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
„Schlafzug“ gefahren, in Lappland gewesen und ein Nach-der-Sauna-Familienfoto gemacht.
Friedenstauben gebastelt.
Einem Kind eine Geburtstagsparty ausgerichtet.
Ein Buch gekauft.
In Bielefeld gewesen.
Die Kammtour im Roháče gewandert.
Den Heimweg aus Mitteleuropa durch Polen und das Baltikum genommen.
Die deutsche Freundin aus meinem allerersten Finnischkurs getroffen.
In Venedig und Berlin gewesen.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Auf den völlig absurden Krieg in der Ukraine.
Auf die Immer-noch-Baustelle im Stadtzentrum.
Auf den kaputten Fuss und auf das Dauerkranksein im November und Dezember.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich vermute mal, das war Strom-, Wasser- und Heizungsparen auf Arbeit, aber ach…!

26. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Da ich seit etlichen Jahren eigentlich nur noch Kleider und Röcke trage, habe ich mich sehr über die beiden bunten Kleider aus Nigeria gefreut, die mir der Ähämann zum Geburtstag und zu Weihnachten geschenkt hat.

27. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Der verblüffendste Satz jedenfalls war: „Unser Auto ist da!“

28. Dein Wort des Jahres?
Zugfahren.

29. Dein Unwort des Jahres?
„Spezialoperation.“

30. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Man muss ja froh sein um jede*n, der/die überhaupt noch bloggt.

31. Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Frieden. Und dass der kleine Herr Maus den sehnlichst gewünschten Platz in der Musikklasse bekommt.

[2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021]