Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


3 Kommentare

Von 3 auf 27 in zwei Tagen

Letzten Freitag ist der Sommer ausgebrochen.

Nachmittags entledigen wir uns alle nach und nach unserer Schuhe. Das Gras ist noch eher herbstlich verdorrt als frühlingsgrün, aber der erste Löwenzahn blüht schon, und wir, wir laufen barfuss! Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Abends hat das Fräulein Maus Abschlusskonzert in der Musikschule. Es dauert keine halbe Stunde, und die Harfenlehrerin entlässt alle mit den Worten: „Und jetzt habt ihr euch alle ein Eis verdient!“ in den Sommer. „Kriegen wir wirklich ein Eis?“ hüpfen drei Kinder um mich herum, und eins hat ausserdem einen dringenden Herzenswunsch: „Ich würde so gerne Elektroföri fahren…!“ Wir fahren also mit der Föri auf die andere Flussseite, kaufen viermal Eis im Supermarkt und fahren anschliessend, bis das Eis aufgegessen ist, dreimal mit der Föri hin und her. Sie ist bei jeder Fahrt brechend voll. Die Leute tragen alle Sonnenbrillen und sommerliche Kleidung. (Viele auch Bierdosen.) Die Restaurantboote und Bars an beiden Ufern sind gut besucht, von einem der Restaurantboote schallt Livemusik weit über den Fluss. Motorboote pflügen durch den Aurajoki, auf den Uferstrassen sind erstaunlich viele Oldtimer und Motorräder unterwegs. Es fühlt sich an wie ein Sommerabend im Juli. (Man kann ja nicht wissen, ob es vielleicht der einzige Sommertag des Jahres bleibt.) Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Als wir heimkommen, wechsele ich schnell die Federbetten gegen dünne Sommerdecken. „Dürfen wir kurze Schlafanzüge anziehen?“, fragen drei Kinder erwartungsvoll und hüpfen vor Freude, weil sie dürfen. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Am Wochenende muss das Fräulein Maus bei einem von ihrem Sportverein organisierten Laufevent helfen, der kleine Herr Maus hat ein Fussballturnier und der grosse Herr Maus macht mit den Pfadfindern eine Radtour. (Es ist übrigens das erste Fussballturnier, bei dem ich nicht erbärmlich friere.) Sobald sie jedoch nach Hause kommen, schleudern sie die Schuhe von den Füssen, schlüpfen in Badesachen und liefern sich stundenlange Wasserschlachten mit den Nachbarskindern. Ich hänge mehrere Mount Evereste Wäsche nach draussen. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Die Bäume werden grün und grüner, die Tulpen blühen für zwei Tage, die ausgesäten Radieschen, Möhren und Erbsen wagen sich endlich aus der Erde heraus, am Himmel hängen nur ein paar Schönwetterwölkchen, und das Wasser aus allen drei Regentonnen ist schon wieder aufgebraucht. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

So ist das mit dem finnischen Sommer.
(Bis zur nächsten Kaltfront.)


5 Kommentare

Muttertag

Bei IKEA waren ausser mir noch fünf andere Leute.

Im Gartenmarkt herrschte Hochbetrieb. Keiner kaufte jedoch Tomatensetzlinge oder Radieschensamen – Hortensien und Rosenstöckchen in Geschenktöpfen waren der Verkaufsschlager des Tages.

Im Supermarkt warb auch zum Feiertag eine Mobilfunkgesellschaft beflissen um Kunden. Ein Mann – eine Erdbeertorte im Karton balancierend – trat interessiert ein paar Schritte näher, woraufhin seine Frau – einen Rosenstrauss im Arm – nervös ausrief: „Wir müssten schon längst da sein! Jetzt komm doch schon! Wir sind sowieso schon viel zu spät! Hörst du?!“

Unter den Turneltern hatte es fast Meuterei gegeben: Training? Am Muttertag?! Also wir müssen heute zu meiner Schwiegermutter und zu drei Omas, da kann mein Kind nicht kommen! Eins der Turnmädchen wurde eher abgeholt und mit quietschenden Reifen davongefahren.

Der Inder teilte am Telefon bedauernd mit: „In ungefähr 50 Minuten könnt ihr das Essen abholen. Tut mir leid, aber wir haben heute echt viel zu tun.“ Und tatsächlich, jeder Platz belegt, mit herausgeputzten Kleinkindern, gelangweilten Teenagern, Männern im Anzug und aufgedonnerten Müttern, die wahrscheinlich schon wieder darüber nachdachten, was sie dann um fünf wohl für ihre Familie kochen sollen.

Mein Muttertag: alleine (!) in Ruhe (!) den Gartenmarkt leergekauft. Den Rest des Tages in der Erde gewühlt und mir die Sonne auf die Nase scheinen lassen.

Was hab‘ ich’s gut!


Hinterlasse einen Kommentar

kaksisataakuusikymmentäkuusi

Heute befand sich offenbar ganz Turku samt umliegender Kleinstädte auf den Strassen. Blechlawinen in alle Richtungen.

Leider trugen auch wir dazu bei, denn das Fräulein Maus trat bei der Frühlingsshow ihres Sportvereins auf, die, weil die wirklich schöne und geeignete Halle in Turku nun auch noch zu so einem unsäglichen Indoor-Spielplatz umgebaut wurde, in der benachbarten Kleinstadt stattfinden musste.

Die Hinfahrt dauerte ob des Verkehrsaufkommens so lange, dass wir fast zu spät gekommen wären. Auf der Rückfahrt wälzte sich uns unter Anderem eine 266 entgegen.

Ausserdem waren überdurchschnittlich viele Rettungs- und Polizeifahrzeuge unterwegs. Wahrscheinlich sind den Leuten die Sonne und die sensationellen 13 Grad zu Kopfe gestiegen…

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265]


2 Kommentare

Maigeburtstag bei Kältewelle

Normalerweise bekommt bei uns das Fräulein Maus den ersten Tulpenstrauss des Jahres zum Geburtstag, der grosse Herr Maus den ersten selbstgepflückten Buschwindröschenstrauss, der kleine Herr Maus irgendeinen orangelastigen (Halloween!) und der Ähämann irgendeinen blau-weissen (Unabhängigkeitstag!) Blumenstrauss.

Dieses Jahr allerdings musste ich sogar dem grossen Herrn Maus seinen Geburtstagsstrauss kaufen, denn die Buschwindröschen hocken noch fröstelnd unter der Erde.

Zum Glück hatte er sich auch vor Monaten schon gewünscht, dieses Jahr zu seinem Geburtstag irgendwohin zu gehen, wo man klettern kann. (Und zum Glück gibt es da seit Neuestem diesen wirklich tollen Kletterplatz in Turku!) Denn Geburtstagsfeier im Garten wäre diesmal wirklich nicht drin gewesen.

(Immerhin: Es hat den ganzen Tag nicht geschneit! Die Sonne schien und die Temperaturen kletterten auf sensationelle 6 Grad plus!)


Hinterlasse einen Kommentar

Minikreuzfahrt, umweltfreundlich

Mal davon abgesehen, dass ich heute früh kurz darüber nachdenken musste, das Winterfahrrad mit den Spikereifen nochmal von der Schuppenwand runterzuhieven, weil der Schnee von gestern tatsächlich liegengeblieben war und mit dem morgendlichen Raureif um die Wette glitzerte und die Strassen bei – 2 Grad tatsächlich stellenweise überfroren waren, war ich ganz froh, dass ich heute Vormittag einen Termin auf dem Arbeitsamt hatte – vielleicht gehe ich bald Mercedesse zusammenschrauben, jeee! – denn das gab mir endlich mal wieder einen Anlass, mit der geliebten Föri über den Fluss zu fahren.

Völlig lautlos zog sie heute über den spiegelblanken Aurajoki – denn seit letztem Wochenende fährt sie mit Strom.

(War sogar BBC eine Meldung wert.)


3 Kommentare

Schnee an Frühblühern

Der kleine Herr Maus war ja gleich dagegen.

„Tulpen im Schnee?! Was ist denn das für ein Quatsch?! Das ist doch kein Frühlingsbild!“, protestierte er, als ich kurz vor Ostern meine Lieblingswinterpostkarten gegen meine Lieblingsfrühlingspostkarten tauschte.

Ich mag diese Postkarte aber. So ist der finnische Frühling nun mal. Oft jedenfalls. Also im April.

Jetzt aber haben wir Mai.

Ich tausche das Bild jetzt sofort um. Gegen eine Sommerpostkarte!

(Heute vor einem Jahr war T-Shirt-Wetter. Ich kann’s beweisen!)


12 Kommentare

Flohzirkus auf Reisen

Man könnte sein Kind auch einfach früh am Bus abliefern und abends wieder abholen. Aber das Fräulein Maus freut sich immer, wenn einer zugucken kommt. Und der Ähämann und ich gucken dem Flohzirkus echt gerne zu.

Untitled

.
Nicht nur den zweieinhalb Minuten Auftritt.

Auch, wie sie sich früh (6:15 Uhr!) alle fröhlich am Bus begrüssen, ihre Kissen und Decken zurechtrücken und brav die Augen zukneifen, sie aber augenblicklich aufreissen, sobald die erste Stunde Fahrt vorbei ist und gegessen, geredet oder das Handy herausgeholt werden darf und die ersten frisiert werden, wie sie mit ihrem Artistengepäck in den viel zu kleinen Umkleidekabinen verschwinden, sich dann brav auf der Tribüne zum Frisieren und Schminken anstellen, eine nebenher immer ein Rad schlägt, eine verträumt in die Gegend guckt und eine das Maskottchen in die Luft wirft, wie sie sich aufwärmen gehen und wieder und wieder den Auftritt proben – wenn kein Platz ist, dann auch gern mal nur mit laufender Musik und geschlossenen Augen auf einer Bank sitzend – wie sie dann plötzlich glitzernd in ihren Auftrittsanzügen auftauchen und erwartungsvoll herumzappeln, wie sie, wenn sie fast dran sind, schon mal durch den Vorhang linsen, wie sie hinterher erleichtert lächeln, fürs Medaillenfoto posieren, eine ein Rad schlägt, eine auf dem Kopf steht, eine am Tribünengeländer abwesend Ballettfiguren ausführt und eine ein Babygläschen auslöffelt, und wie sie sich hinterher im Bus aus Decken und Jacken Höhlen bauen, in denen gemalt, gegessen, ins Handy geguckt, Musik gehört, sehr selten geschlafen und immer gegiggelt wird.

(Für die des Finnischen mächtigen Leser: ein sehr schöner Zeitungsartikel, der die Stimmung auf so einem Turnwettkampf ganz wunderbar einfängt.)