Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kolmesataakaksikymmentä

„Das war die schönste Schwimmhalle, in der ich je war!“, seufzte eins der Kinder hinterher, und zwei stimmten ein. Und wir Eltern waren eigentlich auch versucht, dem zuzustimmen.

In Finnland ist es ja mit Spassbädern nicht weit her. Und unsere zwei oder drei Versuche, irgendwelche regnerischen Urlaubstage in Deutschland mit einem Schwimmbadbesuch zu verschönern, sind bisher auch allesamt eher skurril gewesen.

Meist scheitert das Vergnügen daran, dass wir alle nach einer halben Stunde vor Kälte zittern, weil es keine Sauna gibt (oder nur zu horrenden Zusatzpreisen). Einmal fuhren wir von Jena aus ins nahegelegene Spassbad mit angeschlossenem „Saunadorf“. Die Frage, ob wir uns den Eintritt fürs Saunadorf leisten wollten oder nicht, erübrigte sich, als man uns an der Kasse erklärte, man könne heute nur Eintritt für Schwimmbad und Sauna kaufen, und ach übrigens, es sei dann heute Nacktbadetag.

Äh. Ja. Was mich an deutschen Bädern ja am meisten irritiert, ist, dass man sich offensichtlich noch nicht mal unter Frauen in der Umkleidekabine nackt zeigt, sondern sich zum Umziehen in so ein Kabuff quetscht, und als logische Folge die meisten dann auch nur mit Badeanzug unter die Dusche gehen – aber in die Sauna geht man ganz selbstverständlich nackt, obwohl da dann sogar Männer dabei sind.

Kleiner Exkurs: in finnischen Schwimmhallen zieht man sich einfach vor seinem Spind aus und geht selbstverständlich nackt duschen. (Falls jemandem das aus welchen Gründen auch immer unangenehm ist, gibt es ein, zwei Umkleidekabinen und ein, zwei Duschen mit Duschvorhang.) Ausser Duschen gibt es in jeder finnischen Schwimmhalle eine Sauna (zum Aufwärmen vor, zwischen und/oder nach dem Schwimmen) zwischen Umkleideraum und Schwimmbecken, logischerweise genauso wie Umkleiden und Duschen nach Männlein oder Weiblein getrennt. Überhaupt wird in Finnland eher getrennt sauniert: ist man irgendwo in die Sauna eingeladen, wird üblicherweise gefragt, ob man mit seiner Familie gehen möchte oder erst alle Frauen und danach alle Männer gemeinsam, und natürlich entscheidet man sich dann meist für letztere Variante, weil man ja Zeit mit seinem Besuch verbringen möchte. Unter engeren Freunden gehen wir auch alle gemeinsam; ebenso auf der mittelfinnischen Forschungsstation, wenn wir um zehn vom allabendlichen Mäusefangen wiederkamen und jemand netterweise so lange Holz nachgelegt hatte, dass wir auch noch eine heisse Sauna geniessen konnten, da ging einfach, wer noch eine Sauna nötig hatte, oder wenn ich mit meinen Bootfahrern irgendwo draussen doch mal die Gelegenheit hatte, eine Sauna zu benutzen, dann gingen wir auch lieber gleich gemeinsam. In der Eisbadesauna wird auch gemeinsam sauniert, da aber sowieso gleich mit Badesachen.

Nacktbadetag also. Immerhin gab es eine Sauna zum Aufwärmen. Unvergessen allerdings – der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich waren auch zu Studienzeiten öfter dort – wie dort einmal ein Angestellter mit Glocke herumging und wie ein Marktschreier „Spezialaufguss! Spezialaufguss!“ brüllte und sich daraufhin die grösste Sauna mit 60 Menschen füllte und ich mir immer nur vorstellte, wie die da dann drinnen hocken und wenn es ihnen zu viel wird, dann können sie nicht raus, weil sie in der hintersten von zehn Reihen sitzen und weil sie hinterher gelyncht würden, würden sie mitten im Spezialaufguss die Tür aufreissen, um die Sauna zu verlassen. Oder der dicke, schwitzende Mann, der sich in der Sauna, über deren Tür „Finnische Sauna“ stand, mit dem zur Dekoration im Vorraum aufgestellten Birkenbüschel, das schon längst keine Blätter mehr, geschweige denn frische, die so gut riechen in der Sauna, besass, sondern nur noch aus harten Zweigen bestand, schlug und dabei Anerkennung heischend die Mitsaunierenden ansah: seht her, ich weiss, wie man das macht, in Finnland in der Sauna! Einen Eimer zum Aufguss machen gab es in der „Finnischen Sauna“ übrigens nicht. Der wurde einmal in der Stunde von einem Handtuch und Zähnen – denn der Saunaangestellte war ein Farbiger, von dem ausser den Zähnen und dem um die Hüften gesschlungenen Handtuch in der Dunkelheit nichts zu erkennen war – hereingetragen und zeremoniell über dem, natürlich – Brandschutz, Leute! – elektrischen, Saunaofen ausgeleert und handtuchschwenkend im Raum verteilt. Ich sagte schon, dass unsere Erfahrungen mit deutschen Spassbädern bisher eher skurril waren?!

Jetzt also Estland. Das Spassbad gehört zu einem Hotel, das in der Herbstferienwoche vermutlich zu 90% von Finnen belegt war, denn allüberall hörte man Finnisch, und auf dem Parkplatz stand sogar eine finnische 320. Wir hatten es zufällig entdeckt, und die Kinder hatten vorsichtig gefragt, ob wir denn da mal hingehen könnten, und waren dann vor Freude im Kreis gehüpft, als wir sagten, klar, warum nicht, denn sie dachten, sie müssten in Estland immer nur wandern, hihi. Das Beste am Spassbad ist, dass es mindestens sechs verschiedene lange und sehr lange Rutschen hat. Wir waren an der Kasse ein bisschen irritiert, dass man die Sauna extra bezahlen sollte, weil ich eigentlich angenommen hatte, dass in estnischen Schwimmhallen Sauna genauso dazugehört wie in finnischen. So war es auch – ausser dass sie knallheiss war, aber auch das wusste ich eigentlich schon, dass Sauna in Estland heisser ist als in Finnland, während sich die Finnen immer über die lauwarme schwedische Sauna lustigmachen; es scheint da also einen West-Ost-Gradient zu geben – die Sauna, die man extra bezahlen musste, war ein extra Bereich mit lauter besonderen Saunas. Ähnlich dem Saunadorf in oben beschriebenem thüringischem Spassbad, aber… viel entspannter. Die Kinder wollten ja erst gar nicht mitkommen, sondern lieber bei den Rutschen bleiben – tatsächlich schwärmen sie jetzt aber immer noch davon, wie toll die Saunas dort waren! Man ging da einfach wie in unserer Eisbadesauna mit Badesachen rein. Es gab selbstverständlich Eimer zum Aufgussmachen und selbstverständlich keine Sanduhren. Es gab eine Salz-Dampfsauna, da lag ein Haufen Salz und ein Schäufelchen dazu, und man konnte sich – wozu auch immer das gut sein soll – mit dem Salz einreiben und es dann später noch in der Sauna mit einer Regendusche wieder abspülen, und Erwachsene wie Kinder matschten fröhlich vor sich hin, und keiner guckte, ob der andere auch alles richtig macht und sein hektargrosses Saunatuch auch wirklich korrekt ausgebreitet hat, so dass kein Tröpfchen Schweiss aufs Holz gelangt, und alle Besucher lachten und redeten und kein einziger Schwimmhallenangestellter war da zum Aufpassen, und der kleine Herr Maus sass fünf Minuten mutterseelenallein in der allerheissesten Sauna und erntete Bewunderung von allen anwesenden Erwachsenen und das Fräulein Maus machte Wechselbäder im kalten und warmen Schwimmbecken und der grosse Herr Maus ging im beleuchteten Pool tauchen und dann gingen wir alle nochmal in die Dampfsauna mit dem Salzhaufen, und ja, genau so muss Sauna sein.

„Können wir da mal wieder hingehen?!“, fragen die Kinder seitdem. Aber sicher!

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Herbstferien, viel zu kurze

Vielleicht lag es daran, dass wir diesmal tatsächlich erst – nachdem wir am Mittwoch alle noch brav zur Schule und auf Arbeit gegangen waren – kurz vor Mitternacht ankamen: diesmal fühlten sich die vier Tage Herbstferien extrem kurz an.

Vielleicht aber waren sie einfach nur besonders schön und deshalb so schnell um.

Estland ist so wunderbar. <3


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Reiserückblick (8): Das Lieblingsgebirge

Mit zwei – wir machten damals sehr kurze Wanderungen und sehr viele Waffelrasten – war ich das erste Mal da.

Aus Strandurlaub machte sich in meiner Familie niemand was, und so fuhren wir in meiner Kindheit jeden Sommer drei Wochen in die Malá Fatra zum Wandern. Als ich den Damals-noch-nicht-Ähämann kennenlernte, fuhren wir beide von da an gemeinsam da hin. Sogar aus Finnland waren wir noch zweimal dort, das letzte Mal vor elf Jahren, da schleppte der Ähämann das Fräulein Maus in der Kiepe über die Berge und erzählte ihr mittags zum Einschlafen was über die Entstehung von Faltengebirgen.

Und das ist dann auch der Grund, warum wir so lange nicht da waren. Es gibt in der Malá Fatra eine einzige Seilbahn, den Rest muss man sich aus eigener Kraft erlaufen – und während mein Vater mich als Einzelkind noch lange bei plötzlichen Schwächeanfällen auf den Schultern schleppte, ist das mit drei kleinen Kindern ja dann doch eher schwierig zu bewerkstelligen. Deswegen fuhren wir, wenn uns in den letzten Jahren die Bergsehnsucht packte, lieber in die Schweiz, weil man da wunderbar mit irgendeiner Bahn hochfahren, ein Stück laufen und mit einer anderen Bahn wieder runterfahren kann.

Aber die Sehnsucht blieb. Und dieses Jahr beschlossen wir, dass die Kinder jetzt alt genug wären für einen Bergurlaub, bei dem sie selbst die Berge besteigen müssten. Auch diesmal überraschten sie uns, wie schon in der Schweiz, damit, wie lange und weit sie tatsächlich wandern können, wenn sie nur wollen. Das heisst, dem kleinen Herrn Maus kann es sowieso nicht hoch und weit genug gehen, der grosse Herr Maus läuft einfach stoisch vor sich hin, und beim Fräulein Maus machte sich diesmal ganz überraschend das verstärkte generelle Fitnesstraining in der neuen Mannschaft bemerkbar. Ausserdem fanden sie es sehr motivierend, dass uns ständig erwachsene Turnschuhtouristen entgegenkamen, die wieder umkehrten, weil es ihnen zu anstrengend oder zu gefährlich war.

Nämlich. Es ist da nicht wirklich gefährlich, wenn man sich an ein paar gewisse Grundregeln hält und zumindest vernünftiges Schuhwerk trägt, es gibt Leitern und Steighilfen und Ketten, aber: es ist da schon alles durchaus sehr viel weniger gesichert und es wird sehr viel weniger (sprich: gar nicht) vor schwierigen Auf- oder Abstiegen gewarnt als in westeuropäischen Gebirgen. Viele Wege, die in der Malá Fatra normale Wanderwege sind, wären in den Alpen schon als Klettersteige ausgewiesen. Ich war übrigens sehr froh drum, dass wir unseren Kindern von klein auf – auch wenn wir nicht allzuoft Gelegenheit dazu haben – das Bergwandern beigebracht haben, denn jetzt sind sie inzwischen in einem Alter, in dem sie erstens leichtens ihren Eltern davonlaufen und zweitens an einer gewissen Selbstüberschätzung leiden; da ist der Zug dann abgefahren und wir hätten uns wahrscheinlich tatsächlich viele Wege mit ihnen nicht zu gehen getraut.

Juni war übrigens tatsächlich die perfekte Reisezeit. Wir hatten schönstes Sommerwetter, auf den Bergen blühte es wie in einem Ziergarten, und es waren noch nicht so viele Touristen da. Leider gab es fast jeden Nachmittag einen mehr oder weniger heftigen Regenschauer mit oder ohne Gewitter, so dass wir immer ein bisschen gehetzt waren, denn vor allem Gewitter ist ja nicht ohne im Gebirge. Die Kinder werden sich jedenfalls noch sehr lange an die gigantischen Blitze zwei Höhenzüge weiter erinnern, die uns allen grossen Respekt einflössten. (Und uns dann sehr schnell den Abstieg in Angriff nehmen liessen.)

Wir trafen meine Eltern, die auch immer noch Jahr für Jahr in die Malá Fatra fahren, wir lebten vom Frühstück bis zum Abendbrot quasi im Schlaraffenland, und vielleicht – wenn nur die weite Anreise nicht wäre! – machen wir das einfach nächstes Jahr wieder!


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Reiserückblick (7): Die Lieblingsstadt

Als wir aus Jena wegfuhren, waren wir alle ein bisschen wehmütig.
Aber von einer Lieblingsstadt in die nächste zu fahren, liess die Wehmut schnell verfliegen.

Der Ähämann und ich waren schon so oft in Prag, dass es sich tatsächlich jedes Mal ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt (und wir auch völlig frei von „Das und das und das alles müssen wir uns angucken!“ sind). Und auch die Kinder hatten uns schon seit Jahren in den Ohren gelegen, wann wir denn endlich mal wieder nach Prag fahren könnten.

Wir wohnten in einem idyllischen Vorort, wo in jedem Vorgarten ein Hund bellte, und fuhren jeden Tag Metro. (Juhuu, Metrofahren!) Wir liefen planlos durch die Gässchen der Kleinseite, wir kletterten auf Türme und sahen uns satt an roten Dächern, wir spazierten durch Parks, wir fuhren Strassenbahn, wir hielten die Hände in Springbrunnen, wir assen Trdelník zum Mittagessen und uns am Abend durch die Speisekarte der Vorstadtkneipe, die nicht nur eine wunderbare Terrasse in der Abendsonne, sondern auch einen noch viel wunderbareren Spielplatz hatte. (Und wir tranken Kozel, und auf der Rückfahrt, als vor Prag Stau auf der Autobahn war und wir den umfuhren, fuhren wir sogar noch an der Brauerei vorbei, an deren hohem Schornstein auch ein Ziegenbock prangt.)

Und am nächsten Tag machten wir das Gleiche nochmal.


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Mit dem Flohzirkus auf Reisen

Letzte Woche hatte ich ja mehrmals das Gefühl, mit auf Wettkampfreise zu fahren sei die Schnapsidee des Jahres gewesen. Bis kurz vor der Abreise hatten die Mädels noch kein Hotel, es war nicht klar, wie wir vier mitreisenden Eltern eigentlich von Wien nach Graz kommen würden, und am Abend vor der Abfahrt war der Wettkampfanzug des Fräulein Maus, der nochmal nachgebessert werden musste, immer noch nicht fertig.

Aber. Am Ende hat dann doch alles geklappt, und wie die eine oder der andere vielleicht schon meinen Instagram-Posts entnommen hat, war mit nach Graz zu fahren vielleicht doch eine der besten Entscheidungen des Jahres.

In Graz war nämlich Frühling. So richtiger Frühling mit Sonne, blauem Himmel und über 20 Grad, mit kleinen, zarten, frühlingsgrünen Blättchen an den Bäumen, dem ersten Löwenzahn und überhaupt Blümchen und Blüten, wohin man nur guckte, mit Amselchorälen und Vogelgesangswettstreiten. Ich lief drei Tage wie besoffen vor lauter Frühling durch die Stadt, liess mir die Sonne auf die Nase scheinen und ass jede Menge Eis. Und Kaiserschmarrn. Und Schnitzel. Und Döner, der seinen Namen verdient hat. Und Frühstück beim Bäcker. Und fuhr Strassenbahn. Und erfreute mich am Glockengeläut. (Es ist erstaunlich, was man alles so vermissen kann.)

Der Flohzirkus verbrachte, logisch, derweil sehr viel Zeit in der Wettkampfhalle und ging mit einem super vierten Platz im Finale heim. Ich wurde am zweiten Tag sogar mit nicht ausgedrucktem Ticket eingelassen. Der Ähämann und der kleine Herr Maus – der grosse Herr Maus war im Pfadfinderlager – guckten dem Fräulein Maus im Livestream (Flohzirkusauftritt ab 2:10:45!) zu.

Am Ende war zum Glück doch noch ein bisschen Zeit, mit den Mädels – also zumindest nit denen, die wollten – ein bisschen durch die Stadt zu laufen und woanders als bei Subway oder McDonalds essen zu gehen. Das war sehr nett. „So eine prächtige Kirche habe ich noch nie gesehen…!“ hauchte mir eins der Mädels ergriffen vor einem ganz und gar goldenen Altar zu, und das erinnerte mich sehr an unsere Reise nach Prag, als unsere Kinder zum ersten Mal eine katholische Kirche von innen sahen. Und ausserdem weiss ich jetzt, dass das Fräulein Maus nicht die einzige ist, die immer und überall turnt. Zumindest die drei, mit denen ich unterwegs war, liessen keine Gelegenheit aus.

Montagfrüh um drei waren wir wieder in Turku. (Das Fräulein Maus schlief bis halb eins, und ich hoffe, auch keins der anderen Mädels musste am Montag in die Schule gehen.)

Was für eine Reise!

Was für eine wunderwunderschöne Reise!!!


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Nur Abheftbares ist Wahres

Gestern online Tickets für ein gewisses Sportereignis gekauft.

Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ein Ticket ausgedruckt habe, denn hierzulande hält man üblicherweise dem Schaffner / Busfahrer / Platzanweiser sein Handy unter die Nase.

Anderswo aber ist das Ticket „nur gültig als kompletter A4-Ausdruck“.
Mit – haltet euch fest – Faltanleitung!!!

(Mir fiel dann auch wieder ein, dass wir schon mal eine Fahrkarte von Puttgarden nach Bonn und umgekehrt wie ein rohes Eis durch halb Skandinavien transportierten.)


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Goldene Herbstferien

Estland ist nur eine kurze Schiffsreise von uns entfernt: nahe genug, dass es sich auch für vier Tage Herbstferien lohnt,und anders genug, dass es sich wie richtiger Urlaub anfühlt.

Deshalb besteigen wir, seit wir Schulkinder haben, zu Beginn jeder Herbstferien – wenn nichts dazwischenkommt – eine Fähre und fahren für vier Tage Richtung Süden.

Diesmal hatten wir eine extralange Anreise mit noch einer zweiten Fährüberfahrt, weil wir diesmal Urlaub auf Saaremaa machen wollten.

Dafür genossen wir vier Tage lang Sonnenschein, goldenen Herbst und Meer. Wir winkten hunderten Wildgänsen hinterher. Die Kinder sammelten kiloweise Hühnergötter und stellten einen neuen Wanderrekord auf, weil auch sie gern zu dem schiefen, verlassenen Leuchtturm wollten, den man nur zu Fuss erreichen kann. Wir bewunderten Windmühlen, kleine schiefe Kirchlein, einen riesigen Meteoritenkrater und Karstquellen. Wir begegneten Füchsen, Elchen und Marderhunden. (Und ausserhalb der Stadt, in die wir jeden Abend zum essen fuhren, ungefähr fünf Menschen.) Jeden Abend heizten wir die Sauna an, und wenn wir danach dampfend auf der Terrasse sassen, bestaunten wir die Milchstrasse, die ich zum letzten Mal im letzten Estlandurlaub gesehen hatte.

Estland ist weit und wild und wunderbar.

Ein Meteoritenkrater! (Echt jetzt!)

Estnischer Spielplatz abends halb acht: noch voller Kinder – und unsere sind nicht die lautesten!

Bis nächstes Jahr!


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Urlaubsrückblick (6): Nomadenleben

Ich bin nicht so der übermässig begeisterte Camper. Ich käme nie auf die Idee, Urlaub auf dem Zeltplatz zu machen – aber für diese Art Urlaub, wie wir ihn gerade gemacht haben, gibt es nichts besseres, als einfach ein Zelt dabeizuhaben und in der Wahl der Übernachtungsorte völlig frei zu sein.

Ich hatte vorher zweierlei Bedenken: ob mir das tägliche Ein- und Auspacken nicht schon am zweiten Tag fürchterlich zum Halse heraushängen würde, und ob die Kinder, die ja zu Hause mit Verdunkelungsrollo schlafen, in den hellen Nächten überhaupt ein Auge zutun würden.

Beide Bedenken erwiesen sich als völlig unbegründet. Nach zwei Tagen hatten wir raus, wer am besten welchen Handgriff übernimmt, und wo jede Kiste und jeder Beutel seinen besten Platz im Auto hat. Und die Kinder schliefen wie die Ratze. Weil wir selten vor elf ins Bett in den Schlafsack kamen, waren sie jeden Abend ruckzuck eingeschlafen, und ich war jeden Morgen die erste, die gegen neun oder halb zehn aufwachte.

Manche Nächte waren wir froh um die dicken Schlafsäcke und die langärmelige Wollunterwäsche, in anderen Nächten schliefen wir kurzärmlig und aufgedeckt. Jeden Morgen lagen die Kinder kreuz und quer im Zelt. Wir assen alle Mahlzeiten draussen und kochten nur selten. Wir trockneten unsere Wäsche in der Mitternachtssonne. Wann immer es ging, nahmen die Kinder Morgen- und Abendbäder in Seen und Fjorden. (Manchmal musste danach ein Feuer zum Wärmen angezündet werden.) Sie freundeten sich mit sämtlichen deutschen Kindern an, die wir unterwegs trafen, und sie machten Luftsprünge, wenn wir wieder einen Zeltplatz mit Trampolin fanden.

Wir trafen unheimlich nette Leute. Das deutsche Ehepaar, das uns nach der ersten Regennacht Kaffee aus ihrem Wohnmobil reichte. Den Polen, der sich nach zwanzig Jahren endlich einen Wunsch erfüllt hat und allein, weil seine Frau lieber Strandurlaub macht, mit dem Motorrad zum Nordkap unterwegs war. Die russische Familie, mit der wir uns auf Finnisch unterhielten. All die Radfahrer, die auch nach drei Tagen Regenwetter noch guten Mutes waren.

Manchmal schielten wir ein bisschen neidisch auf die Leute mit den Wohnmobilen: Nicht jeden Morgen komplett alles wieder zusammenpacken zu müssen! Unabhängiger vom Wetter zu sein! Aber dann dachte ich mir: Die müssen ihr Wohnmobil ja putzen! Die müssen ja aufräumen! Die müssen ja das Klo ausleeren! Noch nie habe ich mich, seit wir Kinder haben, so frei von allen alltäglichen Pflichten gefühlt wie in diesem Zelturlaub!

Zelten war wunderbar!


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kaksisataaseitsemänkymmentäkolme

Ich wollte ja schon immer mal ein finnisches Kennzeichen ausserhalb Finnlands finden.

Und als uns dann, als wir kurz vor Alta von einem Fjordarm zum nächsten zuckelten und uns freuten, dass da ja ganz wunderbare Landschaft zu sehen ist, wo wir vor 17 Jahren nur ein Stück Fjord, ein Stück Hang und sehr viel Nebel gesehen hatten, die 273 entegegenkam, da war ich kurz davor, mich in den Allerwertesten zu beissen. Denn ich dachte, ich suche eigentlich die 272.

(Erst als ich, drei Tage später, auch die 274 gesehen hatte und das Ganze immer ärgerlicher wurde, fiel mir wieder ein, dass ja der eine Nachbar die 272 hat und ich die garantiert noch vor dem Urlaub gesehen hatte, weil besagter Nachbar nämlich noch, als wir gerade mit vollgepacktem Auto Richtung Hafen aufbrechen wollte, aus seinem Auto ausgestiegen war und uns eine gute Reise gewünscht hatte.)

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Urlaubsrückblick (5): Ganz im Norden

„Die Leute wissen gar nicht, wie schön Magerøya sein kann, weil sie alle nur auf diesen einen blöden Felsen wollen.“ *

Die Entscheidung, zum Nordkap zu fahren, haben wir sehr demokratisch ausdiskutiert.

Ich wollte nicht, weil ich schon zweimal da war – einmal als Teenager mit einer Reisegruppe, einmal mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann, als er mich nach meiner Diplomarbeit aus Mittelfinnland abholte und wir übers Nordkap – den kürzesten Weg kann ja wohl jeder! – zurück nach Deutschland fuhren – und vor allem, weil es eine fürchterliche Touristenhölle ist und zudem ja noch nicht mal der wirklich nördlichste Punkt Europas.

Der Ähämann wollte gern, weil wir damals keine zehn Meter weit gucken konnten und das Ende der Strasse, die sich dutzende Kilomter lang durch – es war Ende Mai! – drei Meter hohe ausgefräste Schneewände gewunden hatte, genausogut irgendwo im Nichts gelegen haben könnte.

Die Kinder waren unentschlossen. Einerseits bekamen sie langsam Sehnsucht nach ihren Freunden und hätten auf zwei Tage Umweg gern verzichtet, andererseits hätten sie das mit dem nördlichsten Punkt Europas schon irgendwie aufregend gefunden. Und weil ich der Meinung bin, dass man – Touristenhölle hin oder her – an manchen Orten ruhig wenigstens einmal im Leben gewesen sein kann, gab ich meine Stimme zugunsten der Kinder dann auch für das Nordkap.

Und es war so schön!

Wenn man nämlich den wohl seltsamsten Tunnel der Welt – drei Kilometer geht er steil nach unten, einen Kilometer geradeaus und dann drei Kilometer steil wieder nach oben – hinter sich gebracht hat und auf Magerøya angekommen ist, dann ist die Landschaft auf einmal nochmal ganz, ganz anders. Nur noch Berge und Tundra. Und Meer drumrum.

Touristen waren gar nicht so viele wie befürchtet da, weil wir schon nachmittags dawaren, die meisten Touristen aber erst zum Begucken der Mitternachtssonne – als ob die woanders nicht zu sehen wäre! – herangekarrt werden. Der Ähämann bekam diesmal seinen Blick aufs Nordmeer, die Kinder fanden es schon durchaus beeindruckend und durften sich zur Erinnerung im Souvenirladen jeder einen Magneten aussuchen, und den Polen mit dem Motorrad, den wir vom letzten Zeltplatz kannten, trafen wir auch wieder.

Der grosse Herr Maus hatte sein schönstes und sein schlimmstes Erlebnis am Nordkap mit einem Flügel, den eine norwegische Musikgesellschaft zur Freude der Besucher und zur freien Benutzung durch die Vorübergehenden in der Nordkaphalle aufgestellt hatte. Stolz und freudig und völlig ohne sich um das Publikum zu kümmern spielte er zwei Stücke, bis ihm beim dritten eine Rezeptionistin mit Dolores-Umbridge-Lächeln den Tastaturdeckel über den Fingern zuklappte und ihm verbot – „Wir erleben das hier jeden Tag, das Kinder auf dem Klavier rumhämmern!“ – weiterzuspielen. (Der grosse Herr Maus spielt ganz sicher nicht perfekt – aber dass er nicht einfach auf dem Klavier rumhämmerte, das hätte auch ein BlinderTauber mit Krückstock gehört.)

„Nie wieder in meinem Leben will ich ans Nordkap!“, war sein abschliessender Kommentar zu dem Vorfall. Und mal ehrlich – wegen des einen blöden Felsens, den man nur nach Zahlung eines horrenden Eintrittpreises überhaupt betreten darf, muss man tatsächlich nicht nach Magerøya.

Aber sonst!

Hinterher gingen wir nämlich – ganz ohne Eintritt und Parkgebühren – ein Stück auf dem Wanderweg, der zum wirklich nördlichsten Punkt Europas führt, und blieben noch eine Nacht auf der Insel und guckten noch hier und bauten Steinmännchen da und erfreuten uns an der gewaltigen Landschaft.

Magerøya ist wirklich wunderschön.
Abseits von diesem einen blöden Felsen.


*Wir zitieren ja oft und gern aus dem Lieblingsfilm – aber noch nie haben wir ein Zitat aus so vollstem Herzen hergesagt wie dieses in diesem Urlaub.