Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Unter Flachländern

Neulich haben wir dann doch endlich mal den gläsernen Sarg neuen Schrägaufzug ausprobiert.

Am amüsantesten war, wie um uns rum alle Leute „Ah!“ und „Oh!“ und „Ganz schön steil!“ und „Mir ist schlecht, der fährt ja so schnell runter!“ riefen und die Herren Maus sich das ungläubig – „Hä?! Die sollen mal in die Schweiz fahren!“ – anhörten.

(Okay, manche Dinge sind schwer zu toppen. Aber selbst die Drahtseilbahn in Erdmannsdorf oder der Schrägaufzug in Schwarzenberg im heimatlichen Erzgebirge sind beeindruckender.)


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Grosse Estlandliebe

Der Finne an sich fährt ja hauptsächlich wegen des billigen Alkohols nach Estland.

Wir fahren wegen Britakuchen, Bananensaft, Johannisbeersaft – überhaupt Saft in Glasflaschen! – nicht-laktosefreier Kaffeesahne und Rhabarberlimo.

Wegen der vielen tollen Wanderwege, wegen der Ostsee, die auf der anderen Seite der Finnischen Bucht so ganz anders ist, wegen der winzigen Strässchen, die immer nur durch Wald und Wald und Wald führen, wegen kleiner Timur-und-sein-Trupp-Holzhäuschen, wegen der lustigen Verkehrsschilder, wegen der Sprache, die für jemanden, der Finnisch und Deutsch kann, wirklich niedlich ist, wegen Störchen und Kühen und vor allem deshalb, weil Estland nicht so ein gelecktes und für Touristen hergerichtetes Urlaubsland ist.

Hoffentlich bleibt das noch ganz lange so.


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Ein einsamer Strand

Es war uns schon in den Herbstferien vor zwei Jahren klar, dass dieser Strand im Sommer ganz wunderbar sein muss. (Damals wanderten wir eigentlich nur hin, weil wir den schiefen Leuchtturm sehen wollten.)

Der Strand ist nur mit 4,5 km – eine Strecke; und wenn man nicht den gleichen Weg zurückgehen will, sind es insgesamt 11 km – Fussmarsch über eine sandige Halbinsel zu erreichen, weswegen wir, obwohl es heiss und sonnig war, ganz allein dort waren.

Das Wasser war glasklar und fast karibikblau. Der kleine Herr Maus hielt beim Baden tapfer den verbundenen Arm in die Höhe, bis er die im Rucksack geschmolzene und zum Wiederfestwerden ins Meer gelegte Tafel Schokolade mit dem falschen Arm herausholte. Zum Glück hatten wir damit gerechnet und Wechselverbandszeug dabei.

Ganz an der Spitze der Halbinsel steht nicht nur der alte, langsam verfallende Leuchtturm, sondern es gibt da auch eine – wir haben gemessen – einen ganzen Kilometer ins Meer hineinragende schmale Landzunge, an deren Ende sich die Wellen gegenseitig in die Arme laufen.

Was für ein wunderbarer Ort! ♥


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Ein Leuchtturm in Schwarzweiss

Eigentlich wollten wir nur irgendwo essen gehen. Und vielleicht an einen Strand.

Dann fiel mir ein, dass es ja da diesen Leuchtturm auf dieser Halbinsel ganz weit draussen gibt, bei dem wir damals im Herbst nicht waren, weil man ihn nur im Sommer besichtigen kann. Also fuhren wir hin. (Zu essen gab’s da auch.)

Der Leuchtturm liegt so weit draussen, am allersüdlichsten Zipfel Estlands, dass wir, als wir dort ankamen, erstmal überhaupt keinen Handyempfang mehr hatten und dann die obligatorische Auslands-SMS – „Willkommen in Lettland!“ – bekamen. Tatsächlich ist es von da nach Lettland kürzer als bis zur nächstgelegenen estnischen Stadt.

Den Leuchtturm darf man, das freute uns besonders, besteigen, 248 dröhnende Stufen durch seinen hallenden Betonhals bis hinauf auf die schmale Plattform unterm Leuchtfeuer.

Gern wären wir noch bis zum Ende der Landzunge gelaufen, aber dann fiel uns leicht panisch ein – das vergisst man ja im Urlaub leicht – dass Samstag war und wir noch in die Apotheke mussten um neues Verbandszeug für den kleinen Herrn Maus zu kaufen. (Zum Glück aber sind die Läden in Estland ähnlich komfortabel geöffnet wie in Finnland.) Und eine noch viel schönere und vor allem weniger überlaufene* Landzunge setzten wir einfach auf den Plan für den nächsten Tag.


Also, „überlaufen“ im finnischen oder estnischen Sinn, ehe hier noch Missverständnisse aufkommen… ;-)


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Mökkileben

Uns war es eigentlich völlig egal, wohin in Estland wir fahren würden. Irgendwohin, wo noch ein Mökki für uns Kurzentschlossene frei wäre (und das Meer in der Nähe), und so landeten wir – und schliesslich war es vor zwei Jahren im Herbst schon so schön da – auf Saaremaa.

Mökkiurlaub ist super. Im Hochsommer in Estland genauso wie im Winter in Lappland.

Unser Mökki diesmal – eine ehemalige winzige Bauernkate – hatte leider ein paar… äh… bauliche Eigenheiten, die unseren Urlaub ein bisschen überschatteten. Der Ähämann stiess sich an den niedrigen Türen zu Küche und Bad mehrmals den Kopf, bis er fast eine Gehirnerschütterung hatte. Und der kleine Herr Maus rutschte gleich am ersten Abend durch einen Spalt zwischen mittlerer Saunabank und Saunaofen, und wenn das Fräulein Maus nicht so beherzt reagiert hätte, hätte er sich vielleicht noch mehr verbrannt als den ganzen Unterarm. Statt gemütlich in der Sauna zu sitzen fuhren wir also zurück in die 30 km entfernte Kleinstadt, wo wir in der Notaufnahme sehr freundlich und unkompliziert empfangen wurden und dem kleinen Herrn Maus im fast-mitternächtlichen Abendsonnenschein ein hübscher Verband mit Brandgel angelegt wurde. (Danke, liebe EU, für E 111!)

Aber sonst war es ganz wunderbar. Ausschlafen, Lesen, Heupferde beobachten, Abendbrot überm Lagerfeuer zubereiten, Nichtstun. Umgeben von Grillenzirpen, Kranichrufen, blassblauem Sommerhimmel und nachts aus den Wiesen steigendem Nebel wie im Schlaflied.


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Jede Reise beginnt auf dem Meer

Der Ähämann hatte noch ein paar Urlaubstage für die Sommerferien übrig. Und so haben wir die letzten vier Tage verbracht, wie wir solche kurzen Urlaube immer verbringen: in Estland.

Wie jede unserer Reisen beginnt auch jede Reise nach Estland auf dem Meer. Aber nicht am Badehäuschen auf Ruissalo vorbei, sondern durch die „Königspforte“ zwischen Vallisaari und Suomenlinna, durch die diese Riesenschiffe wirklich nur gerade so durchpassen, und wo ich im Winter immer mit der liebsten Freundin spazierengehe.

Die zweieinhalb Stunden Überfahrt von Estland nach Tallinn sind natürlich, wenn es heiss ist und die Sonne scheint und man auf dem Sonnendeck liegen und lesen und den billigem Alkohol hinterherjagenden „Kreuzfahrt“passagieren aus dem Weg gehen kann, sehr viel angenehmer als in den Herbstferien


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Reiserückblick (4): Noch höhere Berge

Das Roháče, der Hauptkamm der Westtatra, war mein erstes echtes Hochgebirge. (So mit sechs oder sieben.) In die Alpen kamen wir ja nicht, einen Ferienplatz in der Hohen Tatra ergatterten wir ein einziges Mal, und aus dem Plan, dass mein Vater mit mir irgendwann nochmal in den Kaukasus fahren würde, wurde dann auch nichts mehr. Ins Roháče kann man praktischerweise als Tagesausflug vom Lieblingsgebirge aus fahren. Das letzte Mal allerdings waren der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor ungefähr zwanzig Jahren da.

Weder damals mit dem anderthalbjährigen Fräulein Maus in der Kiepe noch letztes Jahr, als wir nach vielen Jahren zum ersten Mal mit allen drei Mäusekindern wieder dort waren, fuhren wir hin, obwohl bei gutem Wetter seine granitschwarzen, gezackten, mächtigen Gipfel jedes einzelne Mal aus der Ferne laut rufen.

Nämlich. In den 1980er Jahren wurden der Zufahrtsweg zur Berghütte, an der alle Wanderwege anfangen, asphaltiert und zwei gigantische Parkplätze angelegt. Sie wurden nie in Benutzung genommen, die Strasse weit vorher für Autos gesperrt. Das Roháče ist ein Gebirge, in dem man eigentlich keine Touristen haben möchte. Auch keine zahlenden. Es wurde nicht, wie so viele andere slowakische Berge und ganze Gebirge, aus Naturschutzgründen gleich ganz gesperrt – aber es gibt da bis heute keine Seilbahn, keinen Sessellift, keinen Shuttlebus. Es ist ein Gebirge für Enthusiasten, die auch die 4 km Anmarsch auf asphaltierter, stetig steiler ansteigender Strasse nicht abschrecken kann.

Die Natur dankt. Das Roháče ist das wildeste Gebirge, das ich kenne.

Die Kinder machten die Asphaltlatsche klaglos mit, hoch wie runter. (Dabei hatten wir eingeplant, dass sie vielleicht veständlicherweise streiken würden.)

Vielleicht ahnten sie, dass es sich lohnen würde.

Ein bisschen sehnsüchtig schaute ich zu den ameisenkleinen Menschen hinauf, die den Hauptkamm entlangkraxelten. Aber wie es aussieht, ist das beim nächsten Mal durchaus drin mit den Kindern. ♥


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Reiserückblick (3): Berge! Berge!!!

Den Entschluss hatten wir noch während unseres Urlaubs letztes Jahr gefasst: wir fahren dieses Jahr gleich nochmal ins Lieblingsgebirge!

Dieses Jahr musste der Frühling dort sehr spät gekommen sein: die Buchenwälder waren noch ganz hellgrün, die Ebereschen oben auf den Bergen rollten gerade ihre Blätter aus, die Berghänge waren gelb von Himmelschlüsselchen, und ab und zu mussten wir ein Schneefeld queren, durch das wir uns, weil noch kaum jemand unterwegs war, erst einmal sichere Tritte stapfen mussten.

Dafür blieben die Regenjacken, die langen Wanderhosen, die Wollunterwäsche, die Mützen und Halstücher in den Reisetaschen. Die Sonne knallte vom tiefblauen Himmel, und es war keinen Tag kälter als 25 Grad. Eher wärmer. Viel wärmer. Zwei Wochen lang. Es war ganz und gar wunderbar!

Das Fräulein Maus, das sich dieses Frühjahr die Knie kaputttrainiert hatte und im Mai zwei Wochen an Krücken gelaufen war, musste es diesmal ruhig angehen lassen. Keine langen und anstrengenden Abstiege vor allem. Zum Glück waren die Grosseltern auch da! Sie machten mit ihr kleinere Touren, während wir mit den Herren Maus Gipfel erstiegen und erkletterten. Das erste, was wir dem Fräulein Maus kauften, waren Wanderstöcke, und jeden Tag ging es ein bisschen besser. Am Ende stiegen wir wieder gemeinsam auf die Berge.

Wir stiegen auf Leitern durch enge Schluchten, wir kletterten an Ketten steile Felsabschnitte hoch oder runter, wir setzten 1000 Höhenmeter lang stoisch einen Fuss vor den anderen. Wir tranken Quellwasser, wir badeten in Bergseen und Gebirgsbächen, wir erfreuten uns an den bunten Blümchen am Wegesrand und winkten Segelflugzeugen zu.

Ich war zwei Wochen lang wie besoffen vor Glück. Berge! Hach!


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Reiserückblick (2): Rote Dächer

Zwischenstopp machten wir auch in diesem Jahr in der liebsten Lieblingsstadt.

Wir schliefen aus, frühstückten in aller Ruhe, wuschen schnell nochmal ein bisschen Wäsche und liessen es überhaupt sehr ruhig angehen.

Wir bestiegen keinen Turm und gingen in keine einzige Kirche. Aber wir fuhren Metro und Strassenbahn und hielten uns – es war wunderbar heiss! – in Parks und Gärten, vornehmlich solchen mit Aussicht auf rote Dächer, auf.

Und am nächsten Tag konnten wir die letzten 500 km der insgesamt 2000 km weiten Reise ausgeruht in Angriff nehmen.


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Reiserückblick (1): Bäume, die aus Häusern wachsen

„Was?! Wir sind schon seit zwei Wochen wieder zu Hause?!“ rief der grosse Herr Maus gestern ganz entsetzt.

(Und: „Dann haben wir ja nur noch fünf Wochen Ferien!“, rechnete er ebenso entsetzt nach. Fünfeinhalb, um genau zu sein. Und ja, das ist Jammern auf hohem Niveau.)

Jedenfalls wird es jetzt höchste Zeit für einen Reiserückblick.

Unsere „Europa“reisen fangen wir seit ein paar Jahren, seit wir immer in aller Herrgottsfrühe schon in Rostock ankommen, immer schon auf dem Weg an. Irgendwo, wohin wir schon immer mal (wieder) wollten: im Wörlitzer Park oder im Irrgarten Altjeßnitz oder mit einer Fährfahrt über die Elbe.

Diesmal war es so, dass das Fräulein Maus kurz vor unserer Reise zum ersten Mal von einem Baumwipfelpfad gehört hatte. „Sowas will ich auch mal machen!“, sagte sie, und mir fiel ein, dass ich da irgenwann mal was gelesen hatte über einen Baumwipfelpfad, der direkt an unserer Reiseroute liegen würde. Gleich hinterm Berliner Ring, in Beelitz, fuhren wir von der Autobahn ab.

Dort gibt es einen ganz besonderen Baumwipfelpfad: er führt nicht einfach über Wald, sondern über das Gelände der ehemaligen Lungenheilstätten – und über Bäume, die aus deren Ruinen wachsen.

Leider nämlich wurden die für ihre Zeit sehr modernen Lungenheilstätten, die Anfang des 20. Jahrhunderts, als in Berlin die Tuberkulose grassierte, wohldurchdacht in einem grossen Waldgebiet in der Nähe errichtet wurden, nur vergleichsweise kurze Zeit als solche genutzt. In beiden Weltkriegen dienten sie als Lazarett. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde eins der grössten Gebäude, das, aus dem heute die grössten Bäume wachsen, zerstört und nie wieder aufgebaut. Die noch erhaltenen Gebäude dienten – und dabei wurden sie auch nicht gerade pfleglich behandelt; dass das Luftbad zu einem Schweinestall umfunktioniert wurde, kann man da ruhig symbolisch sehen – bis 1994 als sowjetisches Militärkrankenhaus. Seitdem verfallen alle Gebäude, und die Natur erobert sich zurück, was ihr zusteht, und zwar volle Kanne: da wachsen nicht nur ein paar zarte Birkenstämmchen aus den Dächern, sondern ganze Kiefernwälder!

Ein bisschen gruslig, und sehr beeindruckend.

Es gibt dort auch Führungen, teilweise auch mit Schutzhelm in die alten Gebäude, aber dazu fehlte uns einerseits die Zeit, andererseits waren die Kinder – es gibt eine Altersbeschränkung – noch zu klein dafür. Allerdings kannten wir das meiste schon aus dem von Alvar Aalto entworfenen Tuberkulosesanatorium in Paimio, und die Infotafeln entlang des Baumwipfelpfades und neben den abgesperrten Gebäuden sind wirklich sehr gut.

Hingehen sollte man auf jeden Fall, wenn es sich einrichten lässt, an einem Wochentag. Wir waren an einem Montag und fast allein, der Parkplatzwächter aber erzählte uns, am Tag zuvor wären 4000 (!) Leute dagewesen. Da wären wir direkt wieder umgekehrt. Und das wäre ja doch schade gewesen.

[Nachtrag: Frau Nessy hat sehr ausführlich und informativ über die Beelitzer Heilstätten gebloggt.]