Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Goldene Herbstferien

Estland ist nur eine kurze Schiffsreise von uns entfernt: nahe genug, dass es sich auch für vier Tage Herbstferien lohnt,und anders genug, dass es sich wie richtiger Urlaub anfühlt.

Deshalb besteigen wir, seit wir Schulkinder haben, zu Beginn jeder Herbstferien – wenn nichts dazwischenkommt – eine Fähre und fahren für vier Tage Richtung Süden.

Diesmal hatten wir eine extralange Anreise mit noch einer zweiten Fährüberfahrt, weil wir diesmal Urlaub auf Saaremaa machen wollten.

Dafür genossen wir vier Tage lang Sonnenschein, goldenen Herbst und Meer. Wir winkten hunderten Wildgänsen hinterher. Die Kinder sammelten kiloweise Hühnergötter und stellten einen neuen Wanderrekord auf, weil auch sie gern zu dem schiefen, verlassenen Leuchtturm wollten, den man nur zu Fuss erreichen kann. Wir bewunderten Windmühlen, kleine schiefe Kirchlein, einen riesigen Meteoritenkrater und Karstquellen. Wir begegneten Füchsen, Elchen und Marderhunden. (Und ausserhalb der Stadt, in die wir jeden Abend zum essen fuhren, ungefähr fünf Menschen.) Jeden Abend heizten wir die Sauna an, und wenn wir danach dampfend auf der Terrasse sassen, bestaunten wir die Milchstrasse, die ich zum letzten Mal im letzten Estlandurlaub gesehen hatte.

Estland ist weit und wild und wunderbar.

Ein Meteoritenkrater! (Echt jetzt!)

Estnischer Spielplatz abends halb acht: noch voller Kinder – und unsere sind nicht die lautesten!

Bis nächstes Jahr!


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Urlaubsrückblick (6): Nomadenleben

Ich bin nicht so der übermässig begeisterte Camper. Ich käme nie auf die Idee, Urlaub auf dem Zeltplatz zu machen – aber für diese Art Urlaub, wie wir ihn gerade gemacht haben, gibt es nichts besseres, als einfach ein Zelt dabeizuhaben und in der Wahl der Übernachtungsorte völlig frei zu sein.

Ich hatte vorher zweierlei Bedenken: ob mir das tägliche Ein- und Auspacken nicht schon am zweiten Tag fürchterlich zum Halse heraushängen würde, und ob die Kinder, die ja zu Hause mit Verdunkelungsrollo schlafen, in den hellen Nächten überhaupt ein Auge zutun würden.

Beide Bedenken erwiesen sich als völlig unbegründet. Nach zwei Tagen hatten wir raus, wer am besten welchen Handgriff übernimmt, und wo jede Kiste und jeder Beutel seinen besten Platz im Auto hat. Und die Kinder schliefen wie die Ratze. Weil wir selten vor elf ins Bett in den Schlafsack kamen, waren sie jeden Abend ruckzuck eingeschlafen, und ich war jeden Morgen die erste, die gegen neun oder halb zehn aufwachte.

Manche Nächte waren wir froh um die dicken Schlafsäcke und die langärmelige Wollunterwäsche, in anderen Nächten schliefen wir kurzärmlig und aufgedeckt. Jeden Morgen lagen die Kinder kreuz und quer im Zelt. Wir assen alle Mahlzeiten draussen und kochten nur selten. Wir trockneten unsere Wäsche in der Mitternachtssonne. Wann immer es ging, nahmen die Kinder Morgen- und Abendbäder in Seen und Fjorden. (Manchmal musste danach ein Feuer zum Wärmen angezündet werden.) Sie freundeten sich mit sämtlichen deutschen Kindern an, die wir unterwegs trafen, und sie machten Luftsprünge, wenn wir wieder einen Zeltplatz mit Trampolin fanden.

Wir trafen unheimlich nette Leute. Das deutsche Ehepaar, das uns nach der ersten Regennacht Kaffee aus ihrem Wohnmobil reichte. Den Polen, der sich nach zwanzig Jahren endlich einen Wunsch erfüllt hat und allein, weil seine Frau lieber Strandurlaub macht, mit dem Motorrad zum Nordkap unterwegs war. Die russische Familie, mit der wir uns auf Finnisch unterhielten. All die Radfahrer, die auch nach drei Tagen Regenwetter noch guten Mutes waren.

Manchmal schielten wir ein bisschen neidisch auf die Leute mit den Wohnmobilen: Nicht jeden Morgen komplett alles wieder zusammenpacken zu müssen! Unabhängiger vom Wetter zu sein! Aber dann dachte ich mir: Die müssen ihr Wohnmobil ja putzen! Die müssen ja aufräumen! Die müssen ja das Klo ausleeren! Noch nie habe ich mich, seit wir Kinder haben, so frei von allen alltäglichen Pflichten gefühlt wie in diesem Zelturlaub!

Zelten war wunderbar!


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kaksisataaseitsemänkymmentäkolme

Ich wollte ja schon immer mal ein finnisches Kennzeichen ausserhalb Finnlands finden.

Und als uns dann, als wir kurz vor Alta von einem Fjordarm zum nächsten zuckelten und uns freuten, dass da ja ganz wunderbare Landschaft zu sehen ist, wo wir vor 17 Jahren nur ein Stück Fjord, ein Stück Hang und sehr viel Nebel gesehen hatten, die 273 entegegenkam, da war ich kurz davor, mich in den Allerwertesten zu beissen. Denn ich dachte, ich suche eigentlich die 272.

(Erst als ich, drei Tage später, auch die 274 gesehen hatte und das Ganze immer ärgerlicher wurde, fiel mir wieder ein, dass ja der eine Nachbar die 272 hat und ich die garantiert noch vor dem Urlaub gesehen hatte, weil besagter Nachbar nämlich noch, als wir gerade mit vollgepacktem Auto Richtung Hafen aufbrechen wollte, aus seinem Auto ausgestiegen war und uns eine gute Reise gewünscht hatte.)

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Urlaubsrückblick (5): Ganz im Norden

„Die Leute wissen gar nicht, wie schön Magerøya sein kann, weil sie alle nur auf diesen einen blöden Felsen wollen.“ *

Die Entscheidung, zum Nordkap zu fahren, haben wir sehr demokratisch ausdiskutiert.

Ich wollte nicht, weil ich schon zweimal da war – einmal als Teenager mit einer Reisegruppe, einmal mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann, als er mich nach meiner Diplomarbeit aus Mittelfinnland abholte und wir übers Nordkap – den kürzesten Weg kann ja wohl jeder! – zurück nach Deutschland fuhren – und vor allem, weil es eine fürchterliche Touristenhölle ist und zudem ja noch nicht mal der wirklich nördlichste Punkt Europas.

Der Ähämann wollte gern, weil wir damals keine zehn Meter weit gucken konnten und das Ende der Strasse, die sich dutzende Kilomter lang durch – es war Ende Mai! – drei Meter hohe ausgefräste Schneewände gewunden hatte, genausogut irgendwo im Nichts gelegen haben könnte.

Die Kinder waren unentschlossen. Einerseits bekamen sie langsam Sehnsucht nach ihren Freunden und hätten auf zwei Tage Umweg gern verzichtet, andererseits hätten sie das mit dem nördlichsten Punkt Europas schon irgendwie aufregend gefunden. Und weil ich der Meinung bin, dass man – Touristenhölle hin oder her – an manchen Orten ruhig wenigstens einmal im Leben gewesen sein kann, gab ich meine Stimme zugunsten der Kinder dann auch für das Nordkap.

Und es war so schön!

Wenn man nämlich den wohl seltsamsten Tunnel der Welt – drei Kilometer geht er steil nach unten, einen Kilometer geradeaus und dann drei Kilometer steil wieder nach oben – hinter sich gebracht hat und auf Magerøya angekommen ist, dann ist die Landschaft auf einmal nochmal ganz, ganz anders. Nur noch Berge und Tundra. Und Meer drumrum.

Touristen waren gar nicht so viele wie befürchtet da, weil wir schon nachmittags dawaren, die meisten Touristen aber erst zum Begucken der Mitternachtssonne – als ob die woanders nicht zu sehen wäre! – herangekarrt werden. Der Ähämann bekam diesmal seinen Blick aufs Nordmeer, die Kinder fanden es schon durchaus beeindruckend und durften sich zur Erinnerung im Souvenirladen jeder einen Magneten aussuchen, und den Polen mit dem Motorrad, den wir vom letzten Zeltplatz kannten, trafen wir auch wieder.

Der grosse Herr Maus hatte sein schönstes und sein schlimmstes Erlebnis am Nordkap mit einem Flügel, den eine norwegische Musikgesellschaft zur Freude der Besucher und zur freien Benutzung durch die Vorübergehenden in der Nordkaphalle aufgestellt hatte. Stolz und freudig und völlig ohne sich um das Publikum zu kümmern spielte er zwei Stücke, bis ihm beim dritten eine Rezeptionistin mit Dolores-Umbridge-Lächeln den Tastaturdeckel über den Fingern zuklappte und ihm verbot – „Wir erleben das hier jeden Tag, das Kinder auf dem Klavier rumhämmern!“ – weiterzuspielen. (Der grosse Herr Maus spielt ganz sicher nicht perfekt – aber dass er nicht einfach auf dem Klavier rumhämmerte, das hätte auch ein BlinderTauber mit Krückstock gehört.)

„Nie wieder in meinem Leben will ich ans Nordkap!“, war sein abschliessender Kommentar zu dem Vorfall. Und mal ehrlich – wegen des einen blöden Felsens, den man nur nach Zahlung eines horrenden Eintrittpreises überhaupt betreten darf, muss man tatsächlich nicht nach Magerøya.

Aber sonst!

Hinterher gingen wir nämlich – ganz ohne Eintritt und Parkgebühren – ein Stück auf dem Wanderweg, der zum wirklich nördlichsten Punkt Europas führt, und blieben noch eine Nacht auf der Insel und guckten noch hier und bauten Steinmännchen da und erfreuten uns an der gewaltigen Landschaft.

Magerøya ist wirklich wunderschön.
Abseits von diesem einen blöden Felsen.


*Wir zitieren ja oft und gern aus dem Lieblingsfilm – aber noch nie haben wir ein Zitat aus so vollstem Herzen hergesagt wie dieses in diesem Urlaub.


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Urlaubsrückblick (4): Tag der Entscheidung

Wir hatten uns ja vorher nicht festlegen wollen – zu viel hing vom Wetter ab – und wollten spontan entscheiden, ob wir am „Arm“ (=Kilpisjärvi) oder am „Kopf“ (=Utsjoki) oder irgendwo dazwischen, mit oder ohne Umweg übers Nordkap, zurück nach Finnland fahren wollten.

Während der drei Regentage hatte ja alles nach Kilpisjärvi ausgesehen – aber als wir dann bei strahlendem Sonnenschein vor dem entscheidenden Wegweiser standen, da war die Entscheidung auf einmal gar nicht mehr so leicht.

Noch in der Nacht vorher hatten sich die letzten Wolkenschwaden verzogen.
(Das Foto entstand übrigens um 23:03 Uhr. Dunkler wurde es nicht.) Zum Frühstück sassen wir im schönsten Sonnenschein, zwischen Bergen, von denen man auf einmal wieder mehr als die untersten 50 Meter sehen konnte. Glück und Herzhüpfen!

Wir vertagten die Entscheidung, sammelten ein weiteres Kilo Steine, bewunderten seltsam geformte Wolken, rechneten hin und her, befragten die Karte und riefen ein ums andere Mal „Ah!“ und „Oh!“, wenn sich hinter der nächsten Kurve wieder der Blick auf neue sonnenbeschienene Berggruppen hinterm Fjord auftat.

Jetzt nach Finnland zurückfahren?!

Am Ende des Tages waren die Würfel gefallen.
Alta statt Kilpisjärvi!

Nächstes Ziel: Nordkap!


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Urlaubsrückblick (3): Wasser von links, rechts, unten und oben

Nachdem wir ausgiebig zwischen hohen und noch höheren Bergen herumgefahren waren, machten wir uns langsam auf den Weg nach Norden. Immer möglichst nahe an der Küste entlang. Man kann da ja Wasser links, rechts und unter sich haben. Leider kam dann aber auch sehr viel Wasser von oben.

Dabei hatte der Teil der Reise ziemlich gut angefangen.

Kurz vor Trondheim nämlich, da zelteten wir am Fjord, und es war das einzige Mal, dass wir alle schon gegen acht aufwachten, weil die Sonne aufs Zelt knallte. Die Kinder freuten sich, dass sie dann gleich noch baden gehen könnten – aber noch während wir frühstückten, schrie das erste: „Der Strand ist viel kleiner als vorhin!“ Drei erlebten zum ersten Mal in ihrem Leben Ebbe und Flut!

Sie sammelten eimerweise Muscheln, Schneckenhäuser und Seeigelschalen und retteten gemeinsam eine gestrandete Qualle. (Die Nordsee hat schon so ein klitzekleines bisschen mehr zu bieten als die Ostsee…!)

Danach fuhren wir zähneknirschend ein Stück E6, um dann für die nächsten Tage auf die Küstenstrasse ganz im Westen abzubiegen. Die mit den vielen Autofähren.

Ich kann allen erdenklichen Arten von Kreuz- und sonstigen Schifffahrten nichts abgewinnen, aber Autofähre fahren ist prima! (Ich würde auch jederzeit den Bananenfrachter einem Kreuzfahrtschiff vorziehen.) Dank der Tatsache, dass man die norwegischen Autofähren – anders als unsere finnischen – bezahlen muss, waren wir auch fast die einzigen nicht-norwegischen Touristen auf dieser Route. Die Leute mit den Wohnmobilen und -anhängern und die Deutschen, denen ja generell immer alles zu teuer ist, rasten lieber auf der E6 nach Norden. (Und zahlten dafür dann jede Menge Strassenmaut. Wir sind auch schon gespannt auf unsere Post aus Norwegen.) Verglichen mit dem, was man für eine Seilbahnfahrt in der Schweiz bezahlt, ist Autofähre fahren in Norwegen allerdings ein regelrecht preiswertes Vergnügen. Und man bekommt für sein Geld auch richtig was geboten: hohe Wellen zum Beispiel. Theoretisch auch sehr viel Landschaft. Leider war von der schon ab der ersten Fährüberfahrt fast nichts mehr zu sehen.

Anfangs regnete es wenigstens nicht ununterbrochen. Wir schafften es, das Zelt zu trocknen, bevor wir es einpackten. Oder wenn wir es nass einpacken mussten, dann trocknete es abends nach dem Aufbauen. (Bevor nachts der nächste Starkregen niederging.)

Wir machten eine Wanderung, die wie gemacht war für typisch norwegisches Wetter: wenn es nämlich regnet, ist so eine Wanderung durch den Berg ja durchaus praktisch. Der kleine Herr Maus hätte so gerne noch auf den Berg gewollt – aber nicht bei dem Wetter! Als wir einmal durch den Berg hindurch und einmal halb um ihn herum zurückgelaufen waren, hatten wir einen Kofferraum voller triefnasser Regenklamotten – zusätzlich zu einem triefnassen Zelt – und der Wetterbericht versprach Besserung in ungefähr einer Woche. Vielleicht.

Berg mit Loch.

Die nächsten Tage verbrachten wir vorwiegend im Auto und auf Autofähren. Wir wählten für zwei Nächte die Weicheivariante mit festem Dach überm Kopf. Und da hatten wir es noch gut: all die netten Motorrad- und Fahrradfahrer, die wir unterwegs getroffen hatten – was sollten die denn erst sagen?!

Wir fuhren durch unglaublich schöne Landschaft – und sahen genau nichts. Wir schipperten mit der Autofähre über den Polarkreis – und sahen genau nichts. Wir fuhren über bombastische Brücken und ewig an Fjorden entlang – und sahen genau nichts.

Als nach drei Tagen unsere Laune dann doch an einem Tiefpunkt angekommen war, auch deswegen, weil plötzlich alle Hütten auf den nächstgelegenen Zeltplätzen schon ausgebucht waren, und wir aus einer gewissen Trotzhaltung heraus beschlossen hatten, dann eben – pfeif doch auf das Wetter! – wie gehabt im Zelt zu schlafen und dafür dann noch eine Stunde bis zum übernächsten Zeltplatz zu fahren, da wurde es abends halb zehn plötzlich ein bisschen heller in der Nebelsuppe, und auf einmal brach die Sonne durch ein hellblaues Loch in den Wolken und beschien grüne Wiesen und schneebedeckte Berge.

„Das ist ja wie im Märchen!“, hauchte der kleine Herr Maus von der Rückbank.
Aber echt!


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Urlaubsrückblick (2): Fjorde, Fjells und Gletscher

Die nächsten Tage fuhren wir kreuz und quer durch Südnorwegen – über Passstrassen, durch verschneite Hochebenen, mit Autofähren über Fjorde. Wir hielten an, wo wir gern Fotos machen, Steinchen schmeissen, Schneeballschlacht spielen, ein Stückchen wandern wollten.

Wir wanderten zu einem Gletscher, und ich musste die ganze Zeit daran denken, dass es vielleicht eine der letzten Gelegenheiten für die Kinder war, nochmal einen Gletscher in echt zu sehen…

Wir schliefen jede Nacht auf einem anderen Zeltplatz und waren recht erfolgreich dabei, die grössten Touristenattraktionen und die typischen Kreuzfahrtziele zu umgehen. Das Wetter war ok – wir erlebten die erste Regennacht im Zelt und fuhren einen Tag lang durch Nebel und Wolken, aber danach kam immer wieder die Sonne raus. So richtig voran kamen wir nicht, weil hier noch eine schöne Aussicht und da noch ein Berg, den man mal eben besteigen könnte, lockten.

Aber genau dafür waren wir ja hergekommen.


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Urlaubsrückblick (1): Im Bergrausch

Wenn ich eines in Finnland vermisse – ausser Essen, das nach was schmeckt – dann sind es Berge. Meer und Seen und Wälder und Moore sind ja schön und gut, aber die Bergsituation in Finnland wird sehr treffend durch den Umstand beschrieben, dass Norwegen sogar erwägt, Finnland zum 100. Geburtstag einen Berg zu schenken.

Stichwort Norwegen. Mir war ja bisher aus unerfindlichen Gründen gar nicht so klar, dass wir, um echte Berge zu erleben, gar nicht bis „nach Europa“ fahren müssen. (Unser diesjähriges Sommerurlaubsziel haben wir gewissermassen Luthers sowie meiner Bekannten Anja, die vor einem guten Jahr von Turku nach Bergen gezogen ist, zu verdanken. Ohne ihre vielen Wanderbilder wäre ich immer noch lange nicht auf die Idee gekommen.)

Wir wollten uns nicht auf irgendein Gebiet festlegen, und deshalb kauften wir eine Überfahrt nach Stockholm, packten das Zelt ins Auto und fuhren los. Wir hatten nur einen ganz vagen Plan – erst so lange nach Westen, bis wir endlich die Berge erreichen würden, und dann irgendwie, grob immer an der Küste entlang, weiter nach Norden, um dann oben um die Ostsee herum wieder nach Hause zu gelangen.

Als wir am ersten Abend unser Zelt direkt an einem Bergsee aufstellten und ich auf ut.no gleich noch eine nette kleine Wandertour für den nächsten Tag in der Nähe fand, war ich vollkommen am Ziel meiner Wünsche.

Berge! Richtige Berge!!!


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Trängselskatt: [schwed.] Stausteuer

Diese Woche bekamen wir Post aus Schweden.

Wir hatten sie schon erwartet, denn wir wussten, dass die „Stausteuer“, die wochentags in der Stockholmer Innenstadt – und irgendwie müssen wir ja vom Hafen auf die Autobahn und wieder zurück kommen – erhoben wird, auch von Ausländern eingezogen wird.

Der Bescheid war komplett auf Finnisch, die Rechnung schon fertig in Euro umgerechnet. Famos. Zu zahlen waren: 1,61 €.

Nun kann man sich ja fragen, ob sich dafür der ganze Aufwand lohnt. Aber ich finde es prima. Ich bin ein grosser Fan von derartiger Gleichbehandlung.

Und ich komme bis heute nicht darüber weg, wie ein deutscher Politiker ernsthaft eine Maut nur für Ausländer vorschlagen kann.