Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Schlagzeilen

Grösste Tageszeitung Finnlands: Wölfe bissen Jungen im Zoo in die Hand
Finnisches Bild-Zeitungs-Pendant: Wölfe zerfleischten Jungen*

Danke, liebe Presse! Ein besseres Beispiel, um den Kindern den Unterschied zwischen seriösem und Boulevardjournalismus zu erklären sowie ihnen klarzumachen, warum man immer den ganzen Artikel lesen sollte statt nur der Überschrift, hätte es gar nicht geben können.


*Es gibt in Finnland freilebende Wölfe, die natürlich nicht von allen gern gesehen werden. Vor diesem Hintergrund finde ich die Schlagzeile noch fürchterlicher verantwortungsloser als so schon.


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Wie im Tierfilm

Wie ich heute Abend so, während sich der kleine Herr Maus fürs Fussballtraining umzieht, zum Schlafzimmerfenster rausgucke, kommt aus Nachbars Garten hakenschlagend ein Hase, rast 20 Meter die Strasse entlang und verschwindet im Wald.

Hasen gibt es hier viele. Wird wohl ein Hund die Strasse entlanggeführt werden und den Hasen erschreckt haben, denke ich noch so.

Da kommt aus Nachbars Garten ein Fuchs, sieht irgendwie missmutig aus und trottet hinter Nachbars Haus zurück in den Wald.

(Die Geschichte, wie einmal, als der Ähämann nachts halb eins vom Flughafen kam, ein Rehbock vor unserer Haustür stand, habe ich schon mal erzählt, ja?)


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Nur verkleidete Menschen

„Heute kommen die Kirchenratten* Hilda und Hulda in den Kindergarten“, sagt der Ähämann ein wenig belustigt nach dem obligatorischen morgendlichen Blick in den Kalender.
„Wie? Was? Woher weisst du das?“, fragt der kleine Herr Maus.
„Steht im Wilma**. Hier, guck!“, hält der Ähämann dem kleinen Herrn Maus das Handy hin.

Der kleine Herr Maus liest.

Später, am Kindergarten, zieht er ein Schüppchen und gesteht mir seine Enttäuschung: „Ich dachte, da kommen echte Kirchenratten! Im Käfig!“


* „Kirchenmaus“ heisst auf Finnisch „Kirchenratte“.
** Wilma gibt es seit letztem Jahr auch schon für Kindergartenkinder. Die Zahl der abzuheftenden oder zu entsorgenden Zettel hat seither signifikant abgenommen.


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Statt Mücken

Vielleicht hätte ich dann doch lieber die Mücken in Kauf genommen.

Das nämlich absolut allerekligste Viechzeug, das Finnland zu bieten hat, sind Elchfliegen, die einem im Herbst wie eine Kreuzung aus überdimensionierten Läusen, seitwärts kriechenden Spinnen und nicht kaputt zu kriegenden Zecken unter die Haare kriechen und dann da kaum wieder rauszukriegen sind.

Es schüttelt mich 20 Stunden später immer noch.

Sonst war’s aber schön, mal wieder auf dem nahegelegenen Berg mit der wunderbaren Aussicht gewesen zu sein.


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kaksisataakolmekymmentäkuusi

Oder: finnisches Viechzeug.

Als wir am Sonntagabend vom Mökki der deutschen Freundin zurückfuhren, sah ich die 236. Als wir gestern Nachmittag wieder hinfuhren, sah ich noch eine 236. Kurz darauf, schon fast am Ziel, gab es ein bisschen Stau, und wir hielten es zuerst für eine der zahlreichen finnischen Sommerbaustellen, aber dann sahen wir die Feuerwehr und den Abschleppwagen, der gerade ein untenrum komplett unversehrtes, aber obenrum total eingedelltes Auto auflud, und während wir uns noch wunderten, sahen wir hinter dem Abschleppauto den toten Elch liegen.

Als wir abends vom Mökki der deutschen Freundin zurückkamen und an der Uni vorbeifuhren, um den Ähämann, den wir nachmittags da abgeholt hatten, da abzusetzen, damit er sein Fahrrad heimfahren konnte, wackelte da ein Igel ums Gebäude. (Ich habe schon ewig keinen Igel mehr gesehen!) Und als wir uns anschlichen, rannte er tatsächlich davon, statt sich einzurollen, und als wir ihn so ein bisschen umzingelt hatten und die Kinder gern mal fühlen wollten, wie spitz solche Igelstacheln sind, da musste ich sie kurz warnen, dass Igel hierzulande nicht einfach zusammengerollt abwarten, sondern ihre Stacheln auch gern mal mit einem beherzten Sprung nach oben in die neugierige Hand rammen, und da hüpfte er auch schon. Der finnische Sommer ist einfach zu kurz für Verstecken und Abwarten.

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Von Hafen zu Hafen

Stockholm, 6:30 Uhr

Ganz eventuell wiederhole ich mich, aber: 650 km quer durch Schweden zu fahren, ist nicht halb so schlimm, wie 200 km auf deutschen Autobahnen. Im Sommer schon gar nicht. (Im Winter waren wir mal seeehr müde.)

Wir machten ausgiebige IKEA-Pausen, Tankpausen, Schaukelpausen und waren trotzdem noch viel zu zeitig in Trelleborg.

Ein Glück! Denn die Wartezeit verbrachten wir in einem Park, in dem sich ein Teich voller Frösche befand. „Ich habe noch nie in meinem Leben einen lebenden Frosch gesehen!“, hauchte der kleine Herr Maus andächtig.

Fast hätten sie nicht mit zur Fähre gewollt.

Trelleborg, 21:30 Uhr


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Ein Monat bis Sommer

Ein Monat von der ersten Lerche bis zum Sommer,
ein halber vom ersten Buchfink,
eine Woche von der ersten Bachstelze,
kein Tag mehr von der ersten Schwalbe.

So rechnet man in Finnland.

(Und obwohl die Finnen, gerade was die klimatischen Bedingungen angeht, gerne grösstmöglichen Pessimismus an den Tag legen, darf man das jetzt mal mit dem deutschen „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ vergleichen…)

Ein Monat also noch. Denn vorgestern flatterte und tirilierte die erste Lerche über mir.

Man braucht aber wirklich sehr viel Optimismus. Als der kleine Herr Maus und ich heute früh zum Kindergarten radelten, tanzten lustige, weisse Flöckchen um uns herum.