Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Skitour im Moor

Wir sind hier ja furchtbar verwöhnt: allüberall gibt es Skiloipen, die dauernd neu gespurt werden und bis abends um zehn beleuchtet sind. Allein die Stadt Turku unterhält 20 verschiedene Ringloipen in Wäldern und Wäldchen im Stadtgebiet; die nächstgelegene ist 500 m von unserer Haustür entfernt, und wenn sich der Winterdienst mit Streuen zurückgehalten hat, können wir direkt von der Haustür aus losfahren.

Wir lassen mittlerweile die Skier einfach auf dem Auto und die Skistöcke im Kofferraum, und wenn uns nach Schule und Arbeit noch nach einer kleinen Abendrunde auf Skiern ist – und das war es diese Woche fast jeden Abend, denn man weiss ja nie, wie lange der Winter hier in der Gegend anhält – dann suchen wir uns auf der Loipenkarte eine Loipe aus und fahren hin.

Das ist ganz wunderbar – führt aber dazu, dass wir am Wochenende dann doch eher woandershin wollen. Und grössere Runden fahren, denn was früher auf so einer Stadtloipe eine ganze samstägliche Skitour war, ist mittlerweile ja wirklich nur noch ein halbstündiger Abendspaziergang.

Und so halte ich immer die Augen und Ohren offen nach schönen Ausflugsloipen, gern ohne das dauernde Auf und Ab der Fitnessloipen, gern in schönen Landschaften. Es gibt da in guten Wintern zum Beispiel eine im nahegelegenen Nationalpark; von der hörte ich aber selbst erst vor zwei Jahren, und da nahm ja der bis dahin recht schöne Winter ein recht jähes Ende, und vom letzten sogenannten Winter reden wir mal lieber gar nicht erst.

Und so fuhren wir gestern 8 km auf gespurter Loipe durchs Moor. Bei Sonne und blauem Himmel. Und das Beste daran war, dass die Loipe einen völlig anderen Weg nimmt, als der Rundwanderweg, den wir sonst dort üblicherweise laufen.

Und wenn die Kinder nicht von Anfang bis Ende gezickt und gezetert hätten, dann wäre es gar nicht zum Aushalten schön gewesen.


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Autofreier Geburtstagsausflug

Letztes Jahr konnte man ja – noch als Testprojekt – während der Sommerferien mit dem Stadtbus in den 30 km entfernten Nationalpark fahren. Seit diesem Jahr kann man das während des gesamten Sommerfahrplans von Ende April bis Ende September tun, und zwar jeden Tag; am Wochenende noch komfortabler als unter der Woche, da fahren die Busse jede Stunde von 8 bis 19 Uhr.

Ich finde das Projekt grossartig und wollte eigentlich gleich im April die erste Busfahrt ins Moor machen, spätestens in den Sommerferien mit den Kindern hinfahren… aber wie das so ist, war natürlich immer irgendwas anderes. Aber im Spätsommer ist es dort sowieso am schönsten, und als dann noch die Wettervorhersage recht gut aussah, wünschte ich mir den Ausflug einfach zum Geburtstag.

Die liebste Freundin, mit der ich vor elf Jahren das letzte Mal einen Geburtstag verbracht hatte, kam auch mit. Sie war nämlich diese Woche auf Tagung in Turku, und unsere Zeitpläne erlaubten es immerhin, dass wir uns zweimal abends, einmal zu einem zweiten Frühstück und fast den ganzen Sonnabend sehen konnten. Apropos: wenn Ökologen eine Tagung organisieren, dann gibt es plastikfreie Namensschilder, Tagungsbeutel, die in einer Behindertenwerkstatt aus recycelten Stoffen genährt wurden, das Programm nur noch digital und für alle über 1000 Teilnehmer auch in den Kaffeepausen immer richtige Tassen statt Wegwerfbechern. (Unter anderem.) Und passenderweise durften die Tagungsteilnehmer alle kostenlos Bus fahren in Turku.

Der grosse Herr Maus macht Hausaufgaben: ein digitales Herbarium erstellen.
(Mit seinem Schul-iPad, das in Turku alle Viertklässler bis zum Ende ihrer Grundschulzeit zur Verfügung gestellt bekommmen.)

Ursprünglich wollten wir einen ganz anderen Geburtstagsausflug machen, aber weil ich mir den auch autofrei gewünscht hatte, wäre er, weil wir ein bisschen zu lange darüber nachgedacht hatten, ziemlich teuer geworden. In zwei Wochen darf ich dann nochmal einen Geburtstagsausflug machen!


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Finnsierung XLV

Es ist dann jetzt soweit: auch Mitglieder unserer Familie gehen in Gummistiefeln wandern…!

Der grosse Herr Maus hatte schon seit drei Jahren auf dieses Wochenende hingehibbelt: wenn die Pfadfinder in die nächste Altersstufe aufrücken, dann begehen sie das in seinem Stamm mit einer zweitägigen Wanderung. Die ganze Woche habe ich für ihn gebangt, weil ich mir von Arbeit eine echt fiese Erkältung mitgebracht hatte, die mich für zwei Tage völlig lahmgelegt hat und immer noch nicht ganz ausgestanden ist und die ich auch an den Ähämann und das Fräulein Maus weitergegeben habe, aber der grosse Herr Maus blieb zum Glück gesund, und so lieferten wir Freitagabend einen aufgeregten Wölfling am Busbahnhof ab und bekamen heute einen glücklichen Abenteurer zurück nach Hause geliefert, der begeistert von seinen Erlebnissen* berichtete.

Wie sie Freitagabend losgewandert seien, sich dann an einer Feuerstelle Würstchen zum Abendbrot gegrillt hätten und dann mit Stirnlampen noch zwei Stunden weitergewandert wären durch die zunehmende Dämmerung bis zu dem Platz, an dem sie ihre Unterstände für die Nacht aufgebaut hätten. Und dass das mit dem Sturm – es gab eine Sturmwarnung für die Nacht! – gar nicht schlimm gewesen sei. Und wie sie dann am nächsten Tag abseits jeglicher Wanderwege weitere acht Kilometer quer durchs Moor gewandert seien und dass er jetzt weiss, wo man gefahrlos hintreten kann und wo man versinkt. Und wie sie dann, an der Hütte ihres Pfadfinderstamms angekommen, wieder ihre Unterstände aufgebaut hätten und dann Holz in die Sauna getragen hätten. Wie sie sich ihre neuen orangen Halstuchknoten geflochten hätten. Und wie sie dann alle noch auf eine kleine Nachtwanderung mit Stirnlampen und Reflexband an Bäumen geschickt worden seien, an deren Ende eine Kiste mit verschiedenen Getränken gestanden hätte, von denen sie sich eins für die Sauna nehmen durften und dann direkt in die warme Sauna gegangen seien. Und wie sie Eierkuchen überm Lagerfeuer gebacken hätten. Und wie toll es gewesen sei. Und der seit Tagen wackelnde Milchzahn ist jetzt auch raus. Wie es sich für einen grossen Pfadfinder gehört.


* Wir Eltern durften netterweise von Ferne ein bisschen teilhaben.

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle, XLIII], XLIV]


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Mit dem Stadtbus ins Moor

Vor etlichen Wochen, als es noch nicht zu heiss zum Wandern war, fuhren wir auf der Landstrasse nach Norden. Die Landstrasse, die auch zum Nationalpark führt, aber da wollten wir nicht hin, sondern noch ein Stück weiter. Jedenfalls bog ein paar Kilomter vorm Nationalparkparkplatz, da, wo eigentlich eine Endhaltestelle ist, ein gelber Stadtbus vor uns auf die Strasse und fuhr – sehr zu unserer Verwunderung – ebenfalls nach Norden! (Obwohl er ja eigentlich nach Süden und zurück in die Stadt hätte fahren müssen.)

Nun ist es so, dass die Gemeinde Turku eine sehr eigenartige Grenze hat: in der Mitte ist die eigentliche Stadt, im Süden gehören noch ein paar Inseln dazu, und im Norden ragt eine 20 km lange Spitze Turku ins Land. So kommt es, dass eine Stadtbuslinie schon immer sehr, sehr weit, bis fast ans Ende dieser Spitze – die Spitze selbst endet an einem Felsen im Moor – hineinfährt, aber eben leider sechs Kilometer vor dem dem Nationalpark endet.

Der gelbe Stadtbus jedenfalls fuhr sechs Kilometer lang vor uns her und bog dann auf den völlig umgestalteten Wanderparkplatz ein, und siehe da, es gab da eine Haltestelle und einen Fahrplan, der uns darüber informierte, dass man in diesem Sommer die ganzen Ferien über mit dem Bus zum Wandern fahren kann.

Es war dann ja erstmal ein paar Wochen lang viel zu heiss zum Wandern, aber als es am Wochenende zum ersten Mal ein bisschen abkühlte – aber nicht zu viel: ein Bad im umrundeten See war mehr als willkommen! – ergriffen wir die fast schon letzte Gelegenheit beim Schopf.

Voll toll, umweltfreundlich und zum Stadtbustarif ins 30 km entfernte Moor fahren zu können! Das könnten sie ruhig während des gesamten Sommerfahrplans jedes Wochenende anbieten!


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Nachtfrost und Schneeschauer

Wir sind ja eigentlich dran gewöhnt.

An unserem ersten Ostern in Finnland machten der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich eine Radtour mit Zelt. Als wir nach dem Frühstück unser Geschirr abspülen wollten, mussten wir erstmal ein Loch ins über Nacht wieder zugefrorene Meer klopfen.

Aber gut, dass wir heute verabredet waren. Sonst wären wir bei 1°C Tageshöchsttemperatur vermutlich trotzdem nicht zu einer Wanderung aufgebrochen.

Dabei war es natürlich wie immer: wenn man erstmal draussen ist, ist es richtig schön.

Alles Wasser im Moor war mit einer Eishaut überzogen. Der Schnee, der ab und zu fiel, war nicht der sonst für diese Jahreszeit typische windgepeitschte Schneeregen, sondern segelte wie Frau Holles feinste Daunen vom Himmel. Viel besser als Regenschauer!

Und die Sonne wärmte schon richtig. Ist ja schliesslich schon Mitte April.


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Spätsommer im Moor

Jemand hat endlich mein Seufzen erhört und einen familienfreundlichen Rundwanderweg durchs Moor angelegt. Sechseinhalb Kilometer auf Planken einmal rund um einen See. Blauer Himmel, gelbe Birken, warme Sonne.

(Ich könnte jetzt sagen: Jetzt kann der Herbst kommen…! Aber lieber wäre es mir schon, wir könnten noch ein paar Wochenenden so weitermachen.)