Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Juhannus: [finn.] Mittsommer

Die Finnen haben’s gut. Die haben zweimal Weihnachten im Jahr. Denn Juhannus ist mindestens genau so ein grosses Fest wie Weihnachten.

Alles beginnt am Freitag. Eigentlich ist der gar kein Feiertag, aber alle bekommen stillschweigend frei. Wer ein Mökki besitzt, der fährt da hin. Wer keins besitzt, der wird mindestens von jemandem eingeladen, der eins besitzt. Die Stadt ist nahezu menschenleer, auf den Strassen sind so wenige Autos zu sehen wie sonst nur am ersten Weihnachtsfeiertag. Man schmückt mit Sommerblumen und Birkenzweigen, und es werden riesige Mengen Essen vorbereitet. 18:00 Uhr wird die Fahne gehisst. (Und erst am nächsten Abend 18:00 Uhr wieder heruntergeholt.)
Abends geht man in die Sauna, zündet ein Feuer am Strand oder Seeufer an, grillt, isst und trinkt. (Alkohol. Viel. Leider.)

Am Samstag schläft man seinen Rausch aus. Und geniesst den Sommer. Und isst. Und trinkt. (Alkohol. Vielleicht ein bisschen weniger.)

Am Sonntag schläft man seinen Rausch aus. Und geniesst den Sommer. Und fängt entweder seinen Sommerurlaub an oder tritt wohl oder übel die Heimreise an den Wohn- und Arbeitsort an.

Und wir so?

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Strandtest geht weiter

(13) Jäkärlä, Maarian hiekkakuoppa

Wir haben die Sommerferien so anfangen lassen, wie es sich gehört – gleich nach dem letzten Kindergartentag heute sind wir zum ersten Mal dieses Jahr an den Strand gefahren!

Und weil wir letzten Sommer noch lange nicht alle Strände Turkus besucht haben, war auch heute wieder ein uns bisher unbekannter dran. Einer, von dem ich jetzt schon sagen kann, dass er wahrscheinlich einer meiner Lieblingsstrände werden könnte. Kein Meeresstrand, sondern ein Badeplatz an einer alten Sandgrube. Schön windgeschützt und sehr sonnig, und ab und zu kann man ein Flugzeug beim Landen oder Starten von unten begucken. Mit grünem, klarem Wasser, wunderbarem Sand und natürlich Toilette, Umkleidehäuschen und Rettungsring. Weiter draussen gibt’s noch einen schwimmenden Steg zum Hinschwimmen-und-Ausruhen oder Ins-Wasser-Springen. Aber der war uns für heute im wirklich noch kalten Wasser zu weit weg. Zwar hat die, letzte Messung ergeben, dass das Wasser in der Sandgrube mit 16 Grad immerhin zwei, drei Grad wärmer ist als an den Meeresstränden, und inzwischen sind vielleicht auch noch ein oder zwei Grad dazugekommen, aber für mehr als ein paar Schwimmzüge hat es zumindest dem Ähämann und mir nicht gereicht. Aber so schön war’s!

So kann der Sommer jetzt bitte weitergehen!

[Strandtest (1), (2), (3), (4), (5), (6), (7), (8), (9), (10), (11), (12)]


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Nestbautrieb (sehr früher)

Als wir das Mäusemädchen erwarteten, mussten wir holterdipolter aus unserer kleinen, uns liebgewordenen Wohnung im Studentendorf ausziehen, weil dort nicht mal Platz für ein Gitterbettchen gewesen wäre. (Zwei Jahre vorher waren wir mit Sack und Pack aus unserer immerhin 20 m2 grösseren Jenaer Wohnung ins Turkuer Studentendorf übersiedelt, wo wir deshalb sowieso jeden Quadratmeter optimalst ausnutzen mussten.)

Wir zogen also um. Ein Zimmer und 35 m2 mehr. Für ein Kind fast zu gross. Dann erwarteten wir das Mäuseknäbchen. Perfekt. Und dann wollten wir ja immer noch mindestens ein Kind mehr. Ich dachte immer, wenn wir das dritte Kind wollen, dann müssen wir sofort umziehen. Aber irgendwann ging uns sehr zu meiner Erleichterung (ich finde Umziehen ganz schrecklich!) auf, dass wir eine für finnische Verhältnisse sehr grosszügig geschnittene Wohnung haben. Eine, in deren Schlafzimmer nicht nur ein 1,60 m breites Bett passt, sondern sogar neben unser 1,80 m breites noch ein Gitterbettchen als Babybalkon. Eine, die ein Kinderzimmer hat, in dem auch mehr als ein Kind schlafen kann und dann immer noch leidlich Platz zum Spielen bleibt. Eine, in der es – zumindest, solange sie alle noch Kleinkinder sind – auch mit drei Kindern gehen sollte. Wir haben alle Platz am Tisch, wir haben alle mindestens einen Schlafplatz. Was wir nicht haben – trotz Einbauschränken, grossem Wäscheschrank im Waschmaschinenraum und Kleiderkammer – ist genügend Aufbewahrungsraum. So langsam wird es eng, auch wenn die Hälfte unserer Kleiderschränke jetzt schon zweckentfremdet benutzt wird.

Und wenn dann die liebste Freundin bei ihrem Besuch gleich die zwei grossen Kisten geborgter Babysachen zurückbringt und zusätzlich zwei Riesentüten Sachen vom eigenen Kind mitbringt, dann stellt uns das vor ernstliche Probleme. Irgendwo muss das Zeug ja hin.

Also muss alles neu geordnet werden. Und wenn die Mäusekinder, die bei derlei Arbeiten zwar begeistert dabei sind, aber mehr Unordnung als Ordnung verursachen, diese Woche die letzten vier Tage im Kindergarten sind, bevor sie reichlich zwei Monate Sommerferien machen dürfen, Mama aber diese Woche schon frei hat, dann ist klar, was Mama diese Woche zu tun hat…

Ich habe Schubladen ausgewischt. Ich habe Dutzende Mäuseknäbchenklamotten vom Schlafzimmer ins Kinderzimmer getragen. Ich habe eine Million Babysöckchen zusammengelegt und hundert Bodys gefaltet. Ich habe Kisten gefaltet, gestapelt und umsortiert. Ich habe zwei Tüten Sachen zum Altkleidercontainer gebracht. Ich habe seufzend und schwitzend den Babyschneeanzug aus seiner Aufbewahrungskiste gezogen und die kurzärmeligen T-Shirts und Spieler in Grösse 56 wieder zurückgelegt. Ich habe alle rosa Sachen (vorerst?) zurück in eine Kiste gestopft.

Ich habe fertig.

Nestbau abgehakt.
Die Sommerferien dürfen kommen.


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Vertan

… haben wir uns mal wieder die letzte Chance, jetzt schon zu erfahren, ob das Minimäusekind ein Minijunge oder ein Minimädchen ist. Wir haben einfach nicht gefragt, am Freitag, beim zweiten und – wenn alles komplikationslos verläuft – letzten Ultraschall. Tse!

Stattdessen durften der Ähämann, das Mäusemädchen und ich ein gesundes und schon so perfektes Minimenschlein mit Stupsnase und langen Beinen und winzigen Fingerchen und Zehen ansehen, das sich die ganze Zeit schüchtern die Hände vors Gesicht hielt.

Ich bin so gespannt darauf, wie es aussehen wird, wie es sein wird, ob es seinen Geschwistern ähneln oder ganz anders sein wird. Und ich bin so glücklich, es noch viele Monate in meinem Bauch haben zu dürfen.


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Familienfeiern

Wenn man zu einer kleinen Gemeinde gehört, die sich wie eine Familie anfühlt, dann feiert man nicht nur gemeinsam Gottesdienst, sondern geht auch gemeinsam wandern, verbringt Wochenenden zusammen, ist gleichzeitig schwanger ;-) und feiert zusammen Geburtstage, Babyshower, Taufjahrestage und Halloween.
Man geht zu Taufen, Hochzeiten und, ja, auch schon mal zu einer Priesterweihe:

(Im Lieblingsdom.)