Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

neljäsataakolmekymmentäseitsemän, neljäsataakolmekymmentäkahdeksan, neljäsataakolmekymmentäyhdeksän, neljäsataaneljäkymmentä

Die letzte Woche war, was das Kennzeichenfinden betrifft, sehr erfolgreich.

Dienstags, wenn die Hortkinder eine Stunde später aus der Schule kommen, gehen der Ähämann und ich manchmal gemeinsam Mittagessen. Wir radelten auf schneefreien Umwegen ins Stadtzentrum, direkt vorbei an einer geparkten 437, auf die mich der Ähämann, der diesen Quatsch ja bekanntlich nicht mitmacht, netterweise aufmerksam machte, denn ich hätte sie sonst verpasst. Als ich später mit vollem Magen Richtung Schule spazierte, belieferte UPS gerade das benachbarte Musikgeschäft, aber nicht mit UPS-1, die ich immer auf dem Heimweg treffe, sondern mit einer 438, und ich war so verdattert, dass ich auf die Buchstaben gar nicht geguckt habe, aber ich schätze, es waren nicht U, P und S, denn so gross ist das Unternehmen nun auch wieder nicht.

Als ich am Donnerstag zur Schule spazierte, fuhr gerade ein Taxi vor dem benachbarten privaten Ärztehaus vor, eine 439. Nach der Arbeit holten mich der Ähämann und der kleine Herr Maus nach der Musikschule von Arbeit ab, und wir fuhren gemeinsam ins Konservatorium, wo das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus ein gemeinsames Konzert auf Harfe und Klarinette gaben.

Ich erzählte dem Ähämann, der ja bekanntlich diesen Quatsch nicht mitmacht, vom Taxi vorm Ärztehaus, und er sagte: „Die 440 stand vorhin gleich hinter der Kreuzung am Strassenrand. Hast du die auch gesehen? Ich habe sie dir nur nicht gezeigt, weil ich nicht wusste, dass du schon so weit bist.“ Und da fiel mir wieder ein, dass ich sie tatsächlich auch gesehen hatte, ein roter PKW vor dem ersten Restaurantschiff am Fluss, aber genau wie der Ähämann gedacht hatte, dass ich die 440 ja noch lange nicht brauche.

Vermutlich geht das alles gerade zu schnell.

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neljäsataakolmekymmentäviisi, neljäsataakolmekymmentäkuusi

Am Montag bin ich das erste Mal seit vor den Weihnachtsferien (!) wieder mit dem Fahrrad auf Arbeit gefahren.

Es ist jetzt so, dass ich eigentlich schon wieder das Sommerfahrrad nehmen könnte. Ich fahre auf Umwegen, weil der kürzeste Weg vermutlich noch bis Mai von Eis bedeckt sein wird. Über die vereisten Stellen, die trotzdem noch am Weg liegen, muss ich das Rad sowieso schieben, weil die Eisschichten mittlerweile in der Nachmittagssonne vom Rand her so weich werden, dass man im einen Moment noch schnurpsschnurps mit den Spikes problemlos über eine spiegelblanke Fläche rollt, im nächsten Moment allerdings mit Vorder- und Hinterrad gleichzeitig fünf Zentimeter nach unten sackt und feststeckt.

Da, wo ich mein Fahrrad auf Arbeit abstelle, bräuchte ich eigentlich Spikeschuhe, denn unter dem Fahrradständer befindet sich ebenfalls eine zehn Zentimeter dicke, spiegelblanke Eisschicht. Auch die wird vermutlich nicht vor Mai verschwunden sein, da der Fahrradparkplatz die meiste Zeit des Tages im Schatten liegt.

Nächste Woche ist übrigens Nachtfrost mit bis zu -13°C vorhergesagt.

(Die 435 kam mir kurz vor Arbeit entgegen. Die 436 steht auf einem grösseren Parkpklatz in unserem Stadtteil.)

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neljäsataakolmekymmentäkaksi, neljäsataakolmekymmentäkolme, neljäsataakolmekymmentäneljä

Am Freitag war so ein Tag, wie ich ihn angesichts der aktuellen Benzinpreise und der drohenden Klimakatastrophe eigentlich gern vermeiden würde: wir fuhren den ganzen Tag mit dem Auto hin und her.

Immerhin versuchten wir die Erledigungen zu verbinden, und so fuhren der Ähämann und ich zunächst zum Second-Hand-Kaufhaus vom Roten Kreuz, um weitere ausgemistete Dinge abzuliefern und zwölf neue Kompottschüsselchen als Ersatz für die in letzter Zeit reichlich zerdepperten zu erstehen. Kurz bevor wir da waren, kam uns eine 432 entgegen.

Mit einem Zwischenstopp am Lidl fuhren wir weiter auf meine Arbeit. Der Ähämann hatte das Auto voller Werkzeug geladen und machte sich daran, mehrere Stunden lang verschiedene dringend nötige Handwerksarbeiten, für deren Erledigung sich andernfalls höchstens mit wöchentlicher Ermahnung in frühestens fünf Monaten jemand gefunden hätte, auszuführen.

Nachdem wir beide unsere jeweilige Arbeit erledigt hatten, stiegen wir wieder ins Auto und holten auf dem Weg nach Hause im Partybedarfsladen eine innig gewünschte heliumgefüllte Eins und Sechs und beim Konditor eine vorbestellte rosa Torte für 15 Personen ab. Zu Hause schaffte ich es gerade so, gegen das Zittern in den Beinen zwei Nutellabrote zu essen, dann stiegen wir wieder ins Auto und fuhren das Fräulein Maus eine Dreiviertelstunde eher als sonst zur Reitstunde. Vor dem Reitstall standen nebeneinander die 435 und 436.

Wir winkten dem Fräulein Maus zu und fuhren zurück Richtung Stadt, denn eine halbe Stunde später traf die erste Geburtstagsgästin mit dem Zug aus Mittelfinnland ein. Auf dem Weg begegnete uns eine 433. Der Ähämann, der ja bekanntlich diesen Quatsch nicht mitmacht, erwog, kurz nochmal bei uns zu Hause vorbeizufahren, denn in der Nachbarschaft – da, wo vor einigen Jahren die 291 und die 300, beide längst wieder weggezogen, standen – wohnt eine 434, und vielleicht würden die 435 und die 436 ja noch vorm Reitstall stehen, wenn wir das Fräulein Maus wieder abholten, aber angesichts der aktuellen Benzinpreise und der drohenden Klimakatastrophe und natürlich auch der knappen Zeit verzichtete ich dankend auf das Angebot. Nachdem wir die alleinreisende Geburtstagsgästin am Bahnhof pünktlich in Empfang genommen hatten, fuhren wir zu dritt zurück zum Reitstall, wo sich zwei Mädchen juchzend in die Arme fielen und die eine der anderen beim Rest der Reitstunde zusah.

Die 435 war uns übrigens, als wir zum zweiten Mal zum Reitstall fuhren, auf der Strasse, die dank des langanhaltenden Winters und der extradicken Eisschichten dieses Jahr inzwischen schwerer zu befahren ist als die Strasse zu Islands vermutlich am schwierigsten zu erreichenden Zeltplatz, entgegengekommen, und die 436 stand sogar noch da. Egal. Die 434 stand tatsächlich auf ihrem Parkplatz, als wir Freitagabend endlich endgültig zu Hause ankamen und Balthasar wenigstens bis Sonntagfrüh abstellen konnten, und man muss ja nicht gleich fünf Nummern weiterkommen. Drei an einem Tag sind ja auch schon ziemlich grossartig.

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16

Ich weiss nicht, wann das passiert ist, aber das Fräulein Maus ist seit gestern 16.

Sie hatte sich nichts sehnlicher gewünscht als eine grosse Party und ihre halbe Klasse, zwei ehemalige Turnfreundinnen, einen Freund aus Grundschulzeiten, die beste Freundin aus Mittelfinnland und eine Freundin aus dem Konfirmandenlager eingeladen.

Es war so sehr höchste Zeit dafür nach den vergangenen zwei Jahren…! Und es war so toll, all die grossen, höflichen, witzigen, fröhlichen Kinder jungen Leute im Haus zu haben…!

(Ich hätte allerdings erwartet, dass so Fünfzehn- und Sechzehnjährige frühestens um zehn nach Hause gehen und war sehr erstaunt, als die ersten beiden um acht abgeholt wurden, nach nur zwei Stunden wie bei so ’nem Kindergeburtstag, und um zehn die letzten heimgingen. Alle aber sagten: „Kannst du nicht bald wieder mal eine Party geben?!“)


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Suomenlinna-, Sauna- und Sonnenwochenende

Seit vielen Jahren – ausser im letzten, aus bekannten Gründen – fahren die liebste Freundin und ich einmal im Jahr für ein gemeinsames Wochenende nach Helsinki.

Wir machen nichts weiter, als zweieinhalb Tage lang ziellos über Suomenlinna und durch die Stadt zu spazieren, leckere Sachen zu essen, stundenlang in einer Sauna herumzusitzen und bei all dem ununterbrochen – im doppelten Wortsinn – zu reden.

Da die „Gabriella“ neulich in den Seapool gefahren ist und ihn schlimmer beschädigt hat, als man vermutet hätte, mussten wir uns diesmal eine andere Sauna suchen.

Statt einer ganz neuen diesmal also eine ganz alte. Genaugenommen die älteste noch erhaltene öffentliche Sauna Helsinkis. Sie befindet sich in einem mehrstöckigen Haus; im Erdgeschoss saunieren die Männer, im ersten Stock die Frauen. Allein die Umkleideräume sind – vor allem im Vergleich zu den engen Umkleideräumen mit den winzigen Spinden im Seapool – ein Traum. Die riesigen Saunaöfen werden immer noch mit Holz beheizt: es dauert drei bis fünf Stunden, bis die Sauna warm genug ist, dafür speichern die anderthalb Tonnen Steine und die Tonne Eisen im Saunaofen so viel Wärme, dass das dann für den Rest des Tages reicht. Zum Aufgussmachen muss man mit einer Kelle mit einem sehr langen Stiel sehr gut zielen; man wirft das Wasser nämlich von der höchsten Saunabank aus durch eine Art Ofenklappe auf ungefähr Kopfhöhe auf die Saunasteine. Zwischen den Saunagängen sitzt man vor der Tür auf dem Bürgersteig, Hunde werden an einem vorbeigeführt, Strassenbahnen fahren vorbei, und übers Dach fliegen startende Flugzeuge. Wer braucht da schon Eisschollen?

Das ist vielleicht unsere neue Lieblingssauna.

Das war wie immer sehr schön und erholsam.

(Und das Allerbeste war vielleicht, das ganze Wochenende keine Nachrichten zu lesen.)


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Hoffnungen, zerbombte

Einer unserer nächsten, noch etwas vagen, aber schon fest anvisierten Reisepläne war übrigens, nach Kiew zu fahren, sobald die Pandemie vorbei wäre und die ukrainische Bahn wieder nach Riga fahren würde. Der Gedanke, dass von der Stadt in ein paar Tagen vielleicht nicht mehr viel übrig sein wird, ist schwer auszuhalten.

Ein weiterer Plan war, sobald unser Impfstatus und die Coronazahlen es zulassen würden – und die Touristenströme aus Asien noch nicht wieder eingesetzt hätten – endlich nach St. Petersburg zu fahren; dank e-Visum und direkter Zugverbindung von Helsinki kein grosses Ding. Inzwischen fährt der „Allegro“ nur noch, um Russ*innen einen Fluchtweg offenzuhalten.

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Presseschau.

Kaj Stenvall, dessen Entenbilder uns begleiten, seit wir in Finnland angekommen sind, malt jetzt Putin.


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Statt Skifahren: Unabhängigkeit feiern (mit schwerem Herzen)

Am 24. Februar feiert Estland seinen Unabhängigkeitstag. Ich fürchte, in diesem Jahr war niemand so recht in Feierlaune.

Ich glaube, die (hoffentlich nur noch wenigen) deutschen Putinversteher können aus ihrer Sicht einfach nicht nachvollziehen, wie sich das anfühlen muss für die Länder der ehemaligen Sowjetunion, dass es kein Wunder ist, dass die alle so schnell wie möglich in die EU und in die Nato wollten. Meine Mutter hat ein einziges Mal in ihrem Leben CDU gewählt: 1990, weil es ihr als die einzige Möglichkeit erschien, ihren Teil dazu beizutragen, dass sich das Rad der Geschichte, dass im Jahr zuvor mehrere Umdrehungen nach vorn gemacht hatte, keinesfalls zurückdrehen würde.

Es war Zufall, aber natürlich auch ausserordentlich passend, dass wir ausgerechnet am Unabhängigkeitstag das estnische Nationalmuseum besuchten. Es wurden Fähnchen verschenkt, und viele Leute kamen fein gekleidet zu einem später stattfindenden Festkonzert.

Im Museum gab es eine Ausstellung über die finnisch-ugrischen Völker, eine mit Alltagsgegenständen aus vielen Jahrhunderten, eine mit Lebensgeschichten, eine über estnische Küche, über Landwirtschaft, über die estnische Sprache. (Wir hatten viel Spass beim estnischen Lehnwörterraten, denn wer Finnisch und Deutsch kann, der ist nicht nur gut dran in Estland, sondern für den ist die Sprache auch unheimlich niedlich.) Vieles konnte man nicht nur angucken, sondern auch anfassen und ausprobieren.

Auf unseren Eintrittskarten wurde unsere Muttersprache codiert, und mit ihnen konnten wir jede Erklär“tafel“ auf Deutsch umschalten. Besser noch, wir konnten uns so viele Erklärungen, wie wir wollten – woher die estnischen Flaggenfarben kommen oder wieso die Wende in Estland mit gelben Klamotten anfing oder warum der estnische Präsident 1997 eine Pressekonferenz auf der Herrentoilette des Tallinner Flughafens gab – auf unseren Eintrittskarten abspeichern und können sie jetzt jederzeit über eine Webseite abrufen.

Dann trieb uns, wie immer, der Hunger aus dem Museum, und wir liefen die anderthalb Kilometer zurück in die Innenstadt.

Und nach dem Mittagessen, obwohl wir schon alle fast platzten, mussten wir nochmal die Gelegenheit zum Torteessen nutzen.

Danach erfüllten wir den Kindern, weil es der letzte Abend war, noch einen Herzenswunsch und liehen ihnen Schlittschuhe aus, mit denen sie eine Stunde auf der vor dem Rathaus angelegten Eisbahn ihre Runden drehen konnten. (Der Ähämann und ich gingen derweil in einer der zahlreichen Kneipen am Rathausplatz einen Cocktail trinken. Grosse Kinder sind toll.)

Apropos Rathaus. Das Tartuer Rathaus hat das schönste und komplizierteste Glockenspiel, das ich je gehört habe.
Es erklingt von früh um neun bis abends um neun alle drei Stunden, jedes Mal mit einem anderen Stück. (Offensichtlich wechseln die Stücke monatlich und werden auch Feiertagen angepasst.) Nachmittags um drei spielte es übrigens das Stück, dass das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus gerade auf Harfe und Klarinette gemeinsam üben.

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Ich bitte das schaukelnde Video zu entschuldigen. Es gab kein Erdbeben. Die Welt war nur ein bisschen aus den Fugen geraten.


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Statt Skifahren: Spazierengehen

Am dritten Tag, nachdem abends und nachts ein Schneesturm durchgezogen war, kam endlich die Sonne raus. Also wenigstens ab und zu. Wir packten die Gelegenheit beim Schopf und gingen ein bisschen durch die Stadt spazieren.

Wir fingen mit dem Unigelände an – ich bin übrigens als Doktorandin in einer Graduate School mit Doktorand*innen aus Turku, Jyväskylä und Tartu gewesen; wir trafen uns reihum zu mehrtägigen Seminaren an den jeweiligen Orten, ich bin aber trotzdem noch nie in Tartu gewesen, da uns die Esten damals statt nach Tartu in ein Naturschutzgebiet an der Ostsee einluden – wo auch die beeindruckende Ruine des Tartuer Doms steht, der schon im Livländischen Krieg – immer das Gleiche, schon vor fünfhundert Jahren…! – zerstört wurde.

Vor allem aber wollte ich nach Supilinn, einem Stadtteil voller Holzäuser. Supilinn bedeutet Suppenstadt, und die Strassen dort haben alle Obst- und Gemüsenamen. Witzig.

Wie überall in Estland stehen auch in der Suppenstadt brandneue Häuser neben nahezu verfallenen, renovierte neben solchen, bei denen die Farbe nur noch als Schuppen auf den rohen Holzbalken hängt. Obwohl die neuen Häuser alle sehr schön zum ursprünglichen Strassenbild passen, sind es doch die alten, die roten, gelben und grünen, die mir Herzchenaugen machen.

Erbsenstrasse

Kartoffelstrasse

Beerenstrasse

Am Rand der Suppenstadt erhebt sich riesig Estlands grösste Brauerei hinter den kleinen Holzhäusern. Dort wird nicht nur Bier gebraut, sondern auch Limonade, Saft und alkoholische Mixgetränke hergestellt; unter Anderem unsere Lieblingsrhabarberlimonade. Hinter einer unscheinbaren Tür gibt es sogar einen Werksverkauf, und wir schafften es gerade so, die 1,88 € für vier Getränke, darunter ein alkoholisches, in bar – „No cards. Only money or bottles!“ zusammenzukratzen. Tatsächlich kamen die meisten Kund*innen mit riesigen Müllsäcken voller Pfandflaschen, und die Getränkekästen für leere Pfandflaschen stapelten sich bis unter die Decke. Wir hatten schon fast angefangen zu planen, dass wir am Abreisetag nach Aufsuchen eines Geldautomaten nochmal mit dem Auto vorfahren und uns den Kofferraum voller Rhabarberlimonade, die es in kaum einem Supermarkt noch zu kaufen gibt, und wenn, dann nur noch in kleinen Flaschen – laden würden; der Plan fiel allerdings dem langen Wochenende – Donnerstag war Feiertag und Freitag gleichmal auch geschlossen – zum Opfer.

Melonenstrasse

Selleriestrasse

Kürbisstrasse

Im Sommer, wenn die Gärten grünen und blühen, ist es sicher noch viel schöner in der Suppenstadt. Wir waren nach unserem Spaziergang auch reichlich durchgefroren und gingen deshalb zum Aufwärmen direkt weiter in die Gewächshäuser des Botanischen Gartens.

Dort war es so feuchtwarm, dass ich, nachdem ich mich einer Wollschicht nach der anderen entledigt hatte, gar nicht mehr wusste, was ich noch ausziehen könnte. Am liebsten wären wir einfach dageblieben.

Aber dann knurrte uns der Magen, und es mussten auch noch dringend Socken – fragt nicht! – gekauft werden, und so begaben wir uns doch nochmal ins kalte Grau hinaus, wo es inzwischen wieder angefangen hatte zu schneien.


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Statt Skifahren: Kopfstehen

Eigentlich wollten wir nach Tartu mit dem Zug fahren, denn alles, was wir uns für dort vorgenommen hatten, wäre innerhalb der Stadt und deswegen auch ohne Auto gut zu erreichen. Aber dann hatten wir plötzlich diese ellenlange Einkaufsliste, und naja. Wir hatten vorher sogar gedacht, wir könnten kurz nach Valga fahren, um lettisches Bier zu kaufen, denn schliesslich war es mit dem Zug nur ein Katzensprung von Tartu nach Valga gewesen; tatsächlich sind es aber 85 km einfache Strecke mit dem Auto, und das liessen wir dann doch lieber bleiben.

Und so blieb Balthasar fünf Tage lang stehen, während wir kreuz und quer durch die Stadt – und auch aus der Stadt raus – spazierten. Vor der Stadt, auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens, steht nämlich unter Anderem ein komisches Haus.

Wir liefen über Zimmerdecken, machten Handstand auf Tischen, Betten und Klobecken, ruhten uns neben Deckenlampen aus.

Dann drehten wir uns wieder richtigrum, spazierten ins Stadtzentrum zurück, gingen Mittagessen, holten die Schwimmsachen aus der Ferienwohnung, liefen zur Schwimmhalle, verbrachten mehrere Stunden in einer fast völlig leeren Schwimmhalle mit Schwimmen, Rutschen und Saunieren – es ging da ähnlich entspannt zu wie in der Schwimmhalle in Pärnu – suchten danach schnell einen Supermarkt auf, um Nachschub an Brot und Butter und Quarkriegeln zu kaufen und verspeisten dann in einem Café jeder einen riesigen Palatschinken mit verschiedenen süssen Beilagen als Abendbrot.


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Statt Skifahren: Experimentieren

Die Skiferien sind die einzigen Ferien, in denen ich nicht so gerne wegfahre: es könnte ja sein, es liegt Schnee, das Meer ist zugefroren, die Sonne scheint.

Diesmal hatten wir uns aber doch schon lange vor den Ferien für eine Reise entschieden. Schon seit Jahren wollten wir nach Tartu, Estlands zweitgrösster Stadt, und immer war irgendwas dazwischengekommen. Ausserdem mussten wegen der ausgefallenen Erzgebirgsreise dringend unsere Vorräte an Bier in Flaschen, bezahlbarem Verbandsmaterial und Kopfschmerztabletten, nicht-laktosefreien Milchprodukten sowie anderen Deosorten als den drei hier erhältlichen aufgestockt werden.

Der diesjährige Winter war nicht schlecht. Aber die letzten beiden Wochen vor den Skiferien waren geprägt von grauem Himmel, kaltem Wind und Schneematsch, und die Wettervorhersage für die Skiferienwoche sah auch nicht besser aus. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich deshalb darauf gefreut habe, in den Ferien lauter Dinge in geschlossenen Räumen zu tun: gemütlich zwei Stunden lang Fähre zu fahren, in jede Menge Museen zu gehen, in einer warmen und hellen Schwimmhalle zu planschen, in Cafés und Restaurants herumzusitzen und Essen mit Geschmack und Backwaren ohne Kardamom zu uns zu nehmen.

Wir fingen mit dem „Ahhaa“ an. Dahin wollten wir seit Jahren, seit wir in Tallinn mal eine eine kleine Sonderausstellung von denen gesehen hatten. Die Kinder waren ungewöhnlich schnell angezogen und abmarschbereit, denn sie erinnerten sich noch gut, dass im „Heureka“ in Helsinki sieben Stunden hinten und vorne nicht gereicht hatte.

Wir waren auch im „Ahhaa“ fast sieben Stunden. Aber wir waren fast allein da: die Esten hatten keine Ferien, und die Finnen bleiben immer noch brav im eigenen Land, obwohl es in den letzten Wochen vermutlich nirgendwo in Europa mehr Coronafälle gegeben hat als hier. Man musste nirgends anstehen und man konnte alles so oft ausprobieren wie man wollte. (Nur die Astronautentrainingszentrifuge liess der Museumsmitarbeiter die Herren Maus erst nach zehn Minuten wieder besteigen.)

Nicht zuletzt war das Essen im Museumsrestaurant um Welten besser und der Eintritt mit 35 € für eine Familienkarte nur ein Drittel so teuer wie im „Heureka“.

Allein für diesen einen Museumstag hatte sich die gesamte Reise schon gelohnt.

„Das ist ja wie auf der „Norröna“!“