Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Palmsonntag 2015

Dieses Jahr hatten sich die Hexe und der grosse Kater ausbedungen, einen Teil der Runde allein zu gehen. Ohne einen einzigen übriggebliebenen Weidenzweig und mit bis obenhin mit Schokolade gefüllten Körbchen kehrten sie heim.

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Der Ähämann blieb zu Hause, um seinerseits Schokoladeneier zu verteilen. Meine Lieblings-Palmsonntagsanekdote hat übrigens unsere ehemalige Nachbarin Helena letztes Jahr in ihrem Blog erzählt: eine Familie, die an dem Tag nicht zu Hause war, aber die kleinen Hexen nicht leer ausgehen lassen wollte, hatte eine Vase und einen Korb mit Süssigkeiten neben die Haustür gestellt und einen Brief dazu geschrieben: „Sehr geehrte Hexen, leider sind wir nicht zu Hause. Stellt doch die Zweige bitte in die Vase und nehmt euch pro Nase zwei Stück Süssigkeiten aus dem Korb.“ Im Korb waren abends noch Süssigkeiten übrig, die Vase war voller geschmückter Weidenzweige.

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Diesmal verschenkten wir geschmückte Weidenzweige nicht nur an Nachbarn, Kindergartenfreunde und ehemalige Nachbarn, sondern auch an einen Busfahrer und an einen Flughafenmitarbeiter, der am Check-in Dienst tat, aber später vermutlich auch die Gepäckwagen auf unserem Provinzflughafen fahren musste. Der Busfahrer reichte dem kleinen Herrn Maus spontan ein Zwei-Euro-Stück als Gegenleistung und bestand darauf, dass wir es annahmen. Der Flughafenmitarbeiter bedauerte, er hätte wirklich nichts als Gegenleistung anzubieten, und wir bestanden darauf, dass er unseren Weidenzweig trotzdem annahm.
Am meisten freuten sich die Kinder sowieso darüber, dass der eine Zweig gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe weiterfahren durfte, der andere über dem Check-in-Schalter festgeklemmt wurde.

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Wenn man mal ganz viele Leute lächeln sehen will, dann muss man zu Palmsonntag kurz vor Ladenschluss mit einem kleinen Kater in ein grosses Möbelhaus gehen.


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Gefunden!

Das Geburtstagskind hatte sich einen Kompass gewünscht.

Und da man mit einem Kompass allein nicht so viel anfangen kann, bekam sie auch eine Karte dazu, und wir machten uns am Wochenende auf die Suche nach einem Teil der in verschiedenen Waldstücken im Stadtgebiet fest installierten Posten.

“Ich lauf’ ja nicht so gern. Aber so mit Karte und Postensuchen, da macht mir das Spass!”

(Die Idylle trügt ein bisschen. Zwar schien die Sonne, aber es wehte ein eisiger Wind. Und die kleine Orientierungsläuferin war müde und hungrig und ziemlich schlechter Laune. Nächster Versuch bei mindestens 10 Grad mehr und mit einem ordentlichen Frühstück im Bauch.)


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Glückliches Mittagskind

mit 16 Jahre alter Glücksbrille:

Das ist nämlich so: 1999 hatten der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich schon die Rucksäcke gepackt und eine Zugverbindung nach Stuttgart rausgesucht. Wenn wir schon so nahe dran waren an einer totalen Sonnenfinsternis, dann wollten wir uns nicht mit einer fast totalen Sonnenfinsternis begnügen.

Wir stellten den Wecker auf sehr zeitig. Sehr, sehr zeitig. In Jena regnete es in Strömen. Die Wettervorhersage sah miserabel aus. Über Stuttgart würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein breites Regenwolkenband befinden. Vielleicht hätte man in Bayern eine Chance. Eine klitzekleine. Wir mussten uns entscheiden. Schnell. Sehr schnell. Letztendlich entschied der Zugfahrbahn: wohin könnten wir es bis zum Zeitpunkt der totalen Sonnenfinsternis noch schaffen? Und zwar ohne einen ICE zu benutzen, die alle schon hoffnungslos ausgebucht waren? Wir rasten zum Saalbahnhof und fuhren kurzentschlossen nach Augsburg. Im strömenden Regen bis kurz vorm Ziel. Als wir ankamen, riss der Himmel an ein paar klitzekleinen Stellen auf. Der Mond hatte schon angefangen, sich vor die Sonne zu schieben. Je weiter sich der Mond vor die Sonne schob, desto blauer wurde der Himmel. Die Wolken verschwanden. Dieses unwirkliche Licht mit den durchsichtigen Schatten ein paar Sekunden vor und nach der vollständigen Verdunkelung sehe ich immer noch vor mir. Das werde ich nie vergessen. Wie gut, dass wir gefahren waren! Eine halbe Stunden später war der Himmel wieder komplett zugezogen, und wir flüchteten vor einem Wolkenbruch zurück zum Bahnhof.

Für heute hatte ich den Kindern versprochen, dass das Fräulein Maus direkt von der Schule nach Hause kommen und die Herren Maus Mittagskinder sein und die Sonnenfinsternis angucken dürften statt Mittagsschlaf machen zu müssen. Also bis heute früh. Nach zehn Tagen ununterbrochenem Sonnenschein war es ausgerechnet heute bedeckt. Von früh an. „Ich hole euch ab, falls die Sonne doch zu sehen ist. Aber vermutlich wird es nichts“, hatte ich die Jungs heute früh vorsichtig vorbereitet.

Aber mit so einer Glücksbrille kann ja nichts schiefgehen. Halb zwölf raste ich zum Kindergarten. Die Sonne schien immer noch hell genug hinter den Schleierwolken hervor.

Und so sah das aus.

Drei Kinder quietschten vor Begeisterung.


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Elitäres Gehabe

Um die Auftritte der Musikgartenkinder jedes Mal ein unheimliches Gewese machen – aber dann die Begleitmusik vom Band leiern! Als ob sich in einem Konservatorium keiner fände, der sich mal eben ans Klavier setzt. (Da ist ja unser Kindergarten besser…!)

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“Vorraussetzung für eine Bewerbung zum Klavierunterricht ist ein eigenes akustisches Klavier, ein digitales Klavier ist nicht ausreichend” zur Abschreckung und damit gleich mal klar ist, was für ein Klientel erwünscht ist, in die Infobroschüre drucken – aber die Musikgartenkinder mit diesen unsäglichen Plastik-Blockflöten zum Unterricht kommen lassen. Und eine Plastik-Posaune – es gibt tatsächlich nichts, was es nicht gibt! – als preiswertes Übungsinstrument anpreisen. Vollkommen logisch…!

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Ein Instrumentenvorstellungskonzert für potentielle Schüler organisieren – und dann zehn Minuten vor Beginn alle pünktlich im Saal erschienenen Interessierten anherrschen: “Wir sind noch mitten in den Proben! Wir bitten das Publikum um absolute Ruhe!” Super Methode…! (Wenn man keine Schüler will.)

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Beim Bewerbungsgespräch abfällig zur Kenntnis nehmen, dass das Kind, nach seiner Motivation befragt, wahrheitsgemäss antwortet: „Zum ersten Mal habe ich eine Harfe beim Neujahrskonzert im Fernsehen gesehen“ – aber den potentiellen Bewerbern beim eigenen Instrumentenvorstellungskonzert ein Akkordeon als “genau wie eine Violine, ein Klavier und eine Harfe ein Instrument mit Saiten” verkaufen. Ähm, ja. (Auch wenn auf Finnisch sowohl „Saiten“ als auch „Zungen“ kielet heissen – drei erklärende Sätze hätten den Unterschied nahegebracht statt mit einem Wort die vermeintliche Gemeinsamkeit herauszustellen.)

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Die Eltern immer wieder darauf hinweisen, dass man auch über seltene Instrumente nachdenken soll, dass sich vielleicht nicht alle Kinder auf Violine und Klavier bewerben sollen – aber dann ein Kind, das tatsächlich ein seltenes Instrument spielen möchte, wegen “zu vieler Bewerber” (2; in Worten: zwei) ablehnen und eine Woche später die entsprechende Fachkraft anrufen lassen, sie suche händeringend noch mehr Schüler, und man solle doch das Kind, das übrigens den Musikalitätstest glänzend bestanden habe, bitte trotzdem in den Unterricht schicken. Als externe Schülerin. Für den dreifachen Preis einen geringfügig höheren Preis. (Kommt ja nur ein Schelm auf komische Gedanken…!)

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Zum Glück haben sich für zwei von drei Kindern unerwartet leicht ausserhalb des Konservatoriums ganz wunderbare Lehrerinnen für das jeweilige Wunschinstrument gefunden. Und das dritte Kind setzt mir erst gar keinen Fuss in diese fragwürdige Institution, sollte es irgendwann den Wunsch verspüren, Kontrabass ein kleines, erschwingliches Instrument spielen lernen zu wollen.

Sollen die ganzen Eislaufeltern denen weiterhin blind die Bude einrennen. Wir sind raus.

(Und ob ich mein Kind nochmal für so eine zweifelhafte Veranstaltung ein Konzert von denen ausleihe, das überlege ich mir auch noch.)