Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Hinterlasse einen Kommentar

.

Ich bin also wieder da. Schon seit Sonntagnachmittag. Weil es für Montag wieder eine Sturmwarnung gab und es so aussieht, als würde es diese Woche auch nicht mehr besser werden. :-( Am Sonntag war schönstes Wetter, aber ein einzelner Tag nützt uns nicht viel. Also haben wir am Sonntag die Fallen von den anderen fünf Inseln unverrichteter Dinge wieder eingesammelt und uns ein bisschen geärgert dabei, aber was soll man machen… Das Meer war ganz ruhig, mit „Schwimmbadwellen“, die den Himmel spiegelten, und ein paar „alten Wellen“ vom Samstagssturm, die die ganze Meeresoberfläche schwingen liessen. Die Sonne schien, es ging überhaupt kein bisschen Wind, das einzig Nervige war, dass die Inselufer alle von den grossen Wellen vom Samstag noch feucht und furchtbar glatt waren, so dass wir immer nur auf allen Vieren aus dem Boot an Land kriechen konnten. William ist nun diese Saison als Letzter von uns allen auch endlich ins Wasser gefallen, ähm, gerutscht. Er hatte gerade den Haken für das Boot in eine Felsspalte geschlagen und wollte sich umdrehen und hoch auf die Insel klettern, als er wegrutschte und, aufrecht sitzend, mit den Beinen voran wie auf einer Rutsche, einfach Richtung Wasser rutschte und natürlich nicht mehr anhalten konnte. Jetzt weiss ich, warum das finnische Wort für Rutsche liukumäki (=“Rutschhügel“) ist. ;-)

Vorraussichtlich war das mein letzter Fangausflug für dieses Jahr. Und ich weiss auf einmal nicht mehr, ob ich darüber froh sein soll oder nicht. Ich freu’ mich auf den Winter, und ich freu’ mich auf ein bisschen „normalen“ Alltag, aber da draussen in Utö war’s so schön, dass ich schon ein bisschen wehmütig geworden bin, dass ich jetzt für ein halbes Jahr Abschied nehmen muss vom Archipelago…

Gestern Abend waren wir auf Nicoles und Dirks Abschiedsparty. Heute Abend geht ihre Fähre nach Stockholm. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie sich fühlen müssen, jetzt nach Deutschland zurückzugehen, obwohl sie viel lieber hier blieben. Und komischerweise hat mich dieses Europcar-Auto mit dem deutschen Kennzeichen hier im Yo-kylä am meisten traurig gemacht, das hat hier doch nichts zu suchen…! *schnief*


Hinterlasse einen Kommentar

Katastrophentourismus

…war das nicht. Wir kamen nur auf dem Weg nach Utö da vorbei und wunderten uns, was der Frachter da, 200 m neben der markierten Seeroute und fast auf die Insel aufgelaufen, da zu suchen hatte.

Später hörten wir in den Nachrichten, dass es nicht ganz so war wie es aussah. Das Frachtschiff war schon eher im Archipelago auf Grund gelaufen und wäre gesunken, hätte der Kapitän es nicht in flacheres Wasser, so nahe wie möglich an diese Insel, gefahren. So konnten nicht nur die Mannschaft, sondern auch die Fracht gerettet werden. (Hier die Originalmeldung aus dem Turun Sanomat.)

Gefährliche See… nicht nur für so kleine Boote wie unseres…


Hinterlasse einen Kommentar

Grüsse aus Utö!

Na, da staunt ihr, was? Stellt euch vor, hier auf dieser 800 x 300 m grossen Insel gibt es einen Computer mit Internetanschluss für alle! Und weil die Insel so klein ist und die Tourisaison vorbei, steht natürlich niemand an. Hach, wie schön. Am Hafen hing eine Werbung, dass sie jetzt hier so ein kleines Büro haben, wo man kostenlos ins Internet kann, sein Handy aufladen (!) oder Fernsehen gucken. Und natürlich ist die Tür einfach auf, der Computer an und niemand da, der das alles beaufsichtigt. Haaaach, Finnland…!

Utö hab ich im April schon gemocht. Aber jetzt erst, in der Herbstsonne! Hier draussen, ganz am südwestlichsten Zipfel von Finnland und schon fast auf dem offenen Meer, scheinen der Himmel und das Meer irgendwie weiter zu sein. Vorgestern kamen wir erst im Sonnenuntergang zurück – solch einen in allen Farben leuchtenden Himmel und solche Wolken hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Und ich liebe den Leuchtturm! Ich könnte ihn die halbe Nacht anschauen mit seiner funkelnden Prisma-Lampe, und ich stehe gern da oben auf dem Leuchtturmhügel und schaue nach Süden, auf\’s offene Meer. Im Moment ist das alles ein bisschen schauerlich, weil alle und alles an die „Estonia“ erinnern, gerade hier, weil sie ja nur 30 km von hier untergegangen ist, und gerade jetzt, weil es einer jener Septembertage war, damals vor 10 Jahren.
Und doch fühle ich mich gerade hier geborgen und gut aufgehoben. Wenn wir draussen sind auf unseren Inseln, ist immer der Leuchtturm zu sehen, als wolle er sagen:“Macht euch keine Sorgen, ich bringe euch wieder nach Hause.“
Und es gibt eine Fähre, die den kleinen kauppa beliefert, die Post transportiert und uns, falls mit unserem kleinen Boot gar nichts mehr geht, nach Hause bringen könnte. Vorgestern haben wir mit dieser Fähre einen Benzinkanister nach Nötö geschickt zur Tankstelle, und heute bringt sie ihn uns gefüllt wieder mit, damit wir nicht selber nach Nötö fahren müssen zum Tanken. Die Tankstelle hat jetzt auch nicht mehr immer auf. William hat am Mittwoch den Tankwart angerufen, ob er da ist – war er nicht, aber er hätte uns den Schlüssel dagelassen, und wir sollten uns einfach die Zapfsäule selber anmachen und tanken, und bezahlen könnten wir ja am Sonntag, wenn wir zurückkommen, oder er könne auch eine Rechnung an die Uni schicken. Manchmal will ich solche Dinge immer noch nicht glauben, obwohl ich doch nun schon ziemlich lange in Finnland lebe!
Hier sind die Leute auch alle furchtbar nett und hilfsbereit. Gestern abend waren wir in der Schule duschen – die Lehrerin und ihr Mann sind zwar übers Wochenende verreist, aber sie haben uns die Schule offen gelassen, damit wir dort duschen können. Diese winzige Schule scheint im Moment vier Schüler zu haben – zumindest gab es vier Haken, über denen zu lesen war: Markus, Johan, Kalle und Vanamo. :-)

Mit dem Mäusefangen sind wir gut vorangekommen bis jetzt. Fünf Inseln sind erledigt (wir auch – das waren wahre Mäuseinvasionen dort!), und auf weiteren fünf Inseln stehen schon die vorgeköderten Fallen. Eigentlich wollten wir heute dort fangen, aber der Wind ist heute so stark, dass wir die Fallen lieber offen gelassen haben und morgen fangen werden, da soll es nämlich wieder besser werden.
Und jetzt werde ich sofort zum Leuchtturm hinaufklettern und grosse Wellen angucken!


Hinterlasse einen Kommentar

Die Ruhe nach dem Sturm

Ich wollte meinen Augen gar nicht trauen, als ich gestern zum ersten Mal seit zwei Wochen in der Seewettervorhersage keine Sturmwarnung mehr entdeckte. Und für die nächsten Tage sieht es sogar auch recht gut aus. Leider ist dann natürlich das Risiko für Nebel wieder höher, und die paar starken Regenschauer, pff, das macht uns doch nichts! ;-)

Also, ich bin dann Mäusefangen! :-)

Und zwar rund um Utö, was sich irgendwie sehr beruhigend anfühlt, da wir im Fall der Fälle noch mit der Fähre zurück nach Turku fahren können. Von wegen, „Utö is such a sad place“! Der reinste Luxus und richtige Zivilisation sind das da! :-)


Hinterlasse einen Kommentar

„Onks PLUSSA-kortti?“

Nee, is‘ nich‘. Ich hab‘ weder eine PLUSSA-kortti, noch eine S-Etukortti. Weil man für die bezahlen muss und ich bisher nicht glaube, dass sich das irgendwie rechnet bei unseren bescheidenen Einkäufen. Der Finne aber, der zwar keine Preise vergleicht, ist dafür ganz wild auf alle möglichen Rabatte. Meistens sind die ungefähr nach dem Motto:“Kaufe 10 Büchsen Ananasmus (*örks* Und wir dachten, es wären Ananasstücke…!) und spare 5 cent!“ Insgesamt, versteht sich, nicht pro Büchse! Oder eben:“Kauf bei uns, bei uns gibt es PLUSSA-Punkte!“ oder „Kauf lieber bei uns, mit der S-Etukortti gibt’s 5% Rabatt!“ Nun ist ganz Finnland für den Konsumenten aufgeteilt in eine S-Hälfte und eine K-Hälfte. Für die S-Hälfte ist die S-Etukortti nützlich, für die K-Hälfte die PLUSSA-Kortti. Also, in den Citymarket mit PLUSSA-Kortti, ins PRISMA mit S-Etukortti. Tanken bei NESTE mit PLUSSA-Kortti, bei ABC mit S-Etukortti. Im Anttila gibts PLUSSA-Punkte, bei Stockmann S-Rabatt. Pizza essen bei Rosso mit S-Etukortti, in der Turkuer Pippurimylly mit PLUSSA-Kortti. Na und so weiter. Da wird man ja ganz blöd im Kopf! Und natürlich hat jeder Finne beide Karten, und das Konzept der Kundenbindung hat dann nicht nur bei solchen Verweigerern wie uns nicht funktioniert. Tja. Manchmal kriegen sie mich aber auch. Ob ich nicht Lindex-Club-Mitglied werden möchte? Es koste auch nichts, und ich bekäme jetzt gleich sofort 5% Rabatt auf meinen Einkauf und eine Socken-Rabattkarte noch dazu („Kaufe sieben Paar Socken oder Strumpfhosen und du bekommst das achte Paar gratis!“). Oder gestern in der Apotheke auf der Hämeenkatu (bisher war ich ja immer in der auf dem Mondberg):“Bist du Student? Hast du schon unsere Stammkundenkarte? Es kostet auch nichts, und du bekommst auf jeden Einkauf bei uns 5% Rabatt!“ Na gut, meinetwegen. Dass derlei Rabattkartenbeantragungen jedesmal mit einer Angabe meiner sosiaalinumero und der Adresse und Telefonnummer und was weiss ich noch verbunden sind, macht mir hier auch nichts aus. Es weiss in Finnland sowieso jeder alles über dich. Kaum hatten wir unser Auto in Finnland angemeldet, bekam Vidal eine Werbung nach der anderen von Autohäusern oder diversen Katsastus-Stationen (der finnische TÜV). Die konkurrieren übrigens so:“Komm zu uns und geniesse einen Kaffee oder Kakao, während dein Auto in der Werkstatt ist.“ Oder:“Komm zu uns, und wenn du willst, kannst du dem Mechaniker bei der Arbeit über die Schulter schauen.“ Für unseren nächsten Katsastus-Termin Ende 2006 sind wir noch auf der Suche nach einer Werkstatt, wo wir kakaotrinkend bei der Durchsicht zuschauen dürfen! ;-)
Aber die Kassiererinnen im Supermarkt können ruhig weiterhin fragen:“Onks S-Etukortti?“ Nee!


Hinterlasse einen Kommentar

.

Voi, voi! Zwei Türen weiter nach hinten sitzen Erkki und ein Helsinkier Professor, beide im Frack, über einer geöffneten Sektflasche und sind offensichtlich vergnügt. Zwei Türen weiter nach vorne rennt Samuli, erst halb frackbekleidet, rein und raus und ist sichtlich nervös. In zehn Minuten müssen alle drei drüben im Hörsaal im Hauptgebäude sein, Samuli muss seine Doktorarbeit verteidigen, der Helsinkier Professor wird ca. zwei Stunden lang Fragen stellen, und Erkki muss die ganze Zeit zwischen den beiden sitzen und freundlich gucken und nicht einschlafen. Dass man den Sekt schon VOR der Verteidigung aufmacht, ist mir allerdings neu. ;-)

Leider wird auch diese Verteidigung wieder auf finnisch sein, also bleib ich hier und tippsele weiter meine Daten ein und kann ja nebenher ein bisschen Daumen drücken.


Hinterlasse einen Kommentar

.

Dass Finnen still, ernst und schüchtern sind, ist ja ein weit verbreitetes Vorurteil.
Ernst? Ich bitte euch! Ich habe noch nie so lustige, kindische Menschen um mich rum gehabt und so viel gelacht wie in meinem Diplomarbeitswinter in Konnevesi.
Still? Im Kaffeeraum in Biocity fühle ich mich immer eher an eine Herde Gänse erinnert als an eine Gruppe junger, ehrgeiziger ;-) Wissenschaftler.
Aber schüchtern? Oh ja! Ich habe mich schon so daran gewöhnt, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah, als mich mal eine Studentin im Trockenraum beim Wäscheaufhängen von sich aus (!) ansprach und redete und redete. Sie erklärte mir auch gleich, sie käme aus Karelien. Na, da war’s mir dann klar. Karelier sind die Rheinländer unter den Finnen, sagt man. (Kann ich nicht mitreden. Ich kenne einige Karelier, die wirklich aufgeschlossener sind als andere Finnen, aber keinen einzigen Rheinländer.) Vor allem mit den finnischen Männern ist es ein Kreuz. Insbesondere, wenn man selbst eine Frau ist.

Da ist z.B. Herr K. aus K., mein liebster finnischer Freund. Redet wie ein Wasserfall, auf finnisch, ungeachtet der Sprachkenntnisse des Gegenübers. (Wie, du kannst noch kein Finnisch? Wart’s ab, das schaffe ich schon!) Kann sich vielleicht jemand vorstellen, dass Herr K. drei Monate (!) lang (in denen wir uns, Wochenenden ausgenommen, jeden Tag gesehen haben) kein einziges Wort mit mir gewechselt hat?! Erst als ich einmal jemanden bitten musste, mir eine Bitte an Herrn K. zu übersetzen, stellte er wohl fest, dass ich nicht beisse und dass es ausserdem blöd ist, sich nur mit Dolmetscher zu verständigen. So begann mein Intensiv-Finnischunterricht. Reichlich spät, finde ich.

Dann wäre da noch Herr R., ebenfalls aus K., mein zweitliebster finnischer Freund. Pinni berichtete mir kürzlich von einem Gespräch zwischen ihm und ihr:
Herr R.:“Ja, ich weiss, ich müsste der Karen mal wieder mailen… aber ich brauch da doch immer so lange dazu…“
Pinni:“Dann ruf sie doch einfach mal an.“
Herr R.:“Anrufen?! Ich kann sie doch nicht einfach so anrufen!“
Nee, kann er nicht. Dabei hat er mich sogar schon mal in Deutschland angerufen. Nachts um eins, von einer Pikkujoulu-Party, schon leicht angeheitert. Dann geht’s. :-/

Im April war ich mit Herrn N. aus T. Mäusefangen. Herr N. ist Finnlandschwede, aber trotzdem der stillste und schüchternste Finne, mit dem ich je zu tun hatte. Als die Lotsen auf Utö uns netterweise in ihre Sauna einluden, fragte er mich, ob wir das Angebot annehmen wollten, daraufhin packten wir unsere Sachen, stiefelten hinauf zum Leuchtturm, liessen uns die Sauna zeigen… und dann drehte Herr N. sich wieder um und sagte:“Na gut, dann kannst du jetzt in die Sauna gehen, und ich kann ja derweil ein bisschen Vögel gucken oder so.“ Nun ist es zwar eigentlich eine schöne Sache, dass in Finnland Männer und Frauen grundsätzlich getrennt in die Sauna gehen, aber auf Feldarbeit oder in Forschungsstationen mit geringer Besatzung, noch dazu, wenn alle am nächsten Morgen zeitig rausmüssen, wird diese Regelung normalerweise grosszügig übergangen. Ich find’s ja nett, wenn ich vorher gefragt werde, ob ich auch nichts dagegen habe, aber man kann’s auch übertreiben!

Gestern war ich allein Kaffeetrinken, wohl, weil sich keiner meiner Herren Arbeitskollegen getraut hatte zu fragen, ob ich mitkomme (zu ihrer Ehrenrettung sei aber gesagt, dass sie das meist tun), und schon fertig waren, als ich gehen wollte. Als ich so allein an meinem Tisch sass, kam Herr P. aus T. (wohl auch ein Nachzügler wie ich) in die Cafeteria, grüsste freundlich, winkte mir sogar zu, holte sich seinen Kaffee… und tauchte und tauchte nicht wieder auf. Als ich meinen Kuchen zu Ende gelöffelt (Kuchengabeln sind in Finnland unbekannt) und meinen Kaffee ausgetrunken hatte und mich zurück auf den Weg ins Büro machte, sah ich ihn im anderen Teil der Cafeteria ALLEIN an einem Tisch sitzen und seinen Kaffee trinken. Ich hab’s mal nicht persönlich genommen… ;-)
Und gerade eben bekam ich eine mail von Herrn V. aus O. Herr V. befindet sich derzeit in Turku und sitzt ungefähr 2 m über den Gang. Da unser beider Bürotüren offen sind, hätte er mir den Inhalt der mail sogar zurufen können, wenn er denn zu faul gewesen wäre, aufzustehen. Das wird’s aber nicht gewesen sein. ;-)

Meine Güte, wo kommen denn alle die finnischen Kinder her?! So funktioniert das doch nicht mit Männlein und Weiblein! Die können sich doch nicht alle nur im Suff nähergekommen sein?!


Hinterlasse einen Kommentar

.

Matthias, der immer so nett Werbung macht für mein Weblog, hat heute über Buchstabiertabellen geschrieben. Das hat mich daran erinnert, dass eine lustige Flughafenangestellte in Jyväskylä mal meinen Nachnamen so angefangen hat zu buchstabieren: K wie „Koff“, O wie „Olvi“… *grins* Danach gingen ihr aber leider schon die finnischen Biersorten aus. Wie es korrekt gewesen wäre? So:

Anna
Bertta
Cecilia
Daavid
Erkki
Faarao
Gabriel
Heikki
Iivari
Jaakko
Kalle
Lauri
Mikko
Niilo
Otto
Pekka
Quintus
Risto
Sakari
Tauno
Urho
Väinö
kaksinkertainen v (W)
Xeres
Zeppelin
ruotsalainen o (Å)
Äiti
Öljy


Hinterlasse einen Kommentar

.

Letzten Freitag waren wir mit den Pflanzenphysiologen auf einer „Sommer-zu-Ende“-Party auf Hirvensalo in der Villa Rauhala (da, wo der Hafen für unser Boot ist, eigentlich will ich dieses Jahr diesen Ort nicht mehr sehen!). Wir waren in der Sauna, wir sind anschliessend über von der Sonne aufgewärmte Steinplatten barfuss zum Steg getappst, wir waren im Meer schwimmen, wir haben anschliessend bis zum Sonnenuntergang draussen gesessen und überm Feuer Würstchen geröstet (die Finnen eklige Papp-makkara, wir saksalainen bratwursti aus dem LIDL) -und es war wahrscheinlich der wirklich letzte Sommertag des Jahres. (Naja, eigentlich hat der Sommer 2004 bis auf eine Woche Anfang Mai und ca. 10 Tage Anfang August ja gar nicht stattgefunden.)
Seit letzter Woche ist Herbst. Denn, die Blätter werden bunt. Es stürmt (naja, DAS hat nichts zu sagen dieses Jahr). Ich tippsele mir die Finger wund an meinen Daten (obwohl ich dachte, die wären so spärlich). Ohne Scheiss, am Montagabend hat mir die Maushand ganz fürchterlich weh getan vom vielen copy und paste. Ich hab das Gefühl, in allen geschlossenen Räumen sei furchtbar schlechte Luft, und trotz, dass ich eine Frostbeule bin, reisse ich andauernd alle Fenster auf. Und weil ich andauernd frische Luft und Bewegung vermisse, haben Vidal und ich wieder angefangen, uns wie ordentliche Finnen zu benehmen und regelmässig rennen zu gehen. Und warme Schwimmhallen und Saunen locken wieder ganz besonders. Am Dienstag waren wir erst rennen und sind dann direkt weiter ins Caribia, das sich gleich neben dem Studentendorf befindet. Das ist auch so ’ne schöne Sache in Finnland, dass dich keiner anstarrt – weder wenn du mit Abendgarderobe zu Fuss auf der Helsinginkatu unterwegs bist zu einer karonkka, noch wenn du verschwitzt und mit Sportklamotten im Edelschwimmbad auftauchst. Und mein Finnischkurs hat wieder angefangen und mich gleich zu Beginn wieder in eine Krise gestürzt. Ich habe den Sommer über jeden Monat die Kuukausiliite gelesen und zwei/drei finnische Bücher, ich habe mein Finnisch im Alltag getestet – und jetzt soll ich einen Kurs mitmachen, in dem in der ersten Stunde erstmal die Fragewörter wiederholt werden und als Hausaufgabe andauernd Tabellen mit Verbkonjugationen ausgefüllt werden müssen? Nee, da geh‘ ich nicht mehr hin! Andererseits sind meine Grammatikkenntnisse lausig, und ich würde gern ein bisschen leichter und flüssiger reden können. Also geh‘ ich wohl weiterhin hin. Wenigstens ist Pirkko eine tolle Lehrerin mit viel Humor und Selbstironie. Ich werd‘ nie vergessen, wie sie uns pantomimisch „Warum Tarja Halonen seit dem Staatsbesuch in Stockholm Muuminmama genannt wird“ vorgespielt hat. *todlach* Apropos Muuminmama: weil es jetzt kälter wird, kann ich wieder nach Herzenslust heissen Saft trinken. Heisser Saft (vorzugsweise roter Traubensaft oder Johannisbeersaft) ist viiiieeeel besser als heisser Tee, und viiiiieeeeel besser als kalter Saft. Und wenn ich die Muuminbücher nicht kennen würde, wüsste ich heute noch nicht, dass man Saft auch heiss trinken kann. Ach ja, und es wird ziemlich bald abends dunkel. Zeit für meinen schönsten Teelicht-Kerzenständer und Eis mit Rumtopf. Hm!

Soooooo schön! :-)