Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Was vom Winter übrig blieb

Wir haben den Winter genutzt, jede Minute.

Wir haben jede Menge Eislichter gebaut. Wir waren skifahren, auf nahezu allen Loipen in und um Turku, bei Tages- und bei Laternenlicht, im Lieblingsskigebiet, im Moor. Wir waren Tretschlitten fahren auf dem Tretschlittensee. Wir sind gerodelt. Wir waren auf unserem Stadtteilsportplatz eislaufen und auf dem zugefrorenen See.

Nur nach Naantali auf das zugefrorene Meer haben wir es nicht mehr geschafft.

Unsere Skiferien verbringen wir statt mit Skifahren oder anderen Winteraktivitäten mit Kochen (die Kinder), Backen (die Kinder), Brettspielen (wir alle), Hausarbeit (wir Eltern), Filme gucken (die Kinder), Fotobuchgestalten für eine bald Fünfzehnjährige (ich) und Arbeit (der Ähämann).

Gestern bin ich mit dem Ähämann, dem nach fast einem Jahr Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, wenn er nicht täglich einmal rauskommt, durch das triefende Citymoor gestapft. Heute beschlossen wir spontan, einen Spaziergang durch Naantalis Altstadt zu machen, weil das vielleicht wenigstens ohne Gummistiefel mit Spikes dran zu machen wäre.

Aber dann sahen wir das Meer: auf dem Eis stand zehn Zentimeter hoch das Wasser wie ein auf dem Meer ausgelegter Spiegel, zwischen den Inseln hingen Nebelfetzen, und es waren noch jede Menge Eisangler unterwegs. (Jedes Jahr wird gewarnt, sie sollen wenigstens Schwimmwesten anziehen. Aber was lässt sich so ein Eisangler schon sagen.) Das war so faszinierend, dass wir unsere Schritte nicht nach links Richtung Altstadt, sondern nach rechts auf die Mumininsel lenkten.


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Coronaklausur, Tag 19

Finnland hat 1927 bestätigte Coronafälle.

Palmsonntag.

„Virvon, varvon…“ fiel dieses Jahr aus Gründen aus. Das war besonders schade, denn die Kinder wollten dieses Jahr eine sehr kleine, noch nicht ganz zweijährige Hexe, die wir schon viel zu lange nicht mehr gesehen haben, in diesen finnischen Osterbrauch einführen.

Ich hatte kurz überlegt, eine Vase für Zweige und eine Schüssel mit Schokoladeneiern vor die Tür zu stellen, falls trotz allem Hexen kämen, aber wenn in Finnland Regierung und Kirchen sagen: „Dieses Jahr bitte nicht von Haustür zu Haustür ziehen!“, dann zieht auch wirklich niemand von Haustür zu Haustür.

Wir suchten also auch wieder ein einsames Fleckchen Natur auf. Apropos einsam: ich habe das Gefühl, der In-den-Wald-renn-Boom hat schon wieder nachgelassen.

Allerdings war das heute zugegebenermassen nicht der malerischste Wanderweg.

Ich war dort bisher überhaupt erst ein Mal, und zwar mit dem Tretschlitten auf dem See, um den der Wanderweg führt, denn dort gibt es jeden Winter immer wenn es kalt genug ist, eine 2 km lange Eisbahn, und die ist auf jeden Fall immer schon eher befahrbar als die Eisbahn auf dem Meer.

An der einen Seite des Sees führt eine stark befahrene Strasse vorbei, und auf der anderen Seite steht ein Kraftwerk. Dazwischen aber ist es schön. Und neuerdings darf man wegen des Kraftwerks nicht mehr ganz um den See herumlaufen, stattdessen gibt es jetzt eine 120 m lange Pontonbrücke quer über den See, die ist sehr toll.

Die Landschaft ist noch aprilgrau. Aber die Sonne…!!! Und die Knospen stehen schon hufescharrend in den Startlöchern.

Was für ein Glück, der Frühling! Dieses Jahr ganz besonders.


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Coronaklausur, Tag 18

Finnland hat 1882 bestätigte Coronafälle.

Ob COVID-19 von Menschen auf Mumins übertragen werden kann, ist noch unklar. Aber derzeit machen die Mumins ja noch Winterschlaf und sind deshalb ungefährdet.

Winter ist ohnehin die einzige Jahreszeit, zu der ich bereit bin, diese Insel zu betreten. Wir fahren sowieso schon nur zwischen September und Mai nach Naantali, und in der Muminwelt waren wir noch nie, auch nicht, als die Kinder noch klein waren. Obwohl – oder gerade weil – ich die Mumins so liebe. Aber mit der Poesie der Muminbücher hat dieser überteuerte Vergnügungspark leider überhaupt nichts zu tun.

Warum die Mumininsel in manchen Wintern verriegelt und verrammelt ist und in anderen die Tore sperrangelweit aufstehen, hat sich uns leider in den 16 Jahren, in denen wir heute erst zum dritten Mal dort waren, noch nicht erschlossen. Ich hörte letzte Woche über drei Ecken von einer Bekannten, dass man zurzeit hinkann, und überraschenderweise waren trotz Wochenende so wenige Leute – wir begegneten vielleicht noch fünf anderen Familien – dort, dass wir dort genauso bedenkenlos herumspazieren konnten wie im Wald.

Man muss nicht zwingend etwas Gelbes anhaben, um die Insel betreten zu dürfen. ;-)

Erst hamstern und dann gedankenlos in die Gegend schmeissen. Menschen, ey!!!


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„Warum London…

… wir haben ja Föli!“

Das traf sich gut.

Das Thüringer Besuchskind, das dank neuem Feiertag ein langes Wochenende bei uns verbrachte, wäre ja lieber wieder Linie 180 mit uns gefahren. Die hat aber leider schon Winterpause.

Stattdessen fährt zur Zeit auf den zwei längsten Linien der Stadt zu Testzwecken ein Doppelstockbus. Anders als damals, als in meiner Geburtsstadt die erste Variobahn und das erste Megashuttle fuhren und man eben Glück hatte oder nicht, finden sich auf der Website des Turkuer Nahverkehrsunternehmens netterweise die genauen Abfahrtszeiten dieses einzigen Doppelstockbusses.

Und so machten wir am Sonnabend einen Ausflug nach Naantali, wohin man ja sowieso tunlichst ausserhalb der Saison fährt.

Wir statteten dem Spielplatz, auf dem wir früher viele, viele Wochenendstunden verbracht haben, mal wieder einen Besuch ab, weil gerade ein Segelwettbewerb stattfand, hatte sogar noch ein Restaurant geöffnet, und ein paar schon halbreife Kastanien fanden wir auch im Park.

Auf der Rückfahrt klappte es sogar mit Sitzen in der ersten Reihe.

Und weil, wie das so ist in Finnland, abends dann auch endlich die Sonne rauskam, stiegen wir nicht erst noch in unsere Buslinie um, sondern nahmen den den allerschönsten Weg nach Hause.

Kinder sind so leicht glücklich zu machen.
(Manche Erwachsene auch.)


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Grau kommt noch früh genug

Eigentlich war der Plan, dass wir am Samstag einen Ausflug machen, am Sonntag aber die Kinder ihren Hobbys nachgehen und die Erwachsenen sich ihren vernachlässigten Pflichten widmen.

Aber was will man machen, wenn die Sonne scheint und es noch einmal so warm ist, dass man ohne Jacke rausgehen kann? Wenn die Bäume, die mittlerweile doch schon recht zerzaust aussehen, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr in allen Farben zwischen Rot und Gelb prunken?!

Da unten auf dem Meer waren wir das letzte Mal mit Schlittschuhen.

(Ein Glück, dass heute Nachmittag unsere grandiosen zwei (!) Tage (!!!) Herbstferien beginnen und wir in den Süden fahren, wo die Bäume ihre Blätter bestimmt noch eine Woche länger behalten! Ich bin nämlich eigentlich noch nicht bereit für kahle Bäume und graue Landschaften.)


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Strandtest

(22) Naantali, Kesäranta

Es gibt tatsächlich immer noch Strände – und gar nicht mal weit weg! – die wir noch nicht kennen!

Der hier ist ähnlich luxuriös wie Turkus bekanntester Badestrand: flacher Sandstrand, Liegewiese, Klettergerüste und Schaukeln, Dixiklos (was ich ja sehr viel unangenehmer finde als so ein Waldklo, wie man es an den meisten Stränden findet), Umkleidekabinen (zwei sind ein bisschen wenig), Grillplatz (selbstverständlich mit Holz), Kaffeekiosk und offensichtlich auch Sauna (die entdeckten wir erst auf dem Rückweg zum Auto). Ganz toll sind aber die beiden Stege zu beiden Seiten des Strands, von denen man springen und zwischen denen man, wenn man will, auch hin und her schwimmen kann.

Ein bisschen surreal fühlte sich das Schwimmen dort gestern allerdings an: die Ostsee, die sonst immer kalt und kälter ist, hatte Spassbadwassertemperatur, und um den Kopf wehte eine heisse Brise wie direkt aus dem Backofen.

Da der Strand direkt hinterm Golfresort liegt, hat man auf der einen Seite leider einen wenig schönen Ausblick auf die Yachten und Häuser der Reichen und Schönen; auf der anderen Seite aber schönste Landschaft, wie sie hier eben so ist.

Ich wünschte, ich hätte von diesem Strand schon gewusst, als die Mäusekinder noch müde gesonnt und gebadet werden mussten klein waren…!

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Schlittschuhtour mit Rekonvaleszent

Wir haben immer noch bestes Märzwetter. Und hatten das Wochenende sehnlichst erwartet: Lüften und Vitamin D tanken!

Leider war der grosse Herr Maus Donnerstag und Freitag krank und gestern immer noch recht schwach. Aber was hilft besser beim Gesundwerden als Sonne und frische Luft?! Und der Tretschlitten war wirklich eine prima Anschaffung: eignet sich auch als Krankentransport für Kinder, die dem Kinderwagenalter längst entwachsen sind. Mit singenden Kufen sauste er, völlig mühelos für den Schiebenden, über das zugefrorene Meer.

Augen auf beim Schlittschuhlaufen: das Ergebnis der -20 Grad kalten Nächte der letzten Woche!

Wir waren übrigens nicht die einzigen, die, auf Schlittschuhen stehend, irgendwas – Kinderwagen, Schlitten, Hunde… – vor sich herschoben oder hinter sich herzogen. Und alle Eisläufer hatten das gleiche glückselige Lächeln im Gesicht wie wir: es war wärmer als letzte Woche, das Eis glatter und die Sonne noch heller. Ein Traum!


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Krönender Ferienabschluss

Ich musste mich in diesen Skiferien immerzu kneifen.

Weil sie – und damit hat ja in Zeiten des Klimawandels schon gar niemand mehr wirklich gerechnet! – vom ersten bis zum letzten Tag so unglaublich schön waren. Skiferien, die ihren Namen wirklich verdient haben. Mit dem schönsten Winterwetter, das es gibt: eiskalte Nächte, Schnee, Eis und Sonne, die jeden Tag zehn Minuten länger scheint und mittags schon richtig wärmt.

Sogar auf dem Meer schlittschuhlaufen kann man seit dieser Woche! Und zwar nicht nur so ein bisschen hin und her, sondern auf einem kilometerlangen Netz von Schlittschuhbahnen, die auf dem Meer vor Naantali angelegt wurden. Gestern und heute glitten wir insgesamt 16 km übers Meer und rund um Inseln! (Und zwar verschiedene Strecken!)

Bei Sauli vorm Sommerhaus. ;-)

Und das Allerbeste ist, dass immer noch kein Tauwetter in Sicht ist!


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Mittsommer 2017

Juhannus war mir lange Zeit nicht wichtig. Es war kein Fest, das einen besonderen Platz in meinem Herzen gehabt hätte, denn ich bin damit nicht aufgewachsen. Später, als wir Kinder hatten und die noch klein waren, war zudem nicht daran zu denken, die blaue Mittsommernacht irgendwo draussen zu verbringen.

Vor drei Jahren bestanden die Kinder zum ersten Mal darauf, Juhannus so zu feiern, wie man hierzulande Mittsommer eben feiert. Damals wählten wir noch die Kindervariante mit Mittsommerfeuer schon um neun statt kurz vor Mitternacht, aber schon im nächsten Jahr feierten wir Mittsommer so, wie man das eigentlich tut.

Und ganz vielleicht finde ich ab sofort Juhannus noch ein ganz kleines bisschen schöner als Weihnachten.


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Sonne und Meer

Fast war es schon ein bisschen wie im März – blauer Himmel und blendende Sonne – und kalt war es auch kein bisschen mehr. Perfekt für eine laaange Schlittschuhtour über das Meer!

Der Ähämann, der sich nicht so viel aus Schlittschuhlaufen macht, nahm den Tretschlitten und transportierte damit ab und zu mal ein vorübergehend fusslahmes Kind. Aber lange hielten sie es nicht auf dem Sitz aus, dann wollten sie wieder selber fahren.

„Das ist ja auch mal schön, hier so um die Inseln zu fahren!“ sagte der kleine Herr Maus.

Und da hat er wohl recht!

(Nächste Woche soll es regnen…! *seufz*)