Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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2016

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Abgesehen von all dem weltpolitischen Mist – für mich ganz persönlich: 9. Mindestens.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Eher zu. Weiss ich aber nicht so genau. Seit der letzten Schwangerschaft habe ich mich schätzungsweise vier Mal gewogen.

3. Haare länger oder kürzer?
Länger.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
2017 werde ich mir eine Lesebrille zulegen.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gleich viel.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Den gleichen.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Vermutlich ungefähr gleich viel.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Tjanun. Der eine der sieben zu verkaufenden Rubbelloskalender, den wir behalten haben, hat uns auch dieses Jahr weder ein neues Auto, einen Traumurlaub in Europa noch einen Marimekko-Topflappen beschert…

9. Mehr bewegt oder weniger?
Spontan hätte ich gesagt: gleich viel. Aber die Strecken, die man mit den Kindern skifahren oder radfahren oder wandern kann, werden ja doch von Jahr zu Jahr länger.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Eine ausgerenkte und gebrochene Schulter. Zwei, drei Mal flunssa ohne Fieber.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Ganz objektiv: die Schulter natürlich. Andererseits: das Timing war perfekt. Die sensationellen vier Wochen Krankschreibung, waren sowohl zeitlich als auch finanziell durchaus günstig. Ich musste nicht einmal aufs Skifahren verzichten, und überhaupt habe ich an die ganze langwierige Geschichte hauptsächlich gute Erinnerungen. Schlimm ist anders.

12. Der hirnrissigste Plan?
“Ich kann ja auch von zu Hause bisschen arbeiten.“

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Wie ich seit dieser Woche weiss, offensichtlich die 37 Male, die ich auch dieses Jahr wieder mit den Kindern auf der Autofähre bis hoch unter die Brücke gestiegen bin während der Überfahrt.

14. Die teuerste Anschaffung?
Eine Harfe.

15. Das leckerste Essen?
Es gibt eine ganz kleine Gaststätte in einem kleinen Ort im Erzgebirge, in der schmeckt sogar Mischgemüse, dem ich sonst überhaupt nichts abgewinnen kann, köstlich.

16. Das beeindruckendste Buch?
”Erziehung eines Helden”.
(Überhaupt habe ich dieses Jahr sehr viele und sehr schöne Bücher gelesen. Ein Hoch auf unsere Bibliothek!)

17. Der ergreifendste Film?
Ich habe dieses Jahr (neu) gesehen: Me Rosvolat (auf DVD), „Oskar, Rico und der Diebstahlstein“ (im Kino), ”Tatu & Patu “ (im Kino), “Onneli und Anneli im Winter” (auf DVD) und “Helden des Polarkreises 2” (auf DVD). “Me Rosvolat” hat mir am besten gefallen, aber einen ergreifenden Film habe ich wohl dieses Jahr nicht gesehen.

(Ausser Joulutarina, dieses Jahr zum ersten Mal mit den Kindern angeguckt. Aber den kannte ich ja schon.)

18. Die beste CD?
Wir haben – insbesondere auf Wunsch der Kinder – sehr viel Coldplay gehört dieses Jahr.

19. Das schönste Konzert?
Der grosse Herr Maus und die anderen Klavierschüler der befreundeten Klavierlehrerin führten Anfang des Jahres gemeinsam The Snowman auf. Das war ein sehr kleines, aber sehr, sehr feines Konzert.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Mit dem Organisieren und Unter-einen-Hut-Bringen von Dingen.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Sommer geniessen. Drei Monate lang.

22. Zum ersten Mal getan?
Einen Tretschlitten gekauft.
Ein Smartphone besessen. (Als schätzungsweise vorletzter Mensch auf der Welt.)
Für eine Zeitschrift einen Artikel auf Finnisch geschrieben. (Zwei!)
Mit den Kindern eine Zeltwanderung gemacht.
Ein Kind ohne uns nach Deutschland fliegen lassen.
Mit einem Kind auch bei Schnee und Eis Fahrrad gefahren.
Einen Versandhandel für Adventskalender betrieben.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Auf dem Meer schlittschuhgelaufen.
Nachtzug gefahren und Urlaub im BlauenRoten Mökki gemacht.
Auch in Turku ausgiebig Ski gefahren.
In der Sächsischen Schweiz gewesen.
Den Wörlitzer Park besucht.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die andauernden Wutausbrüche des grossen Herrn Maus.
Diverse abendliche Besuche in der Notaufnahme.
Diesen einen Montag.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Überzeugen? Ich versuche, wenigstens mit gutem Beispiel voranzugehen. Mit eher mässigem Erfolg, fürchte ich.

26. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Eine Diamantenmuschel.

27. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“Ich mach‘ dir dann den Arbeitsvertrag fertig – ab 1. September, und das mit den sechs Monaten geht auch klar.“

28. Dein Wort des Jahres?
Sommerferien.

29. Dein Unwort des Jahres?
Dieses Jahr wieder ganz konkret, nicht nur symbolisch: Weihnachtselfen!!!

30. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Wie immer in der Blogroll.

31. Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Weltfrieden. Echt jetzt.
(Und so für mich: ein neuer oder anderer oder überhaupt irgendwie Job für wenn das Eichhörnchenprojekt dann endgültig zu Ende ist.)

[2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015]


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Donnerstag

Machste früh die Kühlschranktür auf, um den Kindern ihre Frühstücksmilch zu bereiten, steht da neben der Milch… eine Flasche Badezusatz! Was zum… ach so, ja, die Flasche ist ja gestern leer geworden, wurde von den Herren Maus mit Badewasser befüllt und für gegenseitige „kalte Güsse“ beim nächsten Bad aufbewahrt. Und Zimmertemperatur ist anscheinend nicht kalt genug. Vielleicht wollen sie sich schon auf die übermorgen beginnende Eisbadesaison vorbereiten. Apropos Eisbaden: ich fand da neulich ein sehr schönes Video. Es ist so unspektakulär wie treffend und hach und überhaupt kann ich es jetzt kaum noch erwarten.

Heute scheint dann auch wieder die Sonne; es ist ein wunderbarer Herbstmorgen mit ein bisschen Nebel und viel Sonne und ganz viel bunt, und ich hoffe, dass die ersten Herbststürme noch ein bisschen auf sich warten lassen und die Bäume noch nicht so bald kahlrupfen.

Arbeit ist grad eher so… naja. Ich müsste ein Paper fertigschreiben, aber während ich wirklich gerne Feldarbeit mache und zur Not auch ganz gerne Zahlen hin und her schiebe, tue ich mich mit dem Schreiben jedes Mal schwer. Seufz.

Kurz vor Feierabend fängt es, wie angekündigt, wieder zu schütten an. Und der erste richtige Herbststurm ist dann auch da. Das ging ja schnell. Und ich soll jetzt wirklich da rausgehen?! Im Kindergarten hinterlasse ich eine Viertelstunde später eine Wasserspur. Tropftropf.

Heute dann nur noch: Klavierstunde für den grossen Herrn Maus. Und während er spielt, fahre ich schnell die drei Dinge nachkaufen, die in unserem Haushalt dauernd alle sind: Milch, Tomaten und Motoröl.


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Mittwoch

Frühstück mit Kerzen. Und wie man sieht, sind wir voll integriert. (Oder: warum der Herr Picasso ein bisschen überladen war auf der Rückreise aus Deutschland. Nicht im Bild: der Hagelschlag, den der Ähämann von der letzten Dienstreise – so viele Packungen, wie die Handgepäckvorschriften zuliessen – herangeschleppt hat.) Aber Gurkenscheiben auf Käsebrot sind ja nun wirklich kein Frühstück!

Ich habe heute einen verkürzten Arbeitstag, weil der grosse Herr Maus nachmittags Deutschunterricht hat. Er kommt allein mit dem Bus in die Stadt, aber auf dem Weg zur Schule, wo der Unterricht stattfindet, muss er mehrere riesige Kreuzungen überqueren, wobei ihn einer von uns lieber begleitet. Mittags hat es angefangen zu regnen, aber pünktlich mit Eintreffen des grossen Herrn Maus fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten.

Während der grosse Herr Maus Deutschunterricht hat, gehe ich in die Schwimmhalle. Mein neues, altes Mittwochshobby. Eigentlich wollte sich das Fräulein Maus dort mit mir treffen, aber… vielleicht sind wir nächste Woche mal alle gesund.

Normalerweise würde ich den grossen Herrn Maus nach dem Deutschunterricht wieder abholen und ihn zurück zur Bushaltestelle begleiten, aber heute hat eine andere deutsche Mutter angeboten, ihn mitzunehmen und nach Hause zu fahren.

Mein Heimweg führt durch mittlerweile stellenweise knietiefe Pfützen Teiche, und ja, mir macht das Spass, mit dem Rad da in grösstmöglicher Geschwindigkeit durchzurasen. Wohl dem, der die Wettervorhersage interpretieren kann und früh schon Gummistiefel angezogen und eine Regenhose eingepackt hat…!

Eigentlich hätte der kleine Herr Maus heute Fussballtraining, aber nun ja, es schüttet immer noch. Auf dem Fussballplatz kann man wahrscheinlich inzwischen Wasserball spielen. Ganz unverhofft haben wir alle einen freien Abend und es sehr gemütlich.


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Dienstag

Das Fräulein Maus ist zu krank, um heute in die Schule zu gehen. Wilma allerdings schläft heute noch. Egal. Die Krankmeldung kann man schliesslich auch per SMS schicken. Solange ich keine handgeschriebenen Zettel in der Schule abliefern muss…

Der ebenfalls kränkliche Ähämann bleibt mit dem Fräulein Maus zu Hause, muss aber nachmittags zu einem Meeting, und so fahre ich mittags schon wieder heim. Ich habe mich immer noch lange nicht sattgesehen an bunten Bäumen.

Ab und zu mit einem kranken Kind zu Hause zu sein tut ja auch dem Haushalt gut. Erste Amtshandlung zu Hause: Hannelore mit Arbeit beauftragen. Und weil es immer noch so schön warm und sonnig ist, dürfen die frisch gewaschenen Handtücher zwei Stunden später auch nochmal ein – vielleicht letztes für dieses Jahr – Frischluft- und Sonnenbad nehmen und sich vom Wind weichschaukeln lassen.

Der grosse Herr Maus kommt aus dem Hort, ich schwinge mich nochmal aufs Rad und hole den kleinen Herrn Maus aus dem Kindergarten. Dann fahre ich das Fräulein Maus zur Harfenstunde ans andere Ende der Stadt. Man braucht da eine Parkuhr, und heute habe ich endlich dran gedacht, die Parkuhr, die mir die liebste Freundin zum Geburtstag geschenkt hat, mit ins Auto zu nehmen. Neuerdings müssen in Finnland Parkuhren nicht mehr der Norm entsprechen, nur eindeutig sein. „Da bekommt der Polizist bestimmt gleich gute Laune, wenn er die sieht!“, sagt das Fräulein Maus. Denke ich auch.

Der kleine Herr Maus wollte übrigens mitkommen. Eigentlich wollte ich ja an seinem Fotobuch weiterarbeiten, aber angesichts der Wetteraussichten für morgen – Dauerregen den ganzen Nachmittag – ist es vielleicht sowieso besser, sich noch ein bisschen Sonne auf die Nase scheinen zu lassen. Der kleine Herr Maus möchte gern zur Blume, aber so weit kommen wir gar nicht, denn neben dem Konservatorium steht eine Kastanie. Offensichtlich auch an einer günstigen Stelle, denn anders als an den zwei oder drei anderen Kastanienbäumen, die wir bisher in Finnland entdeckt haben, werden ihre Früchte nicht nur überhaupt vor dem ersten Frost reif, sondern sogar richtig gross. Wir beide sammeln begeistert, wie immer unter den skeptischen Blicken vorbeikommender finnischer Eltern und Grosseltern: „Die kann man doch nicht essen, oder? Warum sammelt ihr die?!“ „Weil es Spass macht!“ „Äh… okay…“ 98 Stück; der kleine Herr Maus hat später nochmal nachgezählt.

Zwischen Abendbrot und Schlafengehen, als es endlich dunkel geworden ist, müssen wir nochmal schnell in den Garten huschen, weil die Kinder ihre Fackeln Kerzen am Stock, an denen sie seit Tagen gebastelt haben, endlich testen wollen. Sie funktionieren prima.


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Montag

Eigentlich hatten wir das ja vor zwei Jahren schon mal, aber irgendjemand hat das Stöckchen jetzt wieder ausgegraben. Mich hat’s auch getroffen, und weil man ja nicht unhöflich sein will und für sowieso und überhaupt mehr Realität und Alltag im Internet jetzt also mal wieder eine Woche lang Alltagsfotos.

Montag also.

Überraschung am Morgen: Nebel. Richtig dicker Nebel, der sich in grossen Tropfen überall ansetzt. Halb dunkel ist es leider auch noch, als wir aufstehen müssen.

Der Ähämann hat um acht eine Vorlesung zu halten, das Fräulein Maus muss um acht in der Schule sein, der kleine Herr Maus halb neun in der Vorschule, nur der grosse Herr Maus hat heute erst um zehn, und zwar in der grossen Schule. Weil er nicht so gern alleine losgehen will und der Ähämann heute nicht wie sonst auf ihn warten kann, bringe ich erst den kleinen Herrn Maus in den Kindergarten, komme dann nochmal heim und gehe erst später mit dem grossen Herrn Maus gemeinsam los und begleite ihn bis zur Bushaltestelle. Dann fahren wir, uns wild zuwinkend, fünf Haltestellen um die Wette. Ich gewinne. Immer.

Um die Zeit ist natürlich mein Lieblingsfahrradparkplatz auf Arbeit schon belegt. Zum Glück nur halb, ich kann mein geflügeltes Ross dazuquetschen. Es ist nämlich so, dass die Parkplatzsituation für Fahrräder an der Uni fast so schlimm ist wie für Autos. Fahrradständer gibt es so gut wie nicht. Die meisten reihen einfach brav ihre Räder in langen Reihen auf. Es braucht dann aber nur mal ein kräftigerer Windstoss zu kommen oder jemand aus Versehen eins der Räder zu streifen, schon kann man lustiges Fahrraddomino beobachten. Dazu ist mir mein Fahrrad zu lieb und teuer.

Dann noch ein kurzer Umweg auf dem Unigelände. Seit Jahren möchte ich gern einmal die Herbstfärbung der Ahornbäume hier in einer Fotoreihe dokumentieren. Herbst für Herbst hat allerdings die Entscheidung für einen Baum mit passendem Bildausschnitt und passendem Lichteinfall jeweils so lange gedauert, bis die Verfärbung schon in vollem Gange war. Dieses Jahr habe ich sehr zeitig angefangen – und dann eine Woche lang grüne Bäume fotogafiert, während alle Bäume ringsum schon wunderbare rote und orange Flecken hatten. Überhaupt scheine ich mit der Auswahl meiner Bäume – wohlweislich habe ich mir gleich mehrere Fotoobjekte ausgewählt – auch diesen Herbst wieder kein glückliches Händchen gehabt zu haben. Es gibt nämlich durchaus individuelle Unterschiede: während sich manche Ahornbäume zwei Wochen lang wie ein rot-orange-gelb leuchtendes Chamäleon gebärden, werfen andere ihre Blätter innerhalb kürzester Zeit ohne weiteres Farbspektakel ab. Man ahnt es: meine ausgewählten Bäume geben sich eher blass, während ringsrum der Herbst voll den Farbkasten ausgepackt hat.

Dann aber. Bisschen arbeiten. Und Mittagessen. Auf dem Weg dahin noch schnell aufs Klo im Erdgeschoss, das Studentenklo. Ich bin immer wieder fasziniert, mit welcher Akribie die winzigen Fliessenquadrate in noch winzigerer Schrift beschriftet werden. Einmal im Jahr oder so wird das alles abgewischt; es dauert aber nicht lange, bis das Minigekritzel wieder da ist. Immerhin kann ich es noch ohne Lesebrille entziffern, yeah!

Nachmittags kommt die Sonne raus. Auf dem Heimweg muss ich die ganzen dicken Klamotten, die ich früh gebraucht habe, in den Rucksack stopfen. Auch der Rucksack des kleinen Herrn Maus platzt auf dem Heimweg vom Kindergarten fast aus allen Nähten. Der kleine Herr Maus vespert ein Honigbrötchen auf der Terrasse, bevor er zu den Nachbarskindern auf den Spielplatz rast. Das Fräulein Maus ist das neueste Opfer der Familienflunssa geworden, mit der wir seit Wochen Ringelpiez spielen, und liegt matt auf dem Sofa. Den grossen Herrn Maus fahre ich zu den Pfadfindern. Um die Stunde zu nutzen und nicht sinnlos hin und her fahren zu müssen, werkele ich am diesjährigen Fotobuch zum Geburtstag des kleinen Herrn Maus. Und es ist tatsächlich noch warm genug, um dabei draussen auf einer Bank im Abendsonnenschein zu sitzen. Und die bunten Bäume anzuschmachten.

Als wir heimfahren, geht gerade die Sonne unter. Die Bäume leuchten noch einmal mit ihr um die Wette.


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Auswanderer-Stöckchen

Claudia hat mich mit einem Stöckchen Award bedacht, dessen Fragen sich speziell an ausgewanderte Blogger richten.

1. Warum bist du in dem Land, in dem du gerade bist?

Eigentlich durch Zufall. Als ich auf der Suche nach einem Diplomarbeitsthema war – was sich als eher schwierig gestaltete, denn, man kennt das ja: die tollen Themen hatten Betreuer, die ich eher nicht wollte, und das, was die tollen Betreuer anboten, kam eher überhaupt nicht als Thema für mich in Frage – stolperte ich eines Tages über den Aushang, auf dem die ebenfalls für ihre Diplomarbeit aus Jena nach Jyväskylä gegangene und dann dort gebliebene Doktorandin jemanden suchte, der die Feldarbeit für seine Diplomarbeit im finnischen Winter machen wollte. Unter den finnischen Studenten hatte sich nämlich dafür („Im Winter?!“) niemand gefunden.

Ich wusste praktisch nichts über Finnland. Ausser dass der Winter vermutlich kalt und schneereich sein und ich mit Glück vielleicht Nordlichter sehen würde. Ich erlebte den besten und verrücktesten Winter meines Lebens. Als er vorbei war, hatte ich mich verliebt in Land und Leute, und es fiel mir sehr schwer, nach Deutschland zurückzugehen. Deutschland war laut und eng, die Leute unfreundlich, es gab dort zu viele Autos und zu wenig Natur. Ich wollte unbedingt wieder zurück nach Finnland.

Witzigerweise hat mir dabei gerade die Tatsache geholfen, dass ich vorher im Winter da war. Denn als sich mein zukünftiger Doktorvater über mich erkundigte, war ihm meine wissenschaftliche Qualifikation sehr viel weniger wichtig als die Antwort auf die Frage: „Ist sie taff genug?“ Die Tatsache, dass ich von Oktober bis Mai in Mittelfinnland Mäuse gefangen hatte, überzeugte ihn offensichtlich davon, dass ich der Arbeit im Archipelago auch gewachsen sein würde.

2. Kannst du dir vorstellen wieder in dein Heimatland zurückzukehren?

Mit drei Kindern? Und ohne Job? Nie im Leben!
Und auch sonst nur sehr schwer.

3. Welches Ziel verfolgst du mit deinem Blog?

Eigentlich gar keins. Ich blogge, weil es mir Spass macht. Anfangs, weil ich Freunde und Bekannte auf dem Laufenden halten wollte, ohne sie mit Sammelmails zu behelligen. Mittlerweile auch, um das eine oder andere Klischee über Finnland aus der Welt zu schaffen. Oder um zu zeigen, dass in anderen Ländern manche Dinge ganz anders gehandhabt werden – und trotzdem funktionieren. Für den Blick über den Tellerrand eben.

4. Welche Dinge über dein neues Land verstehen Deutsche irgendwie immer falsch?

Das Prinzip Sauna.
Die Sache mit dem finnischen Schulsystem und der Pisa-Studie.
Und auch sonst sind sehr viele sehr zweifelhafte Gerüchte über Finnland im Umlauf. Leider mit offizieller Unterstützung des Verlagswesens.

5. Was sind drei Orte in deinem Land, an die du Touristen mitnehmen würdest?

Ich beschränke mich mal auf die nähere Umgebung:
Auf das zugefrorene Meer
Nach Seili.
Zum Badehäuschen, um riesige Fähren anzugucken.
(Nur so als winzige Auswahl.)

6. Auf was in deinem neuen Land könntest du gar nicht mehr verzichten?

Auf die Natur. Auf die Jahreszeiten. Auf die Gelassenheit der Leute. Darauf, auf Ämtern wie ein Mensch behandelt zu werden. Auf die Kinderfreundlichkeit.

7. Was kochst du zuhause?

Ich? Griessbrei. (Für’s Kochen ist bei uns der Ähämann zuständig.)

8. Was war für dich der schwierigste Teil der Auswanderung?

Die Zweifel, ob die Entscheidung, die für mich die richtige ist, das auch für die Kinder ist.

9. Was würdest du Leuten, die in dein Land auswandern wollen, sagen?

Ich kenne nur zwei Sorten Ausländer in Finnland: solche, die es lieben, und solche, die es hassen. Man sollte also – bevor man auswandert – wissen, dass man sich in dem Land wohlfühlt und dass man gewissermassen dahin passt.

10. Ohne welches Essen könntest du gar nicht mehr leben?

Auf finnisches Essen zu verzichten fiele jetzt nicht so schwer… aber finnische Erdbeeren und Roggenbrot würde ich anderswo schon vermissen.

11. Was ist das Beste daran zu wohnen, wo du wohnst?

Das deckt sich jetzt, glaube ich, ziemlich mit Punkt 6. :-)

(Eigentlich müsste ich mir jetzt elf neue Fragen ausdenken und weitere Blogger nominieren. Aber weil die Fragen so gut passen, lasse ich sie hier und gebe sie an alle Blogger, die auch im Ausland wohnen, zur Selbstbedienung weiter. Und ggf. dann mal „piep“ machen, ja?)


2 Kommentare

2015

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Neun.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Weder noch. Glaub‘ ich.

3. Haare länger oder kürzer?
Länger.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Ich bräuchte dann wirklich langsam eine Lesebrille…

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gleich viel.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Den gleichen.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Vermutlich ungefähr gleich viel.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Erkenntnisse und Erfahrungen und so. Und einen Stehplatz im ICE nach Kopenhagen.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Dank grösserer Kinder mehr gerullert, mehr gewandert, mehr Fahrrad gefahren. Aber auch mehr faul rumsitzen können.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Paarmal flunssa, einen vereiterten Weisheitszahn, eine sogenannte Marschfraktur, mit der ich – haha! – aus Unwissenheit noch tagelang durch Helsinki marschiert bin. Nichts wirklich Schlimmes.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Der Husten, der drei Wochen lang anhielt, dann durch Cortison-Inhalieren langsam nachliess – bis ich von diesem Cortison-Pulver wieder neu zu husten anfing. (Irgendwann war er dann aber weg.)

12. Der hirnrissigste Plan?
Im Sommer mit Zelt durch Finnland zu reisen.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Im November und Dezember bei Regen überhaupt vor die Tür zu gehen.

14. Die teuerste Anschaffung?
Hannelore.

15. Das leckerste Essen?
Verschiedenes in verschiedenen arabischen Restaurants, als wir in Deutschland waren.

16. Das beeindruckendste Buch?
”Eis”. Und eins, das ich eigentlich gar nicht lesen wollte.

17. Der ergreifendste Film?
Ich habe genau drei Filme gesehen in diesem Jahr, alle im Kino: „Rico, Oscar und das Herzgebreche“, “Onneli & Anneli“ sowie den in Turku gedrehten “The Girl King“. (Am ergreifendsten war davon vermutlich noch „Onneli & Anneli“…)

18. Die beste CD?
Letztes Jahr aus dem Urlaub mitgebracht, aber erst dieses Jahr in der Adventszeit richtig angehört: eine CD mit traditionellen Liedern aus dem Erzgebirge. („Kummt, Bergbrüder, fahrn mer aus“ ist mein derzeitiges neues Lieblingsweihnachtslied.)

19. Das schönste Konzert?
Auch dieses Jahr wieder: ein Harfenkonzert.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Mit den Mäusekindern auf Wettkämpfen, im Wald, am Spielfeldrand und beim Zahnarzt. (Gearbeitet habe ich nebenher auch ein bisschen.)

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Mit einem zwei Monate lang nicht ausgezahlten Stipendium.

22. Zum ersten Mal getan?
Mit den Kindern zu einer Demo gegangen.
Zu einem richtig grossen Juhannusfeuer gewesen.
Mit dem Zug nach Deutschland gefahren.
Zwei Schulkindern hinterhergewinkt.
Pflaumen im eigenen Garten geerntet.
Einen Gottesdienst am Unabhängigkeitstag erlebt.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Auf Utö gewesen.
Eine Sonnenfinsternis beobachtet.
In Turkus kleinster Schwimmhalle schwimmen gewesen.
Gerullert.
An einer Tagung teilgenommen.
Mit der Bielefelder Freundin Cocktails getrunken. ♥

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Auf den – schon wieder – fast komplett ausgefallenen Winter.
Auf Nachtfrost im Juli, der unsere Urlaubspläne über den Haufen geworfen hat.
Auf die – zwar recht hübschen – blauen Krücken.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die finnische Staatsbürgerschaft zu beantragen.

26. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der Ähämann hat mir meine Kamera sechs Jahre später nochmal in modern geschenkt.

27. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“Mama, Mama, das war so toll!“

28. Dein Wort des Jahres?
Pfadfinder. (Weil da wieder eins unserer Kinder seine Berufung ein Herzenshobby gefunden hat.)

29. Dein Unwort des Jahres?
“Wahre Finnen“

30. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ich freu‘ mich ja schon sehr, dass Frau… äh… Mutti das Bloggen doch nicht an den Nagel gehängt hat…
(Und ansonsten natürlich alle Blogs auf meiner Blogroll.)

31. Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Eine neue – wie sagt man so schön? –berufliche Perspektive. (Denn das Stipendium von der Fahrstuhlfirma ist dann wirklich ganz und gar aufgebraucht.)

[2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014]


Ein Kommentar

2014

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Sieben.

2. Zugenommen oder abgenommen?
Weder noch.

3. Haare länger oder kürzer?
Kürzer.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Vermutlich brauche ich bald eine Lesebrille. *seufz*

5. Mehr Kohle oder weniger?
Eigentlich mehr dank einer LohnStipendienerhöhung (Danke, liebe Fahrstuhl-Stiftung!), aber das ging dann für den Monat unbezahlte Sommerferien mit den Kindern wieder drauf. (Mach‘ ich trotzdem nächstes Jahr wieder!)

6. Besseren Job oder schlechteren?
Den gleichen. Allerdings inzwischen mit mehr Auswerterei und Schreiben und weniger Feldarbeit.)

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Vermutlich mehr. Urlaub in der Schweiz und so.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Dank des Einsatzes einer engagierten Polizistin den Streit mit dem Busunternehmen.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Gleich viel Fahrrad gefahren, weniger Feldarbeit gemacht, mehr gewandert im Urlaub.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
MehrmalsFlunssa.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Die Flunssa, die mich ausgerechnet dann einen Tag ins Bett verbannt hat, als die liebste Freundin zu Besuch war.

12. Der hirnrissigste Plan?
Einen Schneemann mit Regenschirm zu bauen.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Mit den Kindern um den Gelmersee zu wandern. (Nach Meinung gewisser Feiertagsalpinisten.)

14. Die teuerste Anschaffung?
Ein Klavier.

15. Das leckerste Essen?
Im Herbst im Raumaer Lieblingscafé.

16. Das beeindruckendste Buch?
“Der Garten der verlorenen Seelen“

17. Der ergreifendste Film?
Ich weiss gar nicht, ob ich dieses Jahr überhaupt irgendeinen Erwachsenenfilm gesehen habe – zu Hause besteht unser Filmprogramm hauptsächlich aus ARD-Märchenfilmen, und das einzige Mal, das ich dieses Jahr im Kino war, habe ich mit den beiden grossen Mäusekindern „Oskar, Rico und die Tieferschatten“ angeguckt.
(Halt, stimmt nicht, ich war in Deutschland auch zwei Mal mit dem Ähämann im Kino, zu „Eyjafjallajökull“ und zu „Monsieur Claude und seine Töchter“. Der erste war Mist, der zweite ganz nett, aber für die Kategorie „ergreifend“ gibt’s dieses Jahr nichts.)

18. Die beste CD?
Äh…

19. Das schönste Konzert?
Ein Harfenkonzert.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Gefühlt mit Taximutterdasein und Terminmanagement.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Dem Ähämann und den Mäusekindern in den Bergen.

22. Zum ersten Mal getan?
Mit allen Kindern das neue Jahr begrüsst.
Einen neuen Lieblingsberg entdeckt.
Einen ungewöhnlich zeitigen und mitteleuropäischen finnischen Frühling genossen.
Eine Sauna gebaut.
Einen Kindergeburtstag im Garten gefeiert.
Vor Juni am Strand gewesen.
Auf 3500 m Höhe gewandert.
Mit einem Kind eine Nacht im Krankenhaus gewesen und es drei Monate später zu einer Operation begleitet.
Läuse gehabt.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Das ganze Jahr über mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren.
Finnische Sommerferien verbracht.
Auf dem Landweg „nach Europa“ gefahren.
Im Zirkus gewesen.
Eine „Kreuzfahrt“ gemacht.
In der Adventszeit im Erzgebirge gewesen.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Den Nichtwinter.
Den eiskalten Juni, den herbstlichen August, und genau dann in der Schweiz zu sein, wenn es dort fast täglich regnet, zu Hause aber vier Wochen lang 30 Grad herrschen.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Den Stadtrat, unsere kleine Stadtteilschule für Erst- und Zweitklässler nicht zu schliessen. (Mit Erfolg!!! Ich bin soooo froh! Und so erstaunt, wie Demokratie doch funktionieren kann: wenn nicht so viele Eltern protestiert hätten, wäre der Sparplan genau so wie vorgelegt durchgezogen worden.)

26. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Schnee war das allerallerbeste Weihnachtsgeschenk.

27. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“Du kannst jetzt zum grossen Herrn Maus in den Aufwachraum kommen“, dicht gefolgt von “Ich habe euch eine Mietharfe organisiert!“

28. Dein Wort des Jahres?
Harppu.

29. Dein Unwort des Jahres?
Periodisches Fieber.

30. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Inchs Berichte von ihrer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn habe ich sehr, sehr, sehr gern gelesen. (Ansonsten natürlich siehe Blogroll.)

31. Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Mal wieder ohne Beklemmung Zeitung lesen zu können.

[2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013]


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Mai: Grüne Oasen

Grüne Oasen in Turku? Sicher, da wäre zum Beispiel das Handwerkermuseum, fast mitten im Stadtzentrum und vor allem im Frühsommer sehr, sehr grün. Oder der grosse Park. Oder ”Bei den Kühen”.

Aber eigentlich sind das gar keine richtigen Oasen. Denn grün ist es – bis auf ein paar Hektar allerinnerste Innenstadt – hier eigentlich überall.

Hier ein paar Impressionen aus einer Plattenbausiedlung, wie sogar ebenjene hier fast alle aussehen. Sehr grün nämlich.

Und auf und hinter diesem Hügel versteckt sich unser Stadtteil. Und ja, wir wohnen in der Stadt!

(„Zeig uns deine Stadt“ ist ein Fotoprojekt von den „Shootingqueens“.)