Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Undank… usw.

„Mama?“, fragt der kleine Herr Maus. „Falls nächsten Winter mal wieder genug Schnee zum Skifahren liegt, darf ich dann auch mal alleine auf unsere Loipe und zwei oder drei Runden fahren?“
„Klar!“ sage ich. „Aber ich würde auch jederzeit mitkommen nach der Arbeit.“
„Nee, Mama, du bist so langsam!“

Das ist nun der Dank dafür, dass man jahrelang keine Skitour gemacht hat, die länger als 800 m war, und dabei alle paar Meter das Kind vom Boden aufgeklaubt, es bei jedem Minigefälle zwischen die Beine genommen hat und insgesamt mehr gestanden als gefahren ist…!


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Coronaklausur, Tag 49

Finnland hat 5412 bestätigte Coronafälle.

Gestern gab es nicht nur neue Beschlüsse über weitere Lockerungen – die, das kann ich schon mal sagen, sehr weit entfernt sind von der Unbekümmertheit, mit der die Schulöffnung durchgeboxt wurde – sondern es wurden auch die vom Bildungsministerium und der Gesundheitsbehörde aufgestellten Regeln für einen epidemiekonformen Schulablauf verkündet. Ich war ja schon letzte Woche skeptisch. Aber dieses Regelwerk hat alle Erwartungen übertroffen.

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „schrittweise zurück in die Schule“. Einen Tag später hiess es: „Alle Erst- bis Neuntklässler gehen wieder in die Schule, und die Kindergärten machen wir auch am gleichen Tag ganz normal für alle wieder auf.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „Wir müssen die Gruppen klein halten, eventuell leerstehende Räume nutzen, um die Klassen teilen zu können und genug Sicherheitsabstand halten zu können“. Jetzt heisst es: „Wir werden keine Klassen teilen, es wird normale Klassen- und Kindergartengruppenstärken geben und kein Extrapersonal, und wir werden die Sicherheitsabstände ganz bestimmt nicht mit dem Lineal abmessen.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „verstärkter Handhygiene“. Jetzt heisst es: „Händewaschen beim Ankommen in der Schule und vorm Heimgehen.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „ein Lehrer pro Klasse“. Jetzt heisst es: „Natürlich gehen die Fachlehrer von Klasse zu Klasse, das ist ja auch anders gar nicht machbar.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „wir wollen den Schulbetrieb so sicher gestalten, dass niemand Angst haben muss, wieder in die Schule zu gehen“. Jetzt heisst es: „Kinder stecken sich ja nicht an und deshalb müssen* alle wieder in die Schule, es wird keine Freistellungen und keine erlaubten Krankmeldungen geben ausser mit ärztlichem Attest.“

Wenn man ein bisschen verfolgt hat, wie Schul- und Kindergartenwiederöffnungen ablaufen könnten – wie sie in Dänemark und Norwegen ablaufen und in Deutschland geplant sind – dann fragt man sich, was für ein grossangelegtes Experiment hier eigentlich nächste Woche gestartet werden soll. (Und wie viele Eltern bereit sind, ihre Kinder als Versuchsobjekte daran teilnehmen zu lassen.)

Heute früh traf ich mich als erstes mit der besten Chefin, um eine Strategie auszuarbeiten, wie wir die Hortbetreuung halbwegs epidemiekonform durchziehen können in diesen letzten elf Tagen vor den Sommerferien. Wenn wir nicht selbst nach bestem Wissen und Gewissen Regeln aufstellen würden, sondern uns an die halten würden, die wir offiziell bekommen, dann könnten wir uns ruhig mit unseren 30 Kindern eine Turnhalle mit den 60 Kindern der anderen Nachmittagsbetreuung teilen, aber draussen Fussball spielen dürften die Kinder nicht. Ich hab‘ schon Muskelkater vom Augenrollen.

Zu Hause erwartete mich der kleine Herr Maus schon ungeduldig, denn ich hatte ihm gestern versprochen, heute gleich nach der Schule mit ihm Runden rullern zu gehen. Einsam zogen wir unsere Bahnen, wie das dort immer ist ausserhalb der Schlittschuhsaison.


* Müssen muss hier gar niemand, da kann sich die Bildungsmininsterin auf den Kopf stellen müsste man erstmal ein Gesetz ändern.


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Coronaklausur, Tag 16

Finnland hat 1518 bestätigte Coronafälle.

Heute wären wir zeitig aufgestanden und hätten den gar nicht mehr so kleinen Herrn Maus zur „Amorella“ gebracht. Dann hätte er uns entschieden weggeschickt, vielleicht nochmal kurz gewinkt, und wäre mit seiner Schwimmmannschaft an Bord gegangen. Zwei Tage Trainingslager auf Åland, anschliessend zwei Tage Wettkampf. Er hatte sich lange darauf gefreut.

Stattdessen hat er ab dieser Woche Training im Kinderzimmer. Dreimal die Woche per Videoschaltung. (Vielleicht müssen wir ihm im Garten bald sowas aufbauen.)

Stattdessen war es ein Tag wie immer in diesen Tagen: vormittags Schule, nachmittags Auslüften. Heute war die Abmachung: der kleine Herr Maus fährt vor, ich folge ihm. Und er hatte auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wo er hinwollte. Ein Hoch auf unser Radwegenetz! Am Ende zeigte der Kilometerzähler 20 km.

Ausserdem war heute Die-Kinder-kochen-das-Essen-Tag. Mittags buk uns der kleine Herr Maus einen Berg Eierkuchen, und als wir beide von der Radtour zurückkamen, empfing uns das Fräulein Maus – Hauswirtschaftsaufgabe für diese Woche: eine Suppe kochen – mit Kartoffel-Käse-Suppe nach finnischem Rezept.

Es könnte schlimmer sein.


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Novembersamstag

Letztes Jahr im November haben wir uns eigentlich nur nach den Weihnachtsferien gesehnt: das Fräulein Maus hatte andauernd Training oder Wettkampf, der Ähämann hatte auf Arbeit ein schwieriges Projekt, das ihn auch abends und am Wochenende noch beschäftigte, und ich hatte fürchterlich lange Tage zwischen Arbeit, Praktikum, Schule und vorzubereitenden Lehrproben. Wir waren erschöpft von all dem Gerenne, und müde von der Dunkelheit.

Dieses Jahr stelle ich fest, dass ich sogar den November wieder geniessen kann, mit all seiner Dunkelheit und seinem Nieselregen und Noch-nicht-Weihnachtszeit. Es ist so schön, noch drei Kerzen mehr anzuzünden, während draussen um vier schon die Nacht hereinbricht und der Regen ans Fenster sprüht. Es ist so schön, abends gegen die Müdigkeit einfach zeitig ins Bett zu gehen, statt noch eine Hausarbeit fertigschreiben oder über die besten Phrasen für den nächsten HENSU nachdenken zu müssen.

Heute schliefen wir lange, dann ging der kleine Herr Maus auf einen Kindergeburtstag, Mittagessen fand der Einfachheit halber im am Weg gelegenen IKEA statt und dann gingen wir – auch das haben wir schon ewig nicht mehr gemacht, weil wir schon lange nicht mehr alle fünf gleichzeitig Zeit dafür hatten – auf Wunsch dreier Kinder in die Schwimmhalle.

Der Beutel begleitet uns schon, seit der grosse Herr Maus noch ganz klein war und die liebste Freundin ihn mir zum Geburtstag schenkte. Ich freue ich immer noch jedes Mal, wenn ich ihn benutze – auch wenn sich mittlerweile niemand mehr an der Kinderschlaufe festhält.

Und zwar in die im Nachbarort, weil es da freitags und wochenends Wasserspielzeug zur freien Verfügung gibt. (Also nicht so ein paar Bälle und Giesskännchen, sondern riesige schwimmende Gebilde, auf denen man herumturnen, und riesige Schüsseln, in denen man durchs Schwimmbecken paddeln, und riesige Ringe, durch die man hindurchspringen kann.) Die Entscheidung stellte sich als Volltreffer heraus, denn während unsere Schwimmhalle am Wochenende immer brechend voll ist, war die Schwimmhalle im Nachbarort so leer, dass nicht nur die Kinder nicht am Wasserspielzeug Schlange stehen mussten, sondern quasi jeder Schwimmbadbesucher eine Bahn für sich hatte, und genau, wir Eltern konnten auch einfach mal ein paar Bahnen schwimmen, weil kein Kind mehr beaufsichtigt werden muss. (Als sie genug gespielt hatten, brachte der kleine Herr Maus seinen Geschwistern den Startsprung bei.) Ein sehr schönes, eisiges Aussenbecken für nach der Sauna hat die Schwimmhalle auch. Und sehr schönes helles Licht. ;-)

Dann fuhren wir heim und gossen aus den gesammelten Kerzenresten des letzten Jahres neue Kerzen für die Laternen im Vorgarten und zukünftige Eislichter.

Was man eben so macht an einem Novembersamstag.


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Duracell-Fische

Oder: Wie die Herren Maus sich einmal vornahmen, einen ganzen Kilometer zu schwimmen. Und es auch taten.

(Und dann zum Glück auch noch den Heimweg auf dem Fahrrad schafften.)

So ein Freibad mit beheiztem Wasser und Sauna ist gerade die beste einzige Wahl bei den derzeitigen Lufttemperaturen. Dieser Sommer ist ja nicht sooo schlecht – an Sonne ist kein Mangel, es hat seit Mittsommer an genau einem Tag geregnet – aber 20°C sind doch kein Sommer!!!


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Debüt

Am Sonntag also der erste Wettkampf in einer neuen Alterklasse und in einer neuen, und zwar der obersten, Liga (oder wie auch immer man das nun beim Turnen nennt). Puh!

Die Turnmädchen nahmen es gelassen.
Und machten ihre Sache gut. Sehr gut.

Im Hintergrund die Herren Maus nach erfolgreicher Strasssteineaufsammlung.

So gut, dass sie mit Bronzemedaillen heimgingen.
(Immerhin zahlt sich dieses völlig verrückte Trainingspensum aus.)


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Auf glasierten Loipen

Samstagfrühmittag sassen wir bei strahlendem Sonnenschein und vier Grad plus am Frühstückstisch und überlegten, was wir mit dem Tag anfangen sollten.

Irgendwo eine kleine Runde wandern? Nun ist es zwar bis auf ein paar wenige kalte Tage seit drei Wochen warm, also über Null, aber so ein halber Meter Schnee braucht eben doch so seine Zeit, bis er weggetaut ist. Auf allen Wegen liegen noch dicke, zu Eis zusammengetrampelte Schneeschichten. Erst recht im Wald, wo keine Sonne hinkommt. Also Wandern vielleicht eher noch nicht.

Ob man dann aber vielleicht noch skifahren kann? In Klein-Lappland geht das doch immer noch bis zuletzt! Und tatsächlich, auf der Webcam sahen die Loipen nahezu perfekt aus.

Was man jedoch auf den Bildern der Webcam nicht sehen konnte: dass es dort, anders als in Turku, die ganze Nacht geregnet hatte, und dass der Regen den an den beiden vorherigen Tagen tiefgefrorenen Schnee mit einer dicken Eisschicht überzogen hatte, die auch am frühen Nachmittag im strahlenden Sonnenschein noch nicht getaut war.

Meine Fresse…! Geradeaus ging eigentlich nur mit Mit-den-Stöcken-Anschieben, bergauf nur unter Einsatz von sehr viel Armkraft, und bergab war kriminell, denn bremsen war schlicht unmöglich.

(Schnapsidee des Jahres steht hiermit wohl schon mal fest.)

Während die Kinder unerschrocken auf Skiern die Eiskanäle hinuntersausten, schnallte ich an jedem steileren oder längeren Berg die Skier ab. (Laufen war allerdings auch eher schwierig ohne Spikes.)

Am vergnüglichsten war der Heimweg am späten Nachmittag, denn auf dem gibt es eine Strecke, da geht es wie auf einer Achterbahn immer auf und ab. Bergab war’s dankenswerterweise dann in der Sonne endlich angetaut, so dass man nicht zu schnell wurde, und bergauf war’s weiterhin gefroren, so dass man bis oben einfach weitersausen konnte.

Bilanz: ein blaues Knie und drei Tage Muskelkater. (Bei mir. Der Rest der Familie ist wohlauf.)

Und jetzt im Nachhinein find‘ ich’s auch wieder lustig. Und bin froh, dass wir nochmal da waren.


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Letzte Gelegenheit

Als wir am Sonnabend zum Eisbaden fuhren, zogen da ein paar Unerschrockene immer noch mit Skiern über die Felder. Na, dachte ich, das ist jetzt aber die letzte Gelegenheit, denn die Sonne knallte wirklich sehr auf die zusammengeschrumpfte Loipe, und die Luft war ganze sechs Grad warm.

Als wir am Sonntag ins Citymoor gingen, war der Parkplatz voller Autos, in die gerade Skier eingeladen oder aus denen gerade Skier ausgeladen wurden. Na, dachte ich, das ist jetzt aber wirklich die allerletzte Gelegenheit, denn an manchen Stellen guckte schon der Waldboden wieder raus, und Rinnsale blinkten neben dem Weg.

Aber die Loipe sah gar nicht so schlecht aus. Und so ergriffen gestern der kleine Herr Maus und ich, nachdem wir erst das Fräulein Maus zum Training gefahren und dann in der brechend vollen Schwimmhalle seine am Sonntag beim Training liegengelassene Badekappe abgeholt hatten, die wirklich allerallerletzte Gelegenheit beim Schopfe und gingen auch nochmal skifahren.

Vom Citymoor zur Skihütte auf der anderen Seite des Flughafens und wieder zurück. Es waren recht anstrengende 14 km, denn der Schnee war auf der Hinfahrt noch sehr vereist und auf der Rückfahrt sehr matschig. Aber egal. In der Skihütte konnten wir am Feuer unser mitgebrachtes Mittagessen essen, ich konnte mein durchgeschwitztes Wollunterhemd wechseln, zum Nachtisch gab’s Munkki und heissen Kaffee, und dann ging’s auch mit dem Rückweg.

Und die Loipe ist ja mal echt cool: der kleine Herr Maus erzählte noch den ganzen Abend davon, wie wir durch die Landebahnbeleuchtung des Flughafens durchgefahren sind und wie toll der startende Airbus so ganz aus der Nähe ausgesehen hatte.

Wenn es wirklich die allerallerletzte Gelegenheit zum Skifahren gewesen sein sollte, dann haben wir sie wenigstens gut genutzt.

(Heute Muskelkater. Und strömender Regen.)