Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Vorletzten Mittwoch machten wir einen Ausflug mit einem Kilo Dokumenten nach Helsinki.

Das grösste Problem war dann überraschenderweise nicht die nicht vorhandene Einbürgerungsurkunde, sondern überhaupt für vier Personen einen Termin am gleichen Tag zu ergattern. Ich möchte darüber keine weiteren Worte verlieren; es war traumatisch.

Aus Klimaschutz- und Komfortgründen fuhren wir mit dem Zug nach Helsinki Leppävaara. (Auch die anschliessende Weiterfahrt mit zwei verschiedenen Buslinien – die deutsche Botschaft befindet sich nicht etwa im Stadtzentrum, sondern an einer Stelle, an der einheimische Fischer auch schon mal einen Fisch ablegen können – klappte reibungslos.) Zum Bahnhof fuhren wir mit dem Rad, wobei wir eigentlich an der 458 vorbeigekommen wären, die in der grünen Plattenbausiedlung wohnt, wenn der Ähämann uns nicht seinen Geheimweg zum Bahnhof gezeigt hätte.

Da traf es sich gut, dass wir nach dem Botschaftsbesuch noch mit Bus und Metro in die Innenstadt fuhren, denn als wir die Strasse überquerten, die den Esplanade-Park in der Mitte kreuzt, kam da gerade eine 458 gefahren.

Den Rest des Tages wollten wir in Finnlands einst tollstem Freibad verbringen.

Es war dann aber nicht nur so, dass dort der Zaun weiterhin bugförmig verbogen ist und immer noch rot-weiss-blaue Lacksplitter von der „Gabriella“ herumliegen, sondern auch sonst war alles recht provisorisch und/oder kaputt, nur die Preise waren kräftig gestiegen. Muss ja wer bezahlen, die Renovierung, und solange man sich mit der Reederei streitet, wessen Versicherung dafür aufkommt, kann man ja schon mal die Kunden beteiligen. Danke, nein. Wir kommen dann jetzt erstmal ein paar Jahre nicht mehr.

Also weder in den Seapool noch in die deutsche Botschaft.

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Reiserückblick (5): Die Lieblingsstadt

Ich habe es schon das eine oder andere Mal erwähnt: ich wusste eher, wo ich mal studieren will, als was ich studieren will.

Jena ist bis heute des Ähämanns und meine Lieblingsstadt.
(Und die Kinder haben wir auch schon damit angesteckt.)

Diesmal waren wir nur fünf Tage da. Fünf Tage, in denen wir ein bisschen wie im Rausch durch die Stadt liefen, weil hachsoschön, und weil wir so viel angucken und besuchen wollten.

Wir haben es diesmal nicht geschafft, ausgedehnte Wanderungen zu unternehmen, aber wir sind immerhin auf den Jenzig gestiegen. Wir waren im Planetarium, in der Lieblingskneipe und auf dem Turm. Wir waren zweimal im Freibad, jeden Morgen beim Bäcker und haben sehr viel Eis gegessen.

Wir haben die Jenaer Freunde besucht, mit denen immer ein Feuer gemacht werden muss, und ich habe seit ewig – 2006, rechneten wir gemeinsam nach – mal wieder die Freundin getroffen, die meine erste Mitbewohnerin im Studentenwohnheim war, nach dem Studium viele Jahre in München gelebt hat und letztes Jahr mit ihrer Familie in ihr Heimatdorf zurückgezogen ist. (Auch das so ein Treffen.) Sie wohnt in einem echten Rundangerdorf, und auch auf dem Weg dahin fuhren wir über niedliche Strässchen und durch hübsche Dörfer und zum Beispiel auch über die überdachte Holzbrücke in Buchfart. Alles sehr idyllisch, und ja, Thüringen ist schon überhaupt sehr schön.

Sogar der Lieblingsfahrradhändler hat uns nicht enttäuscht, und wir haben trotz der allgemeinen Fahrradknappheit auf Anhieb ein neues Fahrrad für den kleinen Herrn Maus gefunden, der seinem Fahrrad eigentlich schon seit letztem Jahr entwachsen war und die letzten zwei Monate vor den Ferien nur noch mit dem Fahrrad der grossen Schwester unterwegs war, weil es wirklich nicht mehr ging. (Nein, in Finnland ein Fahrrad kaufen ist keine Option.)

Wir haben selbstverständlich nicht während der Vorführung fotografiert. Aber wir hatten hinterher noch eine Frage und bekamen daraufhin eine kurze Privatvorführung. <3


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Reiserückblick (4): Auf dem Lande

Diesen Sommer haben wir endlich geschafft, was schon seit zwei Jahren fest eingeplant, dann aber Corona zum Opfer gefallen war: des Ähämanns noch in seinem Heimatdorf lebende Verwandtschaft zu besuchen.

Anderthalb Tage lang taten wir nichts weiter als essen, schlafen und spazierengehen, Hühner und Ziegen besuchen, von der Nachbarin zu den jungen Katzen hereingewunken werden, Pferde streicheln, Enten füttern, einen Geocache suchen, auf jeder Gasse ein Schwätzchen halten müssen und jede Menge Familiengeschichten und Dorftratsch zu hören bekommen.

Das war alles sehr nett, und die Kinder möchten jetzt bittebitte bei nächster Gelegenheit wieder hinfahren.


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Reiserückblick (3): Deutsche Geschichte

Nachdem wir den Nord-Ostsee-Kanal überquert hatten, mussten wir uns sputen: wir waren in der Stadt, die vor 20 Jahren ein Jahr lang mein Zuhause gewesen war, mit der Freundin, die ich in den letzten 19 Jahren nur viermal getroffen habe, verabredet.

Die schönen deutschen Autobahnen waren wegen Pfingstmontag zwar wenigstens LKW-frei, aber trotzdem sehr… schön.

Auch deutsche Raststätten sind ein steter Quell der Freude. Diesmal zog ich mir insbesondere den Unmut einer Mutter zu, die hinter mir am Sanifair-Bezahlautomaten anstand, ihre Kinder schon mal auf die Toilette vorgeschickt hatte und dann durch die Kabinenwand polterte: „Jetzt musste ich euch so lange warten lassen, weil da welche unbedingt am einzigen Automaten, an dem man mit Münzen zahlen kann, mit Karte zahlen mussten. Echt unmöglich, manche Leute!“ Es tut mir ja aufrichtig leid – aber ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass fünf Mal kontaktlos 70 cent bezahlen fast drei Minuten dauern würde. Und dass es unterschiedliche Automaten gäbe. Und dass ausser uns alle (!) mit Münzen zahlen wollten.

Der Kulturschock lauert überall.

(Mal ganz davon abgesehen, dass, wenn ich nicht nur eine Deutsche unterwegs in einem Auto mit finnischem Kennzeichen, sondern eine echte Finnin wäre, ich noch nicht mal im Traum auf die Idee gekommen wäre, dass man für eine Toilettenbenutzung an einer Raststätte überhaupt bezahlen muss.)

Immerhin gab es, wie immer an und auf deutschen Autobahnen, unvorstellbar riesige Teile von Windkraftanlagen zu bestaunen.

Der Abend in Bielefeld war vielleicht der schönste der ganzen Reise.

Ich war das erste Mal seit 19 Jahren wieder da, aber ich hatte tatsächlich so ein bisschen das Gefühl von Nach-Hause-Kommen: ein Jahr ist eben nicht nichts. Die Bielefelder Freundin und ich rechneten nach, wann wir uns eigentlich zuletzt gesehen hatten – es muss mindestens sechs oder sieben Jahre her sein – aber es war wie immer, wenn wir uns nach langer Zeit wieder treffen: es fühlte sich an, als sei seit dem letzten Treffen höchstens eine Woche vergangen.

Wir gingen zunächst alle zusammen was essen, dann brachte der Ähämann die Kinder zurück ins Hotel, wo sie eigentlich den Rest des Abends deutsches Fernsehen gucken wollten, während die Bielefelder Freundin und wir unserem gemeinsamen Hobby Cocktailtrinken nachgehen würden. Sie mussten dann aber feststellen, dass synchronisierte Filme und die dauernden Werbeunterbrechungen nicht zu ertragen und sie ausserdem viel zu müde waren, so dass sie alle drei schon längst schliefen, als der Ähämann und ich zurück ins Hotel kamen.

Am nächsten Tag hatten wir es nicht eilig, und es war noch Zeit, den Kindern den Lieblingsbuchladen zu zeigen und mit ihnen beim Lieblingsdönerladen zu essen und sie eine halbe Stunde auf dem Kesselbrink turnen zu lassen.

Und wo wir schon einmal in der Gegend waren, statteten wir auch gleich noch Hermann einen Besuch ab, zu dessen Füssen man ja nicht nur über die Schlacht im Teutoburger Wald, die die Kinder sogar aus dem finnischen Geschichtsunterricht kennen, sondern auch sehr schön über Nationalismus und sinnlose Erzfeindschaften reden kann.

Damit war der Exkurs in die deutsche Geschichte aber noch nicht beendet, denn ein paar Stunden später überquerten wir die hessisch-thüringische Grenze an der Stelle, an der der Ähämann zwischen zwei Zäunen aufgewachsen ist.


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Reiserückblick (2): Eine bewohnbare Modellbahnanlage

Als wir 2014 auf dem Weg in die Schweiz Freunde in Eckernförde besuchten, sahen wir auf der Weiterfahrt von der Autobahn aus eine gewaltige Eisenbahnbrücke. Als wir zurück in Finnland waren, recherchierte ich ein bisschen und fand heraus, dass es sich um die Rendsburger Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal gehandelt hatte.

Und dann kriegte ich grosse Augen, als ich las, dass unter der Brücke eine Schwebefähre hängt, die nicht nur Fussgänger und Radfahrer, sondern auch Autos transportiert. Es war sofort klar, dass wir das nächste Mal, wenn wir in der Gegend wären, damit fahren würden!

Die gewaltige Brücke und die aussergewöhnliche Fähre sind übrigens nicht das einzige Bemerkenswerte: um die über 40 Meter Höhenunterschied auf den nur 600 Metern zwischen dem Rendsburger Bahnhof und der Brücke (die so hoch sein muss, damit auch grosse Schiffe unter ihr durchpassen) für Züge überwindbar zu machen, wurde eine viereinhalb Kilometer lange kreisförmige Auffahrtrampe angelegt, mitten in einem Rendsburger Wohngebiet.

Da unsere inneren Uhren noch nach finnischer Zeit gingen und wir zeitig aus Flensburg losgekommen waren, fuhren wir, bevor wir die Fähre ansteuerten, in den Rendsburger Ortsteil Schleife und guckten uns mal aus nächster Nähe an, wie das so sein muss, in einer lebensgrossen Modellbahnanlage zu wohnen. Beindruckend!

Gern wären wir spontan drüber gefahren, es scheiterte allerdings am ausreichend zügigen Ticketkauf. (Fahrkartenschalter gibt es ja schon lange keine mehr, der Automat war kaputt, und die Bahn-App verkauft am liebsten nur Tickets für Einzelpersonen, nicht für ganze Rudel von Menschen. Tja.)

Dann eben in den nächsten Ferien, wobei wir da vermutlich schlafend und im Dunklen drüberfahren werden.

Und eigentlich und sowieso wollten wir ja Schwebefähre fahren, und das taten wir dann auch. Wir hatten übrigens Glück: nach einem Zusammenstoss mit einem Frachtschiff im Jahr 2016 (!) ist die Fähre überhaupt erst seit März diesen Jahres wieder in Betrieb.

Die Fähre fährt alle Viertelstunde und ist, für Deutschland ja eher ungewöhnlich, komplett kostenlos. Ausserdem ist sie im Vergleich zu schwimmenden Fähren extrem schnell. Ich konnte gar nicht so schnell gucken und fotografieren, wie wir schon am anderen Ufer waren.

Am Ende fehlte nur noch ein richtig grosses Schiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal, aber es war weit und breit keins zu erwarten, nur „Freya“ fuhr ohrenbetäubend hupend unter der Brücke durch.


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Reiserückblick (1): Willkommen in Deutschland!

Unsere Reise begann wie nahezu alle unsere Reisen „nach Europa“ mit einer nächtlichen Fährüberfahrt von Turku nach Stockholm und dem zügigen Durchqueren Schwedens und Dänemarks.

Das heisst, normalerweise nehmen wir ja noch eine zweite Nachtfähre von Trelleborg nach Rostock, aber da wir diesmal zunächst ein Ziel weiter westlich in Deutschland hatten, bot es sich an, einfach durchzufahren und erst in Deutschland zu übernachten.

Erster Zwischenstopp ebenfalls wie immer bei IKEA in Jönköping, wo wir üblicherweise genau zur Brunchzeit ankommen. Brunch bei IKEA ist um Welten besser als alles, was man sonst an schwedischen Raststätten bekommen kann, und zumindest auf der Hinfahrt ein echtes kulinarisches Highlight für uns. Leider hat IKEA den Brunch abgeschafft, so dass wir gefühlt 25 einzelne Tellerchen mit Brötchen, Ei, Käse, Eierkuchen bestellen mussten. Immerhin war der Kaffee vor um zehn umsonst.

Dann stockten wir im benachbarten Supermarkt nicht nur unseren Reiseproviant, sondern nach zweieinhalb Jahren auch endlich unseren Vorrat an den besten Streichhölzern, die es gibt, auf. (Die zweitbesten – ebenfalls ein schwedisches Produkt – kann man in Estland kaufen. Allerdings nur im R-Kioski.)

Dann zuckelten wir weitere mehrere hundert Kilometer mit 105 km/h – angesichts der Benzinpreise und der drei Fahrradträger (zu dem Zeitpunkt immerhin noch ohne Fahrräder!) auf dem Dach die höchste vernünftige Geschwindigkeit – über leere schwedische Autobahnen und fassten spontan den Beschluss, diesmal nicht die Brücke, sondern die Fähre über den Öresund zu nehmen. Spart 5 € und 40 km Umweg und macht eigentlich auch mehr Spass, obwohl wir natürlich schon alle die grosse Brücke toll finden.

Kurz vor der deutschen Grenze fiel uns glücklicherweise noch ein, dass am nächsten Tag Sonntag ist und in Deutschland alle Läden geschlossen wären, und so suchten wir noch einen dänischen Supermarkt auf, um wenigstens Milch, Saft, Butter und Marmelade fürs Frühstück zu kaufen. Die Kinder gingen derweil auf einen Spielplatz und freundeten sich mit dänischen Jugendlichen an. (Sie haben es so gut – ich hätte mich, bis ich für meine Diplomarbeit nach Finnland ging, mit niemandem einfach so auf Englisch unterhalten können!)

Dann erreichten wir die deutsche Grenze, wo uns, nachdem wir sechs Breitengrade nach Süden gefahren waren, ein Schild im „Echten Norden“ willkommen hiess. Tjanun.

Und spätestens im Parkhaus wussten wir, dass wir wirklich in Deutschland angekommen waren.

(Sehr schön auch, dass wir nach drei Jahren zum ersten Mal wieder einen Geldautomaten aufsuchen mussten, um in einem Lokal etwas zu essen erstehen zu können. Und die eiskalte Ferienwohnung, in der auch nach Hochdrehen der Heizung nichts trocknete, nicht einmal die nach dem Essen feucht abgewischte Tischplatte.)

Als preiswerte Zwischenstation war Flensburg jedoch voll okay.

Und richtig gut gefallen haben mir die engen Durchgänge zwischen den Häusern, die man auch wirklich alle benutzen durfte.


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Apropos lieb Heimatland…

Der Rowohlt-Verlag hat mir nach zwei Wochen auf meine Anfrage, ob sie denn ebenfalls vorhaben, den Erlös aus dem Verkauf des Maja-Buchs zu spenden, geantwortet:

„Die Verlagsgruppe von Holtzbrinck, zu der auch der Rowohlt Verlag gehört, hat bereits im März zur Unterstützung der Ukraine größere Beträge u. a. an das UN-Flüchtlingshilfwerk, das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe sowie die Malteser International gespendet. Aus diesem Grunde wurde entschieden, sich hier nicht noch zusätzlich zu engagieren.“

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das ärgert, dass da jetzt mit einem ukrainischen Kinderbuch Profit gemacht werden soll – das Buch ist 2017 in der Ukraine erschienen, das hätte man längst übersetzen lassen und auf Deutsch veröffentlichen können; aber wen hat bis vor drei Monaten irgendwas aus irgendeinem ehemaligen Ostblockstaat interessiert…?! – und nichts davon abgegeben werden soll.

(Ich hätte es, genau wie die finnische Ausgabe, gekauft. Aber so nicht. Wozu haben wir eine Bibliothek?!)


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Nur echt mit Stempel

Inzwischen sind vier von fünf deutschen Pässen der Familie Maus abgelaufen. Vielleicht doch Zeit, mal wieder meiner Lieblingsinstitution einen Besuch abzustatten.

So wir denn überhaupt jemals einen Termin für vier Personen ergattern sollten, werden wir diesmal mit noch dickeren Aktenordnern anreisen müssen. Unter Anderem wird zum Nachweis der doppelten Staatsbürgerschaft unsere Einbürgerungsurkunde gewünscht.

Wir erinnern uns: wir erhielten damals eine SMS.


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Nördlich vom Weltuntergang

In Deutschland so:

„Sonnenblumenöl noch teurer – so weit steigt der Preis“
„Aldi Süd: Preis für neue Marke Sonnenblumenöl sorgt für Entsetzen“
„Lidl-Filiale stoppt Verkauf von Sonnenblumenöl an Minderjährige“
„Edeka lehnt teure Öl-Preise ab: Filiale verkauft Sonnenblumenöl nicht“

In Finnland so:

(Ich lebe wirklich sehr gerne in einem Land, in dem nicht alle immer gleich durchdrehen.)


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Begegnungen, 2022

Neulich lief mir im Stadtzentrum meine ukrainische Finnischkurskollegin Olga über den Weg. „Karen“, rief sie aus, „eine Million Jahre haben wir uns nicht gesehen!“ Stimmt. Ihr grosser Sohn, der damals, als wir den Finnischkurs anfingen, gerade in die Schule gekommen war, hat inzwischen Abitur. Ihre kleine Tochter, mit der sie bei unserem letzten Treffen schwanger war, geht schon in die zweite Klasse.

Das „Wie geht es dir?“ bleibt uns im Hals stecken. Wie soll es gehen, wenn in Europa Krieg ist und eine von uns beiden unmittelbar davon betroffen ist?! Sie starrt auf meinen Peace-Anstecker in ukrainischen Farben neben den beiden Impf-Ansteckern auf meinem Horttantenumhängetäschchen. „Du erforschst immer noch Mäuse und Eichhörnchen?“, fragt sie. „Ach wo, schon seit einer Million Jahren nicht mehr!“, sage ich, und dann frage ich sie, wie ihr ihr neuer Job denn gefalle, denn sie arbeitet als Angestellte der Stadt Turku seit Neuestem nicht mehr in der Touristeninformation, sondern berät ukrainische Geflüchtete. „Ich bin so froh, dass deine Eltern bei dir in Finnland und in Sicherheit sind“, sage ich zu ihr, denn die meisten von uns, die damals gemeinsam im Finnischkurs sassen, treffen sich mindestens noch in verschiedenen sozialen Netzwerken und wissen daher in groben Zügen, was im Leben der Anderen gerade passiert. Sie erzählt mir, dass ihre Eltern eine Woche vor Kriegsausbruch gekommen sind, weil ihr finnischer Mann, der sich sicher war, dass es Krieg geben würde, darauf bestanden hat, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, dass sie mal wieder zu Besuch kämen. „Steht ihr Haus noch?“, frage ich und denke, was für eine absurde Frage. Wir schweigen kurz. „Aber die Deutschen tun so viel für die Ukraine!“, sagt sie, und ich möchte im Boden versinken. „Ich wünschte, den Deutschen wäre es wichtiger, den Krieg nicht mehr mit Gas- und Ölkäufen mitzufinanzieren, statt immer jammernd ihre Wirtschaft vorzuschieben“, sage ich, „zumal es ja auch eine einmalige Chance für den Klimaschutz wäre.“ Von dem Rumgeeiere wegen Waffenlieferungen ganz zu schweigen. So sehr ich selbst eigentlich dagegen bin und mir eine Welt ohne Waffen, ohne Drohungen, ohne Angst wünschte – wie weit kommt man mit Pazifismus, wenn ein alter machtgeiler Mann durchdreht und nicht genug bekommen kann? Für die Finnen ist die Sache einfach: denen steckt der Winterkrieg noch immer in den Knochen, die wissen, wie es sich anfühlt, was auf dem Spiel steht.

Ich wünschte, Geschichte würde sich nicht immer wiederholen.

Zwei Wochen vor Kriegsausbruch hatte ich mich mit meinem russischen Finnischkurskollegen Kirill getroffen. Die Sache, wegen der wir verabredet sind, ist schnell erledigt. Aber wir haben uns lange nicht gesehen und viel zu bereden: wie es uns geht und ergangen ist in den letzten Jahren in unserer gemeinsamen Wahlheimat.

Diesmal erzählen wir uns hauptsächlich kopfschüttelnd Anekdoten über den finnischen Umgang mit Alkohol. Sein Sohn ist so alt wie der grosse Herr Maus, und ab der siebenten Klasse gehören zum unvermeidlichen Fragebogen, der bei Vorsorgeuntersuchungen bei der Schulschwester auszufüllen ist, auch erste Fragen zum Alkohol- und Drogenkonsum. „Bei der Frage, ob er schon mal Alkohol probiert habe, hat er Ja angekreuzt, und daraufhin wurden seine Mutter und ich direkt in die Schule vorgeladen. Aber naja, er hat mich gefragt, wie Wodka schmeckt, und natürlich habe ich ihn probieren lassen. Probieren im Sinne von mal nippen natürlich, und er weiss jetzt, dass ihm Wodka nicht schmeckt, und das ist doch viel besser als wenn er es heimlich mit Freunden ausprobiert und sich direkt besäuft!“ Ich stimme ihm heftig nickend zu. Unsere Kinder haben inzwischen gelernt, diese Fragebögen „korrekt“ zu beantworten. Früher logen sie Zahnärzt*innen auch schon mal direkt ins Gesicht: „Natürlich haben wir einen Karkkipäivä!“, heute erklären sie Schulschwestern selbstbewusst: „Natürlich trinken meine Eltern ab und zu Alkohol. Aber ich habe sie noch nie, wirklich noch nie betrunken erlebt“, wobei sie das „Und jetzt erzähl‘ mir, wie viele finnische Kinder das von ihren Eltern behaupten können!“ diplomatisch runterschlucken.

Aber natürlich landet auch unser Gespräch schnell bei den an der Grenze zur Ukraine aufgefahrenen Panzern. Beim gegenseitigen Säbelrasseln. Wir sind beide im Kalten Krieg aufgewachsen, und wie sehr hatten wir gehofft, wie sehr hatten wir uns nicht vorstellen können, so etwas je wieder erleben zu müssen: das Wettrüsten, die Drohungen mit Atomwaffen, die volksverdummende Propaganda.

(Noch schlimmer als die zerbombten Städte, die vielen Toten und die an der ukrainischen Zivilbevölkerung verübten Gräueltaten ist für mich an diesem Krieg die unglaublich perfide Rhetorik, mit der das alles gerechtfertigt werden soll: all die plumpen Lügen und Drohungen, all die verdrehten Wahrheiten, wie sie meine ganze Kindheit lang offiziell verbreitet wurden. Die Aussage des von den russischen Besatzern eingesetzten Bürgermeisters von Mariupol vor ein paar Tagen, in die Stadt werde jetzt wieder friedliches Leben einziehen, die Bewohner könnten zurückkommen und anfangen, ihre Vorgärten (Welche Vorgärten?!) aufzuräumen und Scheiben in ihre Fenster (Welche Fenster?!) einzusetzen, ist das vielleicht Nebensächlichste, aber für mich Zynischste, das diese monströse Propagandamaschine bisher ausgespuckt hat.)

Fast amüsiert es uns, dass sich seit unserer Kindheit die Fronten verschoben haben; dass wir damals offiziell auf der gleichen Seite standen, heute eine*r von uns, je nachdem, wessen Reden man Glauben schenkt, unweigerlich auf der bösen gegnerischen.

„Ich schäme mich, Russe zu sein“, hat Kirill zwei Wochen vor Kriegsausbruch gesagt. „Und ich kenne auch keinen Russen, der Putins Politik gut findet. Aber gut, die Russen, die ich kenne, leben auch nicht mehr in Russland“, hat er lachend hinzugesetzt. Dann haben wir geseufzt, uns zum Abschied umarmt und das Beste gehofft.