Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Am Donnerstag fühlte ich mich auf der Turkuer Umgehungsstrasse wie auf einer deutschen Autobahn. Es war gerammelt voll, und die Leute fuhren alle völlig kopflos, viel zu schnell und überholten gefährlich.

Es war der Tag vor Juhannus. Das ist der Tag, an dem in finnischen Supermärkten Zustände herrschen wie in Deutschand am Tag vor Heiligabend, weil jeder noch Grillgut und Alkohol besorgen muss. Das ist auch der Tag, an dem die Polizei zu Ruhe und Gelassenheit im Strassenverkehr mahnt und an dem es das einzige Mal im Jahr Stau gibt in Finnland, weil alle ins Mökki fahren, auch die, die sonst nie ins Mökki fahren.

Wir sind da raus. Wir fuhren auch nur kurz bei IKEA vorbei, eine Matratze abholen, damit der kleine Herr Maus jetzt, wo es so warm ist, auch unter seinem Hochbett schlafen kann, und in den Sportladen nebenan, damit der grosse Herr Maus sich von seinem Sommerferiengeld endlich das heissersehnte Skateboard kaufen konnte.

Danach fuhren wir noch zu den beiden Pflegekatzen. Nebenher unterhielten wir uns über die Kennzeichen, die wir gerade suchen. Der kleine Herr Maus die 38, der grosse Herr Maus die 36. „Und du, Mama?“ „Die 371.“ „Seit wann suchst du denn schon?“ „Seit September 2006.“ „Das ist aber schon lange!“ „Ja, da war das Fräulein Maus noch ein Baby!“ (Und der Iso schob es im Kinderwagen, während Pinni mir diesen Floh ins Ohr setzte.) „Ich gucke aber auch nicht ständig auf jedes Kennzeichen. Da würde ich ja gar nichts anderes mehr sehen.“ Und natürlich, kaum hatte ich das gesagt, guckte ich dann doch erstmal auf jedes Kennzeichen der uns entgegenkommenden Autokolonne. Und musste sehr grinsen. Und der kleine Herr Maus rief auch schon von der Rückbank: „Mama! Hast du’s auch gesehen?! Da war die 371!“

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Mittsommer 2020

2020 ist alles anders.
Sogar Juhannus.

Dieses Jahr gab es keine Juhannusfeuer – keine privaten wegen Waldbrandgefahr, und keine öffentlichen wegen Corona.

Dafür war das Wetter aussergewöhnlich schön: fast 30 Grad und Sonne, beides bis spätabends. (Normalerweise feiern wir Juhannus in Wollpullovern und mit Mützen. Und manchmal verbringen wir Juhannus komplett in der Sauna.)

Und so packten wir einfach den Picknickkorb und blieben bis Sonnenuntergang um 23 Uhr am Lieblingsstrand.

Während des Abendbrots musste ein aus dem Wasser geretteter Marienkäfer aufgepäppelt werden.

Und fuhren danach durch die helle Nacht nach Hause.

Und das – die langen Abende und die hellen Nächte – ist schliesslich die Hauptsache an Mittsommer!


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Coronaklausur, Tag 54

Finnland hat 5913 bestätigte Coronafälle.

Die Kinder waren schon seit Tagen sehr aufgeregt. Muttertag ist ein grosses Ding in Finnland und fällt nicht aus, nur weil in der Schule keine Geschenke und Karten gebastelt werden konnten. Das können sie schliesslich auch allein!

Als wir gegen zwölf fertig gefrühstückt hatten, hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining im Kinderzimmer. (Der grosse Herr Maus machte auch mit.) Danach hätten wir gerne Kaffee und Kuchen eingepackt und an einem hübschen Platz mit Aussicht wieder ausgepackt, aber leider stürmte es wie Sau, was unsere Motivation, einen Schritt vor die Haustür zu setzen, gegen Null sinken liess. Da ich ja sowieso immer am Muttertag in der Erde wühle, nahm ich mir diesmal die Reihe Zimmerpflanzen vor, die dringend umgetopft werden musste. Das Fräulein Maus machte derweil – am Ende tatkräftig unterstützt vom kleinen Herrn Maus – Grossputz in der Sauna. (Da bei uns in der Sauna auch Wäsche- und Klammernkörbe herumstehen sowie alle unsere Strandspielsachen in wasserdichten Kisten unter der Saunabank gelagert werden, ist das keine Kleinigkeit und deshalb das, was bei der täglichen Sisyphosarbeit Putzerei und Aufräumerei am ehesten immer wieder aufgeschoben wird.) Und nachdem wir endlich die letzte Folge des schon vor Ostern aufgenommenen „Russland von oben“ angeguckt hatten – Ich möchte jetzt sofort in den Zug steigen und bis nach Wladiwostok fahren! – saunierten wir noch bis zur „Maus“ kurz vorm Schlafengehen in einer blitzblanken Sauna.


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Coronaklausur, Tag 45

Finnland hat 5051 bestätigte Coronafälle.

Heute war, könnte ich mir vorstellen, für viele Finnen der bisher schwerste Tag dieses Coronafrühlings: denn was ist Vappu ohne Heerscharen von Studenten, die am Vorabend gemeinsam durch die Strassen ziehen und feiern, ohne Chorauftritte unter freiem Himmel, ohne Picknick im Park und ohne Rummel?!

Wir liessen uns vom Picknickmachen nicht abhalten. Weder von Corona – es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass wir unser Picknick nicht im Observatoriumspark, sondern an einem ruhigen Fleckchen gemacht hätten – noch vom Wetter.

Die Kinder verkleideten sich, der grosse Herr Maus trat als Zauberkünstler auf, und das Fräulein Maus dachte sich lustige Spiele für uns aus.

Ich sehne mich sehr nach Wald, weil wir ja schon das letzte Wochenende komplett drin verbracht haben. Aber das schlechteste Vappu hatten wir nicht.

***

Presseschau.

Yle hat Fotos nebeneinandergestellt, die zeigen, wie es zu Vappu 2020 im Vergleich zu anderen Jahren an genau den gleichen Helsinkier Orten ausgesehen hat.


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Coronaklausur, Tag 44

Finnland hat 4995 bestätigte Coronafälle.

Wie man nach allem, was die Bildungsministerin in den letzten Tagen hat durchblicken lassen, schon ahnen konnte, müssen die Schüler*innen und Lehrer*innen nun doch nochmal für elf Tage in die Schule zurück in diesem Schuljahr. Und war gestern noch die Rede von schrittweise zurück in die Schule, heisst es heute schon „Alle 1. bis 9. Klassen fangen am 14. Mai wieder mit Präsenzunterricht an“.

Gleichzeitig wird Druck auf die Eltern ausgeübt, ihre Kinder auch wirklich hinzuschicken – denn hierzulande bekommt man ja relativ leicht eine zeitlich begrenzte Freistellung von der Schule oder die Genehmigung zum Homeschooling, weil es eben keine Schulpflicht gibt – denn in verschiedenen Umfragen haben jeweils über 65% der finnischen Eltern angegeben, ihre Kinder dieses Schuljahr nicht mehr zurück in die Schule zu schicken, selbst wenn die Schulen offiziell wieder öffnen sollten.

Sowieso darf man noch gespannt sein auf die Hygienevorschriften, die sich bis jetzt eher unkonkret auf „verstärktes Händewaschen“, „Abstand halten“ und „ungenutzte Räume nutzen“ beschränken. Alles natürlich wunderbar machbar mit Unterstufenschüler*innen in sowieso aus allen Nähten platzenden Grundschulen und wenn alle Klassenstufen gleichzeitig in die Schule zurückkehren…!

Ist aber ja auch sowieso völlig egal, wenn es nach den zu Rate gezogenen Fachleuten der finnischen Gesundheitsbehörde geht. Die verbreiten ja ganz offiziell den Standpunkt, Kinder würden weder an COVID-19 erkranken noch es verbreiten.

Ich bin es ja von Berufs wegen gewöhnt, Statistiken interpretieren zu müssen – und abgesehen davon, dass in Finnland ja kaum gestestet wird und man schon allein deshalb keine allgemeingültigen Schlüsse aus den Daten ziehen kann, hat Herr Drosten im letzten Coronapodcast Worte gefunden für etwas, das mir auch schon durch den Kopf ging:

„Wenn wir in der Situation von Kontaktsperren sind, also die Schulen sind geschlossen und wir haben eigentlich keine Möglichkeit, uns in der freien Umgebung zu infizieren, sondern die Infektionen finden vor allem im Haushalt statt, dann ist die Frage: Wer schleppt jetzt die Infektion in den Haushalt rein? Ist es das Kind? Oder ist es der Vater oder die Mutter oder die Großeltern? Da ist die Antwort: Das ist wahrscheinlich die Altersgruppe in der Bevölkerung, die das Haus verlässt. Dann ist das auch gleichzeitig die Altersgruppe, in die in der Bevölkerung am meisten die Infektion eingetragen wurde[…] die Altersgruppe zwischen vielleicht 30 und 45.“

Im Übrigen gibt es auch in Finnland noch andere kompetente Stimmen als die offizielle der Gesundheitsbheörde, und die sind mehrheitlich gegen Lockerungen zum derzeitigen Zeitpunkt, gerade weil (und nicht: obwohl) die bisherigen Restriktionen so erfolgreich waren – wir haben derzeit im ganzen Land gerade mal 48 Menschen wegen COVID-19 in Intensivbehandlung! – dass man tatsächlich eine Chance haben könnte, das alles so weit runterzudrücken, dass man wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen könnte.

Wenn man aufmerksam Nachrichten gelesen hat in den letzten Tagen, dann wird man den Eindruck nicht los, Finnland hat sich immer noch nicht von Schweden emanzipiert. Dass man da jetzt guckt und sagt, die waren schlau, die haben ihre Schulen nie zugemacht, und jetzt sind sie schon fast über den Berg, vielleicht können wir das ja auch noch so hinkriegen, wenn wir jetzt einfach alles wieder aufmachen. Aber sind die Schweden wirklich über den Berg?! Und zu welchem Preis?!

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Erfreulicheres.

Morgen ist Vappu. Und am Tag davor gehen die Kinder traditionell eigentlich nur zum Feiern in die Schule. Vappu fällt nicht aus, nur weil die Schulen geschlossen sind.

Die Klasse des kleinen Herrn Maus durfte sich verkleiden, und jeder durfte im Videochat sein Kostüm vorstellen. Ausserdem spielten sie gemeinsam Spiele. Ihre Haushaltsaufgabe für diesen Tag war, die Wohnung für Vappu zu schmücken, und die Anleitung für ein Vappuhütchen war auch im heutigen Tagesplan enthalten. Ausserdem hatten sie abgestimmt über einen Film, den sie gemeinsam angucken wollten, und der Lehrerin sei Dank, dass diesmal nicht nur Disneyscheiss zur Auswahl stand, sondern ausschliesslich finnische Kinderfilme, mit echten Schauspielern! Das Schöne an diesem Unterricht zu Hause ist ja, dass jeder vom anderen das mitmachen kann, was er gern will und was der eigene Zeitplan erlaubt, und so fand sich die halbe Familie zur Mittagszeit vorm Fernseher ein.

Der grosse Herr Maus hatte früh noch einen Finnischtest, aber dann machten sie auch verschiedene Spiele, zum Beispiel spielten sie jeweils zu zweit „Alias“ per Videochat.

Die Klassenlehrerin des Fräulein Maus erschien heute mit Studentenmütze und lustigen Zöpfchen vorm Bildschirm, und die Hauswirtschaftsaufgabe der Siebtklässlerin für diese Woche war, eine Vappuspeise zuzubereiten.

Dem Anlass angemessenes Abendbrot.


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Coronaklausur, Tag 30

Finnland hat 3369 bestätigte Coronafälle.

Der Schultag begann mit einem Geschichtstest für den grossen Herrn Maus und einem Mathetest für den kleinen Herrn Maus. Das Fräulein Maus zeigte dem kleinen Herrn Maus, der das noch nie gemacht hatte, wie er seinen fertigen Test im Teams hochladen kann. Den grossen Herrn Maus interviewte ich nochmal dazu, wie denn die Ehrlichkeit der Prüflinge gewährleistet wird, und er berichtete, wenn man nicht weiterkäme, dürfe man auch das Buch zu Hilfe nehmen, aber wenn man gar nichts gelernt hätte, dann wisse man ja auch gar nicht, wo man nach passenden Informationen suchen müsse. Die Kinder werden am Ende dieser Zeit so viel gelernt haben! Weit über den Lehrplan hinaus.

Nachmittags fanden in zwei Kinderzimmern längere Facetime-Sesssions mit den jeweiligen besten Freund*innen statt. Es war sehr lustig, aus dem einen Zimmer Finnisch und aus dem anderen Deutsch zu hören. Die beiden telefonierenden Mädchen räumten gemeinsam ihre Zimmer auf, die beiden telefonierenden Jungs stellten unter Anderem fest, dass sie beide das gleiche Kunstprojekt in der Schule im Fernunterricht gemacht hatten.

Ich räumte derweil die Ostersachen weg.

Irgendwie stelle ich von Jahr zu Jahr mehr fest, dass mir Ostern nicht so… äh… liegt. Das mag hauptsächlich an den finnischen Rahmenbedingungen liegen – die umgekehrt vermutlich auch erklären, warum Weihnachten hier fast genauso schön ist wie da, wo ich herkomme. Dass den Kindern Weihnachten auch wichtiger ist als Ostern, merkten wir übrigens neulich, als eins der Kinder etwas über unser – auch aus dem Erzgebirge stammendes – Hasenpaar sagen wollte und von „Engel und Bergmann“ sprach.

Aber jetzt: sommerwärts!

Hinten: zukünftige Möhren, Radieschen und Salat.
Vorne: Stachelbeeren in Startlöchern.

Ansonsten bin ich inzwischen ein bisschen müde, Leuten immer wieder… äh… grundlegende Dinge über das Wesen der Coronapandemie zu erklären. (Nein, man braucht kein Biologiestudium, um die zu verstehen. Dachte ich zumindest bisher.) Vor allem werden wir ganz sicher nicht, was immer die finnische Boulevardpresse dazu zu sagen hat, in absehbarer Zeit einfach da weitermachen, wo wir Mitte März aufgehört haben. Ich bin da ganz bei meinem Lieblingsministerpräsidenten.


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Coronaklausur, Tag 26

Finnland hat 2974 bestätigte Coronafälle.

Ostern hatte was von Weihnachten.

Seit vor ein paar Jahren eine Elster im Morgengrauen den gesamten am Vorabend im Garten versteckten Schokoladeneiervorrat geplündert und verwüstet hat, versteckt der Osterhase in der Wohnung.

Es regnete sowieso.

Der kleine Herr Maus fand hinter seinem Schreibtisch eine heissersehnte DVD-Box mit allen Maulwurffilmchen. Theoretisch hätte er acht Stunden lang gucken können – das Wetter war auch danach – aber nach einer Stunde schaltete er freiwillig den Fernseher aus. Es wurde ein bisschen gepuzzelt, ein bisschen mit Bauklötzen gebaut, ein bisschen gekuschelt, zwischendurch schnell zu Ikea gefahren, um den letzte Woche ans Auto gelieferten Teppich auf die gleiche Art umzutauschen (wegen in der Eile den falschen bestellt) und ab und zu zu völlig regelwidrigen Zeiten gegessen. Dann guckten wir mehrere aufgenommene Folgen „Russland von oben“ hintereinander an. Dann machten wir spontane Zimmertauschpläne. Dann war der erste Weihnachtsfeiertag Ostersonntag um.

Sehr gemütlich.

(Aber man kriegt tatsächlich schneller Lagerkoller, wenn man auch sonst nicht aus der Wohnung rauskommt. Morgen soll’s für drei Stunden nicht schneeregnen. Die werden wir zu nutzen wissen!)


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Coronaklausur, Tag 19

Finnland hat 1927 bestätigte Coronafälle.

Palmsonntag.

„Virvon, varvon…“ fiel dieses Jahr aus Gründen aus. Das war besonders schade, denn die Kinder wollten dieses Jahr eine sehr kleine, noch nicht ganz zweijährige Hexe, die wir schon viel zu lange nicht mehr gesehen haben, in diesen finnischen Osterbrauch einführen.

Ich hatte kurz überlegt, eine Vase für Zweige und eine Schüssel mit Schokoladeneiern vor die Tür zu stellen, falls trotz allem Hexen kämen, aber wenn in Finnland Regierung und Kirchen sagen: „Dieses Jahr bitte nicht von Haustür zu Haustür ziehen!“, dann zieht auch wirklich niemand von Haustür zu Haustür.

Wir suchten also auch wieder ein einsames Fleckchen Natur auf. Apropos einsam: ich habe das Gefühl, der In-den-Wald-renn-Boom hat schon wieder nachgelassen.

Allerdings war das heute zugegebenermassen nicht der malerischste Wanderweg.

Ich war dort bisher überhaupt erst ein Mal, und zwar mit dem Tretschlitten auf dem See, um den der Wanderweg führt, denn dort gibt es jeden Winter immer wenn es kalt genug ist, eine 2 km lange Eisbahn, und die ist auf jeden Fall immer schon eher befahrbar als die Eisbahn auf dem Meer.

An der einen Seite des Sees führt eine stark befahrene Strasse vorbei, und auf der anderen Seite steht ein Kraftwerk. Dazwischen aber ist es schön. Und neuerdings darf man wegen des Kraftwerks nicht mehr ganz um den See herumlaufen, stattdessen gibt es jetzt eine 120 m lange Pontonbrücke quer über den See, die ist sehr toll.

Die Landschaft ist noch aprilgrau. Aber die Sonne…!!! Und die Knospen stehen schon hufescharrend in den Startlöchern.

Was für ein Glück, der Frühling! Dieses Jahr ganz besonders.


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Coronaklausur, Tag 15

Finnland hat 1446 bestätigte Coronafälle.

Der Morgen begann mit dem besten – finnlandweiten! – Aprilscherz ever.

In der von seiner Klassenlehrerin geschickten Übersicht mit den Tagesaufgaben für den kleinen Herrn Maus stand heute: „Ich werde euch heute reihum zu Hause aufsuchen und mit euch einen Mathetest machen. Thema ist schriftliches Subtrahieren. Der Test ist wichtig, denn die Testergebnisse werden in eure Zeugnisse eingehen. Guckt im SeeSaw, wann euer Test stattfinden wird.“ Und im SeeSaw stand dann: „Zeitplan für den Mathetest: April, April! Und jetzt ab an eure Aufgaben!“

Grosse, grosse Liebe für Schule in diesen Zeiten. ♥


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Willkommen, 2020!

Wir haben reingefeiert, mit Luftschlangen und Wunderkerzen und einem Fahrradausflug in den Nachbarstadtteil zum vielleicht schönsten Feuerwerk Turkus und mit Bowle und Sauna und den „Zwölf Monaten“.

Das neue Jahr begann vor der Haustür, wo sich immer ganz viele Nachbarn versammeln, jeder sein Feuerwerk mitbringt und die Kinder reihum anzünden dürfen, und leider auch mit einer Trauerbotschaft: der Nachbarshund, mit dem das Fräulein Maus so gern spazierenging, der immer danebensass, wenn die Nachbarskinderschar gemeinsam Trampolin sprang, der das Bullerbü hier immer komplettiert hat, der grosse Hund, der nie auch nur einer Fliege etwas zuleide tun konnte und manchmal sogar vor einem Schmetterling Angst hatte, hat den Silvesterabend nicht überlebt. Er war schon alt, aber trotzdem: diese blöde Böllerei!

Erst als das neue Jahr auch fast schon in Deutschland angekommen war, gingen wir wieder rein. Und schliefen dann sehr lange und guckten Neujahrskonzert im Schlafanzug.