Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Ein Weihnachtswunder

Als wir heute aufwachten, hatte der Regen, der die ganze Nacht gluckernd durch die Regenrinne gerauscht war, auch noch die allerletzten Schneereste weggespült.

Gegen Mittag mischten sich plötzlich einzelne weisse Klumpen in den Regen. Fünf Minuten später waren die Dächer, Wiesen und Bäume wieder weiss. Und als wir eine Stunde später am Weihnachtsbaumwald ankamen, hatte der sich in einen Märchenwald verwandelt.


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Was zum Advent dazugehört

Was ich in der Adventszeit vermisse: abends von Pyramide zu Pyramide zu fahren. Auf beschauliche Weihnachtsmärkte zu gehen. Weihnachtsberge anzugucken.

Was ich aber auch vermissen würde: gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Die Adventsandachten unter freiem Himmel und die kleinen mit Kerzen beleuchteten Pilgerwege.

Dieses Jahr bei -12 Grad und so viel Schnee, dass wir uns wie in Lappland fühlten.


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Anfang November

Eine Woche lang haben die Vorräte an Licht und Wärme, die wir in den Herbstferien getankt haben, gereicht. Dann kamen Zeitumstellung und Novemberwetter, es wurde noch finsterer und wir schlagartig müde.

Zum Glück gibt es Anfang November gleich zwei Gelegenheiten, viele Kerzen anzuzünden.

Geburtstag.

Und Allerheiligen.

Wir nehmen, was wir kriegen können.

***
Kurze Erinnerung: Heute letzte Gelegenheit, finnische Pfadfinderadventskalender zu bestellen!


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Sommerwärts!

Unser Vappupicknick fand diesmal am Lieblingsstrand statt. (Auf Luftballons können wir dabei schon seit ein paar Jahren verzichten.)

Die Männer der Familie rannten nach dem Essen in die Ostsee, während wir beiden Frauen uns fester in unsere Pullover und winddichten Jacken wickelten. Es war nahezu Beschisswetter: gerade mal zehn Grad und starker Wind.

Trotzdem war es auf dem Rückweg Zeit für ein erstes Sommereis aus dem Supermarkt.

Die Bäume mögen zwar noch kahl sein und die Luft kalt, aber schliesslich ist jetzt Sommer.


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Fröhliche Fuhren

Heute war ein schöner Tag.

Heute hatten die LKWs im Stadtzentrum keinen Sand geladen, keine chinesischen Pflastersteine, keinen Beton und auch keinen alten Schnee, sondern fröhliche Abiturient*innen.

Nach zwei Jahren waren endlich wieder Penkkarit.

(Stell dir vor, du bist Abiturient*in in Finnland, und es gibt keine Vanhojentanssit, keine Penkkarit und noch nicht mal eine ordentliche Zeugnisausgabe mit gemeinsamem Weisse-Mütze-Aufsetzen. Nein, stell es dir nicht vor. Es ist unvorstellbar.)

Im Februar durften die Penkkarit wegen der Coronabeschränkungen immer noch nicht stattfinden, aber immerhin fielen sie in diesem Jahr nicht aus, sondern wurden nur verschoben. Und vielleicht hat man ja auch nochmal doppelt so viel Spass dran, wenn sie nicht am letzten Schultag, vor den Abiprüfungen, stattfinden, sondern wenn man die Prüfungen schon hinter sich gebracht hat.


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Weihnachtsritual, pandemiekonform

Wir haben wohl ein neues Heiligabendritual: vor der Bescherung ins Museumsdorf nebenan spazieren und die letzten Adventsfenster angucken.

Dieses Jahr war es noch schöner als letztes, weil Schnee und Raureif alles in ein Märchenland verwandelt hatten. An den Fenstern waren Eisblumen gewachsen, auf den Fensterbrettern lag Schnee, und manche Fenster mussten wir uns erstmal freitauen, um hineinschauen zu können.

(Und kein Mensch da ausser uns.)

Was für ein Glück, diese Idylle in Laufentfernung zu haben!


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So still und friedlich…

Seit vier Jahren – seit wir im Jahr zuvor im Gartenmarkt einen Weihnachtsbaum erwischt hatten, der, als wir am 4. Januar von einer Silvesterkurzreise zurückkamen, komplett grau und kahl war – haben wir einen festen Programmpunkt am Wochenende vor Weihnachten: im Weihnachtsbaumwald unseren Weihnachtsbaum aussuchen und absägen.

„Ihr findet wohl keinen Baum?!“, fragte uns ein Paar mit einem bärenähnlichen Hund, das ebenfalls mit Säge in der Hand durch den Wald streifte. „Finden würden wir schon einen, aber mit fünf Personen ist es ein bisschen schwierig, sich auf einen zu einigen…“, antwortete ich.

Am Ende rollte von den Kindern eins heftigst mit den Augen, eins rumpelstilzte und eins weigerte sich, die Säge rauszurücken, mit der ein Baum abgesägt werden sollte, der ihm nicht genehm war.

Weihnachtsvorbereitungen mit Kindern, so idyllisch…!

Unser Weihnachtsbaum in 15 Jahren?

(Schön war’s trotzdem.)


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Freude, Freude über Freude

Als wir im Sommer Urlaub in Estland machten, wohnten wir in einem Ferienhaus, das nicht nur die aussergewöhnlichste und tollste Einrichtung hatte, die wir jemals erlebt haben, sondern in dem es auch einen Plattenspieler samt einer umfangreichen Schallplattensammlung gab.

Die Kinder waren begeistert. „So habt ihr Musik gehört als Kinder?!“ „Wie funktioniert das denn?“ „Darf ich auch mal?“ Sie waren so begeistert, dass sie sogar Videos vom Musik abspielenden Plattenspieler an ihre besten Freund*innen schickten.

Wir Eltern waren ebenfalls begeistert. Was für eine allumfassende Musiksammlung! Lachend entzifferten wir Dire Straits auf Kyrillisch, erfreuten uns an auf Russisch übersetzten Nirvana-Songtiteln und „Guck mal hier, eine ETERNA-Schallplatte!“ und liessen die Kinder abspielen, was sie wollten.

Und dann kriegte ich Herzchenaugen.
(Vielleicht auch schon Herzchenohren, noch bevor ich einen einzigen Ton davon gehört hatte.)

Auf der Schallplatte ist die schönste Version von „Maria durch ein‘ Dornwald ging“, die ich jemals gehört habe. (Also vielleicht sind darauf von allen bekannten Weihnachtsliedern die schönsten Versionen, die ich jemals gehört habe.) Und Choräle und Volkslieder sind gleichermassen so perfekt gesungen, dass ich immer noch bei jedem Anhören Gänsehaut bekomme.

Das war mal gleich klar, dass diese Aufnahme des Dresdner Kreuzchors von 1984 in unsere Weihnachtsliedersammlung muss.

Mitten im Hochsommer freuten wir uns auf den Advent.

Und jetzt enthält unser Advent ein bisschen Hochsommer. Den mitternachtsblauen Himmel über der Ostsee vor dem Fenster. Das Stückchen Melonenschale, das nötig war, um den Tonarm so weit herunterzudrücken, dass die Schallplatte nicht leierte, aber der tiefe Kratzer, der durch „Alleluja! Freuet euch, ihr Christen alle!“ ging, nicht dazu führte, dass der Kreuzchor bis in alle Ewigkeit „Alleluja!“ sang. Die Erinnerungen an eine wunderbare Reise, die gar nicht geplant war, aber das Wunderbarste war, das der zweite Coronasommer uns beschert hat.