Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Weihnachtsritual, pandemiekonform

Wir haben wohl ein neues Heiligabendritual: vor der Bescherung ins Museumsdorf nebenan spazieren und die letzten Adventsfenster angucken.

Dieses Jahr war es noch schöner als letztes, weil Schnee und Raureif alles in ein Märchenland verwandelt hatten. An den Fenstern waren Eisblumen gewachsen, auf den Fensterbrettern lag Schnee, und manche Fenster mussten wir uns erstmal freitauen, um hineinschauen zu können.

(Und kein Mensch da ausser uns.)

Was für ein Glück, diese Idylle in Laufentfernung zu haben!


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So still und friedlich…

Seit vier Jahren – seit wir im Jahr zuvor im Gartenmarkt einen Weihnachtsbaum erwischt hatten, der, als wir am 4. Januar von einer Silvesterkurzreise zurückkamen, komplett grau und kahl war – haben wir einen festen Programmpunkt am Wochenende vor Weihnachten: im Weihnachtsbaumwald unseren Weihnachtsbaum aussuchen und absägen.

„Ihr findet wohl keinen Baum?!“, fragte uns ein Paar mit einem bärenähnlichen Hund, das ebenfalls mit Säge in der Hand durch den Wald streifte. „Finden würden wir schon einen, aber mit fünf Personen ist es ein bisschen schwierig, sich auf einen zu einigen…“, antwortete ich.

Am Ende rollte von den Kindern eins heftigst mit den Augen, eins rumpelstilzte und eins weigerte sich, die Säge rauszurücken, mit der ein Baum abgesägt werden sollte, der ihm nicht genehm war.

Weihnachtsvorbereitungen mit Kindern, so idyllisch…!

Unser Weihnachtsbaum in 15 Jahren?

(Schön war’s trotzdem.)


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Freude, Freude über Freude

Als wir im Sommer Urlaub in Estland machten, wohnten wir in einem Ferienhaus, das nicht nur die aussergewöhnlichste und tollste Einrichtung hatte, die wir jemals erlebt haben, sondern in dem es auch einen Plattenspieler samt einer umfangreichen Schallplattensammlung gab.

Die Kinder waren begeistert. „So habt ihr Musik gehört als Kinder?!“ „Wie funktioniert das denn?“ „Darf ich auch mal?“ Sie waren so begeistert, dass sie sogar Videos vom Musik abspielenden Plattenspieler an ihre besten Freund*innen schickten.

Wir Eltern waren ebenfalls begeistert. Was für eine allumfassende Musiksammlung! Lachend entzifferten wir Dire Straits auf Kyrillisch, erfreuten uns an auf Russisch übersetzten Nirvana-Songtiteln und „Guck mal hier, eine ETERNA-Schallplatte!“ und liessen die Kinder abspielen, was sie wollten.

Und dann kriegte ich Herzchenaugen.
(Vielleicht auch schon Herzchenohren, noch bevor ich einen einzigen Ton davon gehört hatte.)

Auf der Schallplatte ist die schönste Version von „Maria durch ein‘ Dornwald ging“, die ich jemals gehört habe. (Also vielleicht sind darauf von allen bekannten Weihnachtsliedern die schönsten Versionen, die ich jemals gehört habe.) Und Choräle und Volkslieder sind gleichermassen so perfekt gesungen, dass ich immer noch bei jedem Anhören Gänsehaut bekomme.

Das war mal gleich klar, dass diese Aufnahme des Dresdner Kreuzchors von 1984 in unsere Weihnachtsliedersammlung muss.

Mitten im Hochsommer freuten wir uns auf den Advent.

Und jetzt enthält unser Advent ein bisschen Hochsommer. Den mitternachtsblauen Himmel über der Ostsee vor dem Fenster. Das Stückchen Melonenschale, das nötig war, um den Tonarm so weit herunterzudrücken, dass die Schallplatte nicht leierte, aber der tiefe Kratzer, der durch „Alleluja! Freuet euch, ihr Christen alle!“ ging, nicht dazu führte, dass der Kreuzchor bis in alle Ewigkeit „Alleluja!“ sang. Die Erinnerungen an eine wunderbare Reise, die gar nicht geplant war, aber das Wunderbarste war, das der zweite Coronasommer uns beschert hat.


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Jeden Tag ein Fensterchen (2021)

Auch in diesem Jahr gibt es im Museumsdorf nebenan jeden Tag ein neues beleuchtetes Fenster.

(Niedlich, die Inzidenz vor einem Jahr. Und dass deswegen Bibliotheken, Schwimmhallen und Museen geschlossen blieben. Und wegen eines Coronafalls die gesamte Klasse in Quarantäne geschickt wurde.)

Das ist jedenfalls das Hübscheste und Weihnachtlichste, was es hier in der Gegend gibt. Gestern Abend waren wir die ersten sechs sieben Fenster angucken, und wie im letzten Jahr werden wir da wohl in den nächsten Wochen noch öfter hingehen: es sind nämlich andere und anders geschmückte Fenster als im letzten Jahr. ♥

Als wir heimkamen, waren übrigens die Reste der im Stadtzentrum gekauften Mumin-Limonade in der Flasche gefroren.


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Fast erwachsen

Wir haben jetzt eine konfirmierte junge Dame im Haus.

Die Frage, ob sie sich konfirmieren lassen möchte, kam eigentlich erst letzten Herbst auf, als die ersten Klassenkamerad*innen anfingen, über ihre Konfirmation und den Betrag der zu erwartetenden Geldgeschenke zu reden.

Während ich zwei Jahre lang einmal in der Woche zum Konfirmandenunterricht gehen musste – wir hatten einen jungen, coolen Pfarrer und waren eine nette Gruppe, in der ich meine für lange Zeit erste richtige beste Freundin fand, so dass das Ganze dennoch mehr Spass als Pflicht war – besteht in Finnland die Vorbereitung auf die Konfirmation ausser ein paar sporadischen Treffen im halben Jahr vorher, von denen in diesem Jahr #aufgrundderaktuellensituation ausserdem noch die Hälfte ausfiel, hauptsächlich in einem einwöchigen Konfirmandenlager. Tatsächlich lässt sich ein Grossteil der finnischen Jugendlichen konfirmieren, auch aus Mangel an nicht-kirchlichen Alternativen.

Konfirmandenlager werden fast den ganzen Sommer über von allen Kirchgemeinden und zum Beispiel auch von den Pfadfindern angeboten, und es ist, da man nicht in der eigenen Gemeinde konfirmiert werden muss, völlig egal, welches man sich auswählt. Die Konfirmation findet direkt im Anschluss an das Konfirmandenlager statt, so dass die Jugendlichen, die gemeinsam im Lager waren, auch zusammen konfirmiert werden. Das Fräulein Maus freute sich sehr, dass sie mit ihrer besten Freundin zusammen ins Konfirmandenlager fahren konnte – man bekommt bei der Online-Anmeldung einen Freundecode, mit dem sich dann der beste Freund oder die beste Freundin anmelden kann und dann garantiert in das gleiche Konfirmandenlager kommt – und hatte dann auch letzte Woche sehr viel Spass dort.

Sehr schön finde ich, dass finnische Konfirmationen nicht um Palmsonntag herum, sondern hauptsächlich im Sommer stattfinden, weil so ein Fest viel schöner ist, wenn alles grünt und blüht und man sich nicht über der Festkleidung noch in drei Schichten Klamotten hüllen muss. Apropos Festkleidung: ich finde es auch schön, dass in Finnland die Konfirmand*innen Albe tragen während des Gottesdienstes, weil damit alle Diskussionen um die angemessene Rocklänge und der Konkurrenzkampf um das schönste Kleid von vornherein hinfällig sind.

Leider konnten beide Patenfamilien aus nachvollziehbaren familiären Gründen bei der Konfirmation nicht dabeisein. Das Fräulein Maus war sehr traurig – denn wie kann man denn als Konfirmandin ohne seine Pat*innen, die die Hände segnend über einen halten, zum Konfirmationsgottesdienst gehen?! – aber fand dann selbst die beste Lösung: dann müsste eben die Patin ihres Bruders einspringen. Wozu schliesslich haben wir diese wunderbare Godfamily? ♥

Es war dann doch alles sehr schön, sehr feierlich und das Wetter so gut, dass wir später die Feier aus dem Garten noch ans Wasser verlegten.


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Heiligabend 2020

Die Weihnachtsfriedensverkündung fand dieses Jahr ohne Publikum und deshalb auch für uns im Fernsehen statt. Es war erst das dritte Mal, seit wir in Turku wohnen, dass wir nicht live dabeiwaren: einmal waren wir alle krank, und als der kleine Herr Maus erst sieben Wochen alt war, war es viel zu kalt, um mit ihm hinzugehen.

Auch der Weihnachts-Kindergottesdienst, zu dem unsere Kinder immer noch Jahr für Jahr gehen wollen, fand in diesem Jahr online statt: mit lauter kleinen Engeln, die sich sehr menschenkinderhaft benahmen, und mit einem echten Baby auf Marias Arm! ♥

Zum, ich glaube, ersten Mal in diesem Monat schien die Sonne. Obwohl sie schon kurz nach drei unterging, war es gegen vier immer noch ziemlich hell; das war fast anderthalb Stunden länger als am Tag zuvor. (So ist das hier nämlich.) Dabei hatten es die Kinder eilig, endlich die letzten der 24 erleuchteten Fenster im Museumsdorf angucken zu gehen, weil hinterher Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen würden.

Der Rest war wie immer: Milchreis essen, Geschenke bejubeln, Weihnachtssauna, Märchenfilm gucken, und alle gingen erst gegen Mitternacht ins Bett.