Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


4 Kommentare

Mittsommer 2018

Wir hatten unseren Urlaub dieses Jahr extra so geplant, dass wir zu Juhannus wieder zurück sind.

Mal davon abgesehen, dass wir uns gerade fühlen wie auf einer weiteren Station unserer Reise, kann man sich leider nicht drauf verlassen, dass man jedes Jahr Juhannus so feiern kann, wie es sein soll.

Gestern: 11°C, Regen, Sturm.

Aber Sauna geht zum Glück immer.

(Heute riecht die ganze Wohnung nach Birke…! <3 )

Zwischen den Saunagängen tranken wir slowakisches Bier, und statt Juhannusfeuer guckten wir – als Urlaubsnachbereitung sozusagen – mit den Kindern den Film über die letzten böhmischen Wassermänner.

War auch schön, Mittsommer 2018.


Hinterlasse einen Kommentar

Vappu 2018

Am Montag – nein, kein Brückentag hier – gingen die Schulkinder nur zum Feiern in die Schule. Irgendwie fiel dieses Jahr niemandem so recht ein Kostüm ein. In der grossen Schule allerdings wurde nur klassenstufenweise ein Farbcode angeordnet, also gingen der grosse Herr Maus in Schwarz (Wer bitte kommt denn auf die Idee?!) und das Fräulein Maus in Blau. Ein Vappuhütchen brauchte sie auch nicht, denn schliesslich kann Mama ja jetzt Wettkampffrisuren, die lassen sich prima abwandeln.

Der kleine Herr Maus hatte im Hort ein Hütchen gebastelt, und es wurde ein Preis für den buntesten Anzug ausgelobt. Na das kriegten wir ohne Probleme hin!

Montagabend sassen der Ähämann und ich noch lange im Sonnenschein im Garten, während die Kinder mit der Nachbarskinderschar Trampolin sprangen, und als der Ähämann und ich halb zwölf ins Bett gingen, war der Himmel im Nordwesten noch ganz hellblau!

Aber die Wettervorhersage für den 1. Mai war dieses Jahr kein alljährlicher Zweckpessimismus, sondern leider wahr.

Es regnete von früh bis abends.

Kein Picknick. Keine Frühlingswanderung. Kein Leberblümchenzählen.

Stattdessen: dringend benötigten Schlaf nachholen. Bisschen basteln. Nichtstun. Endlich den dritten Teil von „Onneli und Anneli“ angucken. Und die „Maus“ vom Sonntag gleich noch hinterher. Und vorm Schlafengehen gaaaanz lange vorlesen.

War gar nicht so schlecht.


5 Kommentare

Palmsonntag 2018

Letztes Jahr kam auf Instagram die Diskussion auf, ab wann die Kinder eigentlich zu alt sind – oder sich zu alt fühlen – um am Palmsonntag als Hexe und Kater verkleidet mit geschmückten Weidenkätzchen um die Häuser zu ziehen.

Ich kann dann jetzt vermelden: mit 12, 9 und 7 sind sie überhaupt erstmal im perfekten Alter dafür angekommen!

Mein Anteil am diesjährigen Palmsonntag bestand nämlich ausschliesslich darin, die Kinder zu einem geeigneten Weidenbusch zu kutschieren sowie Federn, Pfeifenputzer und Klebeband zur Verfügung zu stellen. Verziert haben sie eine Woche lang ganz allein in jeder freien Minute: „Wir müssen unbedingt mehr Zweige machen als letztes Jahr! Letztes Jahr waren nämlich die Zweige alle, bevor wir überall waren, wo wir hinwollten!“ Der Ähämann musste die Verkleidungskiste aus dem obersten Schrankfach herunterreichen und ich zweimal Schnurrhaare und einmal Sommersprossen schminken, und dann zogen sie auch schon los, um erst drei Stunden später mit mehreren Kilo Schokolade – wer soll die bloss essen?! – wiederzukommen.

„Wir haben’s gut!“, sagte der kleine Herr Maus heute beim Frühstück. „Wir können alle deutschen Feste feiern und alle finnischen!“

Und da hat er wohl recht!


Ein Kommentar

Besser als Rosenmontag in Köln

Fast hätte ich es wieder verpasst.

Es ist nämlich so, dass ich in den letzten 14 Jahren noch kein einziges Mal live gesehen habe, wie die Abiturienten an ihrem letzten Schultag auf LKWs, mit denen sonst Schnee abtransportiert wird, durchs Stadtzentrum fahren und Süssigkeiten in die Menge schmeissen.

Aber heute mussten ja Hortkinder abgeholt und quer durchs Stadtzentrum eskortiert werden, und als ich erwähnte, dass ich die Penkkarit noch nie wirklich gesehen habe, wurde kurzerhand beschlossen, dass ich heute statt des Zivis mit zur Schule gehe.

Der Zivi hatte heute übrigens den ganzen Tag so ein Funkeln in den Augen, weil er selbst erst vor einem Jahr auf einem LKW durch Helsinki gefahren ist und das sehr, sehr schön gewesen sein muss. Die Hortkinder waren ganz aus dem Häuschen, weil sie auf dem Weg gemeinsam einen ganzen grossen Suppentopf voll Süssigkeiten sammeln durften, der dann geteilt wurde. Und ich hätte mir nur gewünscht, eine vernünftige Kamera dabeigehabt zu haben.

Morgen haben dann die Elftklässler ihren grossen Tag, weil sie ab jetzt die Ältesten der Schule sind, was unter Anderem mit einem grossen Ball gefeiert wird.


8 Kommentare

Es muss nicht immer Lappland sein

Eigentlich wollten wir in den Weihnachtsferien einfach nur zu Hause bleiben und faulenzen. Aber als wir hörten, dass in Mittelfinnland richtig viel Schnee liegt, während bei uns der Regen ans Fenster prasselte, da fassten wir einen schnellen Entschluss.

Am Freitag buchten wir ein Mökki, am Sonnabend packten wir Koffer und Kisten, am Sonntag beluden wir das Auto mit Skiern, Schlitten und unserem blauen Tretschlitten und fuhren nach Mittelfinnland. Silvester feierten wir, wie ich es zuletzt vor 18 Jahren getan habe, an einem tief verschneiten mittelfinnischen See.

Die Kinder schaufelten als erstes Pfade rund ums Haus. Unsere Silvesterbowle tranken wir vorm Kamin. Dampfend stellten wir uns nach der Sauna in die mondlichtbeschienene Stille, fröstelnd huschten wir zurück an den zischenden Saunaofen, und die Zeit verging so schnell wie sonst nie am Silvesterabend. Der grosse Herr Maus legte unermüdlich Feuerholz im Kamin und im Saunaofen nach, das Fräulein Maus schnitt Gemüse klein und bereitete Dippi nach einem Rezept aus ihrem ehemaligen Wahlfach zu, nur der kleine Herr Maus verschwand halb elf mit den Worten „Ich leg‘ mich nur mal kurz hin und ruh‘ mich ein bisschen aus“ ins Schlafzimmer, aus dem fünf Minuten später gleichmässiges Schnarchen zu hören war. Unter Mühen, aber seiner Dankbarkeit sicher, weckten wir ihn rechtzeitig wieder auf, um im Schnee auf das neue Jahr anzustossen und unser ganz eigenes, kleines Feuerwerk über dem dunklen See zu bewundern.

Drei Tage lang gingen wir skifahren, schlittenfahren und jeden Abend in die Sauna. Abendbrot bereiteten wir am liebsten draussen an der verschneiten Feuerstelle zu. Wir besuchten die finnischen Paten des Fräulein Maus, wir trafen meine liebste Freundin und das Fräulein Maus schlief eine Nacht bei ihrer liebsten Freundin, und sie zeigten uns ihre liebste Skiloipe und den besten Rodelhang.

Über Silvester nach Mittelfinnland zu fahren war die beste letzte Entscheidung des Jahres 2017.


2 Kommentare

Jeden Tag eine gute Tat

Immer am Donnerstag nach Weihnachten gehen die Pfadfinder die vielen, vielen Grabkerzen, die hier nicht nur zu Allerheiligen, sondern auch am Heiligabend auf den Friedhof gebracht werden, einsammeln.

Wir gehen immer, wie viele andere, mit der ganzen Familie hin, und in allerhöchstens einer Stunde ist die ganze Sache erledigt. Obwohl jedes Mal zwei riesige Container mit Plastemüll und zwei Mülltonnen voller Blech zusammenkommen.

Hinterher Abstecher zur Bibliothek, heisses Bad, weiter mit Ferien.


2 Kommentare

Weihnachtsfrieden 2017

Mit Hubschrauber, der lange vorher und hinterher Runden um den Dom flog. Mit Betonsperren. Mit sehr viel Polizei. Mit Streuautos als Strassensperre. (Letztes Jahr hatte kurzerhand die Armee mit LKWs ausgeholfen. Aber so gelb sah es wenigstens weniger bedrohlich aus.)

Aber auch mit Leuten, die den Hunden wildfremder Leute im völlig überfüllten Bus einen Platz unter ihrem Sitz anboten. Mit Leuten, die den neben ihnen Stehenden mit ausgedruckten Liedtexte aushalfen. Mit fremden Leuten, die sich, bevor sie den Platz wieder verliessen, gegenseitig frohe Weihnachten wünschten.

Mit 15000 Leuten, die wie jedes Jahr gekommen waren, um zu hören, wie der Weihnachtsfrieden für das ganze Land verkündet wird.

So, wie Heiligabend hier immer anfängt.

Und dann war da auch noch der freundliche Busfahrer, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hatte, allen Fahrgästen frohe Weihnachten wünschte und unseren Kindern, als wir ausgestiegen waren und er weiterfuhr, noch lange zuwinkte.

(Und wir liefen dann – weil wir einfach den ersten Bus, der sich aus den Menschenmassen herausgeschlängelt hatte und ungefähr in unsere Richtung fuhr, genommen hatten – den allerschönsten Weg nach Hause.)

Schöner kann Heiligabend wirklich nicht anfangen.


6 Kommentare

24

Maria und Josef sind Eltern geworden. Die drei Weisen aus dem Morgenland fahren ein letztes Mal Fähre. Der Weihnachtsbaum strahlt.

Heute früh wurden wir von Jubelschreien geweckt: „Die Tonttus haben uns zurückgeschrieben!“ (Ich sehe mich plötzlich nicht nur verantwortlich für die Reiseleitung nach Bethlehem, sondern auch für einen Briefwechsel mit nicht nur einem, sondern – „Hast du nicht zwei Freunde, die bei meinen Brüdern einziehen könnten?“, schrieb das Fräulein Maus vor ein paar Tagen an ihren Tonttu – gleich drei Tonttus verantwortlich…) Und natürlich wurden auch die Tonttus mit Geschenken und Weihnachtsbaum versorgt.

Frohe Weihnachten!