Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Urlaubsrückblick (2): Fjorde, Fjells und Gletscher

Die nächsten Tage fuhren wir kreuz und quer durch Südnorwegen – über Passstrassen, durch verschneite Hochebenen, mit Autofähren über Fjorde. Wir hielten an, wo wir gern Fotos machen, Steinchen schmeissen, Schneeballschlacht spielen, ein Stückchen wandern wollten.

Wir wanderten zu einem Gletscher, und ich musste die ganze Zeit daran denken, dass es vielleicht eine der letzten Gelegenheiten für die Kinder war, nochmal einen Gletscher in echt zu sehen…

Wir schliefen jede Nacht auf einem anderen Zeltplatz und waren recht erfolgreich dabei, die grössten Touristenattraktionen und die typischen Kreuzfahrtziele zu umgehen. Das Wetter war ok – wir erlebten die erste Regennacht im Zelt und fuhren einen Tag lang durch Nebel und Wolken, aber danach kam immer wieder die Sonne raus. So richtig voran kamen wir nicht, weil hier noch eine schöne Aussicht und da noch ein Berg, den man mal eben besteigen könnte, lockten.

Aber genau dafür waren wir ja hergekommen.


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Urlaubsrückblick (1): Im Bergrausch

Wenn ich eines in Finnland vermisse – ausser Essen, das nach was schmeckt – dann sind es Berge. Meer und Seen und Wälder und Moore sind ja schön und gut, aber die Bergsituation in Finnland wird sehr treffend durch den Umstand beschrieben, dass Norwegen sogar erwägt, Finnland zum 100. Geburtstag einen Berg zu schenken.

Stichwort Norwegen. Mir war ja bisher aus unerfindlichen Gründen gar nicht so klar, dass wir, um echte Berge zu erleben, gar nicht bis „nach Europa“ fahren müssen. (Unser diesjähriges Sommerurlaubsziel haben wir gewissermassen Luthers sowie meiner Bekannten Anja, die vor einem guten Jahr von Turku nach Bergen gezogen ist, zu verdanken. Ohne ihre vielen Wanderbilder wäre ich immer noch lange nicht auf die Idee gekommen.)

Wir wollten uns nicht auf irgendein Gebiet festlegen, und deshalb kauften wir eine Überfahrt nach Stockholm, packten das Zelt ins Auto und fuhren los. Wir hatten nur einen ganz vagen Plan – erst so lange nach Westen, bis wir endlich die Berge erreichen würden, und dann irgendwie, grob immer an der Küste entlang, weiter nach Norden, um dann oben um die Ostsee herum wieder nach Hause zu gelangen.

Als wir am ersten Abend unser Zelt direkt an einem Bergsee aufstellten und ich auf ut.no gleich noch eine nette kleine Wandertour für den nächsten Tag in der Nähe fand, war ich vollkommen am Ziel meiner Wünsche.

Berge! Richtige Berge!!!


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Tall Ships Race 2017

Wir hatten diesmal für den Urlaub überhaupt keinen festgelegten Zeitplan – der Ähämann hat wie ein richtiger Finne einfach den ganzen Juli frei – ausser dem vagen Plan, vielleicht ganz gern zum Tall Ships Race zurücksein zu wollen. Das findet nämlich nur alle vier Jahre hier statt, und das letzte haben wir schon wegen Urlaub verpasst, und beim vorletzten – da trug ich den grossen Herrn Maus noch auf dem Rücken von Schiff zu Schiff! – war es wirklich schön.

Auch heute gab es jede Menge Segelschiffe zu gucken, und auf viele konnte man auch drauf. Am schönsten das Schiff mit der weitesten Reise hinter sich – zweieinhalb Monate hat es vom Oman nach Finnland gebraucht! – mit all seinen wunderbaren Verzierungen und der Besatzung, die kaum Englisch spicht, aber radebrechend und lachend begeistert Auskunft gab.

Leider waren diesmal ungefähr eine Million Leute entlang des Aurajokis unterwegs – an der Föri stand eine Schlange, deren Ende sich bestimmt erst nach zwei Stunden der ersehnten Überfahrt genähert hätte; am Hafen hatten sie deshalb gleich eine ganze Autofähre als Fussgängerfähre eingesetzt – und das ist nicht unbedingt das, was man nach zweieinhalb Wochen Zelturlaub in Norwegen (Urlaubsrückblick kommt noch, versprochen!) am besten vertragen kann.

Aber schön war’s trotzdem.


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Sie geben einem so viel zurück

„Danke, liebe Eltern, dass ihr euren Kindern dieses Hobby ermöglicht!“, sagte der Dirigent gestern beim Abschlusskonzert des Musiklagers. „Ein Hobby, das so viel Freude bereitet – nicht nur den Kindern, sondern auch euch selbst.“

So wahr!

Ich habe schon lange nicht mehr – also eigentlich, seit wir Kinder haben – so viel schöne Musik gehört wie im letzten Jahr.

Und ich war sehr fasziniert, wie nach nur einer Woche gemeinsamen Übens alle vier Orchester der Musiklagerteilnehmer so fantastisch spielen konnten!

Sogar die Herren Maus hielten ohne zu zappeln die zwei Stunden durch und lauschten fasziniert. Und das Fräulein Maus ist jetzt zehn Zentimeter grösser.


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kaksisataaseitsemänkymmentäyksi

Erkenntnis der Woche: tägliches Pendeln mit dem Auto ist genauso furchtbar, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

Das Musiklager des Fräulein Maus fand in der Schule statt, in die die Freundin, die nur jede zweite Woche im Nachbarhaus wohnt, geht. In den Wochen, in denen sie hier wohnt, fährt ihre Mutter sie in die Schule und holt sie nachmittags von dort ab. Ich hielt das bisher für eine ganz annehmbare Lösung; weit ist es nicht – vielleicht 10 km – ein Drittel davon leere Autobahn oder wahlweise Landstrasse, über die man mit 60 km/h gemütlich dahinrollen kann. Kein Stau, keine Raser, keine Sonntagsfahrer, nicht übermässig viele Ampeln. Und dennoch – mir hing nach drei Tagen das Gefahre so dermassen zum Hals raus!

Nebenher fuhren wir auch noch täglich zwecks Urlaubsvorbereitungen in verschiedene Supermärkte und Einkaufszentren, ausserdem ein zweites Mal aufs Erdbeerfeld – weil von den sieben Kilo „Rumba“ fünf im Gefrierschrank gelandet waren und die restlichen zwei noch am gleichen Abend aufgefressen wurden – wo wir diesmal eine Eimerchen „Sonata“ pflücken durften, und als ob das alles noch nicht gereicht hätte, fuhren wir auch noch mehrmals Wäsche zum Fremdwaschen bei der alleinerziehenden Freundin, weil uns Hannelore – hier passenden Fluch einsetzen – eine Woche vorm Urlaub und einen Monat nach Ablauf der Garantiefrist mit einem Motorschaden beglückt hat.

Eigentlich komisch, dass es bei dem vielen Gefahre bis gestern Nachmittag gedauert hat, bis ich eine 271 gesehen habe.

Am allerschönsten aber in dieser Woche: am Donnerstag gab es ein kleines Abendkonzert der Musiklagerteilnehmer an verschiedenen Orten auf der nahgelegenen geschichtsträchtigen Halbinsel – die Streicher fingen in der kleinen Kirche an, dann konnte man weiterlaufen zu einem alten Gutshaus, in dem die Harfenistinnen auftraten, und dann spielten noch, ganz und gar wunderbar im Spätabendsonnenschein, in den Ruinen einer alten Burg die Bläser.

„Schade, dass das Musiklager schon wieder vorbei ist!“, seufzte das Fräulein Maus vorhin, als ich sie zur Generalprobe des Abschlusskonzerts kutschierte. Begeistert erzählte sie jeden Tag von ihrer Dreiviertelstunde Einzelunterricht, vom Gruppenunterricht mit den anderen Harfenistinnen, von den Proben mit dem gesamten Orchester und von ihren vielen neuen Freundinnen. Es muss wirklich sehr schön gewesen sein.

Und jetzt ein allerletztes Mal die 10 km in den Nachbarort.

(Gerne nächstes Jahr wieder.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270]


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Finnisierung, offizielle

„Blingling“, machte mein Telefon vorhin, als wir das Fräulein Maus vom Musiklager abgeholt hatten: „Dein Bescheid ist da. Logge dich ein, um ihn zu lesen. Viele Grüsse, Einwanderungsbehörde.“

(Die „paar Tage“ waren genau eine Stunde.)

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII]


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Finnlandliebe, grosse

Das Fräulein Maus und ihre Harfe sind diese Woche auf einem Musiklager im Nachbarort.

Alle Teilnehmer, die nicht dort, sondern wie das Fräulein Maus zu Hause schlafen, sollten sich bitte schon bei der Anmeldung Essensmarken für alle Mahlzeiten, die sie dort essen wollten, bestellen. Das war ein bisschen schwierig zu entscheiden, weil zu dem Zeitpunkt noch keine Stundenpläne bekannt waren und sie vielleicht am Montag kein Mittagessen gebraucht hätte, weil es da erst mittags losgeht, oder vielleicht braucht sie eher keins am Sonntag, weil da zwar am Nachmittag Abschlusskonzert ist, aber der Vormittag vielleicht frei, und Abendbrot braucht sie eigentlich gar nicht, weil normalerweise vor um fünf Schluss ist, aber als ich sie gestern hinbringe, stellt sich raus, dass nach dem Abendbrot auch noch eine Orchesterprobe ist, ich ihr ja aber überhaupt kein Abendbrot bestellt habe, grosses Essensmarkendurcheinander jedenfalls. Ich darf die eine Essensmarke aber noch nachkaufen, und das Fräulein Maus bekommt sie zusammen mit ihren sechs Mittagessensmarken in einem – „Pass gut drauf auf!“ – Umschlag überreicht.

Als ich sie dann noch bis zum Eingang des Speisesaals begleite, steht da mutterseelenallein auf einem Stühlchen ein Körbchen für die Essensmarken. Zum Hineintun.

Und es würde niemand merken, nähme man sich stattdessen eine heraus. Oder ginge einfach ohne seine Essensmarke hineinzutun essen.

Aber das macht hierzulande ja niemand.

***

Nachdem wir das Fräulein Maus zum Musiklager gebracht haben, fahren die Herren Maus und ich aufs Erbeerfeld.

Der Erdbeermensch kommt uns gleich fröhlich winkend entgegen. „Darf man denn schon selber pflücken?“, frage ich. „Nee, noch nicht. Unsere Pflücker haben selbst gerade so genug zu tun.“ „Schade, aber dachte ich mir schon fast. Ab wann ungefähr wird man denn selber pflücken können?“ „Kann ich noch nicht sagen, ist ja alles so spät, dieses Jahr…“ „Ich frag‘ auch nur, weil wir nächste Woche in den Urlaub fahren und gerne vorher noch ein paar Erdbeeren pflücken wollten, aber…“ und ich komme gar nicht mehr dazu, den Satz mit „Ich würde dann eben auch einfach ein paar fertig gepflückte kaufen“ zu vollenden, denn der Erdbeermensch guckt die erwartungsvollen Herren Maus an, murmelt „Ach nächste Woche schon? Naja, da lässt sich vielleicht was einrichten…“ und weist uns ein paar Reihen „Rumba“ zum Pflücken zu.

***

Als wir wieder zu Hause sind, klingelt mein Telefon.

Als wir im März den Termin bei der Einwanderungsbehörde hatten, hatte der Ähämann vorher mehrmals überprüft, ob er auch alle Dokumente eingepackt hatte und mich mehrmals gefragt, ob ich mir sicher sei, dass an unserem Antrag jetzt alles eindeutig sei und wir wirklich nichts vergessen hatten auszufüllen. Ich war da sehr viel gelassener als vor jedem bisherigen Ausflug auf die deutsche Botschaft und versicherte dem Ähämann, die würden uns schon sagen, wenn wir noch was nachzureichen hätten oder irgendwas nicht eindeutig sei.

Am Telefon ist heute dann tatsächlich eine sehr nette und, das finde ich ja immer recht hilfreich, überaus deutlich sprechende Mitarbeiterin der Einwanderungsbehörde. Sie würde gerade unsere Anträge bearbeiten, und sie hätte zu meinem noch ein paar Fragen.

Unser jüngstes Kind zum Beispiel, das hätte gar keine Aufenthaltsgenehmigung, wie das denn käme? Das weiss ich leider auch nicht. Also nicht so genau. Nach der Geburt der beiden Grossen bekamen wir nämlich jeweils ein Schreiben, dass wir für sie eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen hätten. Ich weiss noch, dass ich, weil für den kleinen Herrn Maus kein solcher Brief kam, extra zur Polizei ging, und mir dort gesagt wurde, das sei nicht mehr nötig. Vielleicht hab‘ ich’s auch einfach falsch verstanden, es interessierte jedenfalls jahrelang niemanden. (Letztes Jahr fiel auch erst auf, dass der kleine Herr Maus hier überhaupt nicht als Deutscher registriert war. „Was machen wir denn da jetzt?!“, fragte ich ein wenig panisch. „Ach, da kommst du einfach mal mit seinem Pass vorbei, und dann tragen wir das nach, ist kein Ding!“, versicherte mir die nette Dame auf dem Maistraatti.) „Ja, also theoretisch braucht er schon eine Aufenthaltsgenehmigung, aber dann weiss ich ja jetzt bescheid, dass das keinen besonderen Grund hat, das reicht mir“, sagte die nette Mitarbeiterin der Einwanderungsbehörde.

„Jaaa, und dann ist mir noch aufgefallen, dass in deinem Pass Monika Karen, aber auf dem Antragsformular Karen Monika steht, ist das ein Fehler?“ „Nee“, sage ich lachend und erzähle ihr die ganze Geschichte und sie lacht auch und ich sage, darauf freue ich mich am meisten an einem finnischen Pass, dass da dann endlich mein richtiger Name drinstehen wird, „Aber echt mal!“, lacht sie zurück.

Und wo ich denn derzeit arbeiten würde, mein Arbeitsvertrag wäre ja befristet gewesen, und ob ich den letzten Zahlungsbescheid vom Arbeitslosengeld einfach nochmal an meinen Online-Antrag anhängen könnte, damit geklärt sei, wovon ich zur Zeit lebe.

„Mach‘ ich sofort!“, verspreche ich, und: „Was machen wir denn nun wegen der Aufenthaltsgenehmigung des kleinen Herrn Maus? Sollen wir die dann jetzt doch noch beantragen?“ „Ach Quatsch, das lohnt sich jetzt doch nicht mehr!“, sagt sie. Und dann frage ich noch, kurz bevor wir uns verabschieden, ob sie vielleicht so ungefähr schon sagen könne, wie lange es noch dauern würde mit unserem Antrag. Nicht mehr lange, sagt sie, ganz gewiss kein Jahr, niemals würde es für EU-Bürger so lange dauern! „Ach schön!“, sage ich, „Da wird es ja vielleicht doch was mit den Präsidentenwahlen im Januar!“ „Aber dicke“, sagt sie, „höchstens ein paar Tage dauert das noch!“


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Gelber Sonntag

Als wir losfuhren, war schon voll der Juhannus-Rückreiseverkehr. Sehr praktisch, die Autofähren fuhren nämlich zu mehreren non-stop, aber voll wurden sie nur in die Gegenrichtung.

Und zum ersten Mal mit Strom übers Meer gefahren sind wir auch. (Sie klingt wie eine Strassenbahn!)

(Ich hab‘ schon mal erwähnt, dass ich sehr glücklich bin, da zu wohnen, wo wir wohnen, ja?!)