Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Schnelle medizinische Hilfe

7:08 Uhr
Der grosse Herr Maus schnieft, reibt sich die Augen und stöhnt: „Mama! Ich brauche Medizin.“ Klar. Die Birken bekommen gerade nicht nur die ersten Blättchen, sondern fangen auch an zu blühen. Ich krame die Flasche mit der Heuschnupfenmedizin und die dazugehörige Pipette aus dem Schrank und stelle fest, dass der Inhalt der Flasche bei der Dosierung für grosse Kinder nicht mehr lange reichen wird.

8:47 Uhr
Anruf in der zuständigen Poliklinik. Ich höre mir diverse Ansagen vom Band an und klicke mich durch verschiedene Nummernmenüs. „Wir rufen dich zurück um ca. zehn vor eins heute Nachmittag“, bestätigt mir die Stimme vom Band. Auflegen.

13:03 Uhr
Anruf aus der Poliklinik. Ich erkläre mein Anliegen. „Alles klar, ich leite das weiter. Du bekommst eine SMS, wenn das Rezept fertig ist.“ „Dankeschön, auf Wiederhören!“

13:17 Uhr
Die SMS, dass das e-Rezept da ist und in jeder Apotheke in ganz Finnland eingelöst werden kann, trifft ein.

17:52 Uhr
Ich mache auf meiner Musikschule-Turnhalle-Supermarkt-Post-Rundfahrt einen Abstecher zur direkt neben der Post gelegenen Apotheke und lasse mir eine neue Flasche Heuschnupfenmedizin aushändigen.

(Was hat der grosse Herr Maus für ein Glück! Vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus…!)


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Frühling! Frühling!!!

Wir machen unsere Osterspaziergänge eben zu Vappu.

Es fiel uns heute ein bisschen schwer, uns für ein Ausflugsziel zu entscheiden. Wir wollten nämlich gern ein bisschen wandern – Sonne! Wärme! Erste grüne Blättchen! – uns andererseits aber auch die letzte Chance, in Teijo deutschen Kuchen bei einer deutschen Bekannten im Café zu essen, nicht entgehen lassen. Zum Glück gibt es rund um Teijo nicht nur lange Rundwege, sondern auch einen ganz kurzen, so dass sich beides verbinden liess – und die Kinder ausserdem ihre Vappu-Luftballons ausführen konnten.

Der Weg führt durch den ehemaligen Park eines Gutshofes, weswegen man mitten im finnischen Wald hier eine Thuja, dort eine Douglasie und da einen Rhododendron findet. Mehr ist vom Park nicht übrig. Die finnische Natur ist sehr schnell damit, sich zu nehmen, was ihr zusteht. Aber wer braucht schon einen Park, wenn im Wald weisse und blaue Teppiche ausgelegt sind…!

Hinterher gingen wir dann Kuchen essen, ein bisschen durch den Ort spazieren, den wir sonst immer nur im Vorbeifahren bestaunt hatten, und die Kinder gruben jeder ein Kilo blaue Wundersteine – Überbleibsel der historischen Eisengewinnung – aus.

Ich hatte den ganzen Tag Herzhüpfen vor lauter Frühling.

(Meinetwegen könnten jetzt direkt die Sommerferien anfangen…)


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Rekord

Sieben Stunden Rummel.

Das war gar nicht so geplant… aber wir haben zum allerersten Mal dort nicht bitterlich gefroren. Und der kleine Herr Maus hat jetzt die 120-cm-Marke geknackt und fuhr mit seinen Geschwistern unermüdlich all die Dreh-, Fall- und Schaukeldinger, bei denen mir schon beim Hingucken schlecht wird.

Und dann… war es plötzlich halb neun.

(Bisschen frisch war’s dann schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad, aber hey, Sonne! Bis abends um neun!)


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Fast wie November

Wir hatten es schon nebenher beim Tatort*-Gucken gesehen. Gebannt musste ich zwischendurch immer wieder aus dem Fenster auf die riesigen Flocken gucken, die im Laternenlicht tanzten.

Kurz nach Mitternacht schlich der kleine Herr Maus aufs Klo. Er kam nicht sofort wieder zurück ins Bett, sondern tappelte vorsichtig zum Wohnzimmerfenster. ”Mama! Schnee!”, hauchte er, als er unter meine Bettdecke kroch.

”Ach, Schnee!”, sagte das Fräulein Maus teilnahmslos, als ich sie heute früh weckte, und liess sich wieder ins Bett zurücksinken.

Der grosse Herr Maus warf nach dem Aufstehen einen Blick in den Garten und knurrte: „Jetzt wird ja nie Sommer!“

Ich verordnete Gummistiefel für alle. Denn heute Nachmittag, da hat sich das weisse Zeug garantiert in Wasser aufgelöst.

Und ob er kommen wird, der Sommer!!!


*Der spielte diesmal gar nicht nur in Weimar. Schon beim Vorspann musste ich vom Sofa aufspringen – unser Haus! Das da ist unser Haus! Das Haus, in dem wir einst im elften Stock mit dem wunderbaren Blick über das ganze Saaletal gewohnt hatten!


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In Ausgehuniform

Ich sag mal so: es gibt sehr viele Dinge, die ich an den Pfadfindern sehr viel mehr schätze als das ganze Uniform- und Marschgedöns.

Aber unser eifriger Pfadfinder ist keiner, der halbe Sachen macht, und es war von Anfang an vollkommen klar, dass er auch zur Pfadfinderparade mitmarschieren würde.

Die Turkuer Ersatzgrosseltern – die praktischerweise, da ihre Tochter gerade ihre 25jährige Pfadfinderkarriere beendet hat, nun nahtlos mit dem Ersatzenkel weitermachen können – leisteten uns Gesellschaft, ab und zu kam sogar die Sonne raus, und ja, es war eigentlich ganz nett.


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Samstagsausflug

„Mama? Können wir mit der Freundin, die nur jede zweite Woche im Nachbarhaus wohnt, zur Tankstelle gehen und ein paar Süssigkeiten kaufen?“

Ich wunderte mich kurz über solche Anwandlungen unserer Kinder – aber klar, für finnische Kinder ist samstags Karkkipäivä.

Ich begleitete sie gern dahin.
Gelegenheiten für Waldspaziergänge packe ich imer beim Schopf.


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Sehr kleine Dolmetscher

Neulich im Kindergarten durfte ich erleben, wie das wohl so sein muss, wenn der kleine Herr Maus von seinen Grosseltern abgeholt wird.

Da kam nämlich L.s spanische Oma gleichzeitig mit mir zum Abholen im Kindergarten an. ”Du, L., könntest du deiner Oma vielleicht erklären, dass…?” verhandelte die Kindergärtnerin mit dem Vierjährigen. Der schüttelte schüchtern den Kopf. Alle sahen sich etwas hilflos an.

”Wer kann denn mal Spanisch?”, überlegte die Kindergärtnerin laut. ”Ach, S.! Wer geht denn mal schnell S. holen?”, sagte sie, und ein Kind flitzte los. Und dann stand sie da, S., die Vorschülerin, und ging ernsthaft und stolz ihrer Aufgabe als Dolmetscherin nach.

(Das ist so, so toll mit den vielen Muttersprachen da!)

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