Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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neljäsataaviisi

Im Hochsommer wandern ist im finnischen Wald nicht übermässig attraktiv. Nach fünf Wochen täglichen Strandbesuches war es im Moor allerdings auch mal wieder ganz schön.

Das Beste war aber trotzdem, sich nach den acht Kilometern um den grossen Moorsee in dessen weiches, warmes, goldenes Wasser hineinfallen zu lassen.

***

Abends gingen der Ähämann und ich aus. Wir fuhren mit dem Rad ins Stadtzentrum, und in der grünen Plattenbausiedlung parkte – der Ähämann, der ja bekanntlich diesen Quatsch nicht mitmacht, machte mich darauf aufmerksam – eine 405.

Im Stadtzentrum steppte übrigens der Bär. Die Restaurantschiffe am Flusskai sowie die beiden zu fahrenden Biergärten umgebauten Autofähren, die nonstop den Fluss auf und ab fahren, waren allesamt brechend voll, und es tönte ein für finnische Verhältnisse unglaublich lautes Stimmengewirr von ihnen ans Ufer. Man könnte meinen, Corona sei vorbei.

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neljäsataaneljä

Vor drei Jahren waren um die Zeit mit uns fünf Autos auf der Autofähre. Diesmal war die Schlange eine halbe Stunde vor Abfahrt schon so lang, dass wir schon ahnten, dass wir diesmal nicht mit draufpassen würden und sofort anfingen, Pläne für die drei Stunden Wartezeit bis zur nächsten Fähre zu machen: zum Beispiel endlich mal wieder den kleinen Lehrpfad ablaufen, der vor vielen Jahren genau die richtige Länge für die Kinder hatte.

Die 404 – ein Reisebus, weit vor uns in der Warteschlange – schaffte es auf die Mittagsfähre, und drei Stunden später kam sie mit der Fähre, auf die der Löwe Balthasar geduldig stellvertretend für uns gewartet hatte, wieder zurück.

Drei Stunden später aber war es im Wikingerdorf auch noch schön. Und weil es im finnischen Sommer abends erst richtig schön wird, gingen wir hinterher auch noch an unseren Zweitlieblingsstrand. Und Eisessen natürlich, kurz bevor der Supermarkt zumachte. Hach, Sommerferien!

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Musikbedarf, aufgeholter

Eventuell war ich ein bisschen ausgehungert nach richtiger Musik, denn als wir am Montagabend das Fräulein Maus vom Musiklager aus dem Nachbarort abholten und noch ein bisschen auf sie warten mussten, stand ich völlig verzückt eine Viertelstunde vor der Tür der Turnhalle, aus der die Töne der „Schönen blauen Donau“ am ersten Probentag noch ein bisschen unsicher, aber doch schon als das Schönste, das ich in den letzten anderthalb Jahren gehört hatte, herausdrangen.

Wie jedes Jahr habe ich es unglaublich genossen, nicht nur die Begeisterung der beiden Musiklagerteilnehmer*innen unserer Familie – der kleine Herr Maus hat ja nur deshalb angefangen, zusätzlich zum Klavier noch Klarinette zu lernen, damit er wie seine grosse Schwester im Orchester spielen und am Musiklager teilnehmen kann – mitzuerleben, sondern auch an vier aufeinanderfolgenden Tagen zu Konzerten zu gehen.

Es ist so wunderbar, was sie dort auf die Beine stellen. Für jeden gibt es einen Platz – auch für die, die in der Musiklagerwoche vielleicht ihre erste Stunde auf einem neuen Instrument nehmen. Im Sinfonieorchester dürfen statt einer selbstverständlich alle fünf Harfen mitspielen, und selbst im Blasorchester wird für die Harfen ein hörbarer Part eingeplant. Es herrscht dort eine unheimlich motivierende Atmosphäre, die sogar die Konzertbesucher*innen spüren können.

Ich bin so froh, dass das Musiklager in diesem Jahr wieder fast ganz normal stattfinden konnte, mit kompletten Orchestern und Publikum. Denn die Deltawelle ist mit den Fussballtouristen aus St. Petersburg auch in Finnland schon angekommen, und vielleicht war es ein ganz, ganz kleines Zeitfenster, das uns allen die schönste Sommerferienwoche jeden Jahres dieses Jahr wieder ermöglicht hat.

Das Abschlusskonzert fand dieses Jahr nicht in der modernen Kirche des Nachbarorts statt, denn dort werden derzeit Coronaimpfungen verabreicht. Aber wozu hat jeder Ort in Finnland eine wunderbare Bibliothek?

Dass das Sinfonieorchester in diesm Jahr als letztes Stück die „Donau“ spielte, schloss irgendwie auch einen Kreis, denn das Fräulein Maus, von klein auf an das Gucken des Neujahrskonzertes gewöhnt, hat dabei irgendwann zum ersten Mal bewusst eine Harfe gesehen und gehört, womit die Dinge ihren Lauf nahmen

Die Woche war, wie immer, viel zu schnell um.


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Schönster Donnerstagabend des Jahres

Ich finde alle Konzerte des Musiklagers wunderschön. Aber das Beste ist die Konzertreihe auf der nächsten Halbinsel am Donnerstagabend, in Sommergrün und Spätabendsonnenschein, wenn das Zirpen der Grillen die Harfen begleitet und die Vögel mit den Blechbläsern um die Wette tirilieren.


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neljäsataakaksi, neljäsataakolme

Am Wochenende waren wir gleich zweimal am Lieblingsstrand.

(Überhaupt waren wir in den vergangenen dreieinhalb Ferienwochen bis auf die drei Tage, die wir in Tallinn waren, jeden Tag wenigstens einmal kurz an irgendeinem Strand. Es ist pünktlich seit Ferienbeginn heiss und trocken – die Natur könnte mal wieder ein bisschen Regen gebrauchen, aber ich tanke dankbar Wärme und Sonne für den Winter.)

Der Ähämann sah schon am Samstag auf dem Heimweg vom Strand die 402 und die 403, aber ich guckte mal wieder in der Gegend rum und verpasste beide. Am Sonntag schaffte es der Ähämann, mich auf dem Weg zum Strand rechtzeitig auf die entgegenkommende 402 aufmerksam zu machen.

Am Montag sahen wir gemeinsam die 403 im Nachbarort. Denn diese Woche ist wieder die schönste Sommerferienwoche, und der Ähämann und ich fahren abwechselnd oder gemeinsam sieben Tage lang eine Harfenistin und einen Klarinettisten hin und her.

(Die gelbe 342 ist übrigens auch wieder im Musiklager.)

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Geschichte zum Anfassen

Weil es letzten Sommer im Tallinner Freilichtmuseum so schön war und wir auf dem weitläufigen Gelände ungefähr nur die Hälfte aller Häuser anzugucken geschafft hatten, gingen wir auch diesmal wieder hin.

Vor allem waren wir gespannt, ob das Mehrfamilienhaus aus Sowjetzeiten, das sich letztes Jahr noch im Bau befunden hatte, jetzt besichtigt werden könnte. Konnte es. Und allein dort hätte man mehrere Stunden zubringen können.

Jeden einzelnen Raum in den vier Drei-Zimmer-Wohnungen, die verschiedene Jahrzehnte – sowohl vor als auch kurz nach der Wende – repräsentieren, kann man betreten, und jede dieser Wohnungen sieht aus, als wäre vor fünf Minuten noch jemand dagewesen. Man darf in Küchenschubladen kramen, in Schulheften blättern, in die Kleiderschränke gucken, und man kann auf kleinen Bildschirmen zugucken, wie die Familie Geburtstag feiert oder wie die Familienmitglieder über ihren Alltag erzählen.

Diese Zeit ist bis heute ein sehr wunder Punkt in der Geschichte Estlands. Schön, dass sie im Museum trotzdem nicht ausgespart wird.


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Auslandsreise, verantwortungslose

Seit Monaten, wenn man den Verlautbarungen der entsprechenden Behörden und der finnischen Presse Glauben schenkt, kommen sämtliche neuen Coronafälle in Finnland aus dem Ausland, und wer jetzt ins Ausland reist, verhält sich höchst verantwortungslos.

Nun ist es so, dass ich mich durchaus privilegiert fühle, die Pandemie in Finnland aussitzen zu können. Es gibt hier keine Panikmache, keinen Impfneid, einen Coronatesttermin zu bekommen ist denkbar einfach und mit den Impfungen geht es auch voran, und zwar ohne dass man seine Ellenbogen einsetzen muss. Die Schulen waren fast durchgängig geöffnet, und wenn nicht, kam der Distanzunterricht so nahe an Präsenzunterricht heran, wie man es sich nur wünschen kann. Wir hatten nie Ausgangssperren, durften uns zu jeder Zeit im ganzen Land – bis auf die drei Wochen, in denen Uusimaa abgeriegelt war – frei bewegen und haben wunderbare Ausflugs- und Reiseziele in der finnischen Natur.

Aber Finnland ist eben doch überall Finnland. Schon seit den ausgefallenen Herbstferien hatten wir Estlandweh, und nach fast einem Jahr war die Sehnsucht nach Tapetenwechsel fast übermächtig geworden.

Wir packten die erstbeste Gelegenheit beim Schopf und bestiegen letzten Dienstag gemeinsam mit den zur Konfirmation angereisten (und zum Glück schon voll geimpften) Grosseltern ein Schiff nach Tallinn.

Unser Verständnis für Reiserestriktionen ist mittlerweile aufgebraucht. Seit anderthalb Jahren trägt unsere Familie Maske – auch da, wo wir nicht müssten. Seit anderthalb Jahren haben wir kein Museum, keine Schwimmhalle, kein Restaurant von innen gesehen – auch dann nicht, als wir es gedurft hätten. Seit anderthalb Jahren können wir die Gelegenheiten, an denen wir oder die Kinder Freunde getroffen haben, an zehn Fingern abzählen – obwohl es hier nie strenge Restriktionen gab, wie viele Haushalte und wie viele Personen sich treffen dürfen. Seit Juni dürften wir wieder Karaoke singen in Bars und auf Konzerte mit hunderten von anderen Leuten gehen – aber ins estnische Moor wandern gehen dürfen wir nicht?!

(Bezeichnenderweise drängelten sich auf der Fähre die Finn*innen, die eine Quarantänefreie Kreuzfahrt ohne Landgang machten, im Tax-Free-Shop und am Buffet, während wir die zwei Stunden Überfahrt in beide Richtungen auf dem Sonnendeck absassen. Und wenn es dann auf einem dieser Schiffe, wie letztes Wochenende auf der „Baltic Princess“, die zwischen Turku und Stockholm pendelt, unter den Kreuzfahrern zu einem Covid-19-Ausbruch kommt, dann wird das auch noch den Auslandsreisenden angelastet. Ich erwähnte schon, dass mein Verständnis für Reiserestriktionen aufgebraucht ist?!)

Tallinn war tatsächlich noch leerer als im letzten Jahr. Es fehlten nicht nur die Touristen, sondern auch die Tallinner selbst, denn sie hatten zwei aufeinanderfolgende Feiertage: den Siegestag am 23. und Mittsommer am 24. Juni. Es fiel nicht schwer, den Anweisungen der finnischen Gesundheitsbehörde – „Im Ausland besondere Vorsicht walten lassen!“ – Folge zu leisten. Wir spazierten durch menschenleere Gassen, die wir uns nur mit Tauben und Möwen teilen mussten, und assen auf Terrassen. Zudem sinkt die estnische 14-Tages-Inzidenz, die sich irgendwann im Winter bei schwindelerregenden 1500 befunden hatte, seit Wochen rapide und ist kaum noch höher als die finnische.

Ich badete in heisser Luft und freute mich am ersten echten Sommergewitter seit Jahren, das zur Mittagszeit den Himmel verdunkelte, die Gassen in Bäche verwandelte, über Gullydeckeln gewaltige Strudel erzeugte und nach einer Stunde der Sonne den Platz wieder räumte. Der Ähämann und ich überliessen einen Abend die Kinder den Grosseltern und gingen im Spätabendsonnenschein aus. Und weil es in Tallinn so leer war, reifte gleich der nächste Reiseplan.

Der dreitägige Ausflug endete offiziell erst gestern mit dem Freitesten aus der Quarantäne.
Wir sind erwartungsgemäss alle negativ – aber wenn wir uns angesteckt hätten, dann garantiert nicht bei unserer verantwortungslosen Auslandsreise, sondern beim Konfirmationsgottesdienst, wo wir dicht an dicht mit rund einhundert grossteils nicht-masketragenden Angehörigen der anderen Konfirmand*innen in der kleinen Kirche sitzen mussten. Ich wünschte, die Leute würden ihren Verstand benutzen, statt Sündenböcke zu suchen.


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Fast erwachsen

Wir haben jetzt eine konfirmierte junge Dame im Haus.

Die Frage, ob sie sich konfirmieren lassen möchte, kam eigentlich erst letzten Herbst auf, als die ersten Klassenkamerad*innen anfingen, über ihre Konfirmation und den Betrag der zu erwartetenden Geldgeschenke zu reden.

Während ich zwei Jahre lang einmal in der Woche zum Konfirmandenunterricht gehen musste – wir hatten einen jungen, coolen Pfarrer und waren eine nette Gruppe, in der ich meine für lange Zeit erste richtige beste Freundin fand, so dass das Ganze dennoch mehr Spass als Pflicht war – besteht in Finnland die Vorbereitung auf die Konfirmation ausser ein paar sporadischen Treffen im halben Jahr vorher, von denen in diesem Jahr #aufgrundderaktuellensituation ausserdem noch die Hälfte ausfiel, hauptsächlich in einem einwöchigen Konfirmandenlager. Tatsächlich lässt sich ein Grossteil der finnischen Jugendlichen konfirmieren, auch aus Mangel an nicht-kirchlichen Alternativen.

Konfirmandenlager werden fast den ganzen Sommer über von allen Kirchgemeinden und zum Beispiel auch von den Pfadfindern angeboten, und es ist, da man nicht in der eigenen Gemeinde konfirmiert werden muss, völlig egal, welches man sich auswählt. Die Konfirmation findet direkt im Anschluss an das Konfirmandenlager statt, so dass die Jugendlichen, die gemeinsam im Lager waren, auch zusammen konfirmiert werden. Das Fräulein Maus freute sich sehr, dass sie mit ihrer besten Freundin zusammen ins Konfirmandenlager fahren konnte – man bekommt bei der Online-Anmeldung einen Freundecode, mit dem sich dann der beste Freund oder die beste Freundin anmelden kann und dann garantiert in das gleiche Konfirmandenlager kommt – und hatte dann auch letzte Woche sehr viel Spass dort.

Sehr schön finde ich, dass finnische Konfirmationen nicht um Palmsonntag herum, sondern hauptsächlich im Sommer stattfinden, weil so ein Fest viel schöner ist, wenn alles grünt und blüht und man sich nicht über der Festkleidung noch in drei Schichten Klamotten hüllen muss. Apropos Festkleidung: ich finde es auch schön, dass in Finnland die Konfirmand*innen Albe tragen während des Gottesdienstes, weil damit alle Diskussionen um die angemessene Rocklänge und der Konkurrenzkampf um das schönste Kleid von vornherein hinfällig sind.

Leider konnten beide Patenfamilien aus nachvollziehbaren familiären Gründen bei der Konfirmation nicht dabeisein. Das Fräulein Maus war sehr traurig – denn wie kann man denn als Konfirmandin ohne seine Pat*innen, die die Hände segnend über einen halten, zum Konfirmationsgottesdienst gehen?! – aber fand dann selbst die beste Lösung: dann müsste eben die Patin ihres Bruders einspringen. Wozu schliesslich haben wir diese wunderbare Godfamily? ♥

Es war dann doch alles sehr schön, sehr feierlich und das Wetter so gut, dass wir später die Feier aus dem Garten noch ans Wasser verlegten.


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Radtour mit Wasserbus

Weil es neulich so schön war, machten wir das Ganze gestern nochmal als Tagesausflug.

Fahrräder auf den Wasserbus und eine halbe Stunde lang flussabwärts und am Hafen vorbei auf die nächste Insel schippern, den Luxusradweg mit dem Edelasphalt und dem aufgemalten Mittelstreifen bis zur hintersten Spitze der Insel entlangfliegen und auch ein Stückchen Wanderweg fahren, Schafen, Rehen, Hasen und Gänseküken begegnen, in einer Holzvilla mittagessen und in einer anderen kaffeetrinken, Homeoffice am Strand, Schwimmen mit Schiffen, ein paar Geocaches suchen und kurz vor Abfahrt des letzten Wasserbusses Richtung Stadt noch vom schönsten Platz aus der ersten Schwedenfähre zuwinken.

Bester Moment des Tages: die Fähre vorbeiziehen zu sehen und festzustellen, dass das monatelange Gefühl der Bedrückung und des Eingesperrtseins bei ihrem Anblick dem von Erleichterung und Freiheit gewichen ist, weil wir ab sofort wieder mitfahren dürfen – weil auch eine Impfdosis oder jünger als 16 zu sein nun doch reicht, um zumindest ohne Test an Bord gehen und ohne Test zurück nach Finnland einreisen zu dürfen. (Im Ausland besondere Vorsicht walten lassen, freiwillige Quarantäne nach Rückkehr, kostenloser Test mindestens 72 Stunden nach Wiedereinreise, blabla… hab‘ ich kein Problem mit. Hauptsache, wir müssen keine „Quarantänefreie Kreuzfahrt“ machen, sondern dürfen die Fähre als Mittel zum Zweck benutzen!)


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neljäsataayksi

Traditionen pflegen.

Mindestens einmal in den Sommerferien müssen der Verkehrspark mit dem kostenlosen Tretautoverleih und der tolle Spielplatz im Nachbarort aufgesucht werden. Immer noch. Das einzige, was sich nach zehn Jahren geändert hat, ist, dass die 10 km lange Anreise nicht mehr mit dem Auto oder dem Bus, sondern mit dem Fahrrad absolviert wurde.

In einer halben Stunde waren wir da, und vielleicht muss ich in diesem Jahr in der Musiklagerwoche nicht ganz so viel mit dem Auto hin und her fahren.

Für den Rückweg suchten wir uns eine andere Strecke, denn es musste noch ein Paket aus dem Automaten im grossen Supermarkt geholt werden sowie im Baumarkt eine Rolle Bindfaden in der richtigen Dicke und Zusammensetzung zum Befestigen der Tomatenstützen erworben werden. (Den passenden Faden gab es nur auf einer 500-Meter-Rolle. Wir werden nie wieder Bindfaden kaufen müssen.)

Nachdem ich in den letzten zwei Wochen alle glatten Hunderter, die es auf finnischen Kennzeichen geben kann, sowie lückenlos alle Ziffern von 402 bis 410 gesehen hatte und mich schon anfing zu fragen, ob es die 401 vielleicht einfach nicht gibt, kam sie uns dann doch noch an der Ampel gleich hinterm Baumarkt entgegengefahren.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399, 400]