Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Coronaklausur, Tag 24

Finnland hat 2769 bestätigte Coronafälle.

Nachdem wir uns letztes Ostern angeguckt hatten, wie unser Fluss 20 km flussaufwärts aussieht, war es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen und endlich mal seine Quelle aufzusuchen.

Er kommt aus dem Lieblingsskigebiet, genauso wie unser Trinkwasser. Sein Wasser sickert an verschiedenen Stellen aus dem sandigen Harju und speist das Moor an seinem Fuss. Deshalb hat er keine richtige Quelle. Aber es gibt eine Stelle, da fliesst plötzlich ein winziges Bächlein durchs Moos, und da macht er sich auf seine 70 km lange Reise nach Turku, ins Meer.

Ich war ganz entzückt davon, dass dieses Babyflüsschen neben dem Wanderweg einmal unser breiter Fluss werden soll.

Polizei und Forstbehörde hatten die Bevölkerung davor gewarnt, an den Osterfeiertagen alle an die gleichen beliebten Plätze im Wald zu ziehen. (Als ob! Ausser uns hat hier noch nie jemand Osterspaziergang gemacht.) Was wir letzte Woche schon geahnt hatten, hat sich heute noch bestätigt: die Wälder sind wieder leer. Wir begegneten keiner Menschenseele. Weder im Wald, noch als wir auf einem kleinen kurvigen Strässchen neben dem mäandernden Flüsschen zurück nach Turku fuhren.


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Coronaklausur, Tag 23

Finnland hat 2605 bestätigte Coronafälle.

Die erste Etappe Ausnahmezustand ist geschafft.

Schule läuft, Arbeit läuft, so wenig wie möglich unter Menschen und nicht mehr als einmal in der Woche einkaufen gehen läuft auch. Wir haben noch keinen Lagerkoller und haben uns alle noch gegenseitig lieb.

Mit dem Puzzle geht’s auch voran.

Bisher haben wir es als Abenteuer genommen. (Und das werden wir auch weiterhin tun!) Aber manchmal tut es jetzt doch ein bisschen weh.

Heute wäre ich eher aus dem Hort gegangen, der Ähämann und die Kinder hätten mich abgeholt, dann wären wir nach Helsinki gefahren und hätten eine Fähre nach Tallinn bestiegen. Wir wollten über die Osterfeiertage nach Tartu, da waren wir noch nie. (Käse, Bier, Rhabarberlimo und Britakuchen sind auch alle. Und überhaupt.)

Auch unsere Sommerferienpläne sind, womit wir sowieso schon länger gerechnet hatten, hinfällig.

Wie immer wollten wir gleich nach der Zeugnisausgabe losfahren, um rechtzeitig zum Musiklager wieder dazusein. Dieses Jahr ist ja nicht nur das Fräulein Maus dort angemeldet, sondern auch der kleine Herr Maus. Ausserdem wollten diesmal die Grosseltern anreisen, um bei den vielen tollen Konzerten dabeizusein. Es steht noch völlig in den Sternen, ob das Musiklager überhaupt stattfinden kann – und auf jeden Fall wird es ohne Oma und Opa stattfinden, denn deren Flüge wurden diese Woche schon gecancelt.

Unsere Sommerreise wäre diesmal (zum Glück!) eher unspektakulär gewesen: wir wollten zwei Wochen in die Lieblingsheimatstadt fahren und anschliessend noch ein paar Tage in die Nähe von Dresden, den Kindern endlich mal die Frauenkirche und das Grüne Gewölbe und das Hygienemuseum zeigen, und natürlich ein paar Stiegen in der Sächsischen Schweiz beklettern. Die Grenzvorschriften in Finnland wurden gerade diese Woche so verschärft, dass uns vor Juni – gebucht hatten wir für den 30. Mai – keine Fähre nach Stockholm bringen würde; heute erhielt ich ausserdem eine Mail, dass unsere Fährüberfahrt von Trelleborg nach Rostock ersatzlos gestrichen ist. Und selbst wenn wir hinkämen – ich glaube nicht, dass wir in irgendein Freibad, ins Planetarium, mit dem Zug nach Halle in den Zoo, in die Lieblingsstudentenkneipe, die Dresdner Museen und was sonst noch alles schon auf unserem Plan gestanden hatte, könnten. Vielleicht können wir alles noch auf Ende der Sommerferien verschieben, aber vermutlich wird diese Reise dieses Jahr ganz ausfallen.

Wahrscheinlich können wir froh sein, wenn wir wenigstens unsere Herbstferien wieder in Estland verbringen können. Eigentlich wollten wir unsere ersten neun- statt viertägigen Herbstferien in diesem Jahr mit einer Zugreise nach Venedig feiern, aber wir wollen mal nicht übermütig werden. 2021 dann. Seufz.

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten. Zum Beispiel erhielt ich heute morgen einen Bescheid von meiner Arbeitslosenkasse, mit dem ich frühestens in zwei, drei Wochen gerechnet hatte. Seit ich im Hort arbeite, aus auf der Hand liegenden Gründen nur 80%, bekomme ich von meiner Arbeitslosenkasse eine Art Ausgleichszahlung dafür, dass ich keinen Vollzeitjob habe. Diese 200 € im Monat sind für uns unheimlich wichtig – jahrelang gingen sie zum Beispiel direkt für das Training des Fräulein Maus drauf. Letzte Woche las ich, dass die Arbeitslosenkassen wegen der vielen Beurlaubungen zur Zeit nicht mehr hinterherkommen mit der Bearbeitung der Anträge und dass sich die Zahlungen bis zum Jahresende hin verzögern können. Offensichtlich ist es aber a) von Vorteil, bei einer eher kleinen und speziellen Arbeitslosenkasse zu sein, und b) so, dass ebendiese sofort reagiert hat und entweder zusätzliche Mitarbeiter angestellt hat oder ihre Mitarbeiter mehr arbeiten lässt – jedenfalls bekomme ich mein Geld diesen Monat schon am 14., obwohl es unter normalen Umständen nie vor dem 24. ausgezahlt wird, wenn ich es sofort beantrage, wenn ich meinen aktuellen Lohnzettel erhalten habe.

Apropos Beurlaubungen. Die liebste Freundin hat vorgestern schon geschrieben, wie das mit dem Schulessen in ihrer Stadt gerade abläuft. Das kostenlose Schulessen ist in Finnland eine Institution, und gerade jetzt, wo viele Familien finanziell schlechter gestellt sind als normalerweise, ist es besonders wichtig. Deswegen gibt es trotz Fernunterricht weiterhin Schulessen für alle Schüler, die das möchten, natürlich den Umständen angepasst: An manchen Orten bekommen die Schüler ihr Essen als aufwärmbares Take-away. In manchen Orten bekommen Schüler, deren Schulweg länger als 10 km ist, das Essen sogar nach Hause geliefert. Manche Gemeinden geben ihren Schülern Lebensmittelgutscheine, zahlen einen Essenszuschuss oder verteilen, wie bei der liebsten Freundin, Lebensmitteltaschen an die Schüler.

Ach so, fast hätte ich’s vergessen: die Fertigstellung von Olkiluoto 3 wird sich wegen Corona auch verzögern. Das fällt 11 Jahre nach geplanter Inbetriebnahme jetzt natürlich so richtig ins Gewicht!


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Coronaklausur, Tag 22

Finnland hat 2487 bestätigte Coronafälle.

Was wir so zueinander sagen in diesen Zeiten:

„Viel Spass in der Schule!“, sage ich zu den Kindern, wenn sie nach dem Frühstück in ihre Zimmer verschwinden. Und: „Hängst du mit mir Wäsche auf in der Pause?“ Und: „Wir essen um zwölf? Da könnt ihr alle?“
„Steck dich nicht an!“, verabschiedet mich der Ähämann, wenn ich doch mal unter Menschen gehen muss.
„Vor wieviel Tagen hast du die Milch / die Kekse / diese Gurke gekauft?“, fragt der Ähämann, bevor er etwas auspackt.
„Aber Abstand halten!“, rufe ich den Kindern hinterher, wenn sie rausgehen. Und: „Vergiss nicht, dass du heute noch Harfenstunde / Training / Deutschunterricht hast! Sei rechtzeitig im Teams / Zoom / Skype!“

Heute tagte das Turkuer Schülerparlament. Der grosse Herr Maus sass weitere anderthalb Stunden mit Kopfhörern vor seinem iPad.

Währenddessen machten der Ähämann, der kleine Herr Maus und ich eine kleine Radtour zum Auslüften.
Der kleine Herr Maus schob es auf den Sturm, der die Hälfte des Weges von vorn kam, dass er immer wieder vom Rad abstieg und schob. Zu Hause stellte sich raus, dass er nur völlig übermüdet ist.

Dieser neue Alltag ist immer noch anstrengender, als er sich mittlerweile anfühlt.

Zum Glück haben wir bald vier Tage frei.
(Die Finnen nennen es Osterferien. Haha!)


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Coronaklausur, Tag 21

Finnland hat 2308 bestätigte Coronafälle.

Heute war der wärmste 7. April seit Beginn der finnischen Wetteraufzeichnungen. Bei uns waren 15°C, aber irgendwo in Finnland wurden sogar 17,5°C gemessen. Wir haben das genossen, keine Frage. Aber es macht mich so wütend, dass jetzt schon wieder Rufe laut werden, ob Finnland nicht angesichts der durch die Coronabeschränkungen hervorgerufenen wirtschaftlichen Krise seine Klimaziele lieber erstmal hintenanstellen sollte. Dümmer kurzsichtiger geht immer.

Es ist jedenfalls sehr frühlingshaft.

Die liebste Freundin klagt mir seit Jahren ihr Leid, dass die Hasen jedes Frühjahr alle Krokusse in ihrem Garten abfressen. Seit Jahren habe ich mich gewundert und geantwortet: „Also bei uns nicht“, obwohl wir hier auch dauernd Hasen ums Haus hoppeln sehen. Tja. Freund Hase hat in den letzten Nächten nun auch bei uns sehr akribisch alle Krokusse abgeknispelt. Und dann hat er noch ein bisschen mit den Träubchen weitergemacht. „Sei nicht sauer“, sagten die Kinder, „vielleicht war’s der Osterhase!“ Ich bin nicht sauer. In unserem Garten ist Platz für alle Lebewesen. Aber für die Bienen und Hummeln, die jetzt um ihr wichtigstes Futter gebracht sind, tut’s mir leid.

Ansonsten heute – Corona macht’s möglich – eine etwas ausufernde deutsche Dienstbesprechung gehabt, die aber doch ganz nett war. Sonst findet die in Helsinki statt, und wir in unserem Turkuer Aussenposten machen unser eigenes Ding. Das ist eins der Dinge, die gut so sind, wie sie jetzt sind, und die hinterher gern so bleiben dürfen. (Mehr als die Hälfte der jetzt zu Hause arbeitenden Finnen möchte das übrigens hinterher gern beibehalten.)

Dann zwei Einkäufe. Obwohl ich ja derzeit eigentlich so selten wie möglich einkaufen gehe. Aber diese beiden Einkäufe waren coronakonform.

Zuerst fuhr ich bei Ikea vorbei. Dort kann man sich derzeit seinen Einkauf online zusammenstellen, bezahlen und ein paar Stunden später abholen. Wenn man zehn Minuten vor Ankunft eine SMS mit seiner Bestellnummer und seinem Autokennzeichen schickt, bekommt man seinen Einkauf direkt ans Auto geliefert. Mit ausgestrecktem Arm bekam ich noch die Quittung gereicht, die ich mit ausgestrecktem Arm entgegennahm, wobei ich mich sehr überschwänglich für den sehr tollen Service bedankte.

Dann fuhr ich zum Lieblingsgartenmarkt. Dort steht sowieso alles im Freien, es ist nie sehr voll, und heute hatte man dort sogar eine Kasse im Freien aufgebaut. Eigentlich wollte ich sogar vermeiden, einen Einkaufswagen nehmen zu müssen, und hatte ein Klappkörbchen dabei, aber der Pflanzenkauf ist dann ein bisschen eskaliert. Immerhin ist es jetzt im Vorgarten wieder bunt, und für die Bienen ist auch was dabei.

Abends ging noch ein längerer Regenschauer nieder, auch das war gut für den Garten (und die erste Regentonne ist schon fast voll!), und das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich hatten es drin sehr gemütlich: der kleine Herr Maus wollte sich nämlich – wie die grosse Schwester es schon getan hat – eine Mundmaske nähen. (Dabei brauchen die Kinder sowas am wenigsten. Sie kommen wirklich überhaupt nicht unter andere Leute. Gestern waren sie im Nachbargarten auf dem Trampolin. Aber nicht die gesamte Nachbarskinderschar gemeinsam, wie in anderen Jahren, sondern nur geschwisterweise. Sie hatten das vorher untereinander beredet und zogen das dann genau so durch. Sagte ich schon, dass ich die alle toll finde?!) Das Fräulein Maus musste dem kleinen Herrn Maus beim Nähen ab und zu helfen – allerdings mehr beim Umsetzen der Anleitung als bei der Bedienung der Nähmaschine, denn das kann er ja – und ich half ihr dazwischen bei den Chemiehausaufgaben.

Morgen muss ich mich dann aber wirklich ernsthaft an das Fotobuch für den grossen Herrn Maus setzen!


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Coronaklausur, Tag 20

Finnland hat 2176 bestätigte Coronafälle.

Heute früh wachte ich kurz nach fünf auf. Auf unserem Dachfirst flötete eine Amsel aus voller Kehle ins Morgenblau. Ich wälzte mich ein bisschen hin und her, hörte ihr zu und freute mich, dass das 5:25-Uhr-Propellerflugzeug nach Riga ihren Gesang heute nicht stören würde, dann war ich wieder eingeschlafen. Dank Fernunterricht können wir jetzt früh immer eine Stunde länger schlafen; der Ähämann, der sonst schon um 5:40 Uhr aufstehen muss, um zum Bahnhof zu radeln, sogar zwei.

Ich glaube, ich habe noch gar nicht gesagt, wie glücklich ich darüber bin, dass wir alle die ganze Zeit zusammen sind gerade. Ich weiss natürlich, dass wir in einer sehr privilegierten Lage sind, weil meine Arbeit nicht sehr zeitaufwändig ist zur Zeit, unsere Kinder schon vergleichsweise gross und selbstständig sind und wir uns nicht um den Unterricht der Kinder kümmern müssen. Aber ich geniesse es gerade wirklich sehr, dass wir jeden Morgen alle fünf zusammen frühstücken, jeden Tag gemeinsam Mittagessen, jeden Abend gemeinsam „Maus“ gucken, mit Büffchen auf dem Sofa als Abendbrot. Und heute gab es Kaffee auf der Terrasse, als die Herren Maus Schulschluss und der Ähämann und das Fräulein Maus eine kurze Pause hatten.

Danach sprang der kleine Herr Maus von der Terrasse auf den Spielplatz, wo schon ein Nachbarskind, das noch nicht in die Schule geht, wartete, und ich blieb in der Sonne sitzen und sah den Hummeln bei ihrem Torkelflug von Krokus zu Krokus zu.

Im Hintergrund zwei Freunde beim social physical distancing im Sandkasten.

Dann hatte der kleine Herr Maus noch Sportunterricht und Schwimmtraining. (Montags kann er das verbinden.) Für beides sollte er eine Stunde gehen oder laufen, für den Sportunterricht unterwegs Fotos machen und hinterher seine Route und die Orte, an denen er Fotos gemacht hatte, in eine digitale Karte eintragen, fürs Schwimmtraining musste er anschliessend noch eine Viertelstunde Dehnungsübungen machen.

Wir spazierten auf die andere Flussseite, am Fluss entlang, zu Finnlands ältestem Kirchplatz und wieder zurück nach Hause.

Was für ein Glück, in der Stadt zu wohnen und hinter der Haustür gleich auf dem Lande zu sein!

***

Presseschau.

Die New York Times berichtet über Finnlands Notlager. Es ist nicht nur eins, sondern viele, an geheimgehaltenen Orten. Und auch was genau und in welchen Mengen sich darin befindet, ist Staatsgeheimnis – aber ausser medizinischer Ausrüstung, die jetzt aus dem Notlager geholt wird, finden sich darin grosse Mengen Brennstoff, Rüstungsbedarf, Saatgut sowie zum Beispiel Brotmehl für den Bedarf eines halben Jahres.

Lahtis Sinfonieorchester spielt die Finlandia. Alle 62 Musiker*innen sind dafür zu Hause geblieben.

• Ein finnischer Coronatoter ist offensichtlich wiederauferstanden. Dabei ist noch gar nicht Ostern!

Coronasituation in Finnland: Gesamtzahl der bestätigten Coronaansteckungen, Anzahl der Coronapatienten, die im Krankenhaus behandelt werden bzw.  die in intensivmedizinischer Betreuung sind sowie die Gesamtzahl der Todesfälle. Dahinter jeweils der Unterschied zum Vortag.


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Coronaklausur, Tag 19

Finnland hat 1927 bestätigte Coronafälle.

Palmsonntag.

„Virvon, varvon…“ fiel dieses Jahr aus Gründen aus. Das war besonders schade, denn die Kinder wollten dieses Jahr eine sehr kleine, noch nicht ganz zweijährige Hexe, die wir schon viel zu lange nicht mehr gesehen haben, in diesen finnischen Osterbrauch einführen.

Ich hatte kurz überlegt, eine Vase für Zweige und eine Schüssel mit Schokoladeneiern vor die Tür zu stellen, falls trotz allem Hexen kämen, aber wenn in Finnland Regierung und Kirchen sagen: „Dieses Jahr bitte nicht von Haustür zu Haustür ziehen!“, dann zieht auch wirklich niemand von Haustür zu Haustür.

Wir suchten also auch wieder ein einsames Fleckchen Natur auf. Apropos einsam: ich habe das Gefühl, der In-den-Wald-renn-Boom hat schon wieder nachgelassen.

Allerdings war das heute zugegebenermassen nicht der malerischste Wanderweg.

Ich war dort bisher überhaupt erst ein Mal, und zwar mit dem Tretschlitten auf dem See, um den der Wanderweg führt, denn dort gibt es jeden Winter immer wenn es kalt genug ist, eine 2 km lange Eisbahn, und die ist auf jeden Fall immer schon eher befahrbar als die Eisbahn auf dem Meer.

An der einen Seite des Sees führt eine stark befahrene Strasse vorbei, und auf der anderen Seite steht ein Kraftwerk. Dazwischen aber ist es schön. Und neuerdings darf man wegen des Kraftwerks nicht mehr ganz um den See herumlaufen, stattdessen gibt es jetzt eine 120 m lange Pontonbrücke quer über den See, die ist sehr toll.

Die Landschaft ist noch aprilgrau. Aber die Sonne…!!! Und die Knospen stehen schon hufescharrend in den Startlöchern.

Was für ein Glück, der Frühling! Dieses Jahr ganz besonders.


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Coronaklausur, Tag 18

Finnland hat 1882 bestätigte Coronafälle.

Ob COVID-19 von Menschen auf Mumins übertragen werden kann, ist noch unklar. Aber derzeit machen die Mumins ja noch Winterschlaf und sind deshalb ungefährdet.

Winter ist ohnehin die einzige Jahreszeit, zu der ich bereit bin, diese Insel zu betreten. Wir fahren sowieso schon nur zwischen September und Mai nach Naantali, und in der Muminwelt waren wir noch nie, auch nicht, als die Kinder noch klein waren. Obwohl – oder gerade weil – ich die Mumins so liebe. Aber mit der Poesie der Muminbücher hat dieser überteuerte Vergnügungspark leider überhaupt nichts zu tun.

Warum die Mumininsel in manchen Wintern verriegelt und verrammelt ist und in anderen die Tore sperrangelweit aufstehen, hat sich uns leider in den 16 Jahren, in denen wir heute erst zum dritten Mal dort waren, noch nicht erschlossen. Ich hörte letzte Woche über drei Ecken von einer Bekannten, dass man zurzeit hinkann, und überraschenderweise waren trotz Wochenende so wenige Leute – wir begegneten vielleicht noch fünf anderen Familien – dort, dass wir dort genauso bedenkenlos herumspazieren konnten wie im Wald.

Man muss nicht zwingend etwas Gelbes anhaben, um die Insel betreten zu dürfen. ;-)

Erst hamstern und dann gedankenlos in die Gegend schmeissen. Menschen, ey!!!


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Coronaklausur, Tag 17

Finnland hat 1615 bestätigte Coronafälle.

Der grosse Herr Maus hatte heute früh als erstes wirklich einen Mathetest, online. Der Ähämann zog für seine tägliche 9-Uhr-Videokonferenz mit den Kollegen extra ins Wohnzimmer, damit der grosse Herr Maus sich besser konzentrieren kann. War aber halb so wild, denn nach einer halben Stunde war der grosse Herr Maus schon fertig mit dem für zwei Stunden (!) angesetzten Test. „Und wie wird das kontrolliert, dass du dir dabei nicht helfen lässt? Oder einen Taschenrechner benutzt oder sowas?“, fragte ich ihn. „Sie vertraut uns, hat unsere Lehrerin gesagt“.

Ich hatte heute meinen wöchentlichen Leider-muss-ich-doch-mal-unter-Leute-Tag.

Zuerst Arbeit. Den Hortkindern vorlesen neuen Vorlesestoff aufnehmen.

Dann den Einkauf für die nächsten mindestens sieben Tage erledigen. Lidl war eine gute Entscheidung. Der ist bei Finnen eher verpönt und war dementsprechend leer an Menschen und voll an Waren. Ausserdem gingen sich fast alle höflich aus dem Weg, Kinder und Partner blieben im Auto, und der Sicherheitsabstand wurde auch hinter der Kasse noch eingehalten. Das war letzte Woche im Prisma leider komplett anders.

Ja, es schneit.

Zu Hause war miese Stimmung. Die Herren Maus hatten akuten Lagerkoller. Der grosse Herr Maus wütete, weil wir ihm untersagten, seine Freunde rauszuholen und versicherte uns, er würde es ganz sicher keine sechs Wochen mehr nur mit seinen Geschwistern aushalten. Der kleine Herr Maus weigerte sich, fürs Training den Schlafanzug auszuziehen und schloss sich dann wütend im Bad ein, weil der Ähämann schon mal alles fürs Ferntraining vorbereitete und der kleine Herr Maus befüchtete, seine Mannschaftskameraden hätten ihn jetzt doch im Schlafanzug gesehen. Später nahm er doch noch teil – in Sportklamotten – und hatte hinterher ausreichend gute Laune, um sich an seine Deutschhausaufgabe, die er gestern verweigert hatte, zu setzen. Die gute Laune hielt allerdings nur fünf Minuten an, bis ihm das Schreiben – er übt jetzt Schreibschrift, die hier ja nicht mehr gelehrt wird, und fand die Deutschhausaufgaben eine gute Gelegenheit, sie anzuwenden – zu mühselig wurde, woraufhin Heft, Stift und seine gesamte Elefantenfamilie quer durch die Wohnung flogen.

Das Fräulein Maus räumt und putzt derweil zum Zeitvertreib, und langsam frage ich mich, ob wir uns Sorgen machen müssen, wenn sie, weil sich in ihrem Zimmer kein Staubkörnchen mehr findet, anfängt, die Leihharfe von zwanzig Jahre lang angesammeltem Staub in irgendwelchen unzugänglichen Ritzen zu befreien.

Es ist für alle schwer.


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Coronaklausur, Tag 16

Finnland hat 1518 bestätigte Coronafälle.

Heute wären wir zeitig aufgestanden und hätten den gar nicht mehr so kleinen Herrn Maus zur „Amorella“ gebracht. Dann hätte er uns entschieden weggeschickt, vielleicht nochmal kurz gewinkt, und wäre mit seiner Schwimmmannschaft an Bord gegangen. Zwei Tage Trainingslager auf Åland, anschliessend zwei Tage Wettkampf. Er hatte sich lange darauf gefreut.

Stattdessen hat er ab dieser Woche Training im Kinderzimmer. Dreimal die Woche per Videoschaltung. (Vielleicht müssen wir ihm im Garten bald sowas aufbauen.)

Stattdessen war es ein Tag wie immer in diesen Tagen: vormittags Schule, nachmittags Auslüften. Heute war die Abmachung: der kleine Herr Maus fährt vor, ich folge ihm. Und er hatte auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wo er hinwollte. Ein Hoch auf unser Radwegenetz! Am Ende zeigte der Kilometerzähler 20 km.

Ausserdem war heute Die-Kinder-kochen-das-Essen-Tag. Mittags buk uns der kleine Herr Maus einen Berg Eierkuchen, und als wir beide von der Radtour zurückkamen, empfing uns das Fräulein Maus – Hauswirtschaftsaufgabe für diese Woche: eine Suppe kochen – mit Kartoffel-Käse-Suppe nach finnischem Rezept.

Es könnte schlimmer sein.


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Coronaklausur, Tag 15

Finnland hat 1446 bestätigte Coronafälle.

Der Morgen begann mit dem besten – finnlandweiten! – Aprilscherz ever.

In der von seiner Klassenlehrerin geschickten Übersicht mit den Tagesaufgaben für den kleinen Herrn Maus stand heute: „Ich werde euch heute reihum zu Hause aufsuchen und mit euch einen Mathetest machen. Thema ist schriftliches Subtrahieren. Der Test ist wichtig, denn die Testergebnisse werden in eure Zeugnisse eingehen. Guckt im SeeSaw, wann euer Test stattfinden wird.“ Und im SeeSaw stand dann: „Zeitplan für den Mathetest: April, April! Und jetzt ab an eure Aufgaben!“

Grosse, grosse Liebe für Schule in diesen Zeiten. ♥