Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Zeitumstellungsverwirrung

Na? Heute jemand irgendwohin eine Stunde zu spät gekommen?!

Ich nicht. Ich war heute wegen der Zeitumstellung – und das muss man ja überhaupt erstmal fertigbringen! – eine Stunde zu früh mit dem kleinen Herrn Maus vor der Fussballhalle.

(Fragt nicht…)

Gestern Abend hatte ich ein bisschen gestöhnt, weil der kleine Herr Maus schon wieder sonntagfrüh ein Fussballspiel hat. Dann aber rechneten wir aus, dass wir immerhin bis um acht schlafen könnten – das ist anderthalb Stunden länger als in der Woche und besser als gar nichts.

Bis mir die Zeitumstellung einfiel und mir aufging, dass um acht ja dann quasi um sieben wäre und wir doch sehr zeitig aufstehen müssten. Und irgendwie blieb in meinem Kopf nur das „um sieben“ hängen, und ich stellte den Wecker folgerichtig auf… um sieben.

Erst als wir vor der stockfinsteren Fussballhalle standen, wurde mir mein Fehler bewusst.

Aber noch während der kleine Herr Maus und ich berieten, was wir denn nun machen sollten – nochmal nach Hause fahren lohnte eigentlich nicht, allerdings kann man sonntagsfrüh um acht hierzulande ja noch nichtmal in irgendein Café gehen – ging die Tür auf, der Hallenwart kam raus und fragte, ob wir zum Turnier kämen. „Eigentlich ja…“, begann ich ihm meinen Irrtum zu erklären. „Kommt ruhig rein!“, winkte uns der Hallenwart hinter sich her, schloss uns einen Umkleideraum auf und schaltete – „Damit du schon mal ein bisschen kicken kannst!“, sagte er zum kleinen Herrn Maus – die Flutlichter in der finsteren, riesigen Halle, in der sonst immer mindestens 100 Menschen gleichzeitig durcheinanderwuseln, an.

Das war dann schon sehr cool. Und alles gar nicht mehr so schlimm.


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Eis statt Schnee

Kindergeburtstag im März ist in Finnland eher doof.

Während man im Mai prima im Garten feiern und im November spannende Sachen im Finstern machen kann, liegt im März üblicherweise noch Schnee. Allerdings kein schöner Schnee, mit dem man was anfangen könnte, sondern eher so graue Matschepampe.

Dieses Jahr wollte ich mit dem Fräulein Maus und den eingeladenen jungen Damen ins Eiscafé gehen. Also… Eiscafé… ist ja eher eine Übertreibung. Die Finnen sind zwar Weltmeister im Eisessen, allerdings gibt es überall nur überteuerte Kugeln. Allerhöchstens mit ein paar Streuseln drauf; kostet dann das Doppelte. Deshalb war ich gar nicht so enttäuscht, als ich eine Woche vor Einladungschreiben feststellen musste, dass das ins Auge gefasste Eiscafé inzwischen schon wieder pleite ist.

Wir können das selbst ja eigentlich viel besser!

Nachem jede der jungen Damen zwei Eisbecher verspeist hatte, rannten sie auf den Spielplatz und entledigten sich nach und nach ihrer Mützen, Schals und dicken Jacken. Der Ähämann und ich schmissen Reste zusammen und verspeisten sie auf der Terrasse.

Gibt eben solchen und solchen März in Finnland.


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Nägel mit Köpfen, Teil 2

„Warum hängen denn da schon wieder die ganzen Fotos, Mama?“, fragt der grosse Herr Maus heute im Auto. „Sind schon wieder Wahlen?“

„Jaaaha! Kuntavaalit!“, leiert das Fräulein Maus genervt eine Antwort, denn ihr ist am Dienstag schon das Gleiche aufgefallen und wir haben ausführlich darüber gesprochen. Auch darüber, dass wir auch als Ausländer bei den Kommunalwahlen wählen dürfen.

„Hast du dich schon entschieden, wen du wählst?“, fragt sie jetzt. „Nee, noch nicht,“ gebe ich zu, „aber ich muss jetzt wirklich mal anfangen, Kandidaten zu vergleichen!“

„Kinder dürfen doch nicht wählen, oder?“, fragt das Fräulein Maus weiter. Ich verneine. „Dann möchte ich, dass du jemanden wählst, der sich für die Umwelt einsetzt. Und für Flüchtlinge“, teilt sie mir mit.

„Ja, genau, das will ich auch!“, meldet sich der grosse Herr Maus von der anderen Seite der Rückbank zu Wort. „Für den Umweltschutz. Und dass die Flüchtlinge hierherkommen dürfen.“

Ich verspreche, so jemanden auszusuchen.

Damit wir auch bei den übernächsten Wahlen – nächstes Jahr wird der Präsident gewählt, übernächstes das Parlament – unsere Stimme abgeben dürfen, fahren wir jetzt aber erstmal – den Ähämann sammeln wir unterwegs ein – in den Nachbarort zur Einwanderungsbehörde.

Der erste Teil der Beantragung der finnischen Staatsbürgerschaft war ja denkbar einfach. Online-Antrag ausfüllen, online die erforderliche Gebühr überweisen, fertig.

Hinterher aber muss man sich noch persönlich ausweisen und die dem Online-Antrag beigefügten Dokumente – Sprachzertifikat und letzter Arbeitsvertrag, bei Kindern als Mitantragsteller noch die Einverständniserklärung des jeweils anderen Elternteils – im Original vorlegen. FrüherBis letztes Jahr machte man das noch einfach bei nächster Gelegenheit auf der nächsten Polizeidienststelle, neuerdings muss man dafür eine der landesweit neun Zweigstellen der Einwanderungsbehörde aufsuchen. (Unsere befindet sich glücklicherweise direkt am Stadtrand im Nachbarort, aber andere Leute müssen dafür neuerdings auch mal ein-, zweihundert Kilometer fahren.) Der nächste freie Termin dort – ebenfalls online gleich mit dem Antrag reservierbar – fand sich erst zwei Monate nach Antragstellung. Also heute.

Wir müssen – wie das hier so üblich ist – keine fünf Minuten warten, dafür müssen wir uns dann die nächste Dreiviertelstunde zu fünft in ein 1×2 Meter grosses Kabuff mit nur zwei Stühlen quetschen. (Gut, dass man bei der Terminreservierung angeben muss, wie viele Personen kommen…!) Die Herren Maus – der grosse Herr Maus auf dem Fussboden, der kleine Herr Maus auf dem Schoss der grossen Schwester – lesen brav die ganze Zeit in ihren mitgebrachten Büchern, das Fräulein Maus guckt interessiert zu und kommt dem in regelmässigen Abständen vom kleinen Herrn Maus geflüsterten Befehl „Kraul mich!“ nach. Und immerhin dauert das Ganze nur eine Dreiviertelstunde statt der für uns fünf veranschlagten anderthalb Stunden. Die Sachbearbeiterin studiert minutenlang jeweils einen Abschnitt unseres Antrags, stellt dann – vermutlich nach dem Zufallsprinzip – ab und zu mal eine Nachfrage: „Charlotte Monika ist deine Mutter?“, fragt sie mich, und: „Dein Vater ist auch Deutscher?“, fragt sie den Ähämann, dann guckt sie kurz über die drei benötigten Dokumente und ein bisschen länger in die Pässe und entlässt uns mit den Worten: „Das war’s. Der Bescheid kommt dann in ungefähr einem Jahr.“

Mal sehen, ob das noch was wird mit der finnischen Staatsbürgerschaft im Jubiläumsjahr…


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kaksisataakuusikymmentäyksi

Als ich vorhin im Schneetreiben (ja, richtig gelesen) mit dem kleinen Herrn Maus schnell ins Einkaufszentrum fuhr, um noch drei Geschenke für einen Kindergeburtstag am Freitag zu besorgen, waren wir beide recht froh, dass es dort eine Tiefgarage gibt und wir uns nicht dicke, nasse Schneeflocken in den Nacken wehen lassen mussten. (Aus der Tiefgarage kam uns, genau in dem Augenblick, als wir hineinfuhren, eine 261 entgegen.)

Jetzt allerdings steht der kleine Herr Maus schon seit einer Stunde im Schneeregen im Hof und guckt den echten Akselis dabei zu, wie sie den Splitt wegmachen.

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Das Fräulein Maus, an einem Sonntag geboren, hatte heute zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Sonntag Geburtstag.

Genützt hat es ihr nicht viel. Der Wecker klingelte kurz vor sechs, weil der erste Wettkampf der Saison in der benachbarten 50 km entfernten Kleinstadt anstand. Immerhin: fast volle Punktzahl, unter den ersten Dreien, Ehrenurkunde für einen nahezu perfekten Auftritt – alle sprangen vor Freude im Dreieck.

Und Geschenke gab es dann eben am Nachmittag.


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kaksisataakuusikymmentä

An einem sonnigen Märztag vor 17 Jahren nahm mich meine finnische Gastmutter zum ersten Mal mit in ihr Sommerhaus. Wir hielten uns nicht lange da auf, sondern gingen an der Sauna vorbei direkt auf den See. Auf dem See hockten Eisangler, zogen Skifahrer ihre Spuren, Kinder wurden im Schlitten gezogen, ab und zu knatterte ein Schneemobil vorbei. Wir liefen und liefen, und immer neue Ausblicke auf sich bis zum Horizont aus der weissen Schneefläche erhebende Inseln und Inselchen taten sich auf. Die Sonne knallte von einem tiefblauen Himmel auf den weissen See, und es war einer dieser Tage, an dem ich begriff, warum die finnische Fahne blau-weiss ist.

Es war eines der schönsten Dinge, die ich je erlebt habe.

Wie gut, dass die liebste Freundin neuerdings fast genauso nahe am gleichen See wohnt!

(Und als wir über den See bis zu besagtem Sommerhaus gelaufen waren, kletterten wir wieder an Land, und da stand ein Pakettiauto mit der 260 im Kennzeichen.)

Finnischer März, hach!
(Und Mittelfinnland, hach! Hach!)

Glück und Herzhüpfen.
Ganz, ganz viel Glück und Herzhüpfen!

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