Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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An manchen Tagen, so wie gestern, bin ich froh, wenn ich heil wieder zuhause angekommen bin. An solchen Tagen, wo die Rechtsabbieger mit voller Geschwindigkeit – denn sie haben ja Grün! – über die Kreuzung rasen, Fussgänger den Radweg entlangeiern, sämtliche Radfahrer, die ich überholen will, genau dann nach links abdriften und ich im Tunnel vom Rad abspringen muss, weil der entgegenkommende Radfahrer nicht auf die Idee gekommen ist, ihm könnte jemand entgegenkommen und den kürzesten Weg durch die Kurve nimmt.

An manchen Tagen, so wie vorgestern, bin ich froh, wie schön das hier geht mit dem Radfahren. An solchen Tagen, wo sich Radfahrer und Fussgänger an der Kreuzung gegenseitig den Vortritt lassen wollen und es ein bisschen Geeiere gibt und dann alle lachen und sich gegenseitig bedanken, der Autofahrer, der über den Radweg weg ausparken will, nochmal zurückstösst, um mich durchzulassen, die Rechtsabbieger die Verkehrsregeln beherrschen, die Gruppe Oberschüler, die nebeneinander läuft und sich bis auf den Radweg ausgebreitet hat, schnell beiseite springt und sich auch noch entschuldigt und sich die Radfahrer freundlich zulächeln, wenn sie an der Baustelle ein bisschen umeinander herumkurven müssen.
An solchen Tagen kann ich dann auch ein bisschen herumgucken: Wie schön die Ahornbäume aussehen. Und dass der schwarze BMW, der mir entgegenkommt, eine 282 ist.

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Hofpausen

„Mama, ich finde es echt schön in der Schule! Aber eine Sache ist doof: die Pausen sind immer so kurz! Immer wenn wir gerade mitten im Spielen sind, müssen wir schon wieder rein…!“

Lieber kleinster Sohn, du jammerst auf sehr hohem Niveau, denke ich im Stillen.

Finnische Schulkinder haben die längsten Pausen der Welt, las ich neulich. Ich weiss nicht, ob das stimmt – aber unwahrscheinlich erscheint es mir nicht.

Nach jeder 45-minütigen Unterrichtsstunde gibt es 15 Minuten Pause, die nahezu ausnahmslos im Freien verbracht werden. Und zwar die gesamten 15 Minuten. Wenn der Unterricht 10 Uhr weitergeht, müssen die Kinder nicht 9:55 Uhr reingehen, damit sie 10 Uhr ausgezogen und bereit an ihrem Platz sitzen, sondern sie gehen 10 Uhr, wenn die Schulglocke klingelt, vom Hof zurück in ihre Klassen.

Die Mittagspause nennt sich „lange Pause“ und ist 30 Minuten lang. „Mittagspause“ wäre auch falsch, denn Mittag gegessen wird innerhalb der Unterrichtsstunde vorher. Die Zeit fürs Mittagessen geht also vom Unterricht ab, nicht von der Pause.

„Du hast wirklich keinen Grund, dich zu beklagen“, sage ich zum kleinen Herrn Maus. Und dann erzähle ich ihm ein bisschen was über die Pausen in meiner Schulzeit.


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WohnRullerpark

Gleich hinter unserem Wald entsteht ein neues Wohngebiet. Das heisst, es soll wohl ein Wohngebiet entstehen: die Strassen sind asphaltiert und mit Strassenschildern und Verkehrszeichen versehen, Bäume und Büsche sind gepflanzt, Bänke aufgestellt, Stromkästen und Strassenlaternen installiert – nur Häuser gibt es noch keine. Noch nicht einmal Baustellen. Auf den zukünftigen Baugrundstücken wuchern Kornblumen und Kamille in kniehohem Gras.

Der Asphalt ist da nicht ganz so schön glatt wie auf der Schlittschuhbahn oder im Verkehrspark und „Mit den Gullideckeln haben sie’s ein bisschen übertrieben!“ empörte sich der kleine Herr Maus, aber dafür ist man jederzeit in fünf Minuten hingelaufen und kann dann da wunderbare Runden fahren.

Also wegen uns braucht da keiner so schnell ein Haus zu bauen.

Die Strassenlaternen dort bleiben allerdings vorerst – die Umwelt dankt! – ausgeschaltet. Wenn man nicht mehr erkennen kann, wo sich die Gullideckel befinden, um die man tunlichst herumrullert, ist es sowieso höchste Zeit, den Heimweg anzutreten, wenn man für den Rückweg durch den Wald keine Stirnlampe dabeihat.


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Südfinnischer Herbst

Die Sonne geht seit dieser Woche wieder später auf als wir aufstehen müssen. Und als es neulich regnete, war ich kurz davor, beim Frühstück die künstliche Sonne einzuschalten, so finster war es. Gähn. Seufz.

Die Birken haben sich Strähnchen gefärbt. Ich finde das fast so schön wie die grünen Tüpfelchen, die sie sich im Frühling über die Zweige hängen. Die Ahornbäume haben ihren alljährlichen Wettbewerb gestartet, wer von ihnen zuerst von Kopf bis Fuss errötet ist und wer dabei die hübschesten Farbschattierungen aufweisen kann. Die Kiefern schütteln über soviel Unvernunft rauschend ihre Häupter. (Und ich habe übrigens seit Tagen einen Ohrwurm, weil der kleine Herr Maus mir in Endlosschleife das Lied von der Maus, die mit einer Kiefernnadel die Welt vermisst, vorträllert.)

Als ich gestern den Zweitklässlern, die allein von der Schule zum Hort laufen, die Tür öffnete, wurde mir als erstes eine Hand mit etwas grünem, stacheligem drauf entgegengestreckt. „Karen! Guck, was ich habe!“ „Oh, eine Kastanie!“, sage ich auf Deutsch. „Jaa!“, strahlt mich die E. an, und ich strahle zurück, weil ich mich freue, dass sie mich verstanden hat. Aber dann sieht die E. auf einmal ein bisschen bekümmert aus und erklärt auch gleich warum: „V. hat sie mir aus der Hand genommen, und jetzt ist sie kaputtgegangen!“ „Aber das muss doch so sein!“, erkläre ich – auf Finnisch, denn soweit reicht selbst das Vokabular der Zweitklässler noch nicht – „Das hier ist doch nur die Hülle! Die Kastanie ist doch innendrin!“ Zehn Augen verfolgen fasziniert, wie ich die Igelschale vorsichtig abpelle. Zum Vorschein kommt eine leider noch ganz kleine, weisse Kastanie, und ich erkläre weiter, dass Kastanien, wenn sie richtig reif sind, gross und rotbraun und ganz glatt sind und dass die Kinder in Deutschland die sammeln und dass man da schöne Sachen draus basteln kann. Zehn Augen starren mich an, als hätte ich ihnen gerade erzählt, dass ich auf dem Mars geboren wurde, aber der D. rettet meine Glaubwürdigkeit und sagt: „Das hab‘ ich bei meinem Opa in Deutschland auch schon gemacht.“


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kaksisataakahdeksankymmentä, kaksisataakahdeksankymmentäyksi

Letzte Woche ist der Herbst ausgebrochen. Die Schatten werden länger, die Nächte kälter, die Morgende feuchter und die Blätter tatsächlich schon bunter. Für die Finnen ist ja sowieso schon seit Schulbeginn offiziell Herbst, aber mich überrascht das jedes Mal wieder, wie schnell der Sommer dann tatsächlich zu Herbst wird. Trotzdem war ich jeden Tag zu warm angezogen. Nachmittags wird es nämlich noch richtig warm.

Letzte Woche waren wir alle zum ersten Mal nach den Sommerferien krank. Es husten auch alle Hortkinder, die Freunde unserer Kinder und die Kassiererin im Supermarkt. Die erste Läusewarnung ist auch eingetroffen. In Finnland halten sich auch Parasiten und Krankheitserreger an ihre Zeitpläne. (Im November haben dann alle Grippe, im März Magen-Darm und kurz vor Vappu nochmal eine langwierige Flunssa.)

Letzte Woche habe ich das Fräulein Maus zum Zahnarzt begleitet, und sie anschliessend mich. Eigentlich wollte ich, wenn ich schon mal da war, denn anrufen ist generell nicht so mein Ding, nur nachfragen, ob ich mir schon mal – die Studenten sind noch nicht aus den Semesterferien zurückgekehrt – einen Termin machen lassen könnte. Nachdem ich mehrmals gefragt wurde, ob ich mir ganz sicher sei, dass ich, denn es dauert ja auch alles viel länger, wirklich von einem Kandi behandelt werden möchte, ging dann alles ganz holterdipolter, denn ach, wir könnten eigentlich gleich mal schnell gucken, was da bei dir so gemacht werden muss, und wenn du noch zehn Minuten Zeit hast, dann können wir auch gleich röntgen. Ja, bitte, danke, gern geschehen, dein Kandi ruft dich dann in den nächsten Tagen an und macht mit dir eine Zeit aus, willkommen! (Ich bin wirklich sehr dankbar für die Ausbildungszahnklinik!)

Letzte Woche sind endlich unsere Briefwahlunterlagen angekommen. (Jena hat vermutlich überdurchschnittlich viele im Ausland lebende ehemalige Bürger.) Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden.

Letzte Woche spazierte eine Herde ausgebüchster Schafe über unseren Hof. In den Hundsrosen sahen wir eine Gelbhalsmaus turnen. Die Nachbarin warnte uns vor der Kreuzotter, die sie direkt neben dem Spielplatz gesehen hatte. Wir standen mit angehaltenem Atem hinterm Schlafzimmerfenster, als Freund Fuchs kurz seine Beute – eine gewaltige Schermaus! – unterm Vogelbeerbaum ablegte, um kräftig zu gähnen und ein wenig zu verschnaufen, bevor er gemächlich die Strasse entlang davonschnürte. Auf unserem Zaun sammelt eine Ringeltaube Kräfte für den langen Flug über die Ostsee. (So ist das, wenn man zehn Meter vom Wald wohnt.)

Letzte Woche habe ich mir auf Arbeit eine Blase in den Mittelfinger gespitzt. Die fünf kleinen Mädchen, die sich spontan zu mir gesetzt, geholfen und am Ende noch die zweihundertdreizehn Stifte farblich sortiert hatten, präsentierten mir am nächsten Tag ebenfalls Blasen an ihren Fingern. (Weia. Aber wir hatten grossen Spass.)

Letzte Woche habe ich am gleichen Tag die 280 gesehen – mittags vor der Schule, aus der ich die Erstklässler in den Hort abholte – und die 281 – abends vor der Musikschule, als ich die Herren Maus zu ihrer Klavierstunde brachte.

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Mein hübschestes Geburtstagsgeschenk

Mittwochvormittag gingen wir – natürlich in passender Kleidung! – zur Polizei zwecks Unterschriftenprobe und Fingerabdrucknahme für unsere finnischen Pässe.

Donnerstagvormittag piepten unsere Telefone und teilten uns mit, wir könnten fünf Sendungen  vom nächstgelegenen R-Kioski – einem kleinen (fast) 24/7-Laden – abholen. Unsere Pässe?! Nach einem Tag?!

Sie waren es tatsächlich.

Ich war fast ein bisschen traurig, als ich erfuhr, dass es zum Jubiläumsjahr neue Pässe geben wird – ich hatte mich doch so auf das Elch-Daumenkino gefreut…! Aber die neuen Pässe sind ja noch viel hübscher, als ich erwartet hatte: auf der ersten Seite ist ein Gedicht von Eino Leino und auf jeder Seite ist ein anderes Foto von einer finnischen Landschaft und auf der Plasteseite mit den Daten sind Schneekristalle eingeprägt und statt dem laufenden Elch gibt es jetzt unten in der Ecke einen fliegenden Schwan als Daumenkino.

(Da kann man jetzt ja mal den weinroten Bundesadler auf armeegrünem Grund danebenlegen…)


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Urfeuernacht 2017

Jeden letzten Samstag im August werden hier entlang der Küste grosse Feuer entzündet – zur Erinnerung daran, dass solche Feuer früher als Seezeichen und Warnsignale dienten – um den Sommer zu verabschieden.

Das schönste Feuer der Schärenregion fand dieses Jahr leider nicht statt. Und so wählten wir das nächstgelegene und fuhren im Abendsonnenschein mit den Fahrrädern hin.

Das Feuer war zwar ein Spiritusfeuer im Fass, aber trotzdem ganz hübsch anzusehen, auf dem Fluss zogen beleuchtete Boote vorbei, es gab Musik und Feuerakrobatikvorführungen.

Und als wir halb elf wieder heimradelten, war es stockdunkel.

Von jetzt an wieder: Die Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Regelmässig Vitamin D einnehmen. Mützen, Handschuhe und Reflektoren herauskramen.

Tschüss, Sommer!