Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


2 Kommentare

Dienstag

Das Fräulein Maus ist zu krank, um heute in die Schule zu gehen. Wilma allerdings schläft heute noch. Egal. Die Krankmeldung kann man schliesslich auch per SMS schicken. Solange ich keine handgeschriebenen Zettel in der Schule abliefern muss…

Der ebenfalls kränkliche Ähämann bleibt mit dem Fräulein Maus zu Hause, muss aber nachmittags zu einem Meeting, und so fahre ich mittags schon wieder heim. Ich habe mich immer noch lange nicht sattgesehen an bunten Bäumen.

Ab und zu mit einem kranken Kind zu Hause zu sein tut ja auch dem Haushalt gut. Erste Amtshandlung zu Hause: Hannelore mit Arbeit beauftragen. Und weil es immer noch so schön warm und sonnig ist, dürfen die frisch gewaschenen Handtücher zwei Stunden später auch nochmal ein – vielleicht letztes für dieses Jahr – Frischluft- und Sonnenbad nehmen und sich vom Wind weichschaukeln lassen.

Der grosse Herr Maus kommt aus dem Hort, ich schwinge mich nochmal aufs Rad und hole den kleinen Herrn Maus aus dem Kindergarten. Dann fahre ich das Fräulein Maus zur Harfenstunde ans andere Ende der Stadt. Man braucht da eine Parkuhr, und heute habe ich endlich dran gedacht, die Parkuhr, die mir die liebste Freundin zum Geburtstag geschenkt hat, mit ins Auto zu nehmen. Neuerdings müssen in Finnland Parkuhren nicht mehr der Norm entsprechen, nur eindeutig sein. „Da bekommt der Polizist bestimmt gleich gute Laune, wenn er die sieht!“, sagt das Fräulein Maus. Denke ich auch.

Der kleine Herr Maus wollte übrigens mitkommen. Eigentlich wollte ich ja an seinem Fotobuch weiterarbeiten, aber angesichts der Wetteraussichten für morgen – Dauerregen den ganzen Nachmittag – ist es vielleicht sowieso besser, sich noch ein bisschen Sonne auf die Nase scheinen zu lassen. Der kleine Herr Maus möchte gern zur Blume, aber so weit kommen wir gar nicht, denn neben dem Konservatorium steht eine Kastanie. Offensichtlich auch an einer günstigen Stelle, denn anders als an den zwei oder drei anderen Kastanienbäumen, die wir bisher in Finnland entdeckt haben, werden ihre Früchte nicht nur überhaupt vor dem ersten Frost reif, sondern sogar richtig gross. Wir beide sammeln begeistert, wie immer unter den skeptischen Blicken vorbeikommender finnischer Eltern und Grosseltern: „Die kann man doch nicht essen, oder? Warum sammelt ihr die?!“ „Weil es Spass macht!“ „Äh… okay…“ 98 Stück; der kleine Herr Maus hat später nochmal nachgezählt.

Zwischen Abendbrot und Schlafengehen, als es endlich dunkel geworden ist, müssen wir nochmal schnell in den Garten huschen, weil die Kinder ihre Fackeln, an denen sie seit Tagen gebastelt haben, endlich testen wollen. Sie funktionieren prima.


Hinterlasse einen Kommentar

Montag

Eigentlich hatten wir das ja vor zwei Jahren schon mal, aber irgendjemand hat das Stöckchen jetzt wieder ausgegraben. Mich hat’s auch getroffen, und weil man ja nicht unhöflich sein will und für sowieso und überhaupt mehr Realität und Alltag im Internet jetzt also mal wieder eine Woche lang Alltagsfotos.

Montag also.

Überraschung am Morgen: Nebel. Richtig dicker Nebel, der sich in grossen Tropfen überall ansetzt. Halb dunkel ist es leider auch noch, als wir aufstehen müssen.

Der Ähämann hat um acht eine Vorlesung zu halten, das Fräulein Maus muss um acht in der Schule sein, der kleine Herr Maus halb neun in der Vorschule, nur der grosse Herr Maus hat heute erst um zehn, und zwar in der grossen Schule. Weil er nicht so gern alleine losgehen will und der Ähämann heute nicht wie sonst auf ihn warten kann, bringe ich erst den kleinen Herrn Maus in den Kindergarten, komme dann nochmal heim und gehe erst später mit dem grossen Herrn Maus gemeinsam los und begleite ihn bis zur Bushaltestelle. Dann fahren wir, uns wild zuwinkend, fünf Haltestellen um die Wette. Ich gewinne. Immer.

Um die Zeit ist natürlich mein Lieblingsfahrradparkplatz auf Arbeit schon belegt. Zum Glück nur halb, ich kann mein geflügeltes Ross dazuquetschen. Es ist nämlich so, dass die Parkplatzsituation für Fahrräder an der Uni fast so schlimm ist wie für Autos. Fahrradständer gibt es so gut wie nicht. Die meisten reihen einfach brav ihre Räder in langen Reihen auf. Es braucht dann aber nur mal ein kräftigerer Windstoss zu kommen oder jemand aus Versehen eins der Räder zu streifen, schon kann man lustiges Fahrraddomino beobachten. Dazu ist mir mein Fahrrad zu lieb und teuer.

Dann noch ein kurzer Umweg auf dem Unigelände. Seit Jahren möchte ich gern einmal die Herbstfärbung der Ahornbäume hier in einer Fotoreihe dokumentieren. Herbst für Herbst hat allerdings die Entscheidung für einen Baum mit passendem Bildausschnitt und passendem Lichteinfall jeweils so lange gedauert, bis die Verfärbung schon in vollem Gange war. Dieses Jahr habe ich sehr zeitig angefangen – und dann eine Woche lang grüne Bäume fotogafiert, während alle Bäume ringsum schon wunderbare rote und orange Flecken hatten. Überhaupt scheine ich mit der Auswahl meiner Bäume – wohlweislich habe ich mir gleich mehrere Fotoobjekte ausgewählt – auch diesen Herbst wieder kein glückliches Händchen gehabt zu haben. Es gibt nämlich durchaus individuelle Unterschiede: während sich manche Ahornbäume zwei Wochen lang wie ein rot-orange-gelb leuchtendes Chamäleon gebärden, werfen andere ihre Blätter innerhalb kürzester Zeit ohne weiteres Farbspektakel ab. Man ahnt es: meine ausgewählten Bäume geben sich eher blass, während ringsrum der Herbst voll den Farbkasten ausgepackt hat.

Dann aber. Bisschen arbeiten. Und Mittagessen. Auf dem Weg dahin noch schnell aufs Klo im Erdgeschoss, das Studentenklo. Ich bin immer wieder fasziniert, mit welcher Akribie die winzigen Fliessenquadrate in noch winzigerer Schrift beschriftet werden. Einmal im Jahr oder so wird das alles abgewischt; es dauert aber nicht lange, bis das Minigekritzel wieder da ist. Immerhin kann ich es noch ohne Lesebrille entziffern, yeah!

Nachmittags kommt die Sonne raus. Auf dem Heimweg muss ich die ganzen dicken Klamotten, die ich früh gebraucht habe, in den Rucksack stopfen. Auch der Rucksack des kleinen Herrn Maus platzt auf dem Heimweg vom Kindergarten fast aus allen Nähten. Der kleine Herr Maus vespert ein Honigbrötchen auf der Terrasse, bevor er zu den Nachbarskindern auf den Spielplatz rast. Das Fräulein Maus ist das neueste Opfer der Familienflunssa geworden, mit der wir seit Wochen Ringelpiez spielen, und liegt matt auf dem Sofa. Den grossen Herrn Maus fahre ich zu den Pfadfindern. Um die Stunde zu nutzen und nicht sinnlos hin und her fahren zu müssen, werkele ich am diesjährigen Fotobuch zum Geburtstag des kleinen Herrn Maus. Und es ist tatsächlich noch warm genug, um dabei draussen auf einer Bank im Abendsonnenschein zu sitzen. Und die bunten Bäume anzuschmachten.

Als wir heimfahren, geht gerade die Sonne unter. Die Bäume leuchten noch einmal mit ihr um die Wette.


2 Kommentare

kaksisataaneljäkymmentäkaksi

Ich hätte ja nicht gedacht, dass es mit der 242 so schwierig werden würde.

Genaugenommen hätte das mit der 242 ruckzuck gehen sollen, denn schliesslich wird eine Turnkollegin des Fräulein Maus immer mit einer 242 zum Training gebracht, und wir sehen uns immerhin viermal dreimal die Woche. (Einen Tag in der Woche kann das Fräulein Maus dieses Schuljahr – Gott sei’s getrommelt und gepfiffen! – direkt von der Schule aus mit dem Bus zum Training und zurück fahren.)

Bevor ich aber soweit war, hatten die Eltern der Turnkollegin sich ein neues Auto gekauft. (Und bis ich soweit bin, dass ich das neue Kennzeichen gebrauchen kann, haben die Mädchen vielleicht allesamt die Gymnastikanzüge an den Nagel gehängt…)

Gestern aber. Sonntags sind ja bei uns neuerdings keine grösseren Ausflüge mehr drin, weil das Fräulein Maus genau über Mittag Training hat und ausserdem nach zweieinhalb Stunden Training nicht mehr zu längeren Wanderungen zu motivieren ist. Irgendwann in den letzten Wochen war aber unter den Kindern der Ruf nach dem Citymoor laut geworden, und das passte prima, weil wir das Fräulein Maus vom Training abholen, bei IKEA ein paar dringend benötigte Aufbewahrungsdosen nachkaufen sowie ein Mittagessen einnehmen und uns direkt danach ins sonnige Citymoor für eine winzige, gar nicht anstrengende Wanderrunde begeben konnten.

Und eine 242 sah ich endlich auch.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206], 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230], 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241]


2 Kommentare

Traditionen weitergeben

Als ich klein war, gehörten in unserer Familie zwei Dinge unbedingt zum Herbst: Drachensteigen und Laubflössen.

Drachensteigen ist hier leider schwierig. Es gibt einfach zu viel Wald. Und zu viele Stromleitungen.

Laubflössen ist leider auch eher schwierig. Im Idealfall hat man dafür nämlich einen schmalen Flossgraben mit passabler Strömung und mitteleuropäischen Laubbäumen am Ufer – wir gingen immer an den Grünen Graben – und kann dann alle am Ufer, an Steinen und an in den Graben gefallenen Ästen festhängenden Laubbatzen – je grösser die Laubansammlungen, desto mehr Spass! – losstochern und in die Strömung befördern, mit der sie lustig davonschaukeln.

Wir haben dann heute endlich mal den stadtteileigenen Bach auf seine Eignung zum Laubflössen getestet.

Strömung und Blattmaterial waren ein bisschen dürftig.
Aber es war besser als nichts.


3 Kommentare

Spielen (ernsthaft) und Spielen (zum Vergnügen)

Fussballspielen in der Knirpsliga* ist mit wenig Glamour behaftet.

Man spielt nämlich vorwiegend auf Sandplätzen.

Und es ist jedes Mal das Gleiche: sie spielen mit vollem Einsatz, die Sechs- und Gerade-noch-Fünfjährigen, rasen dem Ball hinterher, werden ausgewechselt, lassen sich erschöpft am Spielfeldrand fallen… und fangen sofort an, im Sand Dreck zu wühlen. Ihn sich durch die Finger rieseln zu lassen, kleine Häufchen zu machen, Muster hineinzumalen.

Zwischen den Anweisungen an die gerade Spielenden ruft der Trainer dann immer mal: „Keine Kuchen backen!“

Hilft nur mässig. Nämlich für ungefähr zwanzig Sekunden.


*Die finnische Bezeichnung Nappulaliiga für Spieler unter 11 Jahren ist ein ganz wunderbares Wort, denn nappula heisst sowohl Stollen (also die am Fussballschuh) als auch Knirps / Knopf / Stöpsel (oder wie auch immer man kleine Menschlein nennen will).


4 Kommentare

Grosse, gelbe Geräte

Das Wochenende hätte mal gut und gerne doppelt so lang sein können, so viel hätten wir gern gemacht.

Gestern war nämlich Turku-Tag, und das ist so ein bisschen wie am Tag des offenen Denkmals: dass man sich nämlich sehr viel ansehen könnte, aber leider alles gleichzeitig stattfindet.

Zusätzlich hatte das Fräulein Maus zweieinhalb Stunden Training und hinterher einen Auftritt im grossen Einkaufszentrum.

Da passte es gut, dass genau in der Trainingszeit und nicht weit von der Turnhalle entfernt die Stadt Turku gestern ihre Bagger, Schneepflüge, Eiskratzer und Rasenmäher ausstellte.

Ich dachte ja, unsere Kinder seien vielleicht schon ein bisschen zu alt dafür, aber die Herren Maus fotografierten begeistert gelbe Fahrzeuge, kletterten in jede Fahrerkabine und fachsimpelten mit dem anwesenden Personal.

(Ich fand’s auch toll!)

Mein Lieblingsgerät: der Eishobel…

… mit den Krebsscheren vorne dran.

Zwei Kehrmaschinenfahrer fuhren unermüdlich Kinder Runde um Runde und erklärten dabei Spiegel, Pedale und Knöpfe für Bürsten, Staubsauger und Wassersprüher.

Das Fräulein Maus, das nicht dabeisein konnte, mussten wir nicht allzusehr bedauern. Die hat ihre private Kehrmaschinenrundfahrt ja schon gehabt.


2 Kommentare

Über Wasser gehen

Als ich neulich mit den Jungs in Teijo zelten war, entdeckten wir, dass es dort schon wieder einen neuen Rundweg – mit knapp 9 km in für uns machbarer Länge – gibt. (Es wird, es wird!)

Das Beste daran: er führt laut Karte mit zwei Seilfähren auf eine Insel und von da auf die andere Seite des Sees!

Da mussten wir hin! Sobald es der Zeitplan und das Wetter halbwegs erlaubten.

Also gestern.

Anders als die Kurbelfähre, die eine Zeit lang bei uns über den Fluss führte und wegen ihres komplizierten Mechanismus‘ ständig kaputt war, hängt die Wanderfähre einfach nur an einem durchgehenden Seil. Und funktioniert tadellos. (Im Frühling und im Spätherbst sollte man sich vielleicht wasserdichte Handschuhe mitnehmen, damit einem nicht die nassen Hände abgefroren sind, bevor man auf der anderen Seite ist.)

Grosser Spass.

Auch der Rest des Weges.


2 Kommentare

In den Mond gucken

Wolkenloser Himmel, Vollmond, Mondfinsternis und Freitagabend sind eine sehr schöne Kombination.

Der grosse Herr Maus schleppte begeistert sein Teleskop auf den Berg, der uns schon einmal im Finstern den Tag gerettet hatte. Leider konnte man auch damit die nur Halbschattenfinsternis nicht erkennen, aber egal… Vollmond! Sterne! Oranges Abendlicht! So, so schön!!!