Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Trübe Aussichten

Vermutlich wird das der wärmste und graueste Lapplandurlaub werden, den wir je erlebt haben.

(Immerhin muss ich mich, weil bei diesen Temperaturen meine Skier sowieso nicht rutschen, sondern dezimeterdick Schnee anpappen, auch nicht ärgern, dass ich mit der Schulter jetzt sowieso eher nicht skifahren kann.)

Oder vielleicht haben sich die Meteorologen auch geirrt.
Bittebitte.


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Still

Heute Vormittag hatte das Fräulein Maus einen Zahnarzttermin, und weil ich ja krankgeschrieben bin, trafen wir uns nicht wie sonst an der Haltestelle bei der Uni, sondern ich holte sie aus der Schule ab.

Ich war ein bisschen zeitig und setzte mich mit meinem Buch auf den Flur.

Die Klasse des Fräulein Maus hörte ich singen. Gleich nebenan stand die Klassenzimmertür ein Stück offen, da hörte ich es ein bisschen murmeln. Eine Klasse weiter wurde gelacht, dann war es wieder still. Das Lauteste, das ich hörte, war das leise Klatschen des Schrubbers, mit dem die Putzfrau über die Gänge zog.

Ab und zu sitze ich auch mal in der anderen Schule auf dem Gang, wenn das Fräulein Maus Deutschunterricht hat.

Und ich kann dann jetzt vermelden: so eine einzige kleine Deutschklasse macht deutlich mehr Lärm als eine ganze finnische Schule.


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Kommunikation, neumodisch

Grosse Kinder sind ja wirklich praktisch. Und dass es hier ganz normal ist, dass jedes Schulkind ab der 1. Klasse ein Handy hat, auch.

Nicht nur, dass sie mich einfach anrufen, wenn nachmittags was ist – wenn ich mal nicht ans Telefon gehen kann, so wie letzten Freitag, als ich in einem Hörsaal sass und einer sehr spannenden Doktorarbeitsverteidigung lauschte, dann funktioniert auch eine Kommunikation per SMS.

(Fehlerfrei, beim Fräulein Maus, mittlerweile. Während der kleine Bruder “File Gryse fon grossem Herrn Maus” schickt. Was ich ja im Grunde meines Herzens sehr viel süsser finde.)


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Invalide

Ob ich eine Krankschreibung bräuchte, fragte man mich in der Notaufnahme. Ja, nickte ich, so für alle Fälle. Eine Minute später drückte mir jemand einen Zettel in die Hand, dessen Text ich erst am nächsten Tag wieder gänzlich zu verstehen in der Lage war, aber auf dem klar und deutlich ein Zeitraum von vier (!) Wochen (!) vermerkt war.

Das ist insofern äusserst bemerkenswert, da hier noch nie einer von uns länger als drei Tage – der Tag des Arztbesuchs inbegriffen – krankgeschrieben worden ist. Auch nicht bei Grippe. Auch nicht bei fiebriger Angina.

Ob sie den Krankengeldantrag gleich mal für mich ausfüllen solle, fragte die KELA-Sachbearbeiterin dann gestern, nachdem sie einen Blick auf meinen bandagierten Arm geworfen hatte.

Ich werde es am Ende tatsächlich geschafft haben, ein Drei-Jahres-Stipendium auf dreieinhalb Jahre auszudehnen.


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Gestern

Früh machte ich schnell noch ein Foto. Damit wir uns, wenn wir am nächsten Tag mit Gummistiefeln zum Kindergarten stapfen würden, noch daran erinnern könnten, wie wir einst drei Wochen lang in einem Winterwunderland gelebt und den gleichen Weg mit dem Schlitten zurückgelegt hatten.

Abends ging der grosse Herr Maus mit seiner Pfadfindergruppe samt Eltern und Geschwistern schlittschuhlaufen. Es nieselte schon leicht, und ich sagte noch, wie froh ich sei, dass ich dank des grossen Herrn Maus jetzt den Winter wirklich bis zur letzten Minute nutzen würde, als ich – das ist mir seit Jahren nicht passiert – in hohem Bogen aufs Eis flog, mit der Schulter zuerst. Der Tag endete also mit einem Besuch in der Notaufnahme, wo mir schliesslich – ich sage ja schon immer, dass wir hier wie auf dem Dorf leben – der Vater eines Kindergartenkollegen die Schulter wieder einrenkte.

Als ich heute gegen Mittag meinen Schmerzmittelrausch ausgeschlafen hatte, wehte draussen ein frühlingshaftes Lüftchen, es regnete in Strömen, und vor dem Haus rumorte der Schneepflug und schob Matsch beiseite.

Timing kann ich immerhin.


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Sonne und Meer

Fast war es schon ein bisschen wie im März – blauer Himmel und blendende Sonne – und kalt war es auch kein bisschen mehr. Perfekt für eine laaange Schlittschuhtour über das Meer!

Der Ähämann, der sich nicht so viel aus Schlittschuhlaufen macht, nahm den Tretschlitten und transportierte damit ab und zu mal ein vorübergehend fusslahmes Kind. Aber lange hielten sie es nicht auf dem Sitz aus, dann wollten sie wieder selber fahren.

“Das ist ja auch mal schön, hier so um die Inseln zu fahren!” sagte der kleine Herr Maus.

Und da hat er wohl recht!

(Nächste Woche soll es regnen…! *seufz*)


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3 von 21

Am Montag kam das Fräulein Maus aus der Schule und berichtete: “Jussu hat uns heute gefragt, wer von uns Skier hat, und da haben sich nur sechs Kinder gemeldet. Also erst haben sich nur drei gemeldet, die Skier haben, und dann nochmal drei, die gesagt haben, sie haben Skier zu Hause, aber die sind wahrscheinlich zu klein. Deswegen gehen wir morgen im Sport wieder schlittschuhfahren.”

Es ist ja nicht so, dass ich über gewisse Animositäten nicht informiert wäre. Aber ein Siebentel finde ich jetzt doch ein bisschen… erschreckend.

(Schlittschuhe sind selbstverständlich.)


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Auf dem Rodelberg

Versprochen ist versprochen.

Am Sonntagabend waren wir auf unserem stadtteileigenen Rodelberg, der aber leider von Jahr zu Jahr buckeliger wird, ziemlich wenig Schnee hat und dieses Jahr nicht mal beleuchtet ist. Nach drei- oder viermal Schlittenfahrenfliegen hatten die Kinder dann auch genug und fragten, ob wir nicht mal wieder auf den schönen Rodelberg gehen könnten. Gleich am Mittwoch, wenn keiner irgendwohin muss?! Bitte!

Immerhin führten die -16°C dazu, dass sie nach anderthalb Stunden freiwillig wieder mit nach Hause kamen.

Nach einem heissen Bad und zwei Litern Griessbrei ging’s uns auch allen wieder gut.


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Pflicht und Kür

Die Erstklässler machen jetzt ein “Lesediplom”: sie sollen jeden Tag mindestens zehn Minuten lesen, und wenn sie sechs Bücher durch haben, erhalten sie ihr Diplom.

Der grosse Herr Maus kommt also nach Hause, macht seine Hausaufgaben, liest brav zehn Minuten im von der Lehrerin zugeteilten Erstleserbuch, pfeffert alles zurück in den Ranzen, schlägt den inzwischen vierten Band Harry Potter auf und ward bis zum Abendbrot nicht mehr gesehen.

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