Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kaksisataaneljäkymmentäyksi

Ich gehe seit letzter Woche aus Gründen wieder stundenweise arbeiten – der kleine Herr Maus ist bis Ende August ja noch offiziell zu Hause und geht nur in die Vorschule, also muss ich ihn mittags abholen – und da, wo ich mein Fahrrad abstelle, steht da jetzt immer die 241.

Das heisst, lange wird sie da nicht mehr stehen, denn ab September muss man für alle Parkplätze auf und um den Campus bezahlen, Monatsmiete zwischen 15 und 60 € pro Stellplatz. Nun ist natürlich das Geschrei gross, aber ich finde, wer jeden Schritt mit dem Auto fahren muss, der kann auch dafür bezahlen. Scheint aber niemandem wirklich etwas auszumachen, denn nach zwei Tagen waren von 400 buchbaren Stellplätzen 360 schon weg. Anscheinend ist es noch zu preiswert.

(Ich bin ja ein grosser Freund des finnischen Bussgeldsystems, das die Bussgelder nach Tagessätzen – also nach Höhe des Einkommens – festlegt.)

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kaksisataaneljäkymmentä

Am Freitag, als ich ins Krankenhaus zur Physiotherapeutin radelte, kam mir die 240 entgegen.

Es war das letzte Mal, dass ich wegen der Schulter dort hin musste. Der Arzt hatte mich schon im Mai nach einem allerletzten Röntgen für geheilt erklärt; die Physiotherapeutin hatte mir für die Sommerferien viel Schwimmen verordnet, mich aber – weil die Schulter immer noch ein bisschen steif war – nach den Sommerferien doch nochmal sehen wollen.

Fast war ich ein bisschen wehmütig, als ich zum letzten Mal dort im Wartebereich unter der Spiegeldecke sass.

Und ich ärgerte mich, dass das öffentliche Gesundheitssystem so einen schlechten Ruf hat in Finnland.

Ich habe auch schon skurrile Erfahrungen mit Ärzten in der kommunalen Poliklinik gemacht („Also, ich weiss auch nicht, was es ist, aber es ist nichts Schlimmes!“) – aber davor ist man im privaten Ärztehaus schliesslich auch nicht gefeit. (Schon allein deshalb, weil in Finnland Ärztemangel herrscht und fast jeder Arzt sowohl in der kommunalen Poliklinik als auch in irgendeinem privaten Ärztehaus arbeitet. Was dann dazu führt, dass man im privaten Ärztehaus auch keine „besseren“ Ärzte und keine wirklich freie Arztwahl hat – weil manche Ärzte eben nur alle paar Tage überhaupt da sind.) Ich habe mich auch schon geärgert, wenn für das Kind mit Ohrenschmerzen erst am nächsten Tag ein Termin zu bekommen war oder weil die Standardbehandlung in der Gabe von Antibiotika und Schmerzmitteln besteht.

ABER. Meiner Erfahrung nach bekommt man, wenn es sich um ernstere Sachen handelt, die beste Behandlung, die man sich nur vorstellen kann, und zwar schnell und unkompliziert.

Als ich im Januar da ankam in der Notaufnahme mit meiner ausgerenkten Schulter und mich vor Schmerzen kaum noch auf den Beinen halten konnte, kam ich sofort dran, vorbei an den zwanzig wartenden Leuten, die ihre Nummer vor mir gezogen hatten. Eine Krankenschwester führte mich zum Röntgen („Kannst du laufen?“ „Ja, aber nur langsam, sonst tut es zu sehr weh.“ „Das macht nichts, wir haben Zeit!“), ich bekam ein starkes Schmerzmittel gespritzt und die Schulter wieder eingerenkt. Erste Hilfe innerhalb einer halben Stunde.

Drei Tage später trudelte der erste dicke Brief ein: Einladung zum nochmaligen Röntgen, Einladung zum Arzt, Einladung zur Physiotherapie. Ort, Zeit und behandelnder Arzt zugewiesen, bei Bedarf absagbar. Ich fand es wunderbar, nicht erst herumtelefonieren zu müssen, um mir das alles selbst zu organisieren.

Kurz darauf trudelten jeweils die Rechnungen ein: Röntgen und Arzt zusammen 36,50 €, Physiotherapie 10,00 €. Angesichts unserer verschwindend kleinen Krankenkassenbeiträge faire Preise.

Als ich den Termin für die Computertomographie verpasste – am Montag wäre er gewesen, am Dienstag rief ich unter tausend Entschuldigungen an – hätte ich am Mittwoch einen neuen bekommen können. Da hatten wir aber einen Kinderbetreuungsengpass, also durfte ich am Donnerstagabend kommen, halb sieben, wenn ich mich recht erinnere. Auch das ein Vorteil davon, dass solche Sachen zentral im Krankenhaus erledigt werden. (Und die Strafzahlung für den nichtabgesagten Termin hat man mir auch erlassen.)

Stichwort Krankenhaus. Ich habe es ja an der einen oder anderen Stelle schon mal erwähnt, wie ruhig und freundlich es hier im Krankenhaus zugeht. Es wird jetzt nicht gerade überschwänglich viel geredet – aber immer haben die Schwestern und Pfleger Zeit für ein aufmunterndes Lächeln, ein beruhigendes Wort. Ich fühle mich da in guten Händen, jedes Mal.

Das Beste für mich am finnischen Gesundheitssystem ist inzwischen, dass man das bekommt, was man braucht – nicht mehr und nicht weniger.

Beispiel: Letztes Frühjahr hatte ich eine Erkältung – Schnupfen, Husten, volles Programm – nur der Husten, der ging nicht wieder weg. Ich ging zum Arzt, der fragte mich, ob ich das öfter so hätte, und ja, sagte er, das ist ein bekanntes Problem bei Heuschnupfenpatienten. Er verschrieb mir Cortison zum Inhalieren, nach einer Woche war der Husten verschwunden – während eine deutsche Freundin – auch sie heuschnupfengeplagt – erst eine monatelange Odyssee durch verschiedene, auf Monate ausgebuchte Arztpraxen zwecks Röntgen und Lungenbelastungstest hinter sich bringen musste, um dann letztendlich die gleiche Diagnose und Behandlung zu bekommen wie ich.

Anderes Beispiel: Die gleiche deutsche Freundin erzählte mir, wie sie für ihr Kind nach viel Herumtelefoniererei einen Augenarzttermin in der übernächsten Stadt ergattert hatte. „Braucht er eine Brille?“, fragte ich. „Nö, nur mal so zum Durchchecken, hat uns der Kinderarzt dazu geraten.“ Nur mal so Durchchecken, das macht man hier in der Neuvola. Sollte sich dabei irgendwas Auffälliges herausstellen – der kleine Herr Maus z.B. schielt ein bisschen – dann bekommt man ohne Probleme eine Überweisung zum Augenarzt. Ich war da mit dem kleinen Herrn Maus zweimal – die Einladungen kamen auch automatisch; die erste zwei, drei Wochen nach der Überweisung, die zweite ein Jahr später zur Kontrolle – jeweils fast zwei Stunden lang, sie haben ihn wirklich sehr, sehr gründlich untersucht.

Noch anderes Beispiel: alle fünf Jahre bekomme ich eine automatische Einladung zum Frauenarzt zur Krebsvorsorge. Die Schwester dort fragte beim letzten Mal für die Statistik, wie oft denn so ein Abstrich bei mir schon gemacht worden sei, und ich musste erstmal rechnen, wie lange ich in Deutschland alle halbe Jahre zum Frauenarzt gegangen war und dabei jedes Mal… die finnische Krankenschwester wollte es gar nicht glauben.

Man muss hier vielleicht manchmal ein bisschen für seine Behandlung kämpfen („Es tut wirklich sehr weh!“), aber was man keinesfalls muss, ist selbst abzuschätzen, ob die Behandlung jetzt wirklich nötig oder nur für die involvierten Ärzte recht lukrativ ist. Wenn einem eine von Steuergeldern finanzierte Behandlung angeraten wird, dann ist sie sehr wahrscheinlich auch wirklich notwendig. Dafür muss man sich dann auch nicht mit so Bürokratiekram wie Einverständniserklärungen zu OPs (Wenn der Patient die Behandlung nicht wollte, dann wäre er doch nicht da?!) oder komplizierten Abrechnungen mit der Krankenkasse wegen einer Zahnspange herumschlagen.

Ich kann das natürlich nicht für ganz Finnland verallgemeinern. Vielleicht haben wir auch nur Glück hier in Turku mit unserem riesigen Uniklinikum und mit der Ausbildungszahnklinik.

Aber ich finde, man muss nicht meckern. Eher im Gegenteil.

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Am letzten Ferientag

Wir beendeten die Ferien heute so, wie wir sie begonnen hatten: in der Schwimmhalle.

Schwer vorstellbar, wo die neun Wochen dazwischen (und die drei Wochen Deutschlandurlaub davor) hin sind: wir waren unzählige Male am Lieblingsstrand, wir sind sehr viel Bus gefahren, wir waren einen heissen Sommertag lang siebeneinhalb Stunden im Wasserpark, wir sind einmal nach Helsinki gefahren, um eine Harfe zu kaufen, und einmal, um ins Tiermuseum zu gehen, ich habe mit den Jungs eine Zeltwanderung gemacht, wir waren im Handwerker- und im Schiffsmuseum, wir haben im Garten in der Hängematte und im Planschbecken gelegen, wir haben Freunde im Mökki besucht und selbst Besuch von Freunden gehabt, wir haben Erdbeeren gepflückt, Heidelbeeren gesammelt und jede Menge Eis gegessen. Wir sind spät aufgestanden und spät ins Bett gegangen und haben einfach so in die Tage hineingelebt.

Es war der schönste Sommer, den ich je mit den Kindern hatte.

Heute in der Schwimmhalle legte der kleine Herr Maus, der die ganzen Ferien über verbissen, aber erfolglos schwimmen geübt hatte, seine Schwimmflügel an den Beckenrand, liess sich ins Wasser plumpsen, und… schwamm* los. Von einem Beckenrand zum anderen. Wieder und wieder.

Schliesslich ist er ab morgen ein Vorschüler.


*Also, „Schwimmen“ auf Finnisch, nämlich MaulwurfschwimmenHundepaddeln – das, was die finnischen Kinder auch im Schwimmkurs zuerst lernen . Ich bin mittlerweile finnisiert genug, um das als vollwertiges Schwimmen anzusehen – Hauptsache, das Kind kann sich im Notfall über Wasser halten und in Sicherheit schwimmen.

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