Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kaksisataayksitoista

Sobald die Schule anfängt, bricht es über einen herein: Elternabend hier, Elternabend da, Kennenlerntreffen bei den Pfadfindern, Klavierunterricht fängt wieder an, Training ist aber noch nach Ferienzeitplan, der Harfe sind schon wieder drei Saiten gerissen, “Hier, Mama, den Zettel musst du unterschreiben!”, die Anmeldung zum Deutschunterricht muss nochmal neu eingereicht werden, plötzlich fehlt doch noch eine Turnhose, drei Geburtstagsgeschenke müssen besorgt werden, und einmal sitze ich eine halbe Stunde lang da und trage feste und bewegliche Termine in zwei verschiedene Kalender ein…

Ich bin deshalb wirklich froh, dass ich noch zwei Wochen mit dem kleinen Herrn Maus zu Hause bleiben konnte: Manchmal nochmal zu ihm ins Bett kriechen. Dinge organisieren. Ab und zu auf den Markt fahren und Möhren, Tomaten und die letzten Erdbeeren heimschleppen. Dem kleinen Herrn Maus eine Wäscheleine auf Kinderhöhe spannen und gemeinsam die 9 kg Wäsche in die Sonne hängen, die Hannelore für uns gewaschen hat. Die Schulkinder nachmittags zu Hause in Empfang nehmen, im Garten Vesper essen und sie dann heimlich dabei beobachten, wie sie freudig und ernsthaft ihre Hausaufgaben in Angriff nehmen, bevor sie zu ihren Freunden davonrennen. Routinen finden.

Auch den allerletzten Sommertag haben wir so verbracht: das Fräulein Maus in die Schule verabschiedet, den grossen Herrn Maus in die Schule verabschiedet, fünf Leinen Wäsche unter herabsegelnde Birkenblätter gehängt, bestellte Harfensaiten abgeholt und zur Feier des Tages chinesisch gegessen, und auf der Heimfahrt im Bus, bei der der kleine Herr Maus nach der Linie 4 Ausschau hielt – denn er sammelt keine Kennzeichen, sondern Busnummern – noch die 211 gesehen. “Da, Mama, da! Ein Cabrio!”, schrie der kleine Herr Maus aufgeregt.

Heute Ende des LotterHausfrauenlebens. Lachendes Auge, weinendes Auge. Wie immer.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206], 207-208, 209, 210]


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Blitz, Donner und Dampf

Wir waren ein bisschen unpassend gekleidet.

Die dunklen Sachen, die ruhig ein bisschen Öl und Russ vertragen, hatten wir freilich an. Aber das mit den Gewittern, das hatte ich einfach ignoriert. (Wenn in der Wettervorhersage für Turku eine Gewitterwarnung steht, dann gewittert es nie!)

Zum Glück ist es in der Nähe einer Dampflok immer schön warm.


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Urfeuernacht

„Und?” hörte ich gestern einen Mann einen anderen fragen, als der Mond orange und riesig hinter den Bäumen am anderen Ufer aufging, Mücken surrten, kleine Wellen ans Ufer schwappten und die Bäume voller kichernder, sich nach verwurmten Äpfeln reckender Kinder hingen. “Wie war der Sommer?“ „Kurz.“

Oder wie der grosse Herr Maus es ausdrückte: „Gerade erst waren wir zum Juhannusfeuer – und jetzt ist schon wieder Urfeuer…!“


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Unzumutbar

Als wir vor vier Jahren in die neue Wohnung zogen, die beiden grossen Mäusekinder aber noch ein reichliches Jahr lang in den alten Kindergarten gingen und wir dann immer morgens und nachmittags – der kleine Herr Maus im Kinderwagen, das Fräulein Maus links dran festgehalten, der grosse Herr Maus rechts dran festgehalten – zur Haltestelle latschten, den Bus heranwinkten, uns über Busse ärgerten, in denen schon drei Kinderwagen standen (Einmal war einer davon so einer für Hunde. Da war ich richtig sauer.) und insgesamt vermutlich einmal nach Deutschland und zurück mit dem Bus fuhren, da sagte ich oft:

Wenigstens wissen sie dann später gleich, wie das so geht mit dem Busfahren.

Das war natürlich zum grössten Teil Galgenhumor.
Aber natürlich hat sich dann zwei, drei Jahre später auch gezeigt, dass es stimmt.

Neulich auf dem Elternabend vom Turnverein, als die Trainerin ankündigte, die Mädchen müssten dieses Schulhalbjahr leider an ein paar Terminen aus logistischen Gründen in einer Turnhalle im Stadtzentrum trainieren, und zwar direkt nach Schulschluss, also zu einer Zeit, zu der die gewöhnliche finnische Mutter und der gewöhnliche finnische Vater arbeiten und nicht als Taxifahrer zur Verfügung stehen, aber sie würde freilich die Mädchen bei Bedarf am Markt, wo sämtliche Buslinien ankommen, einsammeln und sie sicher zur Turnhalle geleiten, man müsse gegebenenfalls mit seinen Kindern nur mal die Busstrecke üben – da klappte mir deshalb fast die Kinnlade runter, als eine Mutter darauf erwiderte:

“Also die A. kann nicht mit dem Bus kommen. Die weiss gar nicht, wie das geht. Wir fahren nie Bus!“

und eine zweite Mutter ihr beisprang:

“Ich will auch gar nicht, dass mein Kind allein Bus fährt. Was da für Typen mitfahren! Ich fahre ja auch nicht Bus!“

Das ist übrigens ein Vorteil von Elternabenden im Turnverein: es gibt keine Tischkanten zum Reinbeissen. Man sitzt ja auf Turnmatten am Boden.


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Schulanfang auf Deutsch

Der Samstag begann damit, dass der Schulanfänger und seine grosse Schwester, nachdem sie ihre Festkleidung angezogen hatten, nach einem Strauss-Walzer verlangten und durchs Wohnzimmer tanzten, und er endete damit, dass wir mit den Kindern und den Grosseltern halb elf noch vorm Fernseher sassen und die schönsten Fotos vom grossen Herrn Maus aus den letzten siebeneinviertel Jahren anguckten.

Dazwischen hatten wir viele, viele Gäste, die dem grossen Herrn Maus wichtig sind, packten viele, viele liebevoll für ihn ausgesuchte Geschenke aus, assen zwei riesige Töpfe Soljanka, ernteten Zuckertütchen vom Apfelbaum, assen Rhabarberkuchen und Kalten Hund, sprangen Trampolin, tranken literweise Limo, schwitzten, holten uns fast einen Sonnenbrand, und abends durfte der grosse Herr Maus mit der Lupe aus seiner Zuckertüte den Grill anzünden.

„Ich hatte aber eine schöne Schulanfangsfeier!“ sagte er glücklich, als er endlich ins Bett sank. “Und jetzt nur noch dreimal schlafen!”

So soll es sein.


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Finnische Strasse

(Aus der Reihe: Was mich glücklich macht.)

Während die finnischen “Cousins” und die Freunde, mit denen wir neulich am Strand waren, heute ihren ersten Schultag hatten, sind wir nochmal an den Lieblingsstrand gefahren. (Wir bezahlen das dann mit zwei Tagen Herbstferien statt einer vollen Woche sowie Weihnachtsferien, die schon vor dem Feiertag am 6. Januar enden werden. So gesehen hätten es zehn Wochen Sommerferien auch getan.)

Danach sind wir noch den Ähämann abholen gefahren, der zwei Tage in Seili auf Dienstreise war. Auf einer dieser Strassen, die mir die allerliebsten sind.

Schon immer. Auf der mittelfinnischen Forschungsstation, als ich noch Lada fuhr, entdeckte ich meine Liebe zu kleinen, unbefestigten Nebenstrassen. Je achterbahniger, desto besser. Manche behaupten, genau deswegen seien mittelfinnische Rallyefahrer die besten der Welt. Wegen des alltäglichen Trainings. Nur, dass einem gerne mal mitten im Wald auf so einem schmalen Strässchen ein LKW mit Auflieger und Anhänger mit nicht unbeträchtlicher Geschwindigkeit entgegenkommt, sollte man nicht vergessen. Und dass es sich auf diesen Strassen fährt (und bremst) wie auf Schnee.

Vielleicht machen sie mich auch deshalb so glücklich.

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