Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Umzugsbetrachtungen Teil III

(5) Bei jedem Umzug freue ich mich wieder, was Verpackungsdesigner sich tolles ausdenken können. Wie sich jeder, der weiss, wo wir acht Jahre unseres Lebens verbracht haben, denken können wird, befindet sich in unserem Haushalt eine nicht unerhebliche Anzahl von Produkten aus Jenaer Glas. So hitzeunempfindlich diese Sachen sind, so zerbrechlich sind sie leider auch. Aber wer sich die Verpackungen dafür ausgedacht hat, hat ein extragrosses Lob verdient! Nach jedem Umzug füllen wir eine grosse Kiste mit diesen Verpackungen, um die Glassachen beim nächsten Umzug wieder sicher verpacken zu können. Bei manchen muss ich eine Weile grübeln, wie die Verpackung mit all ihren Knicken und Zwischenpappen funktioniert, aber unsere Teekanne kann ich immer noch im Schlaf verpacken – das hab‘ ich mal fünf Nächte lang als Studentenjob gemacht. Das Beste an diesem Job war, dass die Glasbläser uns drei Studentinnen in jeder Pause bereitwillig die ganze Abteilung vorführten: wir durften auf der riesigen Glasmaschine herumklettern, in die oben das Glaspulver eingefüllt wird und aus der am Ende ein wohldosierter, rotglühender Tropfen flüssigen Glases heraustropft, der sofort von der nächsten Maschine aufgenommen wird, und von der nächsten, und von der nächsten… immer in Drehung, immer von zischenden Gasflammen bearbeitet, bis am Ende der Bauch einer Teekanne draus geworden ist. Wir bekamen vorgeführt, wie die Tüllen daran angebracht werden (die werden mit dem Mund geblasen, das schafft keine Maschine). Wir durften uns auch selbst im Glasblasen üben. ”Kräftiger, kräftiger! Und drehen, drehen, drehen…!” Ich weiss noch, dass mein gläserner Luftballon sehr unförmig aussah, weil ich weder genug Puste noch die Kraft hatte, das zwei Meter lange Blasrohr dabei auch noch gleichmässig zu drehen. Ich weiss noch, wer die Henkel an die Kannen geklebt hat, bevor die fertigen Kannen aufs Fliessband kamen und noch warm bei mir ankamen. Kanne in die Kiste, Pappe drauf, Pappe aufgefaltet, Teeeinsatz durch die Öffnung in der Pappe in die Kanne stecken, Pappe wieder zufalteten, Kannendeckel verkehrtrum mit dem Griff in das Loch in der Pappe stecken, Gebrauchsanweisung drauflegen, Kistendeckel zu. Gestern erst wieder gemacht. ;-)


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Und Winter ist doch schön!

Trotz dass es so matschig war gestern sind Wiesen und Dächer weiss geworden, und heute Nacht ist alles gefroren. War das schön, heute früh im Sonnenschein über knirschendes Eis zur Arbeit zu gehen! Und die teilweise immer noch gelb beblätterten Bäume sehen im Schnee ganz besonders toll aus. *schwärm*

Leider steht deswegen jetzt zu allem Überfluss noch Reifenwechseln an, obwohl es nächste Woche sowieso wieder warm werden soll. Aber mit dem Auto nicht mehr vom Fleck zu kommen können wir uns in den nächsten Tagen nicht leisten. Bis Montag müssen wir alles, wirklich alles in die neue Wohnung gefahren haben. Und eigentlich war der Plan, die Reifen ganz, ganz zuletzt aus dem Lager zu holen und dann zu wechseln. Aber wann geht schon mal was nach Plan… Mein Liebster ist schon froh, dass ich beschlossen habe, mit Rücksicht auf das Mäusekind diesen Winter aufs Radfahren zu verzichten. Das macht zwei Reifen weniger zu wechseln. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich mich da richtig entschieden habe: die letzten zwei Winter bin ich jedenfalls deutlich öfter hingefallen, wenn ich zu Fuss unterwegs war als mit dem Fahrrad!


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Umzugsbetrachtungen Teil II

(4) Man hat ja schon genug Rumgerenne, wenn man umzieht. Ich möchte da nur mal unsere bisher erfolglose Suche nach Gittern für Abtropfschränke in Küchen, die älter als fünf Jahre sind, erwähnen. Nicht, dass es in Turku nicht genügend Baumärkte, Küchenstudios und Haushaltsbedarfsläden gäbe. Nur 21 cm tiefe Gitter sind nirgends aufzutreiben. Zum Beispiel.

Schön ist, wenn einem dann wenigstens anderweitig ein wenig Rumgerenne erspart bleibt. Für die Umzugsmeldung persönlich aufs Meldeamt? Den Nachsendeauftrag auf der Post ausfüllen? Nicht in Finnland!
Bei der Post kann man online die Umzugsmeldung ausfüllen. Damit man nicht, falls man ein bösartiger Mensch ist, der Post und dem maistraatti mal eben mitteilt, dass der ungeliebte Nachbar umgezogen ist, identifiziert man sich mit seiner Kundennummer und einer TAN vom Online-Banking. (Auf die Art funktionieren hier alle möglichen Online-Dienste, so kann man sich z.B. auch einen Arzttermin reservieren.) Diese Meldung geht dann einmal an die Post, damit sie weiss, wohin sie die Post demnächst umleiten muss, und einmal an den maistraatti zwecks Änderung im Melderegister. Post bekommt man einen Monat lang kostenlos nachgeschickt, wenn man es für ein ganzes Jahr möchte, muss man das bezahlen. Dafür wird man direkt vom Online-Umzugsformular auf die Seiten seiner Bank weitergeleitet und muss dort die Überweisung nur noch per TAN bestätigen.
Insgesamt eine Sache von nicht mehr als fünf Minuten, mal nebenher auf Arbeit erledigt. Ein paar Tage später kamen dann die Bestätigungen von Post und maistraatti per Post nach Hause. Und der Nachsendeauftrag funktioniert auch bestens.


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Junger Wissenschaftler

Das Mäusekind hat es anscheinend schon begriffen: am Wochenende wird sich ausgeruht, Montag bis Freitag gestrampelt. ;-)

(Vielleicht aber will es mir damit auch nur sagen, dass es die Vorm-Computer-Hockerei stinklangweilig findet und ich mich endlich mal wieder bewegen soll und es ausserdem gern ab und zu auch tagsüber Papas Stimme hören würde.)

Wenigstens hat es damit erreicht, dass ich gern auf Arbeit gehe: die Strampelei hat mir ganz schön gefehlt am Wochenende!


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Umzugsbetrachtungen

(1) IKEA ist auch nicht mehr das, was es mal war. *seufz* Vorgestern waren wir da (immerhin müssen wir dazu jedes Mal extra nach Helsinki fahren), und waren doch ein bisschen enttäuscht. Ich meine, der diesjährige Katalog hat mich ja schon ganz und gar nicht vom Hocker gerissen, aber ich dachte, im Möbelhaus selber wär’s vielleicht ein bisschen besser. Aber irgendwie hat IKEA zur Zeit einfach nicht so schöne Sachen. Manches Jahr hätte ich den halben IKEA leerkaufen können, aber diesmal hatten wir eher zu suchen, überhaupt was zu finden. Und diesmal brauchten wir ja wirklich ganz viele Sachen. Und dann dieser lausige Service bei IKEA: „Gibt’s diesen Spiegel eigentlich auch ohne Uhr?“ „Uhr? Ach ja, da ist ja ’ne Uhr dran…! Tse, was den Kunden alles auffällt…!“ Schön wär’s, die Verkäufer wüssten selber mal bescheid! Das Gitterbett fürs Mäusekind, das wir wollten, war natürlich schon ausverkauft. „Ja, tut uns leid, da haben wir ganz wenige davon bekommen.“ „Und?“ „In Woche 47 bekommen wir wieder welche.“ „Und? Können wir das bestellen? Oder wenigstens reservieren lassen?“ „Nö.“ „Also müssen wir deswegen nochmal herkommen?“ „Na, ihr könnt vorher wenigstens anrufen, dann wisst ihr sicher, ob es da ist oder nicht.“ Oh, wie zuvorkommend! „Ach ja, und dann interessieren wir uns noch den Wickeltisch fürs Bad, den man an der Wand befestigt.“ „Leider, den gibt’s gar nicht.“ „Wie, den gibt’s gar nicht?! Der ist doch im Katalog!“ „Ja, wisst ihr, manche Sachen sind zwar im Katalog, aber die müssen dann nochmal überprüft werden, weil sie vielleicht nicht sicher sind oder so…“ Arghhhhh! Seit 6 Jahren sind wir IKEA-Kunden und STÄNDIG passieren da solche Sachen, egal in welcher Stadt und welchem Land. Und wir haben wahrlich schon etliche IKEAs ausprobiert. Andererseits sehen wir keine Alternative: in deutschen Möbelhäusern wird uns einfach nur schlecht, und finnische Möbel sind unbezahlbar. Wir haben in unserer ganzen Wohnung ein einziges Teil, das nicht von IKEA ist: eine Kommode, bei Roller gekauft. Nett anzusehen ist sie ja, aber das Aufbauen hat uns eine halbe Nacht gekostet inklusive Nachbohrens einiger Löcher, die einfach falsch vorgebohrt waren (Und nein, ich kann nicht nachvollziehen, warum sich Leute ständig über das Selberaufbauenmüssen von IKEA-Möbeln beschweren – das ist das reinste Kinderspiel dagegen. Damit hatten wir noch nie Probleme.), und sehr „bindfädelig“ ist das Ganze auch. Jedenfalls sind uns schon mehrmals die Blenden der Schubladen abgefallen, weil sie nur angeklebt, nicht angeschraubt sind. Das gäb’s bei IKEA auch nicht. Aber wenn die jetzt nicht mal mehr schöne Sachen im Angebot haben, dann weiss ich auch nicht…

(2) Optimalstes Bananenkistenrecycling geht so:

Bananenkistenrecycling erster Art ist, Bananenkisten als Umzugskisten zu verwenden. Die besten Umzugskisten, die’s gibt: kostenlos, stabil, mit Deckel, und ausserdem sind sie nicht so riesig gross wie richtige Umzugskisten, die dann keiner mehr bewegen kann. In Deutschland war’s nur ein bisschen schwer, genügend Bananenkisten zusammenzusammeln, weil die Supermärkte sie gleich nach Lieferung wieder einstampfen und es sehr schwer war, die Lagerarbeiter davon zu überzeugen, sie bittebitte mal eine halbe Stunde für uns aufzuheben. Wir waren dafür sogar bereit, früh um sechs bei denen auf der Matte zu stehen. Irgendwie haben wir auf die Art letztendlich auch die 36 Bananenkisten zusammenbekommen, die wir mit ”dem Ritscher” von Jena nach Turku geschickt haben. In Finnland ist es ein wenig einfacher. Zwar bekommt man nie viele Kisten auf einmal, aber dafür kann es auch vorkommen, dass ein Verkäufer schnell mal zwei Kisten Bananen in die Auslage räumt, um einem die freigewordenen Kisten mitgeben zu können.

Bananenkistenrecycling zweiter Art ist, die mühevoll zusammengesammelten Bananenkisten möglichst sinnvoll weiterzuverwenden. Wir standen dann also da, mit den 36 wieder leeren Bananenkisten. Ein paar haben wir selbst weiterverwendet, um Sachen drin aufzubewahren, aber die anderen mühevoll zusammengesuchten alle in den Pappmüll werfen?! Nee!
Auf unseren Aushang hin

bekamen wir zwar einige erstaunte Anrufe:”Und ihr wollt die wirklich verschenken? Ihr wollt kein Geld dafür?” (Hey, das sind Bananenkisten, kostenlos aus dem Supermarkt!), und so richtig funktionierte das Weggeben auch erst, nachdem wir den ganzen Stapel zur Selbstbedienung vor die Tür gestellt hatten, so dass auch die schüchternen Finnen sich trauten, aber wir sind sie alle losgeworden. Manchmal wüsste ich gern, ob immer noch welche davon irgendwo im Umlauf sind.

Bananenkistenrecycling dritter Art ist am einfachsten. Da unsere neue Wohnung voller Einbauschränke ist, müssen wir nicht Kisten packen – Schränke abbauen – Schränke aufbauen – Kisten ausräumen. Wir packen einfach Kisten und packen sie am gleichen Tag noch in der neuen Wohnung in die Schränke, woraufhin die Bananenkisten wieder frei sind für den Inhalt des nächsten Schrankes. Feine Sache.

(3) Mit Finnen und ihren Fremdsprachenkenntnissen kann man immer wieder Überraschungen erleben. Nicht, dass sie nicht alle super mehrere Fremdsprachen beherrschten. Aber sie trauen sich nicht. Und wenn man einmal zugegeben hat, dass man ein wenig Finnisch kann, dann muss es auch auf Finnisch gehen. Was Spass macht und ich so oft wie möglich versuche, aber manche Sachen wären mir auf Englisch doch lieber. Dann gibt es allerdings nur eine Strategie: bloss nicht auf finnisch fragen, ob das Gegenüber Englisch kann.
Heute früh war ich bei VASO, mit einer Liste von Dingen, die an der Wohnung noch gemacht werden müssten. ”Do you speak English?”, fragte ich die Sekretärin, die daraufhin ein wenig zögerlich zugab:”Yeees, a little.” Okay, fangen wir an. Kaum hatte ich meine Liste rausgeholt, griff sie schon danach, ich, ein wenig verwundert, wollte sie ihr mit den Worten:”But that’s all in German…!” schon wieder entziehen, woraufhin sie mir abwinkend Einhalt gebot und tatsächlich meine ganze Liste fehlerfrei von Deutsch ins Finnische übersetzte und dem Reparaturchef übergab. Tse!


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Woran erkennt man einen Finnen…

…der gerade von einer Fähre kommt?

Am Omawägelchen voller Bier.

Und woran erkennt man, ob er aus Stockholm oder aus Tallinn kommt?

Wenn er aus Tallinn kommt, hat er mehr Bier dabei. (Weil man dort erstens noch billiger an Land kaufen kann und nicht auf den zollfreien Einkauf an Bord angewiesen ist, und weil es zweitens keine Einfuhrbeschränkungen gibt.)


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Auf Kur gewesen…

…bin ich letzte Woche in Estland. Zumindest habe ich mich so gefühlt. Eigentlich war es ja ein workshop unserer Graduate School, aber das Programm war so entspannt (immer nur wenige Vorträge hintereinander, viele und lange Pausen, abends nicht zu lange, einen ganzen Vormittag für einen Ausflug auf eine Vogelstation samt Herbstspaziergang), das Hotel so schön (direkt am Strand: in den Pausen sassen wir dort in der Sonne, nachts hörten wir die Wellen vor dem Fenster rauschen), die Leute nett und das Wetter vier Tage lang wunderschön herbstlich sonnig (die Vitamin-D-Tabletten, die mir die Schwester in der Neuvola ab Oktober empfohlen hat, konnte ich vergessen, stattdessen habe ich nochmal richtig Sonne getankt für den finnischen Winter). Und dann – ich geb’s ungern zu – aber das Beste war das Essen. Was wir hier in Finnland am Essen vermissen, wird uns immer erst bei solchen Gelegenheiten richtig klar. Suppe vor jedem warmen Essen (Cremesuppe, Hühnerbrühe, Soljanka, Borschtsch… jedes Mal eine andere), richtig lecker angemachte Salate, viel Fisch, Fleisch im Ganzen (was erwähnenswert ist, da es in Finnland Fleisch grundsätzlich nur in durchgedrehter Form gibt), Obst, das viel besser war als das, was ich eigentlich in Budapest gehofft hatte zu bekommen, leckere Kuchen und immer süsse Nachspeisen. Das Ganze zweimal am Tag. Abends fühlten wir uns immer ganz gemästet.
Vidal und mir hat letztes Jahr Tallinn schon so gut gefallen, aber Estland ist wirklich schön und ein bisschen wundersam: mitteleuropäisch aussehende Wälder und Felder, dazwischen russische Holzhäuser in finnischen Abständen. Selbst Plattenbausiedlungen sind in Estland klein und mit auffallend grossen Abständen zwischen den Häuserblocks. Ich glaube, wenn wir das nächste Mal in die Slowakei fahren, werden wir doch mal die Via Baltica ausprobieren. Es gibt noch so viel zu entdecken.
Wir haben gelernt, dass die Esten auch zu sowjetischen Zeiten kein Russisch lernen mussten und man sie bis heute besser nicht auf die Russen anspricht. Dass Esten finnische Sauna für ”kalt” halten, so wie die Finnen immer Witze über die ”kalte” schwedische Sauna machen. Die Frage nach der Temperatur in einer russischen Sauna, die meine Vermutung, es gäbe einen West-Ost-Gradient in der präferierten Saunatemperatur, bestätigen sollte, war dann allerdings auch schon wieder ein halbes Fettnäpfchen.

Ich hätte die ”Kur” gern noch fortgesetzt. Interessante Vorträge zu hören ist doch schöner als paper zu schreiben, mit Ines stundenlang über Gott und die Welt quatschen zu können verlockender als Besuch von einer Schwiegermutter, die mich ignoriert, und im Hotel zu wohnen und sich bedienen zu lassen sehr viel angenehmer als die Aussicht auf den in den nächsten zwei Wochen anstehenden Umzug. Aber wenigstens habe ich für die weniger angenehmen Aufgaben genug Kraft gesammelt.


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Finnisierung III

Eine der schönsten finnischen Eigenschaften ist die Ruhe und Gelassenheit, mit der alles angegangen wird. Ich habe mich auch inzwischen ganz gut angepasst. Was hat meine Mutter für eine Unruhe und Hektik verbreitet, als uns meine Eltern im Januar besuchen waren! Wie hat mich das genervt! Früher wäre mir das nicht einmal aufgefallen.

Aber manchmal erleide ich doch noch den einen oder anderen Rückfall.

Nachdem ich Mitte Juli eigentlich schon eine Woche lang „gewusst“ hatte, dass ich schwanger bin, reichte das Wochenende Pause von der Feldarbeit gerade mal für einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke, bevor ich weitere 10 Tage auf Utö Mäuse telemetrieren musste. Ich fand das okay, aber danach wollte ich doch ganz gern mal zum Arzt. Ich ging also ins Terveyskeskus, erzählte, dass ich höchstwahrscheinlich schwanger sei, und fragte, was denn jetzt passieren würde, ob ich jetzt erstmal einen Termin beim Frauenarzt bekäme oder was. „Hast du schon einen Test gemacht?“ „Ja.“ *nick* „Okay, dann kannst du gleich in die Neuvola gehen und dir dort einen Termin machen lassen.“ (Die Neuvola ist die Schwangerenberatung, wo alle Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.) Dort war aber nur die Hebamme anzutreffen, die für unser Wohngebiet gerade nicht zuständig ist. Die, die für mich zuständig gewesen wäre, war im Urlaub. (Natürlich! War ja Juli!) „Das macht aber nichts. Sie kommt in zwei Wochen wieder, und ich gebe dir schon mal ihre Telefonnummer, da kannst du dann anrufen und einen Termin ausmachen.“ In zwei Wochen?! Wo ich doch jetzt schon *rechenrechen* fast in der achten Woche war?! Die Deutsche in mir fing an sich aufzuregen. Da ich als Doktorand die Wahl sowohl zwischen dem kommunalen Terveyskeskus als auch dem Studentenarzt und zu guter Letzt auch noch einer privaten Krankenversicherung habe, wollte ich nichts davon ungenutzt lassen. Bei den Versicherungen bekam ich allerdings gesagt, dass eine private Krankenversicherung nicht für private Arztbesuche während einer Schwangerschaft aufkommen würde. „Wir wollen, dass alle das Neuvola-System nutzen.“ Die Schwester an der Anmeldung beim Studentenarzt dachte ob meiner Eile sogar, ich wolle das Kind abtreiben lassen. „Nein, nein, natürlich nicht!“ *entsetztabwink* „Ja aber was willst du denn dann?“ *erstauntfrag* „Willst du nochmal einen Test machen lassen?“ „Nein,“ *augenroll* „ich traue dem Test, den ich gemacht habe, schon, ich will doch nur wissen, ob auch alles in Ordnung ist, einen Ultraschall oder was auch immer, ich weiss doch auch nicht…“, liessen mich meine deutschen Gene und die Tatsache, dass ich schliesslich zum ersten Mal im Leben schwanger bin, ein letztes Mal gegen die finnische Gelassenheit aufbegehren. „Jaja, da sei mal beruhigt, das machen die alles in der Neuvola. Iss ein bisschen gesund, trink keinen Alkohol, und vor dem vierten Monat ist sowieso keine Eile mit irgendwelchen Untersuchungen.“

Und eigentlich, ja eigentlich fand ich das dann auf einmal toll. Es war trotzdem schwer, noch Wochen und Wochen zu warten, bis wir zum ersten Mal unser Mäusekind im Ultraschall sehen konnten. Es war sehr schön, als es endlich so weit war, und natürlich wünschte ich mir manchmal, ich könnte es öfter sehen, wie es da in mir herumzappelt und wovon ich noch gar nichts merke. Aber das Warten gehört dazu. Nicht zu Unrecht heisst die Schwangerschaft im Finnischen „Warte-“ oder „Erwartungszeit“. Und auch das ist gut so.

Denn nach allem, was ich von deutschen Freundinnen gehört und von deutschen Müttern in verschiedenen Blogs gelesen habe, bin ich sehr froh, dass ich das Mäusekind in Finnland zur Welt bringen werde. Ich fühle mich und mein Kind hier gut aufgehoben und betreut, aber nicht über-überwacht. Wenn ich schon höre, wie oft in Deutschland Schwangere nach dem Ultraschall mit Aussagen wie „Ihr Kind ist eine Woche zu klein / zu gross für sein Alter“ geängstigt werden! Wer bitte glaubt denn ernsthaft daran, dass sich Embryos genau nach Norm entwickeln? Von Kindern später erwartet man doch auch nicht, dass sie in einem bestimmten Alter eine genau definierte Grösse haben! Und dann kann ich mich ja auch des Eindrucks nicht erwehren, dass deutsche Ärzte jeglichen Vorwand nutzen, um eine werdende Mutter von der Notwendigkeit eines Kaiserschnitts zu überzeugen. (Klar, ist ja für den Arzt auch lukrativer.) Eine Freundin von mir wurde nach den ersten Wehen vor die Entscheidung gestellt:“Die Herztöne Ihres Kindes werden schwächer, wollen Sie lieber gleich einen Kaiserschnitt oder noch warten?“ Wie wird sie sich wohl, von Haus aus recht ängstlich und mit biologischen Vorgängen nur wenig vertraut, entschieden haben?! (Sehr bedrohlich kann der Zustand übrigens wohl kaum gewesen sein, wenn als Alternative auch noch Erst-mal-Abwarten zur Debatte stand.) Ultraschall alle vier Wochen, Fruchtwasseruntersuchung und Kaiserschnitt scheinen ja in Deutschland allmählich zur gängigen Praxis zu werden. Nicht, dass das nicht in echten Notfällen alles segensreiche medizinische Errungenschaften wären – aber eine normale Schwangerschaft braucht eben keine grosse Überwachung und keinen Kaiserschnitt am Ende. Und so wird das hier glücklicherweise auch gehandhabt. Darüber bin ich wirklich froh.

Und mittlerweile habe ich ja sogar das Warten gelernt.

[Finnisierung I, II]