Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Muuminschwedisch

Lauri, der gerade nach mehreren Jahren in Schweden wieder als Professor nach Finnland zurückgekommen ist, und den ich sehr mag – er ist der einzige Finne (also der einzige finnische Mann, meine ich), mit dem ich jemals eine Stunde lang beim Mittagessen gesessen und dabei über Gott und die Welt geredet habe (er schiebt das darauf, dass er zu lange in Schweden war!) – hat mir gestern eine nette Anekdote erzählt:

Er hat einmal in Schweden einen Kollegen zu Hause anrufen wollen. Es ging aber dessen kleiner Sohn ans Telefon, und auf Lauris Frage, ob denn sein Vater zu sprechen sei, rannte das Kind ganz aufgeregt zu seinem Vater: „Papa, Papa, du musst unbedingt ans Telefon kommen, der Mann ruft aus dem Muumintal an!“

Wie er da drauf gekommen ist? Lauri spricht kein „richtiges“ Schwedisch, Lauri spricht Finnlandschwedisch. (Dass sich das ziemlich von „richtigem“ Schwedisch unterscheidet, weiss ich daher, dass ich hier auf der Strasse gesprochenes Schwedisch am Anfang rein von der Intonation her für Finnisch halte, und auch daher, dass die Tonbänder, die wir letztes Semester im Schwedischkurs hörten, sehr viel schwerer zu verstehen waren als unsere Lehrerin.) Die Muumins in den Trickfilmen sprechen aber auch kein „richtiges“ Schwedisch, weil sie in beiden Versionen – Finnisch und Schwedisch – von YLE in Finnland produziert wurden. Und natürlich wurden sie für Schweden nicht extra synchronisiert. Lauri hat sogar erzählt, dass für eine Theateraufführung von “Sturm im Muumintal“ in Schweden die Schauspieler extra lernen mussten, Finnlandschwedisch zu sprechen, sonst hätten die schwedischen Kinder es nicht akzeptiert. Richtiges Muuminschwedisch muss es schon sein!


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Huwäääh, wir haben gerade bei TYS unsere Wohnung gekündigt, nachdem wir gestern schon bei VASO nach etlichem Hin und Her den Mietvertrag für unsere neue, grössere Wohnung unterschrieben haben. Uns war diese Wohnung eigentlich von Anfang an zu klein, auch für uns zwei schon, schliesslich hatten wir aus Jena Möbel für ganze 20m2 mehr mitgebracht. Nur waren wir nach dem Mörderumzug aus Deutschland – eine logistische Herausforderung über drei Monate und insgesamt fünf Wohnungen/Zimmer/Unterstellmöglichkeiten – einfach zu faul, das alles schon wieder auf uns zu nehmen. Ausserdem war unsere Studentenwohnung gerade funkelnagelneu, als wir im September 2003 da einzogen, und ausserdem war ja alles ach so praktisch: Internet von der Uni, keine Extrakosten für Strom und Wasser, Waschmaschine und Trockenraum im Keller nebenan, und ausserdem so nah an Uni und Stadtzentrum, dass man theoretisch nicht einmal ein Fahrrad bräuchte (ich schon, ich bin ja bekanntermassen zu faul zum Laufen und kriege Muskelkater, wenn ich doch mal auf mein Rad verzichten muss). Wahrscheinlich würden wir auch noch in fünf Jahren dort wohnen, wenn wir jetzt nicht wirklich gezwungen wären, in eine grössere Wohnung zu ziehen. Nicht, dass ich der Meinung wäre, ein Kind bräuchte von Anfang ein eigenes Zimmer. Ich halte auch Einrichtungen wie einen passend zum Kinderzimmermöbel designten Wickeltisch für überflüssig. Aber ein Bettchen sollte das Kind schon haben, und beim besten Willen – in unser Schlafzimmer passt höchstens noch das aus der KELA-Kiste zusammenbaubare Erstlingsbettchen. (Die KELA-Kiste ist übrigens eine der schönsten finnischen Einrichtungen: die bekommt jede Mutter kostenlos zur Geburt ihres Kindes. Darin sind die wichtigsten Kleidungsstücke und Gegenstände, die ein Baby in den ersten Wochen braucht, und die Kiste selbst kann man, wie gesagt, zu einem Bettchen umbauen. Wahlweise kann man sich auch für 140 € in bar entscheiden, was aber kaum jemand tut, weil das sehr viel weniger als der Wert der Sachen in der Kiste ist.)
Also doch umziehen. Was sich für uns als gar nicht sooo einfach entpuppte, da es in Finnland kaum Mietwohnungen gibt. In Finnland werden Wohnungen gekauft, mit Krediten mit niedrigsten Zinsen (so um die 2,5%) finanziert, und bei Bedarf eben wieder verkauft. Wohnungkaufen ist hier sehr einfach und keineswegs endgültig. Aber trotzdem behagte uns der Gedanke daran nicht so recht. Bei TYS haben wir uns auf eine Warteliste für eine Dreizimmerwohnung setzen lassen, auf der wir sogar noch ein ganzes Stück nach vorn gerückt sind, allein auf Grund der Tatsache, dass wir ein Kind erwarten, aber im August sagte man uns trotzdem, dass es wohl ungefähr ein Jahr dauern kann. Ausserdem hätte eine Wohnung bei TYS bedeutet, dass wir gleich schon wieder den nächsten Umzug hätten einplanen müssen, weil wir dort hätten ausziehen müssen, sobald ich meine Doktorarbeit fertig habe und vielleicht nicht mehr an der Uni arbeite. Eine private Mietwohnung war uns zu unsicher (wer weiss, wann die dann doch verkauft werden soll), und die zwei kommunalen Mietwohnungen, die wir uns angesehen haben, waren so unter aller Sau, dass wir uns gedacht haben, die sind wohl wirklich nur für Leute, die sich wirklich gar nichts anderes leisten können. Wir haben uns dann für ein Zwischending entschieden: es gibt hier viele sogenannte „Wohnrechtswohnungen“. Dort kauft man sich am Anfang für ca. 10 bis 15% des Kaufpreises das Wohnrecht in der Wohnung. Man zahlt dann zwar trotzdem noch eine monatliche Miete, die liegt aber schon deutlich unter den „normalen“ Mieten für eine vergleichbare Wohnung. Gut ist, dass man in diesen Wohnungen unkündbar ist, und wenn man auszieht, muss man sich nicht selbst um einen neuen Käufer kümmern. Den am Anfang eingezahlten Geldbetrag bekommt man auf jeden Fall zurück, wenn der Wert der Wohnung inzwischen gestiegen ist, auch mehr.
Naja, und so werden wir jetzt – auch typisch finnisch – in eine Reihenhauswohnung (jaja, wir werden spiessig!) ziehen. Nur 2,5 km weiter vom Stadtzentrum entfernt als unsere jetzige Wohnung, und doch schon mitten im Wald und gar nicht weit weg vom Fluss. Wie das hier so ist…
Der Umzug wird diesmal bedeutend einfacher werden, da wir beide Wohnungen für zwei Wochen gleichzeitig haben und einfach nach und nach alles rüber fahren können.
Trotzdem waren wir beide heute früh ein kleines bisschen traurig. Kündigen ist immer doof. Immerhin war das zwei Jahre lang unser Zuhause. *schnüff*


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Ich habe gerade Erkki gesagt, dass meine nächste Feldsaison ausfallen wird. Er war nicht gerade übermässig begeistert (Aber wann hätte ein finnischer Mann auch schon mal irgendeine überschwengliche Reaktion gezeigt…!), aber fand es ganz normal. So wie das in Finnland eben ist. Mein Gehalt bekomme ich dann nach den 10 Monaten Mutterschaftsurlaub einfach für die noch verbleibenden Monate unseres Projekts weiter gezahlt, so dass sich dadurch sogar die Nachteile des blöden timings am Anfang (dass wir das Geld erst im September statt wie geplant im Mai bekommen haben und ich somit nach der Feldsaison in Turku angefangen habe, was bedeutete, dass ich in meinem Drei-Jahres-Projekt nur zwei Sommer für die Feldarbeit hätte) wieder ausgleichen. Das fand er auch gut. Seine einzigen Bedenken betrafen unsere jährliche Vegetationsaufnahme auf den Inseln. Macht alles nichts, hab’ ich gesagt, innerhalb von zwei Jahren sieht man sowieso keine Veränderungen, also ist es umso besser, wenn sich alles nochmal ein Jahr nach hinten verschiebt. Nur jemand müsste die Mäuse von den fünf entsprechenden Inseln runterfangen nächsten Sommer. Was keine grosse Sache ist. Und vielleicht kommt ja Peter, unser australischer Kooperationspartner, im Sommer wieder?!

Peter ist gerade für zwei Wochen in Turku und sitzt gleich über den Gang am Computer. ”Peter,” fragte ich ihn voller Hintergedanken, ”kommst du eigentlich nächsten Sommer wieder her?” ”Hm, ich wollte eigentlich, aber ich weiss noch nicht. Wir bekommen nämlich im Januar ein Baby.”

Gut, wir können ja auch eine Krabbelgruppe auf den Inseln aufmachen. ;-)


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Das Projekt Schwedischkurs

…hat sich glaub’ ich erstmal erledigt. Letztes Semester, zweimal die Woche von 8-10 Uhr, war perfekt. Ich kann auch um 10 anfangen mit Arbeiten statt um neun. Aber zweimal die Woche mitten am Tag für zwei Stunden in die Åbo Akademi latschen müssen, nee, das kostet mich irgendwie zu viel Zeit, die ich, da muss ich Erkki AUSNAHMSWEISE mal recht geben, für Wichtigeres brauche. (Aber dafür habe ich dieses Semester wieder einen guten Finnischkurs gefunden. So ganz ohne fehlt mir was, und der neue Kurs bei einer neuen Lehrerin macht auch richtig Spass.) Ausserdem habe ich langsam keine Lust mehr, ständig bei den Schweden dafür zu Kreuze zu kriechen, dass ich bittebitte ihre Sprache lernen darf, die laut Gesetz hier ja jeder können muss.
Gleich zu Beginn habe ich gesagt, dass ich mit dem Kurs am Donnerstag ein Zeitproblem habe, da er sich zur Hälfte mit unserem Doktorandenseminar überschneidet, zu dem ich unbedingt gehen muss. ”Ich werde dann wohl fast jeden Donnerstag nur eine statt zwei Stunden am Kurs teilnehmen können…” ”Na, das musst du selber wissen, ob das geht.” ”Na ich dachte, ich könne dafür vielleicht ein paar mehr Hausaufgaben bekommen.” ”Nee, das geht nicht. Wir haben unsere Regeln, und wer weniger als 75% der Kurszeit anwesend ist, der darf den Kurs nicht abschliessen.” Ich LIEBE Regeln! Vor allem, wenn sie unumstösslich und nicht verhandlungsfähig sind.
Ausserdem muss man als Student der finnischen Uni einen Antrag stellen, wenn man Kurse an der schwedischen Uni belegen will. Für den Antrag braucht es nicht weniger als drei ausgefüllte Vordrucke plus die Unterschriften diverser verantwortlicher Personen der finnischen Uni, die aber nur zu ganz bestimmten Zeiten anzutreffen sind. Ich habe für diesen Antrag damals ungefähr zwei Wochen gebraucht. Am Montag ging ich in das Büro der Åbo Akademi, um nachzufragen, warum ich denn immer noch keine Studentennummer von ihnen erhalten hätte. Nach ein bisschen Gesuche im Computer nach meiner Sozialnummer und meinem Namen bekam ich zur Auskunft:”Weil Sie überhaupt keinen Antrag abgegeben haben.” Bitte?! Und wie bitte kommen dann die credits vom erfolgreich abgeschlossenen Schwedischkurs letztes Semester auf mein Creditkonto? Ohne diesen Antrag hätte ich die doch überhaupt nicht gutgeschrieben bekommen! Daraufhin zuckte die überaus liebenswürdige Dame mit den Schultern und riet mir:”Sie brauchen ja nur den Antrag nochmal auszufüllen.” Ach, NUR?! ”Nur” wieder drei verschiedene Unterschriften einholen? ”Nur” wieder von einem Büro zum anderen rennen? ”Nur” wieder zwei Wochen dafür zu brauchen? Und am Ende meinen Antrag wieder verschlampt zu bekommen?!
Wenn ich die Finnlandschweden nicht hätte, hätte ich vielleicht schon ganz vergessen, warum ich es in Deutschland nicht mehr aushalten würde. Diese Regelreiterei! Und diese Unfreundlichkeit! WIE oft habe ich das früher bei der Bahn gedacht, und jetzt genauso: wenn einer dieser Leute mal von Anfang an einen Fehler zugeben würde, von Anfang an sagen würde ”Es tut uns leid, uns ist da wohl ein Fehler passiert. Könnten Sie vielleicht…?”, dann wäre den wütenden Kunden von Anfang an der Wind aus den Segeln genommen. Aber so?
Und, was hab’ ich nun davon, wenn ich da nicht mehr hingehe? Dass ich mir selber die Chance nehme, relativ leicht nebenher noch eine Sprache zu lernen, die mir hier durchaus von Nutzen sein könnte. Eine tolle Lehrerin hätten wir dieses Semester auch. Aber ich will nicht mehr. Nicht um jeden Preis. Und um derlei Sachen zu erleben, bin ich bestimmt nicht nach Finnland gegangen.


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Unser Klassentreffen war übrigens sehr schön. Keiner von uns hatte sich wesentlich verändert, weder im Charakter noch im Aussehen, und wir waren uns von Anfang an kein bisschen fremd, obwohl sich die meisten von uns seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hatten. Es war, als würden wir nach den langen Sommerferien zusammensitzen und uns erzählen, was wir in den freien Wochen so erlebt haben. Es war das gleiche Zusammengehörigkeitsgefühl, das die vier Jahre auf der Spezialschule so besonders schön gemacht hat. Ja, meine Studienzeit war schön – mehr Freiheiten, mehr Unabhängigkeit, klar – aber die vier Jahre auf der Spezialschule, die waren doch was ganz Besonderes. Vielleicht sogar noch schöner. Aber das sagt man ja hinterher immer. ;-) Ausserdem, ich geb’s zu, so gut war ich in Naturwissenschaften gar nicht. Chemie habe ich einfach nicht begriffen. Und als ich die letzten zwei Jahre in einen neuen Mathekurs kam, hatte ich total den Anschluss verpasst. Wenn mir nicht die andere Karen (wir machten uns einen Spass daraus, in allen Kursen, die wir gemeinsam hatten, nebeneinander zu sitzen) stets bereitwillig ihre Lösungen überlassen hätte, dann wäre ich wohl nicht sehr weit gekommen. (Aber Physik fand ich toll. Und Bio auch.) Wahrscheinlich lag es daran, dass es bei uns schon gar nicht mehr so richtig wie in der Schule zuging. Wir hatten prima Lehrer, nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern überall. Deutsch machte auf einmal unheimlich Spass. Und Sport auch. In der 9. Klasse fuhren wir mit unserem jungen Physiklehrer auf Klassenfahrt, der liess uns einfach machen, Tag und Nacht, wenn wir wollten, statt den Wachhund zu spielen. Meistens machte er mit. Wir hatten einen Geschichtslehrer, der musste sich während Klassenarbeiten immer plötzlich ganz intensiv mit der Pflege seiner Blumen beschäftigen, besonders der Blumen draussen im Vorbereitungszimmer. Wahrscheinlich hat er sich gesagt, was soll ich diese Naturwissenschaftler mit Geschichte triezen, ein bisschen was wird schon auch so hängenbleiben. Und das tat es auch.
Und ich hatte prima Mitschüler. Die ersten beiden Schuljahre war ich in einer Klasse mit zwei Mädchen und 18 Jungs. Wir waren überhaupt nur 10 Mädchen unter den insgesamt 60 Spezis unseres Jahrgangs. Das übliche Teeniegezicke fiel also schon mal aus. Und ich habe mich mit „meinen Jungs“ immer wohl gefühlt. (Das war vielleicht eine Umstellung, als ich im Studium auf einmal wieder mit lauter „Weibern“ klarkommen musste…!)

Tja, nun sind wir also alle mehr oder weniger das geworden, was wir damals werden wollten. Die meisten von uns sind vor nicht allzulanger Zeit erst mit ihrem Studium fertiggeworden oder arbeiten an ihrer Doktorarbeit. Keine umwerfenden Neuigkeiten. Die Sensationen waren anderer Art:

Spezimädchen 1 steht mit dickem Bauch herum. „Ist das dein erstes?“ „Ja, also, das erste UND das zweite.“ Wow, Zwillinge!
„Was machst du denn jetzt so?“, frage ich Spezimädchen 2, von der ich weiss, dass sie Forstwissenschaft studiert hat. „Ich bin im Erziehungsurlaub.“ „Mit dem ersten?“ „Naja, mit dem ersten auch… und auch dem zweiten… und auch dem dritten.“ Na gut, wir haben uns sieben Jahre nicht gesehen, da kann man schon inzwischen drei Kinder bekommen haben. „Wie alt sind die denn?“ „Och, die hatten vorige Woche Geburtstag und sind alle zwei geworden!“ Alle, die’s noch nicht wussten, waren erstmal platt. Drillinge!
Gut, ich bin Biologe, ich weiss also sehr wohl, dass sowas weder ansteckend noch umweltbedingt ist. Aber unter 10 Frauen eine mit Zwillingen und eine mit Drillingen? Ein bisschen anders wurde mir schon. Aber seit Montag wissen wir, dass Spezimädchen 3 „nur“ einen Einling erwartet:

Und glaubt mir, es ist mir wirklich schwer gefallen, es nicht eher zu erzählen! Ich musste euch verschweigen, was für eine dumme Idee es ist, in Finnland ausgerechnet im Juli schwanger zu werden. Was man in der Schwangerenberatung für eine tolle Ernährungsberatung bekommt (”Iss kotimainen, dann ist alles bestens!”) Und was man alles so erleben kann, wenn man denn dann plötzlich auf Suche nach einer grösseren Wohnung gehen muss. Das ist mir Lästermaul wirklich nicht leicht gefallen.
Aber das kann ich ja jetzt so nach und nach nachholen.


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Wer’s noch nicht weiss – das ist mein Lieblingsdom:


(Nein, keine Sorge, so kahl sieht’s noch nicht aus bei uns. Das Foto ist vom letzten Jahr!)

Immer schon hab’ ich mir gewünscht, auch mal auf den Turm zu dürfen. Der ist nämlich eigentlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aber gestern ist mir mein Wunsch endlich erfüllt worden. Zu besonderen Anlässen dürfen kleine Gruppen nämlich schon mal rauf. Und weil jetzt das neue Semester angefangen hat und alle aus unserer Gemeinde wieder da sind und die neuen Austauschstudenten auch, durften wir gestern alle mit Mia vor dem Evensong da rauf klettern.

250 davon hoch. (Und die sind ein wenig höher als normale Stufen!) Am Ende klettert man durch eine Luke eigentlich direkt aufs Dach. Zwar kommt darüber noch einmal die Turmhaube, aber man steht auf der „Aussichtsplattform“ schon direkt auf dem grün gewordenen Kupfer, mit dem das ganze Dach gedeckt ist. Ein bisschen abschüssig ist es auch, und wenn etliche Leute gleichzeitig da sind, dann wackelt alles ein bisschen. Aber es gibt immerhin ein Geländer an den vier Öffnungen in der Turmhaube, durch die man runtergucken kann.

Na, schwindelfrei? So sieht der Dom dann aus 80 m Höhe aus.

Direkt über der Aussichtsplattform hängen die (relativ kleinen) Stundenglocken. Alle Viertelstunde gilt es also, sich die Ohren zuzuhalten.

Die grossen Glocken weiter unten im Turm werden nur zu besonderen Anlässen geläutet.

Aber was bitte ist das denn? Ein Saunaofen?! ;-)


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Weil wir gerade heute beim Mittagessen über einen Bootsführerschein (den man in Finnland nicht braucht) und Promillegrenzen für Motorbootfahrer (die recht hoch sind) gesprochen haben, fiel mir die schöne, typisch finnische Geschichte wieder ein:

Im Sommerhaus meiner hostfamily am Päijänne steht auf einem Fensterbrett ein nicht besonders geschmackvolles Thermometer, so mit Holz mit Brandmalerei drumrum. „Wisst ihr, wo wir das her haben?“, fragte uns Leena grinsend bei einem unserer ersten Besuche auf Kariniemi. Wussten wir natürlich nicht. Aber sie hat’s uns gleich verraten: „Vor ein paar Jahren hat die Polizei mal zu Juhannus Alkoholkontrollen bei den Bootfahrern auf dem See gemacht. Und weil Kari ganz und gar nüchtern war, hat er das als Geschenk von der Polizei bekommen.“

Wenn es nicht so traurig wäre, wär’s eigentlich ganz lustig.


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Im Sommer sind wir weggefahren. Fanden es seltsam, dass es in Budapest schon um acht dunkel wurde. Im Herbst sind wir zurückgekommen. Jetzt wird es hier auch um acht dunkel, nur etwas langsamer, nicht so schlagartig. (Aber die Bäume sind noch erstaunlich grün, nur die Birken haben schon ein paar vereinzelte gelbe Blätter.) Ich habe Turku – seit Ewigkeiten, wie mir scheint – nicht bei Nacht gesehen. Und mein erster Gedanke am Mittwochabend angesichts der heimelig beleuchteten Stadt war: Ach, eigentlich könnte es doch bald schneien, das wäre so schön!
(Ich habe besser mit niemandem darüber gesprochen. Auf solch ketzerische Gedanken steht hier bestimmt Landesverweis.)


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“Der Enno mit dem Weblog“

oder Die Welt ist ein Dorf II

Ich war also in Budapest auf Tagung. Traf dort sämtliche Bielefelder Ex-Kollegen einschliesslich meiner Nachfolgerin Anke. Anke erwartete am letzten Tag der Tagung ihren Bruder. Irgendwann erwähnte sie seinen Namen. „Was?“, fragten alle, „Dein Bruder heisst Enno? Den Name habe ich ja noch nie gehört!“ Ich schon. Schliesslich hatte ein gewisser Enno mir mal einen netten Kommentar hinterlassen. Allerdings muss ich gestehen, ich war mir damals auch nicht sicher, ob Enno ein richtiger Vorname oder nur ein Kunstname ist. Nun ja. Ankes Bruder Enno kam also an. Enno kam mit zum Abschiedsdinner der Tagung. Enno war ein netter Kerl und unterhielt sich lebhaft mit uns allen. Irgendwann hörte ich mit halbem Ohr was über das Wetter in Oslo. „Was?“, fragte ich nach, „Wie kommt ihr denn jetzt auf das Wetter in Oslo?“ „Weil ich da wohne.“, antwortete Enno. Enno aus Oslo? Das konnte doch nur… „Du wohnst in Oslo?!“, fragte ich zurück. „Bist du etwa der Enno mit dem Weblog?“ „Ja…“ sagte Enno ein wenig erstaunt, und nach einem nochmaligen Blick auf mein Namensschild samt Landesangabe: „Bist du etwa die Karen mit dem Finnischen Tagebuch?“ „Ja, genau.“ Daraufhin brachen wir, von den anderen erstaunt angestarrt, erstmal in ein längeres Ist-ja-unglaublich- und Kann-ja-nicht-sein- und Da-treffen-wir-uns-ausgerechnet-in-Budapest-Gelächter aus.

Ehrlich wahr! So ist das in Klein-Bloggersdorf.

Die Welt ist ein Dorf I


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Puh! Das war so ein Urlaub, nachdem man erstmal Urlaub braucht. 3000 km mit dem Auto gefahren, in 7 verschiedenen Betten geschlafen, viel gesehen, eine Menge Leute getroffen und alles mögliche in möglichst kurzer Zeit erledigt. Nebenher noch mit einer Erkältung gekämpft (ich werd’ ja immer krank auf Tagungen). Trotzdem war’s schön. Nur eben anstrengend.
Heute gleich den ersten Kurs gehabt (zum Glück „nur“ Schwedisch, Sprachen gehen irgendwie so nebenbei, auch nach fünf Monaten Pause), 30 emails sortiert, die Briefwahlunterlagen ausgefüllt. Zu Hause warten die Schweinchen auf Käfigsäuberung und mindestens fünf Waschmaschinenladungen Wäsche auf’s Waschen. Ich geh’ dann mal und fang damit an. Und dann geh’ ich in mein eigenes Bett und schlafe 12 Stunden am Stück. Jawoll! Gute Nacht!