Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

sataneljäkymmentäviisi

4 Kommentare

Kurz nach drei. Das aus dem Hort heimkehrende Fräulein Maus ruft mich an, wie fast jeden Tag: „Mama, darf ich zu Nella / Aada / Maiju… gehen?“ „Du, heute ist schlecht. Wir wollen doch dann gleich ins Theater gehen!“

Ich pack dann auch mal meine Sachen zusammen und verpacke mich regenfest. Ab aufs Rad. Am Kindergarten erwarten mich draussen ein mit Sand paniertes Michelinmännchen (= der kleine Herr Maus in drei Schichten Draussenkleidung) und drinnen ein Rumpelstilzchen, das lieber noch spielen will (= der grosse Herr Maus). Ich suche Rucksäcke, Fahrradhelme, verkrustete Matschsachen und durchweichte Kleidungsstücke aus dem Trockenschrank zusammen, treibe den grossen Herrn Maus beim Anziehen an und schnalle den panierten kleinen Herrn Maus, der mir gern demonstrieren will, dass er sich unter dem Kindergartentor durchrobben kann, schon mal im Anhänger fest.

Ankunft zu Hause. Zwei Kinder abschnallen, zwei Rucksäcke ausladen. Das Fräulein Maus steht in der Tür: „Ich habe alle Hausaufgaben gemacht. Aber ich muss dir noch vorlesen!“ Der kleine Herr Maus will draussen bleiben. „Ich will mein Fahrrad! Aber mit Licht!“ „Aber nur kurz!“ Ich reiche ihm sein Laufrad, schalte Vorder- und Rücklicht ein und sehe einen glücklichen kleinen Herrn Maus Richtung Spielplatz davonrollern. Ich parke Fahrrad und Anhänger ein, abschliessen, Licht am Anhänger aus. „Darf ich einen Joghurt essen?“, fragt der grosse Herr Maus. Ausgezogen hat er noch kein einziges Kleidungsstück. Ich treibe ihn an. „Ich will auch einen Joghurt!“ ruft das Fräulein Maus. „Und Apfel!“ Beflissen wäscht sie schon mal zwei Äpfel ab. Immerhin. Der grosse Herr Maus schmeisst Fleecejacke und Halskrause auf das Schuhregal. „Grosser Herr Maus, nicht da hinschmeissen!“, mahne ich. Im Folgenden reicht er mir jedes Kleidungsstück zum Wegräumen, er kommt ja nicht an sein Fach. Ich habe noch nicht mal meinen Rucksack abgelegt. Bimbim, der kleine Herr Maus steht vor der Tür. „Ich komm‘ jetzt rein!“ Super. Ich muss nochmal Schuhe anziehen, um rauszugehen und sein Licht am Laufrad ausschalten. Dann schäle ich den kleinen Herrn Maus aus seinen sandpanierten Sachen und befördere selbige umgehend in die Waschmaschine. Auch die vom grossen Herrn Maus, die er am Vormittag im Kindergarten draussen anhatte. Aber die muss ich erst aus dem Rucksack holen. Waschmaschine an, Jacke aus. „Wann gibt’s denn nun endlich Joghurt?!“ ruft der grosse Herr Maus. „Warst du schon Händewaschen? Dann aber schnell!“ „Ich will auch Joghurt!“ kräht der kleine Herr Maus. Händewaschen mit dem kleinen Herrn Maus, dreimal Joghurt reichen. Die beiden grossen Mäusekinder sind so aufgedreht, dass es mit dem Essen eher nichts wird. „Hände und Schnute waschen!“ ordne ich an. „Und nochmal aufs Klo! Und dann anziehen!“ Ich verteile Theatergarderobe auf dem Flurfussboden. Der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus ziehen sich an. Der kleine Herr Maus rast durch die Wohnung. Der Ähämann kommt mit dem frisch winterbereiften Herrn Picasso und lässt ihn gleich vor der Haustür stehen. Bimbim. Die Nachbarskinder klingeln. „Kommt das Fräulein Maus raus? Und die Jungs?“ Tür wieder zu. Schuhe an. Bimbim. Der Lieblings-Ex-Nachbar kommt, um unseren Herd abzuholen, den wir ihm vermacht haben. (Wenn wir das alles gewusst hätten, hätten wir ihn vor zwei Jahren gleich nur in die Nachbarwohnung gebracht, statt mit ihm umzuziehen und dann zwei Jahre im Luftschutzraum rumstehen zu lassen…) Die Kinder fallen ihm um den Hals. „Esa, guck mal…!“ „Esa, hör mal…!“ Der kleine Herr Maus muss nun auch noch angezogen werden, denn er will ja schliesslich mithelfen bei der Verladung des Herdes.

Fräulein Maus, grosser Herr Maus, einsteigen!“ ordne ich an. Die stehen unterdes mit den Nachbarskindern an der Ecke und kichern. „Einsteigen! Wir wollen doch nicht zu spät ins Theater kommen!“ Zwei Kinder festschnallen, einem Kind winken. Losfahren.

Puh. Zum Glück habe ich den Plan, mit dem Bus zu fahren, noch rechtzeitig aufgegeben. Auf dem Weg sehen wir die 145. Und pünktlich sind wir auch.

Was wir gesehen haben? ”Heinähattu und Vilttitossu” im Jungen Theater Turku. “Das war schön!” fand der grosse Herr Maus. “Ja,“ stimmte das Fräulein Maus zu, „fast wie im Theater für Erwachsene!“

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144]

4 Kommentare zu “sataneljäkymmentäviisi

  1. Und wann hast Du Luft geholt? :o)

  2. Und weißt du was? In ein paar Jahren liest du dir das wieder mal durch und wirst ganz wehmütig, obwohl es doch so furchtbar anstrengend und wuselig war. So geht es mir jedenfalls, wenn ich das lese. :) Die Kinder werden so schnell groß und selbstständig und versorgen sich selbst mit Joghurt und Äpfeln…

    Viele Grüße,
    Lena

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s