Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Hinterlasse einen Kommentar

Februarfrostnächte

Wir haben gerade einen etwas… *hüstel*… erhöhten Kerzenverbrauch.

(Es ist jetzt aber auch schon fast die letzte Gelegenheit. Denn obwohl nachts um die -20°C sind, wärmt die Sonne nachmittags schon so stark, dass das Eis einfach sublimiert. Und überhaupt lohnt sich Kerzen anzünden bald nicht mehr, es ist ja schon jetzt wieder bis halb sieben hell!)


Ein Kommentar

Das Eislicht im Klimawandel

In den vergangenen Wochen habe ich mich ziemlich oft gewundert: als es nämlich in Deutschland mal ausnahmsweise richtig kalt war und auf einmal allüberall so komplizierte Bauanleitungen für Eislaternen zu lesen waren. Also wirklich kompliziert mit Zwei-von-der-Grösse-her-passende-Gefässe-finden und Das-innere-Gefäss-möglichst-mittig-austarieren und Dabei-hilft-dieses und Ein-Trick-ist-auch-jenes und Am-Ende-muss-man-die-Gefässe-vorsichtig-auseinanderpulen.

Als mein finnischer Diplomvater mir beibrachte, wie man ein Eislicht macht, waren seine Anweisungen dagegen ganz einfach gewesen: „Du nimmst einen Eimer, füllst ihn bis obenhin mit Wasser, stellst ihn eine Nacht lang raus, drehst ihn am nächsten Tag um und schüttest das restliche Wasser weg. Fertig.“

Ja, ich habe ihn damals auch ein bisschen ungläubig angeguckt… denn irgendwo muss doch der Hohlraum bleiben?! Irgendwo muss doch das Loch herkommen, in das ich dann die Kerze stellen kann?!

Aber das passiert ja von ganz allein! Obendrauf gefriert das Wasser logischweise am schnellsten und somit am dicksten. Das wird später der Boden der Eislaterne. Dann gefriert das Wasser im Eimer von aussen nach innen. Und erst dann am Boden. Idealerweise passt man also den Zeitpunkt ab, an dem sich am Eimerrand schon eine ausreichend dicke Eisschicht gebildet hat, aber der Eimerboden noch nicht oder zumindest noch nicht vollständig gefroren ist. (12 Stunden bei -10 Grad sind eine ganz gute Faustregel für einen 10-Liter-Eimer. Bei stärkerer Kälte entsprechend kürzer. Bei weniger als -10 Grad braucht man meiner Erfahrung nach gar nicht erst anzufangen.) Dann kann man den Eimer kurz ins Warme stellen bis die Seiten angetaut sind, dann draussen das Eis vorsichtig aus dem umgedrehten Eimer herausrutschen lassen, das restliche Wasser ausschütten, eine Kerze reinstellen, fertig.

Sollte der Boden doch schon ein bisschen gefroren sein, kann man ihn vorsichtig aufklopfen. Trotzdem habe ich in letzter Zeit erstaunlich viele Eislichter genau dabei zerdeppert. Das ist mir damals auf der mittelfinnischen Forschungsstation nie passiert! Es hat eine Weile gedauert, bis mir aufgegangen ist, was anders ist: damals stellte ich den Eimer mit Wasser abends auf mindestens 30 cm Schnee, heute steht er fast immer auf dem blanken Asphalt. Und weil Schnee so gut isoliert, gefriert das Wasser auf dem Schnee natürlich viel langsamer als auf Asphalt! Wenn man das aber erstmal herausgefunden hat, kann man da leicht was dagegen tun: ich stelle die Eimer jetzt immer auf unsere zahlreich vorhandenen Wander-Sitzunterlagen.

Wogegen man leider nichts tun kann: dass es kaum noch längere Zeit am Stück wirklich kalt ist. Es braucht nämlich mindestens -10 Grad, damit die Kerze nicht das Eislicht von innen schmilzt. (Und nein, so eine unsägliche LED-Kerze kommt mir nicht ins Haus Eislicht!)

Auch das Eislichtherstellen funktioniert also am besten, wenn die Winter so sind, wie sie sein sollten: kalt und schneereich. Aber ach…!

(Hier noch ein sehr schöner Artikel – leider nur auf finnisch, aber die Fotos sprechen für sich – über ein kleines Dorf in Ostfinnland, in dem die Einwohner jedes Jahr für die Weihnachtsnacht über 1000 Eislichter herstellen und damit ihre Dorfstrasse schmücken.)


4 Kommentare

-15°C, Sonne, Feiertag

Auf der Forschungsstation, auf der ich meinen allerersten finnischen Winter verbrachte, hatte man mir glaubhaft versichert, 3 cm würden reichen, einen Menschen zu tragen. Nie im Leben würde ich auf nur 3 cm dickes Eis gehen… aber der See war heute schon mindestens 10 cm dick gefroren. (Das war sehr schön zu sehen, weil das Eis noch ganz klar und durchsichtig ist.) Und das nach gerade mal zwei richtig kalten Tagen!

So schön, wenn noch kein Schnee gefallen ist – das, was auf dem Eis liegt, ist gefrorene Luftfeuchtigkeit, die jeden Abend wie Sterntaler vom wolkenlosen Himmel segelt – und man fahren kann, wohin man will!

(Denn wenn erst einmal Schnee liegt, muss man warten, bis das Eis einen Traktor trägt, der eine Bahn freischieben kann. Und das dauert dann erfahrungsgemässs doch ein Weilchen.)


9 Kommentare

Im Hafenbecken baden

Das einzige, was im Hostel auf Suomenlinna fehlt, ist eine Sauna. (Es handelt sich bei dem Hostel um ein historisches Schulgebäude. Vielleicht wäre es zu kompliziert geworden, eine Sauna einzubauen.)

Aber es gibt da ja seit Neuestem Abhilfe.

Vorfreudig hatten wir die erst diesen Herbst eröffnete Sauna und das Schwimmbecken im Hafen schon mehrmals von der Fähre aus beäugt, dann aber beschlossen, dass es im Dunklen bestimmt noch schöner wäre, da zu baden.

(Und wir nach ausgedehnten Stadtspaziergängen auch durchgefroren genug, um Sauna und warmes Badewasser besonders nötig zu haben.)

Es war dann auch tatsächlich sehr schön – und ein bisschen skurril – mit Blick auf den angestrahlten Dom und neben den haushohen Schwedenfähren quasi im Hafenbecken herumzuschwimmen.

Bewacht von in Daunenjacken mit Pelzkragen verpackten Rettungsschwimmern, die ausserdem alle zwei Minuten das Eis von der Treppe kratzen mussten, weil Frost und nasse Füsse, die von der Sauna ins Schwimmbecken und noch nassere Füsse, die vom Schwimmbecken zurück in die Sauna tapsen, nun mal keine besonders günstige Kombination sind.

(Nächstes Mal denke ich beim Packen besser nicht nur ans Saunamützchen, sondern auch an die Eisbadeschuhe!)