Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

kaksisataayhdeksänkymmentäkuusi

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Am Dienstagabend, als ich entnervt mein Telefon in die Tasche zurückpackte, weil man von Finnlands grösster Tageszeitung inzwischen nur noch gefühlt drei Artikel pro Monat kostenlos online lesen kann, das örtliche Wurstblatt die lokale Tageszeitung aber keine Alternative ist, fiel mein Blick da, wo man vorm Inder sein Elektroauto laden kann und wo inzwischen ziemlich oft Autos mit Kabel im Tankdeckel stehen, auf einen geparkten, ziemlich neuen, blauen Volvo. So ein schönes Blau, wie man es seit Jahren nicht mehr auf den Strassen sieht. Und es war eine 296!

Zum Busfahren und Zeitunglesen kam ich übrigens nur, weil es in Turku mit dem Winterdienst neuerdings überhaupt nicht mehr klappt. Ich brauche weder Salz noch Streugut auf den Radwegen – aber bei tiefem Schnee, möglicherweise noch nassem, hören meine Radfahrfähigkeiten auf.

Nun haben wir ja seit diesem Winter in Turku offiziell ein Stück Winterradweg. Der soll nicht gestreut werden, dafür soll der Schnee nicht nur geschoben, sondern gefegt werden. Klingt soweit gut. Allerdings soll er „bei Bedarf“ auch gesalzt werden, und da haben wir den Salat: es wird da jetzt nämlich einfach immer Salz draufgekippt, in der Hoffnung, dass es seine Wirkung schon tun wird. Tut es auch – allerdings nicht nur auf dem Winterradweg, sondern auch auch an der Fahrradkette und an der Schaltung. So viele Probleme mit der Gangschaltung wie in diesem Winter hatte ich noch nie!

Ausserdem ist es jetzt so, dass zwar das Stückchen Winterradwegteststrecke fast immer komplett schneefrei ist, dafür aber die anderen Radwege überhaupt nicht geräumt werden. Besonders schön ist das dann an den Stellen, wo das Salz von den Radfahrern noch mindestens 100 m auf so einen ungeräumten Radweg gefahren wurde. Statt dass sich dort der Schnee allmählich zu einer harten Schicht, auf der man wunderbar fahren kann, festfährt, bildet sich braune Matschepampe, die jeden noch so guten Spikereifen zum Schlingern bringt.

Es werden übrigens nicht nur die Radwege nicht mehr geräumt.

Als wir noch in der vorherigen Wohnung wohnten, kam, wenn es abends angefangen hatte zu schneien, der Schneepflug früh um vier (!) und räumte schon mal das Gröbste von den Fusswegen. Und wenn man gegen acht zur Arbeit ging, waren auch alle Strassen geräumt. Gut, es war manchmal nicht ganz perfekt: wenn der Strassenschneepflug schon dagewesen war, waren die Haltestellen verschüttet und man musste über einen Schneewall in den Bus klettern. War die Haltestelle freigeräumt, waren die Ausfahrten verschüttet. Wurden die Ausfahrten geräumt, bildeten sich Schneewälle quer über die Fusswege. Wenn es sehr viel schneite, dauerte es schon mal ein paar Stunden, bis man wieder ungehindert überall hin konnte. Aber immerhin wurde dran gearbeitet.

Heutzutage werden in Turku die wichtigsten Durchgangsstrassen freigeschoben und grosszügig mit Salz versehen; kleine Nebenstrassen und Rad- und Fusswege müssen auch mal zwei bis drei Tage nach Neuschnee warten, bis da was passiert. Unsere Hausmeisterfirma kommt auch nur noch jeden zweiten Tag mit dem Schneepflug – was immerhin die rodelnde Nachbarskinderschar freut, aber ich finde ja, die könnten lieber mal sofort den Schnee wegmachen statt im Sommer jede Woche den gar nicht vorhandenen, weil sofort niedergemetzelten, Rasen zu mähen.

Ich fahre also neuerdings Bus, wenn es schneit oder am Vortag geschneit hat.

Wie schön, dass es heute und morgen 30 cm Neuschnee geben soll. Und die Busfahrer morgen streiken werden.

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5 Kommentare zu “kaksisataayhdeksänkymmentäkuusi

  1. Hm, mit neuer Staatsbürgerschaft einen Brief an die Stadtverwaltung schicken? ;) Ich finde es ja sowieso krass, dass ihr im Winter noch Fahrrad fahren könnt!

    • Man hat ausdrücklich um Rückmeldungen zur Winterradwegteststrecke gebeten, einfach online – nur ich brauche dafür doch immer dreimal so lang wie jemand anders, weil mir die finnischen Sätze nicht einfach so auf die Tastatur laufen wie die deutschen und ich ausserdem Rechtschreibung und Grammatik immer noch fünfmal nachprüfen muss, bevor ich das wegschicke. Aber ich muss das wirklich machen!

      • Ojee, das kenne ich. Auf Deutsch geht alles so hervorragend schnell, auf Japanisch ist es (außerhalb der Standardsätze) teils ein Krampf, und dann will ich mich natürlich auch nicht direkt mit dem ersten Wort als Fremdländerin outen und prüfe deswegen alles fünf Mal, und am liebsten kann sowas eigentlich alles mein Mann machen. ;)

  2. Könntest du nicht deine Tochter einspannen? Du diktierst, sie schreibt. Finde es zwar blöd, die Kinder als Simultanübersetzer einzusetzen, aber in dem Fall durchaus verständlich. Und bei dir hapert es ja nicht an der Sprache, sondern an den Ansprüchen, denen du gerecht werden möchtest.
    Als Belohnung für diese Extraaufgabe gibt es dann halt mal was Besonderes.

    LG aus Ostthüringen
    Sandra

  3. … bei uns scheinen die Schneeräumer bei angekündigtem Schneefall immer urplötzlich überrscht zu sein, als ob sie noch nie etwas vom Wetterbericht gehört hätten …

    Jetzt hast Du ja bald die Kolmesataa erreicht, alle Achtung! Viel Glück bei den nächsten vier Nummern!

    Alles Gute und lieben Gruß, Michael

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