Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

sataseitsemän, satakahdeksan

6 Kommentare

Nasennebenhöhlenentzündung. Und das mitten im Sommer. Braucht kein Mensch – ausser vielleicht einer, der Kennzeichen sammelt, mit dem Bus zum Arzt fährt, an der ersten Kreuzung, an der der Bus warten muss, die 107 vorbeifahren sieht und dann weiss, dass der Bus auch noch an der 108 vorbeikommen wird, die an der Strasse, die der Bus Richtung Stadtzentrum nimmt, wohnt, und deshalb an der richtigen Stelle den Blick vom Buch zum Fenster raus lenkt.

Apropos Nasennebenhöhlenentzündung. Das ist ja erst die zweite, die ich in meinem ganzen Leben gehabt habe. Der ersten habe ich die Begegnung mit der bisher einzigen finnischen Ärztin zu verdanken, die auch noch was anderes als die Segnungen der finnischen Pharmaindustrie kannte – die mir nämlich ausser einem Antibiotikum auch „viel trinken“ und „Dampfbäder“ verordnete. (Lustig ist allerdings, dass das Prinzip „Dampfbad“ – also Schüssel mit heissem Wasser, Handtuch, Kopf dazwischen – in Finnland gänzlich unbekannt zu sein scheint. Sie sagte jedenfalls: „Du musst jetzt dafür nicht extra in die Sauna gehen, aber Dampf aus der Dusche ist schon mal gut. Und wenn du einen Kaffee oder einen Tee trinkst, kannst du ruhig deine Nase ein bisschen über die Tasse halten.“)

Sowas hört man sonst von keinem Arzt hier. Behandelt wird mit Antibiotika, Schmerzmitteln und dubiosen Hightech-Medikamenten. Gestern also bekam ich zusätzlich zum Antibiotikum statt „Viel trinken und Dampfbad machen“ ein Medikament zum Schleimhautaustrocknen verordnet. Oral einzunehmen, versteht sich, damit auch gleich alle Schleimhäute was davon haben. Ich hab‘ dann in der Apotheke dankend drauf verzichtet. Und bereite mir jetzt ein Kamillendampfbad.

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6 Kommentare zu “sataseitsemän, satakahdeksan

  1. Gute Besserung!
    Das mit den unbekannten Dampfbädern finde ich (im Land der Saunen) witzig. Allerdings scheint das hier in D auch aus der Mode zu kommen.

    • Hm. In Deutschland habe ich den Eindruck, es gibt – überspitzt gesagt – die einen, die ausschliesslich auf Hightech-Medizin schwören, und die anderen, die nichts ausser Homöopathie akzeptieren. Einen gesunden (haha) Mittelweg scheint es nicht zu geben. (Und in Finnland gibt es gleich überhaupt nur Hightech-Medizin…)

  2. Das Dapfbad (unter dem Handtuch meist mit Kampfer) war in meiner Kindheit in Finnland durchaus ein gängiges Hausmittel bei Husten und Schnupfen. Allerdings war ich Kind bevor es die allgemeine Krankenversicherung ( KELA) gab und ab 1967 auch die Arzt- und Medikamentenkosten übernahm. Hausmittel werden halt nicht an der Uni gelehrt, und an denen verdient niemand Geld. Verknüpfungen zwischen Pharmaindustrie und Ärzteschaft sind wohl allgemein bekannt.

    • Ja, leider…

      Und ich bin ja gar nicht gegen die Pharmaindustrie: wie gut zum Beispiel, dass es Antibiotika gibt, die viele Krankheiten, die früher tödlich waren, heute Pillepalle erscheinen lassen! Aber deswegen muss man ja nicht auf jedes Symptom gleich mit der pharmakologischen Keule draufhauen…

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