Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wollsocken im Klassenzimmer (8)

Weil mich von Zeit zu Zeit die immer gleichen Fragen per Mail erreichen – und der Dauerbrenner sind immer noch Fragen zum finnischen Schulsystem – möchte ich die nach und nach hier beantworten. Natürlich völlig unobjektiv auf meiner Erfahrung mit drei Schulkindern, die derzeit die Klassen 3, 5 und 7 besuchen, basierend. Heute mit einer lustigen Frage, die eine lange Antwort nach sich zieht.

Gibt es in Finnland Schulfächer, die es anderswo nicht gibt? Eishockey zum Beispiel?

Hihi. Eishockey ist zwar durchaus eine wichtige Sache hierzulande, aber ein extra Schulfach gibt es dafür nicht.

Es wird aber tatsächlich Eishockey gespielt im Sportunterricht, und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr Beispiele fielen mir ein, dass es zwar keine anderen Unterrichtsfächer gibt als anderswo, aber dass sich der Inhhalt vielleicht tatsächlich ein bisschen unterscheidet. Dass Schule hierzulande nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem aufs Leben vorbereiten soll.

Fremdsprachen: Schwedisch statt Latein

Ich musste als erste Fremdsprache Russisch lernen. Sechs Jahre lang habe ich im Russischunterricht gesessen und immer die besten Noten dafür bekommen – und am Ende trotzdem nicht das Gefühl gehabt, mich im Ernstfall auch nur ansatzweise auf Russisch verständigen zu können. Der Englischunterricht war am Anfang so ähnlich: in unserem Lehrbuch fanden sich so essentielle Sätze wie Mike is a mechanic. Mike is out of work. Dann kam die Wende, ich wechselte von Russisch zu Französisch, und schon nach zwei Jahren Unterricht – von denen ich das erste wegen Schulwechsel quasi nochmal wiederholte – konnte ich mich im Urlaub in Frankreich leidlich verständigen. (Und habe zum ersten Mal erlebt, wie motivierend das ist. Und dass es völlig wurscht ist, ob man alles immer ganz perfekt ausspricht und alles immer grammatikalisch korrekt ausdrückt.) Später habe ich noch Tschechisch und Finnisch gelernt – keine Weltsprachen, aber Sprachen, die ich aus Gründen gern können wollte – und ja, es ist tatsächlich so, dass sich jede neue Sprache leichter lernt.

Ich bin jedenfalls ein grosser Fan von praktisch anwendbaren Fremdsprachen, und deswegen finde ich es nicht nur toll, dass die Kinder hier seit neuestem schon ab der ersten Klasse Englisch lernen (unsere allerdings haben alle erst in der dritten damit angefangen), sondern ich finde auch den eher unbeliebten Schwedischunterricht ab der 6. Klasse gut. Schwedisch ist nun mal zweite Amtssprache in Finnland – und vor allem ist es eine Sprache, die man auch wirklich gebrauchen kann: denn wenn man Schwedisch kann, dann kommt man auch in Norwegen und Dänemark zurecht und wird höchstens in Schweden wegen seines Muminschwedischs ein bisschen belächelt.

Es gibt in Turku auch eine Schule, in der man in der Abiturstufe Latein und Altgriechisch lernen kann – aber sonst beschränkt sich das Sprachenangebot neben Englisch und Schwedisch je nach Schule auf Spanisch, Russisch, Deutsch und Französisch. Und ja, mir hat man damals auch gesagt, wenn man Biologie studieren will, dann muss man Latein lernen – das muss man aber überhaupt nicht: das bisschen Latein, das man braucht, um sich Fachbegriffe auch mal selbst erschliessen zu können, lernt man auch nebenher, dafür braucht man wirklich kein Latinum.

Sport: Orientierungslauf, Schlittschuhfahren und Skilanglauf

Sportunterricht ist am Anfang der Grundschule ziemlich spielerisch, später wird auch ernsthafter Geräteturnen und Leichtathletik betrieben und verschiedene Ballspiele gelernt. (Baseball (!) ist ein grosses Ding in Finnland.) Ausserdem machen sie von Anfang an Orientierungslauf – in zumutbarer Laufentfernung zu jeder Schule gibt es mindestens ein kleines Stück Wald mit für den Orientierungslauf fest installierten Posten.

Im Winter werden alle Sportplätze vereist und im Sportunterricht schlittschuhgelaufen, wobei auch Bremsen, Rückwärtsfahren etc. geübt und Eishockey gespielt wird. Ausserdem wird im Winter Skilanglauf betrieben – bei den Finnen ähnlich beliebt wie der obligatorische Schwedischunterricht – in Turku allerdings mangelt es normalerweise an der entsprechenden Witterung und/oder der Ausrüstung der Schüler.

In der Vorschule und allen ungeraden Klassenstufen wird ausserdem jeweils für einige Tage schwimmen gegangen, denn möglichst früh ordentlich schwimmen zu können gilt als überlebenswichtige Fähigkeit in Finnland.

Handarbeiten: Nähen und Werken für alle

Handarbeits- und Werkunterricht sind hier sehr viel mehr als Topflappenhäkeln und Kerzenständer basteln. In den ersten beiden Schuljahren wird eher gebastelt, aber ab der dritten Klasse wird ernsthaft gehandarbeitet und gewerkelt.

Unsere Schule hat einen extra Handarbeitsraum mit Zuschneidetisch, Nähmaschinen, Bügeleisen und -brettern und was man sonst noch so alles benötigt. In der dritten Klasse haben unsere Kinder jeweils ihren Nähmaschinenschein gemacht. Genäht werden Kuscheltiere, Taschen, Blockflötenhüllen, Mützen, Schlafanzüge, ausserdem wird gestrickt, gehäkelt und gebatikt.

Werkräume sind ähnlich umfassend ausgestattet (leider fehlt mir das entsprechende Vokabular, um alle Maschinen hier aufzuzählen), und den Kindern wird auch echt was zugetraut: das Fräulein Maus hat neulich geschweisst!

Werken und Handarbeiten sind selbstverständlich für Jungs und Mädchen und gehen oft auch Hand in Hand: in der fünften Klasse bekam jedes Kind aus des Fräulein Maus‘ Klasse ein Brett einer bestimmten Grösse in die Hand gedrückt. Daraus sollte im Laufe des Schuljahres ein Haus entstehen – sie hat ein Puppenhaus gemacht, aber der Fantasie waren da keine Grenzen gesetzt, man hätte sich auch von Minecraft oder wovon auch immer inspirieren lassen können – und eingerichtet werden. Sie musste also erstmal planen, wie ihr Haus aussehen soll, und in welcher Grösse sie die dafür benötigten Teile zusägen muss, damit das Brett dafür auch reicht. Ausserdem hat sie Möbel gebaut, Kissen, Tischdecken und Vorhänge genäht und am Ende noch Licht verlegt, samt Schaltern und dimmbaren LED-Lämpchen.

Sachkunde: Brandschutz und Pilze bestimmen

Auch Sachkunde ist eher praxisorientiert: Leben retten, Pilze korrekt bestimmen oder angeln steht schon für Erst- und Zweitklässler auf dem Programm. Unsere Kinder haben jeweils in der dritten Klasse ihren Fahrradführerschein gemacht, für den ein echter Fahrlehrer aus einer Fahrschule die Theorie- und Praxisstunden abhält und am Ende einen (fast echten) Fahrradführerschein ausstellt. (Den der grosse Herr Maus schon zweimal irgendwo verloren hat und den ihm beide Male nette Menschen wieder haben zukommen lassen, indem sie erst mit seinem Namen irgendwelche Kontaktdaten gesucht – unser ungewöhnlicher Nachname war da vermutlich hilfreich – und mich dann über SMS oder Facebook kontaktiert und den Führerschein schliesslich seinem Besitzer entweder zurückgebracht oder per Brief zurückgeschickt haben. Finnland…! ♥)

Karriereberatung: Wie es nach der 9. Klasse weitergeht

Gleich im ersten Halbjahr der Oberstufe hatte das Fräulein Maus ein Fach, unter dem wir uns alle zusammen nichts vorstellen konnten, und das ich jetzt, wo ich um die Inhalte weiss, am ehesten Karriereberatung nennen würde. (Wobei ich den Wortbestandteil „Karriere“ dabei eher unpassend finde, weil es eben nicht darum geht, eine möglichst gute „Karriere“ in einem aussichtsreichen Beruf anzustreben, sondern herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen und was man sich nach der Schule als erfüllende Tätigkeit vorstellen könnte.) Natürlich waren eventuelle schon vorhandene Berufswünsche auch kurz Thema am Anfang, aber insgesamt geht es vor allem darum, den Schülern aufzuzeigen, wie es für sie nach der 9. Klasse weitergehen könnte und welche Noten schon jetzt wichtig sind für z.B. die Bewerbung an einem Gymnasium. In der 8. und 9. Klasse müssen die Schüler auch für drei Tage bzw. eine Woche ein Praktikum machen, um schon mal ein bisschen ins Berufsleben (und vielleicht den Beruf, den sie sich für sich vorstellen könnten) hineinzuschnuppern. In der 7. Klasse arbeitet jeder einen Tag lang in der Schulküche mit.

Hauswirtschaft: Für sich selbst sorgen lernen

Das Fräulein Maus hatte Hauswirtschaft ja schon mal als Wahlfach, aber in der 7. Klasse steht Hauswirtschaft für alle auf dem Lehrplan. Selbstverständlich mit Lehrbuch, Tests und allem Drum und Dran wie in anderen Fächern auch. Die Schüler lernen so grundlegende Dinge wie Hygieneregeln, wie man Wäsche sortiert, wie man den Geschirrspüler am sinnvollsten einräumt oder wie oft man Bettwäsche wechseln sollte. Und jede Woche wird im Unterricht gekocht oder gebacken und zum anschliessenden Essen auch der Tisch fein gedeckt. Und neulich hatte das Fräulein Maus einen Monat lang Hausaufgaben für Hauswirtschaft – sie musste einen Zettel mit verschiedenen Haushaltstätigkeiten abarbeiten: staubsaugen, ihren Kleiderschrank aufräumen, Klo putzen, Wäsche waschen, etwas backen…

(Find‘ ich alles prima. Die Frage allerdings, wieviel davon bei den Schülern hängenbleibt, stelle ich mir jedes Mal, wenn ich unseren Zivi beobachte, der jegliche Putzaufgabe zwar beflissen, aber komplett unbeholfen ausführt. Aber so ist das ja mit jedem Schulfach.)

***
Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben
Wollsocken im Klassenzimmer (2): Individuelles Lernen
Wollsocken im Klassenzimmer (3): Schulnoten
Wollsocken im Klassenzimmer (4): Schulkrankenschwester
Wollsocken im Klassenzimmer (5): Ferien
Wollsocken im Klassenzimmer (6): Wilma
Wollsocken im Klassenzimmer (7): Kältefrei


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Fürs Leben lernen

Der kleine Herr Maus riss heute in einem Anfall von Jux und Dollerei den Aufhänger von des Fräulein Maus‘ Badetuch ab.

„Den nähst du aber selbst wieder an, kleiner Herr Maus, klar?!“
„Ja, mach‘ ich.“ Kurze Pause. „Mama? Darf ich den mit Fräulein Maus‘ Nähmaschine annähen?“
„Wenn sie Lust hat, dir zu zeigen, wie das geht, gerne.“
„Nee, Mama! Ich kann das! Das hab‘ ich doch in der Schule gelernt!“

Hatte ich fast vergessen, dass ja die Drittklässler alle ihren Nähmaschinenschein machen in der Schule. (Womit mir alle drei Kinder weit voraus sind.)


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Heiligabend 2019

Heute erst guckten wir die am Heiligabend aufgenommene Spezial-Maus an. Warum die denn so lang sei, fragten die Kinder. „Damit es die deutschen Kinder ein bisschen einfacher haben beim Warten auf die Bescherung“, antwortete ich.

Verstanden sie nicht, unsere Kinder. Denn bei uns ist Heiligabend immer ruckzuck um.

9:00 Uhr: Der Ähämann hat uns den Wecker gestellt. Hier schlafen schon seit Beginn der Weihnachtsferien alle bis mindestens um zehn. Aber heute müssen wir ein bisschen eher aufstehen. Zu Heiligabend haben wir immer viel vor. Viel Ruhiges und viel Schönes.

10:00 Uhr: Der Ähämann hat den Frühstückstisch gedeckt, ich habe Milchreis vorgekocht. Die Kinder sind nach und nach aufgestanden, ich bringe den Milchreis zu Bett, wir frühstücken.

11:15 Uhr: Wir steigen in den Bus. Er wird an jeder Haltestelle voller; wir haben alle das gleiche Ziel. Weil unsere Buslinie ja seit einem Jahr eine veränderte Route fährt, beschliessen wir, diesmal noch eine Haltestelle weiter zu fahren zu sonst. Dort werden gerade zwei Sisu-LKWs in Stellung rangiert, die Ampeln blinken gelb, und mitten auf der grossen Kreuzung tänzeln zwei Polizisten und schwenken wie immer in solchen Situationen eher unbeholfen ihre Stäbe, um den Verkehr zu regeln.

(In meiner Geburtsstadt gab es noch lange Zeit mehrere grosse Kreuzungen, auf denen der Verkehr von Hand geregelt wurde. Die Polizisten standen würdevoll in der Mitte und vollführten eine exakte Choreographie, die alle verstanden. Einmal versuchte ich, mich mit dem Fahrrad an einer T-Kreuzung einfach hinter dem Rücken des Verkehrspolizisten vorbeizuschleichen, was mir einen sofortigen Anpfiff desselben, ohne dass er seine Handzeichen auch nur eine Millisekunde dafür unterbrochen hätte, einbrachte.)

12:00 Uhr: Weihnachten fängt an.

12:30 Uhr: Unser Bus ist der erste, der sich durch die sich auflösende Menschenmenge geschoben hat. Fast alle Busfahrer tragen Wichtelmützen (einmal fuhr uns auch der Weihnachtsmann nach Hause) – unser Busfahrer fährt ein echtes kleines Weihnachtsbäumchen mit sich herum.

13:00 Uhr: Wir decken schnell den Tisch, wecken den Milchreis auf und essen. In einer Stunde müssen wir ja schon wieder los.

14:30 Uhr: Kinderkirche. Weihnachten muss ja sein wie immer.

15:15 Uhr: Leider ist gestern der Einkaufsbeutel mit dem frischen Fisch fürs Weihnachtsessen unausgepackt in der Küche stehengeblieben – wir knobeln noch aus, wer daran schuld ist – und wir merkten es erst, als heute nach dem Frühstück jemand nach Bananen fragte, die sich auch nicht im Obstkorb befanden. Wir brauchen also neuen Fisch. Nicht unbedingt sofort, weil wir an Heiligabend eigentlich schon seit Jahren nichts Besonderes mehr essen, weil keiner Zeit und Lust zum Kochen und auch niemand wirklich Hunger hat abends, und weil man, seit die Ladenöffnungszeiten hier noch weiter gelockert wurden, auch an den Weihnachtsfeiertagen einkaufen könnte, aber dann haben wir wahrscheinlich noch weniger Lust dazu als jetzt. Im Prisma sind die Regale voll, vier Kassen geöffnet und zehn Leute am Einkaufen, und wir beschliessen spontan, dass wir ab nächstem Jahr unseren gesamten Weihnachtseinkauf immer um diese Zeit machen.

15:45 Uhr: Bevor wir heimfahren, besuchen wir noch die beiden Über-Weihnachten-Pflegekatzen. Sie bekommen natürlich ein extra Weihnachtsleckerli.

16:30 Uhr: Es liegen Geschenke unterm Weihnachtsbaum!

17:30 Uhr: Alle Geschenke sind ausgepackt und bejubelt. Der Ähämann räumt zum zweiten Mal heute den Geschirrspüler ein, das Fräulein Maus schneidet Gemüse und rührt Dippi an, ich verräume Geschenkband und mache einen Pappmüllpappkarton für Legoverpackungen und Packpapier auf, mit dem wir wohl in den nächsten Tagen zum grossen Container hinterm Supermarkt fahren werden müssen, weil unser hausgemeinschaftseigener Pappcontainer schon seit Tagen überquillt und sich die Situation erfahrungsgemäss an Heiligabend drastisch verschärft.

18:30 Uhr: Weihnachtssauna. Die Herren Maus wollen eigentlich lieber an ihrem neuen Lego weiterbauen, kommen dann aber doch für zwei Saunagänge mit, weil es so schön ist, dampfend auf der Gartenbank neben dem Weihnachtsbaum zu sitzen. Nebenher essen wir, süss und salzig und gesund und ungesund durcheinander, draussen, drinnen, wie jeder will. (Ich trinke alkoholfreie Bierbrause – die mit den hübschen Kronkorken – und verstosse damit wenigstens gegen eine deutsche Saunaregel nicht.)

20:00 Uhr: Es wird ein Märchenfilm gewünscht. Zum Glück wurden und werden gerade mehrere neue ARD-Märchenfilme gesendet. Die „Regentrude“ ist schon immer mein Lieblingsmärchen gewesen, und der Film ist auch ganz prima. Wenn auch vielleicht nicht so gaaanz zu Weihnachten passend. Zum ersten Mal heute haben wir Zeit rumzubringen. Als der Film zu Ende ist, haben wir noch eine Viertelstunde Zeit, um uns anzuziehen. Gutes Timing!

22:00 Uhr: Wir waren dieses Jahr noch gar nicht Weihnachtslieder singen, und deshalb nutzen wir die allerletzte Chance. Womit wir nicht gerechnet hatten: in der Kitschkirche zweitgrössten Kirche der Stadt haben sich um diese Uhrzeit noch um die tausend Leute versammelt, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen, und wir finden kaum noch einen Platz. (Und leider quetschen sich dann kurz vor knapp direkt hinter uns noch zwei Männer, die zum traditionellen Weihnachtschinken offensichtlich schon reichlich Alkohol genossen haben und besonders lautstark und… äh… schön… mitsingen.) Eine Stunde lang singen wir fast das gesamte Weihnachtsliederheftchen durch, der Pfarrer ist sehr cool, und wir erfahren, dass Finnlands einziger Kantor, der sowohl Orgel spielen als auch Dampflok fahren kann, unser Singen begleitet, und er antwortet mit einem sehr echt klingenden Dampflokpfeifen von der Orgelempore.

23:30 Uhr: Die Kinder sind jetzt dermassen bettreif, dass sie direkt vom Flur ins Bad ins Bett gescheucht werden müssen. Wir wollten doch noch Bowle trinken, beschwert sich der kleine Herr Maus. Und er wolle eigentlich noch bis in die Nacht mit seinen Weihnachtsgeschenken spielen.

Hör zu, kleiner Herr Maus, sage ich, als ihm schon fast die Augen zufallen, zum Glück fängt Weihnachten ja gerade erst an.


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Advent, Advent

Pünktlich Freitagmittag vorm ersten Advent ging der schon vier Tage andauernde Regen von einer Minute zur anderen in Schnee über. Kurz darauf waren die ersten Dächer und Wiesen weiss. Abends begrüsste uns ein Schneemann vorm Haus, und die Kinder konnten das ganze Wochenende schlittenfahren.

Das Adventswochenende begann Freitagabend mit einem Weihnachtskonzert der Musikklassen 7 bis 12 in der Kitschkirche zweitschönsten Kirche der Stadt. Die Schule hat ein eigenes Orchester! Und einen riesigen Chor – oder wahlweise verschiedene kleinere – weil alle Schüler der Musikklassen im Chor singen! Ein bisschen getrübt wurde die Freude, weil die Herren Maus es nicht erwarten konnten, zur am gleichen Abend stattfindenden Kinderradionacht zu kommen und das ganze Konzert über mehr oder weniger durchmotzten.

Als wir dann alle drei Kinder samt Schlafsäcken und Krempel zur Radionacht abgeliefert hatten, nutzten der Ähämann und ich die Chance und gingen aus. Das neue georgische Restaurant hat nicht nur sehr leckeres Essen, sondern dankenswerterweise auch nicht schon halb zehn – weil sich danach sowieso alle nur noch besaufen wollen – Küchenschluss wie sonst sämtliche finnische Lokalitäten. Ganz romantisch teilten wir uns sowohl Vor-, Haupt- als auch Nachspeise, denn nach unserem ersten Besuch dort hatten wir noch eine Woche lang von den mit nach Hause genommenen Resten leben können.

Am Sonnabend machten wir die Wohnung adventsfein, der Ähämann stieg in den Baum (und spendierte ihm eine sechste Lichterkette), und dann fuhren wir mit dem Bus in die Stadt, um dem Anzünden Anschalten der Lichter des Weihnachtsbaums vor dem Dom beizuwohnen. Die Zeremonie war dieses Jahr ein bisschen lieblos und albern, aber dafür schneite es die ganze Zeit wie verrückt!

Am Sonntag streckte mich die blöde Flunssa nieder, die das Fräulein Maus schon eine Weile gequält hatte, aber die Kinder waren einfach den ganzen Tag mit dem Schlitten unterwegs, und abends fuhren wir – Was muss, das muss! – „Hosianna!“ singen in eins unserer liebsten Kirchlein.

Schon schön, die Adventszeit hier bei uns.

(Ich hab‘ auch nur vielleicht ein- oder zweimal ganz, ganz hinten im Hinterkopf gedacht, wie doof das eigentlich ist, genau jetzt wegzufahren. Aber der Advent ist ja noch lang.)


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Päckchen als Geiseln, Karaoke im Hafen und Schulessen im Thermosbehälter

Oder: wie wir jetzt statt Poststreik fast einen Generalstreik haben

Ich hatte ja nicht geglaubt, dass es soweit kommen würde, dass sogar die Schwedenfähren in den Häfen bleiben. Denn die sind – als quasi einziger Landweg „nach Europa“ und fast mehr noch im Vergnügungsbusiness – eine Institution. Aber nun liegen sie doch seit gestern alle in den Häfen; als wir gestern mit den Hortkindern auf dem Sportplatz waren, ragte die „Amorella“ am hellerlichten Tag über die neugebauten Hochhäuser, und die „Grace“ leistet ihr seit gestern Abend Gesellschaft.

Die Verhandlungen sind… kompliziert. Und vorerst am Wochenende gescheitert.

Es wird jetzt auch keine Post mehr ausgetragen, die Postfilialen bleiben geschlossen, und das Streikende – sollte es vorher keine Einigung geben – wurde vom 8. auf den 20. Dezember verschoben.

Die Zahl der Sympathiestreiks wächst täglich. Finnair hat gestern 300 Flüge canceln müssen, weil auf den Flughäfen kein Gepäck verladen wurde, es kein Catering und keine Sicherheitskontrollen gab. Die Eisenbahner und die Stauer in den Häfen schliessen sich jetzt auch den Streiks an.

Und weil gerade bei vielen Gewerkschaften Tarifverhandlungen anstehen, werden Angestellte der Stadt Turku die nächsten drei Tage auch streiken: es werden nur wenige Buslinien fahren, es gibt nur Notbetreuung in den Kindergärten und den Schulhorten, wir werden wieder Schulbrote schmieren und Thermosbehälter füllen müssen, und unsere Hortkinder – wir sind nicht bei der Stadt Turku angestellt und streiken nicht – werden wieder drei Tage lang Cornflakes und Blaubeersuppe zum Vesper bekommen und sich freuen, dass sie wieder selbst abwaschen dürfen.

Es ist der wohl umfassendste Streik, den wir in den 16 Jahren, die wir hier wohnen, erlebt haben.

Wir leiden da ganz konkret auch selbst drunter: wir haben gestern für alle Fälle eine sauteure Fährüberfahrt von Helsinki nach Stockholm mit dem einzigen Fährschiff gebucht, das auch dann fahren wird, wenn der Streik bis nächsten Donnerstag nicht beendet ist – die Silja Symphony fährt unter schwedischer Flagge – um nicht tatsächlich über Haaparanda oder durchs Baltikum und Polen ins Erzgebirge fahren zu müssen. Wir haben von Freunden ein Päckchen geschickt bekommen, das auf der Postfiliale liegt, aber uns nicht ausgehändigt wird. Wir haben für die Kinder vor zwei Wochen Bücher zu Weihnachten bestellt und wissen nicht, ob wir sie ihnen unter den Baum legen können werden.

Es tut mir sehr leid für alle Adventskalenderbesteller, denn wie es aussieht, werden alle Kalender, die nach dem 10. November verschickt wurden, nicht mal annähernd pünktlich ankommen. Selbst wenn der Streik sofort beendet würde, hat sich inzwischen so viel Post angesammelt, dass es Wochen dauern wird, bis alles abgearbeitet ist. (Und bitte entschuldigt, dass ich euch nicht allen persönlich auf eure Nachfragen antworten kann!)

Und dennoch finde ich den Streik richtig. Es wird so heftig gestreikt und es gibt so viele Sympathiestreiks, weil es ein Präzedenzfall ist: wenn jetzt die Post damit durchkommt, ihre Angestellten – erst war die Rede von allen (was aber verhindert werden konnte), jetzt „nur“ noch von 700 Paketausträgern – einfach so unter einen für sie günstigeren Tarifvertrag zu stellen, der aber Lohnkürzungen und überhaupt schlechtere Bedingungen für ihre Arbeitnehmer bedeuten würde – dann werden das andere Unternehmen genauso machen.

Und insgeheim glaube ich, ein Grossteil der Verbissenheit, mit der jetzt gegen die Post gekämpft wird, ist dem lange angestauten Frust über das Missmanagement der Post in den letzten Jahren zuzuschreiben, das sich auch für die normale Bevölkerung in astronomischen Preissteigerungen für Brief- und Paketbeförderung, Schliessung fast aller Filialen, ewigen Postlaufzeiten (Wenn man jetzt garantiert einen Brief am nächsten Tag zugestellt bekommen möchte – was jahrelang selbstverständlich war! – muss man eine 1,50 € teure „Plus“-Briefmarke neben die normale Briefmarke auf den Brief kleben, womit sich das Porto verdoppelt!!!) und immer schlechterem Service (Hab‘ ich schon mal erzählt, dass hier seit ein paar Jahren dienstags keine Post mehr ausgetragen wird?!) bemerkbar gemacht hat.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Beissen wir einfach weiter die Zähne zusammen, bis es zu einer vernünftigen Einigung kommt!


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Poststreik

Wenn in Finnland gestreikt wird, dann richtig.

Da geht nicht die IG Metall für zwei Stunden für Warnstreiks auf die Strasse oder ziehen die Bauern mit Mistgabeln bewaffnet über die Autobahn. (Obwohl, die 500 Traktoren auf dem Senatsplatz waren schon recht eindrucksvoll.)

Wenn in Finnland gestreikt wird, haben alle was davon.

Jetzt also Poststreik. Zum Glück haben es die meisten Adventskalender noch rechtzeitig ausser Landes geschafft, aber die letzten Besteller musste ich fragen, ob sie nicht lieber ihr Geld zurückhaben wollen, denn dass die Kalender bis zum 1. Dezember da sein werden, kann ich derzeit wirklich nicht garantieren, obwohl ich gestern die letzten auf die Post gebracht habe. (Wo eine Aushilfskraft erstmal im Stempeln unterwiesen wurde.)

Gestreikt wird seit zwei Wochen. Anfangs nur in den Logistikzentren, weswegen zwar gewarnt wurde, dass sich die Zustellung von Briefen und Päckchen verzögern würde, aber wovon man eigentlich noch gar nichts weiter merkte. Weil es aber mit den Verhandlungen nicht vorangeht, wurden die Streikmassnahmen inzwischen verschärft, ausserdem gibt es eine Reihe von Unterstützerstreiks: mittlerweile streiken auch die Transportunternehmen auf Strasse, Schiene, zu Luft und zur See.

Es gibt eine Liste mit einem Zeitplan für weitere geplante Streikmassnahmen: ab heute nehmen die Fährschiffe keine LKWs und Auflieger mehr mit und es fahren keine Eisbrecher mehr. Ab Montag werden auch die Postfilialen geschlossen bleiben, es werden in Helsinki keine Busse mehr fahren, es wird auf den Flughäfen für 24 Stunden nicht mehr für Frachtverladung, Catering und Sicherheitskontrollen gesorgt werden. Und sollte es bis Montagfrüh nicht zu einer Einigung gekommen sein, werden alle Fährschiffe, die unter finnischer Flagge unterwegs sind, in den Häfen bleiben – und das hat hier durchaus einen anderen Stellenwert als wenn z.B. keine Fährschiffe zwischen Deutschland und Dänemark führen! – wenn es sein muss, bis zum offiziellen Streikende am 8. Dezember.

Das wird lustig. Wir überlegen schon mal, ob wir in zwei Wochen lieber übers Baltikum und durch Polen oder über Haaparanta ins Erzgebirge fahren sollen…

[Ritterstreik]
[Busfahrerstreik]
[Krankenschwesternstreik]
[Lebensmittelverkäuferstreik]
[Flugcateringzulieferstreik]
[Grossküchenstreik]
[Grossküchenstreik 2.0]


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Grossküchenstreik 2019

Die Grossküchen streiken wieder.

Da es aber letztes Jahr offenbar unzumutbar war, dass die Eltern ihren Kindern mal zwei Tage lang etwas zu essen mit in die Schule geben, gibt es dieses Jahr Notproviant für alle.

Als ich gestern auf Arbeit ankam, war gerade Mittagessenzeit für die Oberschüler, und auf den Tischen im Schulspeisesaal standen kistenweise Vesperkekse, Knäckebrot, Äpfel und Pillimehu.

Ein Küchenmitarbeiter wird pro Tag vom Streik befreit, um die Proviantausgabe zu überwachen – darf aber selbst nichts machen. Unsere Küchenchefin sass ein bisschen unglücklich zwischen all den Kisten, hatte uns schon unser Vesper – Cornflakes, Heidelbeersuppe, Piroggen, Pillimehu und das dazugehörige Wegwerfgeschirr – auf unseren Essenswagen geladen, versprach auch, uns die Piroggen später noch warm zu machen und fragte, ob sie uns auch noch die restliche Milch aus dem Kühlschrank reichen soll. „Ich kann doch hier nicht nur rumsitzen und zugucken, wie doof ist das denn!“, beklagte sie sich, und ich glaube tatsächlich, dass es für sie schwerer ist, nichts zu tun, als für uns, uns eben unseren Kram selbst aus dem Kühlschrank zu nehmen und hinterher wieder hineinzustellen.

Und dann ging sie nochmal los und holte mir auf meine Bitte hin unser Geschirr vom Trockenregal und zwei 15-Liter-Plastikeimer, in denen einst Preiselbeeren angeliefert worden waren, und ich gab ihr dafür die Pappteller und Plastelöffel zurück.

(Und den Pillimehu auch, denn wenn wir sonst nur Wasser und Milch trinken, warum sollten wir das jetzt nicht auch tun?!)

Ich hätte den Abwasch notfalls auch allein gemacht, aber so schnell konnte ich gar nicht gucken, wie alles gespült, getrocknet, sortiert und gestapelt war. ♥


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Es gibt wieder Adventskalender! [Nichtkommerzielle Werbung]

In den letzten Wochen erreichten mich die verschiedensten Anfragen, ob denn der grosse Herr Maus noch bei den Pfadfindern sei und ob ich denn auch in diesem Jahr wieder Adventskalender verschicken würde.

Ja, ist er noch, und ja, tue ich.

Ab heute kann er bei mir bestellt werden, der diesjährige Adventskalender der finnischen Pfadfinder.

Der Kalender wird in diesem Jahr 10 € kosten, was ich eine ganz schön freche Preissteigerung finde. Aber wenn man bedenkt, was ein guter Bilderadventskalender normalerweise kostet und dass der Pfadfinderadventskalender immer noch der schönste ist, den ich kenne – weil er nämlich genau zum Gesamtbild passende Bildchen hinter den Türen hat sowie ein bis vier Kerzen an den jeweiligen Adventssonntagen, eine finnische Fahne am 6. Dezember und eine Lucia am 13. Dezember – ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Die 10 € kommen ausserdem ohne Abzug den finnischen Pfadfindern zugute: 4,90 – und das sind immerhin auch 2 € pro Kalender mehr als im letzten Jahr – gehen direkt an den eigenen Pfadfinderstamm – der Rest an den jeweiligen Regionalverband und an den Landesverband.

Der Kalender ist 31 x 22 cm gross, dieses Jahr im Querformat, und enthält auch noch einen Bogen Geschenkaufkleber.

Dieses Jahr werden die Porto- und Verpackungskosten nach Europa für einen Kalender 3,70 €, für zwei bis fünf Kalender 5,50 € betragen. (Versandkosten nach ausserhalb Europas oder für mehr als vier Kalender teile ich gern auf Anfrage mit.) Wie immer werde ich natürlich schöne Briefmarken draufkleben und die auch abstempeln lassen.

Bestellungen ab heute bis 18. November bitte per Mail an myyratohtori(klammeraffe)suomi24.fi. Wie gewohnt schicke ich dann eine Antwort mit den Kontodaten und dem Gesamtpreis. (Ich habe seit diesem Jahr sowohl eine neue Emailadresse als auch eine neue Bankverbindung, bitte nicht einfach drauflosschreiben oder- überweisen! Und wenn keine Antwort kommt, dann evtl. mal das Spam-Postfach checken.) Nach Geldeingang verschicke ich die Kalender möglichst schnell – aber Nachschub gibt’s normalerweise montags, es kann also auch mal ein paar Tage dauern.

Der grosse Herr Maus und sein Pfadfinderstamm danken schon mal im Voraus!

Und schon mal zum Vormerken: nächstes Jahr gibt es den Kalender endlich wieder mit Bonustürchen für den 29. und 30. November!


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Klimastreik in Turku (2)

„Macht ihr super!“, ermunterten uns die beiden alten Frauen, die mit uns im gleichen Bus in die Stadt fuhren und sich zeigen liessen, was die Kinder auf ihre Plakate geschrieben hatten. „Viel Erfolg!“, gestikulierten sie uns noch hinterher, als wir ausstiegen. „Kommt doch mit“, sagte ich ihnen, „jeder Einzelne zählt!“ Und dann murmelten sie was von ihren Vorhaben und Verpflichtungen.

„Aber bringt das denn was, auf die Strasse zu gehen?“, fragte die blutjunge Kollegin, der ich gemeinsam mit dem Zivi die Hortkinderbetreuung für die erste halbe Stunde allein anvertraut hatte, damit ich auch mit zum Klimastreik gehen konnte, als ich auf Arbeit kam. „Ist es nicht wichtiger, dass jeder selbst etwas tut? Und in Finnland ist es doch sowieso alles gar nicht so schlimm wie in anderen Ländern!“

Himmelherrgottnochmal!!!

Da können wir paar … äh… Klimahysteriker und Ökospinner bis an unser Lebensende nicht mehr Auto fahren und nicht mehr fliegen, nur noch gebrauchte Sachen kaufen, uns vegan ernähren und die Welt doch nicht retten, solange die grosse Masse der Menschen, die nicht willens ist, auch nur ein kleines bisschen über ihren eigenen Bauchnabel hinauszudenken, einfach weiterhin macht, was sie will und was ihr erlaubt und ermöglicht wird, weil es keine Regelungen und Gesetze zum Klimaschutz gibt!

Finnland steht vielleicht tatsächlich ein bisschen besser da als andere Länder, was die Einhaltung der Klimaziele betrifft, weil es hier keine Kohlekraftwerke gibt (edit: stimmt gar nicht!) – aber allein die selbstverständliche Wasser- und Heizungspauschale ist etwas, was eigentlich seit Jahrzehnten abgeschafft gehört. (Von der Selbstverständichkeit, zweimal am Tag Fleisch, vorzugsweise Rindfleisch, zu essen und dem Verhalten der meisten Autofahrer mal ganz abgesehen.)

Auch in Finnland wollen die Politiker keine unbequemen Gesetze erlassen.

Und genau deshalb gehen auch unsere Kinder nicht in die Schule, wenn in Turku Klimastreik ist, sondern auf die Strasse. Und wir mit ihnen.

Selbst in Turku füllen die Klimastreikenden (Es waren 2000 Leute dabei!) inzwischen ganze Strassenzüge. Es sind nicht mehr nur Schüler, die Schule schwänzen, sondern auch Erwachsene, die sich vor ihrer Arbeit drücken, dabei. In Tampere, wo der Ähämann am Klimastreik teilnahm, unterbrach die Strassenbahnbaufirma spontan für eine Stunde ihre lauten Arbeiten, weil sie die Reden gestört hätten. Es gab Protestkundgebungen auch in kleinen und kleinsten finnischen Städten, Teilnehmerzahlen von 80 in Porvoo bis 16000 in Helsinki.

„Wir möchten, dass sich die Stadt Turku mit der gleichen Vehemenz, mit der sie sich dafür eingesetzt hat, dass wir jetzt ein grosses Loch auf dem Marktplatz haben, für den Klimaschutz einsetzt!“ war übrigens mein Lacher des Tages. Bei aller Traurigkeit des Themas.