Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Koulu on loppu…

… ja elämä alkaa,
poissa on hoppu ja niuhotus muu.
Reksi saa hyppiä taas tasajalkaa,
vaan meiltä nyt oppi ja työ unohtuu.

On loma, pitkä ihana loma,
lämmin loputon loma,
nyt se vihdoin alkaa saa,
siksi iloitkaa!
*

Heute schon drei Zeugnisausgaben beigewohnt, das Ende einer Grundschulzeit gefeiert, zweimal das Suvivirsi und zweimal das Lied von den wunderbaren, unendlichen Sommerferien gesungen. Jetzt noch das Auto beladen und mit Umweg über eine Abiturfeier zum Hafen fahren. Sommerferien!!!


*Die Schule ist aus, das Leben fängt an, kein Stress mehr und Eile. Der Rektor darf wieder hüpfen und wir Lernen und Arbeit vergessen. Es sind nämlich Ferien, lange, wunderbare Ferien, warme, unendliche Ferien, jetzt fangen sie endlich an!


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Palmsonntag 2019

Die Hexen flogen tief. Und am hellerlichten Tag.

Während die Hexe mit dem einen schwarzen Kater um die Häuser zog und geschmückte Weidenzweige verteilte und einen ganzen Korb voll Süssigkeiten einheimste, blieb der andere – kranke – schwarze Kater zu Hause und nahm seinerseits geschmückte Weidenzweige entgegen und reichte Süssigkeiten.

Der Ähämann und ich machten derweil eine Radtour ins Wahllokal, wo übrigens der Andrang so gross war, dass man anstehen musste.

Dann traf sich die Hexe mit einer Freundin zum Ostereierbemalen, der gesunde schwarze Kater ging zum Schwimmtraining, wir werkelten ein bisschen in Haus und Garten und liessen uns die Sonne auf die Nasen scheinen.

Ganz unnötig spannend wurde der Tag erst abends, nach Schliessung der Wahllokale um 20 Uhr.

Wir sind vor Jahren ja mal mit dem Zug von Turku nach Bonn und zurück gefahren. Auf der Rückfahrt hatten wir es ein bisschen knapp mit dem Anschluss in Hamburg. Es sah aber bis Bremen recht gut aus. Dann gab es einen Zwischenfall in Wagen 10 in dessen Folge eine Scheibe kaputtgegangen war und der Zug daraufhin mit maximal 50 km/h weiter nach Hamburg zuckeln konnte. Anschluss weg. In der langen Schlange an der Auskunft war erst das Schlimmste, was wir uns vorstellen konnten, dass im darauffolgenden Zug unsere Sitzplatzreservierung hinfällig sei und wir mit den drei noch recht kleinen Kindern bis Kopenhagen stehen müssten. Je weiter wir in der Schlange vorrückten und je mehr Leute mit dem gleichen Reiseziel einfach abgewiesen wurden, umso egaler wurden uns unsere Sitzplätze: wenn wir nur überhaupt irgendwie mit dem nächsten Zug mitkommen würden!

So ähnlich fühlte ich mich gestern Abend.

Nach den vier Jahren mit der letzten unsäglich kompetenten Regierung, der ersten Regierung unter Beteiligung der rechtspopulistischen Wahren Finnen, der Regierung, die nach zwei Jahren fast auseinandergebrochen wäre, weil die Wahren Finnen einen Rechtsextremen zum Parteivorsitzenden gewählt hatten, worauf sich der moderate Teil der Partei abspaltete um in der Regierung bleiben zu können und Ministerpräsident Sipilä, der sich mal eben selbst ans Steuer eines kleinen Flugzeuges gesetzt hatte, um dem im Sommer von Naantali aus seinen Staatsgeschäften nachgehenden Präsidenten das Rücktrittsgesuch der Regierung zu überbringen, kurz in Turku landete, eine Pressekonferenz gab, dass mit dem moderaten Teil der Wahren Finnen die Regierung einfach weitermachen könne und zurück nach Helsinki flog… äh… kann noch jemand folgen? Nach all diesem Hickhack jedenfalls sahen die Prognosen für die Wahren Finnen für die nächste Wahl eher düster aus.

Und wie hoffnungsvoll wir alle am Palmsonntag 2017 waren!

Dann gab es im Dezember einen Vorfall, an dem Flüchtlinge beteiligt waren, dann schrieben sich plötzlich alle Parteien Klimaschutz auf die politischen Fahnen, und schwupps, hatten Ausländerhasser, EU-Kritiker, Klimawandelleugner und Leute mit Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung ihre Protestpartei gefunden. Letzte Woche lagen die Wahren Finnen plötzlich laut Umfragen auf Platz zwei. Als ich das erste Mal die Wahlergebnisse anguckte, kurz vor halb neun, sah es dennoch gar nicht so schlecht aus: die Sozialdemokraten klar vorn, die Wahren Finnen deutlich auf Platz drei. Aber offensichtlich ticken Leute, die vorwählen gehen, eben doch anders. Der Abstand wurde mit jedem weiteren ausgezählten Wahlkreis kleiner, irgendwann waren die Wahren Finnen auf Platz zwei, irgendwann nur noch einen knappen Prozentpunkt hinter den Sozialdemokraten, und als ich halb zwölf schliesslich ins Bett ging, anderthalb Stunden später als ich eigentlich wollte, war ich fast darauf gefasst, am nächsten Tag aufzuwachen und mich von einem finnischen Trump regiert zu sehen.

Am Ende haben die Sozialdemokraten mit einem hauchdünnen Stimmvorsprung von 0,2 (in Worten: nullkommazwei!) Prozentpunkten, entsprechend genau einem Sitz im Parlament, gewonnen. Mit nur 17,5% aller Stimmen.

Es werden lustige Zeiten auf uns zukommen. Nicht.


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Klimastreik in Turku

Am Donnerstag, als die Lehrer unserer Kinder die Sache längst für sich entschieden hatten, hatte sich die Stadt Turku noch zu einer offiziellen Stellungnahme durchgerungen. Der Rektor liess es uns über Wilma wissen:

Umwelt, Klimaschutz und Mitbestimmung sind wichtige Bestandteile des Lehrplans und unterstützenswerte Werte. Der Klimastreik ist keine schulische Aktivität, eine begründete Befreiung vom Unterricht ist aber generell möglich. […]

„Ja“, brauste der kleine Herr Maus auf, „der könnte ja auch mal was tun, der Rektor! Der kommt ja auch jeden Tag mit dem Auto!“

Womit diese ganze Klimastreiksache sehr schön zusammengefasst wäre.


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Weichen, gestellte

Manchmal muss man aus einem sowieso schon sehr späten Alltagsabendbrot eine kleine Feier machen.

Weil der Brief aus der Wunschschule da ist.
(Morgen hätte es auch im Wilma gestanden.)

Nun ist das hier mit der Schule ja so, dass sowieso alle bis zur 9. Klasse gemeinsam in die Schule gehen. Grundschule geht offiziell bis zum Ende der 6. Klasse, und weil die meisten Stadtteilschulen eher klein sind, ist der Wechsel in die Oberstufe meist auch mit einem Schulwechsel verbunden. Man kann dann einfach wieder in die nächstgelegene Schule mit Oberstufe gehen – oder sich für eine Spezialklasse mit Schwerpunkt auf Sprachen, Sport, Naturwissenschaften, Kunst, Musik oder was eben in der jeweiligen Stadt angeboten wird bewerben.

Seltsamerweise haben wir die Möglichkeit, dass das Fräulein Maus ab der 7. Klasse in eine Musikklasse gehen könnte, fast bis zuletzt nicht in Betracht gezogen. In ihrer Mannschaft hätte man es gern gesehen, wenn sich die Mädchen alle für die Sportschule beworben hätten, aber mal ehrlich: Sportschule?!

Jedenfalls schlug ich ihr irgendwann – auch aus der Überlegung heraus, dass die Musik wegen ihres Trainingspensums sowieso oft ein bisschen auf der Strecke bleibt – vor, dass es ja auch noch die Musikklasse gäbe, und sie war sofort Feuer und Flamme. Mitte Dezember gingen wir zur Infoveranstaltung und waren sehr begeistert von allem. Vor zwei Wochen hatte sie ihre Aufnahmeprüfung, die schon irgendwie recht schwer war und bei uns beiden ein recht unsicheres Gefühl hinterliess: hätte sie das alles wirklich auf Anhieb können müssen, oder hat man dabei auf ganz andere Dinge geguckt?

Ich freue mich jedenfalls so für sie!
Ich weiss nämlich, wie schön es ist, in eine Schule zu gehen, in der die Lehrer engagiert sind und die Mitschüler alle ähnlich ticken.

***
(Ich muss jetzt hoffentlich nicht für die finnischen Leser dazuschreiben, dass unsere Kinder selbstverständlich keinen Alkohol zu trinken bekommen?!)


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Oodi

Oder: eine Ode an die finnischen Bibliotheken.

Die Bibliotheken sind vielleicht das Beste, was Finnland mit seinen Steuergeldern finanziert.

Bibliotheken sind hier vor allem nicht nur zum Bücherausleihen da. Man kann in Bibliotheken auch Tageszeitungen lesen, in Ruhe arbeiten oder lernen, Spiele spielen, was essen, Freunde treffen, seine Kleinkinder spielen lassen, Computer benutzen. „Volkes Wohnzimmer“, heisst es manchmal.

Falls das Fräulein Maus ab nächstem Schuljahr auf ihre Wunschoberschule gehen kann, wird unsere wunderbare Stadtbibliothek wohl auch für sie sowas wie ein zweites Zuhause werden, in dem sie an den Tagen, an denen es sich nicht lohnen wird, zwischen Schule und Training oder Schule und Harfenstunde nochmal nach Hause zu fahren, ihre Hausaufgaben erledigen, Vesper essen, Zeit rumbringen wird. Wie gut, dass es so einen Platz gibt!

Helsinki hat seit Dezember auch so eine ganz besonders tolle Zentralbibliothek. Und weil am Sonnabend das Wetter nicht so unglaublich toll war wie am Sonntag, sondern ein recht kalter Wind ging und uns den Schnee in Augen, Nase, Mund und Nacken wirbelte, war das perfekt, um sie uns ausgiebig anzugucken.

Riesig ist sie. Und sehr, sehr beeindruckend.

Auf der Wendeltreppe, die hinaufführt ins zweite und dritte Stockwerk, steht eine sehr berührende Widmung, für wen diese Bibliothek gedacht ist: hunderte Worte – für Männer, für Flüchtlinge, für Verwirrte, für Träumer, für Populisten, für Obdachlose, für Bauern, für Naturfreunde, für Hippis… – die eigentlich nur eins sagen: für alle.

Überall sassen Leute – allein, zu mehreren, auf Schaukelstühlen oder Sesseln oder Sofas oder überbreiten Stufen und lasen, starrten in ihre Telefone oder hatten ihre Laptops auf dem Schoss. Ein Vater spielte mit seiner Tochter ein Brettspiel. Einer, der so aussah, als ob es sonst keinen Platz für ihn gäbe, hielt in eine Sofaecke gedrückt ein Nickerchen. Abiturienten arbeiteten zu zweit in kleinen, ruhigen Kabüffchen ihren Lernstoff durch. Manche sassen konzentriert mit ihren Laptops mit anderen an langen Tischen, andere an den Computern der Bibliothek.

Alles mögliche kann man tun und machen in der Bibliothek: Es gibt einen Drucker, mit dem man bis zu A0-Postergrösse auf die verschiedensten Materialien drucken kann, und eine Batterie 3D-Drucker samt benötigtem Rohaterial. Es gibt einen riesigen Handarbeits- und Basteltisch mit Nähmaschinen, Laminiergerät, Ansteckerstanzmaschine und eigentlich überhaupt allem, was des Bastlers Herz begehrt, und ganz sicher haben wir auch gar nicht alles gesehen.

Ganz oben, unter der schwebenden Decke, die jetzt sehr an eine gemütliche Schneehöhle erinnerte, im Sommer aber sicher eher an eine Schönwetterwattewolke, haben die Bücher ihr Zuhause, 100 000 Stück in langen, weissen Regalen – die allerdings ziemlich gerupft aussahen, weil gerade so viele Leute die neue Bibliothek angucken kommen, Bücher ausleihen und dann in den Stadtteilbibliotheken zurückgeben.

Was übrigens fehlt in finnischen Bibliotheken: Schliessfächer für Jacken und Taschen. Die darf man einfach mit reinnehmen. Und essen darf man auch in finnischen Bibliotheken: in unserer z.B. an speziell dafür ausgewiesenen Tischen, und in Helsinki gibt es jetzt sogar ein Café mitten zwischen den Bücherregalen. Und dass die neue Bibliothek den tollsten Sanitärbereich hat, den ich jemals irgendwo gesehen habe, wundert dann jetzt wohl auch niemanden mehr.

Wenn ein Land als Vorzeigeobjekt eine Bibliothek baut, dann ist das schon ziemlich… hach.


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Zug mit Botschaft

Für Freitagabend hatten der Ähämann und ich fliegende Autoübergabe am Bahnhof geplant. Zum Glück hatten wir kurz vorher doch noch alles so geregelt, dass wir beide sowohl zum als auch vom Bahnhof Bus fahren konnten, denn des Ähämanns Zug hatte zum ersten Mal, seitdem er seit August nahezu täglich nach Tampere pendelt, mehr als fünf Minuten Verspätung.

So begab ich mich also schon mal zu meinem Bahnsteig, auf dem der Zug nach Helsinki schon bereitstand, und kriegte erstmal Herzchenaugen: der letzte Waggon war der mit der Speziallackierung!

Nun sind finnische Züge ja sowieso ausnehmend hübsch lackiert: da sind Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland. Und überhaupt kann man allerlei nette Sachen auf seine Waggons malen, wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt:

Speisewagen.

Und das alles in Grün, weil Zugfahren, so der Slogan der Finnischen Bahn, „die grünste Wahl“ ist.

Nun aber stand da der weisse Waggon mit den Bilderrahmen um die Fenster, von dem ich bisher nur Fotos gesehen hatte. Aus Anlass des 100. Geburtstags von Finnland hatte die Finnische Bahn einen Wettbewerb für Jugendliche ausgeschrieben unter dem Motto „Im selben Boot Zug“, den eine Sechzehnjährige aus Vaasa gewann. (Hier gibt’s ein nettes Video dazu.) Es gibt diesen Waggon nur einmal, und er wird mal hier und mal da an einen Intercity gehängt und fährt kreuz und quer durch Finnland. Und Freitagabend stand er vor mir, und ich konnte sogar mitfahren!

Unser Zug wartete dann doch noch fünf Minuten auf den aus Tampere, wegen der Umsteiger. Und damit ich den Ähämann nochmal küssen konnte.


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Wollsocken im Klassenzimmer (7)

Weil mich von Zeit zu Zeit die immer gleichen Fragen per Mail erreichen – und der Dauerbrenner sind immer noch Fragen zum finnischen Schulsystem – möchte ich die nach und nach hier beantworten.
Natürlich völlig unobjektiv auf meiner Erfahrung mit drei Grundschulkindern, die derzeit die Klassen 2, 4 und 6 besuchen, basierend. Heute mit einer Frage aus aktuellem Anlass.

Bekommen finnische Kinder kältefrei?

Ich fragte gerade vorgestern die Kollegin – sie ist angehende Lehrerin – ob es eigentlich eine offizielle Frostgrenze für Grundschulkinder gibt. Wir hatten -14°C, die Sonne schien, es war komplett windstill, die Erst- und Zweitklässler sind auf unserem wunderbaren Rodelberg die ganze Zeit in Bewegung und ausserdem noch in einem Alter, in dem sie bereitwillig Stiefel, dicke Überhosen und Mützen anziehen statt sich in Turnschuhen, Knöchelsöckchen und zerrissenen Jeans durch den Winter zu zittern – und für mich war es überhaupt keine Frage, dass wir am Nachmittag mit den Hortkindern rausgehen würden. Aber nachdem ich ja nun weiss, dass in Turku Kindergartenkinder ab -10°C nicht mehr rausgehen dürfen, wollte ich doch lieber sichergehen, ob es da nicht irgendeine offizielle Anweisung gibt, die mir bisher entgangen ist.

Nein, sie wüsste da von nichts, sagte die Kollegin. (Und eine kurze Recherche ergab, dass es tatsächlich sowas wie eine offizielle Frostgrenze für Schulkinder nicht gibt.) Aber sie selbst sei in Tampere zur Schule gegangen, und da hätten sie ab -30°C in den Pausen nicht mehr rausgehen müssen.

Womit die Frage nach Kältefrei geklärt sein dürfte.

***

Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben
Wollsocken im Klassenzimmer (2): Individuelles Lernen
Wollsocken im Klassenzimmer (3): Schulnoten
Wollsocken im Klassenzimmer (4): Schulkrankenschwester
Wollsocken im Klassenzimmer (5): Ferien
Wollsocken im Klassenzimmer (6): Wilma


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Weihnachten wie immer

„Nein, Mama, wir wollen alles so machen wie immer!“, protestierten drei Kinder, als ich vorschlug, dieses Jahr vielleicht nicht mehr zum Kindergottesdienst zu gehen, sondern ein bisschen später zu einem anderen.

Unser Weihnachten war also wie immer: mit Weihnachtsfriedensverkündung, Milchreis (der unterm Federbett quillt in unserem Bett schläft, während wir weg sind) zum Mittagessen, Kindergottesdienst, Geschenken unterm Baum und Weihnachtssauna.

Und mit -10 Grad und Schnee!!!
(Und das ist sehr viel mehr, als wir an einem „Weihnachten wie immer“ erwarten dürfen!)

Mein schönster Moment des Tages – neben dem, als alle schon aus der Kirche hinausströmten und der Organist noch in der kerzenbeleuchteten Kirche Händels „Ave Maria“ spielte – war dann auch, nach der Sauna dampfend auf der Bank im verschneiten Garten neben dem schneebedeckten, funkelnden Weihnachtsbaum zu sitzen.