Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Schwarzweiss statt Bunt

Fast hätte Turku so einen schönen Fussgängerüberweg bekommen, wie wir ihn letztes Jahr im isländischen Akureyri gesehen haben.

Dass so etwas in Deutschland nicht gehen würde, war mir letztes Jahr schon klar. Dass sowas in Finnland auch nicht geht, ist eine grosse Enttäuschung.

(Vielleicht wäre es der erste und einzige Fussgängerüberweg im Land geworden, der tatsächlich ernst genommen worden wäre. So viele vertane Gelegenheiten im Namen des Gesetzes!)


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Endlich!

Nach fast zehn Monaten waren wir am Montag wieder in einer öffentlichen Sauna mit natürlichem Gewässer.

In der Sauna am See, die, als wir das letzte Mal dort waren, den letzten Tag geöffnet war. Die neue Sauna ist schon seit Mitte Mai fertig, war aber wegen der Coronabeschränkungen noch bis Sonntag geschlossen.

(Sie war sogar so neu, dass der gerade angeheizte Saunaofen – es ist auch in der neuen Sauna wieder ein Holzofen! – noch qualmte und stank. Erst nach einer Stunde gab sich das, und dann roch das Fichtenholz der neuen Saunabänke ganz wunderbar.)

Der Ähämann hatte sein mobiles Homeoffice dabei und arbeitete mit Blick auf den See, die Kinder und ich wechselten unzählige Male zwischen Sauna und See hin und her. Nicht, dass die Sauna nötig gewesen wäre – es war so heiss, dass es am späten Nachmittag in der Ferne sogar ein bisschen blitzte und donnerte, und das Seewasser war geradezu lauwarm – aber ach, war das wunderbar…! Und wie sehr uns die Eisbadesauna gefehlt hatte den ganzen Winter über…!

Wir blieben bis abends um neun, als die Sonne den See und den Wald golden färbte. Das ist sowieso die schönste Tageszeit.

Passend zum Thema: Finnische Saunakultur steht seit Dezember 2020 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESO.


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Tschüss, Coronaschuljahr!

Am Sonnabend, während die Kinder bei ihren Zeugnisausgaben waren, kochte ich das letzte Maskensüppchen des Schuljahres. Sie brauchten für die anderthalb Stunden jede*r nur noch eine, und so hatte ich am Freitagabend alle Viere grade sein lassen.

Ich weiss nicht, was ich gedacht hatte, als wir alle mit Schuljahresbeginn anfingen – freiwillig, denn eine Maskenempfehlung, geschweige denn eine Maskenpflicht, gab es da noch nicht – Masken in der Schule und auf Arbeit zu tragen. Dass ich von da an jeden Abend Maskensuppe kochen und jeden Morgen Filtereinlagen in die getrockneten Masken friemeln würde, an jedem einzelnen Schultag, ein ganzes Schuljahr lang, das habe ich zu dem Zeitpunkt glücklicherweise nicht einmal geahnt.

Die Kinder hatten über das Schuljahr verteilt mehrere Wochen Distanzunterricht – weil ihre Klasse in Quarantäne war oder einfach nur prophylaktisch – und waren doch die meiste Zeit in der Schule. Manchmal fühlte es sich an wie Russisches Roulette. Als endlich eine Maskenempfehlung für Schüler*innen kam – erst nur für 7. bis 9. Klasse, dann auch für Sechstklässler*innen, ab Ende Januar endlich auch für die 4. und 5. Klasse – atmeten wir alle ein bisschen auf. Für drei Wochen mussten sogar die kleinsten Schulkinder und somit auch unsere Hortkinder Maske tragen – danach war es zum Glück leidlich warm, so dass wir alle Fenster aufreissen konnten. Dass die Schulen hier fast durchgängig auf waren und es trotzdem zu keinen nennenswerten Ausbrüchen unter Schulkindern gekommen ist, haben wir, denke ich, vielleicht dem effizienten Lüftungssystem, mit dem jedes finnische Gebäude ausgestattet ist, zu verdanken.

Wir gewöhnten uns daran, die Kinder beim kleinsten Halskratzen zu Hause zu lassen, waren unzählige Male im Krankenhausparkhaus, trugen „Wartet auf das Coronatestergebnis“ als Abwesenheitsgrund ins Wilma ein und verschickten erleichterte „Negativ!“-SMSe an den Klarinettenlehrer, die Harfenlehrerin und die beste Chefin.

Apropos Musikschule. Eine der besten Errungenschaften dieses Schuljahres war für mich, dass wir für ein hustendes, schniefendes oder zu Quarantäne verpflichtetes Kind jederzeit, zur Not zwei Minuten vor Beginn der Stunde, eine Klavier-, Klarinetten- oder Harfenstunde per Skype vereinbaren konnten.

Das Schuljahr glitt vorbei als eine Aneinanderreihung gleichförmiger Schultage, gespickt mit Hygienemassnahmen. Als die Herbstferien anfingen, hatte ich das Gefühl, es sei gerade mal September. Die Weihnachtsferien fühlten sich eher wie Herbstferien an. Im März sagte der grosse Herr Maus: “Jetzt ist es schon ein ganzes Jahr her, dass wir zum ersten Mal Distanzunterricht hatten!“, und es fühlte sich an wie höchstens ein halbes. Keiner der geplanten Ausflüge ins Museum, ins Konzert, in die Oper nach Helsinki fand statt, die Wissenschaftskreuzfahrt wurde dreimal verschoben und dann endgültig abgesagt, es gab keine Weihnachtskonzerte, keine Frühlingsfeste und keine Zeugnisausgabe mit Eltern und gemeinsamem Suvivirsi-Singen. Vor allem der große Herr Maus, der ohne Eltern und die sonst üblichen Feierlichkeiten in die Oberschule verabschiedet wurde, tat mir leid.

Die Kinder waren zweieinhalb Wochen vor den Ferien komplett durch mit ihrem Schulstoff, gaben ihre Lehrbücher zurück und mussten dann, weil der Kalender so komisch verschoben ist dieses Jahr, sogar noch eine Woche länger als sonst in die Schule, bis in den Juni hinein. Die Vorfreude auf die Sommerferien war gross und hielt sich gleichzeitig in Grenzen. Kein Aufbruch zum Hafen gleich am Abend nach der Zeugnisausgabe. Überhaupt keine Reisepläne. Höchstens die unbestimmte und innige Hoffnung, vielleicht im Juli wenigstens nach Estland fahren zu können. Während letztes Jahr das der beim Schopfe gepackten Gelegenheiten war, wird es diese in diesem Jahr für noch nicht Vollgeimpfte nicht geben. Warum auch, es gibt ja schon genug vollgeimpfte Rentner Menschen. Der Preis für die unempathischste Aussage geht übrigens an den Chef der finnischen Gesundheitsbehörde: „Plant euren Sommerurlaub so, dass er erst nach der zweiten Impfung stattfindet!“, empfahl er letzte Woche. Zur Erinnerung: unsere Zweitimpfung bekommen der Ähämann und ich eine Woche nach Ende der Sommerferien. Und für die Kinder, so sie denn überhaupt geimpft werden, ist noch lange kein Impfstoff vorhanden, noch nicht einmal für eine Erstimpfung vor Beginn des nächsten Schuljahres.

Es war ein seltsames Schuljahr.
Aber immerhin sind wir gesund geblieben.


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Wahllokal, pandemiekonform

Eigentlich wären in Finnland schon im April Kommunalwahlen gewesen. Weil es zu der Zeit aber coronamässig eher mies aussah, wurde sich nach viel Hin und Her darauf geeinigt, sie auf den 13. Juni zu verschieben. Bis dahin wären vielleicht nicht nur die Infektionszahlen wieder gesunken, sondern man hätte dann auch mehr Vorbereitungszeit, um die Wahlen sicherer zu organisieren.

Seit dieser Woche kann man vorwählen – in Bibliotheken, Supermärkten und auch in der Uni.

In der Uni ist diesmal allerdings falsch. Auf dem Uniparkplatz kann man wählen. Wir kamen mit dem Fahrrad, aber es ist gleichzeitig auch eins von drei oder vier Drive-in-Wahllokalen in Turku. Das Wahlbüro befindet sich in einem Weihnachtsmarkthüttchen, daneben steht die Wahlkabine. Zusätzlich müssen alle Wähler*innen Maske tragen und bekommen ihren Stimmzettel erst, wenn sie sich die Hände desinfiziert haben.

Sehr lustig. (Zum Glück regnete es nicht.)

Es wäre diesmal für mich einfacher gewesen, in der Hauptbibliothek zu wählen. Aber warum soll ich irgendwas in geschlossenen Räumen machen, wenn es auch draussen geht?! Und ausserdem war es der perfekte Ort, um der ehemaligen Mitdoktorandin meine Stimme zu geben.


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2x Moderna im Arm

Der Ähämann und ich haben heute einen Ausflug ins Messezentrum gemacht. Die Austellung war, um es mit den Worten des Ähämanns zu sagen, eher öde, dafür war der Eintritt frei.

Es ging dann doch überraschend schnell.

In Finnland wird – abgesehen von ein paar wirklich drastischen Risikogruppen wie Organtransplantations- oder Krebspatienten sowie Menschen mit Down-Syndrom, Diabetes oder chronischen Herzkrankheiten – strikt in absteigender Altersreihenfolge gegen Covid-19 geimpft.

(Das scheint dem norwegischen Impfsystem sehr zu ähneln, und dazu hat Frau Rabe schon alles gesagt, was ich dazu gern sagen möchte.)

Von Hundertnochwas bis 56 bekamen in Turku alle automatisch eine Einladung per SMS. Weil aber offensichtlich dann doch recht viele Leute ihren Impftermin gar nicht wahrgenommen haben, wurde Anfang Mai ein Link freigeschaltet, unter dem sich 18- bis 55-Jährige, die die Impfung wirklich wollen, registrieren konnten. Den Registrierten wird dann nach und nach – nicht in Anmeldereihenfolge, sondern ebenfalls in absteigender Altersreihenfolge – automatisch per SMS ein Termin zugewiesen. Der Ähämann, der zwei Jahre älter ist als ich, bekam seine Einladung letzten Dienstag für heute, ich am Freitag für Donnerstag.

Geimpft wird in Turku am Arsch der Welt im Messezentrum anderen Ende der Stadt. Es gibt dort 25 Impfstationen – es können also jeweils 25 Leute gleichzeitig geimpft werden – und sehr wenig Bürokratie (Name aufrufen, KELA-Karte kontrollieren, Spritze in den Arm, Zettel mit Folgetermin in die Hand drücken, bitte da entlang und dort noch 15 min warten, auf Wiedersehen!) und sicher geht es auch deswegen so schnell voran mit den Impfungen hier.

Apropos schnell. Finnland hat von Anfang an die Impfintervalle auf 12 Wochen hochgesetzt, damit möglichst schnell möglichst viele Leute überhaupt erstmal eine Impfung bekommen. Finde ich gut – macht sich nur blöd für den EU-Impfpass, weil mit dem ja nur vollgeimpfte Leute reisen dürfen, unsere Zweitimpfung aber erst eine Woche nach Ende der Sommerferien stattfinden wird. (Nein, Herbstferien sind kein Trost. Okay, eine Woche im Advent im Erzgebirge schon. Ein bisschen.)

Weil der Ähämann auch schon mal umkippt nach einer Impfung, fuhren wir gemeinsam hin, damit ich ihn wieder nach Hause fahren konnte. Eingedenk meiner Erfahrungen bei der Schweinegrippenimpfung hatte ich vorsorglich meinen Impfpass heute schon mal dabei und durfte mir tatsächlich die Impfung heute schon verpassen lassen und meinen Donnerstagstermin canceln einem anderen dringend auf die Impfung Wartenden überlassen.

Naja, Impfpass. Dieses Konzept ist hier ja eher unbekannt – Impfungen stehen wie alles andere in der digitalen Patientenakte – und ich habe schon mehrere Neuvolatanten und Schulschwestern in Erstaunen versetzt, als ich ihnen gesagt habe, dass man den Aufkleber von der Ampulle mit dem Impfstoff abmachen und in den gelben Pass kleben kann. („Das ist ja praktisch!“ Ja.) Heute gab es keine Aufkleber, weil schlicht keine dran sind an den Einzeldosen, und noch nicht mal einen Stempel, weil, nun ja, Stempel hierzulande nicht so einen Stellenwert besitzen wie in Deutschland. (Vor Jahren besuchte das Fräulein Maus mit mir die ehemaligen Kolleg*innen auf dem Jenaer Umweltamt, entdeckte den Stempelhalter auf dem Schreibtisch des einen – „Mama, was ist das denn?!“ – bekam dann ein Blatt Papier gereicht und war für die nächste Stunde beschäftigt.)

***

Freude und Erleichterung weitergeben.

Weil die Impfung für uns kostenlos war, haben wir beide den Preis für unsere Impfdosen dafür gespendet, dass auch Menschen in ärmeren Ländern gegen Covid-19 geimpft werden können.


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Nördlich der dritten Welle

Gestern klingelte bei uns seit langem der Wecker zum ersten Mal wieder um 6:10 Uhr. (Grässlich!) Das Fräulein Maus ging nach fünf Wochen Distanzunterricht – geplant waren anfangs drei, dann wurde nochmal um die zwei kurzen Wochen vor und nach Ostern verlängert – zum ersten Mal wieder in die Schule. Für die nächsten drei Wochen wird sie nach jeweils zwei Präsenzschultagen einen Distanzunterrichtsschultag haben. Die Klassen werden dabei nicht geteilt, aber es ist jeweils eine ganze Klassenstufe weniger in der Schule.

Finnland gibt sich übrigens gerade optimistisch, dass bis Juli alle Erwachsenen, die das wollen, geimpft sein können, und vielleicht sogar bis zum Beginn des nächsten Schuljahres schon alle Teenager. Das wäre prima! Nachdem wir ein Jahr lang wie hypnotisierte Kaninchen die steigenden Fallzahlen oder Inzidenzwerte angestarrt haben, finde ich es gerade sehr angenehm, täglich die aktuellen finnischen Impfzahlen anzugucken. (Und die Hochrechnung, an welchem Tag bei der derzeitigen Impfrate eine 70%-ige Durchimpfung der Bevölkerung erreicht sein wird. Das ist zur Zeit immer irgendein Tag im August.)

Dieser Impfneid allerorten – „Warum ist der vor mir dran?“, „Wieso darf die sich denn schon impfen lassen?“ – nervt mich übrigens unsäglich. Abgesehen davon, dass wir natürlich alle am liebsten möglichst bald selbst geimpft sein wollen, senkt doch jeder Einzelne, der schon geimpft ist, indirekt auch mein eigenes Infektionsrisiko. Ist es wirklich zu viel verlangt, statt seines eigenen Bauchnabels mal das grosse Ganze angucken?! Die finnische Regierung hat sich übrigens strikt gegen einen Impfpass, der schon Geimpften den Besuch von Veranstaltungen, Restaurants oder Museen erlauben würde, ausgesprochen, weil das gegen das Prinzip der Gleichbehandlung aller verstossen würde. (Grosse Finnlandliebe dafür, schon immer.)

Was eigentlich aus den geplanten Ausgangsbeschränkungen geworden ist? Die hat aus dem gleichen Grund der Grundgesetzausschuss des Parlaments gekippt. Wenn man private Feiern – die zuletzt der Hauptgrund für das Ansteigen der Fallzahlen waren – verhindern will, kann man nicht pauschal allen Bürgern ein Grundrecht entziehen, sondern muss gezielt dagegen angehen. Was ich sage.

Die Zahlen in Finnland sinken übrigens tatsächlich wieder. Es freut mich sehr, aber andererseits bin ich ein bisschen entsetzt, dass es reicht, Restaurants und Fitnessstudios zu schliessen. Ich wäre sehr froh über eine Beschränkung unserer vielen unfreiwilligen Sozialkontakte gewesen, denn freiwillige Kontakte haben wir alle doch sowieso schon zur Genüge reduziert. Dachte ich. Aber gut. Immerhin sind die Finnen Meister im Sich-an-Coronaregeln-Halten.


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Sowas wie Berge

„Wandern…!“, stöhnte der kleine Herr Maus gestern am Frühstückstisch. „Skifahren macht Spass! Aber Wandern…! Ausser in den Bergen. Auf hohe Berge wandern! Und über Felsen klettern! An Seilen und mit Leitern! Das ist toll!“

Tjanun. As close as  it gets.

(Der Wanderweg hatte zudem eine unseren Wünschen für den sonnigen Sonntag angemessene Länge. Lang genug, um Sonne, Waldluft und Vogelgezwitscher zu tanken. Kurz genug, um nachmittags noch im Garten werkeln (wir Eltern) und sich mit den Nachbarskindern austoben (die Kinder) zu können. Alle glücklich abends.)


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Statt Kreuzfahrt

Auch 2021 wird wohl ein Jahr der beim Schopfe gepackten Gelegenheiten werden.

Sonntagabend überlegten der Ähämann und ich, ob wir nicht doch über Ostern irgendwohin fahren sollten. Nur wohin? In Finnland bleibt einem über Ostern eigentlich nur, nach Lappland zu fahren und dort die Skisaison zu beenden, oder im Süden zu bleiben, wo es mit viel Glück wenigstens ein bisschen frühlingshaft ist.

(Tartu steht seit vielen Jahren auf dem Plan. Erst konnten wir jahrelang über Ostern nicht verreisen, weil das immer mitten in des Fräulein Maus‘ Wettkampfsaison lag. Jetzt wäre schon das zweite Ostern, an dem wir könnten. Und wieder nicht können.)

Sonntagnacht schickten wir eine Anfrage nach Utö, ohne uns allzugrosse Hoffnungen zu machen. Montagfrüh bekam ich einen Anruf, jemand hätte wegen Corona seine Mökkibuchung abgesagt, ob wir interessiert wären. Montagmittag hatte ich mehrere Telefonate geführt und ein Mökki auf Utö gebucht.

Es gab nur noch ein Problem. Wir mussten auch hinkommen.

Nach Utö kommt man, wenn man kein eigenes Boot hat, mit einer Schärenfähre. Die fährt etwa alle zweieinhalb Tage. Über Ostern war der Fahrplan so geändert worden, dass sie statt Freitagabend schon Gründonnerstagabend vom Festland nach Utö fahren würde, und statt Sonntag- erst Montagmittag zurück. Das Problem war diesmal, überhaupt mitgenommen zu werden, denn wegen Corona dürfen die Fähren zur Zeit nur die Hälfte der Passagiere mitnehmen. Ich verliess am Donnerstag zum frühestmöglichen Zeitpunkt hastig meine Arbeit. Den kleinen Herrn Maus liessen wir für die letzte Schulstunde freistellen. Das Fräulein Maus absolvierte ihre letzte Schulstunde – Distanzunterricht macht’s möglich! – im Auto.

So richtig auf Utö vorfreuen konnten wir uns aber erst, als wir, anderthalb Stunden vor Abfahrt, im Hafen fünf „Eintrittskarten“ – Tickets gibt es nicht, weil die Schärenfähren – wir zahlen gern Steuern! – kostenlos sind; im Voraus Plätze reservieren durfte man auch nicht – für „Baldur“, die isländische Fähre, die nun schon seit vielen Jahren ihren Dienst statt in der Gröndlandsee in unserem Schärenmeer tut, in die Hand gedrückt bekommen hatten.

Schärenfähre fahren ist das Schönste, was man hier draussen machen kann. Die Fahrt vom Festland nach Utö dauert sechs Stunden, und unterwegs legt die Fähre an vier anderen ganzjährig bewohnten Inseln an. Die Bewohner warten auf Post und Zeitung, die kleinen Inselläden bekommen ihre Waren mit der Fähre geliefert, auf Aspö wurde abends halb zehn eine grössere Menge Baumaterial abgeladen.

Es ist keine Kreuzfahrt. Aber es ist so viel schöner als jede Kreuzfahrt.

Suchbild: Wo ist die „Grace“?

Kurz vor Mitternacht kamen wir auf Utö an. Die Strassenlaternen waren schon ausgeschaltet. Aber der Leuchtturm leuchtete uns den Weg.

***
Zehn Stunden Schärenrundfahrt (April 2005)
Übers vereiste Meer nach Utö (März 2010)


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Halleluja!

Meine Eltern haben einen Impftermin!

Vorausgegangen waren zwei Wochen, in denen der Ähämann und ich zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit das Handy zur Hand genommen und wahlweise entweder gar nicht erst auf den Terminvergabeserver gekommen waren:

oder dann eben eine freundliche Absage lesen mussten:

(Und macht ausser mir eigentlich noch jemanden dieser Rechtschreibfehler völlig fertig?!)

Ich bin sehr froh, dass wir das in die Hand genommen haben, denn meine Eltern hätten es brav alle paar Tage einmal probiert und würden vermutlich am St. Nimmerleinstag geimpft. Was für ein bescheuertes System!

In Turku bekommen schon seit drei Wochen alle alten Leute in absteigender Altersreihenfolge automatisch einen Impftermin per SMS. Gerade sind die 70- und 71-Jährigen dran. Und es wird im Messezentrum geimpft. (Und nicht in irgendwelchen vergleichsweise winzigen ehemaligen Aldi- oder Nettomärkten. Und überhaupt gibt es in jedem grösseren Ort ein eigenes Impfzentrum, während es für den gesamten Freistaat Sachsen gerade mal 15 Impfzentren gibt.) Es geht auch hier langsam, aber immerhin stetig mit den Impfungen voran: in Turku sind jetzt schon reichlich 18% der Bevölkerung geimpft, und jeden Tag steigt der Anteil um ein oder zwei Prozentpunkte.

Bis der Ähämann oder ich dran sein werden, wird trotzdem mindestens Sommer sein. Aber egal. Hauptsache, meine Eltern haben endlich einen Impftermin. Genaugenommen haben sie sogar schon zwei, und sogar der zweite wird gerade noch rechtzeitig vor ihrer schon für letzten Sommer geplanten Reise zu uns stattfinden. (Falls es keine weiteren Impfstopps und ähnliche Katastrophen geben wird.) Und das ist mehr, als wir uns überhaupt zu wünschen getraut hatten.


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Alle irre

Auch Finnland befindet sich nicht mehr nördlich vom Weltuntergang.
Auch in Finnland ist die dritte Coronawelle am Anrollen.

Deshalb wird es vermutlich demnächst in den schlimmsten Corona-Hotspots – der Hauptstadtregion und Turku – Ausgangssperren geben.

Ausgangssperren wurden hier immer als allerletzte Massnahme, wenn sonst nichts mehr hilft, gehandelt.

Tjanun. Derzeit sind jedenfalls die Kindergärten auf. Erst- bis Sechstklässler gehen ganz normal in voller Klassenstärke und zum Teil auch mit zwischen den Klassen wechselnden Lehrer*innen zur Schule. (Immerhin haben wir in Turku seit dieser Woche eine Maskenempfehlung ab der 1. Klasse, halleluja!) Läden aller Art und ganze Einkaufszentren sind geöffnet. Fitnessstudios, Bibliotheken und Museen sind geöffnet, wenn sie dafür sorgen, dass sich nicht mehr als 10 Leute gleichzeitig in einem Raum aufhalten. Und Homeoffice machen offensichtlich gar nicht mal so viele Leute; zumindest legt die Menge an Leuten, die zur Mittagszeit mit Essenspaketen und Kaffeebechern in der Hand durchs Stadtzentrum ziehen, sowie an Autos, die sich zur Feierabendzeit die grossen Ausfallstrassen entlangwälzen, diesen Schluss nahe.

Mir würden da jedenfalls noch eine Menge Massnahmen einfallen, bevor man Ausgangssperren verhängen muss.

Aber gut, dann eben Ausgangssperren, sind alle diese Probleme auf einen Schlag gelöst. Bleiben wir alle drei Wochen komplett zu Hause, dann ist der Grossteil der Infektionsketten unterbrochen und die dritte Welle im Sand verlaufen, ohne Schaden anzurichten.

Ach so, nein, leider, da war noch was.

Von den Ausgangssperren ausgenommen sind Kindergarten- und Schulbesuch sowie Erwerbstätigkeit.

ABER HAUPTSACHE WIR DÜRFEN NICHT MEHR IN DEN WALD!!!