Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mittsommer 2017

Juhannus war mir lange Zeit nicht wichtig. Es war kein Fest, das einen besonderen Platz in meinem Herzen gehabt hätte, denn ich bin damit nicht aufgewachsen. Später, als wir Kinder hatten und die noch klein waren, war zudem nicht daran zu denken, die blaue Mittsommernacht irgendwo draussen zu verbringen.

Vor drei Jahren bestanden die Kinder zum ersten Mal darauf, Juhannus so zu feiern, wie man hierzulande Mittsommer eben feiert. Damals wählten wir noch die Kindervariante mit Mittsommerfeuer schon um neun statt kurz vor Mitternacht, aber schon im nächsten Jahr feierten wir Mittsommer so, wie man das eigentlich tut.

Und ganz vielleicht finde ich ab sofort Juhannus noch ein ganz kleines bisschen schöner als Weihnachten.


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Glück ist…

… finnische Sommerabende.

Abendlicht, das von Minute zu Minute weicher und schöner wird. Stille bis auf das Tuckern eines Motorbootes irgendwo weit weg und das Kreischen der Möwen, die über unsere Köpfe hinwegsegeln. Eine Sauna, die zweimal die Woche von 17 bis 21 Uhr angeheizt ist und einfach so von jedermann benutzt werden darf. Grünes Wasser voller Diamanten, das noch so kalt ist, das es einem kurz den Atem nimmt, wenn man losschwimmt.


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Fundstück

„Guck mal!“, rief der kleine Herr Maus gestern plötzlich mitten im Wald. „Da ist ja Finnland!“

(Woran man sehen kann, dass hierzulande der Patriotismus recht ausgeprägt ist. Oder die Kinder schon im Kindergarten recht anspruchsvolle Sachen lernen. Oder beides. Ich hätte jedenfalls als Vorschulkind nirgends den Umriss meines Heimatlandes erkannt. Schon gar nicht abstrakt auf dem Waldboden.)


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Sommer

Als ich meinen ersten Sommer in Finnland verbrachte und wir, wann immer es zwischen der Mäusearbeit ging, vom Steg der Forschungsstation in den See sprangen, erzählte mir die eine Feldassistentin, dass sie als Kinder im Sommer tagelang zwischen Sauna und See hin und her gerannt wären. „Die Sauna war immer warm, und deshalb war es war völlig egal, wie das Wetter war. So schön!“, schwärmte sie.

Der kleine Herr Maus und ich haben heute zu Ehren seines ersten Sommerferientags – die Schulkinder müssen noch bis zur Zeugnisausgabe am Samstagvormittag durchhalten – die Freibadsaison eröffnet.

Bei 10°C und Sturm.

Aber mit Sauna geht alles.

(Nur dass der Sprungturm noch geschlossen war fand der kleine Herr Maus ein bisschen ärgerlich.)


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Muttertag

Bei IKEA waren ausser mir noch fünf andere Leute.

Im Gartenmarkt herrschte Hochbetrieb. Keiner kaufte jedoch Tomatensetzlinge oder Radieschensamen – Hortensien und Rosenstöckchen in Geschenktöpfen waren der Verkaufsschlager des Tages.

Im Supermarkt warb auch zum Feiertag eine Mobilfunkgesellschaft beflissen um Kunden. Ein Mann – eine Erdbeertorte im Karton balancierend – trat interessiert ein paar Schritte näher, woraufhin seine Frau – einen Rosenstrauss im Arm – nervös ausrief: „Wir müssten schon längst da sein! Jetzt komm doch schon! Wir sind sowieso schon viel zu spät! Hörst du?!“

Unter den Turneltern hatte es fast Meuterei gegeben: Training? Am Muttertag?! Also wir müssen heute zu meiner Schwiegermutter und zu drei Omas, da kann mein Kind nicht kommen! Eins der Turnmädchen wurde eher abgeholt und mit quietschenden Reifen davongefahren.

Der Inder teilte am Telefon bedauernd mit: „In ungefähr 50 Minuten könnt ihr das Essen abholen. Tut mir leid, aber wir haben heute echt viel zu tun.“ Und tatsächlich, jeder Platz belegt, mit herausgeputzten Kleinkindern, gelangweilten Teenagern, Männern im Anzug und aufgedonnerten Müttern, die wahrscheinlich schon wieder darüber nachdachten, was sie dann um fünf wohl für ihre Familie kochen sollen.

Mein Muttertag: alleine (!) in Ruhe (!) den Gartenmarkt leergekauft. Den Rest des Tages in der Erde gewühlt und mir die Sonne auf die Nase scheinen lassen.

Was hab‘ ich’s gut!


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„Auf nach Finnland!“

Seit Jahren freue ich mich in den hiesigen Buchläden an den Postkarten mit den Motiven von alten Reisewerbeplakaten. Wenn ich wüsste, was ich damit anfangen sollte, hätte ich schon den gesamten Bestand aufgekauft. Die sind so toll!

Zum Glück hatten wir ja nun endlich einen Anlass, nach Helsinki zu fahren, denn im Nationalmuseum gibt es gerade eine Sonderausstellung mit eben diesen historischen Plakaten.

Die Kinder, die sonst eigentlich für jedes Museum zu begeistern sind, verstanden mein freudiges Gehüpfe nicht so ganz. Aber für die gab es ja noch jede Menge anderes anzugucken und auszuprobieren.


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kaksisataakuusikymmentäneljä

Als ich am Dienstag mit dem kleinen Herrn Maus vom Fussballtraining heimradelte, kam uns genau da, wo wir an einer geparkten 264 vorbeifuhren, eine andere 264 entgegen.

Der kleine Herr Maus freute sich nicht sehr. Er war genervt, dass auf dem Radweg – und dann auch noch bergauf! – immer noch dicke Splittschichten lagen.

Nach welchem System hier die Wege und Strassen vom winterlichen Spitt befreit werden, ist uns allen schleierhaft. Unser Stadtteil jedenfalls scheint auf der Prioritätenliste nicht sehr weit oben zu stehen. Der kleine Herr Maus vermutete schon, man hätte uns vergessen, und ich versprach ihm, wenn die Kehrmaschine in zwei Wochen immer noch nicht dagewesen sein sollte, mal bei der Stadt nachzufragen.

Am nächsten Tag fiel prompt eine Frühjahrsputzarmada in unseren Stadtteil ein: ein riesiger Bagger, der den Eishobel gegen eine riesige Bürste getauscht hat, ein normaler Bagger mit Bürste und Splittsauger, das Strassenwaschauto, ein Traktor mit Hänger für die eingesaugten Splittberge, eine kleine Kehrmaschine für die Feinarbeiten.

Zwei Tage lang fuhren sie Strasse um Strasse und Fussweg um Fussweg ab. Danach war immerhin der Radweg zum Kindergarten splittfrei.

Die Frühjahrsputzarmada ist in den nächsten Stadtteil weitergezogen. Der Radweg neben der 264 ist immer noch unter 5 cm Splitt begraben.

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