Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Tschüss, Weihnachtsferien!

Entgegen aller Erwartungen – denn wenn man Ferien so dringend nötig hat, wie wir es hatten, sind zwei Wochen nicht allzuviel – fühlten sich die Ferien diesmal sehr, sehr lang und erholsam an. Der erste Ferientag, an dem wir direkt nach der Zeugnisausgabe zum ersten Mal in dieser Saison skifahren gingen, scheint einen ganzen Monat zurückzuliegen.

Wir haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und waren skifahren und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und waren fast jeden zweiten Tag entweder in der Eisbadesauna oder in unserer eigenen und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und wir haben den Weihnachtsbaum geschmückt und haben Weihnachten und Silvester gefeiert und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und der kleine Herr Maus hat Schienen durch die ganze Wohnung und rund um den Weihnachtsbaum gelegt und darauf seine Züge mit der neuen Beleuchtung fahren lassen und einmal ist er abends darüber auf dem Teppich neben dem Weihnachtsbaum eingeschlafen und am nächsten Tag haben wir lange geschlafen und nichts getan und wenn wir keine Lust zum Kochen hatten sind wir essen gegangen und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und wir waren alle fünf fast die ganze Zeit zusammen und die Ferien waren so schön und erholsam wie Ferien nur sein können.

Wir werden auch morgen früh, wenn wir wieder um sieben am Frühstückstisch sitzen müssen, mit Kerzen und neben dem Weihnachtsbaum frühstücken. Gut, dass die Weihnachtszeit hier offiziell erst am 13. Januar endet! Vielleicht werde ich in der kommenden Woche nach und nach die Weihnachtssachen in ihre Kisten und Schachteln zurückpacken, aber auf die Adventssterne und den Schwibbogen und den Weihnachtsbaum – den schon gar nicht! – möchte ich noch nicht verzichten. Noch immer ist hier die dunkelste Zeit des Jahres – erst in zwei, drei Wochen werden wir eines Morgens oder Abends plötzlich feststellen, wie das Jahr unaufhaltsam auf den Frühling zurast.


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Januarsonne

Der Ähämann und das Fräulein Maus sind heute an die Arbeit und in die Turnhalle zurückgekehrt. Den Ähämann fuhr ich kurz nach sechs zum Bahnhof. Es war bitterkalt, die Strassen vereist, der Schnee knirschte unter den Füssen, und die Venus war so gross, dass ich sie zuerst für ein landendes Flugzeug hielt. Als ich wieder nach Hause kam, leuchtete der Weihnachtsbaum so anheimelnd, dass ich mir eine Kerze anzündete und eine Stunde lang in der sonst dunklen und stillen Wohnung Kaffee trank, ein Brötchen ass und dabei las. Als es schon ganz sachte zu dämmern anfing, legte ich mich wieder hin und wachte erst nach zwei Stunden wieder auf. Da war es kurz vor halb elf, und alle drei Kinder schliefen immer noch. Ferien…! <3

Nachmittags fuhren wir das Fräulein Maus zur Turnhalle, und die Herren Maus und ich fuhren – denn es gibt nichts Besseres, was man bei diesem Wetter machen kann – zur Eisbadesauna. Da war es dann schon halb drei, und die Sonne stand schon wieder sehr, sehr niedrig. Eine Stunde später war sie untergegangen, noch eine Stunde später leuchtete der Himmel in allen Farben von dunkelblau bis tieforange. Als wir zum zweiten Mal ins Wasser gingen, hatte sich auf dem Meer eine Eishaut gebildet, und von Saunagang zu Saunagang konnten wir zugucken, wie sie dicker und grösser wurde.

Dann aber mussten wir uns sputen, um den Ähämann vom Bahnhof abzuholen, der mit dem kleinen Herrn Maus nach Hause fuhr und das Fräulein Maus aus der Turnhalle abholte, während der grosse Herr Maus und ich ins Kino gingen. Und noch als wir mit dem Bus nach Hause gefahren und die letzten 500 m gelaufen waren, fühlten wir uns ganz saunawarm. Von aussen und innen.


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Skitour auf Südwestfinnisch

Der Turkuer Winter ist – wenn er nicht sowieso ganz ausfällt – im allgemeinen so: einen Tag schneit es, am nächsten Tag herrscht tiefer Frost, am übernächsten Tag regnet es, am überübernächsten gefriert der ganze Kladderadatsch wieder (was der Turkuer lakonisch Schädelbruchwetter nennt).

Gestern Abend ging der Regen endlich wieder in Schnee über, und in der Nacht zog ein heulender, wirbelnder Schneesturm über die Stadt. Heute früh lagen offiziell 6 cm Neuschnee – was allerdings heisst, dass er an manchen Stellen zu 20 cm dicken Schneehaufen zusammengeweht war und an anderen das blanke Eis rausguckte. Das Ganze bedeckt von vom Sturm heruntergezausten Nadeln und Ästchen.

Ich sag‘ mal so: wir sind schon bei besserem Wetter skigefahren. Aber die Sonne schien – für zwei, drei Stunden auf Augenhöhe ab und zu zwischen den Bäumen hindurch – und allein dafür hat sich der Ausflug bei beissendem Wind auf abwechselnd Kunstschnee, stumpfem Neuschnee und spiegelblankem Eis gelohnt!

Die Wetteraussichten für die folgenden Tage: morgen -14°C und Sonne, übermorgen +2°C und Regen. Ohne Scheiss. So ist das hier.


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Im Finstern

Wochentags, wenn sie abends aufhat, in die Eisbadesauna zu gehen, ist etwas ganz Besonderes für uns. Ich liebe es, ins schwarze Meer zu tauchen, und von der Saunabank aus die Seezeichen rot und grün blinken zu sehen.

Ausserdem muss man das Elend nicht mitansehen, sieht man dann nicht so genau, dass – typisch Turkuer Winter! – sich die Schneepracht gerade mal wieder in Matsch und Glatteis verwandelt hat.


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22. Dezember

Heute war letzter Schultag und erster Ferientag zugleich.

Letzter Schultag, weil es Zeugnisse hier grundsätzlich am Samstagmorgen gibt, mit Eltern. Finde ich ja eigentlich nicht schlecht, aber wo die Weihnachtsferien sowieso schon so kurz sind…! Wir quälten uns heute also um 6:30 Uhr aus dem Bett, dann gingen die Kinder voraus in ihre Schulen, und wir kamen eine Stunde später nach. Der Ähämann nahm das Auto, ich den Tretschlitten. In der Schule sangen wir sehr lustige Weihnachtslieder, dann gab es Zeugnisse. Um zehn fingen endlich die Ferien an.

Statt Grossputz oder Weihnachtslebensmitteleinkauf machten wir die erste Skitour der Saison.

Den Kilometer Kunstschneeloipe, auf dem sich die Fitnessjünger drängten und fast über den Haufen fuhren, liessen wir links rechts liegen und bogen auf einen ausgedehnten Teil des Turkuer Loipennetzes ab, der zwar noch nicht gespurt ist, aber wunderbarst zu befahren war, und auf dem wir insgesamt drei Skifahrern begegneten. Ich wusste noch gar nicht, was für schönen Wald wir mitten in der Stadt haben…! Und es schneite einfach immer weiter und weiter und weiter…! Nur mit dem Tageslicht war es, am kürzesten Tag des Jahres, nicht weit her. Zum Glück sind die Loipen hier alle beleuchtet, sonst hätten wir uns seeehr beeilen müssen, rechtzeitig wieder zurück zu sein.

Die letzte Skitour zu Ostern, die erste kurz vor Weihnachten, dazwischen ein Rekordsommer. Was für ein wunderbares Jahr! <3


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Jeden Tag eine gute Tat

Immer am Donnerstag nach Weihnachten gehen die Pfadfinder die vielen, vielen Grabkerzen, die hier nicht nur zu Allerheiligen, sondern auch am Heiligabend auf den Friedhof gebracht werden, einsammeln.

Wir gehen immer, wie viele andere, mit der ganzen Familie hin, und in allerhöchstens einer Stunde ist die ganze Sache erledigt. Obwohl jedes Mal zwei riesige Container mit Plastemüll und zwei Mülltonnen voller Blech zusammenkommen.

Hinterher Abstecher zur Bibliothek, heisses Bad, weiter mit Ferien.


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Endlich Ferien! Endlich wieder im Meer baden gehen!

Wir waren schon vermisst worden von den Saunastammgästen. „Ihr seid ja alle gross geworden!“, wurden die Kinder begrüsst. Und seit heute haben tatsächlich alle drei begriffen, dass es sich besser anfühlt, wenn man nicht nur die Zehen eintunkt, sondern wirklich bis zum Hals ins Wasser geht. Sie wollten dann gar nicht mehr aufhören. Deswegen blinkerten schon grün und rot die Seezeichen übers schwarze Wasser, als wir das letzte Mal dampfend von der Sauna auf den Steg liefen.

Und als wir heimfuhren, fuhr eine 292 vor uns her.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291]


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Jähes Ende

Als wir uns am Neujahrsmorgen gegen 0:40 Uhr von den letzten Nachbarn, die noch so lange vor dem Haus ausgeharrt und mit ihren und unseren Kindern auch noch die allerletzten Vorräte an Knallfröschen und Feuerrädern gezündet hatten, verabschiedeten, sagte der eine grinsend zu unseren Kindern: „Gute Nacht! Und morgen geht’s wieder in die Schule!“

Solche Art Scherze sind nicht ihr Humor. Sie diskutierten lange erbost darüber, ob man „morgen“ sagen dürfe, wenn man doch noch zweimal schliefe.

Als heute früh um 6:35 Uhr der Wecker klingelte, war mir jedoch auch das Lachen vergangen.

(Nächstes Jahr wieder Weihnachtsferien bis zum 7. Januar. Gott seis getrommelt und gepfiffen!)


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Wie die Vertreibung aus dem Paradies

… fühlt sich das Ende von zwei Wochen Lotterleben diesmal an.

Heute früh mittag haben wir nochmal alle Weihnachtskerzen angezündet und nochmal alle Weihnachtslieder angehört. Später waren wir dann – passend zur Tagesstimmung – im beginnenden Schneefall und schon wieder hereinbrechender Dämmerung noch beim Teufel im Wald.

Als ich nämlich im Herbst den grossen Herrn Maus vom Pfadfinderlager abholte und dabei so eine sich durch den Wald und Felder und an kleinen Ansammlungen von Häusern vorbei schlängelnde Lieblingsstrasse fuhr, kamen wir an einem Wegweiser zu einem Hiidenkirnu, einem „Teufelstopf“, vorbei. Und seitdem wollte ich da hin.

Es fing schon sehr abenteuerlich an, weil der ausgeschilderte Weg immer schmaler wurde und der kleine Herr Maus besorgt von der Rückbank fragte: „Aber wie kommen wir denn hier wieder zurück?“ und ich dann irgendwann beschloss, den Herrn Picasso jetzt und genau hier abzustellen, egal wie weit es noch bis zum Teufelstopf sei. Aber es waren dann von da noch genau zwei Wegpfeile und vielleicht dreissig Meter, und die letzten fünf Meter führten als Trampelpfad auf einen kleinen Felsen, wie sie hier überall im Wald rumliegen, und als ich oben stand und mich umguckte, wo der Pfad denn nun weitergeht oder ob man das Ding vielleicht schon sehen könnte, da musste ich plötzlich sehr lachen.

Ich stand direkt danenben.

Es gibt ja durchaus Teufelstöpfe in Finnland, die mehrere Meter breit und tief sind. Der hier eher nicht. Aber wenn man bedenkt, dass das alles nur durch schmelzendes Gletscherwasser entstanden ist und da kein Mensch nachgeholfen hat, dann ist das eigentlich beeindruckend genug.

Der Teufel war auch auf Urlaub oder im Winterschlaf oder so, denn sein Süppchen war steinhart gefroren. Wir polkten es erstmal mit vereinten Kräften aus dem Topf heraus.


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kaksisataakaksikymmentä

Nichts ist erholsamer als Weihnachtsferien.

Wir gehen abends spät ins Bett und schlafen früh lang. Der grosse Herr Maus lässt sich sofort nach dem Aufstehen mit dem inzwischen zweiten Teil von „Harry Potter“ in den Sessel sinken. Bald hat er ihn durch. Das Fräulein Maus näht von früh bis abends. Wir gucken jeden Tag einen Märchenfilm an. Weil die Kinder noch bis übermorgen auf das Neujahrskonzert warten müssen, haben sie sich die alten DVDs erbeten und gucken sich sämtliche Ballettteile an. Und diesen tollen Pausenfilm von vor ein paar Jahren, in denen die Menschen durch Wien schweben. Gern auch mehrmals am Tag.

Gestern hatten wir den einzigen Termin der zwei Wochen. Der grosse Herr Maus ging mit seiner Pfadfindergruppe auf den Friedhof, abgebrannte Grabkerzen einsammeln. In Finnland bringt man nämlich nicht nur zu Allerseelenheiligen Kerzen auf die Gräber, sondern auch zu Heiligabend. Zwei Container Plastemüll und eine ganze Mülltonne Blechmüll kamen zusammen.

Ich ging währenddessen mit dem Fräulein Maus und dem kleinen Herrn Maus in die Bibliothek, neuen Lesestoff besorgen. Das Weihnachtsgeschenk hielt nicht lange vor, und weitere Bücher in Grossbuchstaben besitzen wir nicht. (Und an welche mit kleinen traut er sich noch nicht so richtig ran, der kleine Herr Maus.)

Abends gingen wir zum ersten Mal überhaupt im Finstern in die Eisbadesauna. Am Anfang tauchten wir noch in oranges Wasser unter einem orangen Himmel. Wie in so einer Sommernacht. Dann wurden das Wasser schwarz und der Himmel gesprenkelt von Sternen. Und draussen blinkerten die Seezeichen.

Heute waren wir zum Kaffee eingeladen. (Und auf dem Weg dahin kam uns die 220 entgegen.) Und dann kauften wir noch ein bisschen Skiausrüstung für in die Länge geschossene Kinder nach, weil es die gerade sehr preiswert gibt. Der grosse Supermarkt nimmt die Skier demnächst aus dem Programm. Lohnt sich nicht mehr, hier im Süden. Aber wir geben die Hoffnung noch nicht auf. Wenn es diese Ferien nichts mehr wird, dann eben in den nächsten…!

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