Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Erst die Hälfte

Jeden Morgen geht ein beflissener, kleiner Wetterbeobachter in unseren Garten und misst die Schneehöhe.

Fünfzig Zentimeter!

Neulich las ich, dass, nach einer Bauernregel, am Paavonpäivä, der am 25. Januar ist, die Hälfte des Schnees gefallen ist. Soll mir recht sein!

(Blöd nur, dass zumindest diese Woche ein Teil davon – es gibt nichts dooferes als Südwestwind! – als Schneeregen runterkommen wird.)


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Spass mit Pappschnee

Gestern war, dank Südwind und Nieselregen, bestes Schneemannbauwetter.
(Haben wir ja auch nicht so oft.)

Leider auch eben derartiges Schmuddelwetter, dass als einzige vernünftige Winteraktivät Eisbaden übrigblieb.

Zwischen zwei Saunagängen aber, da konnte man sich prima eine Schneeballschlacht liefern, oder eine Schneekugel wälzen, die mit jedem Saunagang grösser wurde.

(Der Plan war, sie am Ende mit vereinten Kräften ins Meer zu wälzen. Aber der Schnee war stärker als wir.)


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Kurzurlaub, blauweiss

Es gibt der letztjährigen Zusammenfassung des Kurzurlaubs mit der liebsten Freundin nichts hinzuzufügen. Ausser, dass das Wetter noch besser war diesmal.

Schnee, Sonne, -16 Grad.
Mein Lieblingswetter.

Das ist der Öltanker, der die Tallinn-Fähren im Südhafen betankt und neben ihnen total winzig aussieht. Ich möchte wirklich gern mal dort sein, wenn so eine vier- oder fünfmal so grosse Fähre dort durchfährt!

Zum Glück war’s nicht so dringend.

Gilt nicht für Hasen.

Nur als das Licht kurz vor zwei doch schon wieder deutlich abendlich wurde, war klar, dass noch eine ganze Weile lang nicht März sein wird.


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Donnerstagabendskitour

Der kleine Herr Maus möchte unsere winterlichen Abendspaziergänge auch in diesem Jahr fortsetzen.

Fast haben wir beide uns – nachdem wir uns auf dem Heimweg von Deutschunterricht und Arbeit im Bus nach Hause getroffen hatten – ein bisschen geärgert, dass wir unsere Skier nicht gleich dabeihatten, denn der Bus, in dem wir sassen, war einer von denen, die in den Nachbarort weiterfahren und gleich neben der Loipe eine Haltestelle haben.

So gingen wir erstmal nach Hause. Und während ich einen halben Kaffee schlürfte und mich mit dem Ähämann in zehn Minuten über die wichtigsten Dinge des Tages austauschte, bevor der wieder losmusste, um das Fräulein Maus vom Training abzuholen, wurde ich immer antriebsloser, während der kleine Herr Maus ungeduldig mit den Hufen scharrte schon mal die Skischuhe anzog. Okay, okay…!

Dankenswerterweise kommt die Stadt Turku seit zwei, drei Jahren nicht mehr nach mit Schneeräumen und verzichtet deshalb sogar manchmal aufs Streuen, und so konnten wir direkt vor der Haustür losfahren. Am Kindergarten und den Hochhäusern vorbei in unseren beleuchteten Wintermärchenwald.

Als wir zurückkamen, stöhnte der kleine Herr Maus, dass er viel zu warm angezogen gewesen und völlig verschwitzt sei. Badewanne, schlug ich ihm vor. Im Schnee wälzen, schlug er vor. Er riss sich also den Schneeanzug, die Fleecejacke und die Wollunterwäsche vom Leib, sprang im Garten in die inzwischen 30 cm dicke Schneedecke und danach in die heisse Badewanne. Fast hab‘ ich’s zischen hören.


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Wollsocken im Klassenzimmer (7)

Weil mich von Zeit zu Zeit die immer gleichen Fragen per Mail erreichen – und der Dauerbrenner sind immer noch Fragen zum finnischen Schulsystem – möchte ich die nach und nach hier beantworten.
Natürlich völlig unobjektiv auf meiner Erfahrung mit drei Grundschulkindern, die derzeit die Klassen 2, 4 und 6 besuchen, basierend. Heute mit einer Frage aus aktuellem Anlass.

Bekommen finnische Kinder kältefrei?

Ich fragte gerade vorgestern die Kollegin – sie ist angehende Lehrerin – ob es eigentlich eine offizielle Frostgrenze für Grundschulkinder gibt. Wir hatten -14°C, die Sonne schien, es war komplett windstill, die Erst- und Zweitklässler sind auf unserem wunderbaren Rodelberg die ganze Zeit in Bewegung und ausserdem noch in einem Alter, in dem sie bereitwillig Stiefel, dicke Überhosen und Mützen anziehen statt sich in Turnschuhen, Knöchelsöckchen und zerrissenen Jeans durch den Winter zu zittern – und für mich war es überhaupt keine Frage, dass wir am Nachmittag mit den Hortkindern rausgehen würden. Aber nachdem ich ja nun weiss, dass in Turku Kindergartenkinder ab -10°C nicht mehr rausgehen dürfen, wollte ich doch lieber sichergehen, ob es da nicht irgendeine offizielle Anweisung gibt, die mir bisher entgangen ist.

Nein, sie wüsste da von nichts, sagte die Kollegin. (Und eine kurze Recherche ergab, dass es tatsächlich sowas wie eine offizielle Frostgrenze für Schulkinder nicht gibt.) Aber sie selbst sei in Tampere zur Schule gegangen, und da hätten sie ab -30°C in den Pausen nicht mehr rausgehen müssen.

Womit die Frage nach Kältefrei geklärt sein dürfte.

***

Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben
Wollsocken im Klassenzimmer (2): Individuelles Lernen
Wollsocken im Klassenzimmer (3): Schulnoten
Wollsocken im Klassenzimmer (4): Schulkrankenschwester
Wollsocken im Klassenzimmer (5): Ferien
Wollsocken im Klassenzimmer (6): Wilma


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Sonntagsskitour

Glück ist… an einem sonst völlig vollgepackten Sonntag noch Zeit für eine Skitour im Sonnenuntergang zu haben.

Ich hatte mich – angesichts der Tatsache, dass wir vor um drei nicht loskommen würden – schon darauf eingestellt, auf irgendeine beleuchtete Loipe zu gehen. Aber dann hatten wir am Tag vorher gesehen, dass die Loipe auf der Hausinsel schon gespurt ist, und die ist erstens unser aller Lieblingsloipe, und zweitens kann man über Felder auch in der Dämmerung noch fahren. Wir liessen also zu Hause nach dem Essen alles stehen und liegen und fuhren los.

Wir erwischten sogar noch die letzten Sonnenstrahlen. Dann färbte sich der Himmel langsam von orange zu babyfarben. Dann ging der Vollmond auf, und über den weiten Schneeflächen bildeten sich Nebelschlieren. Dann begannen erst mein aus der Mütze heraushängender Zopf und dann des Ähämanns Objektiv zu bereifen. Als wir wieder am Auto waren, zeigte das Thermometer -9°C.


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Samstagsskitour

Nach dem Frühstück ging der kleine Herr Maus erstmal die aktuelle Schneehöhe messen. Die ist für unsere südwestfinnische Ecke und für den noch jungen Winter durchaus beachtlich.

Deswegen mussten wir diesmal auch nicht erst eine Stunde irgendwohin fahren, wo bessere Schneebedingungen herrschen, sondern versuchten es einfach nochmal unter besseren Bedingungen im Nachbarort.

Dort sind mehrere der kurzen „Fitness“loipen, auf denen im Sommer die Jogger und im Winter die Skifahrer Runde um Runde drehen, miteinander sowie mit einer Querfeldeinloipe verbunden, so dass man da tatsächlich eine richtige Skitour machen kann.

Über weite Felder und durch dick beschneiten Märchenwald, und nur, wenn sich am Waldrand plötzlich wieder die Kräne der Werft ins Blickfeld schieben oder man die Gleise überqueren muss, auf denen schon lange kein Personenzug mehr fährt, aber über die immer noch die Autofabrik in Uusikaupunki beliefert wird, wird man daran erinnert, dass man sich nicht in den weiten finnischen Wäldern, sondern mitten in der Zivilisation befindet.

Am Scheitelpunkt der Rundtour gibt es eine kleine Skihütte, die allerdings nur von 10-14 Uhr geöffnet hat. Als wir ankamen, räumte der Betreiber gerade das Werbeschild rein, schnallte seine Skier an und wollte davonfahren. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass am Wochenende eine Öffnungszeit von 12-16 Uhr vielleicht sinnvoller wäre, woraufhin er etwas von „Heute morgen standen um 10 die ersten Skifahrer vor der Tür“ und von bis mittags schlafenden Teenagern murmelte, und ich sag‘ mal so: dorthin werden wir auch weiterhin unseren eigenen Proviant mitbringen. Zumal es auch dort – wie an so vielen Stellen in Finnland – eine Feuerstelle samt Holzvorrat gibt.

Bitte bleib so, Winter!


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„Bahne frei! Kartoffelbrei!“

Wir hatten am Wochenende sowohl volles Programm als auch bestes Rodelwetter. Ein Glück – denn so ein Abstecher zum Schlittenberg passt immer noch irgendwo dazwischen. Auch gleich zweimal.

Wir hatten natürlich die gesamte Ausrüstung mit: den blauen Plasteschlitten, die grüne Schüssel, für jedes Kind einen Poporutscher. Aber das Beste ist doch mein alter Hörnerschlitten!

„So ein toller alter Schlitten…!“ hören wir bei jedem Rodelbergbesuch mindestens dreimal. Und das ist ja auch wahr! <3


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Januarsonne

Der Ähämann und das Fräulein Maus sind heute an die Arbeit und in die Turnhalle zurückgekehrt. Den Ähämann fuhr ich kurz nach sechs zum Bahnhof. Es war bitterkalt, die Strassen vereist, der Schnee knirschte unter den Füssen, und die Venus war so gross, dass ich sie zuerst für ein landendes Flugzeug hielt. Als ich wieder nach Hause kam, leuchtete der Weihnachtsbaum so anheimelnd, dass ich mir eine Kerze anzündete und eine Stunde lang in der sonst dunklen und stillen Wohnung Kaffee trank, ein Brötchen ass und dabei las. Als es schon ganz sachte zu dämmern anfing, legte ich mich wieder hin und wachte erst nach zwei Stunden wieder auf. Da war es kurz vor halb elf, und alle drei Kinder schliefen immer noch. Ferien…! <3

Nachmittags fuhren wir das Fräulein Maus zur Turnhalle, und die Herren Maus und ich fuhren – denn es gibt nichts Besseres, was man bei diesem Wetter machen kann – zur Eisbadesauna. Da war es dann schon halb drei, und die Sonne stand schon wieder sehr, sehr niedrig. Eine Stunde später war sie untergegangen, noch eine Stunde später leuchtete der Himmel in allen Farben von dunkelblau bis tieforange. Als wir zum zweiten Mal ins Wasser gingen, hatte sich auf dem Meer eine Eishaut gebildet, und von Saunagang zu Saunagang konnten wir zugucken, wie sie dicker und grösser wurde.

Dann aber mussten wir uns sputen, um den Ähämann vom Bahnhof abzuholen, der mit dem kleinen Herrn Maus nach Hause fuhr und das Fräulein Maus aus der Turnhalle abholte, während der grosse Herr Maus und ich ins Kino gingen. Und noch als wir mit dem Bus nach Hause gefahren und die letzten 500 m gelaufen waren, fühlten wir uns ganz saunawarm. Von aussen und innen.