Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Eis

Gestern Abend hatte das Fräulein Maus ein Konzert im Konservatorium. Der Ähämann fragte- schliesslich musste ja sowieso eine Harfe transportiert werden – ob er mich von Arbeit abholen und hinfahren solle. Ich aber wollte viel lieber laufen, den ganzen Weg am Fluss entlang.

Aus Gründen.

(Auf den Strassen und Fusswegen sieht es übrigens nicht viel anders aus als auf dem Fluss.)

Sogar die Föri hat Eispause. Man kann dann jetzt zu Fuss über einen extra angelegten Steg den Aurajoki überqueren.

(Das gab es zuletzt 2011!)


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Schlittschuhtour mit Rekonvaleszent

Wir haben immer noch bestes Märzwetter. Und hatten das Wochenende sehnlichst erwartet: Lüften und Vitamin D tanken!

Leider war der grosse Herr Maus Donnerstag und Freitag krank und gestern immer noch recht schwach. Aber was hilft besser beim Gesundwerden als Sonne und frische Luft?! Und der Tretschlitten war wirklich eine prima Anschaffung: eignet sich auch als Krankentransport für Kinder, die dem Kinderwagenalter längst entwachsen sind. Mit singenden Kufen sauste er, völlig mühelos für den Schiebenden, über das zugefrorene Meer.

Augen auf beim Schlittschuhlaufen: das Ergebnis der -20 Grad kalten Nächte der letzten Woche!

Wir waren übrigens nicht die einzigen, die, auf Schlittschuhen stehend, irgendwas – Kinderwagen, Schlitten, Hunde… – vor sich herschoben oder hinter sich herzogen. Und alle Eisläufer hatten das gleiche glückselige Lächeln im Gesicht wie wir: es war wärmer als letzte Woche, das Eis glatter und die Sonne noch heller. Ein Traum!


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Februarfrostnächte

Wir haben gerade einen etwas… *hüstel*… erhöhten Kerzenverbrauch.

(Es ist jetzt aber auch schon fast die letzte Gelegenheit. Denn obwohl nachts um die -20°C sind, wärmt die Sonne nachmittags schon so stark, dass das Eis einfach sublimiert. Und überhaupt lohnt sich Kerzen anzünden bald nicht mehr, es ist ja schon jetzt wieder bis halb sieben hell!)


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Wie im Bilderbuch

Als ich letzten Dienstag mit den Kindern wieder 150 km nach Norden fuhr, um den zweiten Teil unserer Skiferien anzutreten, kamen wir kurz vorm Ziel an einer einzeln stehenden, im Abendlicht leuchtenden, kleinen Kirche vorbei. „Guckt mal“, rief ich den Kindern zu, „die sieht ja aus wie die Koiramäki-Kirche!“

Koiramäki („Hundehügel“) ist ein historisches, von Hunden bewohntes Dorf aus den Bilderbüchern von Mauri Kunnas – der auch unser liebstes Weihnachtsmannbuch gemalt und geschrieben hat – die den Kindern auf kurzweilige Art das Leben auf dem Lande vor 200 Jahren nahebringen sollen. Vor Weihnachten erst hat der kleine Herr Maus das Buch über den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche von Koiramäki gelesen!

Am nächsten Tag sassen wir mit unserer Gastgeberin in der Sauna und kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen und erfuhren eher zufällig, dass die Kirche, die wir gesehen hatten, nicht nur aussieht wie die Koiramäki-Kirche, sondern tatsächlich das Vorbild für die Koiramäki-Kirche ist! 1997 brannte die 500 Jahre alte Kirche, die in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen werden sollte, vollständig ab, als ein Einbrecher seine Spuren verwischen wollte. Mauri Kunnas zeichnete daraufhin das Weihnachtskirchenbuch und spendete den gesamten Verkaufserlös für den Wiederaufbau, eine grosse finnische Papierfirma spendete das für den Druck des Buches benötigte Papier. Über 1000 Leute halfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau.

Nun steht sie wieder. Und es war klar, dass wir auf dem Rückweg da unbedingt nochmal anhalten müssten.

„Mama! Mama! Das ist ja wirklich die Kirche aus dem Buch!“, juchzten drei Kinder von der Rückbank, als ich auf die kleine Zufahrtsstrasse einbog. „Das ist so toll!“

Der kleine Herr Maus wollte sich gern auch noch die Kirche von innen angucken: „Da sind doch die schönen Bilder an der Emporen. Da, wo auf einer Seite nur die Männer sitzen durften und auf der anderen die Frauen!“ Aber dafür müssen wir, wie das in Finnland so üblich ist, im Sommer nochmal wiederkommen.


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Krönender Ferienabschluss

Ich musste mich in diesen Skiferien immerzu kneifen.

Weil sie – und damit hat ja in Zeiten des Klimawandels schon gar niemand mehr wirklich gerechnet! – vom ersten bis zum letzten Tag so unglaublich schön waren. Skiferien, die ihren Namen wirklich verdient haben. Mit dem schönsten Winterwetter, das es gibt: eiskalte Nächte, Schnee, Eis und Sonne, die jeden Tag zehn Minuten länger scheint und mittags schon richtig wärmt.

Sogar auf dem Meer schlittschuhlaufen kann man seit dieser Woche! Und zwar nicht nur so ein bisschen hin und her, sondern auf einem kilometerlangen Netz von Schlittschuhbahnen, die auf dem Meer vor Naantali angelegt wurden. Gestern und heute glitten wir insgesamt 16 km übers Meer und rund um Inseln! (Und zwar verschiedene Strecken!)

Bei Sauli vorm Sommerhaus. ;-)

Und das Allerbeste ist, dass immer noch kein Tauwetter in Sicht ist!


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kaksisataayhdeksänkymmentäyhdeksän

Hach!
Skifahren bei Tageslicht!
Und mehr als drei Kilometer!

Im Lieblingsskigebiet, wo es so viele Loipen gibt, dass man seine Touren je nach Lust und Laune planen und sogar unterwegs noch umplanen kann.

Kaffeepause!

Ein Tag ohne Gymnastik ist ein verlorener Tag.

Und nachdem wir auf halber Strecke im Loipencafé eingekehrt waren und nach heisser Suppe, heissem Tee und süssem Munkki endlich auch das geschwisterliche Gezänk aufhörte und wir beim Aufbruch zunächst eine sehr wenig befahrene Strasse überqueren mussten, um zurück auf die Loipe zu gelangen, kam genau da eine 299 gefahren.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298]


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Abendspaziergang, Freitag

Heute Abend hätte ich fast ein bisschen geschwächelt. Ich hatte den ganzen Tag schon gefroren, weil es so komisch feuchtkalt gewesen war, und Freitagabend bin ich sowieso immer furchtbar müde, und so konnte ich mich heute gar nicht recht durchringen, im Finstern nochmal rauszugehen. Der Ähämann, der noch einen Reisekostenantrag zu schreiben hatte, auch nicht.

Vorsichtshalber aber fragte ich den kleinen Herrn Maus, ob er denn skifahren wolle, und der juchzte mir ein freudiges „Ja!“ entgegen – während seine Geschwister lieber gemeinsam mit den Nachbarskindern das Projekt Schneeburg weiter voranbringen wollten – und so fuhren wir heute zum Skifahren über die Stadtgrenze, auf die andere Seite des Sees.

Der Schnee auf den Bäumen sah heute besonders schön aus, weil die Nachbargemeinde – das haben wir schon vor Jahren am Strand festgestellt – mehr Geld hat als Turku und die ganze Loipe mit LED-Laternen beleuchtet ist, die so schönes Licht machen.

Der kleine Herr Maus hat nach verbissenem Üben in den letzten Tagen das mit dem Skaten jetzt endlich raus, und der Ähämann und ich waren auch sehr froh, unseren inneren Schweinehund überwunden zu haben. Ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal so viel skifahren war…! (Wahrscheinlich überhaupt noch nie.)

Aber morgen, da fahren wir endlich mal wieder bei Tageslicht Ski!


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Abendspaziergang, Donnerstag

Gestern Abend brachten wir erst das Fräulein Maus ans andere Ende der Stadt zum Training, und dann fuhren wir zu einem nahegelegenen Wäldchen, das zwischen Hochhäusern, Eigenheimsiedlung und Ausfallstrasse gerade gross genug ist für eine sehr verschlungen angelegte, anderthalb Kilometer lange Loipe.

Es ist hier nämlich so, dass Wohngebiete um den Wald herumgebaut werden, und nicht umgekehrt, denn schliesslich hat hierzulande nicht nur jeder das Recht auf kostenlosen Zugang zu Büchern und Internet, sondern auch zum Wald. Und zwar in Laufentfernung.

Der Wald dort ist übrigens besonders schön und typisch finnisch: zottelige Fichten, ganz viele Felsen, und sogar einen zugefrorenen Weiher, auf dessen Schneedecke die Bäume im Laternenlicht lange, gerade Schatten warfen, entdeckten wir.

Und weil es so schön war und anderthalb Kilometer ja nun wirklich ein Klacks, fuhren wir die Runde einfach zweimal. Es brauchte auch nur fünf Minuten und ein bisschen Gebrüll und Gewüte, bis ausgekaspert war, dass bei der zweiten Runde dann statt des grossen der kleine Herr Maus vorneweg fahren darf.


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Abendspaziergang, Mittwoch

Mittwochabend gehe ich jetzt immer zur Schule, damit ich für die Arbeit, die ich jetzt mache, auch die entsprechende Ausbildung bekomme.

Und jeden Mittwoch, wenn ich da ankomme, muss ich in mich hineinlächeln. Denn es ist die Berufsschule, in deren Schülerwohnheim damals alle unsere Hochzeitsgäste wohnten.

Das Allerallerschönste an unserer Hochzeit nämlich war, dass alle unsere Freunde dabei waren. Dass auch aus Deutschland alle gekommen waren – manche für drei Wochen, manche nur für drei Tage, aber alle waren da! – und dass sich auch die, die sich vorher noch gar nicht kannten, auf Anhieb gut verstanden. Ich war eine fürchterlich müde Braut, weil wir vor der Hochzeit jeden Abend bis Mitternacht gemeinsam in der Sauna sassen oder gemeinsam durch die Stadt zogen oder einfach nur zusammenhockten. Am Abend nach der standesamtlichen Trauung und dem Nachmittag auf dem Sonnendeck eines Restaurantschiffs am Flussufer, an dem wir alle einfach die Nasen in die Sonne gehalten hatten, als ich mir gerade die 136 Haarklemmen aus der Hochsteckfrisur gefriemelt und wir beschlossen hatten, heute aber mal wirklich zeitig schlafen zu gehen, denn schliesslich müssten wir am nächsten Morgen wegen erneutem Friseurbesuch und Fotografentermin noch zeitiger raus und wollten wir am nächsten Abend lange feiern, da klingelte mein Telefon, und die liebste Freundin teilte mit: „Wir fahren jetzt alle zum Badehäuschen, Fähren gucken, wollt ihr mitkommen?“ Und natürlich wollten wir, und als sich das Hochhaus von Fähre an uns vorbeigeschoben hatte, hörten wir den ersten Sprosser des Jahres singen, und dann hatten wir alle schon wieder Hunger und fielen in eine Pizzeria ein, und dort sassen wir dann, bis der letzte Bus ins Hostel fuhr, und der Seit-zwölf-Stunden-Ähämann und ich liefen nach Hause und schliefen wieder nur fünf Stunden. Immerhin durch, denn unsere Freunde im Hostel wurden früh halb vier vom Feueralarm geweckt: einen hatte mitten in der Nacht nochmal der Hunger gepackt, und er hatte sich im Herd der Gemeinschaftsküche ein überbackenes Käsebrot machen wollen, und dann war ein bisschen Käse runtergetropft und hatte angefangen zu qualmen, und wenn eins in Finnland ernstgenommen wird, dann ist es Brandschutz, und es fing nicht nur der Feuermelder an, ohrenbetäubend zu piepen, sondern es kam auch die Feuerwehr, und alle Hochzeitsgäste standen fröstelnd in der hellen Mainacht und lachten über die liebste Freundin, die von allen Sachen, die sie bei einem Brand hätte retten wollen, mit ihrem selbstgebastelten Hochzeitsgeschenk im Schlafanzug vorm Hostel stand, aber das Geschenk hat inzwischen zwei Umzüge mitgemacht und hängt immer noch bei uns in der Wohnung.

An all das muss ich denken, jeden Mittwoch.

Und jeden Mittwoch muss ich jetzt eine grössere Runde durch Turku fahren – von zu Hause auf Arbeit, von da zur Schule, von da wieder nach Hause. Oft mit dem Fahrrad. Manchmal mit dem Bus, und der Ähämann sammelt dann abends mit dem Auto erst alle Kinder wieder von ihren Hobbyterminen und anschliessend mich ein.

Gestern aber, da fuhr ich mit dem Bus auf Arbeit und mit dem Bus in die Schule, aber – auf altvertrauten Wegen – mit Skiern nach Hause. Nur keinen Schneetag ungenutzt lassen!


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Abendspaziergang, Dienstag

Als ich gestern von Arbeit kam, hatte der Ähämann einen grossen Berg Waffeln gebacken. Den verspeisten wir statt eines finnischen Abendbrots, und dann guckten wir uns an: „Machen wir einen Abendspaziergang?!“ „Klar machen wir einen Abendspaziergang!“

Das Fräulein Maus ist krank und der grosse Herr Maus wollte lieber mit seinen Freunden auf dem Hof eine Schneeburg bauen, also brachen nur der kleine Herr Maus, der Ähämann und ich zur übernächsten Loipe auf.

(So wie wir einst anfingen, Strände zu testen, probieren wir diese Woche mal alle beleuchteten Loipen Turkus aus, haben wir beschlossen.)

Das war sehr schön, so im glitzernden Schneegestöber. Der jüngste Skifahrer, den wir trafen, war ungefähr zwei – was zu einem akuten Anfall von Sentimentalitis führte – und der älteste ungefähr 80. (Ersterer war übrigens der einzige, den wir überholten und nicht umgekehrt.) Anders als auf der Kunstschneeloipe, auf der sich die Fitnessjünger gegenseitig fast über den Haufen fahren, waren aber nur ein paar vereinzelte Skifahrer unterwegs. Aber natürlich darf auf finnischen Loipen trotzdem nicht jeder tun und lassen und in jede Richtung fahren, die er will. ;-)