Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mein hübschestes Geburtstagsgeschenk

Mittwochvormittag gingen wir – natürlich in passender Kleidung! – zur Polizei zwecks Unterschriftenprobe und Fingerabdrucknahme für unsere finnischen Pässe.

Donnerstagvormittag piepten unsere Telefone und teilten uns mit, wir könnten fünf Sendungen  vom nächstgelegenen R-Kioski – einem kleinen (fast) 24/7-Laden – abholen. Unsere Pässe?! Nach einem Tag?!

Sie waren es tatsächlich.

Ich war fast ein bisschen traurig, als ich erfuhr, dass es zum Jubiläumsjahr neue Pässe geben wird – ich hatte mich doch so auf das Elch-Daumenkino gefreut…! Aber die neuen Pässe sind ja noch viel hübscher, als ich erwartet hatte: auf der ersten Seite ist ein Gedicht von Eino Leino und auf jeder Seite ist ein anderes Foto von einer finnischen Landschaft und auf der Plasteseite mit den Daten sind Schneekristalle eingeprägt und statt dem laufenden Elch gibt es jetzt unten in der Ecke einen fliegenden Schwan als Daumenkino.

(Da kann man jetzt ja mal den weinroten Bundesadler auf armeegrünem Grund danebenlegen…)


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Urfeuernacht 2017

Jeden letzten Samstag im August werden hier entlang der Küste grosse Feuer entzündet – zur Erinnerung daran, dass solche Feuer früher als Seezeichen und Warnsignale dienten – um den Sommer zu verabschieden.

Das schönste Feuer der Schärenregion fand dieses Jahr leider nicht statt. Und so wählten wir das nächstgelegene und fuhren im Abendsonnenschein mit den Fahrrädern hin.

Das Feuer war zwar ein Spiritusfeuer im Fass, aber trotzdem ganz hübsch anzusehen, auf dem Fluss zogen beleuchtete Boote vorbei, es gab Musik und Feuerakrobatikvorführungen.

Und als wir halb elf wieder heimradelten, war es stockdunkel.

Von jetzt an wieder: Die Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Regelmässig Vitamin D einnehmen. Mützen, Handschuhe und Reflektoren herauskramen.

Tschüss, Sommer!


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„Du musst keine Angst haben!“, sagt die Zweitklässlerin zur Erstklässlerin, die ich heute von der Schule zum Hort begleite, und nimmt sie an der Hand. „Das war nur ein einzelner geisteskranker Mann. Weisst du, was geisteskrank heisst? Der hat irgendeinen Fehler im Gehirn. Aber du musst keine Angst haben, die Polizei hat ihn festgenommen. Er liegt im Krankenhaus, weil die Polizei ihn angeschossen hat. Da kann der nicht raus. Die haben da so Stoffbinden, so ähnlich wie Handschellen, damit ist er am Bett festgebunden. Und da sind auch Polizisten, die ihn bewachen. Der kann niemandem mehr was tun. Wenn er wieder gesund ist, kommt er vom Krankenhaus ins Gefängnis, und vom Gefängnis wird er in sein Heimatland zurückgeschickt. Du musst wirklich keine Angst haben!“ Und dann beschliessen wir drei einstimmig, den üblichen Weg quer über den Markt zu nehmen.

Die Kinder können’s vielleicht noch retten.

Während wir Erwachsenen Morddrohungen per Telefon ins Krankenhaus schicken. Während wir hysterisch herumschreien, dass die Politik viel zu lasch mit Ausländern umgeht, dass die Regierung versagt hat, dass alle Muslime gefährlich sind und die EU sowieso an allem schuld, dass man endlich die Grenzen dichtmachen muss und dass es ja wohl nicht sein kann, dass Verbrecher auch noch menschenwürdig behandelt werden. Während wir drei Tage lang den Markt meiden und dann vergessen werden. Während wir selbstmitleidg verkünden, die Welt würde nie wieder so sein wie vorher, und dennoch einfach so weitermachen wie bisher, unseren Wohlstand mit Zähnen und Klauen verteidigen und weiterhin glauben, es sei unser persönlicher Verdienst, in einer Gegend der Welt geboren zu sein, in der Demokratie, Frieden und Wohlstand herrschen.

Vielleicht können’s die Kinder noch retten.


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kaksisataaseitsemänkymmentäkahdeksan, kaksisataaseitsemänkymmentäyhdeksän

Oder: Wie wir einmal mit Electra auf die Elektra rollten.

(Unser Autoradio kann sowas!)

Auf der Hinfahrt sah ich übrigens gleich nach dem Losfahren eine 279, unterwegs eine 278, und kurz vor Zuhause wieder eine – vermutlich die selbe – 279.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277]


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Drei Schulkinder

Ich hatte mich vorher ja so ein bisschen gegruselt. Vor dem zeitigen Aufstehen – seit ich mich getraut hatte, ins Wilma in die seit kurz nach Juhannus dort stehenden Stundenpläne zu gucken, war klar, dass an vier Tagen der Woche mindestens ein Kind schon um acht Schule hat – und davor, dass dann plötzlich jeden Tag mindestens ein Kind zu irgendeinem Hobby kutschiert werden muss und überhaupt jeden Tag wieder dreitausend Termine unter einen Hut gebracht werden müssen.

Nach einer Woche vier Tagen mit drei Schulkindern kann ich vermelden: alles halb so wild!

Ich habe innerhalb der letzten vier Tage zwar mindestens dreihundertachtundzwanzig Termine in den Kalender eingetragen, aber das mit den Hobbys sieht bisher ganz gut aus: die beiden Herren Maus haben beide Plätze an der Musikschule bekommen, und zwar am gleichen Tag zur fast gleichen Zeit, das Fräulein Maus kann zumindest an manchen Tagen allein mit dem Fahrrad oder dem Bus zum Training fahren, und die Wochenenden haben wir fast wieder für uns, weil Schwimm- und Turntraining erst Sonntagabend sein wird, und zwar zur gleichen Zeit. Sogar der Deutschunterricht wird sich auf zwei statt der befürchteten drei Tage pro Woche beschränken, und zwar so, dass die Herren Maus direkt vom Deutschunterricht zur Musikschule gehen können und das Fräulein Maus an ihrem Deutschunterrichtstag direkt danach zum Training – sie hätten ja auch jeweils genau am anderen Tag Deutsch haben können; nicht auszudenken!

Sogar das mit dem Elternabend haben sie dieses Jahr so hingekriegt, dass ich sowohl die neue Lehrerin des grossen Herrn Maus kennenlernen als auch alle Infos zur schon in drei Wochen anstehenden Klassenfahrt des Fräulein Maus bekommen kann.

Die Besorgungen für die Schule beschränkten sich auf ein paar neue Hausschuhe für den kleinen Herrn Maus und eine kleine Thermosflasche für das Fräulein Maus, in der sie ab sofort ihre eigene Milch in die Schule transportiert. (Seit es landesweit in Kindergärten und Schulen nur noch fettfreie Milch geben darf, trinkt das Fräulein Maus nur noch Wasser. Dabei würde sie die Milch mittags so dringend brauchen, weil sie vom Schulessen auch nur Minimengen isst.)

Jeden Morgen fahren zwei mit dem Rad in die grosse Schule, eins stapft jeden Morgen allein los und kommt nachmittags selbstständig aus dem Hort nach Hause. Jeden Abend bin ich erstaunt, wie schnell ich von Arbeit zu Hause bin, wenn kein einziges Kind mehr unterwegs eingesammelt werden muss!

Der kleine Herr Maus hat – und seine Geschwister waren dabei mindestens so stolz wie er selbst – vor der versammelten Schule seine Schulanfängermütze überreicht bekommen. Und ich sehe auch beim dritten Mal wieder fasziniert zu, wie aus dem Kindergartenkind quasi über Nacht ein selbständiges, verantwortungsbewusstes, stolzes Schulkind geworden ist.

Und wie toll, dass ich seit einer Woche auch auf Arbeit jeden Tag mit kleinen Schulanfängern spielen arbeiten darf!

Das Schuljahr 2017/18 gefällt mir bisher ausnehmend gut.