Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Halloween 2020

Ausschweifende Feiern wie im letzten Jahr fielen ja aus Gründen aus.

Das Fräulein Maus hatte ausserdem erstmal einen vierstündigen Harfenkurs.

(Ihre Harfenlehrerin hat mal als Darth Vader verkleidet auf ihrer goldenen Konzertharfe auf der Kinderstation des Turkuer Krankenhauses Stücke aus Star Wars vorgespielt. ♥)

Als das Fräulein Maus heimkam, wurde es gerade dunkel, und wir holten alle Halloweenkerzen raus und stellten den Kürbis – der einzige, der sich in diesem Sommer an der fünf Meter langen Kürbisranke, die sich zuletzt vom Kompost einmal um den Weihnachtsbaum bis unter die Hängematte schlängelte, gebildet hatte – vor die Tür. Um Süssigkeiten betteln kam niemand. Unter der Nachbarskinderschar hat es sich sowieso seit Jahren eingebürgert, dass sie in der Dunkelheit verkleidet um die Häuser huschen, an Türen klopfen und heimlich Tütchen mit Süssigkeiten auf die Schwelle legen. Der ehemalige beste Schulfreund des kleinen Herrn Maus, der am Nachmittag zum Spielen gekommen war, blieb spontan zum Übernachten, und so fühlte es sich dann doch noch ein bisschen nach Party an.


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Sommerabend mit Corona

Letzte Woche erhielten wir ganz überraschend vom Konservatorium eine Mail, dass das Fräulein Maus ein recht hoch dotiertes Stipendium vom finnischen Kulturfonds erhält.

(Ich so: „Hä? Ein Stipendium? Einfach so? Ohne Lottospielen? Sowas gibt’s?!“ Und dann habe ich mich sehr für das Fräulein Maus gefreut.)

Verleihung war heute Abend im Rahmen der Zeugnisausgabe für die Absolventen der Musikgrundausbildung.

In den Festsaal durften nur die Absolventen und die Stipendiaten, Angehörige und Freunde konnten über Zoom dabeisein.

Alle wurden einzeln aufgerufen, nahmen sich selbst ihr Zeugnis oder ihre Stipendienurkunde von den eigens dafür in einer Reihe aufgestellten zwanzig Notenständern, nahmen sich danach selbst eine Rose aus einem grossen Eimer und setzten sich wieder hin. Am Ende gab’s gemeinschaftlichen Applaus. Kein Händeschütteln, keine Umarmungen.

(Ich war sehr froh, dass ich letztes Jahr schon meinen neuen Berufsabschluss feiern durfte.)

Hinterher Eis aus dem Supermarkt, mit Förifahrt. Und einer gemütlichen halben Stunde im sonnigen Park, in dem gerade die Kastanien blühen, bis der Ähämann uns nach Grosseinkauf und Kleinen-Herrn-Maus-vom-Training-abholen wieder einsammelte.

Passend wäre gewesen, wenn wir danach noch des Fräulein Maus‘ Schulzeugnis aus dem Briefkasten hätten holen können. Aber auf das wird uns die finnische Post wohl noch ein paar Tage warten lassen.


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Sommerferien minus 10

Finnland hat 6443 bestätigte Coronafälle.

Der Ähämann und ich hatten heute erstmal was zu feiern.

(Der Ähämann hat gestern den ganzen Nachmittag gebacken, während ich auf Arbeit war.)

„Ich finde, ihr seht genau aus wie Lillan und Gillan!“, sagte eine finnische Freundin vor 15 Jahren. Damit war unsere Hochzeit auch thematisch besiegelt.

(Mittlerweile besitzen wir auch die passende Tasse und den passenden Kuchenteller.)

***

Während ich auf Arbeit war, wurde eine etwas… ähem… grössere Kiste aus Holland (bzw. eigentlich aus Italien) geliefert.

Das hat auch keiner ahnen können vor 15 Jahren.


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Coronaklausur, Tag 7

Finnland hat 792 bestätigte Coronafälle.

Dienstagabend klingt es neuerdings bei uns wie in der Musikschule.

Erst hat das Fräulein Maus Harfenstunde per Skype, dann der kleine Herr Maus per Zoom hintereinander erst Klavier-, dann Klarinettenstunde.

Ausserdem dürfen wir gerade der grossen Harfe aus dem Konservatorium ein lauschiges Quarantäneplätzchen bieten. Dort spielt sie ja zur Zeit niemand, und die Harfenlehrerin hat vorgeschlagen, dass es schön wäre, wenn sie in der Zeit jemand nach Hause bekäme, der sie gerade dringend braucht, und der Rektor des Konservatoriums hat netterweise zugestimmt.

Vor ein paar Wochen hatte die Harfenlehrerin uns eröffnet, dass das Fräulein Maus jetzt soweit sei, eine „richtige“ Harfe zu spielen, und wir sollten doch mal für das nächste Schuljahr über die Anschaffung einer solchen nachdenken. Puuuh! Wir wussten ja, dass der Tag kommen würde, aber eigentlich hatten wir nicht vor, jetzt, wo wir gerade den Löwen Balthasar abgezahlt haben, gleich noch einen Zweitwagen ein Instrument im Wert eines (neuen!) Kleinwagens anzuschaffen. Wir hoffen darauf, dass das mit dem Harfen-reihum-weiterverkaufen in der finnischen Harfengemeinschaft jetzt für uns nochmal so gut funktioniert wie mit der kleinen Harfe.

Jedenfalls hat das Fräulein Maus heute zum ersten Mal eine Pedalharfe gestimmt und gespielt – nach einem langen Telefonat gestern mit ihrer Harfenlehrerin und mit Anweisungen per Skype heute bei der Stunde. Geht alles.

Die Proportionen sind jetzt übrigens wieder genauso wie ganz am Anfang. ♥


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Der Letzte macht das Licht aus

Letzter Tag vor landesweiter Schulschliessung.

Der Kalender ist wunderbar leer, aber ich fühle mich wie zu den allerintensivsten Hobbyzeiten unserer Kinder, weil alle paar Minuten irgendwelche Nachrichten reinkommen und irgendwas geregelt und geklärt werden muss.

Es ist noch nicht mal klar, ob wir ab morgen wirklich den Hort zumachen dürfen und ich zu Hause bleiben kann. Von der generellen Schulschliessung ausgenommen sind nämlich Erst- bis Drittklässler, die sonst keine Betreuung haben und deren Eltern einen Beruf haben, der derzeit dringend gebraucht wird. Die dürfen weiterhin in die Schule kommen, und die dürften dann natürlich auch in den Hort. Allerdings wissen wir bisher noch nicht, ob das bei einem unserer Hortkinder so sein wird, und irgendein Turkuer Vollpfosten Entscheidungsträger liess heute über Wilma die Info „Die Nachmittagsbetreuungen haben normal auf“ verbreiten. Das könnte mancher ja nun auch so deuten, dass man seine Kinder zwar vormittags zu Hause lassen muss, sie aber nachmittags ruhig in den Hort schicken kann. Grmpf.

Im Hort waren heute nur noch fünf von 37 Kindern (in der Schule auch nur zwölf), und um drei waren alle weg, so dass ich überraschend zeitig Feierabend hatte. Ich habe mir aber trotzdem verkniffen, am letzten geöffneten Tag nochmal in die Bibliothek zu gehen.

Die Lehrer scheinen mir jedenfalls recht gut vorbereitet auf Fernunterricht. Der grosse Herr Maus hatte heute schon zwei Stunden Videounterricht plus eine Liste mit Aufgaben zum Selbsterledigen, der kleine Herr Maus hat die Aufgaben des Tages per Wilma bekommen, und beim Fräulein Maus trudelten auch nach und nach Anweisungen von den jeweiligen Lehrern ein. Ich glaube, das wird bei allen dreien ganz gut laufen. Und ich selbst werde unheimlich viel Neues lernen und Altes auffrischen, weil ich jetzt immer so viele Fragen zum Schulstoff beantworten muss. Heute habe ich schon den Unterschied zwischen einem vaara und einem tunturi gelernt!

Vereinfacht wird der ganze Fernunterricht natürlich dadurch, dass hier Onlineportale und digitale Lernhilfen schon lange in grossem Stil genutzt werden und in Turku sowieso alle Viert- bis Sechstklässler ein persönliches iPad und alle Siebt- bis Neuntklässler einen Laptop von der Schule gestellt bekommen. Sehr erheiternd in dem Zusammenhang übrigens die Mitteilung einer Lehrerin, dass, wer keinen Bleistift, Radiergummi und Lineal zu Hause hat, sich das noch in dieser Woche – finnische Lernmittelfreiheit! – aus der Schule abholen kann.

Das Fräulein Maus hat gerade ihre erste Harfenstunde per Skype absolviert und wird dann gleich noch von der Theorielehrerin Aufgaben zugeschickt bekommen. Der Klavierlehrer des kleinen Herrn Maus hat mir schon mal per Mail neue Noten und Hörbeispiele als mp3 für ihn geschickt, und jetzt gerade hat uns der kleine Herr Maus, nachdem ihm der Ähämann Zoom aufgemacht hatte, entschieden aus seinem Zimmer geschickt, um mit seinem Klarinettenlehrer seine Stunde abzuhalten.

Und morgen früh um neun fängt ein neuer Schultag an.


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Bestes Konzert des Jahres

Es gibt dem Jahr für Jahr nichts hinzuzufügen: dieses gemeinsame Musizieren ist eine Freude für alle Beteiligten.

(Auch für die, die sonst nur Instrumente durch die Gegend fahren und schleppen.)

Harfenlehrerin und Kontrabasslehrerin spielen Nachtigall und Kuckuck.

Der kleine Herr Maus will jetzt übrigens noch ein Blasinstrument zusätzlich zum Klavier lernen, damit er auch im Orchester spielen kann.

Und nächstes Jahr mit zum Musiklager gehen darf. ♥


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Sommerabend mit Musik

Es ist wieder die schönste und intensivste Woche der Sommerferien: das Fräulein Maus hat Musiklager.

Sie spielt dieses Jahr im Streichorchester, im Blasorchester, allein und gemeinsam mit den anderen fünf Harfenisten und – „Morgen muss ich schon halb zehn da sein, ich bin nämlich auch im Chor! Das Sinfonieorchester spielt die Finlandia, und da muss ja auch gesungen werden“, teilte sie mir am Montagabend mit – singt.

Es ist anstrengend, und es ist total toll.

Sie probt jeden Tag so viel, dass sie sich alle Finger verpflastern muss. (Die Geiger haben alle einen Knutsch-blauen Fleck am Hals.) „Mir tut alles weh!“, jammerte sie heute Abend vorm Konzert, und dann zog sie ihre Harfe zu sich und fing – „Das muss ich euch unbedingt schon mal vorspielen!“ – doch gleich wieder zu spielen an.

Donnerstag ist der schönste Tag der Musiklagerwoche. Da gibt es eine Konzertreihe auf der übernächsten Insel: in der Kirche, in einem alten Gutshaus und auf den Ruinen einer Burg; in Sommergrün und Abendsonnenschein.

Da wurden heute unter Anderem sechs Harfen mit Löffeln – Schraubenzieher hatten wir ja auch schon – sowie einem zwischen die tiefen Saiten gefädelten Papierstreifen gespielt. Und Pachelbels Kanon, was ich sehr rührend fand, denn das war das allererste Stück, das das Fräulein Maus gemeinsam mit anderen gespielt hat.

21:30 Uhr.

Und sagte ich schon, wie wunderbar die finnischen Sommerabende sind?!


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Die schönste Ferienwoche des Jahres

Mal davon abgesehen, dass ich damals, als ich anfing, ein Instrument zu lernen, noch nicht mal frei wählen durfte, welches Instrument ich gern spielen würde – denn auch die Musik unterlag in der DDR der Planwirtschaft, und ich durfte damals wählen zwischen Klavier und Geige, wobei Klavier aus Platzgründen von vornherein ausfiel – musste man auch jahrelang für sich allein im stillen Kämmerlein Etüden üben, bevor man mal etwas durfte, was wirklich Spass gemacht und motiviert hätte: gemeinsam musizieren nämlich. Erst ab der fünften Klasse hätte man ins Orchester gedurft, allerdings auch nur unter der Bedingung, dass man wirklich schon herausragend gut spielen kann. (Ja, ich hab‘ nach drei Jahren die Geige an den Nagel gehängt.)

Deswegen bin ich so froh, dass z.B. das Fräulein Maus von Anfang an mit anderen gemeinsam musizieren durfte. Deswegen – und auch weil sie letztes Jahr so grosse Freude daran hatte, im Musiklager im Orchester mitzuspielen, hat sie dieses Frühjahr auch in einem Orchester des Konservatoriums mitgespielt. Wir hätten es uns eigentlich gleich denken können: das war leider eine wenig motivierende Erfahrung und das Konzert eine einzige Werbeveranstaltung für das Konservatorium, bei der nicht die Musiker, sondern die ach-so-tolle Institution im Mittelpunkt standen. Wir alle trösteten uns damit, dass das Fräulein Maus auch diesen Sommer wieder zum Musiklager in den Nachbarort gehen würde.

Dort vollbringen sie wahre Wunder – am Montag kommen die Kinder da hin, haben noch keine Note für ihren Orchesterpart gesehen, manche haben vielleicht noch nie in ihrem Leben in einem Orchester gespielt, und ab Donnerstag schon spielen sie für sie völlig neue Stücke als Solisten oder mit wenigen anderen auf verschiedenen Konzerten – das Fräulein Maus trat z.B. gemeinsam mit allen anderen sieben Harfen, aber auch allein mit einem kleinen Hornbläser auf – und am Sonntag spielen sie im Orchester wie die Profis. (Und dann klatscht der Dirigent des Blasorchesters der Kleineren nach dem Auftritt beim Rausgehen alle einzeln ab, und mir wird ganz warm ums Herz.)

„Das mit dem Orchester im Konservatorium schenken wir uns nächstes Jahr“, sage ich zum Fräulein Maus, „aber hierher kannst du meinetwegen die nächsten zehn Jahre gehen!“ (Und ich sage das auch aus purem Eigennutz, weil ich die Konzerte dort alle so wunderschön finde.) „Und danach auch noch!“, antwortet sie, und dann geht sie ihre Harfenlehrerin und ihre neuen Freundinnen zum Abschied umarmen. Und: „Ich fänd’s schön, wenn das Musiklager vier Wochen dauern würde statt nur eine!“ seufzt sie.


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Ein perfekter Ferientag

Das Fräulein Maus zum Musiklager fahren, mit dem Rest der Familie weiterfahren auf die übernächste Insel, Baden am Lieblingsstrand, danach schnell die T-Shirts gegen Hemden und das Sommerkleid gegen ein feineres Kleid tauschen und zum Abendkonzert der Musiklagerteilnehmer – nacheinander eins in der Kirche, in der wir letztes Jahr Weihnachtslieder sangen, eins in einem alten Gutshaus und eins in den Ruinen einer alten Burg – auf der nächsten Insel eilen.

Ein Holztransport!

Halb zehn, als wir heimfuhren, schien die Sonne immer noch.
Auch halb elf noch, als die Kinder endlich in ihre Betten sanken.


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kolmesataaneljä

Die 304 stand in Stockholm am Hafen vor uns. Nützte mir leider nichts, denn es war ein schwedisches Kennzeichen.

Als ich aber heute Vormittag des Fräulein Maus‘ Harfe ins Musiklager im Nachbarort fuhr – sie selbst war in aller Frühe erst noch zum Training geeilt und fing die Musiklagerwoche erst nachmittags an, das vielbeschäftigte Kind – begegnete mir gleich hinter der Autobahnabfahrt eine 304.

Zu irgendwas muss dieses tägliche Hin-und-Her-Gefahre während der Musiklagerwoche ja gut sein…!

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