Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Turboschlaf

„Musst du eben schneller schlafen!“, sprach der Ähämann mal zu mir, weil er mir nun mal leider beim nächtlichen Stillen nicht behilflich sein konnte. Nicht im Sinne von „eher ins Bett gehen“ oder „schneller Einschlafen“ (beides ist nicht mehr sehr steigerbar), sondern so, wie man eben schneller läuft, damit man den Bus erreicht, bevor er wegfährt, oder wie man schneller liest, damit man das Kapitel noch schafft, bevor einem die Augen zufallen.

Nun hatte ich eigentlich schon ein paar Wochen keinen Anlass mehr, „schneller“ zu schlafen – seit das Mäusebaby den Grossteil der Nacht durchschläft und erst in den frühen Morgenstunden das erste Mal nach uns mir ruft. Sogar an Aufstehzeiten zwischen halb sechs und halb sieben konnte ich mich da gewöhnen. Wenn aber so wie jetzt das Mäusebaby schon vor Mitternacht das erste Mal klagend im Bett sitzt, weil es ihn am ganzen Körper juckt, danach das Mäusemädchen, weil es ihr genauso geht, danach wieder das Mäusebaby, weil zusätzlich seine Nase verstopft ist – wenn ich also die halbe Nacht hin und her gewandert bin um zu streicheln, zu beruhigen, wieder hinzulegen und Wasserbecher zu reichen (nur um dann, wenn ich gerade wieder eingeschlafen bin, das nächste Kind rufen zu hören) – und ich dann schon gegen vier das Mäusebaby mit ins Bett genommen und ihm die Brust gereicht habe, die es dann um fünf schon wieder möchte, um dann um sechs endgültig aufzustehen, dann möchte ich selbst an Aufstehen nicht einmal denken. Dann wird das Mäusebaby aus dem Schlafsack geschält und darf auf mir rumturnen, wenn es mich dabei nur die Augen geschlossen halten lässt. Wenn dann netterweise der Ähämann gegen halb sieben mit dem Mäusebaby aufsteht, damit ich nochmal kurz schlafen kann, dann kann ich sowas von in Rekordgeschwindigkeit schlafen!

Echt. Ich muss nicht mit halbem Ohr und sogar im Schlaf darauf horchen, ob das Mäusebaby vielleicht nach mir ruft. (Im Gegenteil, ich kann mir sogar die Decke über die Ohren ziehen, um nichts hören zu müssen.) Ich muss mir keine Gedanken machen, ob und wann denn nun auch noch das Mäusemädchen erwachen wird und ob ich dann schnell genug zu ihr springen kann, ehe sie alle anderen aufgeweckt hat. Ich bin für niemanden verantwortlich. Ich bin müde, und ich kann einfach nur schlafen.

Länger als eine halbe, dreiviertel Stunde dauert dieser Schlaf nicht, dann wache ich entweder von allein auf, oder der Ähämann schickt mir eins der Kinder zum Wecken, damit wir alle gemeinsam frühstücken können, bevor sich der Ähämann und das Mäusemädchen auf den Weg zum Kindergarten machen müssen. Aber diese halbe, dreiviertel Stunde Turboschlaf, die ist besser als Kaffee. Die rettet mir den Tag.


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Cool!

Der Mäusevolvo jetzt mit Alufelgen und Kugellagerachsen! ;-)

(Schon mal zwei platte Reifen innerhalb zweier Tage produziert? Schon mal erlebt, dass ein Kinderwagenreifen unter dem schlafenden Kind explodiert ist? (Wunderbare Sache das! ;-/) Schon mal gesehen, wie so ein Reifenmantel nach drei Jahren täglicher Benutzung bei Frost und Hitze nach so einer Explosion aussieht? (Nicht gut!) Schon mal versucht, in Finnland ein Kinderwagenersatzteil wie einen einzelnen Reifenmantel sofort zu kaufen oder innerhalb absehbarer Zeit bestellen zu lassen? (Aussichtslos!) Deshalb. Vier funkelnagelneue Räder. Ist eben nicht billig, ein Auto zu besitzen.)


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viisikymmentäkolme

Womit ich nach dem Umzug nach Turku jahrelang Anpassungsschwierigkeiten hatte, das war – ohne Scheiss! – die Tatsache, dass man zu jedem Ziel auf mindestens drei verschiedenen Wegen gelangen kann. In Jena, da musste man die eine Strasse so lange das Tal entlang fahren, bis man entweder sein Ziel erreicht hatte, oder aber an der richtigen Kreuzung war, an der man links oder rechts den Berg hinauf zu seinem Ziel fahren konnte. Hier entdecken wir bis heute kürzere, schnellere oder schönere Wege zu Orten, die wir schon seit Jahren mit dem Auto aufsuchen.

Jahrelang fuhren wir hier zum Beispiel über die Ausfallstrasse Richtung Tampere zum Flughafen. Dann fiel uns ein, man könnte ja auch über die Umgehungsstrasse fahren. Und was ist eigentlich mit der Strasse, die am Lidl vorbei ins Industriegebiet und weiter direkt zum Flughafen führt? Das ist die für wenn man gemütlich fahren will. Und wie der Ähämann einmal ausgemessen hat, die kürzeste. (Wenn auch nicht zu allen Tageszeiten die schnellste.)

Gut, dass der Ähämann gestern Abend, nachdem wir die Ähämann-Mutter zum Flughafen gebracht hatten, beschloss, ebendiese Strecke zu fahren. Dort am Strassenrand stand nämlich die 53 wie extra hingestellt für uns: ein schwarzer Geländewagen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52]


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Finnisierung XVII

Dem Mäusemädchen einen Herzenswunsch erfüllen und ihr endlich die nötige Ausrüstung fürs Sähly kaufen.

Dass der Ähämann und ich von der Ausübung dieser Sportart keine Ahnung haben, macht genau gar nichts – das Mäusemädchen hat in den letzten zwei Jahren die grossen Jungs auf dem Hockeyfeld vor dem Haus so genau beobachtet, dass sie sofort perfekt losgelegt hat. Und als vollwertiges Mitglied der finnischen Kindergesellschaft ist sie jetzt auch akzeptiert. Der Nachbarsjunge, der immerhin schon in die Vorschule geht und das Mäusemädchen bislang noch als Baby angesehen hat, fing sofort an mit ihr zu spielen. :-)

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI]


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viisikymmentäkaksi

Vier Augen sehen mehr als zwei. Deswegen schickte mir der Ähämann letztens schon eine Nachricht samt Foto aufs Handy: „Da wohnt die 52!“. Als wir dort gemeinsam vorbeifuhren, war sie aber nicht da. Und ehe wir es noch einmal probieren konnten, rief der Ähämann vorgestern, als wir mit dem Bus nach Hause fuhren: „Da, da! Die 52! Das Motorrad!“ Schnell genug konnte ich gucken, um es noch mit eigenen Augen zu sehen. :-)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51]


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Elf

Jetzt gibt es kein Halten mehr. Das Mäusebaby wird gross. Er macht der grossen Schwester alles nach:

Er will beim Essen selbst einen Löffel halten (und damit im Brei herumrühren – in den Mund gelangt so noch nichts). Er kann alleine aus seinem Becher trinken. Er stopft das runde Klötzchen schon ganz allein in die Formen-Sortier-Kiste, macht den Deckel auf und holt es wieder raus, um es gleich wieder reinzustopfen. Die anderen Formen lässt er links liegen, die lassen sich ja auch nicht so gut wieder reinzustopfen. ;-) Er steht wo immer er nur kann. Seit zwei Tagen steht er auch einfach so auf, ohne sich irgendwo festzuhalten. Dann steht er stolz auf seinen Knickebeinchen und schaut sich um, ob ihm jemand applaudiert. Erst dann lässt er sich wieder auf den Boden plumpsen. Ausgerüstet mit Matschhose, Matschfüsslingen und Matschhandschuhen darf er mit der grossen Schwester auf den Spielplatz und kommt auch manchmal schon ganz gut ohne Mamas Hilfe aus. Letzte Woche erklomm er zielstrebig ganz alleine die Treppe zur kleinen Rutsche, um sich dann ganz alleine selbige auf dem Bauch liegend herunterzulassen. Vorgestern hatten wir zum ersten Mal das gesamte Sandspielzeug dabei, das seit zwei Jahren im Lauflernwagen aufbewahrt und transportiert wird. Nur so aus Übermut stellte ich das Mäusebaby an den Lauflernwagen – und er lief davon! :-)

Auf der Schaukel möchte er jetzt immer ganz hoch geschaukelt werden, und dann juchzt und gluckst und grinst er, dass es nur so eine Freude ist. Wenn er eine Weile allein herumgekrabbelt und aufgestanden ist, dann möchte er zu Mama auf den Arm. Für ungefähr zehn Sekunden. Dann wird sich so lange gewunden, bis man wieder auf den Boden gelassen wird.

Schlafen muss er unbedingt noch zwei Mal am Tag, und wenn es zwei Mal am Tag eine halbe Stunde ist. Und die Nächte sind von einem Tag auf den anderen besser geworden. Eines Abends telefonierte ich mit einer Freundin und berichtete ihr seufzend, dass das Mäusebaby immer noch spätestens zwischen Mitternacht und eins das erste Mal aufwacht, und danach alle zwei Stunden. In der folgenden Nacht schlief er bis halb fünf. Heute bis viertel sieben. Immer schläft er noch nicht so lange durch, aber wenn er eher aufwacht, dann trinkt er ein bisschen Mamamilch und schläft danach für drei oder vier Stunden weiter. Nicht mehr nur für zwei. (Ich hab’ übrigens nichts gesagt, ja?! ;-) )

Noch ein Monat, und er ist kein Baby mehr. Er ist ja jetzt schon fast keins mehr, der grosse kleine Mann. :-)