Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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„Bahne frei! Kartoffelbrei!“

Wir hatten am Wochenende sowohl volles Programm als auch bestes Rodelwetter. Ein Glück – denn so ein Abstecher zum Schlittenberg passt immer noch irgendwo dazwischen. Auch gleich zweimal.

Wir hatten natürlich die gesamte Ausrüstung mit: den blauen Plasteschlitten, die grüne Schüssel, für jedes Kind einen Poporutscher. Aber das Beste ist doch mein alter Hörnerschlitten!

„So ein toller alter Schlitten…!“ hören wir bei jedem Rodelbergbesuch mindestens dreimal. Und das ist ja auch wahr! <3


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Zwei Stunden

Teilzeitarbeit ist hierzulande eher unüblich.
(Und das ist auch gut so!)

Umso froher bin ich, dass ich jetzt doch eine Arbeit habe, bei der ich nicht schon zwischen acht und neun, genauso wie die Kinder, anwesend sein muss. Diese zwei Stunden, nachdem die Kinder in die Schule gegangen sind und bevor ich selbst losmuss, brauche ich nämlich ganz dringend.

Ich wüsste nicht, wie ich ohne die bisher auch nur eine einzige Hausaufgabe hätte machen und meine drei HENSUs hätte schreiben sollen. Wann ich bloggen sollte. Wann ich den Kindern Namensetiketten in ihre neuen Wintersachen nähen, Wilma-Nachrichten beantworten, Arzttermine vereinbaren sollte. Wann ich Müll wegbringen, die Küche aufräumen und Betten machen sollte. Hannelore schluckt mühelos die Bettwäsche von fünf Personen oder unser aller Buntwäsche von zehn Tagen, weswegen wir zwar nur zweimal in der Woche waschen – aber wann sollte ich diese Berge auf die Leine bringen oder – schlimmer noch! – falten und in die Schränke räumen?

(Der Ähämann, der früh kurz nach sechs das Haus verlässt, kann sowas auch abends. Ich nicht. Abends kann ich nur noch auf dem Sofa zusammenbrechen.)

Immerhin muss ich keine Schulbrote schmieren.

Aber das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus brauchen ein Vesper. Dem kleinen Herrn Maus stelle ich eine unserer zahlreichen eingefrorenen Essensportionen raus, weil er zwar als einziger noch im Hort ein Vesper bekommt, aber zum Schwimmtraining losmuss, bevor der Ähämann oder ich wieder zu Hause sind, und mit der einen abgezählten Pirogge oder dem Schüsselchen Fruchtgrütze da ganz sicher nicht genug Kraft dafür hat. Dem Fräulein Maus schreibe ich ihre Busverbindung ins Konservatorium auf, dem kleinen Herrn Maus, wie oft er auf den Mikrowellenknopf drücken und wann er zum Bus loslaufen muss, und damit er sich nicht benachteiligt fühlt, bekommt der grosse Herr Maus auch einen eigenen Zettel, auf dem steht, dass Mama und Papa heute beide ein bisschen später nach Hause kommen. Drei Xylitolpastillen dazulegen, dreimal Herzchen auf die Zettel malen. „Mama, das ist so schön mit dem Vesper und den Zetteln!“ gestand mir das Fräulein Maus einmal. „Das ist fast so, als wärst du da.“

Gut, dass ich diese zwei Stunden habe jeden Tag!


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Tschüss, Weihnachtsferien!

Entgegen aller Erwartungen – denn wenn man Ferien so dringend nötig hat, wie wir es hatten, sind zwei Wochen nicht allzuviel – fühlten sich die Ferien diesmal sehr, sehr lang und erholsam an. Der erste Ferientag, an dem wir direkt nach der Zeugnisausgabe zum ersten Mal in dieser Saison skifahren gingen, scheint einen ganzen Monat zurückzuliegen.

Wir haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und waren skifahren und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und waren fast jeden zweiten Tag entweder in der Eisbadesauna oder in unserer eigenen und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und wir haben den Weihnachtsbaum geschmückt und haben Weihnachten und Silvester gefeiert und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und der kleine Herr Maus hat Schienen durch die ganze Wohnung und rund um den Weihnachtsbaum gelegt und darauf seine Züge mit der neuen Beleuchtung fahren lassen und einmal ist er abends darüber auf dem Teppich neben dem Weihnachtsbaum eingeschlafen und am nächsten Tag haben wir lange geschlafen und nichts getan und wenn wir keine Lust zum Kochen hatten sind wir essen gegangen und haben nichts getan und sind spät ins Bett gegangen und haben lange geschlafen und wir waren alle fünf fast die ganze Zeit zusammen und die Ferien waren so schön und erholsam wie Ferien nur sein können.

Wir werden auch morgen früh, wenn wir wieder um sieben am Frühstückstisch sitzen müssen, mit Kerzen und neben dem Weihnachtsbaum frühstücken. Gut, dass die Weihnachtszeit hier offiziell erst am 13. Januar endet! Vielleicht werde ich in der kommenden Woche nach und nach die Weihnachtssachen in ihre Kisten und Schachteln zurückpacken, aber auf die Adventssterne und den Schwibbogen und den Weihnachtsbaum – den schon gar nicht! – möchte ich noch nicht verzichten. Noch immer ist hier die dunkelste Zeit des Jahres – erst in zwei, drei Wochen werden wir eines Morgens oder Abends plötzlich feststellen, wie das Jahr unaufhaltsam auf den Frühling zurast.


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Es ist gespurt!

Letzte Woche kursierte hier eine Karikatur, auf der zu sehen war, wie nach dem Schneesturm grummelnd die Autobesitzer ihre Autos ausgraben, die Hausbesitzer bergeweise Schnee wegschippen, die Hundebesitzer durch hüfttiefen Schnee waten und die Waldbesitzer die Schäden betrachten – während die Skifahrer vorfreudig hibbelnd nur eine Frage beschäftigt: Gibt’s schon Loipen?!

In Klein-Lappland gibt’s schon welche. (Und heisse Suppe und Tee und Kuchen auch, und dem Fräulein Maus wurde gleich zur Begrüssung ein Teebeutel ihrer bevorzugten Sorte Roibuschtee gereicht. Wir waren wohl doch recht oft da im letzten Winter…)

Zum Glück ist mindestens die Hälfte der Loipen beleuchtet, denn halb vier war es schon wieder finster. Nicht, dass es überhaupt irgendwie richtig hell geworden wäre… aber mittags konnte man wenigstens sehen, wo man hinfuhr.

Wie anders als im März…!
(Oder April…!!!)


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Januarsonne

Der Ähämann und das Fräulein Maus sind heute an die Arbeit und in die Turnhalle zurückgekehrt. Den Ähämann fuhr ich kurz nach sechs zum Bahnhof. Es war bitterkalt, die Strassen vereist, der Schnee knirschte unter den Füssen, und die Venus war so gross, dass ich sie zuerst für ein landendes Flugzeug hielt. Als ich wieder nach Hause kam, leuchtete der Weihnachtsbaum so anheimelnd, dass ich mir eine Kerze anzündete und eine Stunde lang in der sonst dunklen und stillen Wohnung Kaffee trank, ein Brötchen ass und dabei las. Als es schon ganz sachte zu dämmern anfing, legte ich mich wieder hin und wachte erst nach zwei Stunden wieder auf. Da war es kurz vor halb elf, und alle drei Kinder schliefen immer noch. Ferien…! <3

Nachmittags fuhren wir das Fräulein Maus zur Turnhalle, und die Herren Maus und ich fuhren – denn es gibt nichts Besseres, was man bei diesem Wetter machen kann – zur Eisbadesauna. Da war es dann schon halb drei, und die Sonne stand schon wieder sehr, sehr niedrig. Eine Stunde später war sie untergegangen, noch eine Stunde später leuchtete der Himmel in allen Farben von dunkelblau bis tieforange. Als wir zum zweiten Mal ins Wasser gingen, hatte sich auf dem Meer eine Eishaut gebildet, und von Saunagang zu Saunagang konnten wir zugucken, wie sie dicker und grösser wurde.

Dann aber mussten wir uns sputen, um den Ähämann vom Bahnhof abzuholen, der mit dem kleinen Herrn Maus nach Hause fuhr und das Fräulein Maus aus der Turnhalle abholte, während der grosse Herr Maus und ich ins Kino gingen. Und noch als wir mit dem Bus nach Hause gefahren und die letzten 500 m gelaufen waren, fühlten wir uns ganz saunawarm. Von aussen und innen.


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Skitour auf Südwestfinnisch

Der Turkuer Winter ist – wenn er nicht sowieso ganz ausfällt – im allgemeinen so: einen Tag schneit es, am nächsten Tag herrscht tiefer Frost, am übernächsten Tag regnet es, am überübernächsten gefriert der ganze Kladderadatsch wieder (was der Turkuer lakonisch Schädelbruchwetter nennt).

Gestern Abend ging der Regen endlich wieder in Schnee über, und in der Nacht zog ein heulender, wirbelnder Schneesturm über die Stadt. Heute früh lagen offiziell 6 cm Neuschnee – was allerdings heisst, dass er an manchen Stellen zu 20 cm dicken Schneehaufen zusammengeweht war und an anderen das blanke Eis rausguckte. Das Ganze bedeckt von vom Sturm heruntergezausten Nadeln und Ästchen.

Ich sag‘ mal so: wir sind schon bei besserem Wetter skigefahren. Aber die Sonne schien – für zwei, drei Stunden auf Augenhöhe ab und zu zwischen den Bäumen hindurch – und allein dafür hat sich der Ausflug bei beissendem Wind auf abwechselnd Kunstschnee, stumpfem Neuschnee und spiegelblankem Eis gelohnt!

Die Wetteraussichten für die folgenden Tage: morgen -14°C und Sonne, übermorgen +2°C und Regen. Ohne Scheiss. So ist das hier.


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Willkommen, 2019!

Wir haben reingefeiert, trotz Schneeregen.

Die Diskussion, ob private Feuerwerke ganz verboten werden sollten, hat sich für uns eigentlich schon seit Jahren erübrigt. Einfach deshalb, weil es hier tatsächlich öffentliche Feuerwerke gibt: die Stadt Turku veranstaltet immer eins um Mitternacht und eins schon um 18 Uhr extra für Kinder.

Und dann gibt’s noch eins, das der lokale Stromanbieter um 20 Uhr im Nachbarstadtteil veranstaltet. Dahin gehen wir, seit die Kinder dem Kinderfeuerwerksalter entwachsen, aber noch zu klein sind, um mit uns um Mitternacht auf irgendeinen Hügel in der Nähe des Stadtzentrums zu wandern. Dieses Jahr hatte ich die Hoffnung, zum ersten Mal mit Skiern statt Fahrrädern hinfahren zu können, aber… diesmal war leider das Auto das einzige vernünftige Fortbewegungsmittel.

Immerhin sind uns die Wunderkerzen um Mitternacht nicht abgesoffen!