Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Zeitungsmeldungen, die man lieber nicht gelesen hätte (4)

„Nach aktuellsten Umfragen Wahre Finnen mit über 20% stärkste Partei“

Das nun also auch noch, nach den Ergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg…!

Zu denen hat Frau Nessy einen Kommentar geschrieben, den ich jetzt einfach mal hier zitiere, weil ich es besser nicht ausdrücken könnte:

Ich habe es satt, dass wir so verständnisvoll sind. Dass wir hinterfragen und ergründen, sachlich und emotional, von vorne und von hinten und von der Seite, mit schräg gelegtem Kopf und interessiert vorgebeugt, warum die Menschen AfD wählen. Wir sollten damit aufhören. Nazis wählen Nazis, weil sie Nazis sind. Weil sie verdammte Rassisten sind. Weil sie es wollen. Weil sie ausgrenzen, weil sie vereinfachen, weil sie Modernisierung, Aufklärung und Komplexität ablehnen, weil sie hassen. Weil sie Täter sind und nicht, weil sie Opfer sind.
Es gibt keine tolerierbare Begründung, Nazi zu sein. Ich will keine Rechtfertigung mehr hören, warum jemand AfD wählt. Egal, wie enttäuscht und frustriert er ist, wie sozial ungerecht unsere Gesellschaft bisweilen daherkommt und egal, was den Eltern während der Wiedervereinigung geschehen ist. Es gibt kein Argument und keine Gefühlslage, die es rechtfertigen, ein nationalistisches, rassistisches Arschloch zu sein.

Am allerwütendsten vielleicht aber macht mich der Missbrauch des Slogans „Wir sind das Volk“. Damit gingen Menschen unter Aufbietung all ihres Mutes auf die Strasse, um für freie Wahlen, Mitbestimmung und das Ende des Eingesperrtseins im eigenen Land zu kämpfen. Nicht, um zu nörgeln, dass alle anderen immer mehr bekommen, obwohl es einem selbst viel eher zustehen würde. Wobei, es hat ja auch damals gar nicht lange gedauert, bis die Stimmung kippte und die Menschen, die jetzt nicht mehr so viel Mut brauchten, um auf die Strasse zu gehen, nach der D-Mark schrien…


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Immerhin war die Wahlbeteiligung mit 72% sehr hoch. Nicht nur, dass man in den Wahllokalen anstehen musste, es waren auch den ganzen Sonntag lang auffallend und aussergewöhnlich viele Menschen unterwegs. Sehr viele zu Fuss, aber es herrschte auch auf den Strassen mehr Verkehr als sonst sonntags. Die 333 sah ich auch, als ich mit dem kleinen Herrn Maus vom Schwimmtraining zurückkam.

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Palmsonntag 2019

Die Hexen flogen tief. Und am hellerlichten Tag.

Während die Hexe mit dem einen schwarzen Kater um die Häuser zog und geschmückte Weidenzweige verteilte und einen ganzen Korb voll Süssigkeiten einheimste, blieb der andere – kranke – schwarze Kater zu Hause und nahm seinerseits geschmückte Weidenzweige entgegen und reichte Süssigkeiten.

Der Ähämann und ich machten derweil eine Radtour ins Wahllokal, wo übrigens der Andrang so gross war, dass man anstehen musste.

Dann traf sich die Hexe mit einer Freundin zum Ostereierbemalen, der gesunde schwarze Kater ging zum Schwimmtraining, wir werkelten ein bisschen in Haus und Garten und liessen uns die Sonne auf die Nasen scheinen.

Ganz unnötig spannend wurde der Tag erst abends, nach Schliessung der Wahllokale um 20 Uhr.

Wir sind vor Jahren ja mal mit dem Zug von Turku nach Bonn und zurück gefahren. Auf der Rückfahrt hatten wir es ein bisschen knapp mit dem Anschluss in Hamburg. Es sah aber bis Bremen recht gut aus. Dann gab es einen Zwischenfall in Wagen 10 in dessen Folge eine Scheibe kaputtgegangen war und der Zug daraufhin mit maximal 50 km/h weiter nach Hamburg zuckeln konnte. Anschluss weg. In der langen Schlange an der Auskunft war erst das Schlimmste, was wir uns vorstellen konnten, dass im darauffolgenden Zug unsere Sitzplatzreservierung hinfällig sei und wir mit den drei noch recht kleinen Kindern bis Kopenhagen stehen müssten. Je weiter wir in der Schlange vorrückten und je mehr Leute mit dem gleichen Reiseziel einfach abgewiesen wurden, umso egaler wurden uns unsere Sitzplätze: wenn wir nur überhaupt irgendwie mit dem nächsten Zug mitkommen würden!

So ähnlich fühlte ich mich gestern Abend.

Nach den vier Jahren mit der letzten unsäglich kompetenten Regierung, der ersten Regierung unter Beteiligung der rechtspopulistischen Wahren Finnen, der Regierung, die nach zwei Jahren fast auseinandergebrochen wäre, weil die Wahren Finnen einen Rechtsextremen zum Parteivorsitzenden gewählt hatten, worauf sich der moderate Teil der Partei abspaltete um in der Regierung bleiben zu können und Ministerpräsident Sipilä, der sich mal eben selbst ans Steuer eines kleinen Flugzeuges gesetzt hatte, um dem im Sommer von Naantali aus seinen Staatsgeschäften nachgehenden Präsidenten das Rücktrittsgesuch der Regierung zu überbringen, kurz in Turku landete, eine Pressekonferenz gab, dass mit dem moderaten Teil der Wahren Finnen die Regierung einfach weitermachen könne und zurück nach Helsinki flog… äh… kann noch jemand folgen? Nach all diesem Hickhack jedenfalls sahen die Prognosen für die Wahren Finnen für die nächste Wahl eher düster aus.

Und wie hoffnungsvoll wir alle am Palmsonntag 2017 waren!

Dann gab es im Dezember einen Vorfall, an dem Flüchtlinge beteiligt waren, dann schrieben sich plötzlich alle Parteien Klimaschutz auf die politischen Fahnen, und schwupps, hatten Ausländerhasser, EU-Kritiker, Klimawandelleugner und Leute mit Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung ihre Protestpartei gefunden. Letzte Woche lagen die Wahren Finnen plötzlich laut Umfragen auf Platz zwei. Als ich das erste Mal die Wahlergebnisse anguckte, kurz vor halb neun, sah es dennoch gar nicht so schlecht aus: die Sozialdemokraten klar vorn, die Wahren Finnen deutlich auf Platz drei. Aber offensichtlich ticken Leute, die vorwählen gehen, eben doch anders. Der Abstand wurde mit jedem weiteren ausgezählten Wahlkreis kleiner, irgendwann waren die Wahren Finnen auf Platz zwei, irgendwann nur noch einen knappen Prozentpunkt hinter den Sozialdemokraten, und als ich halb zwölf schliesslich ins Bett ging, anderthalb Stunden später als ich eigentlich wollte, war ich fast darauf gefasst, am nächsten Tag aufzuwachen und mich von einem finnischen Trump regiert zu sehen.

Am Ende haben die Sozialdemokraten mit einem hauchdünnen Stimmvorsprung von 0,2 (in Worten: nullkommazwei!) Prozentpunkten, entsprechend genau einem Sitz im Parlament, gewonnen. Mit nur 17,5% aller Stimmen.

Es werden lustige Zeiten auf uns zukommen. Nicht.


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Erstwähler

So ganz kurz rutschte uns schon das Herz in die Hose, als wir vor ein paar Wochen den Brief vom Justizministerium aus dem Briefkasten zogen. Was wollen die denn von uns?!

Man wollte uns nur zu unserem neuerworbenen Wahlrecht gratulieren und Infos über Sinn und Zweck und Ablauf der Präsidentenwahl schicken.

Der Zeitpunkt dieses Briefes – „Du erhältst demnächst per Post deine Wahlbenachrichtigung […]“ war allerdings ein wenig unglücklich, denn die Wahlbenachrichtigung war zu dem Zeitpunkt schon längst eingetroffen.

Unsere erste finnische Wahl – also die erste, an der man wirklich nur als finnischer Staatsbürger teilnehmen darf – war dann allerdings eher unspektakulär.

Statt mehreren hundert Kandidaten gab es ja diesmal nur acht, da fiel die Entscheidung leicht. (Die acht Kandidaten hatten übrigens die Nummern 2 bis 9 – man macht hier ja kein Kreuzchen, sondern schreibt eine Nummer in einen Kreis – weil die 1 eventuell implizieren würde, dass das der beste Kandidat sei, und die Wahl dadurch verfälscht werden könnte.)

Wahlkampf gab es so gut wie gar nicht, denn die Wahl schien sowieso schon vor der Wahl entschieden zu sein.

Und so kam es ja dann auch. (Hätte ich mir ein bisschen anders gewünscht, aber gut… mit dem Ergebnis kann ich leben.)

Nicht mal einen zweiten Wahlgang, wie normalerweise bei der Präsidentenwahl üblich, hat man uns Neuwählern gegönnt!


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Dokument, wichtiges

Gerade eben habe ich mich fünf Minuten lang – vergeblich und schon leicht panisch werdend – auf der Suche nach der Abmeldebestätigung unserer letzten Wohnung in Deutschland durch die Ordner „Mietverträge“, „Bescheinigungen Deutschland“, „Studium“ und „Sonstige Bescheinigungen“ gewühlt.

Ich fand sie dann im Ordner mit meiner Geburtsurkunde, meinem Abi-, Diplom- und Doktorzeugnis, unserer Heiratsurkunde und dem offiziellen Finnisch-Sprachzertifikat. Was auch so ungefähr ihrem Wert entspricht.

(Das hätte ich mir ja auch nie träumen lassen, dass so ein Durchschlag auf rosa Seidenpapierchen, zu 90 Prozent geschwärzt, mal eines meiner wichtigsten Dokumente werden würde…)


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Hoffnungsschimmer

Bei den gestrigen Kommunalwahlen haben – sowohl in Turku als auch wenn man alle in Finnland abgegebenen Stimmen zusammenzählt – die Grünen und die Linken im Vergleich zur letzten Wahl deutlich an Stimmen zugelegt, während alle anderen Parteien Stimmen verloren haben.

Es gibt Städte, in denen haben die Grünen die meisten oder zweitmeisten Stimme bekommen! Es gibt Städte, in denen wurden mehr Frauen als Männer gewählt! Es gibt jetzt wieder Gemeinden ohne einen einzigen Abgeordneten der Wahren Finnen! In Turku sind fünf der 67 neu gewählten Abgeordneten Immigranten!

Danke! Das ist das Finnland, in dem ich leben möchte und das sich auch unsere Kinder wünschen.

Wahltag. Und Palmsonntag.

(Und jetzt auf zur Bundestagswahl!)


„Finns Party loses out as Greens rise in local elections“
„Finnish municipal elections analysis: Anti-immigration and us-vs-them politics aren’t sustainable“
„Monday’s papers: Vapaavuori’s vote mountain, migrant candidates‘ success, and Soini’s swansong“

Wahlergebnis für Turku
Wahlergebnis für ganz Finnland


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Spontaner Wahltag

Als der kleine Herr Maus und ich heute zwischen Klavierstunde und Fräulein-Maus-vom-Training-abholen kurz in den Supermarkt sprangen um die Milch- und Tomatenvorräte aufzustocken, stolperten wir hinter den Kassen fast über zwei Wahlkabinen, die dort mitten im Gang aufgebaut waren.

„Ach“, sagte ich zu einer freundlich lächelnden Frau aus dem kleinen Heer gelbgekleideter Wahlhelfer, die um die beiden Wahlkabinen herumwuselten, „wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich meine Wahlbenachrichtigung mitgebracht…!“ (Ich hätte es natürlich wissen können, weil sämtliche Vorwahlstellen auf der Wahlbenachrichtigung aufgeführt sind.) „Aber die Wahlbenachrichtigung brauchst du doch gar nicht!“, teilte mir die freundlich lächelnde Frau mit. „Ein Ausweis mit Foto genügt!“

Und so kam es, dass ich heute Abend kurz vor sieben ganz kurzentschlossen und innerhalb von zwei Minuten gewählt habe. (Unsere gemeinsame Wunschkandidatin natürlich.) Und ja, liebe Leute, das ist auch ein Weg, die Wahlbeteiligung zu erhöhen!

Pop-up-Wahlkabine im Supermarkt.

„Mama“, fragte der kleine Herr Maus, der brav mit den ihm anvertrauten Einkäufen neben der Wahlkabine gewartet hatte, hinterher auf dem Weg zum Auto, „warum musstest du denn in so ein Ding reingehen? Und warum hat die Frau dann hinter dir noch den Vorhang zugemacht?“

Noch während ich zu einer Erklärung über das Prinzip „Geheime Wahl“ ansetzte, stellte ich fest, dass seine Frage eher rhetorisch war. Er weiss das ja alles längst! Denn: „Wir haben heute im Kindergarten auch gewählt, Mama!“

Nachdem sie nämlich in der Vorschule jetzt seit einiger Zeit über Fossilien und Ausgrabungen (und den Unterschied zwischen Archäologie und Paläontologie) gesprochen haben und die ganze Vorschulgruppe zur besseren Veranschaulichung mehrere Tage lang ein echt fossiles Plastikfischskelett in Einzelteilen aus einem Klumpen Mörtel herausgemeisselt und anschliessend zusammengesetzt hat, musste sich nur noch geeinigt werden, wie die neuentdeckte Spezies benannt werden soll. Über die fünf Favoritennamen wurde heute also demokratisch und geheim abgestimmt.

„Riikka hat aus Rollschränken so ein koppi gebaut, und dann haben wir alle ein äänestyslappu bekommen, und dann mussten wir uns anstellen, und dann durfte immer nur einer in das koppi gehen und auf das äänestyslappu eine Zahl schreiben, also „Kiukkukala“ hatte die Nummer 1 und „Hohtava hirviökala“ hatte die Nummer 2 und so weiter, und dann mussten wir den Zettel noch in so einen Karton mit Schlitz stecken, und als alle ihre Zettel da reingetan hatten haben wir gezählt, wie oft welche Nummer aufgeschrieben wurde, und leider ist mein Namensvorschlag nur auf den zweiten Platz gekommen.“

(Ich habe ganz eventuell schon das eine oder andere Mal erwähnt, wie grossartig ich diesen Kindergarten und das Prinzip Vorschule hierzulande finde, oder? Oder?!)


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Nägel mit Köpfen, Teil 2

„Warum hängen denn da schon wieder die ganzen Fotos, Mama?“, fragt der grosse Herr Maus heute im Auto. „Sind schon wieder Wahlen?“

„Jaaaha! Kuntavaalit!“, leiert das Fräulein Maus genervt eine Antwort, denn ihr ist am Dienstag schon das Gleiche aufgefallen und wir haben ausführlich darüber gesprochen. Auch darüber, dass wir auch als Ausländer bei den Kommunalwahlen wählen dürfen.

„Hast du dich schon entschieden, wen du wählst?“, fragt sie jetzt. „Nee, noch nicht,“ gebe ich zu, „aber ich muss jetzt wirklich mal anfangen, Kandidaten zu vergleichen!“

„Kinder dürfen doch nicht wählen, oder?“, fragt das Fräulein Maus weiter. Ich verneine. „Dann möchte ich, dass du jemanden wählst, der sich für die Umwelt einsetzt. Und für Flüchtlinge“, teilt sie mir mit.

„Ja, genau, das will ich auch!“, meldet sich der grosse Herr Maus von der anderen Seite der Rückbank zu Wort. „Für den Umweltschutz. Und dass die Flüchtlinge hierherkommen dürfen.“

Ich verspreche, so jemanden auszusuchen.

Damit wir auch bei den übernächsten Wahlen – nächstes Jahr wird der Präsident gewählt, übernächstes das Parlament – unsere Stimme abgeben dürfen, fahren wir jetzt aber erstmal – den Ähämann sammeln wir unterwegs ein – in den Nachbarort zur Einwanderungsbehörde.

Der erste Teil der Beantragung der finnischen Staatsbürgerschaft war ja denkbar einfach. Online-Antrag ausfüllen, online die erforderliche Gebühr überweisen, fertig.

Hinterher aber muss man sich noch persönlich ausweisen und die dem Online-Antrag beigefügten Dokumente – Sprachzertifikat und letzter Arbeitsvertrag, bei Kindern als Mitantragsteller noch die Einverständniserklärung des jeweils anderen Elternteils – im Original vorlegen. FrüherBis letztes Jahr machte man das noch einfach bei nächster Gelegenheit auf der nächsten Polizeidienststelle, neuerdings muss man dafür eine der landesweit neun Zweigstellen der Einwanderungsbehörde aufsuchen. (Unsere befindet sich glücklicherweise direkt am Stadtrand im Nachbarort, aber andere Leute müssen dafür neuerdings auch mal ein-, zweihundert Kilometer fahren.) Der nächste freie Termin dort – ebenfalls online gleich mit dem Antrag reservierbar – fand sich erst zwei Monate nach Antragstellung. Also heute.

Wir müssen – wie das hier so üblich ist – keine fünf Minuten warten, dafür müssen wir uns dann die nächste Dreiviertelstunde zu fünft in ein 1×2 Meter grosses Kabuff mit nur zwei Stühlen quetschen. (Gut, dass man bei der Terminreservierung angeben muss, wie viele Personen kommen…!) Die Herren Maus – der grosse Herr Maus auf dem Fussboden, der kleine Herr Maus auf dem Schoss der grossen Schwester – lesen brav die ganze Zeit in ihren mitgebrachten Büchern, das Fräulein Maus guckt interessiert zu und kommt dem in regelmässigen Abständen vom kleinen Herrn Maus geflüsterten Befehl „Kraul mich!“ nach. Und immerhin dauert das Ganze nur eine Dreiviertelstunde statt der für uns fünf veranschlagten anderthalb Stunden. Die Sachbearbeiterin studiert minutenlang jeweils einen Abschnitt unseres Antrags, stellt dann – vermutlich nach dem Zufallsprinzip – ab und zu mal eine Nachfrage: „Charlotte Monika ist deine Mutter?“, fragt sie mich, und: „Dein Vater ist auch Deutscher?“, fragt sie den Ähämann, dann guckt sie kurz über die drei benötigten Dokumente und ein bisschen länger in die Pässe und entlässt uns mit den Worten: „Das war’s. Der Bescheid kommt dann in ungefähr einem Jahr.“

Mal sehen, ob das noch was wird mit der finnischen Staatsbürgerschaft im Jubiläumsjahr…