Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Zeitungsmeldungen, die man lieber nicht gelesen hätte (2)

9 Kommentare

„Busfahrer freigesprochen“

Vor zwei Jahren wurde in Turku ein achtjähriger Junge von einem Bus überfahren. Der Junge starb. Der Busfahrer wurde jetzt freigesprochen. Der Junge sei direkt in den Bus reingerannt, der Busfahrer hätte nicht mehr reagieren können. So weit, so schlimm. Aber das ist ja genau das, warum wir unseren Kindern immer wieder einbläuen, nie z.B. einem Ball hinterher auf die Strasse zu rennen.

Liest man aber ein bisschen weiter, ist da plötzlich die Rede von einem Fussgängerüberweg (!). Da schrillen bei mir ja alle Alarmglocken.

Und noch einen Absatz weiter erfährt man dann plötzlich, beide, der Busfahrer und der Junge, hätten Grün (!) gehabt. Und das ist die Stelle, an der mir jetzt richtig schlecht wird.

Dass nämlich Rechtsabbieger die Strasse überquerende Fussgänger vorlassen müssen, das scheint hier in den Fahrschulen nicht gelehrt zu werden. Immer wieder sieht man Autofahrer, die einfach fahren – noch schnell vor den Fussgängern, schnell zwischen den ersten Fussgängern und Nachzüglern, oft ganz ohne überhaupt auf die Fussgänger zu achten. Noch schlimmer dran ist man mit dem Fahrrad. Ich fahre nie (nie!!!) an einer Ampelkreuzung auf die Strasse, bis alle Rechtsabbieger wirklich stehen. (Gern aber fahre ich so weit auf die Kreuzung, wie es gefahrlos möglich ist und gestikuliere und brülle dem rücksichtslosen Rechtsabbieger ins Gesichtsfeld. Da’s die Polizei ja nicht macht.)

Es geht mir nicht darum, dass der Busfahrer bestraft wird. Als Zwanzigjähriger für den Rest seines Lebens mit der Schuld, ein Kind getötet zu haben, leben zu müssen, mag ich mir nicht einmal ausmalen. Das ist Strafe genug.

Aber es wäre ein Signal gewesen. An die Autofahrer. An die Fahrlehrer. An die Polizei. Dass sich da irgendetwas ändern muss am Verhalten an Ampelkreuzungen.

Aber jetzt einfach zu sagen: „Der Busfahrer kann nichts dafür, der Junge ist aus dem toten Winkel aufgetaucht“, das ist der reinste Hohn. Das ist ein Freibrief für alle, weiterhin einfach bei Grün loszubrettern. Und siehe da, gestern hat schon wieder ein rechtsabbiegender Bus eine Frau angefahren. Schreien könnte man!

Es wäre auch ein Signal speziell an die Busfahrer gewesen, ein bisschen achtsamer zu sein. Die Liste der unschönen Erlebnisse mit dem Turkuer Nahverkehr wurde letzten Donnerstag um ein weiteres Erlebnis ergänzt: das Fräulein Maus wurde auf dem Heimweg von der Schule beim Aussteigen vom Busfahrer zwischen den Türen eingeklemmt, und zwar mit dem Kopf! Sie war noch nicht einmal die Letzte – hinter ihr warteten noch mindestens zwei ihrer Schulfreundinnen aufs Aussteigen – aber der Busfahrer meinte eben, schon mal die Türen schliessen zu müssen. Auf Aufforderung der einen der beiden Schulfreundinnen machte er zwar dann die Tür nochmal auf – aber das Fräulein Maus war noch mehr als über die Schmerzen darüber erschüttert, dass sich der Busfahrer nicht einmal bei ihr entschuldigt hat. Fast unnötig zu erwähnen, dass das Nahverkehrsbüro zwar schnell und mit einer Entschuldigung reagiert hat – wir aber vom Busunternehmer bis heute nichts gehört haben.

Ist ja aber kein Wunder. Wir Fussgänger sind ja alle selbst schuld.

(Aber nich‘ mit mir…!!!)

9 Kommentare zu “Zeitungsmeldungen, die man lieber nicht gelesen hätte (2)

  1. Das ist ungeheuerlich!
    Seit ich mit Kindern zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs bin, stockt mir manchmal das Herz. Unser Ältester fährt nun Rad, wieder eine Sorge/Freude mehr. Wie man es eben nimmt.

  2. Ich bin schon mehrfach an einern Ampel im Industriegebiet fast angefahren worden als ich mit dem Fahrrad bei grün über die Strasse fuhr… einmal von einer fünfköpfigen Mopo-Bande, von denen anscheinend wirklich niemand wusste, dass man die Fahrradfahrer/Fussgänger vorlassen muss.

    Ansonsten sind hier in Oulu eher die Zebrastreifen bzw deren Missachtung der ewige Diskussionsgegenstand.

    • Interessant. Mein ehemaliger Feldassistent aus Oulu behauptete ja, dort könne man ungefährdet – sprich: anders als in Turku – einfach so auf den Zebrastreifen latschen. Vemutlich hat er nur einen besonders aufmerksamen Schutzengel…

      Aber dieses Jahr gab es doch diese Kampagne von der Polizei, auch mit der Drohung, dass der Führerschein sofort weg sei, wenn man am Zebrastreifen nicht anhalte, obwohl dort jemand warte oder gar schon auf der Strasse sei. Und ich habe das Gefühl, hier wird jetzt tatsächlich öfter angehalten…

  3. Hier in Deutschland, kam das Große Kind mal nicht vom Training nach Hause. War, wie ich nach langer Telefonierei herausfand, von einem Rechtsabbiger umgefahren worden. Zum Glück saß sie auf dem Fahrrad, so dass nur das Rad, sie aber nicht, kaputt war. Die Polizei hat die 13jährige dann ihr Rad nach Hause tragen lassen. Schon dass der gerufene Unfallwagen das Kind hatte gehen lassen, nachdem sie ausgesagt hatte, dass es ihr gut gehe, hat mich erzürnt.
    Anständig in dem Fall hatte sich tatsähclich nur der Autofahrer verhalten, der sichtlich geschockt war, das Rad ersetzte und isch noch ein halbes Jahr später erkundigte, ob es dem Kind wirklich gut ginge…

  4. meine schwester starb auf dem heimweg von der schule. sie war sieben. es war ein fussgängerstreifen. die nachkonstruktion war, dass sie wohl nicht damit rechnete, dass der autofahrer kommt, und der autofahrer nicht damit, dass sie über die strasse kommt. er war nicht zu schnell, gar nicht, und hat sie, sorry für die zynik, einfach «blöd» erwischt. er wurde verurteilt und bekam eine strafe, irgendeine geldsumme, fragen sie mich nicht wieviel und spielte eh keine rolle. er wurde nur! bestraft, weil sie auf dem fussgängerstreifen war.

    unserer familie war das herzlich egal, wir waren in unserem schmerz gefangen und ich bin sicher, der autofahrer hatte auch lange daran zu knabbern.

    mich dünkt manchmal, es werden in solchen fällen extrem viel gerichtsurteile gefällt, die nur auf versicherungsleistungen abzielen. da müssen eltern oder anderweitig betroffene schlimme stunden immer und immer wieder durchleben, nur weil die versicherung einen schuldigen haben will. weil sie sonst zahlen müsste. oder noch schlimmer: invalide, die leistungen nicht bekommen, weil keiner schuldig ist, in fällen, wo schon nur der gesunde menschenverstand ja bzw. nein sagen müsste.

  5. nachtrag: ich bin, trauma-opfer sozusagen, der unentspannteste mensch wenn es um strassen geht. ich meide mit allen dreien sogar zürich, weil es mir einfach zu hektisch ist. zuviel verschiedene faktoren… alleine lasse ich den grossen aber alles machen, solange ich nicht dabei bin… wir leben allerdings brutal auf dem land, da kann fast nix passieren.

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