Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Fünf vor zwölf

Aus aktuellem Anlass:

2021: „Ist dir klar, wie sehr das den Verkehr behindert?!“
2041: „Ist dir klar, wie sehr das den…?!“ „Ach, halt’s Maul!“

Sie sollen doch bitte woanders protestieren, die Klimaaktivisten, als auf der Helsinkier Hauptverkehrsader direkt vorm Parlamentsgebäude, sagt die Polizei. Zehn Tage auf der Strasse zu sitzen und den Verkehr zu blockieren, sei keine Lösung.

Aber Streik und Proteste führen nun mal nur zu Erfolg, wenn’s wehtut.

Dass unsere Kinder letzten Freitag mit gerade mal einer Handvoll anderer Leute – das ging auch schon mal anders und lag vermutlich vor allem an der diesmal grottenschlechten Informationspolitik der Veranstaltung – zum Klimastreik vorm Dom standen, interessiert nämlich keine Sau.


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Dreimal drei Kreuze

Innerhalb von nicht mal vierundzwanzig Stunden haben sich seit gestern Abend drei Dinge geklärt, die uns zunehmend unter den Nägeln gebrannt hatten.

1) Die Wahlunterlagen für die Bundestagswahl sind eingetroffen.

Wir waren diesmal ein bisschen… äh… lahmarschig und haben erst vor reichlich zwei Wochen unsere Briefwahlanträge weggeschickt. Da die finnische Post Briefe schon länger nicht mehr innnerhalb von zwei Tagen, sondern eher innerhalb von zwei Wochen nach Deutschland befördert, fing ich dann doch schon an, ein bisschen um unsere Wahlteilnahme zu bibbern. Gestern lagen die Wahlunterlagen im Briefkasten, heute früh füllten der Ähämann und ich sie symbolträchtig zur Feier unseres 18-Jahre-in-Finnland-Jahrestages aus. Drei Wochen sind hoffentlich selbst für die finnische Schneckenpost machbar!

Weil die Frage aufkam, ob es gerechtfertigt ist, dass man für ein Land wählt, in dem man gar nicht lebt: Man bekommt ja auch die Staatsbürgerschaft nicht aberkannt. Vielleicht will man, wenn man in Rente ist, doch wieder zurückgehen in sein Geburtsland. Vielleicht möchten die Kinder in Deutschland studieren. Vielleicht wird es andere Dinge geben, wegen denen man dann doch in sein Geburtsland zurückzieht, und wenn es nach 50 Jahren ist. Da ist einem doch nicht egal, was bis dahin dort passiert?! Im Übrigen finde ich, dass einem jeden Land die Meinung und die Stimme von Menschen, die schon mal über den Tellerrand geguckt haben, nur guttun kann.

2) Wir haben Autozugtickets gebucht.

In den letzten Weihnachtsferien, als wir durch den dunklen und nassen südwestfinnischen Wald stapften und die Sehnsucht nach Schnee, von der wir noch nicht wussten, dass sie in diesem Winter sogar in Turku gestillt werden würde, übermächtig wurde, buchten wir kurzentschlossen für die nächsten Weihnachtsferien das Blaue Rote Mökki, in dem wir vor sechs (!) Jahren das letzte Mal waren. Die nächsten Weihnachtsferien bieten nämlich die einmalige Gelegenheit, während der Ferien, aber doch ausserhalb der Saison und somit zu gerade noch aufbringbaren Preisen, nach Lappland zu reisen: die Schule beginnt erst am 10. Januar wieder!

Kein Lappland-Winterurlaub aber ohne An- und Abreise mit dem Nachtzug. Je eher man bucht, desto preiswerter. Je eher man bucht, desto besser die Chancen, überhaupt mitzukommen. Ende Dezember aber konnte man noch nicht buchen. Anfang Januar auch nicht. Auch im März noch nicht und nicht im August. Am 1. September habe ich die Ticketverkaufsseite bestimmt zwanzigmal aktualisiert, umsonst. Gestern Abend wollte ich eigentlich nur gucken, ob neue Zweitimpfungstermine für 12- bis 15-Jährige verfügbar sind, und habe nur aus Gewohnheit nochmal auf die Bahnseite geguckt, und dann fingen mir die Finger zu zittern an, denn man konnte endlich Nachtzugtickets für Januar 2022 buchen!

(Ich rege mich jetzt nicht darüber auf, dass es in einer Stadt wie Turku schon seit zwei Jahren keinen einzigen Fahrkartenschalter mehr gibt, dass man online aber für die Autozugpakete nicht alle Optionen selbst buchen kann, dass die Frau an der Hotline überhaupt keine Ahnung hatte – „Ich rufe an, weil ich zwei Kabinen buchen möchte, die man verbinden kann.“ „Im Ober- oder Untergeschoss?“ „Verbindbare gibt es nur unten.“ – und auch nicht darüber, dass man es bei der finnischen Bahn offenbar für völlig normal hält, telefonisch die Kreditkartendaten seiner Kund*innen abzufragen. Nein, ich rege mich nicht auf.)

Ich bin jedenfalls froh, dass wir bei erster Gelegenheit gebucht haben, denn heute früh war der uns gestern Abend schon horrend erschienene Preis für die Hinfahrt (die Rückfahrt geht) um weitere 250 € gestiegen. Es kann sich vermutlich nur noch um Stunden handeln, bis es keine Autoplätze mehr gibt.

3) Die 12- bis 15-Jährigen der Familie haben einen Zweitimpftermin.

Nicht nur angesichts der Kindercoronawelle, die hier aus offensichtlichen Gründen gerade anrollt, sondern auch wegen unseres Plans für die Herbstferien, der die Nutzung vieler öffentlicher Verkehrsmittel und das Überqueren von drei Landesgrenzen beinhaltet, waren wir nicht sehr angetan von der Aussicht, dass die Zweitimpfung des grossen Herrn Maus und des Fräulein Maus erst nach 12 Wochen, also Ende Oktober, erfolgen würde. Seit diesem Montag durfte man den Zweittermin auf acht Wochen nach Erstimpfung vorziehen, aber leider war bisher weder online noch telefonisch ein Termin in unserem engen Zeitfenster von gerade mal vier Tagen – mindestens acht Wochen nach Erstimpfung, aber noch vor den Herbstferien – zu bekommen gewesen. An Terminen in naher Zukunft mangelte es nicht, also waren wir optimistisch, dass wir dann, wenn unser Zeitfenster näherrücken würde, schon einen Termin ergattern würden, aber so richtig Spass macht das ja nun auch nicht, sich bis dahin nicht wirklich auf die bisher nur unter Vorbehalt geplante Reise vorfreuen zu können. Als ich heute Mittag die neuesten Turkuer Coronazahlen anguckte, sah ich zufällig, dass man, ziemlich überraschend, ab heute die Impfabstände sogar auf sechs Wochen verkürzen darf, und als man mich von der sofort angerufenen städtischen Impfhotline zurückrief, war sogar für beide Impflinge ein Termin gleich am ersten möglichen Tag, also genau sechs Wochen nach Erstimpfung, frei. Ich bedankte mich ungefähr zehnmal überschwänglich bei der Telefonkrankenschwester und führte dann im Park ein kleines Freudentänzchen auf. Nicht nur, dass wir uns nun schon anderthalb Monate eher nicht mehr wegen jedem Coronafall in der Schule sorgen müssen. Vor allem werden das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus noch rechtzeitig vor den Herbstferien geimpft werden – so rechtzeitig, dass zwischen Impfung und Reiseantritt sogar die offiziell nötigen zwei Wochen liegen werden, so rechtzeitig, dass nicht zwei am ersten Reisetag mit eventuellen Impfnebenwirkungen werden kämpfen müssen. Juhuu! Grosse Herbstferienvorfreude!


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Wahllokal, pandemiekonform

Eigentlich wären in Finnland schon im April Kommunalwahlen gewesen. Weil es zu der Zeit aber coronamässig eher mies aussah, wurde sich nach viel Hin und Her darauf geeinigt, sie auf den 13. Juni zu verschieben. Bis dahin wären vielleicht nicht nur die Infektionszahlen wieder gesunken, sondern man hätte dann auch mehr Vorbereitungszeit, um die Wahlen sicherer zu organisieren.

Seit dieser Woche kann man vorwählen – in Bibliotheken, Supermärkten und auch in der Uni.

In der Uni ist diesmal allerdings falsch. Auf dem Uniparkplatz kann man wählen. Wir kamen mit dem Fahrrad, aber es ist gleichzeitig auch eins von drei oder vier Drive-in-Wahllokalen in Turku. Das Wahlbüro befindet sich in einem Weihnachtsmarkthüttchen, daneben steht die Wahlkabine. Zusätzlich müssen alle Wähler*innen Maske tragen und bekommen ihren Stimmzettel erst, wenn sie sich die Hände desinfiziert haben.

Sehr lustig. (Zum Glück regnete es nicht.)

Es wäre diesmal für mich einfacher gewesen, in der Hauptbibliothek zu wählen. Aber warum soll ich irgendwas in geschlossenen Räumen machen, wenn es auch draussen geht?! Und ausserdem war es der perfekte Ort, um der ehemaligen Mitdoktorandin meine Stimme zu geben.


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Klimastreik in Turku (2)

„Macht ihr super!“, ermunterten uns die beiden alten Frauen, die mit uns im gleichen Bus in die Stadt fuhren und sich zeigen liessen, was die Kinder auf ihre Plakate geschrieben hatten. „Viel Erfolg!“, gestikulierten sie uns noch hinterher, als wir ausstiegen. „Kommt doch mit“, sagte ich ihnen, „jeder Einzelne zählt!“ Und dann murmelten sie was von ihren Vorhaben und Verpflichtungen.

„Aber bringt das denn was, auf die Strasse zu gehen?“, fragte die blutjunge Kollegin, der ich gemeinsam mit dem Zivi die Hortkinderbetreuung für die erste halbe Stunde allein anvertraut hatte, damit ich auch mit zum Klimastreik gehen konnte, als ich auf Arbeit kam. „Ist es nicht wichtiger, dass jeder selbst etwas tut? Und in Finnland ist es doch sowieso alles gar nicht so schlimm wie in anderen Ländern!“

Himmelherrgottnochmal!!!

Da können wir paar … äh… Klimahysteriker und Ökospinner bis an unser Lebensende nicht mehr Auto fahren und nicht mehr fliegen, nur noch gebrauchte Sachen kaufen, uns vegan ernähren und die Welt doch nicht retten, solange die grosse Masse der Menschen, die nicht willens ist, auch nur ein kleines bisschen über ihren eigenen Bauchnabel hinauszudenken, einfach weiterhin macht, was sie will und was ihr erlaubt und ermöglicht wird, weil es keine Regelungen und Gesetze zum Klimaschutz gibt!

Finnland steht vielleicht tatsächlich ein bisschen besser da als andere Länder, was die Einhaltung der Klimaziele betrifft, weil es hier keine Kohlekraftwerke gibt (edit: stimmt gar nicht!) – aber allein die selbstverständliche Wasser- und Heizungspauschale ist etwas, was eigentlich seit Jahrzehnten abgeschafft gehört. (Von der Selbstverständichkeit, zweimal am Tag Fleisch, vorzugsweise Rindfleisch, zu essen und dem Verhalten der meisten Autofahrer mal ganz abgesehen.)

Auch in Finnland wollen die Politiker keine unbequemen Gesetze erlassen.

Und genau deshalb gehen auch unsere Kinder nicht in die Schule, wenn in Turku Klimastreik ist, sondern auf die Strasse. Und wir mit ihnen.

Selbst in Turku füllen die Klimastreikenden (Es waren 2000 Leute dabei!) inzwischen ganze Strassenzüge. Es sind nicht mehr nur Schüler, die Schule schwänzen, sondern auch Erwachsene, die sich vor ihrer Arbeit drücken, dabei. In Tampere, wo der Ähämann am Klimastreik teilnahm, unterbrach die Strassenbahnbaufirma spontan für eine Stunde ihre lauten Arbeiten, weil sie die Reden gestört hätten. Es gab Protestkundgebungen auch in kleinen und kleinsten finnischen Städten, Teilnehmerzahlen von 80 in Porvoo bis 16000 in Helsinki.

„Wir möchten, dass sich die Stadt Turku mit der gleichen Vehemenz, mit der sie sich dafür eingesetzt hat, dass wir jetzt ein grosses Loch auf dem Marktplatz haben, für den Klimaschutz einsetzt!“ war übrigens mein Lacher des Tages. Bei aller Traurigkeit des Themas.


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Zeitungsmeldungen, die man lieber nicht gelesen hätte (4)

„Nach aktuellsten Umfragen Wahre Finnen mit über 20% stärkste Partei“

Das nun also auch noch, nach den Ergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg…!

Zu denen hat Frau Nessy einen Kommentar geschrieben, den ich jetzt einfach mal hier zitiere, weil ich es besser nicht ausdrücken könnte:

Ich habe es satt, dass wir so verständnisvoll sind. Dass wir hinterfragen und ergründen, sachlich und emotional, von vorne und von hinten und von der Seite, mit schräg gelegtem Kopf und interessiert vorgebeugt, warum die Menschen AfD wählen. Wir sollten damit aufhören. Nazis wählen Nazis, weil sie Nazis sind. Weil sie verdammte Rassisten sind. Weil sie es wollen. Weil sie ausgrenzen, weil sie vereinfachen, weil sie Modernisierung, Aufklärung und Komplexität ablehnen, weil sie hassen. Weil sie Täter sind und nicht, weil sie Opfer sind.
Es gibt keine tolerierbare Begründung, Nazi zu sein. Ich will keine Rechtfertigung mehr hören, warum jemand AfD wählt. Egal, wie enttäuscht und frustriert er ist, wie sozial ungerecht unsere Gesellschaft bisweilen daherkommt und egal, was den Eltern während der Wiedervereinigung geschehen ist. Es gibt kein Argument und keine Gefühlslage, die es rechtfertigen, ein nationalistisches, rassistisches Arschloch zu sein.

Am allerwütendsten vielleicht aber macht mich der Missbrauch des Slogans „Wir sind das Volk“. Damit gingen Menschen unter Aufbietung all ihres Mutes auf die Strasse, um für freie Wahlen, Mitbestimmung und das Ende des Eingesperrtseins im eigenen Land zu kämpfen. Nicht, um zu nörgeln, dass alle anderen immer mehr bekommen, obwohl es einem selbst viel eher zustehen würde. Wobei, es hat ja auch damals gar nicht lange gedauert, bis die Stimmung kippte und die Menschen, die jetzt nicht mehr so viel Mut brauchten, um auf die Strasse zu gehen, nach der D-Mark schrien…


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Klimastreik in Turku

Am Donnerstag, als die Lehrer unserer Kinder die Sache längst für sich entschieden hatten, hatte sich die Stadt Turku noch zu einer offiziellen Stellungnahme durchgerungen. Der Rektor liess es uns über Wilma wissen:

Umwelt, Klimaschutz und Mitbestimmung sind wichtige Bestandteile des Lehrplans und unterstützenswerte Werte. Der Klimastreik ist keine schulische Aktivität, eine begründete Befreiung vom Unterricht ist aber generell möglich. […]

„Ja“, brauste der kleine Herr Maus auf, „der könnte ja auch mal was tun, der Rektor! Der kommt ja auch jeden Tag mit dem Auto!“

Womit diese ganze Klimastreiksache sehr schön zusammengefasst wäre.


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Hoffnungsschimmer

Bei den gestrigen Kommunalwahlen haben – sowohl in Turku als auch wenn man alle in Finnland abgegebenen Stimmen zusammenzählt – die Grünen und die Linken im Vergleich zur letzten Wahl deutlich an Stimmen zugelegt, während alle anderen Parteien Stimmen verloren haben.

Es gibt Städte, in denen haben die Grünen die meisten oder zweitmeisten Stimme bekommen! Es gibt Städte, in denen wurden mehr Frauen als Männer gewählt! Es gibt jetzt wieder Gemeinden ohne einen einzigen Abgeordneten der Wahren Finnen! In Turku sind fünf der 67 neu gewählten Abgeordneten Immigranten!

Danke! Das ist das Finnland, in dem ich leben möchte und das sich auch unsere Kinder wünschen.

Wahltag. Und Palmsonntag.

(Und jetzt auf zur Bundestagswahl!)


„Finns Party loses out as Greens rise in local elections“
„Finnish municipal elections analysis: Anti-immigration and us-vs-them politics aren’t sustainable“
„Monday’s papers: Vapaavuori’s vote mountain, migrant candidates‘ success, and Soini’s swansong“

Wahlergebnis für Turku
Wahlergebnis für ganz Finnland


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Spontaner Wahltag

Als der kleine Herr Maus und ich heute zwischen Klavierstunde und Fräulein-Maus-vom-Training-abholen kurz in den Supermarkt sprangen um die Milch- und Tomatenvorräte aufzustocken, stolperten wir hinter den Kassen fast über zwei Wahlkabinen, die dort mitten im Gang aufgebaut waren.

„Ach“, sagte ich zu einer freundlich lächelnden Frau aus dem kleinen Heer gelbgekleideter Wahlhelfer, die um die beiden Wahlkabinen herumwuselten, „wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich meine Wahlbenachrichtigung mitgebracht…!“ (Ich hätte es natürlich wissen können, weil sämtliche Vorwahlstellen auf der Wahlbenachrichtigung aufgeführt sind.) „Aber die Wahlbenachrichtigung brauchst du doch gar nicht!“, teilte mir die freundlich lächelnde Frau mit. „Ein Ausweis mit Foto genügt!“

Und so kam es, dass ich heute Abend kurz vor sieben ganz kurzentschlossen und innerhalb von zwei Minuten gewählt habe. (Unsere gemeinsame Wunschkandidatin natürlich.) Und ja, liebe Leute, das ist auch ein Weg, die Wahlbeteiligung zu erhöhen!

Pop-up-Wahlkabine im Supermarkt.

„Mama“, fragte der kleine Herr Maus, der brav mit den ihm anvertrauten Einkäufen neben der Wahlkabine gewartet hatte, hinterher auf dem Weg zum Auto, „warum musstest du denn in so ein Ding reingehen? Und warum hat die Frau dann hinter dir noch den Vorhang zugemacht?“

Noch während ich zu einer Erklärung über das Prinzip „Geheime Wahl“ ansetzte, stellte ich fest, dass seine Frage eher rhetorisch war. Er weiss das ja alles längst! Denn: „Wir haben heute im Kindergarten auch gewählt, Mama!“

Nachdem sie nämlich in der Vorschule jetzt seit einiger Zeit über Fossilien und Ausgrabungen (und den Unterschied zwischen Archäologie und Paläontologie) gesprochen haben und die ganze Vorschulgruppe zur besseren Veranschaulichung mehrere Tage lang ein echt fossiles Plastikfischskelett in Einzelteilen aus einem Klumpen Mörtel herausgemeisselt und anschliessend zusammengesetzt hat, musste sich nur noch geeinigt werden, wie die neuentdeckte Spezies benannt werden soll. Über die fünf Favoritennamen wurde heute also demokratisch und geheim abgestimmt.

„Riikka hat aus Rollschränken so ein koppi gebaut, und dann haben wir alle ein äänestyslappu bekommen, und dann mussten wir uns anstellen, und dann durfte immer nur einer in das koppi gehen und auf das äänestyslappu eine Zahl schreiben, also „Kiukkukala“ hatte die Nummer 1 und „Hohtava hirviökala“ hatte die Nummer 2 und so weiter, und dann mussten wir den Zettel noch in so einen Karton mit Schlitz stecken, und als alle ihre Zettel da reingetan hatten haben wir gezählt, wie oft welche Nummer aufgeschrieben wurde, und leider ist mein Namensvorschlag nur auf den zweiten Platz gekommen.“

(Ich habe ganz eventuell schon das eine oder andere Mal erwähnt, wie grossartig ich diesen Kindergarten und das Prinzip Vorschule hierzulande finde, oder? Oder?!)