Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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An manchen Tagen, so wie gestern, bin ich froh, wenn ich heil wieder zuhause angekommen bin. An solchen Tagen, wo die Rechtsabbieger mit voller Geschwindigkeit – denn sie haben ja Grün! – über die Kreuzung rasen, Fussgänger den Radweg entlangeiern, sämtliche Radfahrer, die ich überholen will, genau dann nach links abdriften und ich im Tunnel vom Rad abspringen muss, weil der entgegenkommende Radfahrer nicht auf die Idee gekommen ist, ihm könnte jemand entgegenkommen und den kürzesten Weg durch die Kurve nimmt.

An manchen Tagen, so wie vorgestern, bin ich froh, wie schön das hier geht mit dem Radfahren. An solchen Tagen, wo sich Radfahrer und Fussgänger an der Kreuzung gegenseitig den Vortritt lassen wollen und es ein bisschen Geeiere gibt und dann alle lachen und sich gegenseitig bedanken, der Autofahrer, der über den Radweg weg ausparken will, nochmal zurückstösst, um mich durchzulassen, die Rechtsabbieger die Verkehrsregeln beherrschen, die Gruppe Oberschüler, die nebeneinander läuft und sich bis auf den Radweg ausgebreitet hat, schnell beiseite springt und sich auch noch entschuldigt und sich die Radfahrer freundlich zulächeln, wenn sie an der Baustelle ein bisschen umeinander herumkurven müssen.
An solchen Tagen kann ich dann auch ein bisschen herumgucken: Wie schön die Ahornbäume aussehen. Und dass der schwarze BMW, der mir entgegenkommt, eine 282 ist.

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Das Fräulein Maus hat für die letzten drei Ferienwochen gemeinsam mit der deutschen Freundin eine Pflegekatze.

Das Fräulein Maus radelt also fast jeden Tag in den Nachbarort und trifft sich dort mit der deutschen Freundin, um – eigentlich war der Plan, dass sie sich abwechselnd kümmern, aber schliesslich sind sie ja Freundinnen! – gemeinsam der Pflegekatze Gesellschaft zu leisten.

Nur wenn es wie aus Kübeln schüttet, fahre ich sie mit dem Auto hin. Und da kam mir dann auch gleich mal eine 276 entgegen.

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kaksisataakuusikymmentäneljä

Als ich am Dienstag mit dem kleinen Herrn Maus vom Fussballtraining heimradelte, kam uns genau da, wo wir an einer geparkten 264 vorbeifuhren, eine andere 264 entgegen.

Der kleine Herr Maus freute sich nicht sehr. Er war genervt, dass auf dem Radweg – und dann auch noch bergauf! – immer noch dicke Splittschichten lagen.

Nach welchem System hier die Wege und Strassen vom winterlichen Spitt befreit werden, ist uns allen schleierhaft. Unser Stadtteil jedenfalls scheint auf der Prioritätenliste nicht sehr weit oben zu stehen. Der kleine Herr Maus vermutete schon, man hätte uns vergessen, und ich versprach ihm, wenn die Kehrmaschine in zwei Wochen immer noch nicht dagewesen sein sollte, mal bei der Stadt nachzufragen.

Am nächsten Tag fiel prompt eine Frühjahrsputzarmada in unseren Stadtteil ein: ein riesiger Bagger, der den Eishobel gegen eine riesige Bürste getauscht hat, ein normaler Bagger mit Bürste und Splittsauger, das Strassenwaschauto, ein Traktor mit Hänger für die eingesaugten Splittberge, eine kleine Kehrmaschine für die Feinarbeiten.

Zwei Tage lang fuhren sie Strasse um Strasse und Fussweg um Fussweg ab. Danach war immerhin der Radweg zum Kindergarten splittfrei.

Die Frühjahrsputzarmada ist in den nächsten Stadtteil weitergezogen. Der Radweg neben der 264 ist immer noch unter 5 cm Splitt begraben.

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Schlafen können wir im Winter.

Hier ist es im Frühling und Sommer ja oft so, dass die Sonne, wenn es tagsüber grau und trüb war, abends noch rauskommt. Macht ja nichts, reicht ja noch für etliche Stunden Sonnenschein…

Nur sind wir deswegen im Frühling und im Sommer leider auch sehr lasch mit Zubettgehroutinen.

Als der Ähämann gestern abend kurz vor sechs zu einer Vier-Fliegen-mit-einer-Klappe-Runde aufbrach – den grossen Herrn Maus zu den Pfadfindern bringen, das Fräulein Maus vom Training abholen, mit beiden Kindern auf deren dringenden Wunsch in der Stadtteilbibliothek neue Bücher ausleihen sowie dort auch gleich noch wählen – und der kleine Herr Maus und ich allein zurückblieben, da bereiteten wir nicht etwa das Abendbrot vor, sondern schwangen uns auf die Fahrräder und fuhren in der Abendsonne zum nahegelegenen See.

Ein Entenpärchen zog im spiegelblanken Wasser gemächlich seine Kreise. Weit draussen war der See weiss von Möwen, die ununterbrochen durcheinanderschnatterten. „Was reden die denn die ganze Zeit?!“, fragte der kleine Herr Maus. Kaum vorstellbar, dass wir dort vor Kurzem noch schlittschuhlaufen waren. Wir sahen die letzten Eisreste auf dem See und die allerletzten Schneereste im Wald. Und den ersten Huflattich.

Und eben. Schlafen können wir im Winter.


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Alles so hübsch glasiert

Als ich gestern nach Feierabend vor die Tür trat, nieselte es. Das war so nicht vorhergesagt, und mir schwante gleich nichts Gutes. Tatsächlich legten sich schon auf der steilen Treppe vom Unihügel hinab mehrere Leute hin. Finnen, wohlgemerkt. Die Treppe war übrigens vorbildlich gestreut – nur dass der Splitt auch mit einer hübschen Eisschicht überzogen war. Mein Fahrrad war voller WasserEisperlen. Das würde ja ein schöner Heimweg werden…!

Wurde es auch. Von den schön eisüberzogenen Pedalen rutschte ich gleich erstmal wieder ab. Und dann hatte ich zwar vor dem Aufsteigen noch getestet, ob die Bremsen eventuell eingefroren sind – waren sie nicht – aber als ich das erste Mal bremsen musste, fuhr der Pe-u-geot trotzdem einfach weiter. Logisch, die Felgen waren ja auch hübsch mit Eis glasiert. Danach ging’s. Aber die blöden vereisten Spurrillen waren auch fünfmal so glatt wie sonst schon.

Ich bin dann sehr langsam zum Kindergarten gerollert – bloss keine Schlenker fahren, bloss nicht scharf bremsen, bloss nicht in so eine Spurrille geraten, bloss kein Auto zum Bremsen zwingen… – und dort begrüsste mich der kleine Herr Maus mit den aufgeregten Worten: „Mama, es ist ganz schlimm glatt draussen!“ Ach sag‘ bloss!

Heute blieb das Fahrrad stehen. Und ich zog mir Spikes an.

(Ein halber Meter Schnee mehr und zehn Grad weniger, das wär’s…!!!)


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Typisch Turkuer Winter

Die zweimal 15 Minuten Arbeitsweg erfordern derzeit mehr Konzentration als die sieben Stunden dazwischen.

(Asphalt ohne Eis oder Splitt: super. Eis mit Splitt: okay. Asphalt mit zentimeterdicken Rollsplittschichten: schlecht. Glattes Eis ohne Splitt: okay. Matschige Spurrillen: schlecht. Gefrorene Spurrillen: sehr schlecht.)


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Winter halt

Oder: wie man einen Flughafen am Laufen halten kann, auch wenn es mehr als zwei Schneeflöckchen schneit:

(Ich kann für sowas ja durchaus grosse Kleine-Jungs-Begeisterung entwickeln…)

***

Passend dazu las ich gestern Abend einen Zeitungsartikel, in dem bemängelt wurde, dass die Radwege in München nicht gesalzt und nicht komplett schneefrei („schwarz“) gehalten werden.

Mal davon abgesehen, dass ich gesalzte Wege noch nicht mal dem 16 Jahre alten Pe-u-geot, der seit letztem Jahr nicht mehr Ganzjahres-, sondern „nur“ noch Winterfahrrad ist, zumuten wollen würde und deshalb heilfroh bin, dass hierzulande niemand auf solche Schnapsideen kommt, kommt mir das ein bisschen so vor, als würde man das Beheizen von Freibädern im Winter fordern, weil sie ja sonst nicht benutzbar seien.

(Irgendwann war Schnee im Januar doch mal ganz normal in Mitteleuropa, oder?!)


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Silvesterritual, neu

Als ich in der ersten oder zweiten Klasse war, da machten meine Eltern mit mir zu Silvester etwas sehr Spannendes: wir fuhren kurz vor Mitternacht mit den Fahrrädern auf eine nahegelegene Anhöhe, um uns das Feuerwerk über Chemnitz, das sehr schön in einem Talkessel liegt, anzusehen.

Viele Traditionen und Rituale aus meiner Kindheit habe ich für meine Kinder übernommen. Aber dass es in Finnland nichts werden würde mit Radfahren zu Silvester, das war mir selbstverständlich klar.

Tjanun. Dieses Jahr fuhren wir schon zum zweiten Mal mit Fahrrädern zum Feuerwerk in den Nachbarstadtteil.

Denn das letzte bisschen Eis hatten die 6 Grad plus am Silvestertag dann auch noch verschwinden lassen, so dass auch die zwei Familienmitglieder ohne Spikereifen gefahrlos durch den Wald radeln konnten.

Frohes neues Jahr!


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Gegen Windmühlenflügel

Lieber Vater, der du immer den Motor laufen lässt, während du dein Kind aus dem Kindergarten abholst, liebe Eltern, die ihr früh eure Kinder nicht etwa auf eurem Arbeitsweg, sondern extra in die Schule fahrt, lieber Nachbar, der du deiner Familie die 50 m Weg bis zum Parkplatz nicht zumuten willst und sie mit laufendem Motor vor der Haustür erwartest, liebe finnische Autofahrer, die ihr euch Autos mit benzinbetriebenen Standheizungen kauft, obwohl es hier an jedem Parkplatz Steckdosen zum Autovorheizen gibt…

… der Ähämann und ich fahren auch für eure Kinder jeden Tag Fahrrad.


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Winterradfahren für alle

“Das ist ungerecht, dass du Fahrrad fahren darfst und wir nicht!” durfte ich mir jetzt zwei Winter lang, also seit die Herren Maus nicht mehr in den Fahrradanhänger passen, anhören. Denn sobald die Strassenverhältnisse Spikereifen erforderten, hatten die Kinder in den Anhänger umzusteigen. Oder eben zu laufen. (Was bei den 550 Metern Weg in den Kindergarten zwar zu verschmerzen, aber trotzdem nicht beliebt war.)

Jetzt herrscht wieder Gerechtigkeit.

“Papa macht mir die Spikereifen vom Anhänger an mein Fahrrad!” jubelte der kleine Herr Maus letzte Woche.

Er ist jetzt der coolste kleine Radfahrer der Welt.