Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mopedausrüstung

Mit kaputten Schuhen fing es an. Zwei Wochen getragen, vorn alles abgeschabt, Loch drin. Ich schob es darauf, dass es sich bei den Schuhen um ausgesprochene Billigschuhe handelte. Soll man eben nicht kaufen, sowas. Dann erschienen zwei Löcher an den Innenseiten seiner Überhosen, die nach zwei Tagen so gross waren, dass er die Pedalen seines Fahrrads darin hätte verstecken können. Ich schob es darauf, dass die Überhosen schon seit drei Jahren durch wechselnde Kinder im Gebrauch gewesen waren. Irgendwann zerfallen die eben.

Als ich dem kleinen Herrn Maus aber neue Überhosen gekauft hatte, in denen nach zwei Tagen wieder der erste Riss auf Knöchelhöhe innen erschien, als auch seine brandneue Matschhose sofort ein Löchlein an derselben Stelle bekam und seine Wanderschuhe, die er jetzt als Übergangsschuhe trägt, verdächtig abgeschabt auszusehen begannen an den Spitzen, da fragte ich dann doch mal nach im Kindergarten, ob das denn bei anderen Kindern auch passiere.

„Oh, das kommt vermutlich von der Moped-Rallye, die die Jungs hier jeden Nachmittag fahren“, gab die Lieblingsbetreuerin zur Auskunft.

Ist ja auch schön. Da hat man sein Kind erfolgreich ohne nennenswerte Schäden an Schuhen und Kleidung durch die Rutschauto- und Laufradzeit zum selbständigen Fahrradfahren gebracht – und dann fängt es mit knapp vier an, Bobbycar Plastemoped zu fahren! (Und ist natürlich inzwischen so gross, dass nicht nur die Schuhspitzen, sondern auch das halbe Bein über den Boden geschleift werden dabei…)

Weil ich aber jeden Nachmittag beim Abholen sehen kann, wieviel Freude er daran hat, und weil ich seinen Betreuern so dankbar bin, dass sie den Kindern dieses Spiel ermöglichen, ist Verbieten keine Option. Bobbycar-Schuhschoner gibt es – ich habe einmal laut gelacht – bis Schuhgrösse 27. Und so billige Klamotten und Schuhe kann ich nicht mal auf dem Flohmarkt erstehen, dass ein Neukauf alle zwei Wochen drin wäre.

Was tun? Es gibt keine falschen Spiele, nur… genau. Dank eines Brainstormings mit den Damen aus dem Babyzimmer besitzt der kleine Herr Maus jetzt seine ganz eigene Moped-Schutzkleidung:

Mopedschuhe aus Billigschuhen und altem Fahrradreifen (den allerdings ein Schuster anbringen musste aus Mangel an geeignetem Schneidewerkzeug und Kleber unsererseits) sowie Mopedgamaschen, selbst umgenäht (von Hand, jawoll!) aus einer billigen Überziehhose, die ihm jetzt über jegliche Überhosen, Matschhosen, Schneeanzüge drübergezogen werden können. (Der kleine Herr Maus erkannte natürlich sofort den Schwachpunkt: „Aber dann kommen da doch Löcher rein!“ Jahaaa, aber die flicke ich dann meinetwegen mit Jeesusteippi Panzerband!)

Hat sich jetzt schon zwei Wochen bewährt. Und für ein paar Winter-Mopedstiefel reicht der Fahrradreifen auch noch. Wobei, ich fände es ja schön, wenn die Kinder diesen Winter mal wieder Schlitten fahren könnten statt Moped…!!!

(Ha, ein Do-it-yourself-Beitrag! Von mir! Ja, alles in Ordnung! ;-) )


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Solche und solche

Gestern Vormittag telefonierte ich – immer noch wegen des Unfalls im Bus, den das Fräulein Maus vor einem halben Jahr gehabt hatte – zum ungefähr dreissigsten Mal jemandem hinterher – diesmal der Versicherung des Busunternehmens – um zu erfahren, sie hätten die Papiere schon seit ein paar Wochen da liegen, aber von uns weder Adresse noch Telefonnummer, und wie gut dass ich anriefe, ob ich denn demnächst mal zum Formulareausfüllen vorbeikommen könne, und ärgerte mich zum wiederholten Male über das Busunternehmen, das von Anfang an die Sache hinausgezögert, geleugnet und bei jedem Schritt jede noch so kleine Gelegenheit ergriffen hatte, sich vielleicht doch noch aus der Verantwortung ziehen zu können, in der Hoffnung, dass uns die Sache irgendwann doch zu umständlich wird oder wir sie in der Zwischenzeit vielleicht einfach vergessen, und ich ärgerte mich auch wieder über den Busfahrer, der bis heute behauptet, gar nicht mitbekommen zu haben, wie er eine kleine Erstklässlerin zwischen den Türen einklemmte und zwei weitere kleine Erstklässlerinnen panisch schrieen, er solle die Tür sofort wieder aufmachen, und wie dann eine heulende und zwei tröstende Erstklässlerinnen fassungslos dem einfach davonfahrenden Bus nachsahen.

Gestern Nachmittag telefonierte ich mit dem Fräulein Maus, das mir ganz verzweifelt mitteilte, sie habe kein Buskarte dabei, und während wir am Telefon noch verschiedene Lösungen diskutierten – Nach Hause gehen und die Buskarte holen? Dauert zu lange. Papa anrufen und mit dem Auto abholen lassen? Dauert auch zu lange. Zurück in den Hort gehen und sich von der Hortnerin das Geld für eine Fahrkarte borgen? Traut sie sich nicht. Den Deutschunterricht ausfallen lassen? Nein. – sagte das Fräulein Maus leicht panisch: „Jetzt kommt der Bus schon!“, worauf mir eine Idee kam und ich sie fragte: „Ist es denn ein netter Busfahrer?“ (Sie kennt sie alle!), sie „Ja!“ sagte und ich sie fragte, ob sie ihm mal das Telefon geben würde, damit ich ihn fragen könne, ob er sie denn ohne Fahrkarte mitnehmen würde und ich dann bezahlen könne, wenn ich sie von der Haltestelle abhole, was dann aber gar nicht nötig war, weil ich hörte, wie sie selbst die Sache erklärte und der Busfahrer sie offensichtlich einfach durchwinkte, und als ich dann mit Umweg über den kleinen Supermarkt – weil ich schon ahnte, wie die Sache ausgehen wird und ich es furchtbar finde, dass vier von fünf Busfahrern einem die Tür vor der Nase zuklappen, aber noch viel furchtbarer, dass der fünfte, der eine halbe Minute auf einen zur Haltestelle rennenden Passagier wartet, dann nichtmal ein schlichtes „Danke!“ zu hören bekommt – von Arbeit zur Haltestelle gerast war und, als der Bus ankam, das Portemonnaie zückte, winkte der Busfahrer wie erwartet wieder nur ab, so dass mir nur blieb, ihm zum Dank wenigstens das eilig auf dem Weg erstandene Täfelchen Schokolade zuzuschieben und mit dem Fräulein Maus Richtung Deutschunterricht davonzumarschieren.

Solche und solche eben.


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Abendliches Kinderlüften

Als der Ähämann und ich heute – nach einem Wochenende, das wir wegen Ekelwetter, einer Einladung zur Feier eines Hochzeitstages, einem Wettkampf des Fräulein Maus und dem seit neuestem in der Halle stattfindenden Fussballtraining des grossen Herrn Maus hauptsächlich in geschlossenen Räumen verbracht hatten – zur Feier des Tages mit der ganzen Familie fein Kaffeetrinken gehen wollten, drehten die Kinder alle drei völlig am Rad.

Wir fuhren dann vom Café gar nicht erst nach Hause, sondern am Abzweig vorbei noch ein paar Kilomter weiter und stiegen im Finstern auf einen Berg.

Danach ging’s wieder.


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Zweifelhafte Fähigkeiten (2)

Ich kann jetzt eine Harfe stimmen.

(Tolles Teil, die Mietharfe. Leider hat sich ein Jahr lang niemand um sie gekümmert. Ich war dann auch sehr froh, dass ich seinerzeit zwar mit wenig Begeisterung Geige gespielt, aber mit umso grösserer Begeisterung in den Theorieunterricht gegangen bin, so dass ich nach 30 Jahren immerhin noch ein paar Grundkenntnisse im Kopf habe. Es hat auch nur ein paar Stunden gedauert, bis das Fräulein Maus losspielen konnte…)

Welche selten gebrauchte Fähigkeit könnte ich denn mal als nächstes lernen?!


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Rauma

Ich weiss ja auch nicht, warum wir in elf Jahren noch nie auf die Idee gekommen sind, auch mal im Herbst nach Rauma zu fahren.

Dabei ist es dort mit gelbem Herbstlaub mindestens genauso schön wie wenn der Flieder blüht.

Wie immer gingen wir ein bisschen durch die Gässchen spazieren, spät mittagessen und danach noch auf den Lieblingsspielplatz.

(Und nach dem Spielplatz nochmal zurück, weil Kaffee und Kuchen direkt nach dem Essen nicht mehr in unsere Mägen gepasst hätten. Ausserhalb der Touristensaison ist das Essen offensichtlich besonders lecker und besonders reichlich.)

Nur die Stunde Heimfahrt am späten Abend, die macht im Sommer deutlich mehr Spass…


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Finnisierung XXXVI

In den Ferien unbedingt 24 Stunden auf einer Schwedenfähre abhängen eine “Kreuzfahrt” machen.

(Eine richtige Herbstferienreise war dieses Jahr wegen Urlaubstagemangels nicht drin. Und das neue Viking-Schiff ist wirklich schön. Und wenn man Kinder hat, die gern auch mal ein bisschen in der Landschaft rumgucken, dann muss man auch nicht den ganzen Tag im Spielzimmer verbringen. Und wenn man den Kindern dann sogar noch Schneeanzüge aufgezwungen hat, dann kann man sogar ganz allein an Deck sein, statt sich mit 2800 anderen Leuten im Tax Free Shop oder in der Karaokebar zu drängeln. Okay, Antti Tuisku haben wir dabei verpasst. Aber das können wir gerade so verschmerzen.)

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV]


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satakahdeksankymmentäviisi

Ich freue mich ja täglich, dass ich keine Schulbrote schmieren muss. Das heisst, ausser wenn Deutschunterricht ist. Der wird nämlich begonnen mit Vesperessen und Vorlesen.

Nun scheinen aber tatsächlich auch andere deutsche Mütter nicht übermässig wild aufs Formbrotschnitzen Schulbroteschmieren zu sein. Das Fräulein Maus jedenfalls – mit ihrer Brotdose im Ranzen – sagt mir jede Woche, wenn wir auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Deutschunterricht an dem kleinen Supermarkt vorbeikommen: ”Die beiden halten hier immer mit ihrer Mama vor dem Deutschunterricht an und kaufen was zu essen! – Guck mal, da sind sie! Und das da ist ihr Auto!”

Bingo. Eine 185.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184]

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