Ich muss hier oft an meinen Ökologie-Professor denken.
Gestern zum Beispiel. Der Ähämann kam extra eher von Arbeit, damit wir mit den Mäusekindern vor dem Abendbrot nochmal auf den Schlittenberg fahren konnten. Hui, war der glattgefahren! Wir sausten abwechselnd auf meinem 30 Jahre alten Hörnerschlitten mit den fast 100 Jahre alten Kufen und unserem neufinnischen roten Plastedingens den wohlpräparierten Hang hinunter. Die Mäusekinder jauchzten vor Begeisterung – auch der kleine Herr Maus, der bei Papa auf dem Rücken mitfahren durfte. Manchmal wollte das Fräulein Maus alleine fahren, dann blieb ich oben stehen, schaute auf die von Schnee und Laternenlicht orange Stadt, beobachtete den Bagger, der den Kunstschnee aus den beiden Schneekanonen für die Loipe und den Rodelberg auf einen grossen Haufen türmte, sah den rodelnden Kindern hinterher, schaute nach den angekündigten Schneewolken… und war sehr froh.
Und dann dachte ich an meinen Ökologie-Professor. Das war der erste Professor, den ich in meinem Studium erlebte, der uns nicht nur Fachwissen vermittelte, sondern uns auch eine Art Berufsausbildung angedeihen liess: er brachte uns bei, wie man ein Experiment plant, wie – und wozu überhaupt – man ein Paper schreibt, was ein Impact Factor ist, wie man eine Präsentation gestaltet.
Einmal mussten die liebste Freundin und ich unsere Vorträge vom alljährlichen Institutssymposium in seinem Seminar nochmal halten, um sie als Beispiele von allen kritisch diskutieren zu lassen. Zum Schluss wies er uns noch darauf hin, wie wichtig auch die Farbwahl einer Powerpoint-Präsentation sei, dass sie auch mit dem Vortragenden harmonieren müsse, und lobte, wie gut wir beide das gemacht hätten, denn „Die Pinni ist ja eher so der Herbsttyp, und die Karen eher so der Wintertyp.“ Wir fanden das damals natürlich sehr erheiternd. Und zitieren diesen Satz kichernd bis heute.
Aber dann. Wenn ich in das Schneegestöber vor dem Fenster schaue. Wenn ich in der Stille Lapplands die Schneeflocken fallen hören. Wenn mir nach der Sauna die Haarspitzen gefrieren. Wenn wir Eislichter bauen. Wenn ich mit dem Auto um die Kurven rutschen kann. Wenn ich meine Skier durch frischen Schnee zischen höre. Wenn ich in einem tiefverschneiten Wald stehe.
Dann denke ich oft: Wie recht er hatte!
(Und dass es vielleicht kein Zufall war, dass ich meine Diplomarbeit im finnischen Winter gemacht habe.)