Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

satakahdeksankymmentäyksi

Jeden Morgen, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit am Krankenhaus vorbeifahre, wird mir ganz warm ums Herz.

Ich muss dann immer daran denken, wie wir dreimal zu zweit da reingingen und zu dritt wieder rauskamen. Wie ich dort mit dem erst ein paar Stunden alten kleinen Herrn Maus auf dem Bauch den ganzen Tag schlief und endlich meine Erkältung auskurierte. Wie das Fräulein Maus im Solarium lag. An die Schwester, die mir erklären wollte, dass draussen am Morgen wieder beissender Frost gewesen sei – und das Ende März! – die aber keine englischen Zahlen konnte und erst nach einem Zettel rannte, auf den sie dann “-15ºC” schrieb. Wie ich den schlafenden grossen Herrn Maus, zwei Tage alt, auf dem Arm zu einer Untersuchung auf die Kinderstation trug und die Schwester, die uns abholte, nachdem sich unsere Blicke im Fahrstuhl auf ihren Schuhen getroffen hatten, lachend sagte: “Die habe ich extra, weil die Kinder die so lustig finden!” Wie das Fräulein Maus aufs Bett kletterte und gar nicht wieder aufhörte mit Streicheln und Küsschengeben, als sie ihren kleinen Bruder zum ersten Mal sah. An die Sockentafel. An die riesigen Kohlköpfe im Kühlschrank auf der Neugeborenenstation. Wie ich mit dem Ähämann über die schweizer Melkmaschine elektrische Milchpumpe gelacht habe. (Und wie mich beides vorm Platzen bewahrt hat.)

Selbst an die paar Male, an denen wir wirklich mit einem sehr kranken Kind im Krankenhaus waren, denke ich dankbar zurück. Wie jedes fiebernde Kind in der Notaufnahme zuallererst nicht nur fiebersenkende Medizin, sondern auch soviel Zuckerwasser aus Trinkpäckchen Pillimehu verabreicht bekommt, wie es will. Wie ich dem kleinen Fräulein Maus beim Röntgen die Hand halten durfte. Wie der grosse Herr Maus, als er neulich da eintraf, noch vor der fiebersenkenden Medizin und dem Pillimehu auf jeden Handrücken ein Emla-Pflaster geklebt bekam. Wie sich jede Schwester und jeder Arzt mit Vorname bei ihm vorstellten und ihm erklärten, was sie jetzt machen würden. Daran, dass ich noch nie im Krankenhaus irgendwelche Formulare ausfüllen musste. Wie der grosse Herr Maus – mit 40 Grad Fieber und am Tropf – plötzlich Hunger schrie und die Notärztin daraufhin schnell auf der Kinderstation anrief, dass sie ihm was vom Mittagessen aufheben sollen bis er hinkommt. An die Schwester, die dem grossen Herrn Maus, als er dann doch nichts davon ass, noch einen Pillimehu brachte, und noch einen, dann einen Joghurt, dann ein Eis: “Ganz egal, was, Hauptsache du magst es!” An die Muminbettwäsche auf der Kinderstation und die beiden Kuscheltiere, die schon im Bett warteten. An den Spieleschrank auf dem Flur. An die Gewitternacht, die wir dort verbrachten.

Dass ich die 181, die mir gestern am Krankenhaus entgegenkam, überhaupt gesehen habe, ist fast ein Wunder. Normalerweise gucke ich nämlich, wenn ich am Krankenhaus vorbeifahre, auf die andere Seite und zähle die Fenster im Erdgeschoss ab – auch wenn ich weiss, dass ich nie mehr ganz genau sagen können werde, hinter welchen davon die Mäusekinder auf die Welt gekommen sind.

Wenn der veraltete, hässliche Betonklotz des Turkuer Uniklinikums – neben dem selbst das Karl-Marx-Städter Bezirkskrankenhaus ein hübsches Bauwerk ist – wie geplant in ein paar Jahren abgerissen werden sollte, dann werde ich sehr traurig sein. Dem Stadtbild wird er nicht fehlen. Aber mir.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180]


3 Kommentare

Viel los

Heute mit den Mäusekindern am Flughafen innerhalb einer Viertelstunde Stunde beobachtet, wie ein Flugzeug aus Helsinki landete und wieder startete, ein Sportflugzeug startete, des Ähämanns Flugzeug startete, ein anderes Sportflugzeug landete, so ein Miniflugzeug für acht Personen aus Åland landete und wieder startete sowie ein furchtbar lautes deutsches Armeeflugzeug landete und startete. Da sage noch einer, auf unserem Flughafen sei nichts los…!

(Nebenher kann man prima Hausaufgaben machen.)


Hinterlasse einen Kommentar

satakahdeksankymmentä

Die 180 habe ich dann gestern Abend auch noch gesehen. Und gleich darauf auch die 181. Aber die zählt nicht. Das war ein Este.

(Das sind die, die am Fussgängerüberweg anhalten.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179]


3 Kommentare

sataseitsemänkymmentäyhdeksän

Heute früh brauchten die Radfahrer unter uns – also alle ausser dem Fräulein Maus, die zur Schule läuft – zum ersten Mal diesen Herbst Mützen und Handschuhe. Überhaupt muss man jetzt wieder jede Menge Klamotten für den Tag einplanen: früh Fleecejacke, Jacke, Handschuhe und Mütze, nachmittags T-Shirt und Sonnenhut.

***

Heute bin ich zum zweiten Mal diese Woche ans andere Ende der Stadt gefahren, um für das Fräulein Maus einen Schlüssel von jemandem entgegenzunehmen, der nur von 10 bis 11 und 13 bis 15 an seinem Arbeitsplatz anzutreffen ist. Als ich gestern um zehn vor dem betreffenden Büro stand, hing da allerdings ein Zettel: “Bin am Montag, dem 15.9., nicht da.” (Das sind so Momente, wo mir das Hausfrau-und-Mutter-Dasein durchaus verlockend erscheint wo ich froh bin, dass ich mir meine Arbeitszeit relativ frei einteilen kann.)
Am halb sonnigen, halb nebligen, ganz spiegelglatten Fluss entlangzuradeln war aber beide Male sehr schön. Gestern parkte da übrigens auch die 180. Heute die 179. (Leider nicht andersrum.)

***

Leute, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, sind glücklicher und weniger gestresst als Autofahrer.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178]


11 Kommentare

Finnisierung XXXIV

Ein -i am Wortende ist ja auf Finnisch keineswegs eine Verniedlichung, sondern gängiger Wortabschluss.

Auch bei Namen. Die werden ihrerseits üblicherweise mit einem -u am Ende verniedlicht: aus Marianna wird Maiju, aus Valtteri Valtsu, aus Emilia Emppu. (Was man dann wiederum noch weiter auf die Spitze treiben kann, indem man das entsprechende Kind letztendlich “Emppuliini!” ruft.)

Ganz logisch also, dass der kleine Herr Maus uns neuerdings, wenn er sich einkratzen will, zärtlich “Mamu!” und “Papu!” ruft.

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII]


3 Kommentare

sataseitsemänkymmentäkahdeksan

Die 178 hätte ich im Morgennebel fast nicht gesehen.

(Nachmittags ist noch Sommer.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177]


14 Kommentare

Digital Native

“Was soll ich denn für ein Schlaflied singen?”, frage ich den kleinen Herrn Maus.

Der brummelt ein bisschen vor sich hin: “Der Mond ist aufgegangen hatten wir gestern erst, das darf ich nicht, und dann ist nur noch Prinzchen und Weisst du wieviel und Wer hat die schönsten Schäfchen und Schlaf, Kindchen, schlaf. Die hast du alle schon ganz oft gesungen! Kannst du nicht mal in deinem Ei-Päd nachgucken, ob du da noch ein anderes Lied findest?!”

(Kann ich.)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 170 Followern an