Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Die Fichte, die uns über den Kopf das Dach wächst, kommt natürlich schon lange nicht mehr mit 25 Lichterchen aus, weswegen wir schon seit ein paar Jahren eine Zweit-Lichterkette besassen, die dann aber am Sonntag plötzlich nicht mehr wollte. (Wahrscheinlich hatte sie einmal zu oft gehört, dass ihr Licht nicht halb so schön war wie das der alten Lichterkette und dass sie ja kein bisschen funkelte im Dunkeln.)

Nun quellen ja die Supermärkte ja gerade über von elektrisch betreibbaren Dekoartikeln, aber auf unseren Baum kommen weder 1000 Minilämpchen noch mit Leuchtdioden gefüllte Gartenschläuche noch grün-rot-blau blinkende Diskobeleuchtung. Also fuhren wir am Montag in „Finnlands besten Elektroladen“, wie er seit einigen Monaten Werbung für sich macht. Bisher hätte ich das auch so unterschrieben, denn was auch immer wir anderswo vergeblich gesucht hatten – eine Sparlampe mit einem ganz bestimmten warmen Licht, eine bestimmte Lampe für über der Spüle, die neueste Design-Sonnenersatzlampe… – dort hatten wir das bisher immer alles gefunden. Auch schlichte Aussenbeleuchtungen mit elektrischen Kerzen.

Wir schnallten also die Kinder aus dem Auto, betraten den Laden, wunderten uns schon ein bisschen, umrundeten die Regale drei Mal, fanden überhaupt keine Weihnachtsbeleuchtung, fragten dann einen Verkäufer und wurden beschieden: “Weihnachtsbeleuchtung ist ausverkauft. Versucht es doch mal im Bauhaus.” Finnlands bester Elektroladen…!

Wir schnallten also drei Kinder wieder an, fuhren ins Bauhaus, parkten direkt einer 190 gegenüber, schnallten die Kinder ab, erstanden zwei Lichterketten mit je 16 Kerzen, schnallten die Kinder wieder an und fuhren heim, und der Ähämann vollendete sein Werk.

Ich kann mich gar nicht sattsehen.

(Bisschen Schnee wäre schön.)

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Planänderung

Der Plan für den 2. Advent war: Reisetaschen packen.

Gegen Mittag jedoch verkündete überraschend der Ähämann: „Ich mach‘ dann jetzt mal die Lichter auf den Baum!“
(Also auf die Fichte in unserem Garten, die uns allmählich über den Kopf das Dach wächst und die wir in Ermangelung eines Hubsteigers wirklich nicht mehr schmücken wollten…)

Ich beschloss daraufhin, auch lieber mit den Kindern Sterne zu falten.

Wir kommen ja auch sicher mit dem, was wir übermorgen so tragen werden, zehn Tage lang aus.


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Traditionen

Dieses Jahr waren wir seit langer Zeit mal wieder am Abend des Unabhängigkeitstages spazieren, im Stadtteil mit den vielen, kleinen Holzhäusern und den krummen Strässschen, um uns die blau-weissen Kerzen in den Fenstern anzusehen. Die Strassen waren ganz still und leer, und die Kinder sprangen begeistert von einem Haus zum anderen – „Da sind Kerzen!“ „Und dort auch!“ „Wo? Zeig!“- und von Knallerbsenstrauch zu Knallerbsenstrauch.

Wir hatten keine Eile, denn der Empfang beim Präsidenten, den sich am Abend alle im Fernsehen ansehen – und der auch für uns viele Jahre fester Programmpunkt am 6. Dezember gewesen war – lockt uns seit zwei Jahren nicht mehr übermässig. Vor zwei Jahren hatte ich ihn in einer Mädchenrunde angeschaut, das war natürlich nett. Voriges Jahr war ich mit den Kindern allein und nach einem aufregenden Tag froh, als ich sie ins Bett stopfen konnte. Ausserdem guckte in Turku sowieso keiner. „Dieses Jahr? Nee! Da organisiere ich keinen gemeinsamen Fernsehabend! Ganz bestimmt nicht!“, hatte die Kollegin gesagt. „Nein, wir haben keine Eile!“, hatten die Lieblings-Ex-Nachbarn gesagt, als sie uns den frischen Weihnachtsbaum noch nach Hause gefahren hatten und wir sie zum Dank zu Kaffee und Stollen hereinbaten. „Dieses Jahr gucken wir den Empfang nicht. Wirklich nicht!“ Letztes Jahr wurde nämlich der Präsidentenpalast renoviert, und der Empfang nach Tampere verlegt. In ein Konzerthaus! (Nicht mal Tanz gab es anschliessend!) Die Turkuer waren sauer: ausgerechnet Tampere, die ewige Rivalin! Und ist nicht Turku schliesslich mal Finnlands Hauptstadt gewesen?! Und haben wir hier nicht ein wunderbares Schloss?!

Wir liefen also von Fenster zu Fenster und Lichterkette zu Lichterkette und zertraten Knallerbsen und hüpften, und dann kamen wir wieder an dem Fenster vorbei, durch das man auf den riesigen Flachbildfernseher gucken konnte, und da stand der Präsident und schüttelte feingekleideten Leuten die Hand. „Das haben wir uns gestern in der Schule angeguckt! Mama, können wir heimfahren und uns das angucken?!“, hüpfte das Fräulein Maus. „Tanzen die dann da auch?“, fragte der grosse Herr Maus, der am Tag vorher im Kindergarten sein ganz eigenes Unabhängigkeitstagsfest gefeiert hatte: alle Jungs durften mit Hemd und Krawatte kommen, die Mädchen mit „Abendkleid“, und sie hatten gefeiert und Walzer getanzt. „Ich will das auch sehen!“ Also fuhren wir heim und guckten doch den Empfang an.

Die Kinder kommentierten begeistert Abendkleider und Trachten. Der Ähämann regte sich auf, für welche Verdienste eigentlich sein Ex-Oberchef eingeladen worden sei, der gerade Einheiten in vier Städten hat schliessen lassen und damit über 300 Leute arbeitslos gemacht hat. Ich für mein Teil weiss jetzt, dass ich mit dem derzeitigen Präsidenten wohl nicht mehr warm werden und “Muminmama“ noch lange vermissen werde.

Der kleine Herr Maus schlief irgendwann auf dem Sofa ein. Der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus aber hielten aus, bis gegen halb zehn dann wirklich getanzt wurde.


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Gestern früh habe ich mich gefreut, weil ein alter Mann mit einem Tretroller vor mir hergefahren ist – und weil das schon der zweite innerhalb einer Woche war, obwohl man die doch sonst hier im Süden so selten sieht. Es hat tatsächlich eine Weile gedauert, bis ich ihn mit dem Fahrrad eingeholt hatte!

Gestern Abend habe ich mich gefreut, weil ich drei 189en gesehen habe. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass es doch nur zwei waren – denn eine der zwei, die jeweils rechts und links vom Herrn Picasso parkten, als ich das Fräulein Maus vom Training abholte, könnte auch die gewesen sein, die mir entgegengekommen war, nachdem ich das Fräulein Maus zwei Stunden vorher beim Training abgeliefert hatte.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188]


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In guten Händen (2)

Der kleine Patient geht heute den ersten Tag wieder in den Kindergarten.

“Er darf jetzt zwei Wochen lang nur weiches Essen essen”, hatte man uns extra nochmal eingeschärft im Krankenhaus. “Aber nach einer Woche darf er wieder in den Kindergarten?!”, hatte ich verunsichert gefragt. “Wie geht das denn dann dort mit dem Essen?” “Kein Problem”, hatte uns die Krankenschwester versichert, “sagt ihr einfach den Betreuern Bescheid, die leiten das an die Küche weiter, und dann bekommt er eine Woche lang gesondertes Essen.”

(Es gibt auch nach elf Jahren immer noch Dinge, von denen ich komplett überwältigt bin.)

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