Diese Woche hätte ich mir gewünscht, meine Tage hätten 48 Stunden. Aber irgendwie ging es auch mit 24. Und jetzt – hab’ ich Weihnachten! :-)

oder: die Wiederauferstehung des Moppe.

(Der Ähämann verbrachte vorgestern um Mitternacht eine Stunde lang sägend in der Sauna. Und ich habe mir gestern sehr dekorativ einen 2 cm langen Splitter durch den Zeigefinger gebohrt. Also er steckte drin und guckte rechts und links raus. *autsch* Selbstgemachte Weihnachtsgeschenke machen einfach am meisten Spass! :-) )

Heute waren wir mit meinem neuen „Einwandererkurs“ (demnächst mehr dazu), im Aboa Vetus & Ars Nova, wo unter Anderem gerade eine klitzekleine DDR-Ausstellung stattfindet. Alles sehr schön, aber…

… wir mussten NICHT jeden Tag mit Pionierkleidung in die Schule gehen, und Herr Fuchs und Frau Elster waren ganz sicher KEINE politischen Propagandafiguren!

Man hätte mich ja einfach mal fragen können.

Ganz begeistert war das Mäusemädchen von der Idee, einen Wunschzettel malen zu dürfen. „Mama?! WANN malen wir einen Wunschzettel?!“, fragte sie beinahe täglich. „Nächste Woche, wenn wir die Weihnachtssachen aufgebaut haben! Aber was willst du denn eigentlich drauf malen? Was wünschst du dir denn vom Weihnachtsmann?“ Das Mäusemädchen überlegte lange. Sie hätte sich gern was gewünscht, ist aber offensichtlich wunschlos glücklich. „Na,“ sagte sie nach einer Weile zögerlich, „einen Ball. Für draussen.“ „Aber du hast doch schon einen Ball für draussen, den roten mit den weissen Punkten!?“ „Ja, aber damit DU auch einen hast!“ „Oh, Mäusemädchen, das ist dolle lieb von dir, aber du kannst dir vom Weihnachtsmann ruhig was ganz für dich alleine wünschen!“ „Dann…“ sagte das Mäusemädchen bedächtig, „soll er mir einfach was ganz, ganz Schönes bringen!“ :-)

“Oh, das macht er bestimmt! Vielleicht kann er dir ja noch was zum Kochen für die Puppen bringen, die haben doch bisher nur Teller und Tassen…“, sage ich. (Denn ich hab’ da so einen Plan…) „Ja, eine Pfanne soll er mir bringen! Eine Pfanne hab’ ich nämlich noch nicht.“ „Oh, das geht bestimmt! Was meinst du, was das Mäuseknäbchen sich wünscht?“ „Bestimmt auch eine Pfanne. Oder einen Topf. Der kocht doch so gerne!“ (Das ist wahr. Stundenlang kann er sich mit dem Puppengeschirr oder unseren Töpfen beschäftigen.) „Ja, das glaube ich auch, dass er sich auch was zum Kochen wünscht. Na, da helfen wir ihm beim Wunschzettelmalen, ja?“

(Warum da oben drei Wunschzettel auf Abholung warten? Weil Lina sich selbstverständlich auch was zum Kochen wünscht!)

Als ich gestern Abend – nachdem das Mäuseknäbchen den ganzen Tag „Nee! Nee!!!“ geschrien, herzzerreissend nach „Mama! Mama!“ verlangt, sich alle fünf Minuten dramatisch auf den Boden geworfen und hinterher „Taan!“ (nämlich „wehgetan“) gejammert hatte (Aber das Fieber ist seit gestern Nachmittag endlich weg!) – endlich die Kinder ins Bett gebracht hatte (der Ähämann war zur Betriebsweihnachtsfeier), um danach endlich die letzten Kurshausaufgaben zu erledigen, zu denen ich in den letzten drei Tagen mit dem jammerigen Mäuseknäbchen nicht gekommen war, da rief das Mäusemädchen aus dem Elternbett (obwohl es versprochen hatte, dort alleine einzuschlafen): „Mama! Mama!!! Komm!“ „Och, mensch, Mäusemädchen, ich komm’ ja gleich ins Bett, aber ich will jetzt endlich noch ein bisschen Feierabend machen!“

„Mama!“, sprach das Mäusemädchen vorwurfsvoll, „Feierabend kann man doch auch im Bett machen!“

Merke: Beim nächsten Kind die Verabreichung der Masern-Mumps-Röteln-Impfung auf einen Freitag legen. Oder so, dass man genau eine Woche danach ganz sicher keine Pläne hat.

(Diese Woche letzte Kurswoche vom Finnischkurs. Ich wäre da eigentlich gern nochmal jeden Tag hingegangen.)

… is unner schennste Zeit!“

(Dieses Jahr zum ersten Mal kein Adventsheimweh. Nur Vorfreude. Vorfreude darauf, in zwei Wochen mit den Mäusekindern abends in Fenster gucken zu können, in denen Schwibbögen leuchten, in kleine Heimatmuseen mit ganz vielen Weihnachtsbergen drin zu gehen, über die Dörfer zu fahren und die Pyramiden auf den Marktplätzen anzugucken. Und Vorfreude darauf, zur Weihnachtsfriedensverkündigung wieder hier zu sein.)

Seit vorletzter Woche ist zu den Schweinegrippenvorsichtsmassnahmens-plakaten noch eins dazugekommen:

“Schütze dich und deine Angehörigen durch Impfung.”

Ganz unabhängig von dieser öffentlichen Aufforderung haben die Mäusekinder schon vor drei Wochen die Impfung bekommen.
(Ausschlaggebend für uns war, dass die Schweinegrippe zwar nicht unbedingt gefährlicher als eine normale Grippe ist, aber ansteckender, und die Mäusekinder die ersten wären, die die Schweinegrippe nach Hause schleppen würden. Erstens sind wir alle – genau aus dem Grund – schon oft genug krank, zweitens möchte ich demnächst wieder schwanger werden, und wenn möglich, würde ich gerne zumindest im ersten Drittel sowohl auf eine Impfung als auch auf eine Erkrankung verzichten wollen. ;-) )

Geimpft wird in Finnland ausschliesslich mit Pandemrix, und zwar genau nach Plan. Zuerst Schwangere (ähm, naja…), dann Risikogruppen, dann kleine Kinder, dann… Zuerst war der Plan in Turku so, dass, wenn die gesunden Kleinkinder dran sind, nicht nur die, sondern alle Kindergartenkinder geimpft werden, und zwar im Kindergarten selbst. Mal davon abgesehen, dass ich es ein bisschen befremdlich (aber sehr typisch finnisch) fand, dass wir freitags einen Zettel in die Hand gedrückt bekamen, am Mittwoch würden alle Kinder geimpft, Punkt (Selbstverständlich, stand in einem Nebensatz, nur wenn die Eltern das wollen, aber ich hätte mir mehr Informationen über Nutzen und Risiken der Impfung gewünscht, oder wenigstens einen Hinweis auf eine Informationsquelle.), fand ich das eigentlich eine sehr gute Idee, die Ausbreitung der Grippe einigermassen wirkungsvoll zu verhindern. Am Montag hiess es dann, das finnische Gesundheitsamt hätte angeordnet, dass sich auch Turku an die übliche Priorisierung nach Risikogruppen zu halten habe; in dieser Woche würden also nur unter Dreijährige geimpft, und auch nicht im Kindergarten, sondern in der eigenen neuvola. Hm. *grmpf*

Dort war es wie zu erwarten zu den Impfzeiten seeeehr voll, aber sehr wohlorganisiert. Gleich am Eingang bekam man ein Zettelchen mit einer Nummer zugeteilt, und bis zum Aufrufen drängten sich Eltern und Kinder spielend, bauend, bilderbücheranguckend und erzählend auf Stühlen, Wickeltischen und dem Fussboden. Niemand erzählte Schauergeschichten oder verbreitete Panik. :-) Als wir nach 40 min dran waren, hatten wir eine um Welten bessere neuvolatäti als unsere eigene erwischt. Sie fragte zuerst, wie alt die beiden seien, und ich antwortete wahrheitsgemäss, dass das Mäusemädchen schon über drei sei. „Hm,“ sagte sie, „wieviel älter als drei ist sie denn?“ „Naja, schon eine ganze Menge… Ich hätte es ja auch ganz gut gefunden, wenn beide wie geplant gleichzeitig im Kindergarten geimpft worden wären…“ „Ach, die gehen in den Kindergarten? Arbeitest du?“ „Ja.“ „Ja, also dann, dann wäre es ja wirklich Quatsch, wenn du nochmal kommen müsstest. Wenn die Kinder von der Impfung Fieber bekommen, dann musst du zwei Mal zu Hause bleiben…“ „… und mich nochmal anstellen…“ „Ja, genau. Nur… also eigentlich darf ich das Mäusemädchen nicht impfen, weil… aber ach. Ach, weisste, du brauchst nicht nochmal zu kommen. Aber erzähl’s nicht im Wartezimmer rum!“ :-)

(Das Mäuseknäbchen brüllte schon beim Anblick der Spritze wie am Spiess. Das Mäusemädchen sagte: „Ich weine nicht!“, und hat dann auch nur interessiert zugesehen.)

Nebenwirkungen haben wir keine bemerkt. Das Mäuseknäbchen hatte vier Tage später ein bisschen Fieber und Husten und Schnupfen, was wir möglicherweise für späte Nebenwirkungen der Impfung hielten – aber nur solange, bis wir erfuhren, dass unser Besuch – ungeimpft – die gleichen Symptome hatte. Da wird es wohl doch eine normale flunssa gewesen sein, die wir dem Besuch dann auch noch als Andenken mitgegeben haben.

Es ist wahr, dass hier recht selten kritisch hinterfragt wird, was von oben angeordnet wird. Aber ich finde es wunderbar, dass andererseits Dinge einfach nüchtern und realistisch betrachtet werden und niemand Panik schürt oder weiterverbreitet – weder vor der Schweinegrippe an sich („Und wenn das Virus dann mutiert, dann werden wir alle daran sterben!“), noch vor der Impfung („Ich lass’ mir doch kein Quecksilber ins Blut spritzen!“).

Und der Ähämann und ich, so ungeimpft, waschen uns weiterhin fein die Hände, husten in den Ärmel und bleiben zu Hause, wenn wir krank sind. ;-)

Letzte Woche bin ich seit langer Zeit mal wieder Bus gefahren, wegen Regenwetter und Kratzehals und so. Leider hatte ich mein Buch zu Hause vergessen. Aber wenn ich es dabeigehabt hätte, hätte ich bestimmt nicht den Monsterpickup vor dem neuen Krankenhaus gesehen, der die 65 im Kennzeichen hatte.

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