Eigentlich hatte ich ja die Schnauze voll von Wissenschaft und Uni und so. Eigentlich wollte ich ja zur Abwechslung gern mal was “Richtiges” machen. Deswegen bin ich ja im Moment eigentlich auch arbeitslos. Das heisst, eigentlich mache ich ja einen Kurs. Also, eigentlich mache ich ja gerade am Biologischen Museum ein Praktikum, das zu diesem Kurs gehört.
“Was hast du dir denn so vorgestellt?”, fragt mich Pekka, als ich zum Vorstellungsgespräch ins Museum komme, und redet gleich weiter: “Ich dachte ja, du könntest irgendein selbstständiges Forschungsprojekt machen, irgendwas im Stadtgebiet, was dir einfällt.” Mir fallen spontan die finnischen Igel ein, die bei Gefahr wegrennen, statt sich einzurollen. Oder die Flughörnchen, die es hier überall gibt. Oder diese überall hinscheissenden Hunde. “Frag doch mal den Timo aus der Uni, der hat ständig irgendwelche Projekte am laufen, der weiss bestimmt was für dich.”
Den Timo? Den frag ich gern! (Eigentlich wollte ich den schon seit ungefähr einem Jahr fragen, ob ich nicht mit ihm irgendwas planen könnte. Der macht eher so angewandte Sachen. Und der ist um Welten netter als mein etwas… äh… schwieriger Doktorvater. Aber irgendwie ist es ja auch ein bisschen komisch zu sagen: “Also der Erkki und ich, wir wollen beide auf keinen Fall mehr miteinander arbeiten. Aber kann ich vielleicht mit dir…?” Deswegen hab’ ich’s immer vor mir hergeschoben und dann doch nicht gefragt.)
Pekka fiel inzwischen auch noch was ein: “Weisst du, was du machen könntest? Du könntest die Kreuzottern im Stadtgebiet erforschen! Da weiss überhaupt niemand was drüber bisher, und wir könnten Leute befragen, und Schlangen kann man prima mit Mikrochips markieren und…”, schreibt er mir am nächsten Tag eine begeisterte email. Meine Begeisterung indes hält sich… in Grenzen. Kreuzottern?! Ich?! Mit meiner Schlangenphobie?! Also interessant ist das bestimmt, aber…
Von Timo kommt auch eine mail: “Kaarina und ich haben uns gerade ein Projekt ausgedacht mit Füchsen in der Stadt. Da kannst du auf jeden Fall mithelfen. Wir schreiben auch gerade einen Forschungsantrag, und wir haben gedacht, wir benennen dich als Postdoc für das Projekt. Wenn du willst. Lass uns doch mal in den nächsten Tagen darüber reden.” Das klingt toll! (Obwohl ich ja eigentlich nie wieder Wissenschaft und Uni und so…)
Wir treffen uns zwei Tage später, und bei diesem Treffen erfahre ich als erstes, dass der Antrag bis letzten Freitag eingereicht sein muss, also in acht Tagen. “Wärest du bereit, den Antrag zu schreiben?”, ist gleich die nächste Frage an mich. Zum Glück muss ich nicht ganz bei Null anfangen. Zum Glück bin ich nur die, die alles koordinieren muss, die, die als einzige in der Lage ist, Excel-Tabellen in Word-Dokumente einzufügen, und die am Ende sogar die Eingabefelder für die Budgetplanung auf den Seiten der Finnischen Akademie versteht.
Wir schicken den einen Antrag ab. Eigentlich will ich diese Woche wieder ins Museum gehen, mit Pekka einen Spurenlesekurs für Schulkinder, der in den Winterferien stattfinden soll, vorbereiten. Aber mit einem einzigen Antrag ist’s ja nicht getan. Am 15. Februar ist Deadline für Forschungsanträge bei einer weiteren Stiftung. “Da haben wir ja noch ein bisschen Zeit!”, sagen Kaarina und Timo. “Den muss ich ja dann auch diese Woche noch fertigmachen!”, seufze ich, denn der Antrag muss nicht nur online eingereicht, sondern auch ausgedruckt und unterschrieben mit der Post geschickt werden. Und da wir ab Samstag und bis nach dem 15. im “Blauen Mökki“ weilen werden, in dem es zwar theoretisch möglich ist, das Internet zu benutzen, aber unmöglich, irgendwas auszudrucken, muss ich also bis zur Abfahrt alles fertig haben.
Seufzend sitze ich seit zwei Wochen am Computer und versuche Leute davon zu überzeugen, dass nichts interessanter ist als Stadtfüchse zu erforschen. (Mensch, denkt doch mal, wenn die Tollwut doch noch nach Finnland kommt! Und der Fuchsbandwurm! Und das Ganze dann in der Stadt!!!) Seufzend denke ich daran, dass ich mal gedacht habe, ich wolle nie wieder Wissenschaft und Uni und so. Seufzend denke ich, wie schön das eigentlich wäre. Seufzend denke ich, wie gering die Chancen sind, überhaupt Geld bewilligt zu bekommen, und selbst wenn, dass das frühestens in einem Jahr sein wird.
Ich richte dann mal eine neue Kategorie ein. Bleibt abzuwarten, ob die ganz klein bleibt, oder vielleicht doch ganz gross wird.
…ist’s früh und abends eine Stunde länger hell.
(Nie (nie!) geht das allmählich. Jedes Jahr wieder fragt man sich eines Tages plötzlich: War es gestern auch schon so hell?)
In der ganzen Wohnung riechts nach Schaf.
Mäusemädchens Schlafdingens musste mal wieder gewaschen werden.
(Sie liegt immer noch bevorzugt mit dem Kopf am Fussende auf der Zudecke. Nicht zum Einschlafen, aber spätestens eine halbe Stunde danach.)
“Guck mal!”, sagt das Mäusemädchen.
“Ja, da ist ein kleines Mädchen. Das lernt auch gerade schlittschuhlaufen.”, sage ich.
“Neeeeiiiiin!”, sagt das Mäusemädchen, “Das ist doch Sandra!”
“Ah, Sandra.”, sage ich.
Das Kind hat mehr Bekannte als ich.
(Neulich waren wir im PRISMA: “Mama, guck mal!” “Ja, ein Junge im Einkaufswagen.” “Aber guck’ doch mal, Mama!” “Was denn?” “Da!” “Ja, der Junge sitzt im Einkaufswagen. Die sind jetzt schon dran. Die bezahlen gleich.” “Aber nein! Mama! Guck doch mal!” “Was meinst du denn?” “Mama! Das ist doch Leevi!” “Ah, Leevi ist das. Na sag’ das doch gleich!”)
“Hat denn Sandra auch noch ein Geschwisterchen im Kindergarten?”, frage ich später auf dem Heimweg.
“Nein. Sandra ist nur Sandra! Aber ich möchte noch ein Geschwisterchen! So ein Baby könnte ich ja schon tragen. Ich kann ja sogar das Mäuseknäbchen schon tragen!”
Nummer 1:
Während das Mäuseknäbchen und der Ähämann gemeinsam Mittagsschlaf machen (gestern war ich dran), gehe ich mit dem Mäusemädchen schlittschuhlaufen. Auf der Eisbahn sind grosse Jungs, die Eishockey spielen, grosse Mädchen, die richtig gut schlittschuhlaufen können, und etliche ganz kleine Mädchen und Jungs, denen man ansieht, dass sie heute erst das erste oder zweite oder dritte Mal auf Schlittschuhen stehen. Und dann ist da noch das eine Mädchen – wir kennen es vom Sehen, es ist ein klein wenig älter als das Mäusemädchen – das auf seinen winzigen Schlittschuhen nahezu perfekt hin und her rast.
Als das Mädchen und seine Mutter sich auf den Heimweg machen, wird das Mädchen – in den Kinderwagen verfrachtet und heimwärts geschoben!
(Kein Einzelfall. Ich sehe hier ständig drei- und vierjährige Kinder, die noch im Wagen gefahren werden. Und wundere mich nicht nur über die Eltern, sondern auch über die Kinder – unsere blieben nie so geduldig im Wagen sitzen. Schon das Mäuseknäbchen bevorzugt es, selbst zu laufen, und wehe, Mama oder Papa haben es eilig und heben ihn in den Wagen!)
Nummer 2:
Als wir dann auch nach Hause gehen, begucken wir einen Hund am Wegrand. Nur, weil sein Frauchen ihn zurückhält, fällt mein Blick auf den Haufen, den er gerade gemacht hat. Ah, denke ich, wenn sie ihn so zurückhält, wird sie wohl gleich eine Tüte rausholen und den Haufen einsammeln. Aber die Frau geht hin, und schiebt mit ihren Schuhen Schnee über den Kackhaufen. “Na das nützt ja viel!”, sage ich grimmig zu ihr. “Ich sammle das dann ein, wenn ich zurückkomme.”, sagt sie zu mir.
Klar. Glaub’ ich sofort!
(Leider auch kein Einzelfall.)
Gestern mal den Kindern gezeigt, wo die teuren finnischen Tomaten herkommen.
Halsschmerzen und tropfende Nase. Hatte ich ja mindestens schon sechs Wochen nicht mehr…!
Danke für das hübsche Souvenir aus dem Kindergarten, Mäuseknäbchen. Dafür teile ich jetzt auch guten Gewissens mein Fläschchen Babynasentropfen mit dir.










