Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Zwei Tage Winter

Für Donnerstag war Schneeregen vorhergesagt. Er kam schon Mittwochabend, und als wir Donnerstagfrüh aufstanden, war alles weiss. Mindestens zehn Zentimeter Neuschnee!

(Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, wie schnell das hier geht!)

Das Fräulein Maus durfte die ersten Tapsen in die unberührte Schneedecke machen. Der kleine Herr Maus hüpfte vor Freude, weil er seinen Schneeanzug anziehen durfte.
Zwei Abende lang habe ich die Kinder nur zwischen Schneehaufen gesehen und mit den Nachbarskindern um die Wette juchzen gehört. (Ab und zu kam einer heim und tauschte ein Paar nasse Handschuhe um. Oder bat um noch einen Poporutscher.) Sogar der Akseli hatte ein Einsehen und liess den Kindern mit den Worten: „Den Schnee könnt ihr ja dann später selbst wegmachen!“ ihre Rodelbahn, die über den Fussweg führte.
Als ich gestern nach Hause kam, begrüsste mich schon von weitem ein riesiger, freundlicher Schneemann , den die Nachbarskinderschar* gemeinsam an für alle gut sichtbarer Stelle – „Und nachts wird er sogar beleuchtet! Wir haben ihn nämlich unter die Laterne gebaut!“ – errichtet hatte. Er trug den Schal, den ich dereinst für den Damals-noch-nicht-Ähämann gestrickt hatte, um den Hals und ein Sandeimerchen des jüngsten Nachbarskindes auf dem Kopf. Vor allem war er riesig – grösser jedenfalls als das grösste Nachbarskind, und stolz berichteten sie mir, wie sie es dennoch gemeinsam und ohne Hilfe von Erwachsenen geschafft hatten, die gewaltigen Kugeln so weit hoch zu hieven.
Ich himmelte zwei Tage lang den Schnee an roten Vogelbeeren und gelben Birkenblättern an. (Das gibt es nämlich nicht so oft.)

Jetzt regnet es übrigens. In Strömen.


*Als wir hierherzogen, gab es ausser unseren Kindern nur zwei Vorschulmädchen, die sich zu gross dafür waren, mit dem zwei Jahre jüngeren Fräulein Maus zu spielen. Jetzt haben wir hier auf dem Hof eine ganze Horde von Kindern zwischen 3 und 12, die jede freie Minute zusammen draussen verbringt. Wie so Bullerbü, hier bei uns.


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Schnee an Frühblühern

Der kleine Herr Maus war ja gleich dagegen.

„Tulpen im Schnee?! Was ist denn das für ein Quatsch?! Das ist doch kein Frühlingsbild!“, protestierte er, als ich kurz vor Ostern meine Lieblingswinterpostkarten gegen meine Lieblingsfrühlingspostkarten tauschte.

Ich mag diese Postkarte aber. So ist der finnische Frühling nun mal. Oft jedenfalls. Also im April.

Jetzt aber haben wir Mai.

Ich tausche das Bild jetzt sofort um. Gegen eine Sommerpostkarte!

(Heute vor einem Jahr war T-Shirt-Wetter. Ich kann’s beweisen!)


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Urlaub auf der Insel

Mit der liebsten Freundin jeden November drei Tage Kurzurlaub in Helsinki zu machen, ist eine ganz wunderbare Tradition.

Vor allem deshalb, weil wir ausser „stundenlang in Cafés herumsitzen und ungestört reden“ und „stundenlang planlos durch die Stadt laufen und ungestört reden“ nie irgendwelche Pläne haben. Soooo schön! Soooo erholsam!

Und weil wir immer total idyllisch und überhaupt nicht wie in der Hauptstadt auf Suomenlinna wohnen, einer ehemaligen Festungsinsel, die heutzutage ein Stadtteil von Helsinki ist – mit Mietwohnungen in historischem Gemäuer, einem Kindergarten, einer Grundschule und einer Kirche mit… äh… Leuchtturm.

Auf die Insel gelangt man nur mit der Fähre, und das ist vielleicht das Allerbeste: mehrmals täglich am Südhafen ankommen zu können, und mehrmals täglich auf den blinkenden Leuchtturm von Suomenlinna zufahren zu können.

Auf der Insel fahren keine Autos, und im November gibt es auch fast keine Touristen. Diesmal waren die Fähre und die ganze Insel allerdings aussergewöhnlich voll: es gibt dort wohl viele und seltene Pokemons zu fangen.

Wir amüsierten uns ein bisschen über die vielen Pokemonjäger, die mit gezücktem Handy von der Fähre marschierten und dann die Köpfe nicht mehr hoben, und liessen uns lieber die Novembersonne auf die Nase scheinen und hüpften vor Freude über den ersten Schnee und über die vielen Plätze und Wege auf der doch recht kleinen Inselgruppe, die wir in den letzten Jahren trotz ausgedehnter Spaziergänge noch nicht entdeckt hatten.

Wir können da noch viele weitere Jahre hinfahren, ohne dass uns langweilig werden wird. Auch ohne Pokemons.