Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Spätsommer

Eigentlich wäre Samstagabend Sommerverabschiedung Nacht der Urfeuer gewesen.

Dass wir da dieses Jahr nicht hingehen würden, war mir schon lange klar.

(Es wird wohl auch eine Adventszeit ohne öffentliches Weihnachtsliedersingen und ein Heiligabend ohne Weihnachtsfriedensverkündung werden dieses Jahr.)

Sehr komisch fand ich jedoch, dass sämtliche kleinen Veranstalter – hier oder hier – die Veranstaltung dieses Jahr wegen Corona abgesagt hatten, Städte wie Naantali die Urfeuernacht jedoch mit allem Pipapo – Livemusik, Dampferfahrten, gemeinsamer Gottesdienst – begingen, als wäre nichts.

Wir fuhren nochmal in unsere Samstagssauna – solange noch Sommer ist und die Sauna geöffnet! Und legten zur Feier des Tages Thüringer Rostbrätel auf den finnischen Grill.


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Seentour in Vakka-Suomi

Als wir neulich mal wieder nach einer Badestelle suchten, an der wir noch nicht waren, fiel uns auf, dass es ein Stückchen nordwestlich von Turku, in einer Gegend, in der wir eigentlich nie sind, jede Menge Seen gibt. Nicht so grosse Seen wie in Mittel- oder Ostfinnland, eher so Seechen, aber viele davon mit Badestrand.

Das schrie nach einer Seentour am nächsten Wochenendtag mit Badewetter! Am Samstag packten wir Badezeug und Mittagessen ein und machten uns auf den Weg.

Es fing nicht gut an, denn gleich am ersten See fanden wir den öffentlichen Strand nicht. Es endete fantastisch, denn der letzte See war nicht nur der schönste, sondern dort war sogar die Sauna angeheizt. Dazwischen fuhren wir sehr viele kleine, unbefestigte Achterbahnstrassen und schwammen zwischen Seerosen und vor uns davonhuschenden Wasserläufern. Die Herren Maus zogen sich irgendwann gar nicht mehr um, sondern stiegen gleich mit Badehose ins Auto, bevor wir weiterfuhren zum nächsten See.

Kaukjärvi

Taipaleenjärvi

Isosalmi

Ups, das ist gar kein See. Sondern die Ostsee.

Kivijärvi

Als wir den letzten See verliessen, stand die Sonne schon seeehr tief. Abendbrot bei Kerzenschein auf der Terrasse machte den Tag perfekt.

Die Kombination warm & dunkel gibt’s hier nämlich nur im August. Manchmal.


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kolmesataaseitsemänkymmentäkaksi

Diese Woche gingen unsere Tage dahin zwischen Garten, Erdbeerfeld und Strand. Es ist Hochsommer – 30 Grad und wolkenloser Himmel, wunderbar!

Gestern, auf einem Kreisverkehr auf dem Rückweg vom Erdbeerfeld, kam uns eine 372 entgegen. Glaube ich. Ich sah sie nur aus dem Augenwinkel. Das ist jetzt aber kein Regelverstoss, denn egal, ob es nun wirklich eine war oder nicht, heute kam uns eine andere 372 – ein gelbes Pakettiauto! – gleich zwei Mal entgegen: einmal auf dem Weg zu Strand, und einmal, als wir hinterher vom grossen Supermarkt kurz vor zu Hause, vor dem wir abends um neun noch im Abendsonnenschein und mit Blick auf den Fluss und Felder das obligatorische Sommereis gegessen hatten, gerade wieder losgefahren waren.

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Mittsommer 2020

2020 ist alles anders.
Sogar Juhannus.

Dieses Jahr gab es keine Juhannusfeuer – keine privaten wegen Waldbrandgefahr, und keine öffentlichen wegen Corona.

Dafür war das Wetter aussergewöhnlich schön: fast 30 Grad und Sonne, beides bis spätabends. (Normalerweise feiern wir Juhannus in Wollpullovern und mit Mützen. Und manchmal verbringen wir Juhannus komplett in der Sauna.)

Und so packten wir einfach den Picknickkorb und blieben bis Sonnenuntergang um 23 Uhr am Lieblingsstrand.

Während des Abendbrots musste ein aus dem Wasser geretteter Marienkäfer aufgepäppelt werden.

Und fuhren danach durch die helle Nacht nach Hause.

Und das – die langen Abende und die hellen Nächte – ist schliesslich die Hauptsache an Mittsommer!


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Eine Kontoeröffnung auf Finnisch, kein eigenes Mökki und ein Plüschhase

Kindgerechter Kundendienst.

Der grosse Herr Maus hat zum Geburtstag ein eigenes Bankkonto bekommen. Nur eröffnet musste es noch werden. Das hat sich angesichts der aktuellen Umstände ein bisschen verzögert, aber gestern, bevor wir zum Strand fuhren, nahmen wir das endlich in Angriff. Wir mussten zu dritt antanzen – zusätzlich zum zukünftigen Kontoinhaber beide Erziehungsberechtigte – aber wir Eltern waren eigentlich nur dazu da, ab und zu eine Unterschrift zu leisten. Ansonsten hat die Bankfrau die ganze Zeit direkt an ihn gewandt („Dein Konto…“) mit dem grossen Herrn Maus gesprochen, nie über seinen Kopf hinweg („Sein Konto…“) nur mit uns. Zum Schluss hat sie ihm noch sehr ausführlich und kindgerecht erklärt, dass er gut auf seine Karte und seinen PIN-Code aufpassen muss und dass es z.B. wichtig ist, dass er es uns gleich sagt, falls er seine Bankkarte doch verliert. Ich war hin und weg.

Im gleichen Supermarkt – ja, unsere Bank ist im Supermarkt – haben wir übrigens schon mal was ähnlich herzerwärmendes erlebt.

***

Statt Mökki.

Weil es am Mittwoch so schön war, hatten die Kinder den Wunsch geäussert, am Samstag gleich wieder an den Saunastrand zu fahren. Mittwochs und samstags nämlich ist die Sauna für alle von 12 bis 20 Uhr angeheizt. Es ist nie überlaufen dort – oft sind wir lange Zeit ganz allein dort und immer die, die am längsten bleiben – und alle Leute, die wir dort treffen, sind immer ausgesprochen nett. Wer braucht schon ein eigenes Mökki, wenn man zweimal in der Woche so einen wunderbaren Badestrand mit Steg und Sauna und Feuerstelle haben kann?! Wir jedenfalls nicht.

***

Kindchenschema.

Als wir im Abendsonnenschein vom Strand durch den Wald zurück zum Auto liefen, sass plötzlich am Wegesrand ein junger Hase. Er hatte noch ganz flaumiges Fell, und ich musste fast ein bisschen quietschen, weil er so süss aussah. Er liess sich lange von uns beäugen und rührte sich nicht von der Stelle.

Jetzt ist dann auch wieder die Zeit im Jahr, wo man für jeden Vogel auf der Strasse bremsen muss, weil die gerade ausgeflogenen Vogeljungen – man kennt das ja von Menschen – alle an Selbstüberschätzung leiden.


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Ein Sommerausflug

Weil es in Rauma diese Woche so schön leer war, beschlossen wir, dass genau jetzt auch der richtige Zeitpunkt wäre, endlich mal die 140 km nach Hämeenlinna zu fahren und die gewaltige Burg anzugucken.

Ausser der Burg gibt es in Hämeenlinna noch das Geburtsthaus von Jean Sibelius sowie eine Kirche, die kein Geringerer als Gustav III. von keinem Geringeren als seinem französischem Hofarchitekten nach keinem geringeren Vorbild als dem Pantheon in Rom entwerfen liess. (Sie sieht aber nicht so grössenwahnsinnig aus wie es sich anhört.) Ansonsten hat auch Hämeenlinna eine typisch finnische Innenstadt. Macht aber nichts, wir schlugen uns hauptsächlich die Bäuche mit leckerem Essen voll und spazierten einmal durchs ganze Stadtzentrum.

Dann traten wir die Heimfahrt an. Sommerferien aber sind, wenn man unterwegs noch an einem Badestrand anhält, egal, wie spät es schon ist und wie viele Kilometer Heimfahrt noch vor einem liegen. Sowieso wird es um diese Jahreszeit erst abends richtig schön.

Wir blieben, bis nur noch die Dorfjugend ums Würstchenfeuer herumlungerte und finnische Schlager aus übergrossen Lautsprechern dudeln liess. Vom anderen Seeufer rief ein Kuckuck. Wir holten unsere Brote aus dem Auto, die der Ähämann früh für den Fall, dass wir unterwegs nichts zu essen kein geeignetes Restaurant finden würden, geschmiert hatte, und machten Abendbrot im Abendsonnenschein. Dann sprangen wir alle nochmal ins Wasser.

Erst halb zehn traten wir die letzten 80 km Heimfahrt an. Nie fahre ich so gern über die Landstrassen wie in diesem weichen Sommerabendlicht, das nicht aufhört, sondern mit jeder Stunde schöner wird.

Almost home. ♥

Welch ein Geschenk, dieser Juni!


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Ein finnischer Sommertag

Als wir heute früh mittag aufgestanden waren, teilten uns die Kinder mit, sie wollten an den Strand. Aber weil der kleine Herr Maus abends noch Training hatte, brauchten wir einen Strand in der Nähe.

Sogar die Sauna war geöffnet und angeheizt, mit Coronaregeln: möglichst nur mit der eigenen Familie saunieren, und ansonsten nicht mehr als vier Leute gleichzeitig in die Sauna.

Nicht, dass wir die Sauna heute – so wie den ganzen letzten Sommer! – gebraucht hätten, um uns überhaupt ins Wasser zu trauen; aber ausser einem Badesteg gehört eben auch eine Sauna zu einem richtigen finnischen Sommertag. Und ein Würstchenfeuer! Mittagessen war an der ebenfalls zum Strand gehörigen Feuerstelle ratzfatz zubereitet, so dass die Zeit hinterher für nochmal Sauna und nochmal schwimmen und nochmal in der Sonne aufwärmen und nochmal schwimmen reichte, bevor wir losmussten.

Zwischendurch war eine Schwanenfamilie mit sechs Jungen an den Strand geschwommen gekommen. Als sie weiterzogen, kam es zu einem erbitterten Kampf zwischen dem Familienvater und einem Junggesellen. Keiner gab nach. Alle elf Menschen am Strand guckten besorgt zu, bis eine Frau beherzt ins am Ufer liegende Rettungsruderboot sprang, hinruderte und den Schwänen mit resoluter Stimme zurief: „Hört auf! Hört sofort auf! Alle beide!“ Ich musste ein bisschen in mich hineinkichern. Aber die beiden Zankhähneschwäne hörten tatsächlich auf sie: der Junggeselle schwamm beleidigt in seine Bucht zurück, und die Schwanenfamilie zog in die andere Richtung von dannen.