Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Theater, richtiges

In meiner Geburtsstadt gibt es ein altehrwürdiges Opernhaus – mit einem allerdings nach einer noch zu DDR-Zeiten in Angriff genommenen Renovierung hochmodernen Innenleben – in dem ich mit sechs oder sieben Jahren das erste Mal zu einer Kindervorstellung war. Meine Eltern hatten ein Theaterabo, und als ich ein bisschen älter war, überliess mir manchmal meine Mutter ihren Platz. Als man nach der Wende auch so ein Theaterabo nicht mehr nur durch Glück und Zufall ergattern konnte, bekam ich auch eins, und ging, bis ich anfing zu studieren und in eine andere Stadt zog, viele Jahre regelmässig mit meinen Eltern ins Theater. Zuletzt war ich mit dem Ähämann vor ein paar Jahren bei einem Advents-Heimaturlaub da.

In all den Jahren war ich beeindruckt von der Atmosphäre in so einem grossen, richtigen Theater. In der Pause stiegen wir immer hinauf auf den obersten Rang, und als ich vor ein paar Jahren mit dem Ähämann da stand, war ich noch genauso beeindruckt wie 30 Jahre zuvor bei meinem allerersten Theaterbesuch.

Die paar Male, die ich bisher hier mit unseren Kindern im Theater war, war ich immer ein bisschen enttäuscht, weil die Theateratmosphäre so ganz fehlte: weil Kindertheater immer auf einer kleinen Nebenbühne oder im Jugendtheater stattfand. (Vom Fehlen eines richtigen Opernhauses in Turku ganz zu schweigen.)

Bis gestern. Da waren wir in Finnlands kitschigstem ältestem Theater – an dem übrigens, wie könnte es anders sein, auch mein Freund Engel mitgewirkt hat – und sahen eine sehr schöne, moderne, aber kindgerechte „Schneekönigin“. Die Karten hatte uns der Weihnachtsmann gebracht, und die Kinder waren eher skeptisch gewesen: Theater ist ihnen zu fremd. Sie sassen dann aber sehr gebannt auf ihren mit dem gleichen Stoff wie die Theatersessel bezogenen Sitzkissen, die im Foyer extra für Kinder ausliegen. Konzentriert horchten sie auf das viele Schwedisch und bisschen Finnisch, das im Theaterstück gesprochen wurde, wunderten sich, warum das Stück denn „so kurz“ (anderthalb Stunden!) gewesen sei, stiegen mit uns in der Pause hinauf in die Ränge und fragten schon, als gerade der Schlussapplaus verhallt war, ob wir da mal wieder hingehen können.

Können wir.
Und als nächstes müssen wir mal einen Opern- oder Ballettausflug nach Helsinki machen.


Ein Kommentar

Im Finstern

Wochentags, wenn sie abends aufhat, in die Eisbadesauna zu gehen, ist etwas ganz Besonderes für uns. Ich liebe es, ins schwarze Meer zu tauchen, und von der Saunabank aus die Seezeichen rot und grün blinken zu sehen.

Ausserdem muss man das Elend nicht mitansehen, sieht man dann nicht so genau, dass – typisch Turkuer Winter! – sich die Schneepracht gerade mal wieder in Matsch und Glatteis verwandelt hat.


Hinterlasse einen Kommentar

Weihnachten wie immer

„Nein, Mama, wir wollen alles so machen wie immer!“, protestierten drei Kinder, als ich vorschlug, dieses Jahr vielleicht nicht mehr zum Kindergottesdienst zu gehen, sondern ein bisschen später zu einem anderen.

Unser Weihnachten war also wie immer: mit Weihnachtsfriedensverkündung, Milchreis (der unterm Federbett quillt in unserem Bett schläft, während wir weg sind) zum Mittagessen, Kindergottesdienst, Geschenken unterm Baum und Weihnachtssauna.

Und mit -10 Grad und Schnee!!!
(Und das ist sehr viel mehr, als wir an einem „Weihnachten wie immer“ erwarten dürfen!)

Mein schönster Moment des Tages – neben dem, als alle schon aus der Kirche hinausströmten und der Organist noch in der kerzenbeleuchteten Kirche Händels „Ave Maria“ spielte – war dann auch, nach der Sauna dampfend auf der Bank im verschneiten Garten neben dem schneebedeckten, funkelnden Weihnachtsbaum zu sitzen.


4 Kommentare

22. Dezember

Heute war letzter Schultag und erster Ferientag zugleich.

Letzter Schultag, weil es Zeugnisse hier grundsätzlich am Samstagmorgen gibt, mit Eltern. Finde ich ja eigentlich nicht schlecht, aber wo die Weihnachtsferien sowieso schon so kurz sind…! Wir quälten uns heute also um 6:30 Uhr aus dem Bett, dann gingen die Kinder voraus in ihre Schulen, und wir kamen eine Stunde später nach. Der Ähämann nahm das Auto, ich den Tretschlitten. In der Schule sangen wir sehr lustige Weihnachtslieder, dann gab es Zeugnisse. Um zehn fingen endlich die Ferien an.

Statt Grossputz oder Weihnachtslebensmitteleinkauf machten wir die erste Skitour der Saison.

Den Kilometer Kunstschneeloipe, auf dem sich die Fitnessjünger drängten und fast über den Haufen fuhren, liessen wir links rechts liegen und bogen auf einen ausgedehnten Teil des Turkuer Loipennetzes ab, der zwar noch nicht gespurt ist, aber wunderbarst zu befahren war, und auf dem wir insgesamt drei Skifahrern begegneten. Ich wusste noch gar nicht, was für schönen Wald wir mitten in der Stadt haben…! Und es schneite einfach immer weiter und weiter und weiter…! Nur mit dem Tageslicht war es, am kürzesten Tag des Jahres, nicht weit her. Zum Glück sind die Loipen hier alle beleuchtet, sonst hätten wir uns seeehr beeilen müssen, rechtzeitig wieder zurück zu sein.

Die letzte Skitour zu Ostern, die erste kurz vor Weihnachten, dazwischen ein Rekordsommer. Was für ein wunderbares Jahr! <3


3 Kommentare

18. Dezember

Wenn man keinen erzgebirgischen Weihnachtsberg haben kann – der allerallerschönste steht übrigens in Mauersberg – dann tut es auch das Weihnachtsschaufenster von Stockmann.

Zum Glück hat uns der kleine Herr Maus dran erinnert. Ich denke da oft nicht dran, aber vor allem für die Helsinkier Kinder – wir haben hier in Turku ja nur einen kleinen Ableger des grossen Kaufhauses – ist das Weihnachtsfenster eine der Adventstraditionen.

Das Weihnachtsschaufenster gibt es seit 1949, und es ist jedes Jahr anders. Dieses Jahr fahren Schafe Karussel und Riesenrad und kaufen auf dem Weihnachtsmarkt ein.

Ewig kann man davorstehen und immer noch ein Detail entdecken!