Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Reiserückblick (6): Die Leuchtenburg

Als der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich noch in Jena wohnten, konnten wir die Leuchtenburg von unserem Wohnzimmerfenster aus sehen.

Wir waren auch ein paarmal da, mit dem Fahrrad, und einmal feierten wir in der damals auf der Burg befindlichen Jugendherberge mit Kommilitonen eine Weihnachtsfeier mit Übernachtung, aber auf der Burg gab’s eigentlich nichts weiter zu sehen und man konnte auch nicht rein.

Seit ein paar Jahren gibt’s nun aber auf der Leuchtenburg – denn sie liegt direkt über der Porzellanstadt Kahla – ein Porzellanmuseum, von dem uns bisher alle Leute nur vorgeschwärmt hatten.

Wie das übrigens so ist mit Kindern – kaum ist alles einfacher, weil keiner mehr gewindelt oder gefüttert und ständig im Auge behalten werden muss und das Trotzalter endlich bei allen überwunden ist, findet das grösste Kind plötzlich alles doof, was die Eltern vorschlagen, und das mittlerste tutet aus Solidarität prompt ins gleiche Horn, und nur das kleinste legt noch kindliche Neugierde und Begeisterung an den Tag. Zwei wollten jedenfalls unter gar keinen Umständen in so ein „doofes Museum“ und viel lieber den ganzen Tag im Freibad verbringen.

Seltsamerweise waren dann aber drei Kinder überaus begeistert. Zwei Erwachsene auch. Das Museum ist nämlich ganz, ganz wunderbar. Man darf Sachen anfassen und ausprobieren, es werden Geschichten erzählt, es gibt die grösste Vase und die kleinste Teekanne der Welt dort zu sehen… und vor allem ist das Museum nicht bierernst.

Am Ende kann man sich einen Porzellanteller nehmen, mit nur im Schwarzlicht sichtbarem Stift seinen grössten Wunsch draufschreiben und ihn von einem hohen Steg den Burgberg hinunterwerfen.


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Die schönste Ferienwoche des Jahres

Mal davon abgesehen, dass ich damals, als ich anfing, ein Instrument zu lernen, noch nicht mal frei wählen durfte, welches Instrument ich gern spielen würde – denn auch die Musik unterlag in der DDR der Planwirtschaft, und ich durfte damals wählen zwischen Klavier und Geige, wobei Klavier aus Platzgründen von vornherein ausfiel – musste man auch jahrelang für sich allein im stillen Kämmerlein Etüden üben, bevor man mal etwas durfte, was wirklich Spass gemacht und motiviert hätte: gemeinsam musizieren nämlich. Erst ab der fünften Klasse hätte man ins Orchester gedurft, allerdings auch nur unter der Bedingung, dass man wirklich schon herausragend gut spielen kann. (Ja, ich hab‘ nach drei Jahren die Geige an den Nagel gehängt.)

Deswegen bin ich so froh, dass z.B. das Fräulein Maus von Anfang an mit anderen gemeinsam musizieren durfte. Deswegen – und auch weil sie letztes Jahr so grosse Freude daran hatte, im Musiklager im Orchester mitzuspielen, hat sie dieses Frühjahr auch in einem Orchester des Konservatoriums mitgespielt. Wir hätten es uns eigentlich gleich denken können: das war leider eine wenig motivierende Erfahrung und das Konzert eine einzige Werbeveranstaltung für das Konservatorium, bei der nicht die Musiker, sondern die ach-so-tolle Institution im Mittelpunkt standen. Wir alle trösteten uns damit, dass das Fräulein Maus auch diesen Sommer wieder zum Musiklager in den Nachbarort gehen würde.

Dort vollbringen sie wahre Wunder – am Montag kommen die Kinder da hin, haben noch keine Note für ihren Orchesterpart gesehen, manche haben vielleicht noch nie in ihrem Leben in einem Orchester gespielt, und ab Donnerstag schon spielen sie für sie völlig neue Stücke als Solisten oder mit wenigen anderen auf verschiedenen Konzerten – das Fräulein Maus trat z.B. gemeinsam mit allen anderen sieben Harfen, aber auch allein mit einem kleinen Hornbläser auf – und am Sonntag spielen sie im Orchester wie die Profis. (Und dann klatscht der Dirigent des Blasorchesters der Kleineren nach dem Auftritt beim Rausgehen alle einzeln ab, und mir wird ganz warm ums Herz.)

„Das mit dem Orchester im Konservatorium schenken wir uns nächstes Jahr“, sage ich zum Fräulein Maus, „aber hierher kannst du meinetwegen die nächsten zehn Jahre gehen!“ (Und ich sage das auch aus purem Eigennutz, weil ich die Konzerte dort alle so wunderschön finde.) „Und danach auch noch!“, antwortet sie, und dann geht sie ihre Harfenlehrerin und ihre neuen Freundinnen zum Abschied umarmen. Und: „Ich fänd’s schön, wenn das Musiklager vier Wochen dauern würde statt nur eine!“ seufzt sie.


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Ein perfekter Ferientag

Das Fräulein Maus zum Musiklager fahren, mit dem Rest der Familie weiterfahren auf die übernächste Insel, Baden am Lieblingsstrand, danach schnell die T-Shirts gegen Hemden und das Sommerkleid gegen ein feineres Kleid tauschen und zum Abendkonzert der Musiklagerteilnehmer – nacheinander eins in der Kirche, in der wir letztes Jahr Weihnachtslieder sangen, eins in einem alten Gutshaus und eins in den Ruinen einer alten Burg – auf der nächsten Insel eilen.

Ein Holztransport!

Halb zehn, als wir heimfuhren, schien die Sonne immer noch.
Auch halb elf noch, als die Kinder endlich in ihre Betten sanken.


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Reiserückblick (5): Die Lieblingsaussicht vom Lieblingsturm

Der Turm – auch genannt „Penis jenensis“ oder „Keksrolle“ – ist vielen ein Dorn im Auge.

Ich liebe ihn sehr.

Ich war jahrelang in seinem Erdgeschoss mittagessen und mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann Tanzkurs machen und zumindest im ersten Studienjahr, bevor sie geschlossen wurde, in der Cafeteria im 26. Stock Kaffee trinken und eine Zeitlang im 8. Stock Tschechisch lernen und ein paar Monate lang habe ich sogar im 10. Stock, da war er schon nicht mehr der Uniturm, gearbeitet. Auch deswegen hänge ich an ihm.

„Können wir auch wieder auf den Turm hoch?“, fragten die Kinder. Natürlich! Wir fuhren diesmal im Abendsonnenschein hoch und blieben so lange oben – man kann sich ja sowieso gar nicht sattsehen! – bis überall unter uns die Lichter angingen.

Ohne den Turm wäre Jena nicht Jena.


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Reiserückblick (4): Freibadtourismus

Ich habe es, glaube ich, schon mehrfach erwähnt: oft haben wir kein Glück mit dem Urlaubswetter. Während wir weg sind, herrscht bei uns zu Hause eine dreiwöchige Hitzewelle, während wir bei 15 Grad und Regen durch die Schweizer Berge stapfen. Zum Beispiel.

Juni ist, das haben wir nun nach vielen, vielen Versuchen gelernt, die beste Zeit für einen Sommerurlaub: während es vor Mittsommer in Finnland eher kühl ist, ist in Mitteleuropa schon richtiger Sommer. Man kann sich natürlich auch darauf nicht verlassen, aber dieses Jahr hat es jedenfalls geklappt.

Es war so heiss, dass wir in der Urlaubswoche in Jena fast jeden Tag ins Freibad gingen. Und zwar jeden Tag in irgendein anderes Freibad der Umgebung. Und zwar immer gleich vormittags, wenn die armen Thüringer Schulkinder noch in der Schule hocken mussten und wir das Freibad fast für uns allein hatten.

(Anders ertrage ich deutsche Freibäder auch nicht mehr.)


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Reiserückblick (3): Die Lieblingsheimatstadt

Über Jena habe ich eigentlich alles schon gesagt.

Nach Jena kommen ist immer noch wie nach Hause kommen.

Die Kinder gingen jeden Morgen begeistert zum Bäcker Frühstück kaufen. Wir führten die Kinder in die Lieblingsstudentenkneipe und assen jeden Tag einen Eisbecher. Wir bestiegen bei 33°C den Jenzig und die Kinder stellten in den Kernbergen einen neuen Wanderrekord auf. Wir besuchten den Lieblingsbuchladen, den – zwei Kinder brauchten ein grösseres Fahrrad – Lieblingsfahrradladen, das Planetarium, die Leuchtenburg, den Erfurter Zoo, die Freibäder der Umgebung, den Lieblingsturm und die Freunde, mit denen immer ein Feuer gemacht werden muss.

Aus Jena wieder wegfahren fällt immer noch schwer.


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kolmesataaneljä

Die 304 stand in Stockholm am Hafen vor uns. Nützte mir leider nichts, denn es war ein schwedisches Kennzeichen.

Als ich aber heute Vormittag des Fräulein Maus‘ Harfe ins Musiklager im Nachbarort fuhr – sie selbst war in aller Frühe erst noch zum Training geeilt und fing die Musiklagerwoche erst nachmittags an, das vielbeschäftigte Kind – begegnete mir gleich hinter der Autobahnabfahrt eine 304.

Zu irgendwas muss dieses tägliche Hin-und-Her-Gefahre während der Musiklagerwoche ja gut sein…!

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Reiserückblick (2): Im Irrgarten

Unser Urlaub stand diesmal unter dem Motto: Wir besuchen alle Plätze in Mitteleuropa, die uns lieb sind und an denen wir schon lange nicht mehr waren.

Damit kann man natürlich auch schon auf der Reise anfangen, denn der Weg ist ja bekanntlich das Ziel, und wenn man früh um sechs schon in Rostock ankommt und dann nur 450 km zu fahren hat bis zur ersten Station der Reise, dann hat man ja auch reichlich Zeit.

Man kann zum Beispiel die Elbe statt über eine Autobahnbrücke mit einer kleinen Strömungsfähre überqueren. Diesmal den Wörlitzer Park aber links liegen lassen und stattdessen den nahe gelegenen Irrgarten ansteuern.

Die Kinder wollten ja nicht glauben, dass der wirklich gross und schwierig ist. Man könne da doch sicher sowieso über die Hecken drübergucken! (Kann man nicht. Die sind zwei Meter hoch.) Und wir mögen sie doch bitte allein laufen und sich voreinander verstecken lassen! (Aber bitte, gern. Ein jeder muss schliesslich seine Erfahrungen selber machen.) Denn nur so ein bisschen den Weg zur Aussichtsplattform in der Mitte suchen, das sei doch total langweilig!

Nun. Nach einer Viertelstunde trafen wir uns nach und nach alle wieder. Bis auf den grossen Herrn Maus, dem wir am ehesten einen Panikanfall zugetraut hätten, der aber unbeirrt allein weitersuchen wollte und schliesslich tatsächlich als Erster den Weg zur Aussichtsplattform fand und dort dann geduldig auf uns wartete und versuchte, uns von oben zu dirigieren, schlossen wir anderen vier uns letztendlich doch als Grüppchen zusammen und liefen gemeinsam. Es gibt fast anderthalb Kilometer Wege im Irrgarten, kein einziger ist eine Sackgasse, und je nach Glück und Gedächtnis kann man lange, sehr lange immer wieder im Kreis laufen, bis man den richtigen Weg findet. Wir haben diesmal über eine Stunde gebraucht und sind bestimmt insgesamt fünf Kilometer gelaufen.

Kann jedes Maislabyrinth einpacken gegen so einen 300 Jahre alten Irrgarten!


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Reiserückblick (1): Nach Süden segeln

Jede unserer Reisen beginnt auf dem Meer.

(So ist das, wenn man auf der anderen Seite der Ostsee wohnt.)

Sommerurlaub ist besonders schön, denn dann schiebt sich die „Grace“ nicht in finsterer Nacht, sondern im Abendsonnenschein am Badehäuschen vorbei durch den Wald aufs Meer hinaus.

Diesmal gab’s aber was Neues: schon am Hafen wunderten wir uns, was für eine sich drehende Säule die „Grace“ da neuerdings neben dem Schornstein hat.

Ein Segel! Voll cool! Und umweltfreundlich!

Man lernt nie aus…!